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KuldaerMZeitung

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M23.

JuLöa, Montag, den 28. Januar 1901.

28. Jahrgang.

Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung^ für die Monate Fe­bruar «ud Mär^ werden zum Preise von 1 Mark (ohne Bestellgeld) von allen Post- anstalten, Laudbrieftrager« und von nn- serer Expedition (Harmonie) fortwährend entgegengenommen.

© Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie?

Der konservative Abgeordnete Graf Lim- burg-Stirum hatte in einer Etatsrede im preußischen Abgeordnetenhaus- eine Aeußernng gethan, die mehrfach so gedeutet worden ist, als wollte er damit sagen, daß er im Namen seiner Partei ein neues Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie wünsche. Namentlich die Zeitungen von derjenigen Sorte, die sich den wenig rühmlichen Beiname» der Schars- macherprefse erworben hat, beeilten sich, mit dieser Deutung auf den Plan zu treten; und eines da­von, das mit den Ton in dem Chorus angibt, auch öfter zu halbamtlichen Kundgebungen be­nützt wird, that den Ausspruch, die Partei der Grafen Limburg - Stirum würde sich ein großes Verdienst erwerben, wenn sie mit einem ent­sprechenden Anträge an den Reichstag herantreten und diesen Antrag alsdann in jeder neuen Tagung von Neuem einbringm wollte. Sei auch jetzt auf Annahme nicht zu rechnen, so würde schließlich doch der Widerstand dagegen besiegt und ein neues Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie vom Reichstage angenommen werden.

Die Scharfmacherei hatte den Ball ausge­worfen. Aber Niemand hat ihr den Gefallen ge­than, ihn aufzunehmeu und ihn ihr zu weiterem Ausnahmegesetz-Spielchen wieder zuzuwerfen. Die Offiziösen schwiegen hartnäckig zu dem Vorschläge; einer davon aber winkte deutlich ab. Dieser Eine sagte in überraschender und erfreulicher Klarheit der Scharfmacherei die zwar nichts weniger als neue, aber für die Ausdrucksweise der Offiziösen doch große Wahrheit, daß durch neue Ausnahme- Bestrebungen gegen die Sozialdemokratie diese nur neue Nahrung und wieder größere Festig­keit in sich selbst gewinnen würde. Die konser­vativen Zeitungen aber haben sich merkwürdig still zu der ganzen Sache verhalten, gerade so, als sei ihnen gar nicht wohl dabei; bi« nun endlich ein Blatt, das zwar nicht der konservativen Partei unbedingt angehört, aber in deren Reihen doch vollkommen heimisch ist, auch ein Wort der un­mittelbaren Abwehr findet. Die agrarische ,Deutsche Tageszeitung' ist e«, die „entschieden dem Gedanken eines Antrages auf Erlaß eines Sozialistengesetze« widerräth" — so ihre eigenen Worte. Noch deutlicher kann man sich kaum in der Ablehnung der gestellten Zumuthung aus­drücken; und wieder einmal haben wir die elfreu- liche Thatsache zu verzeichnen, daß der Gedanke einer Ausnahme-Gesetzgebung gegen die Sozial­demokratie je länger desto mehr auf den Hund

Dennoch aufwärts.

Roman von L. v. Neid egg.

19 ------ (Nachdruck verboten.)

LI. Kapitel.

Karls Ausscheiden aus dem Geschäft zeigte sich weittragend in feinen Folgen. Er hatte sich keineswegs "überschätzt, als er die Vermuthung aus sprach, seine Besonnenheit halte den Vater vor mancher Uebereilung zurück; Büchner, seinem Nachfolger, mangelten alle Eigenschaften, dies zu erreichen. Er war seiner Aufgabe in keiner Weise gewachsen, und die Folgen dieser Unzu­länglichkeit traten auffallend rasch zu Tage. Der ersten Anleihe bei Blankenhorn hatte eine zweite folgen müssen, und auch diese hatte nur vorübergehend Hilfe gebracht.

Armbruster arbeitete sich zuweilen in beinah verzweiflungSvolle Erregung Über den Stand seiner Angelegenheiten hinein. Im nächsten Augenblick sah er aber wieder hoffnungs- sroh in die Zukunft. Helene würde sich bereit finden lasten, Blankenhorn zu hei- rathen, der dann mit Geldnachhilfe nicht kargen, vielleicht sogar als Theilhaber ins Geschäft treten würde, sagte er sich. Noch weitere, gar weit auSschauende Pläne wußte er zu schmieden, — von Spekulationen, auf die er sich dann einlasten wollte, durch welche der Traum seine« Lebens, zum reichen, hochangesehenen Manne zu werden, sich erfüllen müßte.

Durch Scheingründe beschwichtigte er sein Gewisten über den Handel schlimmster Sorte, den er beabsichtigte und träumte sich nach jedem

!ommt. Und muß man denn nicht auch annehmen, daß die Negierung selbst ein solche« Ausnahme­gesetz für mindestens überflüssig hält, so lange sie licht den Entwurf eine« solchen beim Reich«tage beantragt? Ihre Sache würde e« sein, mit eine« olchen Gesetzentwürfe hervorzutreten, wenn sie ihn ür nothweudig «der wünschen«werth halten sollte, riemal« aber die Aufgabe einzelner parlamen­tarischer Parteien.

Zu dieser löblichen Enthaltsamkeit trägt ohne Zweifel sehr viel die Erfahrung der letzten Jahre bei. Die Novelle zum preußischen BereinSgesetz, benannt das kleine Sozialisten-Gesetz, konnte im Jahre 1897 nicht einmal im preußischenAbgeord- netenhause durchgedrückt werden; und der aller- etzte ähnliche Versuch, der im Jahre 1899 mit dem sogen. Zuchthaus-Gesetze im Reichstage ge­macht wurde, scheiterte in einer gerade so klag- ichen Weise, daß man recht gut annehmen kann, die Regierung fei nun für einige Zeit von Be- trebungen ähnlicher Art geheilt. Sollte sie dennoch noch einmal einen ähnlichen Versuch wagen, so würde ihre neue Niederlage denen, die sie schon erlitten hat, an durchschlagender Kraft nichts nach- । eben. Namentlich das Centrum würde mit aller Entschiedenheit die Erneuerung solcher Bestrebun­zen zurückweisen, wie eS dar bisher stets gethan at, und gerade beim Centrum kann sich die Sozialdemokratie dafür bedanken, daß ihr nicht chon ein neues Ausnahme-Joch auf den Nacken zelegt worden ist. Daß dieser Dank der Herren Genossen darin besteht, stets das Centrum und immer wieder das Centrum am allerschnüdesten zu verleumden, wird dieses letztere in seiner Hal« ung nicht wankend machen. Diese fast krankiplste Verleumdungssucht, von der die sozialdemokrati­schen Macher dem Centrum gegenüber befallen sind, rechnet sich das Centrum vielmehr zur Ehre an. Sie beweist nämlich, daß die Sozlaldemo- kratie gerade das Centrum in seinem Einflüsse auf die Arbeiterschaft fürchtet; und sie beweist gleichzeitig weiter, daß eben dieses Centrum in einem Kampfe gegen die Sozialdemokratie mit den richtigen Waffen streitet.

Sollte das nun endlich einmal die Regierung eingesehen haben und diese letztere aus innerer sieberzeugung heraus auf weitere AuSnahme-Ge- etze verzichten, weil diese der Sozialdemokratie nur neue Nahrung und wieder größere Festigkeit geben würden, so würde diese SinneSwandlung als ein ganz besonderer Erfolg der CentrumS-Politik zu begrüßen fein. Sonst ober wird das Centrum bei erneuten Ausnahme­gesetz-Versuchen stets von Neuem mit großer Ruhe und Entschiedenheit fein rundes Nein sprechen.

Deutsches Keich.

Berlin, den 86. Januar.

h Nach einer Meldung der,Rhein.-Westfäl.- Ztg/ soll der Kaiser sich unzufrieden ge­äußert haben darüber, daß Reichstag und Preu­ßisches Abgeordnetenhaus beim Empfange der Nachricht von dem Ableben der Königin Viktoria nicht zum Zeichen der Trauer ihre Sitzungen aufgehoben hätten. DaS klingt unwahrscheinlich.

Anfall von Muthlostgkett in erneute Vertrauens­seligkeit hinein.

Auch Helene hatte ihre Träume. Seit jenem Festtage befand sie sich in einem wahren ParadieseSgarten voll BlÜthen und Sonnenschein. Aller, waS je zwischen ihr und Julius vor­gefallen war, legte sie sich nach ihrer Weise aus. Die Bücher, die er ihr geliehen, jedes Wort, das er an sie gerichtet hatte, all diesem unter­legte sie besondere Bedeutung. Sie glaubte darin das Aufkeimen einer Neigung zu entdecken, die, erst noch ein zartes Pflänzchen, zum mächti­gen Stamm: fähig, Stürmen und Ungewittern zu trotzen, sich entwickeln würde. Ein großes, unverdientes Glück schimmerte ihr entgegen; demüthig sagte sie sich, daß sie nur, indem sie dar Beste in sich zur Entfaltung bringe, sich dessen würdig zeigen könne. Gleich einem Mo­narchen, der an feinem Krönungstage mit vollen Händen Silber und Gold unter die Menge wirft, hätte sie jedem mittheilen mögen von den Schätzen an wohlwollender Liebe, die sich in ihrem Herzen angefammelt hatten.

Es war am Sonntag Nachmittag. Helene kehrte von einem Spaziergang zurück, den sie mit den Schwestern gemacht und mit einem Krankenbesuch verbunden hatte. Herbststimmung lag über der Landschaft auSgegossen; in ihrem Serzen trieb aber der Frühling feine reichsten lüthen. Alles ließ sich vielversprechend an. Von Karl liefen fortwährend gute Nachrichten ein; freundlich ausgenommen, fühlte er sich zu­frieden. Der Vater zeigte sich in letzter Zeit weniger mißgelaunt und heftig. Wie sehr hatte sich doch alles verändert feil jenem Tage, an dem sie, mit dem Schicksal hadernd, denselben

Die genannten Parlamente haben das Andenken I der abgeschiedenen Königin in würdiger Weise । geehrt. ES ist nicht parlamentarischer Brauch in Deutschland, die Sitzung in Folge der Todes eines fremden Souveränr auszuheben. Die ,Berl. Reuest. Nachr/ erinnern daran, daß auch das englische Parlament nach dem Ableben Kaiser Wilhelmr I. sich nicht vertagt hat. — Der Kaiser bleibt bis nach der Beisetzung der Königin in England. Es war berichtet worben, er habe für eine Sitzung des preußischen LandeS-Oekonomie- KollegiumS sein Erscheinen ansagen lassen. Diese < Sitzungen sollen am 31. Januar, 1. und 5. , Februar stattfinden; es könnte fich also nur um die Sitzung am 5. Februar handeln.

• Der danisHeAafttz mMsstindie« wird i nunmehr doch bald allen ooraufgegangenen Ab­leugnungen zum Trotz an die Vereinigten Staaten von Nordamerika durch Verkauf übergehen. Im dänischen Parlamente hat am < letzten Donnerstag der Berichterstatter der Finanz- , Kommission, Iba. Christofer Hage, mitge- j theilt, daß dir Mehrheit dieser Kommission ihre Geneigtheit bekundet habe, die dänischen Antillen an die nordamerikanische Union zu verkaufen, vorausgesetzt, daß gute Verkaufs-Bedingungen zu erlangen sind. Sonderbarerweise hat Herr Hage in der öffentlichen Sitzung des Folkething gleich noch hinzugesügt, daß der Besitz dieser Inseln mit großen Kosten für die dänische Staatskasse ver­knüpft fei — daS ist gerade keine Empfehlung für ein Ding, da« man gern verkaufen möchte!

* ASz. Aerokd bat, unterstützt vom Centrum, im Abgeordnetenhause folgenden Antrag einge­bracht: Die Königliche Staatsregierung zu er- suchen, eine Umgestaltung der General­kommissionen nach der Richtung herbeizu­führen, daß dem Laienelement bei der Beschluß­fassung in den Verschiedenen Instanzen eine an­gemessene Mitwirkung zugewiesen und die Zu- stündigkeit den allgemeinen StaatSverwaltungs- behörden gegenüber anderweit geregelt wird, so­wie eine Ausbildung der Generalkommisstonen zu Agrargerichten in Erwägung zu nehmen.

+ Aa» (ZßsrpräüdiUM für Merkt«. Der angekündigte Gesetzentwurf über ein beson­dere« Oberpräfidin« für Berlin soll demnächst an den preußischen Landtag gelangen. Nach einer Ankündigung in einem halbamtlichen Organ handelt e« sich dabei nicht u« die Bildung einer „Provinz Berlin", sondern „lediglich darum, den jetzigen Poltzeibezirk Sroßberlin in einen Lande«ver- waltnngrbezirk mnzuwandeln, an dessen Spitze ein besonderer Oderpräfldent steht, der zugleich die Funktionen de« Regierung«präsidenten wahrzunehmen haben wird." Von einer Aenderung der kommu­nalen Gestaltung soll keine Rede sein.

X Mitt-W NMb die

schafl. Al« der neue Reichskanzler und Minister­präsident Graf Bülow zum ersten Male im preu­ßischen Abgeordnetenhause erschien, benützte er die Gelegenheit diese» seine« Antrittsbesuches im preußischen Landtage, um zu versichern, daß die Regierung >on aufrichtigem Wohlwollen für die Landwirthschaft durchdrungen und von der Noth- wendigkeit überzeugt fei, daß ihr die Hilfe de» Staate« nicht fehlen dürfe. Hinterher entstand ein Weg mit Karl gegangen und Julius Merk be­gegnet war! Wie damals loderte auch heute der Abendhimmel in flammendem Roth, und strahlend, wie die Wölkchen, die darüber hingen, fliegen glänzende Traumbilder in ihrer Seele auf.

Vom Himmel kehrten ihre Blicke zur Erde zurück, und sie erkannte Julius, der, den Kopf gesenkt, gedankenvoll in einiger Entfernung zwischen den Hecken ging. Welch' geheimniß- volle Verbindung bestand doch zwischen ihm und ihr, daß er unter der Einwirkung ihres Blickes den Kopf erhob und nach ihr sah. Einen Augen­blick stand er, wie unentschlossen, still; in der nächsten Sekunde schwenkte er aber vom Wege ab und eilte in großen Schritten über die Wiesen zu ihr. Klopfenden Herzens stand sie unbeweg­lich: et war ja ihr Glück, das sich ihr nahte.

Der junge Mann war sichtlich bewegt; fein Athem stockte, seine Stimme klang unsicher, wie­wohl er nur von gleichgiltigen Dingen redete. Seine Verwirrung steigerte die ihre; sie fand kaum Worte, ihm zu antworten. Süße Schauer durchrieselten sie von Kopf zu Füßen, als er — wie sich zu einem Entschlüsse aufraffknd — die Frage an sie richtete, ob er ihr wohl ein Ge- helmniß anvertrauen dürfe?

Sie versuchte zu sprechen, kein Laut wollte jedoch über ihre Lippen; mit einem unbeschreib­lichen Blick voll seliger Erwartung neigte sie den Kopf.

„Sie sollen die Erste sein, dasjenige zu er­fahren, was selbst meine Mutter erst in einigen Tagen hören darf, wenn ihr Bruder, der Dominikaner, eingetroffen ist, der mir helfen

Streit darüber, ob der Kanzler von „gesteigertem" ober „gesichertem" Zollschutze für die landwirth- chastllchen Erzeugnisse gesprochen habe; in dem etlichen Wortlaute der Rede stand „gesichert".

1 )a war nun heute (am Samstag) dem Reichs­kanzler von Neuem Gelegenheit gegeben, fich zu demselben Thema zu äußern. Im preußischen Ab- geordnetenhause stand auf der Tagesordnung der 8tat der landwirthschastlichen Verwaltung, und zu üese« Etat war, wie bekannt, gemeinsam vom Centrum und von den beiden konservativen Parteien ein Antrag eingebracht worden, die Regierung zu ersuchen: „mit größter Entschiedenheit darauf hin- zuwirken, daß bei der bevorstehenden Umänderung unserer handelspolitischen Verhältnisse der Land­wirthschaft ein wesentlich gesteigerter Schutzzoll zu Theil werde, und in diesem Sinne rafür Sorge zu tragen, daß baldigst die Vorlage des in Vorbereitung befindlichen Zolltarife« an den Reichstag erfolge". Der konservative Ab­geordnete Dr. v. Heydebrand und der Lasa be­gründete diesen Antrag und ersuchte am Schluffe einer Rede die Staatsregierung um eine umtm- vundene Erklärung dazu. Diese Erklärung erfolgte »fort. Ministerpräsident Graf Bülow erhob ch sofort und verlas unter lautloser Stille des

Hause« folgende Erklärung:

„Im Namen der Königlichen Staat»regierung habe ich mit Bezug auf den zur Berathun» stehenden Antrag die folgende Erklärung abzugebeu:

?n voller Anerkennung der schwierigen Ber- ältniffr, in welcher fich die Landwirthschaft befindet, und von de« Wunsche beseelt, die Lage derselben wirksam zu verbessern, ist die Königliche Staattregierung entschlossen, auf die Bewahrung eine» ausreichenden und des­halb entsprechend zu erhöhenden Zoll­schutz er für die landwirthschastlichen Produkte hinzuwirken. Die Königliche StaatSregierung ist firner bestrebt, die Setlage deS neuen Zoll­tarife» in jeder Weife zu beschleunigen."

Nunmehr wird auch für die Zweifler kein Zweifel mehr darüber obwalten können, daß ein gesteigerter Zollschutz für die landwirth- chastlichen Erzeugniffe von Anfang au gemeint war. Etwas Anderes hätte ja auch thalsächlich gar keinen Sinn gehabt. Nun bleibt noch zu wünschen übrig, daß die Bemühungen um die Beschleunigung der Vorlage deS neuen Zoll- tariseS im Reichstage von recht gutem Erfolge begleitet sein, die Zolltarifvorlage demgemäß noch int Laufe dieser Tagung an den Reichstag gelangen möchte. Erst dann wird man in der Lage sein, zu beurteilen, ob der von den Re­gierungen in Aussicht genommene Zollschutz so bemessen ist, daß er wirklich für die Bedürfnisse der Landwirthschaft auSreicht.

X fir kemdWirlßscha-ttich-

Krze«S«isse. Der angekündigte Antrag des CentrurnS und der Konservativen iftnun- mehr im preußischen Abgeordnetenhause einge­bracht worden: der Antrag auf Erhöhung der landwirthschaftlichen Zölle und beschleunigte Vor­legung des neuen Zolltarifs — genauer gesagt, der Antrag, die preußische «taatSregierunz möge in diesem Sinne innerhalb der verbündeten Re­gierungen thätig fein. ES ist äußerst lächerlich, dem preußischen Landtag da» Recht streitig machen zu «ollen, in dieser Sache mitzw eden,

will, sie mit dem Gedanken zu versöhnen: ich trete in den geistlichen Stand."

War es wirklich sie, der die Worte gesagt wurden, die sie wie in Erstarrung anhörte, wie­wohl sie im Schmerz hätte aufschreien oder in gellendes Lachen ausbrechen mögen?

Es dauerte eine geraume Weile, ehe sie mit einer Stimme, die ihr selbst fremd und hohl klang, antworten konnte: „Wesbalb machen Sie auS der einfachen Thatsache ein Geheimniß?"

„Der Vater ist längst von meinem Vor­haben unterrichtet und billigt es vollkommen; wir wissen aber beide, daß die Mutter außer sich gerathen wird. Aus diesem Grunde wollte ich mich ernstlich prüfen, ob mein Entschluß auch fest stehe, ehe ich ihn ihr mittheilte. Deshalb zog ich mich mehr und mehr vor der Welt zurück, kam hierher zur bescheidenen Praxis, die mir Zeit ließ, nebenher theologische Studien zu betreiben. Jetzt bin ich meiner selbst sicher: ich weiß, daß ich der Welt zu entsagen ver­mag."

„Ist denn das so Großes?" fiel Helene schneidend ein. Ist sie überhaupt eines Bedauerns werth? Warum sollte denn auch gerade Ihre That Besonderer vorstellen? Fürstensöhne haben Allem entsagt, Gott zu dienen."

Julius lächelte: „Sie geben mir eine heil­same Lehre Fräulein Armbruster. Etwas Eitelkeit steckt noch in jedem Menschen, selbst in dem künftigen Ordensbruder. Ich wähnte wirklich etwas zu geben, ja ich wähne es noch; denn mehr als das demüthlze, rückhaltlose Opfer feines Ich kann kein Mensch Gott darbringen."

„O hätte ich nur auch ihre Gottesliebs, ihren Frieden!" hätte Helene in aufloderndem