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geftretet «fc einspaltige Petit» »eil« ober deren RaumlsPfg.,Re« flamen die Petit­zeile 26 Pfg.; bei Wiederholungen wirb entsprechend. Rabatt gewLhrt.

Jahrgang.

Iutöa, Samstag, den 26. Januar 1901.

(8* nnfeeate XJ«»S»Uf» t» SiWa. mit Ankerhakkungs -Aeikage „Ilkuürirte Sonnlags-Zeitung"

P ^Zweites WLatt? || |

Wochen-Wunö fchcru.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 26. Januar.

Die vergangene Woche hat im besonderen Grade die Augen nach der Reichshauptstadt gelenkt, als den Mittelpunkt der Festlichkeiten, welche dem Andenken an die erste preußische Königskrönung vor 200 Jahren gewidmet waren. Zwei­hundert Jahre sind eine lange Zeit und da sie die preußische Geschichte umfassen, so waren sie auch eine Zeit reich an wechselvollen politischen Geschicken und zumeist an großen und immer mehr auch welthisto­rischen militärischen und politische» Erfolgen. Der 18. Januar 1701 war ja der Grundstein zu jener großartigen Entwickelung, die mit dem 18. Januar 1871 zu Versailles ihre Vollendung und Krönung sand. Wieviel hat sich seitdem geändert. Nicht im allwege wird man die Verhältnisse, die aus dem Ereignisse in den letzten 200Jahren erwachsen sind, erfreulich finden; manches, das entschwunden ist, wird man mit Be­dauern vermissen, darunter auch die alte preußische Einfachheit, die im Festefeiern freilich nicht so großes leistete wie unsere Zeit. Aber im Ganzen darf man sich doch des Errungenen freuen, insbesondere der neuen deutschen Kaiserkrone, und darf auch zu­versichtlich hoffen, daß die künftige Entwickelung aus den vererbten soliden Grundlagen in ruhiger und bei allem weltpolitischen Plan vorbedachtsam abwägender Weise weitergehen möge; daß Preußen und das deutsche Reich nach außen hin stark und geachtet noch immer einig und feit gegründet auf Ge­rechtigkeit und Duldung, gemäß dem hoffent­lich immer mehr zur Wahrheit werdenden alt» preußischen Wahrspruche: — Jedem dasSeine — als angesehener und mächtiger Kulmrfaktor vorwärts schreiten möge. In diesem Sinne hat das deutsche Volk an dem Feste Preußens innigen An.heil ge­nommen. Daß Deutschland unter Preußens Führung stets ein Hort des Friedens bleiben möge ist insbesondere der Wunsch Aller, die es mit ihren Batcrlande wahrhaft gut meinen. Möge die Theilnahme der Vertreter aller europäischen Sou­veräne an den Berliner Festlichkeiten ein gutes Omen für eine friedliche Entwickelung der künftigen Dinge sein!

Die beiden Berliner Parlamente haben an der Zweihundertjahrfeier des preußischen Königsthums natürlich herzlichen Antheil genommen. Sie selbst hatten dadurch einige Feiertage, welche beiderseits die Etatsberathung unterbrachen. Letztere steht im Reichstage wesentlich im Zeichen der Sozial­politik, während sie im preußischen Landtage einer­seits von der günstigen Finanzlage — im Gegensatz zu derjenigen des Reiches anderseits von den großen wirthschastlichen Fragen, Kanalvorlage und Handels­verträge ihr charakteristisches Gepräge erhält. Graf Bülow scheint auf die Verabschiedung der Kanalvorlage vor Berat hungderHan del s- verträge dringen zu wollen, während ander­seits die agrarfreundliche große Mehrheit des preuß. Abgeordnetenhauses gar. keine Eile hat, das heikle Kanalproblem im Handumdrehen zu lösen. Jeden­falls ist kein sachlicher Grund vorhanden, die Handels- vertragssragen mit der Kanalpolitik zu verkoppeln denn sie müssen eine bestin, nte Lösung finden (und zwar nach den Wünschen der gesummten deutschen Landwirthschast, von der in Wahrheit die Zukunft abhängt), ganz gleich, was aus der Kanalvor­lage wird.

Em Mßc-opster Witt.

Es war unter der Kaiserin Katharina II. in Et. Petersburg. Ein sehr reicher Fremder, Namens Emil Suderland, war Hosbankrer und russischer Staatsbürger geworden. Da er stets bereit war, dem Staate große Summen vorzu- schießen und zwar mit nur sehr geringen Pro­zenten, so stand er bei Hofe in großer Gunst. Eines Morgens brachte ihm sein Diener die Nachricht, daß sein Haus von Polizei-Soldaten umstellt sei und der Polizeidirektor ihn zu spre­chen verlange.

Dieser Letztere, ein gewisser Klejew, trat mit bestürzter Miene in das Zimmer des Bankiers. „Herr Suderland," sprach er zu ihm, „ich sehe mich zu meinem größten Bedauern durch den Auftrag meiner erhabenen Herrscherin, deren Strenge mich sogleich erschreckt, genöthigt. Sie. . ."

„Was habe ich denn gethan?" unterbrach ihn der Bankier, welcher bleich und entsetzt aus seinem Seffel aufgefahren war.

„Ich weiß es nicht.... Ich kann Ihnen darüber nichts sagen," stotte te der Po­lizeichef.

„Aber welchen Befehl haben Sr- denn aus» zusührsn?"

„Ach, mir ist aller Muth gesunken, es Ihnen zu sagen! Es ist schrecklich."

„Sie erschrecken mich! Habe ick vielleicht das Vertrauen der Kaiserin eingebüßt?"

Indem wir so die Parole „Kein Kanal, keine erhöhten Getreidezölle" ganz ent­schieden ublehnen, müssen wir uns natürlich auch dagegen verwahren, als ob wir etwa eine Umkehrung dieser Parole erstrebten: Ohne höhere Getreidezölle keinen Kanal! Auch die Kanalfrage für sich ist rein nach sachlichen Erwägungen zu betrachten, wirthschastlichen, finanziellen und technischen. Bisher waren diese in ihrer Gesammtheit der Kanalplänen nicht günstig; ob sich die Verhältnisse hierin geändert haben, werden die Verhandlungen ergeben. , Während die Handelsverträge eine Frage der Reichspolitik sind, ist der Kanalplan zunächst eine innere Frage Preußens. Damit wollen wir steilich nicht sagen, daß andere deutsche Staaten, und zwar nicht bloß norddeutsche Kleinstaaten, sondern auch süddeutsche Bundesstaaten kein erhebliches Inte­resse an der Kanalvorlage hätten. In Süddeutschland, das muß zugegeben werden, wünscht man überwiegend das Zustandekommen der preußischen Kan aloorlage, weil man davon eine günstige Rückwirkung auf süddeutsche Kanal- und Flußregulirung, namentlich soweit Preußen hieran unmittelbar betheiligt ist, wie z. B. an der Fortführung der Mainkanalisation nach Bayern hinein, erwarten darf. Wenn auch größere Ka'nalpläne in S ü d d eu t s ch l a n d noch manchen Widerstand finden, so ist doch der Wunsch eines vollwerthigen Anschlusses an die nordwest­deutschen Wasserstraßen nahezu allgemein. Der Reichsgedanke würde durch ein verständiges E itgegen- korumen Preußens, das leider nur zu oft — vergl. seine Eisenbahnpolitik — vermißt wird, nur ge­winnen.

In Bayern erregt gegenwärtig eine militärische höfische Angelegenheit großes Aufsehen. Prinz Alfons, eines der beliebtesten Mitglieder des Königshauses, ist ziemlich plötzlich seines Postens als Kommandeur der 1. K av alle rieb riga de enthoben worden. Die Sache spielt allerdings schon länger, ohne aber weiteren Kreisen bekannt ge­worden zu sein, und ihr Abschluß wickelt sich auch überraschend schnell ab. Prinz Alfons erregte näm­lich bei den letzten Manövern die Unzufriedenheit seines Vorgesetzten, des Generalleutnants von Könitz, und Prinz Leopold stimmte dem letzteren bei. Prinz Alfons erhielt daher, nachdem die Angelegenheit auch das Kriegsministerium beschäftigt hatte, einen blauen Bries in optima forma, d. h. die Mittheilung, üaß er ein höheres Kommando nicht erhalte» werde. So­fort bat der Prinz um seine Entlassung — und er­hielt sie umgehend, schneller noch als er sie a> scheinend selbst erwartet hatte, allerdings in den ebi »vollsten Formen — aber was macht das? Eine Ver^rnmung ist jedenfalls vorhanden, und sie reicht her». »er bis in die weitesten Volksschichten, in welchen Prinz Alfons, ein schneidiger Kavallerist und humaner Vor­gesetzter seiner Leute, überaus populär ist. Nebenbei sind auch die finanziellen Folgen der Entlassung für ihn recht empfindlich. Die bayerischen Prinzen, die den Dienst quittiren, erhalten nämlich feine Pension. Prinz Alfons hat jetzt kein weiteres Einkommen mehr als den Theil der Gesammtapauage von 170000M., die sein älterer Bruder Ludwig Ferdinand für die ganze Familie des verewigten Prinzen Adalbert, des jüngsten Sohnes des Königs Ludwigs I., empfangt.

In Württemberg ist der neugewählte Land­tag zusammen getreten und hat wieder Payer (B o l k s p a r t e i) zum Präsidenten, Dr. Kiene (Centr.) zum Vizepräsidenten gewählt, entsprechend der Partei­stärke. Aus der Thronrede, die sehr vorsichtig ab­gefaßt ist, geht hervor, daß die Berfasiungsrevisioil einstweilen ruhen wird. Das erregt den Aerger der Volkspartei, die doch durch ihr herrisches Auftreten das Scheitern der letzten Revision hauptsächlich ver­schuldet hat. Sie erklärte daher dem neuen Minister­präsidenten General von Schottenstein den Krieg und beantragt die Beantwortung der Thronrede durch eine

„O, wenn es weiter nichts märe, als dies!

Sie würden es roiedergeroirmen."

„Nun, dann handelt es sich vielleicht darum, mich in mein Vaterland zurückzuschrckea?"

„Ha, nein, durchaus nicht! Es ist noch be­deutend schlimmer als das!"

„Wie!? Will man mich etwa wegen eines Verbrechens, das ich begangen haben soll, »ach Sibirien verbannen?"

„Buch das nicht! Aus Sibirien kehrt man zurück."

„Oder mich in ein Grfängniß werfen?"

„Das wäre nicht schlimm. Man wird wieder auS demselben befreit."

„Göttliche Güte! Sie bringen mich zur Verzweifluvq! Bin ich vielieicht zur, Kuule verurthetit."

„Hm, nein, das wäre schrecklich für Eie, doch es würde S»e wenigstens nicht lösten.“

Der Bankier erfaßte krampfhaft die L-Hnr seines Sessels, als er diese Worte des Polizri- chess vernahm.

„Was.... was sagen Sie?“ rief er stotternd. „Herr, mein Gott ... so ist alfo mein Leben in Gefahr? Ich Ungsücklicher, ich! Aber die Kaiserin war doch immer so gütig gegen mich und jetzt möchte sie mich . . ."

„Ach mem lieber Herr," unterbrach ihn Krjew, ohne den Entsetzten anzublicken. „Sie sehen, wie sehr ich Sie beklage! Aber ich bin gezwungen, den erhaltenen Befehl auszuführen. Ich muß es Ihnen Inder sagen, die Rat j er in hat mir befohlen, Sie ausftopfen zu lassen."

Adresse. Aber nur die Sozialdemokraten stimmten hr zu und die Adreßdebatte wurde abgelehnt. Ihre katzenjämmerliche Stimmung wird dadurch nicht ver­bessert.

Die österreichischen Wahlen sind beendigt. Das Gesammtergebniß zeigt, daß der Jubel der Judenpresse über die Niederlage der Christlichsozialen verfrüht war. Die Verluste derselben sind nicht so groß, wie es nach den ersten Wahlnachrichten den Anschein hatte. Sie verlieren 6 Mandate, wäh­rend die katholische Volkspartei 4 einbüßt. Die Hauptsache aber ist, daß nicht die Judenliberalen da­von bv«t Vortheil haben, sondern die radikalen deutschen Gruppen, die von Hause aus auch antise­mitisch sind, vor allen Dingen die Schönerianer, d'e von 8 auf 21 Mann gestiegen sind. Das beweist, wie weit die nationale Verhetzung schon um sich ge­griffen hat. Die schwersten Verluste haben die Jung­tschechen zu beklagen, weil von diesen sich einige kleine ©ti ppen — Klerikale und Agrarier — losgelöst und Erfolge erzielt haben. Außerdem sind 4 tschechisch- nat.onale Arbeiter gewählt worden, letztere im Gegen- atz zu den Sozialdemokraten, die überhaupt von 15 auf 10 Mandate heruntergekommen sind und noch mehr verloren hätten, wenn sie nicht in Wien und Deutsch-Oesterreich überhaupt dank der liberalen Wahl­hilfe den Christlich-Sozialen ein paar Mandate abgenommen hätten. Verstärkungen haben noch die Polc.i (5) und die Italiener (4) zu verzeichnen, die übrigen Parteien sind sich im Wesentlichen gleich ge­blieben. Wie mit diesem Reichs» ath ein verfassungs­mäßiges Regiment geführt werden soll, ist vorläufig ein Räthsel.

In der französische» Kammer tobt der Kampf um das V ere i n s g e s e tz, mit welchem die jüdisch-fl eimaurerische Regierung die Orden und Kon­gregationen ihres Vermögens, das der Pflege der Kranken und dem Unterricht dient, berauben und einen Kulturkampf entfesseln will, der die katholische Kirche in Frankreich zertrümmern soll. Wahrschein­lich ist es ganz gut so — für die katholische Kirche. Kulturkämpferische Blätter in Deutschland fürchten das bereits und erheben daher warnend ihre Stimmen, indem sie an das Fiasko des Bismarckschen Kultur­kampfes erinnern.

Englands greife Königin weilt nicht mehr unter den Lebend» . Auch ihre Natur hat doch end­lich dem Alter fei u Tribut zollen müssen und die Königin hat nicht . « Trost mit ins Grab hinab- nehmen dürfen, daß das Blutvergießen in Süd­afrika, das so düstere Schatten auf ihren Lebensabend und auf ihren Nachruhm geworfen, zu Ende sei. Es l-nn noch recht lange dauern, und es ist sogar zweifelhaft, ob es mit einem tatsäch­lichen Siege Englands enden wird, zu seinem Ruhme kann es ohnehin nicht enden. Wie lange ist es her, seit die englischen Staatsmänner und Truppenführer jubelten: der Krieg ist thatsäch- lich zu Ende! und heute — stehen zahlreiche Buren- kommandos fest vor den Thoren von Kapstadt.

Dewets Macht ist ungebrochen und Botha droht mit einem neuem Einfall in Natal!

Auf dem sogenannten Kriegsschauplatz im fernen Osten steht dagegen Alles beim Alten, und die Hauptarbeit fällt dabei den Diplomaten zu, die von den chinesischen Unterhändlern einen Tag um den andern sich zum Narren halten lassen müssen. Mit Ach und Krach bewirken sie erst die Unter­zeichnung der Friedenspräliminarien, bann allmählich auch ihre Untersiegelung mit dem kaiserlichen Siegel — und bann kommen die Chinesen wieder mit Ein­wendungen gegen Einzelpunkte des bereits unter­zeichneten und untersiegelten Präliminar - Ver­trages. Wie lange soll dieses Spiel noch dauern?

Der Bankier starrte den Polizrichef verblüfft an, als Habs er ihn nicht verstanden. „Wie?" rief er. „Wie fügten Sie?"

„Ich soll Sie ausstopfrn kaffen, sagte ich," erroiverte Klejew.

„Aus . . . stopfen!" schrie Suderland. „Herr, gestchen Sie, daß Sie sich geirrt haben, daß ..."

„Leider nein, ich habe mich nicht geirrt!"

„Nun, dann haben entweder Sie die Ver­nunft verloren oder die Zarin die ihrige. In unserem Jahrhundert und in Europa Jemanden ausftopfen wollen! Das ist ja unerhört! Das kLN» nicht sein! Gehen Sie doch!"

„Es erscheint allerdings außergewöhnlich selt­sam, in der That, ich gestehe es Ihne»; allein e$ ist so, genau so, rose ich Ihnen sage. Ich schwöre es Ihnen!"

„Ausstopfrn! Einen Bankier! Schändlich! Abscheulich!"

„Ich darf Tie nicht weiter anhören. Die Kaiserin wünscht nicht, daß man bei der Aus­führung ihrer Befehle zögert und erst sich langen Bedenken hingibt. Ich bitte Sie also, sich zu beeilen, mir zu folgen."

Der Zorn, die Furcht, das Erstaunen, die Thränen des armen Menschen, Alles daS läßt sich leicht begreifen. Indessen machten sie doch so viel Eindruck auf den Polizeichef, daß er ihm ewe Viertelstunde Verzug bewilligte.

„Sie ?ö.men mir wenigstens so viel Zeit noch gönnen, um an die Kaiserin ein Schreiben zu

Römische Briese.

IV.

ÜH Rom, 22. Januar 1901.

Am 15. ds. Mts. fand der etwas verspätete Neujahrsempfang der in Rom anwesenden Kardinäle durch Leo XIII. statt. Der hl. Vater empfing seine Besucher in seiner Privat­bibliothek neben seinem Schlafzimmer und unter- sielt sich über eine volle Stunde lang mit den« eiben. Offizielle Ansprachen wurden nicht dabei zehalten.

Die verschiedenen kirchlichen Trauer- eiern für König Viktor Emanuel II. ind alle programmmäßig verlaufen. Beim Re­quiem im Pantheon waren sämmtliche Groß­würdenträger des Staates zugegen, sowie eine große Anzahl von Deputationen von Eivil- und Militärbehörden. Das am 17. d. M. abgehaltene Seelenamt in der Kirche des Sudario wurde von den königlichen Hofkaplänen celebrirt und zwar in Geaenwart des Königs, der beiden Königinnen, der Annunziatenritter und bei Hofstaates.

Petristuhlfeier wurde festlich begangen in der Peterskirche, sowie in den Katakombe« des Cormeterium Ostrianum auf der Via No­mentana. In genannter Basilika wird bekannt­lich der Stuhl äufbrroahrt, auf welchem der hl. Petrus gesessen und gepredigt haben soll. Er befindet sich gegenwärtig in der „Cathedra" bei Bernini eingeschlossen, welche sich in der Apsis befindet. Früher stand dieser altehrwürdige Btschofsstuhl in der alten Taufkapelle des heil. Damasus und kam sodann in das sogenannte Oratorium des hl. Leo. Historisch erwiesen ist, daß diese „Cathedra Petri" bereits im zweiten Jahrhundert in hohen Ehren gehalten wurde. Auch in den genannten Katakomben wird ei« alter in Grein gehauener Bischofssitz als der­jenige bezeichnet, aus welchem der Apostelfürst getauft und gepredigt haben soll. Es existirt em Dokum-nt aus dem 5. Jahrhundert, in welchem es heißt, daß Papst Liberins auf der- selben Stelle getauft und gepredigt habe und zwar eigens in Erinnerung an den hl. Petrus und um dessen Beispiel uachzuahmen. Auch

heißt es, daß die hl. Märtyrer Papias und Maurus hier beigesetzt wurden und zwar „ad nymphas nbi Petrus baptizaverat*. Der bekannte Priester Jovaun endlich erwähnt unter seinen der Königin Theodelinde übergebenen Re­liquien auch Osl aus einer Lnmpe, welche vor „sedes, ubi prius sedit St. Petrus“ brannte. So wurde denn dieser alte Bischofssitz lange Zeit hindurch für denjenigen des Apostelfürsten ge­halten, bis Prof. Marucchi nachwies, daß diese Katakomben zu Zeiten des hl. PetruS noch gar nicht da waren. Immerhin ist es nach den neueren Forschungen nicht ausgeschlossen, daß Petrus an der Stelle, unter welcher sich die Ka­takomben befinden, nämlich in den Gärten der Familie Ostona, gepredigt oder gottesdienstliche Handlungen vorgenommen hat. Somit ist denn dies? Cathedra Petri mehr als ein Symbol auf- zufassrn.

Bekanntlich hat der Vortrag, welchen P. Grisar auf dem Münchener Gelehrten-Kou- gresse über den „Ueberkonseroatismus" hielt, hier in Italien und besonders in Rom selbst viel Staub richten, in welchem rch sie um Gnade bitte," sagte der Unglückliche.

„Es ist nichts gerechter als das," erwiderte Klejew. ,

Das Billet wurde geschrieben, der Pouzerchef nahm es und begab sich damit zum Kanzler, Grafe« von Bruces Als dieser es gelesen, warf er einen raschen Blick auf K'.ejw und schüttelte den Kopf. Er glaubte, daß der Polizeidirektor plötzlich wahnfinnig geworden wäre und richtete mehrere Fragen an ihn, die zu seinem Erstaune« dieser ganz vernünftig beantwortete.

„Hier muß ein Mißverständniß obwalten," sprach der Kanzler nach einer kurzen Pause.

„Hat Ihne» die Kaiserin wirklich klar und deutlich befohlen, Suderland ausstopsen zu lassen?"

„Ich kann das beschwören, Excellenz."

„Hm! Gut! Go folgen Sie mir und erwarte« Sie mich am Ausgange des Palastes."

Ohne zu zögern, begab sich der Kanzler zu der Kaiserin und theilte ihr die Thatfache mit, welche ihn zu ihr führte. Katharina, diese selt­same Erzählung vernehmend, rief entsetzt: „Mein Gott, welch abscheulicher Jrrthum! Dieser Polizei- birettor muß verrückt fern! Eilen Sie, gehe« Sie, befehlen Sie diesem Unsinnigen, daß er so­fort diesem armen Bankier, den er durch seine wahnsinnige Mittheilung tief betrübt hat, die Freiheit wiedergibt." Der Kanzler ging, führte den Befehl aus und fand, als er zurückkehrte, die Kaiserin laut lachend.

„Jetzt," sagte sie, „sehe ich wohl die Ursache einer ebenso komischen al« unglaublichen Scene