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mit Arrterßattungs -Meikage „Mustrirte Smmlags-Zntung"

JH 21.

JuLöol, Freitag, den 25. Januar 1901.

28. Jahrgang.

0 Zolltarif und preußische Kanalvorlage.

Klarer und bündiger, als es geschehen ist, konnte es im preußischen Abgeordnetenhaus« durch die Redner der Mehrheit, die Abgeord­neten Fritzen vom Crntrum und Graf Limburg-Stirum von den Konservativen, nicht betont werden, daß diese Mehrheit eine Verquickung der Behandlung der preußischen Kanaloorlage mit anderen politische» Fragen nicht haben will. Und ebenso klar drückte sich Reichskanzler Graf Bülow aus, als er in demselben Abgcordnetrnhause sagte, auch die Regierung wolle die neue Kanalvorlage gar nicht von hoch politischen Gesichtspunkten aus beur- theilt und behandelt sehen, sondern als eine wirthschaftliche Vorlage. Aber die Leute, die es angeblich vor lauter unbändiger Freundschaft für die Kanalvorlage nicht am'halten können, hören nicht auf alle diese, kluge» und gut gemeinten Wünsche und Rathschläge. Sie wollen gerade die Kanalvorlage zur politischen Wühlarbeit ausnützen, und so werden die Agitations-Versammlungen für diesen Gesetzent­wurf demnächst in Berlin ihren Anfang nehmen. Weitere solche Versammlungen in andern Städte« werden vermuthlich bald folgen; und wenn als­dann auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege das gewünschte Ziel der Aufrührung der politischen Leidenschaften erreicht und wiederum in Folge davon die Vorlage vom preußischen Abgeordnetenhaus« zum zweiten Mal abgelehnt sein w'rd, dann wird sich die Regierung wieder einmal bei ihre« Freunden bedanken können — bei solchen Freunde«, gegen die man den Herrgott um Schutz bittet, während man sich den G-gnern gegenüber selbst stark genug fühlt.'

Damit wenigstens wird schon jetzt von jener Seile stark gearbeitet, daß diejenigen Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses, die ein lebhaftes Interesse an dem Gedeihen der Land- wirthschast haben, angeblich die Kanalvorlage und die Gestaltung der zukünftigen Gelreidezölle in ihrer B-Hav>lrrng mit einander vergucken und die Kanalvorlage nicht eher verabschieden wollen, als bis sie sich versichert haben werden darüber, daß diese Zölle zu ihrer Zufriedenheit ausfallen werden. Es ist also schon jetzt, keine zwei Wochen «ach jenen bestimmten Erklärungen der anerkannten Parteiführer im preußischen Abgeordnetenhause, wieder so weit mit der politischen Brunnenvergiftung gekommen, daß man ungescheut ehreuwerthe Männer vor der Orffentlichkeit als bewußte Lügner hinstellt.--

Meint man wirklich, damit der Annahme der preußischen Kanal-Vorlage die Bahn zu ebnen?

Außerdem aber liegen die feierlichsten Ver­sicherungen der leitenden Staatsmänner vor, daß auch die verbündeten Regierungen voll­kommen von der Rothwendigkeit einer Erhöhung der Gelreidezölle durchdrungen find. ES ist doch also gar nicht mehr nöthig, in diesem Sinne einen Druck auszuüben und aller in allem genommen kann man nicht begreifen, zu welchem Zwecke die vorher gekennzeichnete Agitation

Dennoch aufwärts.

Roman von L. v. Neidegg.

17 ------ (Nachdruck verboten.)

„Gerade deshalb will ich keinen Mann haben, auf den ich herabsehen müßte," erwiderte sie.

„Schon gut!“ rirth der Vater spöttisch. „Dann ziehe ihn zu Deiner Höhe empor."

Ihr Trotz erwachte aufs neue: „Ich will aber einen Mann, auf den ich stolz sein kann. Mit diesem da auswärts gesehen zu werden, empfinde ich als Schcnde. Ich gehe nicht auf den Fest« platz, ich bleibe zu Hause, ich ... ."

„Du thust einfach, wat ich befehle. Ueber- morgen begleitest Du mich Nachmittags mit Marie und Agathe hinaus."

Helenens letzte Hoffnung, die auf Regenwrtter gerichtet gewesen war, schlug fehl. Die Sonne strahlte hell hernieder, und die festlich geputzten Menschen, die zum AusstrllungSplatze eilten, blickte» »oll Zuversicht nach dem tiefblauen, wolkenlosen Himmel hinauf, der ihnen «ngetrübte Festfreude in Aussicht zu stellen schien. Die Blumengewinde, ja selbst die banalen Aus- schmückungrn der Schaubuden, in Sonnenglanz getaucht, boten ein farbenfrohes, anmuthendeS Bild. Die Musikanten spielten ihre lustigsten Stücke, und zwischen den Buden bewegten sich lachend und plaudernd die Menschen und steckten sich gegenseitig durch ihre laute, lärmende Heiter- leit an. Nur Helene schritt finster und in sich gekehrt zwischen Vater und Schwestern hin. Sie hatte gehofft, in der Menge Blankenhorn eine Zeit lang ausweichen zu können; er wußte sie

dienen soll, wenn nicht ausgesprochen 'zu dem der unmittelbaren politischen Verhetzung der Parteien unter einander. Denn darüber kann doch niemand eisen Augenblick im Unklaren sein, daß leidenschaftliche Agitation für die Kanalvorlage draußen im Lande innerhalb des Parlamentes ein desto vorsichtigeres und sorg­fältigeres Prüfen und Abwägen heroorbringt und hervorbringen muß. Eine Sache, für die man so wild losschlägt, grräth unwillkürlich in den Verdacht, noch ganz besondere Schwächen an sich zu haben, die man durch leidenschaftliche Agitation gern verdecken möchte und dann wird es für den gewiffenhaften Parlamentarier un­umgängliche Wicht, doppelt und dreifach vor- sichrig zu Werke zu gehen, wo es sich um so ungeheure Summen des Volkeoermögens handelt.

Außerdem fist es aber auch gar nicht wahr, daß Konservativ? und Centrum im preußischen Abgeordnrtenhause darauf hinarbeiten, die Be- rathung der Kanalvorlage nach Möglichkeit hin­auszuziehen. Die erste Lesung derselben soll vielmehr schon am 5. Februar stattfinden; und bei dieser Festsetzung des Termins kann sicherlich kein Mensch behaupten, daß den Rednern der einzelnen Parteien übermäßig viele Zeit gelaffen sei für das Studium des Gesetzentwurfes und seiner außerordentlich umfangreichen Beigaben. Diese Frist ist im Gegenthril fast noch zu kurz bemessen, denn erst am letzten Montag ist das ganze Material in den Händen der Abgeordneten gewesen.

Aber von der link- liberalen Seite her ist auch eine gute und dankenswerthe Anregung ausge« gangen, nämlich der Vorschlag, die Bauraten für die Ausführung des Kanalgefetzes alljährlich in den Etat einzustellen. Im Anfänge wider­sprachen die Offiziösen. Aber auf einmal scheint der Wind in den oberen Regionen umqeschlagen zu fein, und ganz neuerdings gibt ein Offiziojus, dessen Weisheit ihren Ursprung in der unmittel­baren Nähe des preußischen Finanzministeriums zu haben pflegt, den anderen Aufschluß, daß dieser Gedanke „für sehr erwägenswerth zu er­achte« fei! Er ist es sicherlich. Aber bevor wir ko weit sein werden, uns über die Kostendeckung Bet preußischen Kanalvorlage zu unterhalten, wird noch recht viel Wasser in die deutschen Meere hinabrinve» müssen.

Deutsches Deich.

Berlin, den 24. Januar.

X „Aev1r«m»j«»ker^*. Ueberschlaue Leute haben die Entdeckung gemacht, daß die Duell­interpellation des Centrums von keinem adeligen Mitgliede der Centrumrfraktion unterzeichnet worden ist, und ziehen daraus den Schluß, daß diese „Centrumsjunker" die Interpellation nicht unter­zeichnen wollten. So viele Worte, so viel Un­sinn! Zur Zeit der Unterzeichnung dieser Inter­pellation befanden sich überhaupt nur zwei adelige Mitglieder der Centrumsfraktion der Reichstage« in Berlin, und diese beiden Herren waren an dem fraglichen Tage gerade nicht im Reichstage an­wesend — da» ist die höchst einfache und nicht« weniger als sensationelle Erklärung des Fehlens der adeligen Unterschriften, woraus man sogar

aber gleich herauszufinden. Nun wich er nicht mehr von ihrer Seite. Armbruster, von Rohr« roaffer in Beschlag genommen, arbeitete mit ihm Weltoerbefferungkplärre aus und ließ sich mit den Töchtern willig durch das Ausstellungsgebäude sowie von Schaubude zu Schaubude führen. Seine jungen Töchter kamen aus dem Jubel und der Bewunderung gar nicht heraus. Als sie aber erst auf vortrefflichen Tribünenplätzen saßen, die Blankenhain ihnen verschafft hatte, kannte ihre Dankbarkeit keine Grenzen gegen ihn, der ihnen den Zugang zu diese» Freuden erschloß. Gern hätten sie Helene gescholten, die steif dasaß und den Mund niemals zu einem Lächeln verzog.

Nu« kam der Glanzmoment des Tages: die PreiSvertheilung. Pferde und Ochsen, Kühe und Kälber in alle» Farben und Rasse» wurden blumenbekränzt vorgesührt, um prämiirt zu werden. Blankenhorn sah seine Erwartungen »och über« troffen: die ersten Preise fielen ihm zu. Sooft er einen neuen Triumph erlebte, stieg er in die Arena hinunter, sich beglückwünschen zu kaffen, sich auch einen Labetrunk zu gönnen. Jedesmal, wenn er zurückkam, klang seine Stimme lauter und wurden seine Witze derber. Der Kreis, der sich um ihn und Rohrwaffer versammelt hatte, wetteiferte mit ihm an lärmender Fröhlichkeit und stimmte wiehernd in sein Gelächter ein.

Helene blickte immer finsterer. I» ihrem Trauerkleide, die Augenbrauen zusammengezogen, die Lippen fest aufeinandergepreßt, hatte sie etwas Starres, Feindseliges, das den Anbeter unfehlbar abgekühlt haben müßte, Härten nicht Siegesrausch und Biergenuß sein Wahrnehmungsvermögen ab­geschwächt. Sie sah bittend nach dem Vater,

chon einen Gegensatz herausdrechseln wollte zwischen einer „Centrums-Volkspartei" und einer „Centrums- Adelspartei". Angeblich soll die CentrumSpreffe alle diese höchst interesianten Dinge künstlich „ver- chleiern" usw. usw. Ra, wenn nur die CentrumS- iresse niemals andere Dinge zu umschleiern hat, rann kann sich die Centrumspartei gratuliren zu vermuthlich ewigem Bestände. In allem Unsinn leckt auch nicht ein Körnchen Wahrheitl

+ AnmittelSare Aeichstlerreru wird die gegenwärttge Generation augenscheinlich nicht mehr erleben. Die Halbamtlichen überstürzen sich geradezu in Versicherungen, daß an die Einführung solcher Steuern nicht zu denken sei; ganz neuerdings schließt wieder eine halbamtliche Darlegung mit >en Worten: „Die Erfahrung hat gelehrt, daß der Einführung direkter Reichssteuern nahezu un­überwindliche technische und staatsrechtliche Schwie­rigkeiten entgegenstehen, und man sagt daher in derThat nicht zu viel, wen« man nur indirekte Steuern als geeignet zum Ersatz für die Matti- kular-Umlagen im Sinne der Rrichsverfaffung be­zeichnet." Der Wahrheit würde es viel mehr ent­sprechen, wenn der Herr Offiziosus ganz einfach gesagt hätte: wir m ö g e n nicht, anstatt die Rrichs- verfassung als hinderlich für die Einführung direkter Reichssteuern in's Feld zu führen. Diese wunder­same Erfindung ist neu und natürlich vollkommen unhaltbar. Besser würde es fein, die Offiziösen erzählten uns einmal, wie sie selbst sich die Aus­füllung der Lücken im Reichs > Budget vorstellen, wie und ob sie Überhaupt selbst die weitere Ver­mehrung der stetig wachsenden Reichsschuld ver­hindern wollen.

K Die Skastsaufsicht Sei de« Aypo- LßeLettsiKAkerr hat nunmehr die Buoget- kommission des preußischen Abge­ordnetenhauses beschäftigt. Diese Kommission hat die nachfolgende Entschließung angenommen:

1. Die Staatsaufsicht bei den Hypothekenbanken insbesondere durch Ernennung von Staatskommissaren bei den Banken zu verschärfen;

2. Nöthigensalls im Wege der Gesetzgebung die Rechte der Treuhänder im Interesse der Besitzer von Hypotheken-Pfand- b riefen wirksamer auszugestalten.

Der erste Theil dieser Entschließung wurde mit 14 gegen 7 Stimmen, der zweite Theil einstimmig angenommen. Der Fehler in Preußen liegt darin, daß die Prüfung der Sicherheit der Hypotheken nur eine äußerliche, formelle ist, die der Sache nicht auf den Grund geht. Uebrigens ist nach der Erklärung eines Regierungsvertreters zu erwarten, daß die Pfandbriefinhaber der Preußischen Hypotheken- Lktienbank kaum wesentliche Verluste er­leiden werden. Ganz anders sicht es natürlich mit den Aktien derselbe» Bank und mit allen Werthen der Deutschen Grusdschuldbank aus.

h Die KHirm Asrkage wird im Laufe der nächsten Woche von der Budgetkommission des Reichstages weiter berathen werden, in Ver­bindung mit dem Gesetzentwürfe über die Ver­sorgung der Invaliden und der Hinterbliebenen der in dem Chinafeldzuge gefallenen Theilnehmer desselben. Vermuthlich wird dabei wiederum die

und dieser, der wohl despotisch, aber nicht gemein war, den lautes Treiben abfiieß, machte auch Miene, sich gleich nach der PreiSvertheilung auf de» Heimweg zu begeben.

„Oho, Armbruster!" rief Blankenhor« mit vielsagendem Blick. „Auskneifen, wenn ich ein­lade? Das laffr ich mir nicht gefallen, da gibt ?S Feindschaft zwischen uns." Und Armbruster blieb.

Blankenhorn löste sein den jungen Mädchen gegebenes Versprechen auf glänzende Weise. Ei« in der Nähe der Musikpavillons befindlicher, mit Leckereien aller Art bedeckter Tisch stand für seine Gäste bereit. Es war eine fröhliche, mitunter allzufröhliche Gesellschaft, die sich a» demselben niederließ, denn bis auf Armbruster und Rohr- waffer hatten sich alle Männer wacker gestärkt, «rlankenhorn setzte sich neben Helene, aß viel, trank noch mehr, und je mehr er trank, um so derber wurden seine Scherze, um so näher brachte er fein breites rothes Gesicht dem ihren. Empört, geängstigt sann sie nach einem Vorwande, auf und davon zu laufen, als ihr Blick auf eine Gruppe an einem der Nebentische fiel.

Dr. Merk saß dort; außer seiner Farnllie waren zu Besuch anwesende Refidenzfteundinnen der Tochter bei ihm. Helene glaubte in den Boden finken zu müffen vor Scham, als sie wahrnahm, daß diese Gesellschaft ihrer ansichtig geworden war, als sie die spöttischen Blicke ausstng, welche Frau Merk mit den jungen Mädchen auStauschte, so oft an BlankenhornS T sch das rohe Lachen erklang.

Was mußten jene von ihr denken? fragte sie sich. Sie meinten etwa gar, auch sie fände Ge-

noch fehlende Versorgung von Kriegsinvaliden des französischen Krieges von 1870/71 zur Sprache kommen. WasdenTheilnehmern desChina-Fel zuges und ihren Hinterbliebenen recht ist, muß den Kriegs­invaliden von 1870,. 71 mindesten« billig fein.

* Die Setitionsllourmiftrorr des AeiHs- lag» verhandelte heute über die Eingaben au3 wissenschaftlichen Kreisen betreffend Abänderung des § 175 des Strafgesetzbuchs. Im Jahre 1896 waren ähnliche Petitionen mit großer Mehrheit von der damaligen I-ox-Heinze-Kommisston ab- gelehnt worden. Der Regierungsvertreter Wirkt. Grh. Rath von Lenthe erklärte heute, daß weder der Reichskanzler noch die verbündeten Rrgieruno-m bisher eine Anregung zu einer derartigen Aende- rung gegeben hätten. Wen» auch die Kommission ablehnte, sich prinzipiell mit der Materie zu be« fassen, konnten die Sozialdemokraten es nicht unterlaßen, eine Berücksichtigung der Peti­tionen zu empfehlen, wenngleich sie sich verwahrten, den betreffenden „Verirrungen" Vorschub leisten zu wollen. Von Seiten des Centrums und der Konservativen wurde beantragt, die Petition als „ungeeignet für das Penum" zu bezeichnen, weil kein ausreichendes geeignetes Material zur Abänderung des Gesetzes "darin enthalten fei. So wurde auch mit allen gegen 6 Stimmen (5 Sozialdemokraten und 1 Freisinn) beschlossen. — 21 Petitionen mit Massen von Unterschriften erbitten die Einführung der körperlichen Züchtigung in das Strafge­setzbuch. Die im Vorjahre im Plenum geführten ausgiebigen Debatten und de» ablehnenden Reichs« tagsbeschluß wurden diese Petitionen durch liebst« gang zur Tagesordnung erledigt. — Die Gaft- wirthsgehilfeu stelle., eine Reihe von Forde­rungen zu ihrem Schutze auf. Maximalarbeit 12 Stunden für Erwachsene u-d 9stündige Rat e, für Jugendliche Ruhe von 10 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens. Verbot der Beschäftigung von weib­lichen Gehilfen unter 18 Jahren und von allen weiblichen Gehilfen von 10 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens u. a. m. Geheimer Rath von Lenthe theilt mit, daß der Bericht der Kom­mission für Arbeiterstatistik über diesen Gegen­stand den Kommissionen vorliege; daß eS schwer fei, wegen der territorialen Verschiedenheiten dieser Sache einheitlich zu regeln. Der Antrag der Sozialdemokraten auf „Berücksichtigung" wurde mit 10 gegen 7 Stimmen abgelehnt, der des Centrums auf Ueberweisung zur Erwägung einstimmig angenommen. Eine Reihe von Peti­tionen, die in den letzten Jahren regelmäßig wiederkehrten, fordern das Gebot der Aichung der Bierfässer, der jährlichen Revision und Nachaichung derselben. Nachdem der Regierungs­vertreter erklärt hatte, daß eine darauf bezügliche Novelle in Vorbereitung sei und demnächst an den Reichstag gelangen werde, daß auch V-r- banbtungtn wegen Aichung der Bierflaschen und Krüge schweben, wurden diese Petitionen dem Reichskanzler als Material zur Abänderung der Gesetzgebung überwiesen. Eine ganze Reihe weiterer Petitionen wurde al8 ungeeignet zur Erörterung im Plenum erklärt, weil der Reichs­tag theils nicht zuständig sei, theilS weil keine Rechtsweigerung vorliege oder der Instanzenweg nicht erschöpft sei.

fallen an den gemeinen Scherzen? Wie konnte ihr Vater, der wüstem Lärmen abgeneigte Mann, sie in solche Sage bringen I Sich selbst, und sie mit ihm stellte er dadurch bloß.

Der alte Doktor hatte ihre geänzsteten Blocke aufgefangen. Er stand auf, flüsterte seiner Frau einige Worte zu, die sie mit ungeduldigem Achsel­zucken aufnahm. Ohne sich an ihre Mißbilligung zu kehren, zog er Armbruster beiseite und fragte ihn, ob er nicht seinen Töchtern erlauben wolle, sich zu seiner Elise an den Nebentisch zu setzen. Hier seien sie allein unter Männern, dort fände wenigstens Helene AlterSgenosstnnen.

Seine Töchter dem widerwillig angebotenen Schutz der Frau Merk anzuvertrauen, war Arm­bruster freilich nicht angenehm, »och unangenehmer jedoch, sie unter angeheiterten Männern zu sehen; er gab also seine Zustimmung zu dem Wechsel. Blankenhorns ärgerlichen Widerspruch ließ er unbeachtet; diesem blieb kein anderer Trost als nach dem Abgang der Mädchen durch ein Spott­lied auf die Schwarzen seinem Zorne Lust zu machen.

Aus der finsteren, mürrisch dreinblrckenden Helene war mit ewemmale ein fröhliches Mädchen aeworden mit geifisprühenden Augen, lachende» Lippen, so verführerisch in ihrer eigenartigen Schönheit, daß Fran Merk ein heller Schrecken durchfuhr. Was kümmerte Helenen aber der frostige Empfang der Dame? Die Hilfe war ja gekommen, in einer Weise, wie sie dieselbe nie erhofft hatte. Auch für sie schien nun die Sonne hell; der Festplatz war zum Zaubergarten ge­worden, und die vorhin so blechern tönende Mufik spielte sianbestrickend süße Weisen. Sie