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M 18.
JuLöcr, Dienstag, den 22. Januar 1901.
28. Jahrgang.
[] Einen neuen Brief Buecks, des Generalsekretärs des Zrntraloerbandes der Industriellen, veröffentlicht der »Vorwärts. Der Brief ist ein Privatbrief, den am 7. Juli 1896 Bueck an den Epinnereibesitzer v. Haßler gerichtet hat. Zehn Tage vorher war der Handelsminister o. Berlepsch enllaffen worden und Herr Brefeld in dessen Stelle getreten. Der Bries Buecks gibt dessen Ansichten über diesen Ministerwechsel wieder und beginnt wie folgt: „Daß wir endlich doch Herrn v. Berlepsch klein bekommen haben, hat mich auch mit Befriedigung erfüllt." Bueck erzählt dann, daß er durch seinen Schwiegersohn Cruse alle freundschaftliche Beziehungen mit Brefeld besitze und von demselben empfangen worden sei, als er ihm seine Glückwünsche zur Ernennung abgestattet habe. Er habe Brefeld gegenüber den Wunsch Ausdruck gegeben, daß das Handelsministerium mit dem Zentralvrr- band freundliche Beziehungen unterhalten möge. Brefeld habe erwidert, daß soweit seine Person dazu beizntragen in der Lage sei, dies der Fall sein solle. Brefeld schilderte alsdann, daß es ihm auf vielen Gebieten seines Refforts an der nothwendigen Ersahrung und Kenntniß fehle. „Unter den Schwierigkeiten schien er auch zu verstehen, daß, wie er sagte, „ein gewisses Abweichen von dem bisherigen System mit zu seiner Aufgabe gehöre": damit war mir der gewünschte Anlaß gegeben, die bisherige Richtung des Handels- r Ministeriums in den sozialpolitischen Fragen in die Besprechung zu ziehen, worüber wir uns etwa 8/< Stunde unterhalten haben. Ich nehme keinen Anstand zu erkläre», daß die Ablehnung des iw Uebrigen ganz vernünftigen HandelSkammer-Ge- fetzes"hauptsächlich gegen die weiteren Pläne des Herrn v. Berlepsch gerichtet gewesen sei und zwar hauptsächlich gegen die non ihm geplante Organisation der Arbeiter. Die Gefährlichkeit dieser extremen Maßregel erkannte er vollkommen an. Ich setzte eingehend den Standpunkt deS Zrntral- verbandes zur sozialpolitischen Gesetzgebung aus- einander, betonte, daß wir dieselbe thalkräftig unterstützt und gefördert haben, bezeichnete aber auch die Punkte, in denen man unsere- Erachtens bereits zu weit gegangen sei.
Breseld habe darauf erklärt, daß sich die Lage der arbeitenden Riaffen gegen früher ganz außerordentlich gebessert habe. Er sei dafür, daß die von gewisser Seite au-gehenden Klagen über die traurige Sage der Arbeiter ein Unfug sei. Daher sei er dafür, jetzt in dem Laufe der sozialpolitischen Gesetzgebung mehr Ruhe eintrrteu zu lassen, und das sei auch die Ansicht des Kaiser-.
Bueck unterließ es nicht, wie er erzählt, den Unterstaatssekretär Lohmann al» denjenigen zu bezeichnen, der von weitgehenden sozialistischen Ideen befangen, wohl da» treibende Element in der bisherigen Richtung gewesen sei. Brefeld aber meinte, daß Lohmann, mit dem er vorau»sichtlich oft in Meinungsverschiedenheiten sein werde, doch nachgibt, wenn er sich bei seinem Chef einem ernsten Willen gegenüber befinde; auf diese Eigen, schäft Lohmanns habe ihn auch schon Berlepsch 9KBSBBBSB ...................W I1 -—
Dennoch aufwärts.
Roman von L. v. Neidrgg.
14 ------ (Nachdruck verboten.)
Die Unterredung fand im Wohnzimmer statt, in Helenens Gegenwart. „Ich kann nur wünschen," rief sie und ihre Augen sprühten Feuer, „daß Blankenhorn- Schützling sich besser bewährt, als er selbst es im Dienste seines Grafen gethan hat. Da schimpft er über die Aristokraten, läßt kein gutes Haar an ihnen und bereichert sich in ihrem Dienst. Der Gras habe aber leine Seide gesponnen, heißt er."
Der Vater hieß sie in barschen Worten schweigen und nicht über Dinge reden, die sie nicht verstehe. Der Graf sei ein Nichtsthuer gewesen, Blankenhorn dagegen ein kluger thätiger Mann, der sich durch redliche Arbeit empor- gebracht habe. Verleumder allein könnten das Gegemheil behaupten.
Zu Karls Verwunderung nahm die Schwester die Zurechtweisung ohne schnippische Gegenrede hin. Ueberhaupt hatte ihm ihr verändertes Wesen in den letzten Tagen öfter Anlaß zu Staunen gegeben. Sie klagte nicht länger über ihr Geschick, noch schien sie sich auS Wöhrnang fortzusehnen. Sie zeigte sich weicher, weiblicher. Sie, die mitgelacht hatte, wenn der Vater Karl als Paternoster-Plapperer verhöhnte, kniete nun in Andacht versunken in der Kirche. Als der Bruder ihr einmal sagte, wie wohlthuend es ihn berühre, sie im Wesen der Mutter ähnlicher werden zu sehen, flog ein solcher Freudenstrahl Äber ihr Gesicht, daß er sie verwundert anstarrte.
aufmerksam gemacht und auch er habe bereit» Gelegenheit gehabt, sie zu erkennen. Bueck schließt damit, daß „wir mit dem Tausch wohl gut frieden sein können". Brefeld habe ihn ersucht, ihm im gegebenen Falle mit Rath und That zur Seite zu stehen. M
Der Rest des Briefes handelt von dem Bunde der Industriellen, dessen Vorsitzender Wirth von Berlepsch und von Boetticher empfangen worden sei. Wenn der Bund die wüsten Agitatoren von seinen Rockschößen abschüttele, sei „die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß sich die hohe Reichsregierung von dem manchmal unbequemen und niemals sehr gern gesehenen Centralvervand abwendet und den Bund rc." mehr begünstigt. Ich glaube voraussehen zu müssen, daß wir fortgesetzt einen ernsten Konkurrenzkampf mit dem „Bunde" zu führen haben werden, und habe ich es für nothwendig erachtet, demselben gegenüber unsere Stellung zu wahren."
Bekanntlich ist Lohmann bald darauf von dem Vorsitz m der Reichskommission für Arbeüer- statistrk entbunden worden.
Deutsches Aeich-
Berlin, den 21. Januar.
* Gin Kries des Kaisers «Ser Schuk- resorm. Kaiser Wilhelm II. hat als Prinz an den königlichen Amtsrichter Emil Hartw ich in Düsseldorf folgenden Brief gerichtet:
Potsdam, 2. April 1885. Geehrter Herr Amtsrichter!
Empfangen Sie meinen hrrzlrchsten Dan! für die beiden Schriften, welche Sie mir schickten. Ich habe .Woran wir leiden" mit großem Interesse und noch größerer Freude gelesen: also endlich hat sich einer gefunden, der dieser verknöcherte geisttödtendste allerbysteme energisch angreist! Wai Sie dort aussprechen, das unterschreibe ich alles Wort für Wort. Ich habe ja glücklicherweise 21/« Jahre lang mich selbst überzeugen können, was da an unserer Jugend gefrevelt wird! Wie viele Dinge, welche Sie anführen, habe ich im Stillen bei mir bedacht. Nur um einige Sachen zu erwähnen: Bon 21 Primanern, die unsere Klasse zählte, trugen 19 Brillen, 3 davon mußten jedoch noch einen Kneifer vor die Brille stecken, wenn sie bis zur Tafel sehen wollten!
Homer, der herrliche Mann, für den ich sehr geschwärmt, Horaz, Demosthenes, dessen Reden ja jeden begeistern müffen, wie wurden die gelesen? Etwa mit Enthusiasmus für den Kampf oder die Waffen oder NaturbeschreibungeN? Bewahre! Unter dem Secier- rneffer des grammatikalischen, sanatisirten Philologen wurde jedes Sätzchen getheilt, geviertheilt, big das Skelett mit Behage« gefunden und der allgemeinen Bewunderung gezeigt ward, in wie viel verschiedener Welse «>- oder ettl oder sonst so ein Ding vor oder nach gestellt war. Es war zum Weinen!
Die lateinischen und griechischen Aufsätze (ein rasender Unsinn!), waS haben die für Zeit und Mühe gekostet! Und was für ein Zeug kam da zum Vorschein! Ich glaube, Horaz hätte vor Schreck den Beist aufgegeben!
gort mit dem Brast! Den Krieg bis aufs Messer gegen solches Lehren! Dies System bewirkt, daß unsere Jugend die Syntax, die Grammatik der alten Sprachen bester kennt, alt die „ollen Griechen" selber, daß sie di« sämmtlichen Feldherren, Schlachten und Schlachtaufstellungen der punischen und mithridatischen Kriege auswendig weiß, aber sehr im Dunkeln sich befindet über die Schlachten de» 7jährigen Krieges, geschweige der „viel zu modernen" auS „66" und „70“, die sie noch nicht „gehabt haben"!!!
Was nun den Körper betrifft, so bin ich auch ganz der bestimmten Ansicht, daß die Nachmittagsstunden frei
Er ahnte nicht, daß fei« Würt für sie das Echo der einen geliebten Stimme bedeutete.
Die Zeit der Abreise kam rasch heran.
Es »ar deren Vorabend, als Karl im Wohnzimmer der abermals krank zu Bette liegenden Frau Rudhart vor Sina stand, die mit zuckenden Lippen, feuchten Augen zu ihm aufsah. Diesmal hatte er die Blicke der Nachbarn beim Kommen nicht gescheut. Alle durften sie um seine Absichten wissen; es sollte keiner bösen Zunge ßeflattet sein, die Ehrlichkeit seiner Gesinnung anzuzweifeln, keinem häßlichen Verdacht, Lina- Ruf zu streifen.
Sina mochte sich zusammennehmen wie sie wollte: heute fehlte ihrem Gesichte der Sonnenschein. Sie bemühte sich wohl zu lächeln, immer wieder legte sich aber der Nebelschleier über ihre Augen.
„Muß es denn fein? Hätte es denn gar nicht anders kommen können?" klagte sie.
Karl schüttelte den Kopf: „Nein, mein Herzchen, e» war unvermeidlich geworden. Aber gelt? Was auch immer geschehe: zwischen uns bleibt alle« wie es mar."
Wie hatte sie sich eine Aenderung ihrer Gefühle vorstellen können!
„Das solltest Du nicht erst fragen, Karl", sagte sie mit zärtlichem Vorwurf.
„Es war keine glückliche Stunde, in der Sina Dir begegnet ist, Karl Armbruster", eiferte die Wittwe. „Du hast nichts als Sorge und Leid über un« gebracht. Da steht sie nun, wartet auf Dich, meist andere Bewerber ab, und schließlich machst Du'« rote Dein Vater und heirathest eine Französin."
sein müßten ein für allemal. Der Turnunterricht müßte den Jungens Spaß machen. Kleine Hinderniß- bahnen »um Wettrennen und recht natürliche Kletter- Hindernisse würden von Werth sein. Dann würde es sich empfehlen, in allen Städten, wo Militär liegt, alle Wochen zwei- oder dreimal die gesammte ältere Jugend mit Stöcken rxerztren und drillen zu laffen, anstatt der albernen sogenannten Klaffenfpaztergänge (mit elegantem Stöckchen, schwarzem Rock und Cigarre) Uebungsmarsch und ein bischen Felddienft, wenn er auch in Spiel und handfeste Prügel ausartet, zu machen.
Unsere Primaner - wir waren leider auch fo -- sind viel zu blafirt, als daß sie sich den Rock ausziehen und sich keilen könnten! Was könnte man auch anderes von solchen Leutchens erwarten. Daher guerre a outrance gegen dieses System! — Und ich bin gern bereit, Ihnen in Ihren Bestrebungen behilflich zu sein! Ich freue mich, einen „Deutsch"redenden gefunden zu haben, der auch fest zufaßt.
Ihr
Wilhelm, Prinz von Preußen.
Dieser Brief, der in zahllosen Abschriften von Hand zu Hand ging, erscheint jetzt in der nachgelassenen Schrift des 1897 verstorbenen berühmten Physiologen Geheimrath Professor W. Preyrr „Unser Kaiser über die Schulreform" (Dresden, Biryl u. Kaemmerer). Er bildet den jugendftischen Vorläufer der Reden des Kaisers vom 4. und 17. Dezember 1890 in der Berliner Schulkonfererzzu Gunsten einermodern-nationalen Jugendbildung. Preyers Schrift tritt rückhaltlos für den Gedanken des Kaisers und für den konsequenten Ausbau bei damit übereinstimmenden Erziehungsprograwms von Dr. Hugo Göring „Die neue deutsche Schule" (Leipzig, R. Voigtländer) ein.
* Wir leben im Zeichen des Knktnr- kampfer. Das beweist wieder klar und deutlich ein Fall, der von der .Koblenzer Vo'.ksztg/ mitgetheilt wird. Da lesen wir:
Die jüdische Firma Baruch und Söhne in Hechingen (Hohenzollern) hat für ihre zum Theil weit von der Fabrik entfernt wohnenden Arbeiter eine Speiseanstalt errichtet, welche von zwei Schwestern vom hl. Kreuz auS dem Kloster Hegene bet Konstanz geleitet werden soll. Man sollt« glauben, dieser schöne Akt sozialer Fürsorge würde überall freudig begrüßt und gefördert werden. Im preußischen Kultusministerium aber scheint Man anderer Ansicht zu sein. Bon dort ist nämlich der Bescheid ergänzen, die Genehmigung zur Eröffnung der Anstalt unter Leitung von Schwestern müsse versagt werden, well in der gedachten Anstalt neben katholischen auch protestantischen Arbeitern Speisen verabreicht werden sollten! Ist das nicht eine geradezu rührende Fürsorge für daS geistige Wohl der Betreffenden? Man denke nur, wie schwer gefährdet daS religiöse Bewußtsein der protestantischen Arbeiter wäre, wenn sie eine mit jüdischem Seide beschaffte, von katholischen Schwestern bereitete Suppe verabreicht erhielten!
Man könnte lachen über die bureaukratische Weisheit, die sich hier im vollen Glanze herrlich offenbart, wenn die Sache, prinzipiell betrachtet, nicht gar fo traurig wäre. Für unglaublich könnte man den Fall halten, wenn sich daS genannte Blatt nicht für feine Richtigkeit verbürgte. Die.Koblenzer VolkSztg/ kündigt an, daß die Angelegenheit im Parlament zur Sprache gebracht werden würde. Auch wir halten das für dringend nothwendig. Immer wieder muß mit Fingern darauf hingewiefeu werden, was man un- unter dem Zeichen „des Friedens" zu bieten wagt, und wie sehr wir noch unter den Resten der Kulturkampfgesetzgebung zu leiden haben.
* Der Aerzos-Argertt vo« Meckke«- S»rg-Schweri« mar nach feiner Rückkehr aus
Die Rede war zu anzüglich, um Karl nicht höchst unangenehm zu berühren. Was hätte er Linas Mutter aber nicht alles verziehen? Seinen Aerger unterdrückend wandte er sich an die Braut. „Glaubst Du da« von mir, Lina?" fragte er.
Ihre blauen Augen baten um Nachsicht für die Unfreundlichkeit der Mutter. „Niemals", erwiderte sie fest und bestimmt.
„Da hören Sie es, Mutier. Wir zwei werden nicht irre aneinander."
„Und wenn ein braver Manu käme, der Sina aus Noch und Elend erlösen wollte: soll sie da wegen Dir ihre Jugend vertrauern und immer nur, vielleicht vergebens, aus Deine Rückkehr hoffen?"
„Sie wird thun, was ihr Herz ihr eingibt, und ich weiß genau, was das fein wird; ich brauche nur auf das meine zu hören. Wir wollen beide vertrauen auf die gute Zeit, die kommen muß."
„Gewiß, Karl, Gott hilft allen, die sich auf ihn verlassen."
„Aber schreiben mußt du mir zuweilen, Sinerl, mußt mir aufrichtig sagen, was Du über die Verhältnisse in der Fabrik hörst; auch von Helene schreibe mir . .
„Für Fräulein Helene ist meine Sina nur eine arme Arbeiterin, die sie nicht kennen will," fiel die Rudhart bitter ein. „Fräulein Helene will hoch hinaus, das weiß jedermann, und —"
„Es bleibt immer ein bischen Freundschaft übrig, wenn man auf der gleichen Schulbank gesessen hat," unterbrach Sina begütigend; „bisweilen findet man auf ganz unverhoffte Weise die Gelegenheit zu einem Liebesdienste. Du kannst auf mich rechnen, Karl."
Weimar an katharrhalischen Erscheinungen mit abendlicher Fiebersteigerung erkrankt, die schon als Vorboten der Sonnabend Abend auf getreten en Masern angesehen werden konnten. Der Husten war gestern früh noch nicht gelindert. Das Fieber beträgt 39,3 Grad, der Puls 104. Im Uebrigen aber ist der ganze Verlauf bisher normal, ohne Komplikation.
* lieber den Gesetzentwurf betreffend die Dotation der Provinzen theilt die halbamtliche ,Berl Korr/ mit, daß eine Prüfung über die Höhe der Belastung der Provinzialverbände unerläßlich fei. Das betreffende für die Gesetzgebung erforderliche Material bedürfe in dieser Richtung noch einiger Ergänzung. Gleichwohl dürfe der bestimmten Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß der in Rede stehenoe Entwurf noch in der laufenden Session dem Landtage vorgelegt werden wird.
* Nach der .Kreuzzeitung' finden feit etwa Jahresfrist über eine einheitliche deutsche Ilechtschreiönug kommiffarische Verhandlungen zwischen den Vertretern der preußischen Regierung und des Reiches statt.
* Aachen, 21. Jan. Der Niedergang des Handwerk« und die Verdrängung des Kleinbetriebs durch den Großbetrieb wird sehr treffend illustrirt durch eine Gegenüberstellung des Standes der einzelnen Handwerkszweige im Jahre 1875 und 1900. Da ergibt sich für Aachen, daß im heutigen Stadtbezirk 1875 44 Brauereien vorhanden waren, gegen 37 im Jahre 1900, ferner 44 Brennereien gegen 39 im Jahre 1900, 90 Drechsler gegen 14 im Jahre 1900, 65 Klempner gegen 33 im verflossenen Jahre, 455 Schneider gegen 266 im Jahre 1900, 690 Schuster gegen 479 am Schluffe de« abgelaufenen Jahrhunderts, 568 Schreiner gegen 290 im Jahre 1900. Dafür aber find für die verschwundenen Kleinbetriebe der Schneider und Schreiner 72 Fabriken dieser Branchen getreten, zu denen 41 Möbelhandlungen getreten find.
* Kamvnrg, 21. Jan. Die bakteriologische Untersuchung der an Bord des Dampfers „Pergamon" zwischen der Ladung auf« gefundenen tobten Ratten hat ergeben, daß dieselben in Folge der Pest verendet find. Die Besatzung der „Pergamon" und die Arbeiter, die mit der Ladung in Berührung gekommen sind, befinden sich unter ärztlicher Beobachtung; dieselben find alle gesund. Das Schiff wird im Jndiahafen isolirt gehalten. Die Löschung geschieht mit allen Vorsichtsmaßregeln unter polizeilicher Aufsicht und hafenärztlicher Kontrolle. Nach erfolgter Löschung wird der Dampfer gründlich desinfizirt werden.
Ans -em Reichstage.
-&■ 29. Sitzung »sm 21. Januar.
Die Berathung des Etats wurde fortgesetzt beim Etat des Reichsamts des Innern, Titel: „Gehalt des Staatssekretärs".
Abg. Prinz SchSnaich-Karokaltz (ntl.) tritt für Erleichterung und Ausdehnung der Gymaafial- und Unioersttätsstudien der Frauen ein. Wenn auch der vornehmste Beruf der Frauen in der Familie liege, s» dürfe man ihnen doch die Möglichkeit nicht verschränken, fich die Kenntnisse zu verschaffen, die sie für ihre Fortbildung und nölhigenfalls auch für ihren Lebensunterhalt nöthig hätten.
Pie wechselten noch manches gute Wort; endlich aber mußte geschieden fein und trotz alles Vertrauens, aller Zuversicht lastete der Schmerz der Trennungsstunoe schwer auf den Liebenden. Karl schloß Lina in die Arme und meinte sie an feinem Herzen festhalten zu müssen. Sie schluckte tapfer ihre $bränen und mühte sich zu lächeln; aus dem Lächeln wurde aber ein Schluchzen und feie Äugen blickten thränenfeucht. Endlich rrß sich Karl los und ging.
Die Mutter jammerte und seufzte laut. Lina, ans Fenster getreten, weinte still vor sich hin und sah dem Verlobten nach, bis er um die Ecke gebogen war. Ihr war zu Muthe, als ginge aller Sonnenschein ihres Lebens mit ihm fort. Ihn hin und wieder zu sehen, einen Händedruck mit ihm auszutauschen, in feinen Augen von feiner Treue zu lesen, hatte zu den wenigen Freuden in ihrem entsagungsvollen Leben gehört. Sie klagte aber nicht, trocknete ihre Thränen, warf einen beredten Blick auf dos an der Wand hängende Kruzifix und setzte sich muthig wieder an ihre Arbeit.
Karls letzter Besuch galt Dr. Merk; es tag ihm am Herzen, dem alten Herrn die Schwester zu empfehlen. Die Kraft, die Lina aus fich selber schöpfte, mußte jener vor, außen eingeflößt werden und niemand war, der sie besser hätte berathen können als btr alte Doktor, wie er auch der einzige blieb (so dachte der Bruder), auf den sie etwa geneigt war zu hören.
Er traf die Familie versammelt, die fich eben zum Abendessen setzen wollte. Nichtsdestoweniger nölhigte Dr. Merk bett Besucher hereinzukommen und bewies ihm freundliche Theilnahme, die