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28. Jahrgang.
Iu0öa, Montag, den 21. Januar 1901.
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Bri jener
fördern, die eine polnische Aufschrift tragen; I gefordert. Er ist das unpraktischste Kleidungsstück, darüber kann ein Zweifel doch nicht obwalle», wie er denn auch in dieser Form in keiner fremd- Und wenn die Sache anders soll gehandhabt ländischen Armee |U finden ist. Wird er jetzt ead- werdev, dann müßte zunächst erst eine Ver- lich durch ein bequemeres Kleidungsstück, bo» dem Änderung der Postordnung vorgenommen werden.
Auf jeden Fall würde es eine Ungerechtigkeit I ein, beispielsweise Postsendungen mit englischen ' und französischen Aufschriften zu befördern, solche ' aber mit polnischer Aufschrift von der Beförderung ; auszuschließen. Das würde den Sinn einer Ausuahmemaßregel gegen die polnische Bevölkerung in Preußen habe», und Ausnahmemaßregeln sind nicht zu billigen. Außerdem hat die Zurück- j Weisung von Postsendungen mit polnischer Aufschrift doch wahrhaftig nicht den Sinn einer \ politischen Maßregel. Bestrebungen, das polnische Nationalreich wieder aufzurichteu, werden nicht dadurch bekämpft, daß man polnisch adressirte Briefe nicht befördert. Vielmehr hat die ganz« Maßregel das Aussehen einer Schikane, noch dazu einer solchen, | die recht kleinlich ist, und auch deswegen ist sie nicht zu billigen. Vor allen Dingen aber kommt es auf die genaue Befolgung der Postordnung an. Mese eigenmächtig zu durchbrechen darf keiner Postbehörde gestattet sein. Fast unglaublich klingt eine andere Nachricht. Bisher war es den Postbeamten polnischer Abstammung in Posen verboten, im Dienste und im Verkehr mit dem Publikum der polnischen Sprache sich zu bedienen. Das kann man sich gefallen lassen. Denn die Amtssprache im Deutschen Reiche ist einzig und allein deutsch, und in Aemtern des Reiches soll einzig und allein deutsch gesprochen werden. Aber jetzt! wird aus Posen berichtet, es sei neuerdings den Postbeamten auch verboten worden, auf der Straße, in öffentlichen Lokalen usw., mit ihren Bekannten und Familienangehörige«
; und dergleichen polnisch zu sprechen. Wenn das wahr ist, so ist das ganz einfach eine Sklaverei, . die als solche durchaus zu verurtheilen ist; und wahrscheinlich ist es wahr, denn die Nachricht stammt aus hakatisttschrr Quelle. Wenn wir so weiter wirthfchasten auf dem Gebiete der polnischen Frage, dann werden wir bald einen Gurko in Schatten stellen, üvrr dessrn brutales Auftreten als Generalgouverneur von Russischpolen einst sämmtliche deutsche Zeitungen ohne Ausnahme
• Hebet die größte« @t«Remme« in ^reiche« entnehmen wir der neuesten Steuerstatistik folgende Angaben. Es sind noch der letzten Veranlagung von Anfang 1900 in Preußen 2652 Personen vorhanden, die ein Einkommen von über 100,000 3Rt. hatten gegen 2331 im Jahre 1899 und 2126 im Jahre 1898. Tegenüber dem voraufgegangenen Jahre hat also eine Zunahme um 323 oder 13,6 v. H. stattgefunden. Von diesen Personen entfallen 2184 (1899) 1922 auf die Städte und 468 (409) auf das glatte Land. 2053 (1811) hatten ein Einkommen von über 100,000 bis 250,000 Mk., 427 (362 ein solches von über 250,000 Mk. bis 560,000 Mk., 114 (99) ein solches von über 500,000 bis 1 Million Mark. Bon letzteren Einkommenmillionären entfallen 42 (33) auf die Stufe von 1 bis 2 Millionen, 9 (9) auf die von 2-3 Millionen, 3 (2) auf 3-4 Millionen, 2 (1) auf 4-5 Millionen und 1 (1) auf 6-7 Millionen Mark, dann folgt eine große Lücke, bis dte Person mit höchstem Einkommen (Krupp) auftritt, die etn solches von 15 bis 16 Millionen Mark (1899 nur 12 bi? 13 Millionen Mark) hatte. Auf Berlin entfallen 416 (1899 404) Personen mit 100,000 bis 200,000 Mk. @intcmmen, 110 (92) mit einem selchen von 200,000 bis 300,000, 38 (42) mit 300,000 bis 400,000, 28 (24) mit 400,000 bis 500,000, 13 (8) mit £00,0(0 bi? 600,000, 7 (8) mit 600,000 bis 700,000, 6 (4) mit 700,000 biS 800,000, 3 (6) mit 800,000 biS 900.00 bis 1 Million und 14 (14) mit über 1 Million Mark Einkommen. Wie sich die letzten Personen weiter ver- theilen, geht aus der amtlichen Statistik nicht hervor. Jedenfalls wohnen 32 vom Hundert aller preußischen Einkommenmillionäre in Berlin. Die Gesammtzahl der Personen mit mehr als 100,000 Mark Einkommen beträgt 639 gegen 6'3 im Jahre 1899 und 471 im Jahre 1896, so daß gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme um 5,6 und gegenüber dem Jahre 1896 eine solche um 35,4 vom Hundert stattgefunden hat.
-j- Das preußische StaatseifenSstzvttetz umfaßte im Jahre 1870 eins Länge von 3 422,27 Kilometer, im Jahre 1880/81 11530,50 Kilometer, darunter 1 279,63 Kilometer Neben- eife«bahnen, im Jahre 1890/91 24 698,52 Kilometer, darunter 6 309,49 Kilometer Nebenbahnen und 1898/99 zugleich mit Hessen 29 543,23 Kilometer, darunter 9 798,14 Kilometer Neben- | bahnen. In einem nahezu dreißigjährigen Zeitraum hat sich die durchschnittliche BetriebSlänge der preußischen Dtaatseisrnbahnen mehr als verachtfacht. Mit Ausnahme des Jahres [874 sind in jedem Jahre Zugänge in Folge Nrueröffnung von Strecken zu verzeichnen gewesen. Die größte Länge ist hier für 1879/80 mit 794,14 Kilometer und die kleinste mit 49,86 Kilometer für 1870 zu vermerken; in den neunziger Jahren umfaßte diese Art der Streckrn- zunahme jährlich rund 300 bis 550 Kilometer. Die Verstaatlichung von Privatbahnen hat, ab- gesehen von kleineren Erwerbungen in den
Jahren 1872 und 1876, in größerem Umfange im Jahre 1880/81 eingesetzt. In diesem Jahre umfaßte sie eine Länge von 5001,87 Kilometer. 1882/83 2424,30 Kilometer, 1883/84 931,34 Kllometer, 1884/85 3394,88 Kilometer und 1885/86 1108,41 Kilometer. Von da an hat die jährliche Zunahme der Betriebslänge in Folge von Verstaatlichung bedeutend abgenommen, es überwiegt die Zunahme in Folge Nrueröffnung von Strecken. Die Nebeneisenbahnen machten im Jahre 1880/81 von der Gesammtbetriebslänge 11,38 pCt. aus, 1890/91 25,54 pCt. und 1898/99 32 90 pCt. Man er- steht aus diesen Zahlen am besten, wie sehr die Bedeutung der Nebenbahnen im preußischen Staatsbahnnetze sich allmählich gesteigert hat.
+ Kiantscho« wird in einer Denkschrift besprochen, die in diesen Tagen dem Reichstage zugegangen ist. Irgendwelche neuen Gesichtspunkte kann man nicht daraus entnehmen; erfreulich ist es jedenfalls, daß nach dem in der Denkschrift gelieferten Berichte im Gesund- heitszustande des Schutzgebietes eine erfreuliche Besserung sich bemerkbar gemacht hat. Diese erfreuliche Wirkung wird hauptsächlich zurückgeführt auf die Verfolgung des Gebietes mit besserem Trinkwasser durch die Anlage »euer Brunnen. In diesem Sinne sind aber noch umfangreichere Maßregeln in Aussicht genommen, unter denen namentlich zu nennen ist die Anlage einer Wasserleitung, Kanalisation, Erbauung ! neuer Kasernen und Absonderung der kranken Chinesen in einem besonderen Krankenhause. Das Malariafieber hat sich bis jetzt noch niemals in störender Weise bemerkbar gemacht; einzelne Fälle desselben komme» bekanntlich überall vor, auch bei uns in Deuischland selbst. Die Vorbereitungen zur Bereitung des Bergbaues habe» durch den Krieg, wie sich denken läßt, eine erhebliche Störung erfahren. Auf den Rath des chinesischen Vizekönigs zog sich im Juni des i vergangenen Jahres das ganze Bergbaupersonal in den Machtbereich des deutschen Schutzgebietes selbst zurück. Erst gegen Ende des MonatS November bat sich wieder eine BergwrrkSexpedi- tion in das Innere der Provinz Bchantung begeben. Man hat bereits mehrere umfangreiche Steinkohlenlager in der Provinz Schantung ge- funden, auch in günstiger Lage für die Fort- schaffung der geförderten Kohle, nämlich in dem Zuge der Bahnlinie von Tstntau nach Tsinanfu und der Strecke von Tsinanfu nach dem Süden der Provinz. Evenso ist das Vorhandensein mehrerer großer Lager von Eisenerz in dem Zuge der genannten Bahnlinien festgesteüt worden. Das Verhalten der chinesischen Bevölkerung und der Behörden gegenüber den deutschen Bergarbeitern wird von der Denkschrift als „im all- gemeinen freundlich" geschildert. — Daß zunächst «och nicht auf reiche Erträge, oder überhaupt ! auf Erträge aus dem Bereiche unseres ostafiatischen Schutzgebietes zu rechnen ist, versteht sich von selbst. Davon sreilich liest man in der Denkschrift nichts. Im übrigen aber ist diese Denkschrift eine vortrefflich angelegte und verdienstliche
Soldaten freiere Bewegung gestattet, ersetzt, so kann das nur lebhaft begrüßt werden. Es werden dann sicher nicht mehr so viele Hitzschläge bei Märschen im Sommer Vorkommen, wie bei dem jetzigen Rock mit steifem Kragen, der das Blut mit Gewalt nach dem Kopfe treibt. Auch die Ersetzung der blanken Knöpfe durch dunkele kann nur gebilligt werden. Dadurch wird den Soldaten eine ihnen besonders lästige Arbeit, die sie im Manöver als Qual empfanden, das Putzen der Knöpfe, erspart Man kann daher nur wünschen, daß die neue Uniform recht bald und auch allgemein bei allen Waffengattungen zur Einführung gelangt.
Dennoch aufwärts.
Roman von L. v. Neidegg.
------ (Nachdruck verboten.)
drungen wäre, die Gäste hinauLzuprügeln, und zwar nicht allein seine säumigen Knechte, auch in keiner Weise von ihm abhängige Menschen, wie gerade jenen Weber. Blankenhorn ließ sich bas gesagt sein. Dagegen bemühte er sich, Rache zu nehmen an dem Manue durch Einflußnahme auf seinen Schultheiß, der ihm den jetzigen Wohnort kündigen sollte, ehe er daselbst unterflützungs- pflichtig geworden. Schultheiß wie Gemeinde- räthe zeigten sich sehr geneigt, auf Seite des reichen Mannes zu treten; Weber, der natürlich Wind bekam von dem, was man gegen ihn plante, führte die Ursache davon auf die richtige Quelle zurück und erfaßte jede Gelegenheit, dem Verhaßten einen Schimpf anzuhängen.
„Da geht der Menschenschinder!* rief Weber Blankenhorn nach, der über den Marktplatz ging, gerade als der Arbeiter mit Abladen eines Getreidewagens beschäftigt war, „schimpft über große Herren und möchte uns alle klein haben, so kletn, daß er uns mit seinem Stiefelabsatz erdrücken könnte!" Als Blankenhorn sich wüthend umwandte und zu schimpfen begann, versicherte Weber zum Gaudium aller Umstehenden mit unschuldigster Mene, er habe ihn ja gar nicht gemeint, habe Niemand genannt.
Unter dem Eindruck der erlittenen Verhöhnung trat Blankenhorn bei Armbruster ein. Auch dort fand er eine gewitterschwere Atmosphäre.
Karl bemühte sich wohl, sein Lina gegebenes Versprechen zu halten und Geduld zu bewahren; sein ausgeprägtes Selbstgefühl, noch gesteigert durch das Bewußtsein des ihm abgerungenen Opfers, brach aber immer wieder durch. In dem gleichen Maße wuchs auch die Reizbarkeit des
Deutsches Uerch.
Berlin, den 19. Januar.
„Muß man denn eine regelrechte Beichte ablegen?" lachte Helene. Würden denn Sie uns Ihre innersten Gedanken und Wünsche auf* zählen?"
Auch Dr. Merk lachte: „Nein, nicht alle, wiewohl ich selbst in meinen Träumen nicht «ach Unerreichbarem strebe. Und Du, Karl, was find die Seiner.?*
„Mein Traum hat Mädchengestalt, das weißt Du," gab dieser zur Antwort.
Eben ging ein schlankes Figürchen in raschem Schritt vorüber. ES war Lina, die noch eine ihrer Kunden ausgesucht hatte und nun zur Mutter zurückeilte. Die Männer grüßten, Helene bewegte kaum den Kopf.
Julius Merk sah sie befremdet an: „Sie kennen doch Fräulein Rudhart? Ein braves, frommes Kind. Was die an Selbstoergeffenheit und an Aufopferung für ihre Mutter leistet, kann ich beurtheilm, da ich die grämliche Frau zu- weilen besuche. Diese ist einfach unerträglich."
„Ein Drache", bestätigte Karl mit Ueber- zeugung.
„Das Helle Licht der Tochter kommt doppelt zur Geltung neben dem tiefen Schatten der kritteligen, alten Frau; insofern hat auch deren Grämlichkeit ihre Berechtigung. Das werden Sie mir wohl zugeben, Fräulein Armbruster? Sie schweigen?" ,
„Nein, nein; Sie mögen ja Recht haben.
berührt.
IX. Kapitel.
Blankenhorn kam aus der üblen Laune nicht heraus; Gründe dazu waren in Menge vorhanden, persönliche wie polittsche. Bei jener Prügelei war er weit schlimmer zugerichtet worden als er anfangs gemeint, und er Hatzum Schaden noch den Spott tragen müssen. Denn als er, von feinem Leiden hergestellt, eine volksparteiliche Versammlung einbetufen wollte, gab es erst Schwierigkeiten, einen paffenden Saal »u finden; als dies gelungen war, fiel der Besuch spärlich aus, und bei der Reichstagswahl selber erhielt der volksparteiliche Kandidat kaum ein paar Stimmen. Endlich — und dies traf ihn am allerschwersten — lachte ihn der Rechtsan. walt aus, als er die Klage gegen jenen Weber anstrengen wollte, der ihm bei der Prügelei so arg zugesetzt hatte. Der Anwalt meinte: Blankenhorn dürfe froh sein, nicht selbst wegen Hausfriedensbruch belangt zu werden, da er es ja gewesen sei, der in ein fremdes Haus ge»
in Entrüstung waren.
* Mr«-, bedeutende Ikikitärforderuuge« stehen in Aussicht, wenn die bestimmt auftretende Mittheilung Bestätigung findet, daß eine neue Uniform im Heere eingeführt werden soll, die von der jetzt üblichen sehr verschieden ist. Er soll, »le bereit» mitgetheilt, ganz besonder» der Waffenreck au« andersfarbigem Tuche hergestellt, der Rock einen anderen, bequemeren Schnitt, nach Art der jetzt schon für die Landwehr eingeführten Litewka (Bluse) erhalten und namentlich auch die blanken Metallkuöpse durch dunkele, verdeckt unter dem Tuche anzubringende ersetzt werden. Wenn die geplanten Aenderungen in dieser Richtung sich bewegen sollten, wären wir in der angenehmen Lage, ihnen zuzustimmen, weil sie zur Bequemlichkeit und Erleichternng der Soldaten beitragen würden. Seit Jahren schon wird die Ersetzung de« eng anliegenden, den Hals förmlich zusammenschnürenden Waffenrock«, der im Sommer geradezu eine Marter für den Soldaten bedeutet, stimmte sie widerwillig bei. Er war ja über attt kleinlichen Bedenken hoch hinaus; was würde aber seine Mutter zu einer noch so indirekten Annäherung an eine Nähterin sagen? Nein, über ihre Vorurtheile gegen Lina kam Helene nicht hinaus.
Die Brücke war erreicht; Dr. Julius wollte nun das Packet Karl anvertrauen, Helene litt es aber nicht. Der Bruder sei zu solchen Dienstleistungen absolut nicht zu brauchen, ver- sicherte sie. Als Julius weiter gegangen war und sie es fest in Händen hielt, fuhr sie liebkosend darüber hin. Seine Hand hatte es ja
Arbeit.
® Die sogenannte« „A«n«enSriefe"in de« sozialdemokralischen Blättern, (ebeSmal mit rührender VaterS."Die Tante in Roisy war gebeten worden, den Fabrikherrn zum Zuwarten zu bewegen; Karl verzehrte sich aber in Sorge, dieser könne die Stelle anderweitig vergeben und er schließlich zwischen zwei Stühle zu sitzen kommen.
Auch dem Vater war nicht wohl zu Muthe. Wenn er den Sohn um eine gute Anstellung brachte, verpflichtete er sich ihm dadurch zu Danke, ein peinliches Gefühl für Jemand, der Dank weder abtragen kann noch will. .
In diese Geistesunruhe platzte Blaukenhorn mit feiner Aufregung wie eine Bombe hinein. Erst schilderte er auf seine Weise die Begegnung mit Weber; dann schimpfte er über das Volk in diesem schwarzen Welttheil, das sich von Aristokraten und Pfaffen gängeln ließe, die auf ferne | Verdummung ^arbeiteten. Schließlich zog er über Julius Merk los, der, statt als Arzt zu praktiziren, in Politik mache und große Schuld trage am Mißerfolg der Volkrpartei durch die Wahlreden, die er gehalten habe, welche ja an Verlogenheit ihresgleichen gesucht. Es fei alle« pure Verstellung und Heuchelei mit dessen Gratis- besuchen bei Männern und Weibern: der reine Bauernsang, um die unteren Klaffen für seine Partei zu gewinnen; hübsch fei er — da verliebten sich alte und junge Weiber in ihm „Du bist ein gescheidter Kerl und hast das gleich durchschaut," wandte er sich in gewohnter speichellecke- rischer Art an Armbruster. <Ja, ja, Dir rote mir macht keiner ein X für ein U vor. D» kennst Dich aus in Menschen, hast die Sippschaft auch gleich richtig taxirt."
Armbruster nickte, sichtlich geschmeichelt, machte | aber doch einen Vorbehalt: „Die beiden Männer
* Der Kaiser ist heute Abend 6 Uhr mittels Sonderzuges nach OSborne abereist. Im ! Gefolge des Kaisers befinden sich Generaladjutant Generalleutnant i la suite, Generalmajor von Scholl, Flügelajutant Korvettenkapitän vvn (Stumme und Generalarzt Dr von Leut- hold. Wie eine im .Reichsanzeiger/ heute mit« getheilte Hofcmsaze bekannt gibt, finden wegen schwerer Erkrankung der Königin von Großbritannien und Irland und Abreise des Kaisers nach England die für den 21. und 23. d. Mts in Aussicht genommenen große« «outen nicht statt.. — Wie die .Kreuzzeilung' meldet, fuhr der 'Kaiser in Folge der beunruhigenden Gerüchte über den Gesundheitszustand der Königin Viktoria Sonnabend Mittag bei der englischen Botschaft vor und hatte eine halbstündige Unterredung mit Sir Franc Lascelles. Auf der Botschaft waren bis zu dieser Zeit keine amtlichen Nachrichten über die Königin eingetroffen, (vßl. Depesche.)
cs? Unser Landtagsabgeordneter Herr Geh. Regierungsrath Dr. Goebel macht uns folgende Mittheilung: Eine private Neußerung deS Herrn Iirranzministers, die ich auS feinem eigenen Munde vernahm und die mit den Ausführungen des Abg. Fntzen in seiner trefflichen Etatsrede übereinstimmt, dürfte vielleicht einiges Interesse beanspruche«. Cir lautete: „Der diesjährige Etctt ist mein erster, bei dem ich zweifelhaft bk, was daraus werden wird; denn nach mancherlei Nachnchte» fängt der Eisenbahnetat an mir etwas verdächtig zu werden." Man darf also wohl auf die fernere Entwickelung der D'«ge einigermaßen gespannt sein, wenn selbst der Meister fragen muß: „Wird's auch schön zu Tage kommen, daß es Fleiß und Kunst vergilt?" — Wir wollen «ns aller Vermuthungeu und Prophezeiungen über den Einfluß der im Niedergang begriffenen Ge- schästskorjunktur mehrerer Industriegebiete auf den Eisenbahnverkehr weislich enthalte» und — ruhig abwarten. Ein „Löwenetat" bleibt der diesjährige auf alle Fälle.
+ M-lmsch-». Vor einiger Zett ging durch die Presse die Nachricht, daß die Poft Sendungen, die mit polnischer Aufschrfft ver- sehen worden sind, als zur Beförderung nicht geeignet zurückweise. Namentlich hat, wie schon kurz gemeldet, der polnische Abg. v. Slebocki im Reichstage eine Interpellation darüber eingebracht, ob es „dem Herrn Reichskanzler bekannt sei, daß in letzter Zeit an vielen Orten des Bundesstaates Preußen die Postbehörden Postwerthsendungen und einfache Briefe entgegen den Beffimmunge» der Postordnung vom 20. März 1900 nicht befördert haben, wodurch zum Theil materieller Schaden für das betreffende Publikum entstanden ist?", und zwettens: „welche Maßnahme« der Herr Reichskanzler zu ergreife« gedenkt, um in Zukunft solchen Uebelständen vorzubeugen?" Wenn die Postordnung bestimmt, daß Postsendungen zu befördern find, auch roen« die Aufschrift, die sie tragen, i« anderer als deutscher Sprache abgefaßt ist, dann müffen die Postbkhörden auch solche Postsendungen be-
mit Zlnterhaktungs-Beilage „Ifluürirte Sonntags-Zeitung"