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*TÄ.* “..‘SSr«££**• mit Nnlerhaktungs -Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" äIZX“
JVs. 13.
Julöa, Mittwoch, den 16. Januar 1901.
28. Jahrgang.
Deutsches Reich.
Berlin, de« 15. Januar-
X »Mit Leib und Seele habe ich daran gearbeitet, die guten alten Aezietzttngs« zmifche« De«1schls«d rmd Außkemd aufrecht zu erhalten und zu fördern. Ein enges Zusammengehen mit Rußland unter Wahrung gegenseitiger Bewegungsfreiheit, ein dauerndes, auf Vertrauen begründetes Verhältniß beider Reiche ist ein Grundsatz, an dem ich unbedingt festhalte . . . . Mit beiderseitigem gutem Willen können wir zu gemeinsamem Nutzen Hand in Hand gehen . . ." Diese Worte sprach Fürst Radolin, bisher deutscher Botschafter in Petersburg und von jetzt in Paris, bei einem Abschiedsfeste, das die Petersburger deutsche Kolonie dem fürstlichen Ehepaar gab. Worte von Frieden und guter Freundschaft erklingen bei solchen Gelegenheiten stets. Aber so kräftig betont, wie in diesem Falle, werden sie nicht immer; und daß man in Rußland diese Abschiedsrede des deutschen Botschafters als ein politisches Eretgniß betrachtet, geht daraus hervor, daß alle angesehenen rusfischen Blätter dieser Ansprache ganz ausführliche Betrachtungen widmen. In Rußland schreiben die Zeitungen über auswärtige Politik nicht gegen den Willen und gegen die Anschauungen der Regierung. Deshalb verdient es stets gewisse Beachtung, wenn Kundgebungen dieser Art in der russischen Presse erscheinen. Diesmal ist das in noch erhöhtem Maße der Fall; denn gerade in der letzten Zeit vorher haben sich verschiedene Zeitungen des Zarenreiches, ohne daran gehindert zu werden, in allerhand Bosheiten und Angriffen gegen das deutsche Reich ergangen. Jetzt hat diese Abschiedsrede einen er- -sreulichen Umschwung in der Tonart der russischen Preße bewirkt. Der Petersburger .Herold", der sicherlich über auswärtige Politik nichts schreibt, das nicht genau den Anschauungen der leitenden Kreise an der Newa entspräche, meint: ^,Die Rebe des Fürsten Radolin ist von weitgehender Bedeutung, um namentlich der öffentlichen Meinung die richtigen Wege zu io eisen" — und ermahnt dann diese „öffentliche Meinung", nicht an dem Grafen Bülow vorschnell zu kritisiren, sondern hübsch abzuwarten, ob dieser denn wirklich Schritte thun werde, die als Schädigung russischer Interessen aufgefaßt werden könnten. Die übrigen Petersburger Zeitungen lassen sich gleichzeitig und genau in derselben Ton» -art vernehmen, so daß ganz augenscheinlich „von oben her" ihnen vorher eine entsprechende Weisung HUgegangen sein muß. — Man war vorher in Rußland erregt worden durch die Behandlung der südafrikanischen Dinge in Berlin und namentlich auch durch die Thatsache, daß Präsident Krüger von Transvaal in Berlin nicht empfangen wurde. Jetzt kann man im Interesse de» gegenseitigen guten Einvernehmens nur wünschen, daß wieder Ruhe in di« russischen Gemüther einkehre. An dem amtlichen Drahte zwischen Berlin und Petersburg scheint ja wieder alles in Ordnung zu sein.
+ Ate Wohttttugsttoth ist nun wirklich als vorhanden anerkannt worden von einem Ausschuss«, den die Stadtverordnetenversammlung von Berlin eingesetzt hatte, um einen in der Versammlung einaebrachten Antrag
Dennoch aufwärts.
Roma» vo»L. v. Neid egg.
'S ------- (Nachdruck verboten.)
Eines Tage» saßen Vater und Sohn einander Nieder im Kontor gegenüber, al« der Postbote beide» schwarzumränderte Briefe brachte. Arm« -rnster« Gesicht verzerrte sich, währer.d er den Stempel des feinen betrachtete. Er legte ihn hin. sah ihn eine Zeitlang an, griff danach, wie um ihn in eine Ecke zu werfen — endlich mit zitternder Hand riß er ihn auf. Kaum hatte er aber zu lesen begonnen, so blickte er zornig zu Karl herüber: „Wer hat sich unterstanden, nach Frankreich Nachricht zu geben?"
Karl legte ruhig seinen Bries bei Sette: „Natürlich bin ich's gewesen, Vater."
„Habe ich nicht besohlen, jede Berbindung rntt dort abzubrechen? Sollte deine Mutter etwa insgeheim eine solche mit den dortigen Schuften unterhalten haben?"
„Mich wundert, wie du solches von der Mntter »oraussetzen magst." wies Karl empört die Anschuldigung zurück. „Sie hat Dir treulich gehorcht bis an ihr Ende. Als sie es aber nahen fühlte, äußerte sie den Wunsch, daß dem einzig überlebenden ihrer Geschwister die Berstcherung gegeben werde, sie sei im Friede« mit alle« hiu- übergegangen. Diesen Wunsch habe ich natürlich erfüllt."
„Sehr schön, sehr erbaulich!" höhnte Armbruster. „In Frieden, wohl gar ia Freundschaft mit dem Schlimmsten der Sippschaft, dem AlfonS, der mich und uns alle zu Grunde gerichtet hat!
vorzuberathe«; und diese endlich erwachte Er- kenntniß wird von der Berliner Freisinns- presse als ein sozialpolitisches Er- eigniß ersten Ranges begrüßt und gefeiert. Was alle Welt seit Jahren beschäftigt in der Presse, in anderen Schriften, in Volksversammlungen und Parlamenten, waS sogar in der jüngsten Thronrede eine Relle spielt, das fange« nun endlich auch die freisinnigen Berliner Stadt- väter zu begreifen an, daß nämlich ein Mangel an kleinen Wohnungen und die Gefahr besteht, daß der Mangel in der nächsten Zukunft noch größer werden könnte — nicht allein in Berlin, muß man hinzufetzen, sondern auch in einer ganzen langen Reihe anderer Großstädte. Und zur Anerkennung dieser Thatsache haben sich die- selben Berliner Stadtväler erst zwingen lassen durch einen in der Stadtverordnetenversammlung in aller Fckrm eingebrachten Antrag der Herren Singer und Genossen. Es ist eigentlich ein Wunder, daß es in freisinnig verwalteten Großstädten noch kleine Leute gibt, die nicht der Sozialdemokratie anheimgefallen find! Der fragliche Ausschuß der Berliner Stadtverordnetenversammlung hat eine Sitzung gebraucht um anzuerkennen, daß die besagte Wohnungs- noth besteht; weiter ist er in dieser einen Sitzung noch nicht gekommen. Wie der Roth abzuhelfen fei, darüber soll in späteren Sitzungen gesprochen werden. Aus den Unterhandlungen dieser einen Sitzung geht mit der größten Klarheit hervor, daß über das Wie der Ausführung noch die denkbar größte Unklarheit herrscht. Die Frage wird also bis zu ihrer Lösung oder auch nur Aufklärung noch sehr lange Zeit brauchen.
h Zar KinvrittSttng des Zolltarifs bemerkt em Berliner Ojfiziosus, daß „nicht nur an der Absicht festgehaltea werde, den Zolltarif möglichst noch im Frühjahr an den Reichstag zu bringen, sondern auch alles gethan werde, um diese Absicht zu verwirklichen". Mit der Absicht allein würde die Regierung freilich nicht weit kommen. Daß im Sinne dieser Absicht auch etwas gethan werde, ist also recht noth- wendig. Leider erfährt man nach wie vor lein Wort davon, ob die Regierung glaube, daß es auch gelingen werde, die löbliche Absicht zu verwirklichen. Und darauf allein kommt es doch nur an.
* Die Reichstagskommission für den G»kera«za«1rag de« Centrums hat am Dienstag ihre erste Sitzung abgehalten, sich aber alsbald vertagt, um erst das in Betracht kommende Material sowohl im Reiche al» auch in de« Einzelstaaten von de« Regierungen einzufordern. Ma« glaubt, daß diese« Material vor Anfang Februar nicht wird bereitgestellt werden könne«. ।
* I« der Nrrd-etstommissioa des Reichstags kam heute (Dienstag) bei der Erörterung des Etats der Reichseisenbahnen daS Offenbacher Unglück fzur Sprache. Allsettig wurde« gründliche Reformen zur Verbesserung der Personenwagen, besonders der V-Zugwagen gefordert. Abgeordneter Müller- Saga« rügte, daß die Bezahlung einer Platzkarte nicht de» Anspruch auf einen Platz gewähr-
Und die ihm hinter meinem Rücken gegebene Versicherung soll wohl einen Ausfluß christlicher Gesinnung vorstellen? Der Kerl ist ja vor kurzem gestorben, wie ich auS dem Brief seiner Wittwe entnehme; sie schreibt gar viel Salbungsvolles über Versöhnung. Nichts da. Ich vergesse nicht und verzeihe nicht. So behandle ich, was von Noisy kommt!"
Damit zerknitterte er den Bries und warf ihn in den Papierkorb: „Und nun her mit Deinem Wisch!"
Karl, der während der Vater polterte, seine« Brief zu Ende gelesen hatte, legte ihn ohne ein Wort der Erwiderung auf dessen Pult. Er sah de« zornigen Rann mit halb mitleidigem Blicke an und machte sich dann wieder an seine Schreiberei.
Den Brief, der bedeutend länger war als der an Armbruster gerichtete, durchwehte ein Geist der Versöhnlichkeit, dem mit Voreingenommenheit sich verschließen konnte. Die Wittwe teilte mit, ihr Man« fei wenige Tage vor seiner Schwester gestorben, zu ihrer unaussprechlichen Beruhigung in bußfertiger Gesinnung. In seinem Auftrage komme sie, diejenigen um Verzeihung zu bitten, gegen welche er sich schwer verfehlt habe. Die Versündigung habe sich gerächt; nur al« Strafe de« Himmel« könne sie die Heimsuchungen aller Art, betonter Krankheiten und Geldverluste, an- sehen, welche sie seither getroffen. Sie beklagte, daß sie, weil selbst verarmt, nicht in der Lage sei, Schadenersatz zu leisten, und die Worte klangen nicht wie bloße Redensart. Zu« Schluß erwähnte sie, daß sich ihr eine Gelegenheit biete, dem einen oder anderen der Neffen nützlich zu sein, die sie
leiste. Von verschiedenen Seiten wurde angeregt, daß die Gasbehälter statt unter den Wage« auf den Wagen angebracht würde«. Ei« Regierungsvertreter erklärte, daß Versuche mit Reformen in der Kuppelung in größerem Umfange geplant seien. Abgeordneter Müller-Fulda gab der Acetylenbeleuchtung den furchtbaren Umfang des Offenbacher Unglücks Schuld. Von einem Re- gierungsvertretet wurde dies bestritte«. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Müller-Saga«, was es mit der süddeutschenEisenbahn- gem einschast für eine Bewandniß habe, antwortete ein Regierungsvertreter, ihm sei von einer „süddeutschen Eisenbahngemeinschast" nichts bekannt. Es hätten zwar unter einzelnen Bundesstaaten Verhandlungen über Tariffragen stattgefunden, jedoch ohne jede Spitze gegen Preuße«. Auf Anfrage des Abgeordneten Eickhoff (Freis. Volksp.) theilt ein Regierungsoer- treter mit, daß neuerdings die Lokomotiven zum Theil mit Apparaten versehen find, welche die Koblenstaubentwickelung hemmen sollen. Die bisherigen Versuche mit elektrischem Licht seien nicht ermuthigend.
* Moses, 15. Jan. Bei der Reichstagsersatzwahl in Posen soll Oberbürgermeister Witting als gemeinsamer deutscher Kandidat aufgestellt worden fein. Die Aufstellung hat nur eine formale Bedeutung, denn nach der Stärke der Parteien ist die Wahl eines Polen im ersten Wahlgang absolut sicher. Im Jahre 1898 find in dem Wahlkreis 13859 polnische Stimmen abgegeben worden, während auf sämmtliche Gegenkandidaten kaum 8000 Stimmen entfielen. Eine Stichwahl wurde damals nur nöthig, weil sich zwei polnische Kandidaten gegenüberstanden, die alsdann auch miteinander in die Stichwahl kamen, wobei sich die Zahl der polnischen Stimmen auf 16733 erhöhte.
+ Stuttgart, 15. Jan. Die heute zur Er- öffnung des Landtages verlesene Thronrede konstatirt, daß die wirthschastliche Lage deS Landes sich im Allgemeinen gehoben hat. Der Stand der Staatsfinanzen ist durchaus befriedigend. Aus de« Rechnungsjahre« 1898 und 1899 ist ei« Ueberschuß von 9 Millionen Mark vorhanden und auch der neue Etatsentwmf dürfte mit einem kleinen Ueberschuß abschließen, obschon die Staatsausgaben im Steigen begriffen sind und u. A. auch eine systematische Aufbeffe- rung der Gehälter der Staatsbeamten u. s. w durchgeführt werden soll. Die Steuerreform wird dem Landtage in einer Fassung wieder vorgelegt werden, die den früheren ständischen Beschlüssen ernstlich Rechnung trägt. Sodann stellt die Thronrede verschiedene Neubauten im Eisenbahnwesen in Aussicht und erklätt zur Verfaffungs-Revifion, daß solange die in den Ständeversammlungen bestehenden Verschiedenhetten der Meinungen Über eine zweckmäßige Lösung dieser Frage eine Ausgleichung nicht erfahren haben, für ein neues Vorgehen der Regierung ei« Erfolg nicht zu erhoffen ist. Wetter stellt die Thronrede eine neue Gemeinde-Ordnung iu Aussicht mit periodischer Wahl der Ortsvorsteher im Zusammenhang mit einer veränderten Zusammensetzung der Gerneinde- organe.
mit Freuden ergreife. Ihr Bruder fei mit dem deutsche« Leiter einer Fabrik in Noisy befreundet, der einen des Französischen kundige« Deutsche« al» Buchhalter suche. Die Stelle fei al» eine sehr gute bekannt. Falls einer der Neffen sich etwa um sie bewerben wolle, hoffe sie durch Vermittelung ihre» Bruder« sie ihm verschaffen zu können; sie bitte nur uw baldige Benachrichtigung, ob Schritte in der Richtung versucht wer bat sollte«.
Daß sich so gar nichts gegen den Inhalt de« Briefe« einwenden ließ, verzieh Armbrnsier der Schreiberin wohl am alerschwersten. Er warf da« Schriftstück dem Sohne hi«, so daß er vor dessen Füße fallen mußte, ,988a« ist'« mm?" fuhr er los. „Natürlich greifst Du zu! Läufst womöglich schon heute fort?"
„Weder heute noch morgen," erwiderte Karl in dem überlegenen Tone, de« er gern annahm. Er hob den Brief mit erkünstelter Ruhe vom Boden auf und strich ihn glatt.
„Da ich hier unentbehrlich bi«, nachdem Georg nicht ins Geschäft treten will, bleibe ich bei Dir."
Die Bezugnahme auf Georg war keine glückliche Eingebung. Der Vater hatte diesem bei seiner jüngsten Anwesenheit vorgeschlage», nach Beendigung seine« Dienstjahres an Karl« Stelle zu treten, der sich bann einfach nach anderer Be- schäftignng umsehen müsse. Der Liebli»g«sohn schlug jedoch die ihm zugedachte Gunstbezeugung rundweg aus und verletzte damit den Vater auf bas tiefste. Jede Anspielung auf den Vorfall, bet ihm eine Demüthigung in Erinnerung brachte, faßte Armbruster deshalb als persönliche Beleidigung auf.
Ans dem Reichstage.
V 22. Sitzun« vom 16. Januar, Nachmittags 1 llhr.
Am heutige» DienSkag ist im Reichstage die Duellfrage besprochen worden m Folge der von dem Een- trumsabg. Trim dorn mit der Unterstützung bei gelammten Centrums eingebrachten Interpellation im Anschluffe an die unlängst vorgekommenen Ereignisse bei den Wahlen zum Referve-Offi-ier- KorpS in Köln.
Abg. Frimvorn legte den Sachverhalt dar, wie er durch die Presse bekannt geworden ist: die Offiziersaspiranten gehörten katholischen Studentenverbindungen au, wurden über ihre Stellung zum Duell befragt uud schließlich wegen ihrer ablehnenden Antwort, die sich auf dem Boden der Staatsaesetze und der Gebote der Kirche befindet, nicht zu Reserve-Offizieren gewählt. Diese erste Wahl wurde durch Den Kriegsminister aufgehoben. Aber die Wiederholung des Wahlaktes hatte dasselbe Ergebniß.
Ganz besonderes Aufsehen hat eS gemacht, daß gegen einen der Aspiranten vom Borfitzenden des Ehrenrathes ein Verfahren eivgeleitet wurde wegen angeblich falscher dienstlicher Meldung. Das Verfahren mußte hernach eingestellt werden. Ohne Zweifel ist es aber, daß die Aspiranten ihre Nichtwahl ausschließlich ihrer Stellung zur Duellfrage zu verdanken haben. Die strengen Befehle des obersten Kriegsherrn find in Köln auf« gröblichste verletzt worden. Der Borfitzende des Ehrenrathe« hat die Befehle des Kriegsherrn schwer mißachtet.
Kriegsminister von Hoßker erwiderte, er habe dem Vorredner schon privatim gesagt, daß ein solches Verfahren der Offizieraspiranten unzulässta ist: auf die eingereichte Beschwerde ist ja die erste Wahl auch aufgehoben worden. Die zweite Wahl vom 4. Januar steht unter dem Siegel des DienstgeheimniffeS. Die Minderheit de« Offizierkorps mußte Höhen» Ortes vorstellig werden, wenn dabei Verstöße gegen die bestehenden Bestimmungen erfolgten. Außerdem steht den Aspiranten selbst der Weg der Beschwerde offen. Da das nicht geschah, hat die Heeresverwaltung keinen Anlaß, mit irgendwelchen Anträgen an die allerhöchste Person sich zu wenden. Wegen der Beschuldiaungen deS Abg. Trim- born gegen den Borfitzenden des Ehrenrathes und gegen den Bezirkskommandeur wird die Kommandobehörde Aufklärungen veranlassen.
Der ntl. Abg. zSüfing gab im Namen sei»« Partei die Erklärung ab, daß die Antwort des Kriegs- Ministers ihr nicht ausreichend erscheine, namentlich deswegen, weil er nicht? davon sagte, daß derlei nicht wieder vorkommen sollte. Ab« man müsse sich wohl mit dem Bersprechen begnügen, daß der kaiserliche Befehl künftig mehr Beach»ung finden werde, und deswegen einstweilen auf weitere Erörterungen verzichte«.
Abg. ^achuirüe (freis. Bg ) wieS auf die viel wirksameren Vorschriften gegen den Zweikampf i« Heere in England hin und meinte, auch bei uns könnte fester zugegriffeu werde«. Was aber nützen alle Ber- schärfungen der Staatsgesetze, wenn hinterher imma wieder die Gnade eintrete! Die Begnadigung steht d« Landeshoheit zu. Ab« dem Parlament steht die Kritik darüber zu, wie diese Befugniß auSgeübt wird. Auch ist das Duellunwesen durchaus undeutsch: eS ist e«8 Frankreich und Spanien zu unS gekommen. Was fehlt dabei, fragt der berühmte RechtSlehrer Binding, noch an Mord?
Abg. Dr. Nach«« (6tr.) wirs darauf hin, daß man den Weg d« Oeffentlichkrit habe beschreite« müsse», weil alle and«e» Mittel versagte«. Auch die Katholiken rechnen es sich zur Ehre an, als Offiziere zu diene«, aber in Berlin beispielsweise wird jeder, d« sich znm Offizier meldet, danach gefragt, wie « zum Duell steht. Wen« das Kriegsministerium «icht etil« schreitet gegen Verstöße gegen kaiserliche HeerrSbefehle, w« sollte sonst das thun? Der KriegSmtnist« möchte doch seine Stellungnahme zu der Interpellation noch- malS ein« Revision unterziehen!
Der Redner der Konservativen, Abg ». Aevetzow, erklärte, « nehme einen anderen Standpunkt ein, al« der Interpellant. Aber daS Verfahren in Köln erscheint auch ihm tadelswerth und unkorrekt, hauptsächlich wegen des JnquisttoriumS und deshalb, »eil daS Verjähren einem kaiserliche« KabinetSbefehle widnspricht.
„Meinst wohl, Du seiest unentbehrlich?" schott er. „Kannst von mir aus gehe«, wann Du willst. Was Du für die Fabrik leistest, besorgt ein jeixc Andere ebenso gut. Auch stehe ich »och immer meinen Mann und kann Dich und euch alle entbehren — alle, hörst Du?"
Der Sohn gab keine Antwort; über seine Arbeit gebeugt schrieb er ruhig weiter.
„Sieb’ mir in’» Gesicht, wenn ich mit Dir rede!" schrie ihn der Vater an. „Ich frage, ob Du mich gehört hast?"
„Gewiß," erwiderte Karl, legte die Feder hin und bückte mit den Karen Augen de» Vater in'« Gesicht.
„WaS hast Du also zu antworten? Gehst Du nach Frankreich ober nicht?"
„ES scheint. Du willst »ich loS sein," gab Karl «ach längerem Besinnen bebächtig zur Antwort. «Ist dem so, sage eS gerade heraus, so- bald Du Dir die Sache erst ruhig überlegt haft. Was mich betrifft, so könnte ich eS nur als ein Glück ansehen, eine so gute Stelle zu bekomme«. Ich fürchte aber, Du kannst Dich nicht mehr genug auf Dein Sedächtniß verlasse«, um das Geschäft allein wetterführe« zu können."
Der lehrhafte, selbstgefällige Ton deS jungen ManneS war ganz geeignet, den reizbare« Vater außer Fassung zu bringe«. „Hältst mich wohl für unzurechnungsfähig?" brauste er aus. „Meinst, ich wisse nicht mehr, was ich rede? Ich weiß ganz genau, daß ich Dein dämliches Gesicht und Dein superkluges Wesen nicht länger ertrage. Je eher Du gehst, nm so besser."
„Ist das Dein Emst, Vater? D« hast Dich bei meinem Raih, meiner Hilfe immer wohl