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mit Anterhaklungs-Anlage „IlkuKrirte SomLags-Zeiümg"

JVo 12. JuLöa, Dienstag, den 15. Januar 1901.

28. Jahrgang.

[] Ruhig Blut — keine Verquickung!

Im preußischen Abgeordnetenhause ist am heutigen Montag die erste Lesung des Etats be­gonnen worden. Auch dann, wenn Minister- Präsident Graf Bülow in feiner Antrittsrede nichts von der Kanalvorlage gesagt hätte, würde diese letztere ohne Zweifel von den Redner« der verschiedenen Parteien gestreift worden sein. Nun aber hat Graf Bülow, wie bekannt, selbst in feiner Rede über die allgemeinen politischen Ver­hältnisse mit ganz besonderer Betonung auch auf die Kanalvorlage hingewiesen, und darauf­hin war es ganz selbstverständlich, daß die Partei­redner sich ebenfalls mit diesem Thema beschäf­tigten und dem Ministerpräsidenten antworteten.

Graf Bülow kann mit den Antworte«, die er erhalten hat, zufrieden sein. Die Redner des Eentrums und der Konservativen, die Abgg. Fritzen und Graf Limburg-Stirum, Haden nicht nur in vollkommen überstimmendem Sinne, fondern mit fast gleichen Worten dem Reichs­kanzler und Ministerpräsidenten ihren Dank da­für ausgedrückt, daß dieser die Kanalvorlage ganz ausdrücklich keine politische, sondern eine wirth- fchaftliche Vorlage genannt hat, die nicht eilte Behandlung von den verschiedenen Parteistand­punkten aus, sondern eine rein sachliche nid leiden­schaftslose Behandlung erfahren müsse. Und dieselbe« Redner derselben beiden großen Parteien stimmten auch ganz genau darin überein, daß die Kanalvorlage unter keiner Bedingung in ihrer Beurtheilung und Behandlung mit anderen Dinge« vergaickt werden dürfe. Die Kanaloorlage muß ganz allein für sich brurthrilt und b-rathen werden: mit dieser als ganz unerläßlich ausge­stellten Bedingung, in den Vordergrund gerückt von diesen beiden Rednern, die allein eine große Mehrheit im Abgeorduetenhause hinter sich haben, ist den von links Hw bereit- mehrfach wieder versuchte« Verhetzungen und Ver­quickungen hoffentlich für immer ein wirksamer Damm entgegengesetzt. Gleichzeitig haben die Reden der Abgeordneten Fritzen und Graf Limburg- Stirum bewiesen, daß man in ihren Parteien über diesen Punkt vollkommen einer Meinung ist. Denn die Preffe sowohl des Centrums al« auch der konservativen Partei hat im Gegensätze zu den kinksliberale« Zeitungen von Anfang an dieselbe Forderung aufgestellt, daß nämlich Kanalvor­lage und Getreidezölle auf keinen Fall in einen und denselben Topf geworfen »erden dürfen. Die »oHtomwene Einmüthig- feit in diesem Punkte bei der Regierung, dem Lentrum und den Konservativen ist außerordent­lich viel werth und »ird ihren guten Eindruck hoffentlich nicht verfehl«« bei denjenigen, die unter der Marke der begeisterten Kanalfreundschaft gar zu gern wieder mit Hilfe der preußischen Kanal­vorlage die allgemein deutsche politische Lage ver­wirrt hätten, um dann für ihre besonderen Partei­zwecke im Trüben zu stschen.

Daß das Crntrnm der Kanaloorlage keine Voreingenommenheit rntgegendringt, weder für noch gegen sie, weiß jeder, der während der jüngsten Zeit die Aeußernnge» der CwrtmmS- preffe »erfolgt hat. I» maßgebender Weise hat daS nun der Parteiredser deS CentrumS, Abge­

Dermoch anfmarts.

Roman von 1. v. Reidegg.

8 ------ (Nachdruck verdaten.)

„Rus, warum soll ich daS nicht denken?" widersprach fie. „Armbruster war ein Streber, wen« auch ein solcher, der sich in de« eigenen Netzen fi«g ... wäre eS da verwunderlich, wenn auch sie Frau oder die Tochter, oder sie alle miteinander, sich mit hochfliezenden Plänen trügen?"

„Sa denen Du Karl- Absichten auf Lina Rudhart wohl nicht rechnest?" scherzte Julius.

„Gerade an dieser hat diese Hrltne ihre Hoffart so recht geoff cnb art,” triumptzirle Frau Merk. „Ihr hättet sehen sollen, wir verächtlich fie sie behandelte!"

„Splitter und Balken, Anna," lachte der Doktor. „Hat fie das getharr, so war es sehr unrecht, bcr.it Lina ist ein Mädchen, vor dem wir alle den Hut ziehen müsse«, ein braveS, frommes, bis zur Aufopferung gutherziges Ge­schöpf. Geradezu bewundernSwerlh ist ihre Geduld mit der Mutter. Davon weiß ich ei« Lied zu fingen, den« ich behandle die alte Frau. Ich wollte, Lina wäre nicht arm wie eine Kirchenmaus und könnte Karl Armbruster heirathen."

„Gin Wunsch, in dem D» Dich mit Fräulein Helene nicht begegnest," fertigte ihn seine Frau ab. Die will jedenfalls hoch hinaus — auch für sich.”

„Glaubst du, fie würfe ihre Netze nach Er. Majestät Julius aus?"

ordneter Fritzen, im preußischen Abgeordre'en- hause bestätigt, indem er der Regierung ruhig erwägende und rein sachliche Prüfung der Vor­lage in Aussicht gestellt hat. Gleichzeitig hat der C-ntrumsreönrr die Regierung nicht im Zweifel darüber gelassen, daß das Lentrum nichts weniger als Hurrastimmung für diese Prüfung der Kanaloorlage mitbringt. Das Lentrum bedauert es vielmehr, daß diese Vorlage gerade jetzt eingebracht werden mußte, weil gerade jetzt die Vermeidung von Partei­zwist nöthiger als sonst ist. Dieser Ausspruch des anerkannten Parteiredners deS preußischen Centrums mögen sich alle diejenigen merken, die durchaus wissen wollten, im Lentrum sei ein Umschwur-g der Stimmung z« Gunsten der Vor­lage erfolgt. Rein sachliche, vollkommen unparteiische und sehr genaue Prüfung — das wird für das Lentrum die Losung sein bei der Beurtheilung und Behand­lung der Kanaloorlage, di? FtAanzforderungen enthält, wie sonst selten Vorlagen einer Re­gierung.

Daß die konservative Partei der neuen Kanalvorlage zunächst nicht günstiger ge­sinnt ist, als der alte», darüber hat Graf Lim­burg-Stirum in seiner AbgeordnetenhauSrede kernen Zweifel gelassen. Vorläufig liegen also die Geschicke dieses Gesetzentwurfes auch jetzt noch, nachdem er bekannt geworden ist, voll­kommen begraben unter den geheimniß sollen Schleiern der Zukunft.

O Der Reichs-Gesundheits-Rath.

Nach dem Gesetze über die Bekämpfung ge­meingefährlicher Krankheiten soll die Geschäfts- ordnurig deS Reichs - Gesundheitsrathes vom Reichskanzler mit der Zustimmung des Bundes- rathes festgestellt werden. Der Entwurf dieser Geschäftsordnung ist dem Bundesrathe nunmehr zugegangen. Danach soll der Gesimdhettsrath bestehen auS den vom Bunsesrathe gewählten Mitglieder« und den jeweiligen Abtheilur^soor- ftehern des Kaiserlichen Gesundheitsamt, s. Der Vorsitzende und der ständige Stelloertt > ier des­selben werden vom Reichskanzler aus d r Zahl der Mitglieder ernannt. Die Mitglied! afr gilt immer für fünf Jahre. Die ReichSbehö: en und LandeSzenttalbehörden haben das Reo , zu solchen Berathungen, an denen fie betheiligt sind, Vertreter zu entsenden. Die Mitglieder erhalten für die Zeit ihrer Abwesenheit vom Wohnorte Tagegelder und Reiieksste« nach den Sätzen für die Vortragenden Räche der obersten Reichsbe­hörden.

Daß der GrsundheitSrath die Aufgabe hat, das ReichS-GesundheitS-Amt bei der Erfüllung der Ausgaben dieses lktztern zu unterfisch?«, ist bekannt. Sr hat außerdem die Befugkuß, den LandeSbrhörden Rath zu ertheilsn, und er kann sich unmittelbar mit diesen in Verbindung setzen, um Auskünfte zu erhalte«, kann auch Vertreter entsenden, dis unter Mitwirkung der zuständigen Landesbehörden Aufklärungen an Ort und Stelle sich hole«.

Der Sesundheitsrath wird in neun Aus­schüsse eingetheilt: für Gesundheitswesen im sll-

„Für fie wäre Julius jedenfalls ein hoher Herr," versetzte Fran Merk würdevoll. Zu Scherzen selten aufgelegt, duldete fie solche am wenigste» in so wichtiger Angelegenheit. Auch daS Töchterchen faßte die Sache Hochernst auf. Gutmüthig aber beschränkt, ordnete fie sich rück- haltrlor der gestrengen Mutter unter und ersparte sich auf diese W-ise die Mühe selbst­ständigen Denkens. Die Mutter hatte ihr so oft wiederholt, sie müsse etwas auf sich halten und es der a« einen reichen Grubenbesitzer ver- heiratheten Schwester uachthun, daß die gute Elise sich etwa? zu vergeben meinte, wenn sie mit der Tochter eines in bescheidenen Verhält­nissen lebenden Fabrikanten sich abgab.

„Wir gehören hier nun einmal zu den Vor­nehmsten," mischte sie sich nicht ohne Selbstgefühl in dar Gespräch.

„Schau' mal an, Prinzeß Elise!" spottete Julius.

„Und deshalb hälst Du wohl freundlich» Rücksichtnahme auf andere für überflüssig?" schalt der Vater. „Strecke erst die Nase zu diesem Nestchen hinaus, mein Liesel, da wirst Du erkennen, wie wenig deine Größe gilt. Wäre fie indessen noch so erhaben, nichts in der Welt könnte Dich der Verpflichtung entheben, anderen, namentlich Betrübten, Hrrzenssreundlichkeit zu erweisen. Ich will nicht hoffen, daß Du so ein Stock bist, nicht selber daS Bedürfntß danach zu empfinden?"

„O doch, Papa!" erwiderte Elise mit dem gewohnten Mangel an Klugheit.

Krau Merk hatte einigen Respekt vor ihrem Manne, bemühte sich deshalb redlich, ihr? Ge-

gemeinen, für Ernährunzswesen, Wasserver­sorgung, Gewerbehygiene, Seuchenbekämpfung, Heiiwesen im allgemeinen, Heilmittelwesen, Schiffs­und Tropenhygiene, Veterinärwesen einschließlich Fleischbeschau.

Die Sitzungen deS ReichS-Gesundheits-RathrS tolle» nicht öffentlich fein; feine Berathungen sollen vielmehr unter dem Siegel der Verschwie­genheit stattfinden. Warum diese letztere Be­stimmung getroffen ist, ist nicht recht ersichtlich. Wenn man auch nicht verlangen kann, daß die Verhandlungen des Gesundheitsrathes öffentlich geführt werden, so ist doch nicht einzusehen, wes­wegen seine einzelnen Ritglieder zum Still­schweigen darüber verpflichtet werden sollen. Das könnte in einzelnen Fällen nothwrndig werden und dann jedesmal besonders vereinbart werden. Aber im Allgemeinen und grundfätzäch die Ver­handlungen mit dem Schleier des Amtsgeheim- niffrs bedeckt zu sehen, macht einen eigenthüm- lichen Eindruck. Man kommt so leicht auf den Gedanken, efe solle hier das leidige Vertuschungs- system emgesührt werden, das in anderen Ländern chon so großes Unheil ungerichtet hat.

Deutsches Deich.

Berlin, den 14. Januar.

x ASgeordneter Ar. Irege, erster Vize­präsident des Reichstages, will sich nach dem Ab - aufe der gegenwärtigen Reichstagsperiode über­haupt aus dem parlamentarischen Leben zurück­ziehen — so Hai er selbst in einer Versammlung in Geithain in Sachsen angeküudigt. Darauf find jedenfalls auch die unterlaufenen Uarichrig- keiten zurückzuführe«, daß Herr Dr. Frege als­bald sein Vizepräfi fium niederzulegen gedenke. Der Abgeordnete blickt bereits auf eine 23jährige ParlamentSthätigkeit zurück, während deren er stets denselben Wahlkreis vertreten hat.

* Im Reich s ageist das drittePetition»- Aerzeichniß erpienen. Der Verein der Trans- vaal-Ausgewiese: n zu Berlin wünscht die Unter­stützung her En chädigungS - Ansprüche der aus Transvaal ausg miesenen Reichsdeutschen gegen die englische Re. erung. Professor Dr. Sieg- munbGünther 'n München überreichte im Auf­trage einer in München veranstalteten Versamm­lung dir von dieser gefaßte Resolutinn zu Gunsten deS Empfanges des Präsidenten der Transvaal- R-publik Krüger in Berlin. Edgard Dehonne ivCharleroi (Belgien) bittet um Unterstützung der Buren in ihrem Kampfe gegen England. Ver­schiedene Petenten bttten, cn der bisherigen Grund­lage der Zoll- und Handels-Politik und dem System langfristiger Handels-Verträge festzuhalten und der Einführung eines Max mal- und Minimal- TarifeS bezw. der Erhöhung der Getreidezölle die Zustimmung zu versagen. Mehrere Handelskam­mern u. A. ersuchen um Einführung der Prügel­strafe. Eine Anzahl Viehhändler-Vereine bitten um Zuziehung von Viehhändlern zu den Beratbun- qen des Kaiser!. Gesundheits-Amtes mit den Ver­tretern des Landwirthschaftsrathes über die Ab­änderung von Bestimmungen des Viehseuchen-Ge- sktzes. Der Hauptverein zur Beförderung her Landwirthschaft zu Paderborn wünscht die Stel­

reizcheü zu verbergen; diese klang aber durch im schallen Tone ihrer Stimme, als sie ein fiel:

„Schilt das Kind nicht, Wilhelm, das nur das allgemeine Urtheil nachgesprochen hat. Nimm mir's nicht übel, wenn ich warne, etwa falsche Hoffnungen zu erwecken. Unb schließlich wäre es bei häufigem Verkenr doch auch möglich, daß nicht etwa das Mädchen F uer finge, sondern Julius."

Vater und Sohn wechselten einen raschen Blick: „Das halte ich für ausgeschlossen,« meinte der alte Herr bedächtig.

„Schlage Dir dis unnSthige« Sorgen aus dem Sinn, Mutter/ beruhigte auch der Sohn.

Aber die Doktorin war nun einmal im Zug und mußte sich dis Sorge von der Seele sprechen. „Kann man Euch jungen Leuten denn trauen?" fragte sie. „Vielleicht bist Du Dir selber nicht recht klar, was es eigentlich ist, das Dich hier festhält."

„Jedenfalls nicht Fräulein Helene."

„Kennst Du den eigenen Sohn so wenig, Anna?" ergriff der Vater das Wort. „Der ist ein Mann, der genau weiß, was er will und nicht blind in eine Liebelei hineintappt."

„Ja, dann sagt mir aber doch beide: was thut er eigentlich hier?" fragte die Mutter er­regt. „Du bist so rüstig, Wilhelm, daß Du noch lange keiner Stütze bedarfst. Außer Dir ist noch ein Arzt im Ort, weshalb Julius nichts zu thu« hat und statt zu praktiziren, stundenlang über den Büchern fitzt. Er soll hinaus nach einer großen Stadt, am liebsten nach Berlin, statt hier zu versauern. Dort brächte er es gewiß zu etwas. Für uns alte Leute ist ja Wötzrnang

lung der künstlichen Süßstoffe unter den Apotheker- zwang. Verschiedene Ortsgruppen des deutsch« lationale« Handlungsgehilfen-Lerbandes in Ham« mrg erbitten die Annahme deS Antrages Bas­er mann unb Genossen vetr. Errichtung kauf- nänriischer Schiedsgerichte unter Angliederung der- elben an die Gewerbegerichte. Die Deutsche Der- egerkammer zu Leipzig bittet, den Abänderungs- Vorschlägen des Vereins Berliner Presse und deS Vereins Deutscher Ingenieure zum Gesetzentwurf Über das Verlagsrecht, namentlich bezüglich der angestrebten Unübertragbarkeit des einzelnen Ver­lags-Objektes seitens des Verlegers und derAuS- »ehnung des Rücktrittsrechtes des Verfassers, keine Folge zu geben, dagegen erklärt die Direktion der König!. Geologischen Landes - Anstalt und Berg- Akademie zu Berlin ihre Zustimmung zur Petition des Vereins Deutscher Ingenieure bett, de« Ge- etzmtwurf über das Verlagsrecht.

* In den Aeferatev für die Krrdget- komAissiK« sind Verschiedene Aenderungen vor­genommen worden. Danach vertheilen sich jetzt rie Referate wie folgt: Auswärtiges und Kolonie« : Prinz v. Arenberg und Haffe; Innere«: v. Tiede­mann und Singer; Reichsheer, fortdauernde Aus­gaben: Graf Roon und Speck; einmalige: Bache« mb Graf Rson; Marine: Dr. Sieber, im Be- finderungsfalle Müller-Fulda und Paasche; Pensionswesen: Graf Oriola und MSller- Fulda; Post: Paasche und Eickhoff; Eisenbahnen- Möller-Duisburg und Müller-Sagan; Zölle und Steuern: Müller-Saga« und Speck; Allgemeine Finanzverwaltung: Müller-Fulda.

h Sokizeidirekior usn Meerscherdt- Küikessem in Berlin, bekannt aus dem Steru- irerg-Prozrffe, ist nicht au den Folge« eine# Herzschlages verschieden, wie anfänglich berichtet wurde, sondern hat sich mit Eyankalium ver­giftet, kurz nachdem er die Kunde von der Der« urtheilung des Bankiers Sternberg erhalten hatte.

X Krrrente große Aufregung irr Aourtz. Bor einigen Tagen traf die Nachricht aus Könitz ein, daß Kleidungsstücke und Reste eines Taschen­tuches des ermordeten Gymnafiasten Winter aufgefunben wurden, die ohne Zweifel von de« Mörder an die betreffende Stelle gelegt wordm waren, augenscheinlich sogar am Hellen Mittag. Am letzten Sonntag ist nun auch im Logengarten zu Könitz da« Beinkleid gefunden worden, welches Winter amTage seiner Ermordung getragen hat. Augenscheinlich ist die Hose in der Nacht vom SamStag zum Sonntag Über den Zaun deS Logen­gartens geworfen worden. Die Hose ist vollkom­men frei von Blutspuren unb in vollkommen reinem Zustande aufgesunden worden. Ja der Nähe der Fundstelle fand man Fußspuren im Schnee. Ob diese von dem Mörder herrührcn, der doch ohne Zweifel das Bleiukleid dorthin geworfen hat, be­darf der Untersuchung, von der man irgendwie bestimmte Ergebnisse ja leider kaum zu erwarten hat. Es sieht ganz so aus, als fühle sich der Mörder in Könitz vollkommen sicher; nun ist die Frage, ob ihn dieses Gefühl der Sicherheit nicht zu einem U bermuthe getrieben hat, dec ihm ver- hängnißvoll werden kann. Bon Berlin' ist zur Untersuchung Kriminal-Kommissar v. Kracht «ach Könitz entsandt worden, derselbe, der in Brasilien den Berliner Raubmörder Gönczi sestgenommen hat.

gut genug; unseren Kindern wünsche ich, daßfie ihren Gesichtskreis erweitern."

„Julius hat das gethan und sich in unb außer Deutschland in allen Großstädten umge­sehen," beruhigte der Doktor. „Sei froh, ihn hier zu haben, Fra«. Wenn der Augenblick kommt, wo er vom Gehen redet, wirst Du viel­leicht diejenige fein, die am eifrigsten wider­spricht.«

„Ich werde mich nie zwischen mein Kind unb den Weg zum Ansehen stellen," versicherte Frau Merk mit der Miene einer Mutter der Graechm.

Der Doktor sah mit eigenthümlichem Aus- druck vor pch hin, als er ausstand, sich in baS Ordinationszimmer zu begeben: „Abwarten, Anna, abwarten; zufrieden fein, wie es sich fügt... Und nochmals, seid recht freundlich für Helene; daS arme Ding bedarf noch wendig einer Stütze, unb ich bin überzeugt, sie verdient, daß man sich ihrer annimmt."

Das Scheidewort übte keine gute Wirkung aus. „Dein Vater ist ja rein vernarrt i« baS Mädchen!« wandte sich Frau Merk ärgerlich an ihren Sohn. „Tu stimmst doch hoffenttich nicht auch ein in seinen Lobgesang?"

„ZHeilweise wohl. Sie ist schön und in­teressant. Auch dauert sie mich, weil sie schlecht berarhen ist, etwas verbildet, dabei widerspruchs­voll im Wesen. Solche Menschen müssen fich immer mühsam durchs Lebe« arbeiten."

„Ei, ei! wir genau Du dieses außerordent­liche Geschöpf studirt zu haben scheinst!"

„Sie ist eben nicht alltäglich, und das kann man von so wenigen sagen. Aber sei beruhigt, heirathen werbe ich sie nicht, das verspreche ich