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FuldaerMIeitung

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t* mit Nnlerhattungs-Meilage „Issukrirte Sonnlags-Zeitungl'

28. Jahrgang.

Jutöa, Samstag, den 12. Januar 1901

JlilO.

1

leider keine Besserung und keine Ausgleichung der schroffen nationalen Gegensätze für die nahe Zukunft. Im Gegentheil muß man sagen, daß bisher die aller­schroffsten Kampfrichtungen gute Erfolge aus diesen Wahlen zu verzeichnen haben, die vermittelnden Par­teien aber mehrfach in den Hintergrund gedrängt worden sind. In Wien und in Niederösterreich mußten die Christlich-Sozialen einige ihrer Mandate den Sozialdemokraten überlassen, während in den böhmischen Jndustriebczirken die Sozialdemokraten alle ihre Mandate bis auf das einzige in der Stadt Reichenberg verloren haben. Dieselben find zum größten Theile an Deutschnationale von der schärfsten

daß mich das Butterrühren entmuthigt. Was willst Du damit sagen? Möchtest mir etwa gar schon eine Schwiegertochter bringen? Da« eilt nicht, Konrad. Ich bin in der Mitte der fünf­ziger Jahre und denke noch nicht daran, mich ganz zur Ruhe zu setzen, noch viel weniger an'« Sterben."

Rüstigen Schritte« eilte fie nun auf den Speisekasten zu, und in wenigen Minuten lag Alle« auf dem Tisch, wa« fie den Dienstboten in der strengen Arbeitszeit zu geben gewohnt war. Eine Viertelstunde später saßen Alle um den schweren Eichenholztisch und sprachen dem Vor­gesetzten tüchtig zu. Nur die Theres machte eine Ausnahme. Sie nahm ihren Theil Käs und Brod und begab fich mit demselben in die Küche. „Gebt mir da« Butterfaß," antwortete sie der Bäuerin, welche sie ihres besonderen Wesen« halber befragte, „damit ich nebenzu eine Be­schäftigung habe."

„Die Betschwester fürchtet, ein heikle« Wörtlein mit anhören zu müssen und darum geht fie", foppte jetzt einer der Knechte.

„Sie hat eben gestern gebeichtet und kom- munizirt; da mag sie mit uns weltlichen Personen da« Brod nicht brechen", lachte die Nebenmagd.

Weil'» heute mit der Arbeit presfirte, erhob fich Konrad bald vom Tische. Da« war da« Zeichen, daß auch die Anderen sich wieder an die Arbeit zu begeben hatten. Während die« geschah, ging der Bauer durch di« Küche, um die Theres zn holen. Wie er fie aber so ganz allein antraf,

wird, bleibt abzuwarten.

Der Großherzog von Oldenburg ist erkrankt und muß sich einer langem Kur unterziehen. Durch Ueberanstrengung hat fich der Großherzog eine Erweiterung des Herzens zugezogen, deren Behand­lung durch Dr. von Reyhcr in Dresden zwar gute Aussicht ans Erfolg bietet, aber auch viele Wochen erfordern wird.

Eine unleidliche Rolle spielt in unserem Heere der Duellzwang. Wie unleidlich diese Rolle ist, geht aus einigen neuen Fällen hervor, die am Rhein sich abgespielt haben. Drei Söhne sehr achtbarer Kölner Familien hatten fich zur Wahl für das Offizierskorps der Reserve gemeldet. Sie wurden daraufhin genau befragt, ob sie Mitglieder katholischer Studentenvereine seien, die den Zweikamps bekanntlich verwerfen, und ferner, ob sie als Offiziere den Duell­zwang anerkennen wollen. Die erste Frage wurde bejaht, die andere verneint. Daraufhin wurden die Herren nicht gewählt und fielen, nachdem dieses Wahlergebniß durch den Kriegsminister kassirt war, auch wieder bei der Neuwahl durch. Der Zwei­kampf ist verboten. Der Kaiser hat wiederholt Heeresbefehle dagegen erlassen. Der Kriegsmimster sucht auszugleichen — aber es hilft alles nichts: Der widerliche alte Brauch, ein Ueberrest der Bar­barei, ist stärker als Gesetz, Kriegsherr und Minister. Wie lange noch?

Lustiger ist eine Geschichte, die in Honnef am Rhein vorgekommen ist. Im benachbarten Rl.ndors weilte ein Mitglied der Stehler Missiv nsge- sellschaft zu seiner Erholung, als er eirrs schönen Tages vom Bürgermeister befragt wurde, welchem Orden er angehöre. Dem Bürgermeister :uar auf­gegeben worden, sich nach dem DrbenSmanne zu er­kundigen, mit der Begründung, daß Step! „be­kanntlich" (!) das — Centrum des Jesuiten­ordens sei! Der OrdenSmann mußte ein Schrift­stück unterschreiben, worin er erklärt, daß er kein Je­suit und daß Stehl nicht das Centrum des Jesuiten­ordens sei. Dann erst wurde ihm gestattet, auch fernerhin Messe zu lesen! Preußen ist wieder ein­mal gerettet!

Den Toleranzantrag des Centrums haben sich manche Zeitungen als Zielscheibe alberner Bemerkungen ausersehen, indem sie sich so anstelle«, als glaubten fie, das Centrum meine et gar nicht ernst mit diesem Anträge. Natürlich ist genau das Gegentheil der Fall. So war von dem katholischen Bürgerverein in Dresden an den Abg. Dr. Lieber eine Zustimmnngskundgebung zu diesem Anträge gesandt worden, worauf Herr Dr. Lieber im Namen der ga.zen Centrumssraktion des Reichstages gedankt und von Neuem versichert hat, daß „diese Angelegen­heit nicht mehr vom Centrumsprogramm verschwinden wird, bis Recht und Freiheit ihr Genüge haben".

Allgemach ergeben die Wahlen zum Abgeord­netenhaus« in Oesterreich ein Bild, obwohl diese Wahlen noch lange nicht beendet find. Aber dieses

„Laß gut fein, Michel! Ich merk's schon, die Theres bat Dich schon heimgeschickt. Sie will keine Bekanntschaft mit Dir haben, daher Dei» Zorn," sagte Konrad einfach.

„Gib acht auf Dich selbst Bauer!" rief dieser gereizt. „So eine Betschwester wie die widersteht auch dem Holzhauer. Sie will von Keinem was wissen und geht sicher noch einmal in's Kloster!"

Konrad deutete jedoch nut mit der Hand nach den Mahden. „Dort hilf das Gras aus­streuen, damit man schneller zur Einfuhr kommt," befahl er, „nach der Brodzeit geht's auf den Kleeacker und dann von da auf die nächste Wiese."

Michel verstand seiner, Brodgkber. „Dem hab' ich zu nah' hin geschwätzt," murrte er, „nun kehrt er de» Meister heraus."

Durch da« kleine, dichte Gehölz, da« den Wiesengrunb von dem Holzerhof trennte, schritt der Bauer nach Hause. „Roch der Heuernt' werd' ich mit meiner Murrer und der Therese Rück­sprache halten. Sie gibt eine schmucke Bäuerin; und die Beterei werd' ich ihr schon abgewöhnen. '» ist wahr, gar so „betig" braucht eine Bäuerin nicht zu sein." Unter diesem Selbstgespräch war er nach Hause und in die große Bauernstube ge­langt. Dort befand sich seine alternde Mutter mit dem Butterfaß beschäftigt.

„Mutter, e« geht schwer, nicht wahr?" fragte er mit warmem Tone.

Erstaunt schaute diese auf den Sohn. „So schwer doch nicht. Ich bin doch noch nicht so alt,

Wochen-Wunöschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 12. Januar.

Die politische Stille der friedlichen Weihnachts­zeit ist vorüber; die Zeit der Politik und der parla­mentarischen Debatten hat wieder begonnen. Zunächst freilich find politische Fragen großen Stils weder verhandelt worden, noch steht die Verhandlung solcher in naher Aussicht. Der Reichstag hat seine Arbeiten nach der Weihnachispause mit der ersten Lesung der Gesetzentwürfe über das Urheberrecht und Verlagsrecht begonnen; und so wichtig und interessant diese Gesetzesvorlagen auch für die beteiligten Kreise find, so hat doch die Volksallgemeinheit begreiflicher­weise kaum Neigung, sich mit diesen Gegenständen zu beschäftigen. Die Entwürfe find einer ^besonderen Kommission zur Vorberathunz überwiesen; namentlich hier muß die Kommisfion wieder einmal dem Plenum des Reichstages die Arbeit abnehmen. Nach diesen Vorlagen ist die zweite Lesung des Reichshaushaltes in Angriff genommen worden. Stets werden einige Theile desselben für die zweite Lesung im Plenum Vorbehalten, ohne an die Budgetkommission über­wiesen zu werden; und diese Theile, an deren An­nahme ein Zweifel niemals besteht, sind es, mit denen der Reichstag sich während der allerletzten Tage be­schäftigt hat. Die Bugetkommission aber hat noch mit der Chinavorlage zu thun, deren Be- rathung sie vor dem Weihnachtsfeste nicht zu Ende führen konnte. Auch daran ist, wie hinreichend be­kannt, nicht zu zweifeln, daß die Forderungen der Chinavorlage im Großen und Ganzen angenommen werden. Nur die Frage der Kostendeckung wird anders geregelt werden, als die Regierungsvorlage das vorschlägt; und außerdem wird in das Gesetz neu die Bestimmung eingefügt werden, daß die Regie­rung um Indemnität für das Voraufgegangene nach- fucht und diese dementsprechend auch erhält.

Die Eröffnung des preußischen Landtages ist diesmal nicht von dem Kaiser in eigener Person vorgenommen worden. Die Thronrede ist vielmehr von dem Reichskanzler und Ministerpräsidenten Grafen Bülow verlesen worden. Die neue Kanal­vorlage wird darin angekündigt. Doch geschieht die« in derselben geschäftsmäßigen Tonart, wie man das von jeher an den preußischen Thronreden gewöhnt ist. Um doch aber die Kanalvorlage wenigstens in einer Art vor dem übrigen Inhalte der Thronrede anszuzeichnen, hat Graf Bülow die Sätze, die ihr ge­widmet find, mit ganz besonders feierlicher Betonung verlesen. Der Inhalt der Kanalvorlage entspricht den Erwartungen und voraufgegangenenAnkündigungen; nur der Masurische Kanal fehlt darin. Die Finanz­lage deS preußischen Staates ist gut, vortrefflich sogar; das wird auch in der Thronrede wieder her­vorgehoben. Im übrigen fehlt ihr vollkommen alles Ueberraschende und Sensationell«.

Am 5. Januar ist der älteste unter den deutschen Bundesfürsten aus diesem Leben geschieden, Großh er zog KarlAlexand er von Sachsen- Wei mar. Die Besserung in seinem Befinden war nur eine vorübergehende. Am genannten Tage fand sich von Neuem die verhängnißvolle Herzschwäche ein, und sanft entschlummerte der Großherzog ohne sicht­baren Todeskamps. Der Großherzog stand dem preußischen Königshause nahe als Bruder der Kaiserin Augusta, der Gattin Wilhelms des Ersten. Großher­zog Karl Alexander war am 24. Juni 1818 geboren und feit dem 8. Juli 1853 Regent seines Landes. Große Verdienste hat er sich erworben durch seine Förderung von Kunst und Wissenschaft. In der

Römische Briese,

ii.

□ Rom, 7. Januar 1901.

Die Jahrhundertwende wurde hier i» Rom, wie in ganz Italien, sehr festlich be« gangen. Die Deutschen RomS hatten fich theil» weise zusammengethan, um das Kommen des neuen Jahrhunderts zu erwarten. So ging eS namentlich in deutschen Känstlerkreisen sehr früh» lich her. Die katholischen Deutschen hatte» fich gegen halb 11 Uhr in der Kirche des Campo Santo bei St. Peter versammelt. Fast alle hier anwesenden österreichischen, deutsche» und schweizer Staatsangehörige umgaben de» Rektor des deutschen Campo Santo, welcher eine ergreifende Predigt hielt. Darauf stimmte der Rektor der deutschen Anima, Dr. Nagl, unter Assistenz von Kaplänen des Camp- Santo und der Anima, sowie von Priestern der Gesellschaft deS Göttliche» Heilandes das Tedeum an. Nunmehr begaben stch sämmtliche Anwesende in feierlicher Prozession, jeder ei» Licht in der Hand haltend, über den PeterSplatz in die Prterskirchr, in welcher ebenfalls vo« Grzpriester derselben, Kardinal Rampolla, ein feierliches Tedeum gesungen und darauf ei» Hochamt unter Assistenz des vatikanischen Dom» kapitelS crlebrirt wurde. Die gewaltige Bastlika war durch elektrische Reflektoren von der Decke herab hell erleuchtet und viele Tausende wäre» erschienen, um die Jahrhundertwende am Apostel­grabe zu feiern. Während auch in den meiste» der übrigen römischen Kirchen — und wir habe» hier über drechundert — Mitternachtsmesse» stattfanden, befand fich der hl. Sätet mit seiner engsten Umgebung in seiner HauSkapelle, wo er eine Messe las und fich dabei eines ihm vo« Jubiläumskomitee in Bologna geschenkten Kelche» bediente. Nach einer zweiten Danksagungsmeffe empfing er die Glückwünsche des Hofstaats und begab fich zur Ruhe. Seine ursprüngliche Ab­sicht war eS gewesen, die NeujahrSmeffr in der PeterSkirche zu lese» oder derselben doch wenig­stens beizuwohnen, von welchem Borhaben er jedoch bekanntlich auf den dringenden Rath feines Leibärzte- Abstand nehmen mußte.

Prinz Max vo« Sachse», welcher a« letzten Sonntag in der Anima gepredigt hatte, wurde vom hl. Vater in feierlicher Audienz empfangen und zwar mit denjenigen Ceremonie», welche dir vatikanische Traditio» für die Mit­glieder souveräner Häuser und für königliche Prinzen vorschreibt. Diese Ehrenwachen und diese feierliche Begleitung seitens der Sarde» und Hofmonfignori waren wenig nach dem Geschmack de« bescheidenen jungen Prinzen und Priesters, welcher eigen» vor der Audienz sowohl de« Oberhofmeister, als auch de» KardinalstaatSsekretär Rampolla ersucht hatte, von diesen Ceremonie« Abstand nehmen z» wollen. Am NeujahrStage war der Prinz Gast des Collegium Germanicum. Jetzt ist er wieder auf seine Freiburger Professur zurückgekehrt.

Vor wenigen Tagen legte der Präsident der päpstlichen Pilgerkommisfion und Verwalter deS PeterSpfennigS, Kardinal Mocenni, de» Grund­stein zu einem neuen Pilgerhofpiz, welches fich an daS bisherige von S. Martha anschließe» soll. Letzteres erwies fich bekanntlich während schoß ihm da« Wort heraus, da« Alle«, waS er auf dem Herzen hatte, aussprach.

„Theres, Du gibst einmal meine Bäuerin", sagte er rasch, aber mit dem Tone de« ernsten Willen«, der keinen Zweifel aufkommen läßt, daß e« auch ander« gehen könnte.

Beinahe bekam er daher auch die Mundsperre vor Erstaunen, al« da« hübsche Mädchen ihm eben so rasch antwortete: „Nein, Bauer, nie und nimmer!" , .

„Da« sagst Du mir? Und warum möchtest Du denn au« einer Magd nicht eine Bäuerin werden, wenn man'« wissen darf?"

„Wo solche Rede« geführt werden, wie tit diesem Haus, da ist Gotte« Segen nicht."

Konrad lachte. „D, wenn'« nur deshalb ist, besinnst Du Dich noch anders," sagte er und ging voraus.

Jetzt kam die Nebenmagd, um mit There« auf den Kleeacker zu gehen. „Wie magst Du f» die Besondere machen?" schalt sie. „Du ver» dirbst den Andern den Platz, daß e« nach Dir Keine mehr a« demselben aushalten kann. Und Du selbst mußt ja doch bald weg von hier."

„Warum?" fragte There«.

Weil Dich der Sroßknecht nicht leide« kau«. Das" ist ein Boshafter. Tu hält st klüger gethan. Dir ihn zum Freund zu machen."

ThereS wurde dunkelt oth vor heiliger Ent­rüstung.

,&o etwas magst Du wir rathen? Das ist eine Sünde! Ich will keine Freunde, die eine« in'S Verderben ziehen!"

Richtung gefallen.

Großartige Wasserstraßenpläne hegt man auch in Oesterreich. Es handelt sich namentlich um neue Wasserstraßen zwischen der Donau auf der einen und der Oder, der Moldau oder Elbe, der Weichsel auf der anderen Seite, und außerdem um eine Kanalverbindung zwischen Save und Du fester. Für die Verbindung zwischen Donau und Oder find bereits ganz genaue Pläne ausgearbeitet. Gerade auf diese Verbindung legt man ganz besonders Werth. Eine besondere Regierungs-Kommission soll diese Pläne weiter verfolgen.

„Endlich Aussicht auf Frieden — Hurrah!" — hat Feldmarschall Graf Waldersee am Neujahrs­tage ans China en seine Gattin telegraphier. Es schien so, als habe Graf Waldersee durchaus. Recht; denn gleichzeitig war die Meldung eingetroffen, der chinesische Hof habe die Bedingungen der Mächte an­genommen. Aber die Chinesen lassen nicht von ihrer Art, und auch hier ist der hinkende Bote wieder nachgefolgt. Es sollen nicht weniger als zweihundert einzelne Punkte sein, an denen der chinesische Kaiser­hof noch Aussetzungen an den Bedingungen der Mächte zu machen hat; und eS wirft ein sehr eigen­artiges Licht aus die Lage der Dinge, daß beispiels­weise der chinesische Gesandte in Washington, Wutingfang, gar kein Verständmß für die Meldung gezeigt hat, Li Hung Tschang und Prinz Tsching hätten den Befehl erhalten, die in der ge­meinsamen Kundgebung der Mächte gestellten Be­dingungen zu unterzeichnen. Der chinesische Ge­sandte in Washington meint, jetzt sollten die Bevoll­mächtigten des mefischen Kaisers erst recht zu schachern anfange um möglichst günstige Bedingungen für die chinesische iegierung zu «langen.

Von besonde re Bedeutung ist ein Sonderab­kommen, das zwiflLen Rußland und China ab­geschlossen worden -st. Dieses Abkommen bezieht sich, wie man fich ohne weiteres denken kann, auf die Mandschurei, von der die Petersburger Diplo­maten lange Zeit hm durch immer und immer wieder behauptet haben, daß Rußland sie nicht für fich nehmen wolle. Wenn die Meldungen, die über den Inhalt dieses Vertrages bekannt geworden sind, zu- treffen, hat Rußland der äußeren Form nach die Mandschurei auch wirklich nicht eingeheimst, sondern die Sache noch vortheilhafter für sich eingerichtet, nämlich so, daß China die Last der Verwaltung unter russischer Oberaufsicht, Rußland aber alle Vor­theile davon hat, gerade so, als wenn die Mand­schurei vollkommen zur russischen Provinz gemacht worden wäre.

Die letzten Nachrichten aus Südafrika lassen nicht darauf schließen, daß die Lage der Engländer an irgend einer Stelle des Kriegsschauplatzes sich ge» bessert habe. Burentruppen find bis tief in die britische Kapkolonie eingedrungen und augenscheinlich nimmt die burenfreundliche Bewegung unter den Afrikandern, den Kaplandholländern, immer größern Umfang an. Der festliche Empfang, den man dem Feldmarschall Lord Roberts in London bereitet hat, sieht im Vergleiche zu der Lage wie Hohn aus.

Gott Kim« ««» jede« Augenblick astrnfe«.

Beim Holzhauer in Eisenbach ging e« strenge her; die Arbeiten in Feld und Wiesen hatten sich in Folg« de« lang anhaltenden Regenwetters alle zufammengeschoben. Und nun, da endlich gut Wetter geworden war, galt e«, so rasch al« mög­lich die Erzeugnisse der Erde unter Dach zu bringen. Ganz besonder« fleißig war die Anfang« der zwanziger Jahre stehende Hauümagd Therese, ein blühende«, kräftige« Mädchen.

„Schau' hin, wie flink die There« ist!" sagte der Oberknecht Michel zum jungen, ledigen Holz­hauern.

„Die There« ist da« netteste Mädel weit und breit. Arbeiten kann fie für Zwei, und ein fröh­liches Gemüth hat fie wie kaum eine Andere", antwortete dieser, während er mit sicherer Hand die ausgebrauchte Sense abwischte.

„Oho!" tief Michel etwa« erstaunt. „Du hältst dem Mädchen ja eine ganze Lobrede! So viel verdient sie doch nicht!"

„Gefällt fie Dir auf einmal nicht mehr?" fragte dieser kühl; und der Oberknecht erwiderte scheinbar gleichgiltig: „Hm! Sauber ist ja die ThereS und flink auch. Aber dumm ist fie wie Haberstroh!"

„Dumm! Nein, das ist fie nicht," antwortete der junge Bauer schnell.

„Und ich sag', dumm ist das Mädchen, eine Betschwester ist fie," sagte Michel, mit häßlichem Lache« seine Worte begleitend.

Regierung folgt ihm sein Enkel, Wilhelm Ernst vorläufige Bild ist nicht erfreulich und verheißt geboren zu Weimar am 10. Juni 1876. * ’“* °°""r k *' k—

Interessant in mehr als einem Sinne sind die nunmehr beendeten Landtagswahlen im Fürstenthum Lippe -Detmold. In dem Landtage des Fürstenthnms faß bisher kein Sozial­demokrat; jetzt find vier „Genossen" gewählt unter nur 21 Mitgliedern des Landtages im Ganzen. Die Sozialdemokratie tritt auch in Lippe-Detmold die Erbschaft der politisch abgewirthschasteten freisinnigen Partei an. Diese hatte im letzten Landtage neun von den 21 Sitzen inne; im neuen Landtage sind ihr deren ganze drei verblieben! Von noch größerem Interesse aber ist es, daß augenscheinlich in dem neuen Landtage die Freunde der in der Regentschaft befindlichen Linie Biesterfeld nicht mehr, wie bisher, die Mehrheit haben werden. Ob dieser Umschwung in der Zusammensetzung des Lippeschen Landtages handgreifliche Folgen für die Thronfolgefrage haben