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JVo 10. Jutöcr, Samstag, den 12. Januar 1901.

28. Jahrgang.

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J Kustes WLcrit. 18

S2 __ö W

0 Reichsfinanzen und Staats­finanzen.

Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes hat, wie erinnerlich, bei der ersten Lesung des Reichs- Haushalts-Etats einen so trübes Bild von der Finanzlage des Reiches und von den Aussichten für die nächsten Jahre entworfen, daß ängstlichen Gemächern ganz unheimlich dabei werden konnte. Aber augenscheinlich hat der Herr Schatzsekretär der preußischen Regierung und ihrem Fmanz- manne Minister v. Miquel damit gar keinen Gefallen gethan — die preußische Regierung will ja beinahe eine halbe Milliarde für ihre Kanal­vorlage bewilligt haben! Es heißt solchen For­derungen schlecht vorarbeiten, wenn ein leitender Staatsmann so düstere Finanzstimmungen erweckt!

Herr v. Miquel hat sich dementsprechend auch Mühe gegeben, mit seiner Etatsrede im Ab­geordnetenhaus« den üblen Eindruck der vorauf­gegangenen Etatsrede des Freiherru v. Thiel- mann im Reichstage ein wenig zu verwischen. In welcher Weise er diese Absicht ausgeführt hat, kann man erst jetzt mit Hilfe des amtlichen Stenogramms seiner Rede beurtheilen. „Unsere ganze Lage in Preußen und überhaupt in Deutschland ist doch so gesund und kernfest, daß man mit größter Ruhe und mit guter Hoffnung in die Zukunft sehen kann, dessen Erfolg mit absoluter Sicherheit nicht abzusehea ist, ja, meine Herren, daß man auch mal ein Unternehmen machen kann, deffrn Erfolg mit absoluter Sicher­heit nicht abzusehen ist. Halten wir auch in den weiteren Berathungen in diesem Hause diesen Gedanken fest . . .!" Mit dem Unternehmen, deffrn Erfolge man nach der Ansicht des lei­tenden preußischenFinanzmannesnichtmitSicherhüt absrhen kann, ist natürlich die Kanalvorlage gemeint; dieses Zugeftändniß ihrer wirthschaftlichen Unsicher­heit im voraus zu machen, hält auch der kluge Minister von Miquel für geboten, und unter solchen Umständen würden die Finanzen auch dann im rosigsten Hoffnungslichte erstrahlen, wenn es in der That gar nicht so glänzend mit ihnen bestellt wäre, wenigstens in den Schilderungen, die die Regierungsherren von ihnen entwerfen würden. Aber Herr Minister von Miquel und feine Minister­kollegen brauchen dabei kein Opfer ihres Verstandes und ihrer Ueberzeugung zu bringen; «s steht mit den preußischen Staatsfinanzen ja wirklich sehr gut. Nur fragt es sich, ob Herr von Miquel recht hat damit, auch die uns bevorstehende Zukunft so rosig vor unseren Augen aufleuchten zu laffen. Gewiegte Kenner und Fachmänner sind anderer Ansicht darüber; der beste Beweis für diese That- fache ist ja eben der trostlose Ausblick, der im geraden Gegensätze zu Herrn von Miquel Schatz­sekretär Freiherr von Thielmann durch seine Etats­rede im Reichstage uns für die nächste Zukunft eröffnet hat. Unter solchen Umständen darf es Niemandem übel genommen werden, der die Neigung in sich verspürt, nicht ohne Weiteres von

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Dennoch anfmärts.

Roman von L. v. Neidegg.

------ (Nachdruck verboten.)

„Daß Du doch immer spotten mußt! Wer sagt Dir denn, daß ich überhaupt ans Heirathen denke? Die Helen' hab' ich übrigens kaum ge­sehen, sie ist gleich wieder aus dem Zimmer ...."

„Siehst Du wohl! Weil der Baler sie in ein vornehmes Institut gethan hat; in der Er­wartung, ein Prinz würde kommen, sie zu hei- rathsn, ist ihr niemand gut genug. Du läufst ihr nach, und sie schaut Dich nicht an. Das ge­stehst Du nun selbst."

„Red' nicht so albern. Sie hat alle Hände voll zu thun, weil ihre Mutter krank ist. Das war der Grund, weshalb sie gleich wieder ging."

„Krank? Die alte Französin? Was fehlt ihr?"

„Ich glaub' Lungenentzündung. Dr. Mer'! wurde gerufen."

„Schau, die hal's gut, der ruft man den besten Doktor. Und da heißt's noch, der Armbruster fei nicht gut zu seiner Frau! ... Fritz, mir ist oft nicht recht wohl; ich möchte Dr. Merk auch beftagen."

„Warum nicht gar, dummeL Zeug. Was soll Dir denn fehlen? Einbildungen.

„So schau mich doch nur an: ich bin gelb wie eine Zitrone; ich mein' immer, das kommt von der Leber."

„Gelb bist Du immer gewesen," sagte der Bruder gleichmüthia, „und jung und frisch kann Dich auch kern Doktor machen. Arbeite tüchtig.

. serrn von Miquel in rosige Zukunftsfinanzträume ich einlullen zu laffen.

Sehr intereffant sind die Ausführungen des preußischen Finanzministers nach einer andern Richtung hin, nämlich für die Beurtheilung der chwierigen Frage von der zukünftigen Regelung der Finanzbeziehungen zwischen dem Reiche und den Einzelstaaten. Der preußische Staat ist nach der Darstellung seines Finanzministers in der an­genehmen Lage, auf Ueberweisungen aus der Reichs­affe verzichten zu können, damit also der noth- eidenden Reichskaffe, wenn es nöthig werden ollte, zu Hilfe zu kommen. „Aber andere Bundss­taaten," führte Minister v. Miquel aus, „seien nicht in dieser glücklichen Lage, und deswegen würde der Versuch, den Ausgabe-Bedarf des Reiches auf die Finanzen der Bundesstaaten theilweise abzuwälzen, dem eiumüthigen Widerstände der Bundesregierungen begegnen. Das Reich müsse, wenn es für seine Ausgaben weiterer Mittel be­dürfe, für sich und für die Deckung dieser Aus­gaben selbst sorgen."

Das ist ja nun recht leicht gesagt. Aber sehr chwer ist zu sagen, wie das Reich es denn nachen solle, um sich höhere Einnahmen selbst- tändig zu verschaffen. Wenn Herr von Miquel auch dafür in seiner Etatsrede gute Rathschläge ertheilt hätte, wäre das ein ungemein großer Berdienst, das er sich damit erworben Haden würde. Aber im gegenwärtigen Augenblicke wird Herr Minister von Miquel dieser Frage vermuth- ich ebenso rothlos gegenüberstehen, wie alle an- reren Ftnanzmänner und Politiker. An Luxus- steuern ist kaum noch etwas zu holen. Abgaben aber aus nothwendige Lebensmittel und Verbrauchs- zegenstände werden von dem Reichstage nie und nimmer gutgeheißen werden. Und deswegen ist es und bleibt es die einfachste Lösung der ver­wickelten Frage, in Finanznöthen des Reiches die Einzelstaaten in die Bresche treten zu lassen. Dem Steuerzahler kann es wahrhaftig gleichgiltig sein, ob er sein Geld unmittelbar an das Reich oder unmittelbar durch die Staatskaffe eines Bundesstaates für Rttchszwecke hergib-. Das Bewußtsein, daß es das Reich ist. do - höhere Aufforderungen an ihm stellt, würde dass.lbe sein in diesem wie in jenem Falle!

Deutsches gteidp

Berlin, den 11. Januar.

+ Die KrrtMießuug des Anndesrathes über voraufgegangene Beschlüsse des Reichstages werden in einer Ueberstcht amtlichen Ursprunges zur allgemeinen Kenntniß gebracht. Noch keine Stellung genommen hat danach der Bundesrath zu dem Anträge auf B'Migung des Ausnahmegesetzes gegen die Jesuiten und zu dem Anträge, den Mitgliedern des Reichstages Tagegelder zu gewähren. Die schnöde Behandlung, die dem Jesuitengesetze zu Theil wird, kennt man leider bereits hin- länglich; sollen die Diät-nanträge ebenso stief­mütterlich behandelt werden? Bald wird Ge­legenheit gegeben sein, im Reichstage von Neuem darüber zu reden. Ab gelehnt hat der Bundesrath die Vorlage eines Gesetzentwurfes

Zenz, das ist für die Leber das beste. Wenn ich morgen den Chirurgen kommen laffe, nach meinen zerschundenen Gliedern zu schauen, kannst ja den befragen. Ein Doktor weiß genau soviel oder sowenig wie der andere; nur kostet der eine mehr, der andere weniger."

„Und für mich ist alles gut genug! Mcht wahr?"

IV. Kapitel.

Der Hoffnungsstrahl, der einen Augenblick über dem Armbruster'schen Hanse geleuchtet hatte, war längst wieder erloschen, als die Angehörigen der Kranken seinen Schimmer noch zu erkennen glaubten. Armbruster hielt es für undenkbar, daß ihm diejenige entriffen werden sollte, die es gelernt hatte, seine unausgesprochenen Wünsche zu errathen. Beinahe verübelte er es ihr, daß sie sich für ernstlich krank halten konnte, wo er doch überzeugt war, ihr Leiden sei nicht bedenk­lich. Im Herzen schalt er sie thöricht, weil sie verlangte, der abwesende, sein Militärjahr ab­dienende Sohn solle berufen werden; er be­wunderte sich selbst wegen der Langmuth, mit welcher er ihrem Wunsche entsprach.

Ab und zu kam er und setzte sich in dem Hinterstübchen, nach welchem sie ihr Bett hatte bringen laffen, zu ihr hin. Bei jedem Besuche redete er sich ein,- Dr. Merk sei nich'.s als ein unwiffender Schwarzseher, die Kranke sei aus dem Wege der Befferung, und begab sich dann be­ruhigten Herzens an seine Arbeit zurück.

Wieder einmal saß er ar. ihrem Bette und wollte nach kurzer Erkundigung Aber ihre Ge- ! sundheit sich entfernen, als sie ihn fefthielt. „Ich

über Entschädigung zu Unrecht erlittener Unter» uchungshaft und die Einführung einer allge- meinen und pflichtmäßigen Leichenschau im Reiche. Ebenso hat es der Bundesrath leider abgelehnt, das Bergrecht, Jagd- und Fischerei­recht einheitlich für das ganze Reichsgebiet zu regeln. Endlich wird ebenfalls nicht zur Aus- ührung gelangen eine Resolution des Reichs- azes, die Rechtsverhältniffe zwischen den land- und forstwirthschaftlichen Arbeitern und dem Gr­inde auf der einen und den Arbeitgebern auf ter andern Seite durch Reichsgesetz zu regeln. Verhandlungen schweben noch über die Forderung, jedem Mitglieds des Heeres min» lestens einmal während feiner aktiven Dienstzeit Heimathsurlaub mit unentgeltlicher E'senbahn- iieförderung zu gewähren, und über die Er­mäßigung der Tarife für die Beförderung von Gütern und Personen auf der Eisenbahn.

• Aßg. Dr. v. Sie«s«Z erklärt nun selbst, und zwar im Berliner sozialdemokratischen ,Vor­wärts', daß er seit mindestens einem Jahre keine Interredung mit dem Reichskanzler gehabt habe. Die in der,Fuld. Ztg.' von Anfang an ausge- prochene Vermuthung erweist sich als vollkommen richtig, daß die angeblichen vertraulichen Er­öffnungen des Kanzlers für den Abg. Dr. von Siemens nichts weiter als wesenlose Luftgebilde sind.

h. Isr chssetzsKLrvurf üösr die privsts« Derstcherttuge« ist am heutigen Freitag von der dafür eingesetzten Kommission des Reichs­tages in Angriff genommen worden. Aber die Berathung ist bei dem ersten Paragraphen stehen geblieben, mit dem gleichzeitig ein von dem frei­sinnigen Abg. Dr. Müller-Meiningen gestellter Antrag beräthen wird, wonach die Unterstützungs- versins, die auf genoffenschaftlicher oder auf ge­werkschaftlicher Organisation beruhen, nicht unter das Gesetz fallen sollen. Es sollen zwei Lesungen stattfinden. Zun. Berichterstatter für das Plenum ist Abg. Dr. Opfer gelt vom Centrum bestellt worden.

• KilenSatz Ilufälke. Nach amtlicher Mit­theilung sind i-- Laufe des Monats November auf deutschen Ei ^ «bahnen, die bayerischen ausge­nommen, 22 Enteisungen (davon 17 in Stationen) und 18 Zusammei flöße (davon 14 in Stationen) vorgekommen. Es sind dabei 12 Reisende und 3 Bahnbedienstete getöoret, 10 Reisende und 12 Be­dienstete verletzt worden.

ft Das overschkefische Kotzkeusyrrdikat soll nach dem Berichte eines schlesischen Blattes auf jeden Fall zu Stande kommen. Die Regie­rung soll, so wird berichtet, mit allem Nachdrucke die Verwirklichung des Planes betreiben und der Widerstand, den bisher mehrere Privatbergwerke dem Plane entgegensetzten, soll überwunden sein. Man wird ja bald erfahren, wie es damit steht.

* Zlear soziale Schriften des Volks­vereins für das katholische Deutschland. Die vom Volksverein herausgegebenen „Sozialen Tagesfragen", welche ihres praktisch nützlichen Inhalts wegen in weiten katholischen Kreisen An- sehen^nd Verbreitung gefunden haben, sind wieder um mehrere Hefte bereichert worden. Es ist dies­mal eine Reihe von Vorträgen, welche auf dem letzten praktisch-sozialen Kursus des Volksvereins

habe mit Dir zu sprechen, Joseph," begann sie leise und zögernd. „Wenn ... Du allein bist, schenke den Kindern doppelte Liebe."

„Wenn ich allein bin? Was soll das?" wies er sie ab. „Keine Rührszene, Agathe; die kann Dir nur schaden. Dir ist beffer. Nächstens wirst Du hergestrllt sein; rege Dich also nicht un- nöthig auf."

„Das thue ich ja nicht; bin zufrieden wie Gott es fügt. Deshalb solltest Du mir aber doch immerhin eine ruhige Aussprache gönnen über dasjenige, was mir am Herzen liegt, Joseph."

Er faßte die bleichen Züge genauer ins Auge und nahm wahr, wie spitz und scharf sie ge­worden waren. Etwas wie Selbstvorwurf regte sich in ihm. „Laß hören," ermunterte er sie.

Sie faltete bittend die Hände: „Sei nicht hart gegen Karl; erlaube ihm, Lina zu heirathen, sobald er sie ernähren kann!"

Arm bruster's Gesicht verfinsterte sich: „Dami solltest Du mir nicht kommen, Agathe. Du kennst ja meinen unabänderlichen Entschluß. Unser Sohn eine Nähmamsell heirathen, die in Häuser au Arbeit geht!"

„Sie ernährt die kranke Mutter. Kann sie dafür, daß der Vater verunglückte und fir nich vollends zur Lehrerin ausgebildet werden konnte? Sie hat ein liebendes Herz und bei aller Sanft- muth einen energischen Willen ..."

„Und keinen Heller Vermögen, sondern bettel- hastsn Anhang. Davon will ich nichts hören, Agathe. Wir find tief genug herabgekommen; zu mehr biete ich die Hand mcht."

Er machte Miene aufzustehen. Wieder legte sie die Hand aus seinen Arm. „Sei gut, Joseph,"

in Köln gehalten wurden, und nun in theilweise erweiterter Form den Lesern dargeboten werde«. Wir verzeichnen im Folgenden kurz den Inhalt der beachtenSwerthen Schriften. Das 12. und 18. Heft (Preis 20 Pfg.) behandelt die wichtigsten ' lgrarfragen und bespricht im einzelnen: 1. Die Bedeutung der Landwirthschaft. 2. Die schwierige Lage der Landwirthschaft. 3. Die Ursachen der chwierigen Lage der Landwirthschaft. 4. Die land- wirthschaftlichen Zölle. 5. Schlachtvieh- und Fleisch­beschau-Gesetz. 6. Das ländliche Erbrecht. 7. Die ändliche Verschuldungsfrage. 8. Die Organisation der Landwirthschaft. 9. Selbsthilfe. 10. Land- wirthschaftliche Schulen. — Das 14. und li. Heft (Preis 20 Pfg.) unterrichtet über die Mäßig- eitsbestrebungen, ihre Bedeutung, Aufgaben xab Mittel. Die einzelnen Kapitel betreffen: 1. Die Wirkungen des Alkoholgenusses. 2. Werth und Inwerth des Alkoholgenusses. 3. Ursachen des Alkoholmißbrauchs. 4. Bekämpfung des Alkohol­mißbrauchs. Das 16. bis 18. Heft (Preis 30 Pfg.) behandelt die praktische Ausgestaltung der Hand­werkerinnungen und Genossenschaften, und enthätt drei Vorträge über die Organisation des Hand­werks in Innungen und Handwerkskammern, die Nutzbarmachung des Genossenschaftsgesetzes für dis Handwerker, sowie über die Mitwirkung der katho- ifchen Gesellenvereine bei der Durchführung der Handwerkerorganisation. — Diese neuen Hefte der „Sozialen Tagesfragen", welche nur direkt von )er Centralstelle des Volksvereins in M.Gladbach zu beziehen sind, werden gewiß nicht nur bei ben Teilnehmern des obenerwähnten Kursus, sondern n weiteren Kreisen die verdiente Beachtung finden.

Aus dem Reichstage.

23. Sitzung vom 11. Januar, 1 Uhr Nach«

Bevor das Haus in die Berathung der Tages­ordnung eintritt, erbittet und erhält Präsident £r«f Malteftrem die E mäch'igung, dem Kaiser die Glück­wünsche des Hauses anläßlich seines Geburtstages und anläßlich des zweihundertjährigen Bestehens der. König­reichs Preußen auszusprechen.

Auf der Tagesordnung steht zunächst der von den konservativen Abgg. Wyler und G-n beantragte Ge­setzentwurf (Novelle) zum Jnvalidenfonds-Gesetz. Die Novelle will auch denjenigen Kriegsveteranen von 1870, deren Erwerbsfähigkeit seitdem durch Alter oder Krankheit auf weniger als ein Drittel herabgesetzt ist, Unterstützungsansprüche gewähren. Eine Resolution des Antragstellers verlangt außerdem Bereitfteluu« entsprechender Mittel, nöthigenfallS durch einen Nach­tragsetat. , .

Abg. Wßker bezeichnet die Annahme seines Antrages als eine Ehrenpflicht des Reiches. Wen« das Reich so viele Millionen für andere Zwecke a*8» gebe, so müssen auch die nothwendigen Gelder für unsere Veteranen zu beschaffen sein.

Abg. SpeÄ (E-ntr.) empfiehlt, den Antrag genau in der Budget-Kommission zu prüfen, um die Forderun­gen des Reichstages gegenüber der abwehrenden Hal- tung der Regierung genau sestzustellen und zn be­gründen.

Auch die Abgg. Dr. Arendt (freikons.), chrafSriota (natl.), von Ysllmar (so,.), Schrempf (kons.), Werner (Antis.i, Aoffmann (südd. Bolksp) und Machnicke (freis. Bereinig.) traten für den Antrag en», der dann einstimmig der Budget-Kommission über­wiesen wurde. v _

Es folgte sodann die Berathung der von den So­zialdemokraten beantragten Novelle zum Ge­setze über dieGewerbegerichte und des Anträge» Trimborn (Eentr.), der demselben Gegenstände ge­widmet ist. Der sozialdemokratische Antrag fordert.

flüsterte fie. „Ich weiß, Du haft durch Deine liebe­leere Ehe gelitten; gönne Karl ein besseres Loos!"

Ja dieser selbstentäußernden Demnth lag etwas, das Armbruster, er mochte sich dagegen wehren wie er wollte, zu Herzen ging. In freundlicherem Tone sagte er:

„Nimm Vernunft an, Agathe; wovon sollten fie denn leben? fie haben ja beide nichts."

„Beide werden fir aber muthiger arbeiten, wenn fie Aussicht auf zukünftiges Glück haben."

„Darüber wollen wir lieber nicht weiter reden. Hast Du sonst noch etwas auf dem Herzen?" Er stand auf.

„Ja, Helenens Zukunft. Sie macht mir Sorge: ihr Charakter ist recht schwierig."

„An Dir, der Mutter, wäre es gewesen, da Wandel zu schaffen," versetzte er in verdrieß­lichem Ton.

„Ich habe es redlich versucht, konnte aber nichts erreichen. Helrne Übersieht mich — un­fühlt es."

„DaS ist doch nicht meine Schuld."

Em flüchtiges Roth trat der kranken Frau in die Wangen. „Gewiß nicht, aber" setzte sie mit der Energie bet Mutter hinzu, dte für ihr Liebstes kämpft, „woran Du Schuld trägst, ist, daß sie über ihre Sphäre hinaus will. Weil Du stolz warft auf ihre Schönheit, ihren Ver­stand, hast Du ihr eine Erziehung geben laffen Über unsere jetzigen Verhältnisse hinaus. Auf- gewachsen unter reichen, vornehmeren Mädchen, fühlt sie sich hier unzufrieden — um fo unbe­friedigter, je gewöhnlicher diejenigen find, mit denen fie verkehren muß. — Bringe Mankenhorn so selten wie möglich in das Hans."