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FuldaerMZeitung

28. Jahrgang.

Iutöa, Freitag, den 11. Januar 1901.

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< Getreidezölle, preußische Kanal­vorlage und Graf Bülow. '

Der Herr Reichskanzler hat am letzten Ntttm-ch als preußischer Ministerpräsident beim preußischen Abgeordnetenhause sei« AatrittS- »ifite in einer überaus höfliche« Weise gemacht, mir man sie von allen deutschen Staatsmännern in leitenden Stellungen eben nur beim Grafen Bülow sehe« kn««. Gras Bülow kam ins Ab­geordnetenhaus »nd zwar „bei der erste« Ge­legenheit, die sich ihm bot*, um sich „diesem hohen Hause vorzustelle« u«d das Entgegen­kommen und dnS Wohlwollen |u erbitten, deffe» er für eine ersprießliche Leitung der «eschäste des Lande« bedarf* — wie überaus liebens­würdig «nd «rbindlich!

Und i« ebenso höflicher Form hat sich eie Politik des neuen preußischen Mimster- prtfidrnten dem Abgeordnetenhause vorgestellt: in dem Kampfe der «irthschaftlichen Jntereffen die vorhandenen Gegeusätze nach Möglichkeit zu versöhnen — zwischen de« verschiedene« Jn- tereffeu einen gerechten Ausgleich herbeiführrn — wer wollte das nicht! Segen solche Sätze gibt eS keinen Widerspruch; und wenn Graf Bülow weiter versichert, daß „die große» Sr- werbsstäude gleichmäßige» Anspruch habe« aus den Schutz der Regierung, daß die Regierung die Pflcht hat, Landwirthschaft, Handel und Industrie gleichmäßig zu schützen, und daß unsere Laudwirttzschaft unbedingt einer kräftigen Unterstützung bedarf," so stimmt ihm darin jeder vorurtheilslos und gerecht denkende Mann ganz unbedingt bei, das ganze deutsche Centrum jedenfalls bis auf de« letzten Rann. Ist es doch gerade dar Zentrum von jeher und zu allererst gewesen, daS die Ausgleichung der «irthfchaftlichrn Gegensätze unter den deutschen politischen Parteien und die Unterstützung der wirthschaftlich Schwachen als eisen feiner leiten­den Grundsätze auf sei«e Fahne geschrieben hat!

Daß ei« solches Ausgleichsprogramm schwer durchzuführrn ist, leider sehr schwer, und daß es nicht zu rechnen hat auf lärmende Augenblicks­erfolge bei de« Raffe«, weiß Graf Bülow. «s wiffen es auch sehr viele andere Leute. Nur eiserne, unermüdliche Ausdauer, ««erschöpfliche Geduld tin«« allmählich zum Ziele führen oder wenigste«- de« Ziele näher bringen. Und in diesem Sinne hat Graf Bülow ob« Zweifel auch de» Nagel auf den Kopf getroffen, indem er für die Berathung solcher wiriyschastlicher Vorlagen, wie es die Kanalvorlage ist, eine „von Parteigegensätzen freie Beurtheilung" fordert. Solche Vorlagen könne« nicht nach einseitigen Gesichtspunkte« beurtheilt und behandelt werden. Aber gerade diejenigen Leute und diejenigen Zei­tungen, die sich bisher hauptsächlich als Befür­worter und Dertheidiger der Kanalvorlage in den Vordergrund gedrängt haben, also die Li- beraten, waren und stad bis zum heutige« Tage

Dennoch anfwärts.

Roman von L. v. Neid egg.

5 ------ (Nachdruck »erboten.)

„Dumme Gans!" fuhr Blankenhor« sie an. „Thätest Du nicht gefcheidter, die Leute zur Arbeit anzuhallen, statt an die ewige Klopferei zu gehen, mit der Du «ich zur Lerzweiflnng bringst? Wo sind die Taglöhner?"

Das gelbe, gallige Gesicht des Rädchens ver­zog sich zu einem spöttische« Lächeln. Ohne den Kopf zu wenden, erwiderte sie kurz und scharf: „Auf der Gauden wie ihr Brodherr."

„Halt', Maul! Wo find fie?"

Krercenz fuhr mit Klopfen fort, ohne Antwort zu geben.

„Kannst nicht antworten?"

„Ich sollte ja schweigen."

„Wie fich'« gehört, sollst Antwort geben!" schrie er überlaut, die Worte mit einem Fluche begleitend. „Wird'« bald? Wo find fie?"

„Im Wirthshause; kannst fie von hier au« fingen hören."

Aus dem ein paar hundert Schritte vom Aus­gang des Garten« entfernten Wirthshause klang Johlen und Schreien herüber. Blankenhor« ballte die Faust und schüttelte sie drohend gegen jene Gegend. „Ja warte nur, Lumpenpack, Dir will ich kommen! Da füttere ich die Kerls die ganze vorige Regenwoche, damit fie diesen Montag blau machen! Denen will ich noch den Herrn zeigen!"

Von Krercenz gefolgt, ging er nach feinem Hause. Man lernte bester von dem grämlichen Mädchen denken, wenn man hier auf die Spuren

die Allerschlimmsten in der Ausnützung dieser ; kanalvorlage für ihre Parteizwecke. Ihnen ist es do« Anfang an weniger zu thun gewesen um >en Kanalbau selbst al« vielmehr darum, durch hre Freuudschaft für diese Entwürfe die konser­vativen Gegner in der Gunst der Regierung aus dem Sattel zu heben, und bei solcher Be­handlung der Dinge kann niemals etwa- Ge­deihliches herauskommen, muß schließlich eine : Leidenschaftlichkeit der Redekämpfe fich entwickel«, die eine sachliche Berathung auf» ärgste behindert und schließlich vollkommen unmöglich macht.

DaS alte Spiel wollte schon wo« neuem be­ginne«. Zeitungen vom Schlage des.Berliner Tageblatts' legte« der Regierung de« Gedanken nah«, die Kanalgkguer im preußische« Abgeord- netenhause in das kanalfreundliche Lager zu zwingen mit der Waffe der Getreidezölle — kein Kanal, kein Zollschutz für die Landwirthschaft! And andere Blätter derselben und ähnlicher Rich­tung waren bereit» an der Arbeit, de« Grafen Bülow scharf zu machen und ihm rücksichtslose Energie für die Durchführung der Kanalvorlage zu empfehlen — da kommt nun Graf Bülow selbst «nd übertrifft fich selbst in seiner ersten Rede im preußischen Abgeordnetenhaus« an höf­licher Verbindlichkeit der Form, verfichert ohne äußere« Anlaß auS fich selbst heran», daß der Landwirthschaft jetzt die hilfreiche Hand der Ge­setz,ebung dargereicht »erden müffe! Welche Enttäuschung! — gelindert nur durch die That- sache, daß Graf Bülow gerade die Kaualvorlage als ein Mittel zur Hebung der Land»irthschaft betrachtet!

Solche« Stute« gegenüber, die in schranken­loser Slbstiucht und Rücksichtslosigkeit ihre faden­scheinigen Partei - Jntereffen über alles Andere stellen, die sogar vor dem Gedanke« nicht zurück- schreckes, dieLandwirthschaft des ganzen deutschen Reiches büße« zu laffen, daß im preußische« Ab­geordnetenhause unter de« Kanal - Gegnern eine Anzahl »onLandwirthe« sich befindet, kann nicht scharf genug die Nethwendigkrit betont werden, die Behandlung der Kanal-Vorlage rein sachlich, nicht r-ach den Gesichtspunkten selbstsüchtio. .rPar­tei - Jntereffen zu führe«; und für dies, i Aus­spruch muß man dem Grafen Bülow wirklich dankbar sein, ob man nun Freund oder Gegner der Kanal-Vorlage wird, nachdem man ft kennen gelernt haben wird. Graf Bülow wird bp Hoff­nungen, welche die lib ralrn Manchester-Männer in ihn setzte«, unbekannt aus welchen Gründen, augenscheinlich nicht erfüllen; und auch nur so kann er ein Reichskanzler und Ministerpräsident sein zum Segen der deutschen Lande und zur Wohlfahrt des Volkes.

Drrrtsches Reich-

Berlin, den 10. Januar.

• Aöflichkeite« zwische« Merlin «nd yetrr»6«re. Mit großer Sorgfalt werden in ver osfi.iSsen Presse die diplomatischtN Höflich­keiten verzeichnet, die von Berlin au» an PeterS- kurzer Adressen gerichtet werden. So berichtet neuerdings die oberoffiziöse,Nsrdd. Allgem. Zig.': „Der Reichskanzler Graf von Bülow hat

ihre« Walten« stieß. Der saubere, mit blau und weißen Platten au«gelegte Hausgang, die spiegel­blank gebohnten Möbel in den Zimmern, die schneeweißen Vorhänge, die musterhafte Reinlich­keit, die überall herrschte, zeigten, daß, wenn fie auch eine feste Hand besaß, fie jedenfalls ein Hau« vortrefflich zu führen verstand.

Ale Wohnlichkeit seines Heim« vermochte Blankenhorn in diesem Augenblick jedoch nicht zu entwaffnen. Zornig warf er Hut und Stock auf de« Tisch. „Wo ist der Oberknecht?" polterte er. „Etwa auch zum Lumpen geworden?"

„Franz war dreimal im Wirth«hause, die für die Heumahd gedungenen Leute zur Arbeit aus­zufordern ; zuerst wurde er auigelacht, schließlich drohte man ihm mit Schlägen. So ist er denn mit den Mägden auf die Bleicherwiese hinan«, dort das Heu hereinzubringen. Zwei Wagen voll find unter Dach."

Blankenhorn ging mit großen Schritten auf und ab. „Ich muß die Kerls unterkriegen", knirschte er.

„Du hast aber auch nur immer Lumpen auf Deinem Hof", schalt die Schwester schadenfroh. „Da stehst Du nun und fluchst und schimpfst und wirst mit ihnen doch nicht fertig"

„So!" rief er zornbebend, „nicht fertig? Ei, da will ich gleich da» Gegentheil beweisen. Jetzt geh' ich und hole mir sofort die Bande aus dem Wtrthshau« heraus."

Krercenz erschrak über da« Unheil, das ihre Zunge angerichtet hatte. Sie gönnte dem Bruder, der fie grob behandelte, wohl eine kleine Demüthi- gung, dabei liebte fie ibn aber auf ihre Weife. Ein Raufhandel mit einer Ueberzahl von Be­trunkenen, bei dem er noih wendig den Kürzeren

den deutsche« Botschafter in Petersburg beauf­tragt, dem Grafe« LamSdorff die aufrichtig- tigsien Glückwünsche der deutsche« Regierung da­zu auszurichte«, daß er durch das vertraue« de» Kaisers Nikolaus eudgilttg zur Leitung der auS- wärttge« Politik de» rusfifche« Reiches berufe« worden ist." Nach der Ernennung des Grafen Bülow zum Reichskanzler »ar bekanntlich der russische Botschafter in Berlin, Graf von Osten- Sacken, der ljkste, dem ein Besuch de» Kanzlers zu Thkil wurde.

X Aie Areitzembker und Manchester- männer suche« in »er Presie ihren Rückzug zu decken: Reichskanzler Graf Bülow soll angeblich dem freisinnigen Abgeordnete« und Bankdwektor Dr. von Siemens sein „Bedauern" darüber ausgesprochen habe«, daß „die freihändlerisch gestimmten Kreise nicht stark genug feien, um Bern Kanzler eine ausreichende parlamentarische Stütze für die Durchführung einer anti-agrarischrn Handelspolitik zu fein". Höflich ist der Reichs­kanzler im hohem Maße, das ist allgemein be­kannt. Aber man muß lächeln über die kind­lich verlegene Zumuthung, daß man solche Be­richte und Darstellungen über gewisse Aeußerrrnge« des Kanzlers zu dem genannten freisinnigen Parlamentarier als wahr hinnehmen soll. Ein gewiegter Diplomat von des Grasen Bülow Stellung würde fich doch natürlich hüten davor, fich so zu äußer«, auch wenn das wirklich seine« Anschannngen entspräche. Es kann aber gar nicht feinen Anschauungen entsprechen; den« sonst müßte Graf Bülow im preußischen Abge­ordnetenhause in grober Weise politische Heuche­lei getrieben habe«, und das wird Niemand ihm zutrauen wollen.

h Ai- Audgetkommissto« des Aeichs- tuges hat heute (Donnerstag) an Stelle de« frei« konservativen Abg. v. Kardorff den konservatioen Abg. Grase« Udo Stolberg durch Zuruf zum Vorsitzenden gewüblt. Herr von Kardorff hat da« Amt niedergelegt nm sich mehr den Plenarbe- rathnngen de« ichrtage« widme« zu könne«. Im Namen der Kommission drückte Abg. Dr. Lieber dem sch >sende« Vorsitzenden Dank an« für ble umsichtige und «nparteiische Leitnnge« der Verhandlungen. Die Kommission wirb die Be­rathung der Lhtn roorlage erst fortsetzen, wenn da» Versorgnngsgr^tz für die Hinterbliebenen der Theiluehmer der Lhina-Expeditio« beim Reichs­tage eingegangen sein wird. Zunächst soll der Etat berathen und damit am Dienstag, 16. Januar beim Etat des Reichseisenbahnamte« be­gonnen werden.

* Der Melri-SsüSerfchuk der preußisch-« Staatseiseuvaßue« im Rechnungsjahre 189» hat betragen 56» 418 440 Mk., und ist gegen da» Vorjahr um 27 Millionen Mark oder 4,99 Pro­zent gestiegen. Im VerhLltniß zur Gesammtein- «ahme betrug der Uederschuß 42,05 pEt. im B triebsjahre geaen 42,47 pCt. im Vorjahre; im BerhSÜniß zum durchschnittlichen Anlaoe- kapital von 7742 Millionen Mark ergab sich eine Verzinsung von 7,28 pLt. geg n 7,07 pCt. im Vorjahre. Die Einnahmen haben fichum 76 Millionen Mark ober 6,04 pCt. gegen das Vorjahr erhöht, die Ausaaben um 50 Millionen Mark oder 6,81 pCt Von den erhöhten An»-

gaben entfallen 18 Millionen Mark oder 8,81 pEt. auf die persönlichen Ausgaben, darunter 12 Millionen Mark auf Besoldungen. Zn ver­zeichne« find ferner die Retenerträae d« preußischen Staatseisenbahne». Au» Platz­karte« in v-Züzen hat fich die Sinnahme auf den preußischen GtaatSbahnen im Rechnungs­jahr 1819 gegen das Vorjahr gesteigert um 11,17 p@t„ und zwar aus 2938981 MaR. Speisewagen laufen regelmäßig zur Zeit aus 29 Linien. Der Erlös au» dem Verkauf von Bahnsteigkarten ist um 3,6 pEt. gegen das Vorjahr gestiegen und beträgt 2041646 Mark für 20l/t Millionen Bahnsteigkarte«.

* Für die -röettozeit de- Kiseuöehtt- persouaks ergibt die dem Landtage mitgetheille Ueberficht vom Herbst l»00 für 329 958 Beamte und Arbeiter Folgendes: Bi» 8 Stunde« ein­schließlich waren beschäftigt 28578 Personen, mehr als 8—2 Stunden 28231, mehr als 9—1« Stunde« 100701, mehr als 10—11 Stund«, 73466, mehr als 11—12 Stunde« 70287, mehr 12—11 Etu«de» 14222, mehr als 11—14 Stunde« 8149, mehr 14—15 Stunden 1647, mehr als 15—16 Stunden 2670. Beim Zug- begleitungS- und Lokomotio-Personal find sämmt- liche in die planmäßige Dienstschicht entfallende« Ruhepausen in die planmäßige Dienstzeit einge­rechnet. — einem große« Th eil de» Per­sonals ist ein nicht ständiger täglicher Dienst a«L die angegebene Stundenzahl festzesetzt. Beispiels­weise wird die Dienstschicht von 151/* Stunde« einschließlich der Ruhepausen unter 6 Stunde» von 10 Personen geleistet. E» erscheint dann in der Nachweisung 1 Personal etwa zu 4 Köpfe« gerechnet in der Spalte mit einer Dienstbar»« von 15—16 Stunde«, ohne daß eine regelmäßige Inanspruchnahme eines Personals von solch« Dauer vorliegt. Bei dem Zugbegleitungkpersonal und Lokomotiopersonal beträgt die durchschnitt­liche tägliche Dienstdauer höchstens 11 Stunde«.

* Die Außetage des Eisenbahnpersonals. Auf eine Gesammtzahl »o« Beamten und Ar­beitern von 217 600 Köpfen entfallen im Kaleudeo- jahr Dienstbefreiungen »on mindestens 18 Stunden auf 709816; davon entfallen 430124 auf Sonn­tage. Es erhalten monatlich einen Ruhetag 17029; 1'/» Ruhetage 20014, 2 Ruhetage 119914. Dienstfreie Zeiten von weniger et» 18 Stunde« find hier überhaupt außer Ansatz ge- bliebe«.

* Ai- K-ßk-*verg«,-rk- i« ^re*6?». Dem Landtage ist jetzt die übliche Ueberficht über de« Betrieb der fiskalischen Bergwerke, Hüttm unb Saline« für da« Jahr 1899 zugegansnu Au« dieser Ueberficht erhellt, daß der Staat 1822 au» den gesammte« StaatSwerken 37 Mill. Mark Ueberschnß erzielt hat, 7 Millionen Mark mehr al« im Vorjahre und 18 Mill. Mk. mehr, al« im Etat veranschlagt »ar. Auf de« Steinkohlenbergwerken de« Staats waren 1892 57700 Mann Belegschaft, 5,59 pEt. mehr al» im Verjähre. Die Jahresleistung aus de« Kops der Belegschaft aber verminderte sich von 268,4 To. auf 262,0 To. Der Durchschnittswerth einer Tonne Steinkohlen stieg von 8,45 ans 9,20 Mk. Aus einer Rachweisung der Arbeitslöhne und Arbeitsleistungen ergibt fich, daß die Jahre«-

ziehe« mußte, ging über das Maß der Strafe hinaus, die fie ihm manschte.

„Bleib' da, Fritz', suchte fie ihn zu besänftigen. „Es verlohnt fich kaum noch der Mühe, sie zur Arbeit zu treiben."

„Davon verstehst Du nichts", trumpfte er fie ab und war hinaus.

„Eigenfinniger, bummer Kerl!" murmelte fie hinter ihm nach. Nichtsdestoweniger ging sie ihm besorgt nach, kns vor da« Witthshaus. Gar bald zeigten ihr höhnische Rufe, wiehernde« Lachen, wirre« Stimmengetöse, baß ihr Bruber an seine Aufgabe: die Säumigen auf ben Pfad ber Pflicht zurückzuführen, gegangen war. Mit einem Male flog ble auf eine Vortreppe mündende Thür zum Wirthshause auf unb ein wirrer Menichenknäuel erschien auf derselben. Den Mittelpunkt bildete Blankenhorn, an seiner hohen, breiten Gestalt er­kenntlich Er schlug wüthend um sich, konnte fich ber Ueberrnacht aber kaum erwehren. Unter seinen Angreifern that fich ein hagerer, mittelgroßer Mann hervor, an Kraft bcm Hofbesitzer nicht ge­wachsen, ein Mangel, ben er burch Verbissenheit gut zu machen suchte. Immer wieder drang er auf Blankenhorn ein unb nahm e» an Flüche« unb Kraftworten mit ihm auf.

Die Sache hätte für Blankenhorn schlimm amtfallen können, wäre nicht der Oberknecht zur rechten Stunbe mit bem Heuwagen vorüberge­kommen. Anhalten unb seinem Herr« beispringen war ein«. Auch ber Wirth erschien jetzt hilfe­bringend auf bem Plan, unb die Betrunkenen wichen zurück. Mit zerriffenen Kleibern, aus Mund unb Nase blutend, bas eine Auge blau geschlagen, verließ Blankenhor« ben Kriegsschauplatz.

Heber bem Lärmen ber Felbschlacht war d« Streit mit ber Schwester in Vergessenheit geratet. „Ich habe efl einigen tüchtig gegeben*, frohlockte er. „Heute noch telegraphrre ich an Loser »m einige seiner Italiener und jage diese Kerl« alle zum Teufel." , ,

Nachdem er fich noch mit dem Oberknecht be­sprochen und ba« Blut au« Gesicht unb Händorr gewaschen hatte, streckte er seine schmerzende« Glieber auf bem Sofa au«. Krercenz blieb theil- nehmenb bei ihm, bie kalten Umschläge aus bem hoch anschwellenden Auge zu erneuern.

„Der Kerl, der Weber, »ar natürlich ber Haupthahn; bem habe ich aber einen Denkzettel gegeben!" erzählte er iciumphirend.

„Ist da« nicht ber, den Du au« bem Dienst gejagt hast wegen einer groben Antwort, die « Dir gegeben?"

„Jawohl, betreibe."

Krescenz sah ben Bruder scharf an. „War * wirklich nur ba«, Fritz? Man munkelte allerlei.

„Ihr alten Jungfern wißt immer mehr al« andere Menschenkinder und hört ba« Gra« wachsen.

Das Epitheton war nicht nach ber Schmeer Geschmack: „Freilich, wir Frauen können nicht ewig jung bleiben, wie ihr Männer", spottete fie. „Webers Serene ..."

„War geht mich, was geht Dich die an? unterbrach er rauh. „Das Mädel ist ja Gott weiß wo . . . weit von hier."

„Sie ist weit fort, war e« aber nicht immer. Als ihr Vater bei Dir diente, ist sie ein taubere» Mädel gewesen .... Unter anderem, wer ben Diebstahl ausführte, besten man ihn anklagte, hat man wohl nie hersuSgevracht?"