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mit Anterhattungs Beilage „Zllustrirte Sonntags-Zeitungs stÄ"

jg 5. • JuLöa, Montag, den 7. Januar 1901. 28. Jahrgang.

G England, VereinigteZStaaten und Rußland. 3

Noch ßar nicht lange Zeit ist nerfteffen seit äberühmten Rede des nicht weniger berühmte» nial-MinisterS Chamberlain, in welcher r die „angelsSchsischeBetterschast" pries daS angebliche Bündniß zwischen England und den Bereinigten Staaten von Nordamerika. Herr Chamberlain hätte bester gethan, seneRede nicht ,u halten. Den Amerikanern ist es gar nicht ein« gefallen, diese angebliche Betterschaft hoch zu halten, und gerade in diesen Tagen bombardirt man sich wechselseitig innerhalb der Betterschaft mit so wenig schmeichelhafte» Reden und ZritungSstim« «en, daß man eher an eine ausgesprochene Geg­nerschaft denken könnte, als an ein zärtliches Ver­wandtschafts-Lerhältniß.

Das Hal der Nicaragua - Kanal gethan. Zwischen England und dem Präsidenten der Ver­einigten Staaten war darüber ein Vertrag ge­schloffen worden, auf den die Engländer den größten Werth legten.

Schon i. I. 1850 schloffen die Engländer und Amerikaner einen Vertrag ab, in dem aus­gemacht wurde, nur England und die Bereinigten Staaten gemeinsam sollten diesen hochwichtigen Kanal durch Mittelamerika bauen. Seitdem ist ei» halbes Jahrhundert vergangen, und der Kanal ist noch nicht gebaut. Aber gerade aus der un­gewöhnlichen Eilfertigkeit, mit der man hüben und drüben die Sache in Angriff nahm, geht die ebenso ungewöhnliche Wichtigkeit hervor, die man ihr auf beiden Seiten beilegt. Inzwischen ist aus den nordamerikanischen UnionSstaatr« etwas Anderes geworden. Ihre Macht hat sich in un­geahnter Weise und Schnelligkeit entwickelt; und als nun in neuester Zeit die sogenannte imperia­listische Politik, dre AuSdrhnungS-und Eroberungs­politik in den Vereinigten Staaten Oberwaffer bekam, regte sich in Nordamerika das dringende Bedürfniß, jenen ersten Nicaragua-Vertrag um­zustoßen und eine» neuen abzuschltrße«, der vor- thellhafter für Amerika sei« sollte. Die Ameri­kaner drangen damit durch; und so wurde nach längeren Verhandlungen im Februar 1900 an Stelle des alten „Tlayton-Bulwrr-Dertcages" der neue „Hay-Pauncefote-Lrrtrag" vereinbart. Nach dem neuen Vertrage sollte den Amerikanern das Baurecht und auch die Kanalpolizei allein zu­stehen; aber es war a«S dem alte» Vertrage noch die Bestimmung herübrrgenommen morde«, daß die Wafferstraße im Kriege wie im Frieden Nkntral zu bleiben, also auch im Kriege den Fahr« S aller Länder offen stehen sollte. Diese rlitätSbestimmung hat nu» der Senat, das parlamentarischeOberhauSderBereinigtenStaaten, auch noch gestrichen, so daß nach diesem SenatS- beschluffe die hoch wichtige Wasserstraße zwischen dem Atlantischen und dem Parisischen Meere ganz und gar in den Besitz und in die Verwaltung der Vereinigten Staaten übergehe« würde.

Die englischen Zeitungen tobe». Die Lon­doner ,Times' schimpft auf den amerckauische» Senat, nennt seine Mitglieder „Knechte ei«eS unechten AmerikanerthumS" und wirft ihm „per- stde Taktik" vor; aber den amerikanischen Senat

wird daS schwerlich sonderlich störe», und ver- muthlich ärgert sich auch Mac Kinley gar nicht darüber, daß der Senat den von ihm ab­geschlossene» Vertrag über den Haufen geworfen hat. Möglicherweise hat der Präsident zu diesem Beschlüsse mitgewirkt; denn seit dem Februar des vorigen Jahres hat sich manches geändert. Eng­lands Verlegenheiten sind erheblich gewachsen und die praktischen Amerikaner nützen dieselben aus zum eignen Vortheile, oh»e sich einen Deut um die sogenannte angelsächsische Völkerschaft und um den Widerspruch der Engländer zu kümmern. Die Engländer hätten gern Deutsch­land und Frankreich an der Sache interessirt im Gegensätze zu Amerika; aber das ist ihnen na­türlich auch nicht gelungen.

Ganz im Stillen hat sich auch Rußland die englischen Verlegenheiten zu Nutze gemacht. Anders wenigstens lassen sich die Vorgänge kaum deuten, die während der letzten Zeit i» Mittelasien sich abgespielt haben. An der Grenze von Afghanistan hat Rußland starke Trupprnmassen zusammengezogen, und Persien ist allgemach ganz und gar unter russische Ober­hoheit gekommen. Vorher waren eS nur 1500 Mann Kosaken, die nach Teheran kommandirt waren, um die Person des Schah zu „schützen"; jetzt hat es der Schah auf eine russische Schutz­truppe von 4000 Mann gebracht, und russische Offiziere find in ganz Persien thätig, um das persische Heer zu „reorgavisiren", d. h. ein russisches Armeekorps daraus zu machen. Väter­chen Zar ist sogar so besorgt um die Person des Schah, daß dieser von Paris aus, wo er sich die Weltausstellung ansah, nicht einmal den geplanten Abstecher nach London machen durfte. Kurz und gut, die Russen haben im Laufe des vergangenen Jahres da« Land Persien in aller Form eingeheimst, u«d es wird nicht mehr lange dauern, bis nun Rußland die laug ersehnte Bahnverbiudung nach dem persische» Meerbusen, also nach dem Indischen Meere, haben wird. Auch in Tibet hat daS Zarenreich in freund­schaftlichster und friedlichster Weise seine Fühler auSgestreckt, ohne daß England den ge urgsten Widerspruch dagegen erheben konnte; unö daß Rußland die Mandschurei nicht in Besitz genommen habe, ist doch nur ein Cpel mit Worten. Die Chinesen dürfen sich die Mühe mache«, ihre Mandschurei zu verwalten; aber »ehe ihnen, wenn sie das in einer Weise thun wollten, die den russische» Interesse» wider­spräche!

Welche Früchte uns Deutschen die große Freundlichkeit tragen wird, die unsere Regierung de« in die Enge getriebenen E«gla»d bewiesen hat und »och fortgesetzt beweist, ist vorläufig daS Geheimniß dieser uuserer Regierung. Der Tag, an dem wir das erfahre« werden scheint auch »och in weiter Ferne zu liegen. Ob wir es jemals erfahren werden?

De«1sche* Reich*

Berlin, den 5. Januar.

* Der Minister bei Innern veröffentlicht im ,Staatkanzeiger' folgende Bekanntmachung:

1

Derrrwch aufwärts.

Sternern von L. ». Reid egg. ------ (Nachdruck »erbeten.)

1. Kapitel.

Die Maschinen sausten, die Räder knarrten in den Arbeitsräumen der Armbnifter'sche« Litzen- Fabrik im Städtchen Wöhrnang. Wiewohl dar Personal mit gewohnter Pünktlichkeit seiner Ar­beit oblag, merkte man doch, daß Ungewohntes m der Lust liege; das dumpfe Gefühl einer unabwendbaren Katastrophe durchzitterte die Atmosphäre. Frau Armbruster, welche die Beauf­sichtigung in den Arbeit».Säle» unter fich hatte und tagaus taget» in dem staubige« Lokale fich aufhielt, lag krank zu Bette. Die älteste Tochter Hslene, welche sie vertrat, war nur mit halbe« Sinne bei ihre« Geschäfte und entfernte sich baufiz, um «ach der Mutter zu sehr». Arbeiter und Arbeiterinnen flüsterte» einander dann zu, müsse schlimm um die Frau stehe«, da deS ^aulemS Gesicht nach jedesmaligem Besuche der butter einen sorglichen Ausdruck trage.

9m Komptoir, das im Nrbenhause im ersten .‘0(k gelegen war, standen Vater und Sohn an einem Arbeitspulte, addirte», nottrten und besorg- ren die Korrespondenz. Der Vater, ein grau» Langer Marrn mit regelmäßige«, schönen Züge», war ganz in seine Arbeit vertieft; der Sohn hin- Wen zeigte höchst ungeschäftsmäßige Zerstreutheit.

Mn einige Male hatte er dem Vater verkehrte ,u gegeben, sich sogar einen Rechenfehler

5, .Schulden komme« laffen. Als er nun aber-

18 Eine an ihn gerichtete Frage mißverstand.

brauste »er Vater auf: „Ich bitte mir aus, daß Du mit den Gedanke» bei der Arbeit bist! Die Geschäft-Verhältnisse find wahrlich nicht danach, daß wir u»S Unachtsamkeiten zu schulden komme» lasse» dürsten. Da wär'S mit der Herrlichkeit gar bald vorbei. An was denkst Du nun eigentlich?"

Der junge Mensch richtete sich auf. In den blauen Auge», mit denen er zum Vater aufsah, schimmerte diesem etwas von dem eigenen tem- peramentvollem Wesen entgegen; auch lag durch­aus nichts Zaghaftes in der Stimme, mit der er antwortete: „An die Matter natürlich. *

„Oder . ... an eine andere!" höhnte der Vater.

„Ich sagte: die Mutter, die Mutter und ich dachte auch an sic," erklärte lder Sohn sehr be­stimmt. „Ich sorge mich, ob sie die nöchige Pflege hat."

„Was sollte ihr denn abgehe«?" war die kühle Frage.

„Helenens Gegenwart. Sie beaufsichtigt die 3rbeit.„

„Meinst du, man dürfe alle» darunter und drüber gehen lassen? Die Magd fleht ja ab und zu nach der Kranken. Und du ... . bleib' bei deiner Arbeit."

Der Sohn gehorchte ohne Erwiderung. Sein hübsches gutmüchiges Gesicht hatte aber der Aus­druck der Empörung angenommen. Eine Weile »herrschte Sttlle, dann hörte man schwere Tritte im Hauiflar. ES klopfte. Unmittelbar darauf trat ei« ungewöhnlich großer, vierschrötiger Mann in daS Zimmer.

„Du hier Blankenhorn?" fragte Armbruster verwundert. „Ich dachte, du stecktest tief in der Heuernte drin."

In Verfolg meiner Bekanntmachung vom 27. Dez. v. I. setze ich die Herren Mitglieder der Selben Aärtser des Landtages der Monarchie ergebenst davon in Kenntniß, daß die Eröffnun g des auf den 8. Januar 1901 einberufenen Landtages an diesem Tage, Mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des hiesigen königlichen Schlosses erfolgen wird. Zuvor wird Gottesdienst um 11 Uhr in der Dom-Jnterimskirche (Monbijou) und um ll* 1/« Uhr in der St. Hedwigikirche statt­finden.

* Eine Reihe neuer Iürsterrtitel sollen, wie schon vor einiger Zeit verlautete, zum 18. Januar verliehen werden. Nach der .Rhein. Wests. Ztg/ werden auch zwei westfälische ASelsgeschlechter den Fürstentitel erhalten, nämlich das Reichsgrafengeschlecht von Lands- berg-Velen und Gemen und die gräfliche Familie Droste-Vischering. Da Haupt der Familie LandSberg, Dr. jur. Graf Maximilian, ist erbliches Mitglied des preußischen Herren­hauses. Als Nachfolger des früheren Erntrums­führers, Freiherrn von Schorlemer-Alst, ist er Vorsitzender des westfälischen Bauernvereins und nimmt innerhalb der westfälischen Landwirth- schast eine hervorragende Stellung ein. — Nach dem Hofberichte sollen einzelne besondere „Gnaden­beweise" beim Kröuungsjubiläum auch Ge­meinden- und Korporationen zu theil werden, d e Beziehungen zu der Krönung vor 200 Jahren gehabt Haden.

* lieber die IahreoSikanz der Groß­mächte macht der .Schwäbische Merkur' fol­gende Betrachtung: „Am richtigsten gerechnet hat Rußland, indem es vielleicht in Voraussicht kommender Verwickelungen mit China fich beide Arme vollständig frei gehalten hat. So konnte es gegen China ein Heer von 100000 Mana ins Feld stellen, ohne seine ausgedehnten Grenzen auch nur auf einer Stelle zu entblößen und sich fast ohne Schwer streich der ganzen Mandschurei bemächtigen, wcb i ihm noch die Truppen der übrigen, mit CH .t im Krieg befindlichen Mächte, die besten Dienst, leisteten, indem sie Die Haupt­macht der Chines n auf fich zogen. Den Besitz der Mandschure: ae« Russen streitig zu machen, dürfte unter btn jetzigen Umständen niemand einfallen, währen, der Besitz der Philippinen für die Nordamerika». - «och ebensowenig gesichert ist, wie der Besitz d-r Burenstaaten für die Eng­länder, und der Kampf um dieselben beiden Theilen noch manche und schwere Nüsse zu knacken geben wird. Im Besitz der Mandschurei ist Rußland im Stande, Englands Einfluß aus Ehina ganz zu verdrängen; denn von Mukdeu aus kann es in ebenso vielen Wochen ein oder zwei Armeekorps nach Peking werfen, als England Monate dazu braucht, vorausgesetzt, daß dieses letztere überhaupt die nöthigen Leute zur Verfügung hat. Was also die Engländer im gegenwärtige» Burenkrieg in Afrika gewinne», geht ihnen doppelt und dreifach in China ver­loren. Dazu kommt, daß eine Erschütterung des englischen Einflusses in China auch für die Behauptung ihrer Machtstellung in Ostindien nicht ohne »achtheilige Wirkung sein dürfte. Scho« diese Erwägung sollte die Engländer ob-

Herr Blankenhorn, ehemals gräflicher Domä- nenpächter, jetzt Besitzer des nahe an Wöhrnang gelegenen stattlichen Lindenhofes, betrieb seine Wirtschaft mit einem Eifer, der Armbrusters Verwunderung, ihn auswärts zu sehen, durch­aus rechtfertigte.

„Das bin ich auch !" erwiederte Blankenhorn. „Heute mußte daS Heu aber vor Wichtigerem zurückstehen. I« Waldkirch ist Wochenmarkt, der richtige Tag zu einer Besprechung mit Ge­sinnungsgenossen wegen der bevorstehenden Reichs- tagSwohlen. Da bin ich den« hingefahreu und hab' die Leute tüchttg aufaemischt. Wir müssen de» Pfaffe» das Handwerk legen, müssen ttachten, das Volk ihrer Avormnndung zu entziehen."

Hochroth im Gesicht, redete er in breitem landläufigen Dialekt, wie er immer that, s, »ft er in Hitze gerieth; ab und zu untermischte er seine Rede mit eine« saftigen Kraftwort. Seine Gegner wollten wiffen, sein Schimpflexikon sei — namentlich wenn er dem Biere znzesprochen — um vieles reichhaltiger als da» anderer Leute. Armbruster, vor dem er sich stet» zusammennahm, ließ die Behauptung aber nicht gelten.

Karl Armbruster, der mit Blankenhorn nur einen flüchtigen Gruß au«getanscht hatte, sah von seiner Schreiberei auf: „Trauen Sie de« Bauer» hier herum nicht zu, daß sie Schneid' genug hätten, die Vormundschaft selbst abzuschütteln, fall» sie ihnen wirklich lästig fiele, Herr Blankenhorn?"

Blankenhorn» breiter Mund verzog sich zu einem häßlichen Lächeln: „Das meinen Sie, Herr Karl, weil Sie, wie ein jeder weiß, auch zu der schwarzen Gesellschaft gehören und am Rockzipfel der Frau Mutter hängen."

„Bitte sehr. Mit achtundzwanzig Jahren bin

halten, den Kampf gegen die Buren auf die Spitze zu treiben, und es ihnen nahe legen, eine« einigermaßen erträglichen Frieden abzuschließe», bei dem beide Theile bestehen können. Nachher rücksichtslosen Art, wie die Engländer den Krieg erzwungen und bisher geführt haben, ist eine solche Mäßigung von ihnen, zumal nun sie ein­mal im Siegesrausch schwelgen, nicht zu er­warten; am allerwenigsten von einem Heißsporn, wie Chamberlain es isi; dazu gehört eben eine politische Einsicht, wie sie Kaiser Wilhelm im Frieden von Nikolsburg an den Tag legte, indem er auf Bismarcks Rath auf jede Gebietsab­tretung von Seiten Oesterreichs verzichtete, und nicht minder nachher im Pariser Frieden, indem er de« Franzose» das bereits eroberte Belfort wieder zurückgab. Uns Deutschen lan» * nur erwünscht fein, wenn dem englische» lieber« muth durch die Erfolge der Russen in China ein gehöriger Dämpfer aufgesetzt wird, so daß ihnen der Kamm nicht gar zu sehr schwillt, so­bald sie einmal die Buren gänzlich bezwungen haben; auch haben wir von den Ruffen, wenn fie einmal zu Herren von China fich gemacht haben, schon aus Opposition gegen England eine viel weitergeheudere Rücksicht auf unsere Interessen zu erwarte», als von den Engländern, die dort unsere Hauptrivalen sowohl in industrieller att kommerzieller Beziehung find."

X Die Aasakvorkage wird „sicherem Ver­nehmen nach" — wie die ,oberoffiziöse Nordd. Allgem. Ztg/ ankündigt — dem preußische» Landtage bald nach dem Begin« der S ess io» zu geh en. Das ist nichts Neues mehr. Es ist aber doch recht angenehm, daß endlich einmal das leidige Verfieckenspielen mit der Kanalvor­lage aufhört, oder vielmehr wafferwirthschaftliche» Vorlage, wie sie neuerdings gern von den Offi­ziösen genannt wird. Ueber die Aussichten der neuen Kanalvorlage läßt fich vorläufig gar nichts sagen. Zunächst muß man diese Vorlage selbst kennen lernen. Wenn aber, wie angekün­digt wurde, von der Regierung und von de« besonderen Freunden -er Vorlage »ach Mögliche leit vermieden wird, diese mit allerhand allge­mein politische» Gesichtspunkten und Grundsätze» z» verquicken, so wird da? nur nützlich sein im Interesse dieser Vorlage und dazu betragen, de» parlameniische« Verhandlungen darüber die ganz überflüssige Leidenschaftlichkeit und Schärfe z« nehmen, durch die die Verhandlungen über die erste Kanalvorlage in so unerquicklicher Weise be­einflußt waren.

* In der Nerkiurr Stadtver-rtzvot-«- vsrsam«k«»g kam es am Donnerstag zu einer erregten Debatte. Der Magistrat hatte an die Stadtverordneten da« Ersuchen gestellt, 5600 Mk. zu bewillige« behufs Bertheilnng der Jonassche« Festschrift „Zweihundert Jahre preußischer Se« schichte" an die Zöglinge der erste» und Ober­klaffen der Gemeindeschulen bei der Feier de« 18. Januar diese« Jahre«. Der sozialdemokra­tische Stadtverordnete Hoffmann erklärte, daß et und seine Parteigenossen entschieden dagegen seien, für solche Zwecke Geld au-zugeb,'N. Richt eine« Pfennig für dynastische Zwecke, am allerwenigste« zur Verherrlichung von Dinge», die sehr wenig

ich alt genug, um eine selbständige Ansicht z« haben, für die ich jederzeit einstehe."

„Besonder», wenn auch noch andere Sinflüffe mitwirken", grinste Blankenhorn. „Ja, so et«

junge« Betschwesterlein, da« mit einem Äug' «ach dem lieben Herrgott aurschaut, mit dem andere« nach junge» Männer« . .

„Wollen Sie wohl schweige», Herr Blank»«- Horn?" fuhr Karl drohend auf. Seine »ug«i blitzte», seine schmächtige Gestalt dehnte und streckte sich, al« er entschlossen vor dem breiten, masst» gebauten Manne sich anfstellte.

„Bemühe Dich gefälligst an Deine Arbeit znrück 1* mischte fich in gebietendem Tone der Later ein.

Schwer anfathmend folgte Karl der Weisung. Blankenhorn sandte ihm einen giftigen Blick nach, kicherte höhnisch, war aber klug genug, ans weitere» Hänsel» zu verzichte». „Was ist'« denn aber, wa» ich draußen hörte?" wanbte er sich an Armbrust«. „Deine Frau soll krank sein?"

„Ja", antwortete dieser ärgerlich. „Sie w« schon einige Zeit nicht recht bei der Sache; gerade jetzt, wo e« so viel zu thun gibt, legt sie sich hin."

„Weiber machen e« nie ander«*, versicherte Blankenhorn. „Meine Selige war accnrat so, und selbst die Schwester möchte fich gern solche Mätzchen erlauben. Da hilft nicht« al« ein Machtwort: Marsch an die Arbeit'! Da« habe ich der Ver­storbenen gesagt; da« bekommt Schwester Eresceaz auch zu hören."

Armbruster schüttelte den Kopf. „Bei ernst­licher Krankheit läßt fich das nicht durchführen."

Die Thür wurde mit hastigem Ruck geöffnet; Helene Armbruster trat ein. Sie war ein schlankes, hochzewachsenes Mädchen von ausgeprägt süd­ländischem Typ»». Die bräunliche Haarfarbe, die