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Julöa, Freitag, den 4. Januar 1901.
28. Jahrgang.
NrsS/.'r.t täglich, m.k.nrnah»kd«r Ssvo-nod Feier« tage. Lierteljährl. §»,a,,pr»i»
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•"SÄTSSSöff* mit Ilnlerhattungs-Aeikage „Issustrirte Somtags-Zettungi'
G Deutschland und Frankreich.
Als Kaiser Wilhelm bei seiner Nordland- reise im Jahre 1899 das französische Kadetten- schiff »Iphigenie" im Hafen der alten not» weaischen Stadt Bergen besuchte und die Offiziere des Schiffes zur Tafel an Bord seiner Nacht „Hohenzollern" lud, waren alle Zeitungen voll von Betrachtungen dieses Ereignisses, das ja freilich auch die Würdigung durchaus verdiente. Aber manche Leute knüpften für die Folgezeit allerlei Schlußfolgerungen an dieses Ereigniß an, von engem Anschlüsse beider Länder an einander, Bergeffen des Rachegedankens in Frankreich und dergleichen anderen schönen Dingen; und daraus ist natürlich nichts geworden. Die französische Regierung hatte nachträglich mehrfach Gelegenheit, zu erfahren, daß die Revanche, der Gedanke der Vergeltung für 1870/71, noch Anziehungskraft ausübt auf einen erheblichen Theil deZ französischen Volkes, und sie war genöthtgt, dieser Thatsache Rechnung zu tragen. Nichtsdestoweniger ist die erfreuliche Wahrheit nicht hinweg zu leugnen, daß das Verhältniß zwischen Deutschland und Frankreich fortgesetzt in der Befferung begriffen ist. Mit sehr lebhafter Betonung hat Fürst Münster, bisher deutscher Botschafter in Paris, darauf hingewieseu in einer Ansprache bei dem Abschiedsmahle, das die deutsche Kolonie in Paris in der Weihnachtswoche dem scheidenden Botschafter veranstaltete. Fürst Münster rühmte mit dankbaren Worten das große Entgegenkommen, das er stets bei der französischen Regierung gefunden habe und wies darauf hin, daß das Hauptverdienst an der Besserung der Beziehungen dem deutschen Kaiser gebühre. Man habe — so drückte sich Fürst Münster aus — in Frankreich eingesehen, daß der Kaiser nur jenen Ruhm erstrebe, der durch Werke des Friedens auf dem Gebiete der Arbeit errungen werden könne.
Man weiß, welchen vorzüglichen Eindruck in Paris und in ganz Frankreich die Liebenswürdigkeit des Kaisers hervorgebracht hat, die ihn veranlaßte, die Sammlung der Gemälde französischer Meister aus dem Nachlasse Friedrichs des Großen nach der Pariser Weltausstellung zu senden. Für solche Aufmerksamkeiten find die Franzosen sehr empfänglich, und die Beziehungen zwischen hüben und drüben sind gegenwärtig so gut, wie sie nur überhaupt sein können. Auch die lebhaften Anerkennungen, die ftanzösische Zeitungen anläßlich der Ausstellung dem deutschen Gewerbefleiße gezollt haben/ gehören in dieses Kapitel; und auf wirthschastlichem Gebiete benimmt man sich in Paris ebenfalls so liebenswürdig wie möglich. In einem rheinischen Blatte wurde in den letzten Tagen ein Fall erzählt, in dem die französische Zollbehörde einer deutschen Handelsfirma, die aus Versehen künstlichen als »atür- lichen Indigo angemeldet hatte, die fällige Zollstrafe von einer halben Million aus die Kleinigkeit von 3000 Franken ermäßigte.
Aber trotz alledem und alledem darf man auf diesen einzelnen Liebenswürdigkeiten keine politischen Hauser aufbauen. Eie könnten einstürzen über Nacht!
In b«u aiichkkea Gag«« iegiawes wir im Ieattketo« mit b«m AS-raeR des gschiatereffaate« It-maas „Aeaaoch «asmitrt»" von L. V. A«i»«gg.
□ Auf gefährlicher Hohe.
Novelle von 6mil Otte.
6 ------ (Nachdruck verboten.)
Unendlich lange kam Frau Hellbach die Reife von ein paar Stunden vor. Unzählige Male fragte ste ihre Mitreisenden, ob man noch nicht bald am Ziele wäre, bis sie einer an's Fenster führte, mu der Hand nach einem in der Ferne sichtbaren Häusermeere wirs und sagte:
»Seht Ihr dort, Frauchen? — In zwei Minuten sind wir an Ort und Stelle."
Eine fieberhafte Unruhe bemächtigte sich Ger- trübens. Sie blieb an der Thüre stehen und drückte den Korb, in dem das „viele Geld" war, fest an sich. Der Zug fuhr unter Getöse in eine gewaltige Halle ein, daß ihr Hören und Sehen verging. Sie wußte nicht, wie sie aus dem Wagen und aus dem Bahnhof kam, sie wußte nur, daß sie zwei Männer mit einem mit Koffern und Köfferchen Hoch beladenen Wagen fluchend vor sich her schoben, sie wußte nur, daß ihr zwei Schaffner zu gleicher Zeit schimpfend das Btllet abforderten. Draußen auf der Straße raste» ungezählte Wagen hm und her, rannten die Menschen zu Hunderten vorbei. Alles drehte sich chr vor den Augen. Zum Glück erblickte sie bald einen, wie ihn Pater AlfonS beschrieben, im blauen Rocke, mit silbernen Knöpfen und im Helme. Schüchtern trug ste ihm ihr Anliegen vor. Er sagte ihr, si? solle dort in den Wagen
Deutsche« N-'ch.
Berlin, den 3. Januar.
-4- Eine neue größere Bestellung auf Gewehre des Modells »8 hat wie die ,Schlef. Ztg/ meldet, das preußische Kriegs- Ministerium der Mauser'schen Fabrik in Oberndorf (Württemberg) übertragen. Die erste Rate davon ist kurz vor Weihnachten abgeliefert worden. Mit Erledigung des neuen Auftrages wird die Fabrik bei einem Stamm von etwa 1000 Arbeitern bis Oktober dieses Jahres be- schäftigt sein. An der Herstellung der neuen Waffe arbeiten außerdem noch die königlichen Gewehrfabriken in Spandau, Erfurt und Danzig, indeß auch nur mit beschrankten Betrieben. Die neuen, zu diesem Gewehr paffenden Seitengewehre werden in der Gewehrfabrik zu Erfurt, sowie in einiger, Privatfabriken hergestellt,
* De«1schl«»d ««d Marokko. Die Morddeutsche Allgemeine Zeitung' berichtet in ausführlicher Weise über die Erledigung der drei hauptsächlichsten Reklamationen, die Deutschland zur Sühne von an Deutschen verübten Gewalt- thätizkeiten an Marokko gestellt hatte, und bemerkt bann: „Von der dem kaiserlichen Gesandten entgegengebrachten freundlichen Gefinnung des Sultans von Marokko nehmen wir mit Befriedigung Akt und hoffen, den bei den Verhandlungen über die nunmehr beglichenen Streitfragen von uns ausgedrückten Wunsch nach Wiederherstellung ungetrübter Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und Marokko in Erfüllung gehen zu sehen."
* Im Ileichotago find bereits mehrere Fraktions- und Kommissionssitzungen nach Ablauf der Weihnachtsferien offiziell anbe- raumt worden. Die freisinnige und Deutsche Volkspartei wird am 7. Januar zusammentreten, die Deutsche ReichSpartei und die National- liberale» wollen am 8. d. M. vor Beginn der Plenarsitzung zu der an diesem Tage statt- findenden ersten Berathung des Gesetzentw. rfs, betreffend daS Urheberrecht an Werk? der Literatur und Tonkunst in Verbindung m;t der ersten Berathung des Gesetzentwurfes ;ir das Verlagsrecht Stellung nehmen. Von t i Kommissionen wird die VI. Kommission am iO. ds. MtS. die vor den Weihnacht« ferien beg nnene Berathung der Seemannsordnung fortsetzen, die Wahlprüfungskommiision am 8. weitere Wohle» prüfen und die VIII. Kommission die Berathung der zur Jusitzreform eingebrachten Initiativanträge beginnen. — Die Budgetkommission wird voraussichtlich am 9. Januar ihre Be- rathungen wieder aufnehmen und zunächst den Rest der Chinavorlage durchberathen. Vorher wird die Wahl eines'neuen Vorsitzenden statt- finden, wofür der konservative Abg. Gras Udo zu Stolberg-Wernigerode auSersehen ist.
* AiusHrSntlnug Mer Koksforder««s. Der Vorstand des Rheinisch-Westfälischen KokS- syndikats richtet das folgende Rundschreiben an seine Mitglieder: „In Folge der gänzlich ver- änderten Marktlage werden wir einer demnächst einzuberusenden Monatsoersammlung per Januar eine Einschränkung von 5 pCt. zur Beschlußfassung unterbreiten müsse«. Diese Mittheilung Will!!»"111!..................
steigen und die Straße nennen, da würde sie hingefahren und dort solle sie wieder einen im blauen Rocke mit silbernen Knöpfen fragen, der werde ihr das Haus zeigen. — Mit nicht ge» rixgem Gruseln stieg Gertrud in einen Wage«, der wirklich ganz allein lief und blieb regungslos fitzen, bis der Mann, „der das Geld nahm", sagte, jetzt wäre man in der Straße, in welche sie wolle. Bald sand sie auch einen im blauen Rocke mit silberner, Knöpfen, der ihr den Weg zeigte, daß sie gar nicht fehl gehen konnte.
Und jetzt stand ste vor einer GartenthÜre mit dem Schilde „Nr. 5". Zu anderer Zeit würde ste das schöne Haus angestaunt haben, in diesem Augenblicke aber beseelte sie nur ein Gedanke: sie kam zu ihrem Leo. Sie zog an der Klingel; denn die HauSthüre war geschloffen. Ein Mädchen in einer große», weißen Schürze öffnete und fragte nach dem begehren der Bäuerin.
„Ach, Fräulein, hier wohnt doch mein Leo, nicht wahr? — Wie geht es ihm denn jetzt?" sagte Gertrud mit Mühe die Thrünen zurück- haltend.
Das „Fräulein" machte große Augen und fragte nochmals:
„Was wollen Sie?"
„Zu meinem Sohne möchte ich, zu Lev Hellbach, der ist doch fo krank!"
„Waaas? — Herr Hellbach soll Ihr Sohn fein?"
„Ja, ich bin feine Mutter und bin von Spardorf hierher gekommen, weil er krank ist. Und ich möchte gern zu ihm!"
„Ei, da bin ich aber baff! Da muß ich mal Frau Gerstenberg rufen." j
machen wir Ihnen schon heute, damit Sie in der Sage find, gleich von Beginnides Monats Januar an diese Einschränkung eintreten zu lassen. — Die ,Freis. Ztg/ bemerkt dazu mit Recht: Diese Einschränkung der Kohlen- und Koksproduktion angesichts der grimmigen Kälte, welche seit dem 1. Januar eingetreten ist, und angesichts der hohen Kohlenpreise nimmt sich wie ein blutiger Hohn auf das frierende Publikum au5 und wird sicherlich nicht zur Beliebtheit der Syndikate bei« tragen.
* Weimar, 3. Jan. Der gestern Abend über das Befinden des Großherzogs von Sachsen-Weimar veröffentlichte KrankheitS- bericht lautet: Der heutige Tag ist für den Großherzog ohne Zwischenfall verlaufen. Die Temperatur betrug Abends 6 Uhr 37,8 Grad. Mehrmals einstündiger Schlaf. Puls noch schwach. Alhemzüge 30 bis 34. DaS Bulletin von heute früh 8 Uhr besagt: Dir Nacht ist gut verlausen und we"ig unterbrochen, kein Fieber. Die Körperk:äfte und die Herzthätigkeit heben sich recht langsam. Respiratorium. ist frei, die Ernährung läßt sich in ausreichender Weise durchführen. Neue Komplikationen sind nicht eingetreten.
* StullZart, 3. Jan. Der König von Württemberg hat, wie der .Staatsanzeiger für Württembergs meldet, den Grafen von Rechberg und Rothenlöwen zum Präsidenten der Kammer der Standesherren auf die Dauer der nächsten ordentlichen Landtagsperiode ernannt.
* MÄ«che«, 2. Jan. Landtagspräsident Dr. Orterer ist zu Neujahr nicht dekorirt worden. Man hatte, wie der ,Boyer. Courier' schreibt, eine OrdenSauSzeichnung für denselben schon nach Schluß der Landtagssession erwartet, da Herr Präsident Walter am Ende der ersten von ihm geleiteten Session geadelt wurde. Nachdem auch die Nerj'.hrsauSzeichnungen den jetzigen Landtagsprästder> - nicht getroffen haben, wird nach der Ursache ihr viel gefragt. Herr Dr. Orterer aber wi> > sich zu Köster« wiffen.
+ Loredo«, 3. Jan. Dem nunmehr auf britischem Boden angelangten Lord Roberts würbe ein glänzender Empfang bereitet. Zn seiner Begrüßung in Cowes hatten sich auch die Prinzessin Beatrice und der Herzog eon Connaught emgesunden. In Erwiderung auf mehrere Ansprachen sagte Roberts, er bedauere, daß seine Rückkehr nicht das Anzeichen unmittelbar bevorstehenden Friedens sei, wie er gehofft habe. Er habe Südafrika nur mit Widerstreben verlassen, habe aber unbedingtes Vertrauen zu General Kitchener, dessen Ausgabe ja wegen der Beweglichkeit des Feindes, der Ausdehnung und der Unfruchtbarkeit des Landes schwierig sei. Er hege bezüglich des Endergebnisses keine Furcht, wenn man dem Fei«de klar mache, daß England entschloffen ist, den Krieg zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Alsbald nach dem Empfang fuhr Roberts nach Schloß Os- borne. Dort wurde er von der Königin
Sie verschwand und gleich darauf kam eine bejahrte, stattliche Dame in schwarzem Kleide und ebensolcher Haube heraus.
„Herr Hrllbach wohnt bei mir," rief sie der Bäuerin entgegen, „hat das Mädchen recht verstanden —"
Sie hielt inne und betrachtete mit zweifelnden Blicken die Frau.
„O wie froh bin ich," sagte diese, und ihre Stimme zitterte vor Erregung und Sehnsucht, „daß mein Leo hier ist! Ach, liebe Frau, lassen Sie mich doch gleich zu ihm! — Hat er denn schon einmal nach mir gefragt?" fitzte sie leiser hinzu.
Frau Gerstenberg wußte nicht, was sie in dieser schier unbegreiflichen Sache thun sollte. — Die bäuerische Frau die Mutter des Künstlers? — Sie entschloß sich einfach, die Frau an das Krankenlager zu führen und dann das Weitere abzuwarten.
Bebend stieg Gertrud hinter ihr die breite, mit Teppichen belegte Treppe empor. Vor der Thüre zögerte ste einen Augenblick. — Wie würde sie Leo aufnehmen? — Da winkte schon Frau Gerstenberg, in das Zimmer zu kommen und wies mit der Hand auf eine zweite Thüre, durch die sie nun emtrate».
Die Vorhänge waren zugezogen, es herrschte Halbdunkel. Am Fenster saß eine Kranken- Wärterin und strickte. Bort in der Ecke stand ein Bett: Gertrud blickte hinüber: ein abgezehrter, vom Fieber geröthetes Gesicht mit geschloffenen Augen lag in den weißen Kiffen.
„Er lft stets im Fieber," flüsterte Frau Gerstenberg, „aber nicht immer so rnhig wie jetzt."
empfangen, die ihm die Earlswürde und den Hosenbandorden verlieh.
-fi Asm, 3. Jan. Der Argwohn, daß die italienische Regierung längst unterrichtet war von den schauerlichen Uebelständen in der Gemeindeverwaltung von Neapel, bevor sie gegen dieselben etwas unternahm, ist jetzt als richtig bestätigt. Die Regierung hat thatsächlich Kenntniß davon gehabt und ist nicht eingeschritten. Sie hat letztere» erst gethan, als ihr etwas Anderes zu thun nicht mehr übrig blieb. Scho» im Jahre 1892 machte der Senator Senise der Regierung Mittheilungen Über die geheimen Serbinbungen zwischen den Behörden von Neapel und den geheimen Gesellschaften mit allen ihren verdächtigen Elementen. Auch find damals schon Untersuchungen eingeleitet worden; aber sie verliefen im Sande, und dann kümmerte man sich nicht weiter um die Sache. Die Camorra erwies sich mächtiger als die Behörden von Neapel und das Ministerium zusammengenommen; die mehrfache Auflösung des GemeinderatheS von Neapel blieb ebenso vergeblich. Alle diese That- sachen erfährt man jetzt aus der italienischen Preffe, ohne daß das Ministerium etwa» Zugkräftiges dagegen sagen kann. „Die Regierung hat stets gewußt — so läßt sich die ehedem osfiziöse römische „Tribuna" vernehmen — daß in Neapel Fäulniß bestand. E« find dies alte und bekannte Dinge, die feit dreißig Jahren i« immer weitere Kreise drangen: der Aemterschacher und die Camorra .... Vergebens würde daS Ministerium Saracco diesen Mißständen in Neapel gegenüber seine Augen verschließen wollen . . Es ist so vieles faul im Staate Italien, daß man sich nur über Eines wundern muß, daß das neue Königreich Italien nicht bereits nach kurzem Bestände schon wieder zusammengebrochen ist. Und dieses Italien beschwert sich darüber, daß eS im Dreibunde keine führende Rolle spiele!
• Lisssöo«, 3. Jan. Gestern wurde bei Eröffnung der Cortes eine Thronrede verlesen, in der der König der engen Allianz zwischen Portugal und England gedenkt. Portugal sei während des Kampfes in Südafrika darauf bedacht gewesen, feine GouveränitätSrechte sicher zu stellen. Sodann beschäftigt sich die Thronrede mit der Finanzfrage. Die schwebende Schuld sei durch die aufeinander folgenden Defizitjahre gestiegen und der Papierumlauf habe bereits die äußerste Grenze erreicht; die Verpflichtungen der Gastfreundschaft hätten ebenfalls die Schuldenlast erhöht. Die allgemeine wirthschastliche Sage der Nation habe sich ja beständig gehoben, aber das Budget balancire nicht und noch weniger das lausende Rechnungsjahr. Der hohe Stand des Goldagios bringe schwere Saften mit sich. Die Staatsverwaltung dürfe keine Verpflichtungen eiwgeben und keine Ausgaben genehmigen, die die Hilfsquellen des Staatsschatzes nicht leisten könnten, und das ganze Finanzwesen müffe vereinfacht werden.
Dndapsfl, 3. Jan. Welch exotische Blüthen in Oesterreich'Ungarn das Babelthum zeitigt, zeigt eine Verordnung des ungarischen Ministeriums des Innern, wonach die ungarischen Polizeibehörden angewiesen werden
Die 3Jhttter trat langsam und leise näher, nun stand sie neben dem Bette. Da sank sie in die Kniee und schluchzte: „Ach, mein Seo!"
Er regte sich nicht.
Die Hauswnthin an der Thüre trocknete sich mit dem Taschentuche die Augen und dachte bei sich':
„Ja, das ist seine Mutter, ohne Zweifel!"
Schon seit acht Tage« hatte die Mutter die Pflege Seo's, der noch keinen lichten Augenblick gehabt hatte, allein in Händen. Nur wenn sie Frau Gerstenberger nöthigte, doch tagsüber etwas zu ruhen, ließ sie dieselbe kurze Zeit an ihren Posten treten. Aber in das Zimmer, welches ihr die HauSwirthin zur Verfügung stellte, ging sie beileibe nicht. Sie mußte dem Kranken nahe sein nnb nickte nur nebenan in seinem Arbeitszimmer in dem rothen Sessel ein wenig ein und die berühmten Männer mögen von ihren Säulen nicht weniger erstaunt auf die schlafende Bäuerin gesehen haben, als die Künstlerinnen und Künstler vom Klavier, auf dem bunt durcheinander Photographien standen. Vergeblich suchte Gertrud darunter ihr Bild; sie hatte sich doch auch vor langer Zeit mit „ihrem Sekgen abnehmen lassen". Ebenso vergeblich hoffte sie, Seo werde in seinen Fieberphantasten einmal die Mutter ober irgend eiroa-5, das cm die Heimath erinnerte, erwähnen; immer nur sprach er vom Singen, von Beifall und Kränzen ober rief auch klagend: „Meine Stimme, meine Stimme I — Doktor, Sie lägen, — ich muß singen. O, meine Stimme!"
Im Saufe der Woche war auch Professor Ebert anz? kommen. Erschüttert stand er am Lager seines Lieblings. Leo war gerade in