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JVi 1.
[] Der Papst und der bevorstehende Kulturkampf in Frankreich.
Die französische Regierung hat wiederholt den ziemlich albernen Versuch gemacht, die Franzosen und die katholische Welt über die Stellung zu täuschen, die der französtsche Episkopat und der Vatikan zu den Maßregeln einnehmen, die man gegen die katholischen Ord.nsgenoffenschasten und gegen die von ihnen geleiteten Schulen im Schilde führt. Mehrfach konnte man in französischen Regierungsblättern lesen und eS von französischen Ministern auS. sprechen hören, daß die Bischöfe und der Vatikan schwerlich große Sorge um diese Ordensgenossenschaften an den Tag legen würden; indessen ist kaum anzunehmev, daß die Herren selbst glaubten, was sie sagten. Und wenn sie es wirklich glaubten, so hätten fie damit eine Unkrnntniß der that- sächlichen Verhältnisse an den Tag gelegt, die mindestens erstaunlich genannt werden müßte. Jetzt wird die katholische Welt durch Kundgebungen des heiligen VaterS selbst über die Stellung aufgeklärt, die der Vatikan zu diesen Dingen einnimmt: wem es noch zweifelhaft sein konnte, der weiß jetzt, daß der Vatikan ganz entschieden für die bedrohten Orden und für die Rechte der von ihnen geleiteten Schulen und gegen die Gesetzentwürfe der französischen Regierung eintritt, mit denen den Orden ohne jegliche Veranlassung auf einmal die Rechte entzogen werden sollen, die sie bisher in Frankreich hatten.
Allem Anscheine nach ist bereits ein großartiger Feldzug gegen die ordenkfeindüchen Gesetze vorbereitet. Der Papst hat in einem Schreiben an den höchsten französischen Kirchenfürsten, den Erzbischof von Paris, die Verdienste der Ordrnsgenoffenschasten hervorgehoden und hat gleichzeitig darjelhan, daß die geplanten Gesetze eine unmittelbare Verletzung der Konkordate sind, der StaatSvereinbarungen über die Stellung und über die Rechte der Kirche in Frankreich. Zum Schluffe hat der heilig' Vater dir französischen Bischöfe ermähnt, die Rechte und Jutereffen der Kirche in Frankreich gegen das vertragswidrige Eingreifen der Regierung z« schütze». Außerdem aber hat der Papst die französische Regierung an einen Punkt erinnert, in beet sie schwach ist: an dass vielfach schon besprochene französische Protektorat über die Katholiken Im Orient.
Man glaubte,Frankreich kümmere sich nicht mehr sonderlich um diese- Protektorat, das noch auS her Zeit der französische« Könige stammt. Aber man mußte sich vom Segenttzeil überzeugen, als Deutschland in Ostafien festen Faß faßte. Da auf einmal erinnerte man sich de» allen Vorrechtes, und gleichzrtti- entfaltete die nationale Eifersucht ihre Schwingen. Die Franzosen wollten sich die Schutzherrschaft auf keinen Fall nehmen kaffen, am allerwenigsten von den Deutschen. Der Papst hat sich durch die alten VereiubMAvgen für gebunden erachtet und hat in der Protelloral-frage die französischen Vorrechte auerkannt; er hat sogar die Ernennung eines «postalischen Delegaten für Peking
Iulöcr, Mittwoch, den 2. Januar 1901
llBLIOTUEC/t!
Jahrgang.
Deutsches Deich.
Berlin, den 31. Dezember.
• Die preußische Kanakearkage befindet sich nach der Andeutung eine» Offiziösen roch im königlichen Kabinet. Die königliche Genehmigung
da» jedenfalls mit Recht. Es könnew^a solche' Verhandlungen gar nicht stattfinden, bendr-nicht- die zuständigen Körperschaften innerhalb der Staaten selbst gesprochen haben, in Deutschland also der Bundesbath und der Reichstag.
+ Der neue Zokktaris soll nach den Absichten der Regierung noch in der laufenden Tagung dem Reichstage vorgeleqt werden. Es fragt sich nur, ob diese gegenwärtig vorhandene Absicht werde ausgeführt werden können; denn zunächst scheint vollkommene Unklarheit darüber zu herrschen, wie lange etwa der Bundesrath mit dem Entwürfe sich beschäftigen werde. Die Einzelstaaten wollen den Entwurf natürlich ganz genau sich ansehen, bevor er an den Reichstag gelangt; und von dem früheren Gedanken, daß alle d?°se Vorstufen der Entwickelung im Laufe des Monats Januar erledigt werden kö«ntev, scheint man schon vollkommen abgekommen zu sein. Möglicherweise kann sogar der Monat März herankommen, bis der Zolltarif - entwurf dem Bundesrat he zugehen kann; und dann ntrb man anzunehmen haben, daß der Entwurf im Reichstage nicht vor dem Monat Mai eingebracht werden wird. Nachher würde der Reichstag unmöglich noch den Zolltarif fertig brrathen können; vielmehr müßte alsdann der Reichstag «ach beendeter erster Lesung des Gesetzentwurfes und Einsetzung einer Kommission bis zum Herbste vertagt, und nachher könnten erst die zweite und dritte Lesung vorgenommen werde«. Von einigen Seiten wird empfohlen, die ganze Aktion für eine früh? Herbsttagung des Reichstages auszusparen. Eine Entscheidung darüber ist jedenfalls noch nicht getroffen.
+ Die Aesiech««-» Hrkder derDeveer's- Kompasy möchten gewisse Leute gern auS der Welt leugnen und schimpfen. Aber ganz augenscheinlich sind sie eben doch da und in der bereits angeführten Weise in Deutschland gezahlt worden. Dr. Ei man, Vertreter der,Leipz.Nruest.Nachr.' in Berlin, tritt persönlich für die Wahrheit der von ihm gemachten Mittheilungen in die Schranken und fordert auf, ihn gerichtlich zu belangen; er werde dann durch Zeugen den Beweis der Wahrheit antreten. DaS kann ja noch sehr inter- effant werden!
X Kl« «verschkefisches KotzkensyietziKet ist im Werden, «n dem auch der Staat al« großer Bergwerktbesitzer in Oberschlesien sich be- theiliaen will — so ist in diesen Tagen berichtet und gleichzeitig hinzugefügt worden, daß „der Endzweck dieser völligen Umgestaltung de» oberschlesischen Kohlengeschäftes die Aufhebung de« Monopols weniger Großhändler sein solle". Die Aufhebung diese« Monopol« könnte man nur mit Freude begrüßen, denn ea wiro, wie sattsam bekannt, in äußerst unverfrorener Art und Weise
aus Rücksicht auf die französischen Ansprüche abgeschlagen. Aber nun verlangt der Papst natürlich auch, daß die französtsche Regierung ihrerseits bestehende Verträge und Vereinbarungen achte; oder aber der Vatikan wird sich von allen Verpflichtungen Frankreich gegenüber frei fühlen. Deutschland würde an Stelle Frankreichs die Schutzherrschaft über die Christen im Orient recht gern übernehmen, das weiß alle Welt. Und wenn auch die Herren Waldeck - Rouffeau und seine radikalen und sozialdemokratischen Ministerkollegen selbst vielleicht weniger Werth legen auf die Erhaltung dieser Schutzherrschaft als eine» frauzöfischrn Vorrechtes, so ist man draußen im Lande sicherlich anderer Ansicht darüber. Sehr viele Franzosen, die jetzt dem Ministerium Waldeck-Rousseau zugethan sind, würden es nicht verstehen und nicht billigen, wenn dieses das orientalische Protektorat als ein nebensächliches Ding behandeln wollte, das man ganz gut a« Deutschland ad trete« könnte. Das ist also eine gute Waffe gegen die Pariser Re- gieru«g.
Nochmals sei bei dieser Gelegenheit daran erinnert, wa- der herrschende Radikalismus in Frankreich eigentlich will: sämmtlichen Ordensgemeinschaften will er das Fortbestehen in Frankreich unmöglich machen, sämmtlichen ohne Unterschied, sowohl Kongrepationrn im kirchlichen Sinne, als auch eigentlichen Orden. „Orden" und „Klöster" -,ls solche find in Frankreich gesetzlich gar nicht anerkannt; man faßt daS alles zusammen unter dem Sammklnamen „Kongregationen", worunter also nicht nur „Kongregationen" im kirchlichen Sinne zu verstehen find. Nach dem von der französischen Regierung geplanten „Vereinsgesetz" müßten sich alle Kongregationen als „Vereine" aufthun, und als solche würden sie dann alle einzeln der Grneh-nigung der Regierung bedürfen. Die Regierung braucht aber keinen Verein zu gestatten, der unter einem auswärtigen Obern steht, — man firht schon, worauf die ganze Sache hinausläuft! Uab man versteht sie ganz, roexa man gleichzeitig erfährt, d«ß nach dem ge- vlanftn Gesetze das Vermögen ausgelöster Vereine dem Staate anheimfällt.
Der Nuntius in Paris macht, wie berichtet wird, noch einen Versuch, den Gesetzentwurf ab- zumilder«. Aber die Aussicht auf Erfolg ist sicherlich sehr schwach.
Anslarrd.
* Antwerpen, 1. Jan. Der Hafenarbeiterausstand dauert noch fort, doch nimmt die Zahl der Streikenden fortgesetzt ab und auch der Zuzug auswärtiger Arbeiter ist nicht unterbrochen. Am SamStag wurde auf 24 von 27 am Quai liegenden Dampfern gearbeitet, doch ruhte die Arbeit auf 18 von 26 in den Docks liegenden Fahrzeugen. Am Montag hat der AuS- stand plötzlich wiederum eine Verschärfung er- fabren. Dre mehrere tausend Mitglied-'- zählende unabhängige Vereinigung Der Auölader hat in einem Manifest angekündigt, daß 14 000 orgaui- strte Arbeiter entschloffrn feien, de« AuSstand fortzusetzen, bis die Forderungen der Ausständigen erfüllt sind.
+ Wie«, 1. Jan Nach einer Meldung der .Neuen Freien Presst aus Hermannstadt werden von englischer Seite in dem Siebenbürger Comitat Freiwillige für Transvaal angeworben. Jeder Angeworbene erhält 800 Gulden Handgeld.
G Asm, 1. Jan. Der Senat hat sich am Samstag nach Beendigung der Budgetberathung
nuilmt. „Nur sehr bedingte Sympathie" wird '„oer Idee eines solchen Kohlensyndikats mit der fiskalischen Grubenbetheiligung von der Industrie entgegengebracht" — so schreiben die großindustriellen ,Berliner Neuesten Nachrichten'. Man fürchtet den Fiskus als Theilnehmer, der unter Umständen „ein erdrückendes Uebergewicht" ausüben könnte; in klarem Deutsch ausgedrückt: man fürchtet, in den Machenschaften gestört zu werden, die einzig und allein auf immer größeren Gewinn der Unternehmer hinarbeiten, ohne die Interessen der Verbraucher auch nur mit einem Gedanken zu berücksichtigen. Und dabei weiß Jedermann, wie außerordentlich rücksichtsvoll die Regierung die Syndikate behandelt! Aber die Unternehmer fürchten sich davor, nicht mehr ganz allein zu fein — ei» neuer Beweis dafür, wie nothwendig es ist, die Herren Syndikatleute überall ein wenig zu stören in ihrer gewinnreichen Abgeschlossenheit und ihre Geschäftspraxis überall ein wenig unter die Lupe zu nehmen 1
* München, 31. Dez. Nach dm ,Neuest. Nachr/ ist in dem Befinden des Königs Otto auch in neuester Zeit keinerlei Aenderung eingetreten. Der Patient leidet stets an den gleichen Halluc'mationen und scheut vor allem jede Vorwärtsbewegung. Kräftezustand, Appetit und Nachtruhen sind dagegen zufriedenstellend und laffen zum mindesten keine Verschlimmerung des körperlichen Befindens wahrnehmen. Der Pflege deS Königs wird eine ununterbrochene, bis ins kleinste gehende Aufmerksamkeit zuxemendet.
zur Eindringung der Vorlage ist danach also noch nicht ertheilt, wird aber bestimmt sehr bald er» theilt werden, wie dieselbe halbamtliche Feder versichert.
fc Die gttRönffitea Iemdek Verträge sollten angeblich bereit« den Gegenstand von Vor- besprechungm zwischen den Dreibundmächten abgegeben haben. Die Nachricht wird von Wiener und Berliner Offiziösen al« falsch bezeichnet, und
aurgenützt zum Schaden derjenigen Leute, die Kohlen verbrauchen. Nur ist nicht recht einzusehen, warum man erst ein Syndikat gründen muß, um diesen löblichen Zweck zu erreichen. Warum verweigern denn nicht ganz einfach die staatlichen Kohlenbergwerke diesen monopolistischen Großhändlern die fernere Abgabe von Kohlen? E« ist nicht ohne Interesse, zu beobachten, wie die Presse der industriellen Großunternehmer die Sache auf-
auf unbestimmte Zeit vertagt.
G Monte K«rko, 1. Jan. Der Fürst von Monaco hat sich von seiner Frau geb. Heine, der Wittwe de» Herzog« von Richelieu, scheiden laffen.
• Madrid, 1. Jan. In der Provinz Granada fanden am Sosntaq aus Anlaß einer Wahl in Vivar blutige Zusammenstöße statt. Zwei Personen wurden geröstet, elf verletzt.
n Ans gefährlicher Höhe.
Novelle von Smil Otte.
4 ------ (Nachdruck verboten.)
Ja der Stadt angekommen fragte fie schüchtern einen von denen, die da zu Haufen am Bahnhofe herumliefe«:
„Könnt Ihr mir nicht sagen, wie ich am ehesten den Lro Hellbach, den Sänger, zu sehen bekomme?"
„Was, wie, wer? — Der Sänger?" Er lachte aus vollem Halse über die sonderbare, ihm unverständliche Frage. Ein Herr mit goldenen Knöpfen am Rocke ging vorüber und rief:
»Nun, wo» gibt'« zu lachen? Hat die Frau ein Anliegen?"
Gertrud wiederholte ihm ihre Frage und auch ihn belustigte dieselbe:
„Na, und drum kommt Ihr Gott weiß woher gereist? Da will ich Euch was sagen: Wenn Ihr heute Abend in den Kafinosaal geht, könnt Ihr ihn sehm. Ihr müßt aber erst eine Karte tagsüber kaufen, die kostet drei Mark. — Be- trachtet Euch de« Herrn aber genau!"
Immer «och lachend ließen die beiden die Bäuerin stehe«. Die ging nun zuerst in die Kirche, von der Predigt wußte fie aber nachher kein Sterbenswörtchen. Dann suchte sie mit großer Mühe den Saal, „wo der Sänger heute sang"; denn „Kafinosaal" war ihr ganz entschwunden. Endlich, endlich war fie im Besitze einer Karte, die fie wie ein kostbarer Kleinod in ihrer Tasche verbarg. Sie wußte nichts
Besseres zu thu«, als wieder in die Kirche zu gehen, bis de; Äbrnd kam. —
Scho« viel zu früh stand Gertrud ax der Saaltbüre, von de« Bediensteten erstaunt gemustert. Als sich die Pforten öffneten, wurde eS ihr ganz beklommen; zaghaft auf den Fußspitzen ging sie hinein. ES kam ihr eine leise Ahnung, wie eS ehemals im Paradiese auSgesehen haben mochte, da fie umherblickre; dagegen »ar ja die Wohnung deS lieben Heilandes im Buchenwälder Dome nichts, viel weniger die Kirche in Grafenfeld und am Heilizenberge. Und in solcher Herrlichkeit war ihr Leo immer!
Lange saß sie schon auf ihrem Stuhle, als der Raum sich allmählich zu füllen begann. Man betrachtete aus's Höchste erstaunt die Bäuerin mitte» im Konzertsaale und diese schaute mit nicht geringerer Verwunderung um sich. Diese vornehmen Herren, diese Damen in Sammt und Seide waren gewiß lautet Grafen und Prinzessinnen ober zum mindesten Millionäre. Und vor ast' denen sollte ihr Leo singen! —
Ein ausgezeichneter Pianist betrat das Podium und daS Vorspiel wurde sehr beifällig ausgenommen. Gertrud dachte: der ist aus der Thüre dort gekommen und da heraus muß auch mein Leo kommen, und fie verwandte kein Auge mehr von der ThÜre.
Der Pianist schloß fein Spiel und die ThÜre öffnete sich. Stürmisch wurde der Künstler begrüßt, der sich stolz und selbstbewußt lächelnd verneigte.
Dte Mutter erfüllte nur noch ein Gedanke: ihr Leo, ihr Kind! Sie vergaß alles um sich, beinahe wäre fie ihm jubelnd entgegengeeilt. Sie
war aus gefahren und wurde nun von den Nachbarn mit einigen ärgerliche« Worten angewiesen, sich zu fftzen- Weitvor^eneigt schaute fie auf daS Podium und lauschte zitternd vor Erregung dem Sohne.
Wie überall, so steigerte sich auch hier der Beifall mit jedem Bortrage und erreichte seinen Höhepunkt nach dem letzten Siebe des ersten Theiles. Der Künstler schien es mit besonderer Hingabe und Begeisterung zu singe«, seine tiefste, leidenschaftlichste Empfindung legte er in dieses Sieb u«b seine feurige« Bewegungen, fei« Mienenspiel mußten de« Eindruck noch verstärken. Im ganzen Saale regte fich nichts, als er sang:
.Einsam und liebeltet,
Schleppend die Schuld, so schwer, Klager nach dir mein Herz;
Doch du bleibst fern!
Einstmal« in frevlem Muth
Floh ich die treue Hut, Jetzt nagt der Reue Schmerz; Doch du bleibst fern!
Sehnsuchtsvoll «eine ich, Nenne im Seufzen dich: Höre mich, Mmterherz! Sch, du bleibst fern!"
Die innere Bewegung der Mutter war stärker alS ihre äußere Selbstbeherrschung; fie schluchzte unterdrückt bei dem Siebe und jetzt hätte fie au«» rufen mögen:
„Mein Kind, ich bin Dir so nahe!"
D'e Umgebung war Über die störende Bäuerin sehr aufgebracht und verlangte ihre Entfernung. Ach, fie wußten nicht, daß fie son dem Mutter- Herzen, dem einzig die Reue, die Sehnsucht, die Thranen gelten konnten, Schweigen und Ruhe verlangten.
Gertrud stand auf; fie wollte und mußte jetzt suchen, zu ihrem Leo zu komme«. Es war ihr bann vielleicht noq möglich, den letzten Zug nach Grafenfeld zu erreichen, und das wäre doch gut gewesen.
Der Kellner, der ihr auf Befragen das Zimmer gezeigt hatte, in welchem sie Herrn Hrllbach finden würde, sah ihr starr nach und murmelte:
„Na, waS daS zu bedeuten hat!"
Auf Gertrud'S zages Klopfen an der angegebenen Thüre rief niemaNd, fo trat sie denn leise ein. Am Fenster dort standen drei Herren in eifrigem Gespräch — und der mit dem Rücken nach der Thüre zu stand, daS war er, — ja, das war er! Sich mühsam zurückhaltend ging sie unbemerkt hinter ihn. Einer der beiden anderen sagte gerade:
„Ja, sofort ohne Probe! Und ich bin bereit, jedes Angebot zu übertreffen, so wahr ich Kraal heiße!" Da legte sie die zitternde Hand auf den Arm ihres Einzigen und ries mit erstickter Stimme:
„Seo, mein Seo/
Er fuhr herum und blickte in ihr durchfurchtes, unter Thräne« lächelndes, treues Gesicht; er erblaßte und trat einen Schritt zurück. Die beiden Herren sahen erstaunt von dem Künstler zur Bäuerin und von der Bäuerin zum Künstler. Einige Augenblicke war Todtevstille im Zimmer; das Summen und Murmeln drang aus dem Saale herüber.
Hellbach wurde abwechselnd bleich und roth, er zerknitterte ein Notenblatt in der Hand, die Brust hob und senkte sich schnell, der Augen waren wie verglast zu Boden gericht seinen verstörten Zügen spiegelte