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Fuldaer
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mit Auterhallungr-Mlase .Lllustrirle Somtags-Mungi'
27. Jahrgang.
Iul-a, Samstag, dm 29. Dezember 1900.
M 298.
Burenkriege and für die Einsetzung eines internationalen Schiedsgerichtes eingebracht hatte. Der Antrag i 't abgelehnt worden, schon aus dem Grunde, weil das Parlament eines einzelnen nicht berufen ist, über solche Gegenstände zu entscheiden. Man muß aller- rings anerkennen, daß die Abstimmung Stimmengleichheit ergab. Es stimmten gegen den Antrag das Eentrum und der größte Theil der Nationalliberalen, dafür die Sozialdemokraten, Antisemiten und einige andere Mitglieder der Kammer. Die Stimme des Präsidenten gab den Ausschlag gegen den Andcag. Die Vertreter der hessischen Regierung haben sich zu dem Anträge gar nicht geäußert, sondern vor dem Eintritte in die Berathung desselben den Sitzungssaal verlassen. Auffällig ist daS Eintreten der hessischen Sozialdemokraten für den Antrag; es widerspricht den Anschauungen, die Herr Bebel im Reichstage
Erlaß an Rom und den Erdkreis.
Für die ganze erlöste Menschheit auf dem Erdenrund geziemt es sich durchaus, das Ende des schon zur Neige gehenden Jahrhunderts und den Beginn des neuanbrechenden in feierlicher Weise Christo Jesu dem Könige der Ewigkeit, zu weihen; einerseits, um ihm Dank zu sagen für die, besonders im verfloffenen Jahrhundert, von ihm empfangenen Wohlthateu, andererseits, damit Er in seiner Barmherzigkeit und Güte in den so mißlichen Zeitverhältniflen noch wirksamere Gnaden zu Theil werden lasse und für einen glücklichen Beginn des neuen Jahrhunderts. _ „
Das beabsichtigte unser hl. Vater, Papst Leo XIII., als er im vorigen Jahre durch Dekret der heil. Ritenkongregation vom 13. November erlaubte, daß auch mit Beginn des Januar 1901 zur Mitternachtsstunde in den Kirchen und Kapellen das allerheiligste Sakrament zur Anbetung ausgesetzt werde, mit der Ermächtigung, daß zur selben Stunde vor demselben eine hl. Messe vom Feste der Beschneidung des Herrn und der Oktav von Weihnachten gelesen oder gesungen werde. Auch gestattete er den Gläubigen aus besonderer Gnade, sei es während, sei es «ach der hl. Messe, die heilige Kommunion zu empfangen.
Der hl. Vater erwog nun, durch welch neues Mittel er bei diesem feierlichen Anlaff« den Glaubenseifer der Gläubigen noch mehr anregen könnte. Da gelangte der Wunsch mehrerer Kirchenfürsten und frommer Genoffen- schäften zu seiner Kenntniß, die Gläubigen möchten mit der Aussicht auf de» reichen geistigen Schatz der Ablässe von allen Beiten zur Anbetung des hochheiligen Sakramentes ein- geladen werden, damit sie sich bestrebten, die dem Heila»de zugesügten Unbilden wieder gut zu machen und sich selbst mit Seinem süßesten Herzen inniger zu vereinen.
Dieser Wunsch entsprach voll und ganz der Absicht des Heiligen Vaters, und darum hat er gütig gewährt, daß alle Christgläubigen einen vollkommenen Ablaß gewinnen könne«, wenn sie nach würdigem Empfange der heiligen Gabm- mente der Buße und deS Altares in den Kirchen und Kapellen, wo das Hochwürdigste Gut aufbewahrt wird, vor dem zur öffentlichen Anbetung auSgesetzten Allerheiligsten in der Zeit von Mitternacht des 31. Dezember bis zum Mittage des 1. Januar eine ganze von ihnen frei zu wählende Stunde dem Gebete obliegen und auch nach der Meinung Seiner Heiligkeit beten.
Wie lange das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt bleiben soll, überläßt Seine Heiligkeit dem klugen Ermesse« der Ordinarien; nur muß die Aussetzung innerhalb der angegebenen 12 Stunden stattfinden.
Alle entgegrnstehenden Verordnungen werden aufgehoben.
Den 16. November 1900.
S. Card. Cretoni, Präfekt der hl. Ablaß-und Reliquien-Kongregation. Franziskus Sogaro,
Erzbischof von Amida, Sekretär.
Kongostaates erhoben, und diese ist genöthrgt, eme bewaffnete Expedition gegen die Empörer auszusenden. Wahrscheinlich haben die Unruhen ihren Grund m Hetzereien der verschiedenen Handelsgesellschaften gegen einander — ein neuer Fingerzeig für die deutsche Regierung recht vorsichtig mit der Gestattung solcher Gesellschaften in den deutschen Schutzgebieten zu sem!
Sie zog ein Blatt hervor, und zu ihrem Schrecken sah sir beu Text des Volksliedes vor sich: „Es ist bestimmt in Gottes Ratb, daß man vom Llrb- sten, was man hat, muß scheiden."
Aergerlich war ihr das wohl, aber sie mußte ihr Wort einlösen, und so sang sie denn mit milder, wunderlieblrcher Stimme das alte, schöne Lied. Für einen Augenblick legte es sich wie eine trübe Ahnung auf die Anwesenden, doch verstand es ein witziger Herr, die ernfte Stimmung bald wieder zu verdrängen, und neuer Gesang und neues Gläserklingen verscheuchten bald vollständig die Wolken der Sorgen.
Nur Frau Schönau selbst konnte ihre Heiterkeit nicht wiedersinden. Was war ihr denn eigentlich das Liebste auf der Welt? Von wem wäre ihr das Scheiden so schwer geworden? Eine unsagbare Trauer füllte plötzlich ihre Seele. Sie zog sich bis nahe zur Thür zurück, um bald nach Hause zu fahren. Plötzlich hörte sie eine leise Stimme neben sich: „Gnädige Frau verzeihen, soeben ist ein Bote für Sie angekommen. Der Diener wartet draußen, er sagt, Ihr kleines Söhnchen sei plötzlich erkrankt."
„Ich komme gleich", gab sie bestürzt zur Antwort.
DaS Söhnchen war ein zartes Kind, es kränkelte oft. Doch jetzt überkam sie eine ängstliche Sorge. Sie suchte ihren Gatten auf, der sich lebhaft in einer Grupps unterhielt.
„Hans ist krank geworden, Rudolf; wir werds» besser nach Haufe fahren."
beim Gedanken an einen möglichen Verlust, und ihre Seele schrie auf: „Strafe mich nicht so fürchterlich, mein Gott!"
Mit athemloser Geschwindigkeit flog fie du Treppen hinauf in das Schlafzimmer des Kindes. Schon von Weitem hörte sie ein heiseres Weiuev und Röcheln. Das Kind saß mit hochgeröthetem Gesichte in seinen Kiffen und streckte beide Arme nach ihr aus.
„Mama, ich muß ersticken."
Die Wärterin stand rathlos; sie war eine gutmüthige aber dumme Person, die leicht den Kopf verlor.
„Haben Sie zum Arzt geschickt?"
„Nein, ich dachte, es sei nicht von Belang."
Ein Schrei der Angst entrang sich den Lippen der Mutter. ,
„Soffen Sie sofort einen Arzt holen, es ist höchste Gefahr." ,
Das Kind klammerte sich weinend um ihren Hals, Schutz und Hilfe bei ihr suchend und mit heißem Äthem flüsternd: „Mama — liebe, süße Mama!"
Sie umschlang das zarte Körperchen mit beiden Armen. Plötzlich war sie nicht mehr die blafirte Gesellschaftsdame, die vornehme, gefeierte Frau, fie war nun ein armes Weib, das um sein Kind zittert und Gott auf den Knieen um das Leben bittet, das ihr mehr scheint als das eigene Leben.
Das Leiden und die Erstickungsnoth deS
Sylvester - Abend.
Im Hause des Kaufmanns Reichenheim war in der Sylvesternacht eine glänzende, fröhliche Gesellschaft zusammen, die unter Tanzen, Lachen und Gläserklirren den ersten Glockenschlog des neuen Jahres erwartete. Der Wein hatte den Uebermuch und die tolle Laune der Gesellschaft geweckt. Mebr oder minder leichtfertig« Scherze flogen in dem gemischten Kreise hin- und herüber, und mit zweideutigen Anspielungen und Bemerkungen hielt der Leichtsinn nicht hinter dem Berge. Die Gepriesene des Abends war Frau Sthönau, eine Dame, die durch ihre Schönheit wie durch ihr geistreiches Plaudern und chre musikalrsche Befähigung die ganze Gesellschaft entzückte. Seit vier Jahren war fie mit eisern reichen Manne verheirathet, dem fie zwar zuaethan war, aber ihn zu wenig liebte, um seinetwegen daS stille Familienleben dem der Welt und der öffentlichen Gesellschaft vorzuziehen. Nach wie vor blieb ihr dieser Verkehr die Hauptsache und d«S Haus und die Familie wurde vergessen, wenn die Wogen der Schmeichelei und der Bewunderung sie hier umrauschten.
Eben hatte sie am Klavier ein Lied unter vielem Beifall zu Erioe gesungen, als sie auf das Verlangen nach einer Zugabe die Bemerkung machte, fie wolle blindlings aus dem Notenhause« etwas herausgreisen und sehen, ob's nicht Bedeutung habe für's neue Jahr.
Wochen-Wunöscharr.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 29. Dezember.
Die Christenheit beging das hochheilige Weihnachtsfest. Die Politik ist hinter diesem zurückgetreten — Friede auf Erden! So ganz hat das himmlische Wort seine Wirkung noch nicht verloren, trotz der Abwendung eines großen TheiteS deffen, was sich Christenheit nennt, vom Christenthum.
Das wichtigste politische Ereigniß ist die endlich erzielte Einigung der Mächte in der Behandlung der chinesischen Frage. Am 19. Dez. haben alle Gesandte der Mächte in Peking eine Versammlung abgehalten, und in dieser ist die lange ersehnte Uebereinstimmung in den Ansichten erzielt worden. Die von England besonders beantragte Aenderung des ersten Entwurfes der diplomatischen Kundgebung ist angenommen worden; danach sollen Peking und die ganze Provinz Petschili so lange besetzt bleiben, bis China den Forderungen der Mächte sich gefügt haben wird. Am 24. Dezember ist die Kundgebung, unterzeichnet von den diplomatischen Vertretern aller Mächte ohne Ausnahme, der chinesischen Regierung überreicht worden. Der Vertreter Spaniens hat als der Aeltere unter den Diplomaten diese Handlung vollzogen; in einer verabredeten Aussprache hat er dabei den chinesischen Interhändlern .die Erwartung der Mächte ausge- prochen, daß die Note sehr bald von China beantwortet werden würde. Die Forderungen der Mächte find nach zwölf verschiedenen Punkten geordnet, die als unwiderrufliche Bedingungen bezeichnet werden. Für Deutschland ist davon namentlich der erste Punkt intereffant: Danach soll ei« kaiserlich chinesischer Prinz nach Berlin kommen und das Bedauern des Kaffers Kwangsü über die Ermordung des deutschen Gesandten zum Ausdrucke bringen. Des Kaisers Bedauern soll auch in lateinischer, deutscher und chinesischer Sprache auf einem Denkmal eingegraben werden, das auf des Freiherrn von Ketteler Mordstätte zu errichten ist. Im übrige« unterscheidet sich die nunmehr unterzeichnete Kundgebung von dem ersten Entwürfe derselben hauptsächlich dadurch, daß nicht mehr ausdrücklich die Todesstrafe für die Hauptschuldigen verlangt, sondern nur die „allerschwerste Strafe" gefordert wird. Natürlich ist auch sehr genau in der Note bestimmt, was die Chinesen an Entschädigungen in Geld leisten sollen; nun bleibt, auch nach r »nähme der Bedingungen durch die Chinesen, noch ü> rig, daß auSr ei chende Bürgschaften geschaffen »erben für die Einhaltung dieser Bedingungen. Im allgr »einen kann man mit dieser letzteren wohl zuftieden sein — vorausgesetzt eben, daß sie auch wirklich eingehalten werden.
Für den Reichskanzler Grafen Bülow sind die letzten Tage wirklich mit Ordensauszeichnungen gesegnet gewesen. Graf Bülow machte, wie bekannt, vor dem Feste die übliche Vorstellungsreise an die Höfe der größeren Bundesstaaten, und an diesen sind ihm die Auszeichnungen zu Thell geworden. Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Berlin hat dann auch der Kaiser den Kanzler mit ieinem Besuche beehrt und ihm dabei in eigener Person den Schwarzen Adlerorden, den höchsten preußischen Orden, überreicht.
Dem Grafen Bülow sind diese Ehrungen gern zu gönnen. Wenn auch das Unterbleiben des Empfanges des Präsidenten Krüger in Berlin von sehr vielen Seiten getadelt worden ist, so ist daS doch nur eine Nebensache gegen die Gesammtheit und die großen Züge der auswärtigen Politik unter dem jetzigen Kanzler; und mit diesen Hauptsachen unserer auswärtigen Politik ist die weitaus überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes einverstanden. Das ersteht man auch aus dem Schicksal eines Antrages, den der Abgeordnete Köhler-Langsdorf in der zweiten hesst s ch e n Kammer gegen die deutsche Politik im
Etwas vom Grundbuche.
Bon Arthur Brückmann.
------ (Nachdruck verboten.)
In leichten, handlichen Formen vollziehen sich Umsatz und Austausch der beweglichen Güter. Will ich meinem Freunde meine Uhr verkaufen, so genügt eS, daß ich fie ihm übergebe und wir beide darüber einig find, daß er ihr Eigenthümer sein solle. So häufig eS nun auch im heutigen bewegten wirthschaftlichen Leben ist, daß mcht alle bewegliche Güter, die sich in unserem Besitze befinden, unS auch als Eigenthum gehören — wir erinnern nur an die un8 „zur Anficht" übersandten Waaren, die geliehenen, hinterlegten, in Verwahrung gegebenen, „aus Abschlagzahlung" gekauften und «och nicht voll ausbezahlten Bachen, die wrr sämmtlrch mcht ver- kaufen dürfen, ohne unS einer Unterschlagung schuldig zu machen, — so ist dennoch die Regel, daß Besitz und Eigenthum — zweiBegriffe, die von Laien so gern vermischt werden*) —, zusammenfallen, und bei gesunden wirthschafl- lichen Zuständen einfacher Privatleute ist diese Regel nur von verhältnißmäßig wenigen, den allernothwendigsten, unumgänglichsten Ausnahmen durchbrochen. So können wir eS verstehen und billigen, daß das neue Gesetz die Dermuthung dafür aufstellt, daß der Besitzer einer beweglichen Sache auch ihr Eigenthümer sei, so daß also, wer dies leugnen will, die Beweislafl hat. Bis zu einem gewiffen Grade bestätigt sich hier also wieder daS alte Wort: „Sei im Besitze, und du bist im Recht!" — daS Wort von den „glücklichen Befitzern", den „beatipossi- dentes“. .
Ganz anders bei den unbeweglichen Sachen, ganz anders der Jmmobilienverkehr! Sie, die Häuser, die Grundstücke, ruhen „fest und unerschütterlich" im Raume. Sie kann ich nicht fortbewegen, ohne sie zu zerstören. Hier vollziehen sich Umsatz und Austausch bei weitem mcht in so bequemen Formen. Die Grundlage gesunder wirthschaftlicher Zustände ist nicht das ge- heimnißvolle Verborgenbleiben der rechtlichen Ver- hältniffe, sondern ihre Sichtbarkeit, ihre Offen- lsgung. Wie dies Ziel sich bei den beweglichen Sachen erreichen läßt, sahen wir, — wie aber soll eS bei den Häusern, den Grundstücken geschehen? Sie bewohnen und „besitzen" zumeist - man denke an die „MiethSkasernen" — viele, oft Hunderte, unter denen sich m zahlreichen Fällen nicht einmal der Eigenthümer be- findet. Hier darf daS Gesetz eine solche Ver- muthung, wie oben, nicht ausstellen; hier fällt Besitz und Eigenthum in der Regel nicht, jeden- falls nicht ausschließlich zusammen. Deshalb hat das Recht hier andere Formen für den Eigen- thumsübergang und die Begründung anderer Rechte an Grundstücken erfunden als bei den Mobilien.
-) Ebenso muß es in den Z-itungen. wenn sie einen „Besitzwechsel" bei Grundstücken melden, meistens *Eigenthumswechsel" heißen.
äußerte.
Die Buren machen inzwischen den Engländern in Südafrika immer mehr zu schaffen. Dieser Thatsache gegenüber, daß es so ist, hat es weniger zu bedeuten, daß der neue britische Oberbefehlshaber Lord Kitchexer nach England tele- graphirt, er „glaube", daß die Vorwärtsbewegung der Buren in der Kapkolonie gescheitert sei. Solche Beruhigungspülverchen haben ihre Wirkung so ziemlich vollkommen eingebüßt; und bisher hat man auch in London die Lage ganz richtig so beurtheilt, daß die Afrikander-Bewegung im Kaplande einen von Tag zu Tag ernster» Charakter annimmt. Die Buren können reilich die übergroße Heeresmacht der Briten nicht in offener Feldschlacht besiegen und aus dem Lande jagen. Aber der Krieg wird in die Länge gezogen, nie Engländer werden ermüdet und schließlich lassen sie sich doch eine Vermittelung neutraler Mächte gefallen. Wenn das die Buren schließlich durch ihren zähe» und heldenmüthigen Widerstand erreichen, so haben sie dann alles erreicht, was jetzt noch in dem Bereiche der Möglichkeit liegt.
Kurz vor den Feiertagen ist in Trier von der Strafkammer als Berufungsinstanz der Redakteur Haubrich zu einer sehr hohen Geldstrafe, nämlich 1500 Mark, wegen Beleidigung deS Abgeordneten und Verlegers Dasbach vernrtheilt worden. Die Behauptungen, die Redakteur Haubrich gegen Herrn Dasbach voi gebrack.' hat, find von der Strafkammer für nicht erwies - i erachtet worden, während das Schöffengericht als e-. sie Instanz den Beweis der Wahrheit für erbracht an-ah und gegen Haubrich nur auf eine kleine Geldstr. io erkannt hatte wegen der verletzenden Form der beleidigenden Aenßernngen desselben. Die zentrumsfeindliche Presse, die aus diesem Prozeffe allerhand Kapital gegen des Zentrum zu schlagen suchte, kann also getrost wieder einmal heim- ziehen mit dem wenig erhebenden Bewußtsein, gründlich daneben gehauen zu haben.
Ein großer Veteran aus dem deutsch-französischen Kriege ist auS dem Leben in das Jenseits abbernfen worden: Generalfeldmarschall Graf Blumenthal, hervorragend beseitigt an allen drei großen Kriegen von 1864—1871, und namentlich berühmt geworden als Chef des Stabes des Kronprinzen im ftanzöfischen Kriege, ist auf seinem Gute Quellendorf bei Köthen hochbetagt gestorben. Er war der älteste der Feld- marfchälle.
Schlimme Nachrichten bringt der Draht aus Antwerpen: dort ist ein Streik der Hafenarbeiter ausgebrochen, der sehr bösartigejFormen angenommen hat. Es ist zu Zusammenstößen zwischen ausständigen Arbeitern und der bewaffneten Macht gekommen, bei denen reichlich Blut geflossen ist; und ganz Antwerpen steht nun unter AuSnahmebestimmungen. Ansammlungen von mehr als 5 Personen sind verboten worden. Im Hafen ruht die Arbeit vollständig. Die Bürgergarde ist aufgeboten, die Polizeimacht verstärkt — es sah in Antwerpen während der letzten Tage nicht anders aus als im Kriege.
Unangenehme Dinge vollziehen sich auch wieder einmal im K o n g o st a a t e. Eingeborene Truppen im Snsambo Bezirke haben sich gegen die Regierung des
Er wollte sich nicht stören lassen. „Fahre nur allein, liebes Herz. ES ist ja doch wieder unuölhige Besorgniß."
Sie waren beide keine zärtlichen, überängstlichen Eltern gewesen, aber heute eilte sie aus dem Saal, fie hätte um keinen Preis mehr in der Gesellschaft bleiben können. Als fie in den Vorraum trat, sah fie ihren Diener im Gespräch mit zwei Stubenmädchen stehen.
„Die geht nicht nach Hause," sagte eines der Mädchen, „ich glaube, die würde auf dem Grabe ihres KindeS tanzen. Sie kennt nichts als ihre Eitelkeit."
Frau Schönau fühlte sofort, daß sie gemeint war, und doch gerirth sie nicht in Zorn über die ünverschämthrit des Mädchens. Die Worte gruben sich mit einer seltsamen, schrecklichen Deutlichkeit in ihr Herz, als habe sie Jemand gesprochen, der zu ihrem Richter berufen sei.
Schweigsam und fröstelnd fuhr fie durch die strrner.klare Winternacht — es war eine lange Fahrt, und der Frau schien sie endlos.
Wse Ahnungen legten sich athemraubend auf ihr Herz. Sie dachte an das Lied, und es schien ihr gewiß, daß ihr das Kind abgefordert werden würde, weil sie seiner nicht gedachte. Eine schreckliche Angst kam über sie: ihr schien, als habe sie lange im Schlafe gewandelt und sei nun erst zu drr Wirklichkeit ihres Lebens erwacht.
Ach —sicherlich, fie liebte ihr Kind, sie fühlte es an der leidenschaftlichen Qual, die sie schüttelte