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mit Anteryaüungs-Mlage .Mustrirü Sonnlags-Zeitung!«

Ktmv» et. • (IHM*

27. Jahrgang.

Iutöcr, Donnerstag, den 20. Dezember 1900.

M 292.

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unter den deutschen Katholiken aller Stände dauernd für den Gedanken der Sozialreform ge­wonnen. Mit Erfolg vertritt er die berechtigte» Forderungen der Arbeiter auch vor Gewerbe­reibenden, Handwerkern und Landwirthen und umgekehrt und wirkt so dahin, schroffe Interessen« gegensätze zwischen den einzelnen Ständen zu iberbrücken. Der Volksoerein hat damit nicht nur die Bahn gebrochen für die Erringung weiterer Gesetze, sondern ebenso für die allseitige Durchführung der bestehenden Gesetze die Be­theiligte» geschult. Möchte der Volksverein auch künftig mit wachsendem Erfolg seinen wichtige« sozialen Einfluß zur Geltung bringen können unter zunehmender Betheiligung der Katholiken Deutschlands, sür welche die Zugehörigkeit zum Volksoerein eine Ehrenpflicht ist.

+ Ein häufiger Kirrrvavd gegen die Ar- Höhnng derchetreidezökle ist der, daß dieselbe auch eine entsprechende Erhöhung des Grund» werthes und der Pacht herbeiführe; dadurch falle dem eigentlichen Grundeigenthümer ein besonderes Kapital-Geschenk auf Kosten der übrigen B-völke- rung zu, welches er durch einen Berkaus in Geld umsetzen könne, während dagegen dem neuen Be­sitzer ein größeres Anlage • Kapital und ein ent­sprechendes Mehr an Zinsen erwachse, wodurch die Wirkung der Schutzzölle wieder hinfällig ge­macht werde. Da nun in der Landwirthschaft der Reinertrag an erster Stelle preisbildend ist. so wird und kann die Auferlegung von Schutz­zöllen preissteigernd auf den Grund und Boden einwirken. Indessen wird mit dieser Preissteige­rung nur dann eine ungünstigere Lage des neuen Besitzers verbunden sein, wenn schon unmittelbar vorher die Bodenpreise den zeitweiligen Erwerbs­werth überstiegen habe». Dies kann der Fal sein, doch wird mit einem Rückgänge der Getreidepreise meistens auch ein Rückgang der Bodenwerthe zuvor schon stattgefunden habe«. Auch ist sehr wohl hier zu beachten, daß der häufige Wechsel im Besitze des Grund und Boden« nur im Parzellen - Verkehr vorkommt, der eine» nur kleinen Bruchtheil der hier i» Betracht kom­menden landwirthschaftlichen Bodenfläche ausmacht. Im Gebiete des Anerbenrechtes und geschloffene« Besitzes dagegen vollzieht sich die weitaus häufigste Form des Befitzwechsels in der Gestalt der Erb- schafts-Uebernahme; die Einnahme steigernde und Einbuße verhütende Wirkung kommt hier also thatsächlich der großen Masse der Lsndwirthe nicht nur vorübergehend, sondern auf lange Zeit zu gute. Vielfach wird angefichts der Erhöhung der Schutzzölle auch darauf verwiesen, die Landwirthe möchten, wenn der Getreidebau nicht meqr loh­nend genug sei, doch zu einem andern Zweige des landwirthschaftlichen Betriebes übergehen, der sich beffer rentire. Dem steht gegenüber, daß mancher Grund und Boden für einen andern Be­trieb überhaupt nicht geeignet ist, zudem nimmt der Getreidebau einen viel zu breiten Raum t« jedem rationellen Betriebe ein, als daß der Land- witth ihn ohne Weiteres aufgeben könnte. Wo­hin sollte es übrigens führen, wenn die Land- wirlhe den Getreidebau bei u«S aufgäben und unsere Bevölkerung für die Versorgung mit Ge- treibe lediglich auf das Ausland angewiesen wäre?

Die Meine Lori.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

27 ------ (Nachdruck verboten.)

Lori bemerkte den fragenden Bi ck ihres Vaters, und setzte schnell hinzu: „Theo ist in meinen Augen deshalb verachtenSwerch, well er unserm lieben Herrgott die Tage abstiehlt, weil er, ein junger, gesunder Mensch, keinen Beruf hat, — nichts, — aber gar nichts arbeitet, sondern nur um die Tante herumschmeichelt, und ihr unter den Augen schön lhut, um von ihr er­nährt zu werde«, während er sich hinter ihrem Rücken über fie lustig macht, bei seisen Freunden sie verspottet, und sich rühmt, daß die „Alte" selbst in ihn verliebt sei: O, ix mir empörte sich jeder Blutstropfen, als ich neulich das alles mit anzuhören gezwungen war, — allerdings hatte Theo stark grtruxkrn, aber das entschuldigt keineswegs sein geradezu — rohrS Betragen. Konnte ich ihn vorher schon nicht leiden, so ekelt er mich jetzt thatsächlich an. Dabei tischt er Jedem die Geschichte meines neulichen Unfalls auf und stellt sich als den Helden, den Lebens­retter hin, während er mrch beinahe ertrinke« ließ, ehe er den Muth fand, mir beizustehen."

Brrveck fügte kein Wort mehr, er mochte wohl einsehsx, daß Lori recht hatte, und kehrte etwas tleinlaut zu seiner Schwester zurück.

„Da ist nichts zu machen, Kathmka I" äußerte er ruhig.

„Die Närrin!« eiferte diese zornig, „hat man je so etwas gehört? Jedes andere vernünftige Mädchen würde es als ein großes Glück be­trachten, wenn e« Theo haben könnte!"

zustehen. Bleich und theilnahmSloS lag sie in den Kiffen, und verrieth nicht das geringste In- tereffe an dem. was um fie her vorging. Nur wenn die Post einttaf, und Berneck sich mit de» verschledenen Zeitungen und Briefen zu ihr setzte, um ihr daS Wichtigste vorzulesen, dann fragte sie manchmal: „Ist nichts für mich dabei, Vater?« Und ihre Augen füllten sich mcht selten mit Thränen, wenn der Alte immer und immer wie­der den ergrauten Kopf schüttelte.

Lori kehrte dann daS Gesicht der Wand zu, um ihren Schmerz zu verbergen, aber der Vater wußte es doch, daß fie weinte, er merkte es wohl, wie fie wartete, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche auf irgend eine Nach- richt, wie die Hoffnung darauf dcS Einzige war, was sie belebte. DaS Herz blutete ihm, wenn er sie, sein einziges Klxd, so leiden sah, und hätte er eS vermocht, Johannes herbeizu­holen, — er hätte eS jetzt gethau, um seines Kindes willen. . „ . r -

Helene mied den Anblick Lori s so viel fie konnte. „Krankenzimmer seien ihr von jeher etwas Schreckliches gewesen,« äußerte sie wieder­holt. Aber auch Lori schien nicht daS geringste Verlangen nach der schönen Koufine zu haben, fie wurde jedkSmal unruhig, wenn Helene auf einen Augenblick an ihr Bett trat, und sich eilig nach ihrem Befinden erkundigte, um eben so schnell wieder zu verschwinden.

ES wurde daher von den beiden Mädchen alS eine Erleichterung empiunden, als Tante Kathink«, die mit Theo einige Tage auf dem Berneck'sche» GutSHofe verweilt hatte, um Lori zu besuchen, — kurz nach ihrer Abreise Helene einlud, zu ihr zu kommen.

Dentfches Urich.

Berlin, den 19. Dezember.

X Zu dem Schiffsurrgkück Sei Zstaka-a wird heute noch aus Madrid gemeldet:

Der Rumpf der „Gneisenau" ist in Folge des furchtbaren Wellenschlages in Stücke geborsten und un- mSglich zu bergen. Die Zollwächter am Strande lasen über zweihundert angeschwemmte Gegenstände auf, darunter drei zertrümmerte Boote der Gnetsenau, sieben Flaggen, eine mit Vorlegeschloß geschlossene Niste. Der Strand wird fortgesetzt scharf überwacht, um Entwendungen zu verhüten. Der hiesige deutsche Militärettachee und Botschaftskonsul Sprenger befinden sich in Malaga, um den dortigen Bestattungen bei­zuwohnen. Die Wellen haben bisher blos die Leiche des Kapitäns Kretschmann angeschwemmt AlS vor dem Schiffsprediger und den unverwundcten Ueber- lebenden der „Gneisenau" der Sarg des Kapitäns auf­gedeckt wurde, kam es zu einer rührenden Scene. Die Seeleute weinten und beteten entblößten Hauptes ein stilles Vaterunser. Heute fand das Begräbniß deS Kapitäns unter Betheiltgnng der überlebenden Offiziere, der Mannschaften, des englischen KreuzerS „Blake", so­wie der Mannschaften aller im Hafen ankernden Handelsschiffe und eines großen Theils der Bevölkerung von Malaga, ferner des Regiments „Extremadura" und aller dienstfreien Offiziere der Garnison statt. Die deutsche Kriegsfregatte „Charlotte" wird Sonn­abend auS Korfu in Malaga eintreffen, um die lieber« lebenden aufzunehmen. — Das Befinden der Kranken im Spital hat sich bedeutend gebeffert, von den zwei tödtlich Berwundeteu ist einer bereits außer Gefahr. — Unter den heldenmüthtgen Rettern ist besonders zu er wähnen der Sleuermann des Schiffes „Angeling", der mit eigener Lebensgefahr einen Maschinisten und einen Matrosen rettete, ferner verschiedene spanische Fischer und der Kapitän des italienischen Schiffes „Flavio Gioja", der in einem Boot gegen die Wogen kämpfend, verschiedene Matrosen rettete, endlich ein in Malaga ansässiger, französischer Herr Lechat, ein reicher Mann, der sich ganz entkleidete, sich in das Wasser stürzte und schwimmend viele Deutsche anS Land trug. Dabei wurde er gegen die Felsen geschleudert und an Händen und Beinen verwundet.

* Der K«irv«rf einer rreve» Mäckerei- Aerord»««g, die dem Bundesrath zur Be- fchlupfassung unterbreitet werde« soll, wird in der .Bäckerzeitüng' veröffentlicht. Wir heben aus diesem Entwurf hervor:

8 I. Der Fußboden der ArbeitSräume darf nicht tiefer alS ein halbes Meter unter dem ihn umgebe* brn Erdboden liegen. §2. Die ArbeitSräume müssen mindestens drei Meter hoch und mit Fenstern versehen sein, welche nach Zahl und Größe genügen, um für alle Theile der Räume Licht und Lust in ausreichendem Maße zu gewähren. Die Fenster müssen so eingerichtet sein, daß sie zum Zweck der Lüftung ausreichend ge­öffnet werden können. § 4. Die ArbeitSräume dürfen nickt in unmittelbarer Verbindung mit den Bedürf - nißanstalten stehen. Die Abzugsrohre der Ausgüsse und Klosets dürfen nicht durch bte ArbeitSräume ge­führt werden. § 6. Die Zahl der in jedem Arbeits­raume beschäftigten Personen muß so bemeffen sein, daß auf jede wenigstens fünfzehn Kubikmeter Luft­raum entfallen. — In Fällen weitergehenden außer­ordentlichen Bedarfs und an den Vorabenden der Sonn- und Festtage ist eine dichtere Belegung der Ar­beitSräume gestattet, stdoch nut der Maßgabe, daß wenigsten? zehn Kubikmeter Luftraum auf die Person entfallen müffen. § 7. Die Temperatur in den Arbeitsräumen darf 36 Brad Celsius nicht übersteigen. In jedem Arbeitsraum, mit Ausnahme der Mehl­kammer, ist ein Thermometer anzubringen. § 8. Den

schaukelt, wird ebenfalls nur wünschen können, daß in Zukunft in allen Schnell- und Personenzügen stets ein Gepäck- oder Güterwagen, also ein Fahr­zeug den Schluß bildet, in dem keine Paffagiere befördert werden. Diese Gründe vermehrter Sicher­heit und vermehrter Annehmlichkeit werden hoffent­lich in der Konferenz ausschlaggebend sein.

X Ai- soziakpokitifche Aervegnng des ketzlerr Jahrzehnts ist anerkanntermaßen durch den Volks verein für das kath. Deutschland in hervorragender Weise beeinflußt worden. Schon die Gründung des Volksvereins steht in engem Zusammenhang mit dem in den Anfang der 90er Jahre fallenden sozialpolitischen Aufschwung. Ge­rade daran darf wohl gegenwärtig wieder ein­mal erinnert werden, wo der „soziale Organisa­tionsverein" der Katholiken Deutschlands auf eine bereits zehnjährige Thätigkeit zurückblickt. Kurz vor der Gründung des Volksvereins waren im Jahre 1890 die fog. Februarerlaffe Kaiser Wilhelms II. ergangen. Unter den deutschen Katholiken fand diese Kundgebung des Kaisers, der bald die Einberufung der internationalen Arbeiterschv tzkonferenz und die Einbringung des Entwurfes eines Arbeitsschutzgesetzes folgten, um so kräftigeren Nachhall, als die CrntrumSstaktion seit ihrem Anträge Galen im Jahre 1877 wieder­holt Arbeiterschutzanträge im Reichstage einge­bracht und nachdrücklich befürwortet hatte. Im April 1890 forderte überdies Papst Leo XIII. die deutschen Katholiken unter Berufung auf das Vorgehen des Kaisers auf, mit allen Kräften für die Hebung der Lage der Arbeiter einzutreten; die preußischen Bischöfe unterstützten diese Auf­forderung des Papstes durch ein von Fulda am 23. August ausgegebenes „Hirtenschreiben über die soziale Frage". Der Eindruck dieser Mah- Hungen wurde verstärkt durch den Ausfall der ReickstagSwahlen vom Jahre 1890, die eine plötzliche gemaltste Steigerung der Zahl der sozialdemokratische > Stimmen aufwiesen, und durch die Thatsa^, daß die sozialdemokratische Partei sich rüste!.-, nach dem Falle des Sozia­listengesetzes am 1. Oktober desselben Jahres unter einer «eutn Organisation die kräftigste Agitation zu entlasten. Darum schritten unter dem Rathe Wr-dchorst's mehrere für die Sozialreform begeisterte Männer im Novem­ber 1890 zur Gründung des Volksvereins sür daS katholische Deutschland. Als Auf­gabe des Volksvereins bezeichnet der Auf- ruf vom Dezember 1890, „einerseits den Umsturzbestrebungen der Sozialdemokraten ent- gegenzutreten, andererseits die Gedanken und Anregungen einer christlichen Sozialreform in immer weitere Kreise zu tragen«. Diese Auf­gaben hat der Volksverein für alle Stände während seiner nunmehr zehnjährigen Thätigkeit zu erfüllen gesucht. Unausgesetzt ist er in Wort und Schrift für soziale Aufklärung und Bildung, sowie die Förderung der Sozialpolitik wirksam gewesen und daher gebührt ihm auch das Haupt- iächlichste Verdienst daran, daß die zu den CentrumSfrakfionen im Reichstage und in den Landtagen stehende katholische Bevölkerung so nachdrücklich für die Fortführung der Sozial- reform eintritt. Er hat die öffentliche Meinung haben, gewiß ist nur, daß er sich von zu Hause entfernt hat, und nicht mehr dahin zurückge­kehrt ist.«

I« Lori begann sich auf's Neue die Hoffnung zu regen. Vielleicht, daß Johannes einer Stelle wegen verreist war, und ihr doch noch Kunde zu- kommen ließ, wenn er erreicht, was er gewollt, — ein gutes Auskommen.--

So vergingen einige Woche», der Herbst zog allmählich in's Land, aber nicht die geringste Nachricht traf ein. Lori wurde sehr leidend, und bat den Vater, mit chr nach Hause zurückm- kehren. Ger» erfüllte er den Wunsch des blassen Mädchens, zumal der Aufenthalt bei Kathmka nicht eben sehr angenehm war. Sie konnte es Lori noch immer nicht verzeihen, daß diese ihren lieben Jungen. — der jetzt immer häufiger die Abende in fröhlicher Gesellschaft verbrachte, — abgewiesen hatte.

Der Abschied war daher ein sehr kühler und formeller. Lori hoffte, sich rascher erholen zu können, wenn sie erst wieder zu Hause sein würde. Sie wollte alle die Plätzchen, wo sie mit Johannes geweilt, wieder aufsuchen, um dadurch die Sehn­sucht zu sstllrn, die immer heißer, immer bren­nender wurde.

An einem regnerischen, naßkalten Herbsttage langten sie auf dem GutShofe an. Lori fieberte stark, und mußte sozleich zu Bette gebracht werden.

Helene erschrak über daS leidende Aussehen des Mädchens. In ihrem Gewissen begann fich leise etwas zu regen, das ihr zuflüsterte, daß sie zum großen Theil Schuld trage an dem ver- änderten Aussehen Lori's, doch rasch zwang sie ihre Gefühle nieder.

Die folgenden Tage vermochte Lori nicht auf­

Arbeitern muß Gelegenheit gegeben werden, fich umzu­kleiden und zu waschen. Die hierfür bestimmten Räum­lichkeiten müffen für die Zahl der beschäftigten Arbeiter genügend groß, von den ArbettSräumen aus zugfrei zu er­reichen sowie während der kalten Jahreszeit geheizt sein. §11. Die Arbeitsräume dürfen zu anderen, mit dem ordnungs­mäßigen Betriebe nicht zu vereinbarenden Zwecken, ins­besondere als Wasch-, Schlaf- und Wohnräume nicht benutzt werden. § 15. In jedem Arbeitsraum ist ein von der Ortspolizeibehörde zur Bestätigung der Richtig­keit seines Inhalts unterzeichneter Aushang anzu- brtngen, auS dem ersichtlich ist: a) die Länge, Breite und Höh- des Raumes, b) der Inhalt des Luftraumes in Kubikmetern, c) die Zahl der Personen, die nach § 8 in den Arbeitsräumen beschäftigt werden darf. § 16. Die Schlafräume der Gehilfen und Lehrlinge dürfen nicht in solcher Nähe zum Backofen liegen, daß in ihnen eine übermäßige Hitze herrscht. Auch dürfen sie nicht in unmittelbarer Verbindung mit den Bedürf- nißanstalteu stehen.

* Die Grgeöuisse der DokkszSHknrrg werden erst im Januar vollständig veröffentlicht werden können. Vorläufig find überall in Deutsch­land die Ortsbehörden noch mit der Feststellung des endgiltigen Resultats beschäftigt, und es dürften noch einige Wochen vergehen, bis die statistischen Aemter der einzelnen Bundesstaaten in der Lage sein werden, eine genaue Tabelle der Bevölkerung nach der letzten Volkszählung aufzustellen. Im königlich preußischen statistischen Amt nimmt man an, daß dieser Zeitpunkt auf Anfang Januar fallen wird, eine Verzögerung ist aber angesichts des koloffalen Materials und angesichts des Be­strebens, die denkbar genauesten Ziffern zu er­halten, nicht ausgeschloffen. Erst wenn die Arbeit der statistischen Behörden in den einzelnen Bundes­staaten beendet ist, werden die Resultate vom kaiserlich deutschen statistischen Amt in Berlin zu- sammenqestellt, und dann erst kann mit Bestimmt­heit erklärt werden, wie viel Einwohner das Deutsche Reich im ersten Jahre der neuen Jahr­hunderts zählte. Die zahlreichen Wißbegierigen, die stch an un« sowie an die staiist'.schen Aemter täglich um Auskunft wenden, werden sich also noch ein bischen gedulden müffen.

* Im Ministerium der öffentlichen Arbeiten bat am letzten Samstag unter dem Vorsitz ■ des Ministers Dr. v. Tbielen eine Kons renz wegen der Frage deSZlmöaues -ervP7age« stattgefunden, an der Sachverständige 'S' 3 der Elsenbahnwaggon-Branche thstlgenommev laben. Wie offiziös verlautet, wird das Ergebniß dieser Berathung der demnächst unter der Leitung des Reichs-Eisenbahnamtes statifindenden Versamm­lung der Vertreter der deutschen Staatsbahnen unterbreitet werden. Am Freitag findet nun in Berlin eine größere Konferenz von Mit­gliedern der preußischen Eisenbahn-Direk­tionen statt, in der namentlich die Frage er­wogen werden soll, ob als letzter Wagen in den v-, Schnell, und Personenzügen ein leer lau- fender oder beladener Güter- bezw. G-?'ck vagen laufen soll. Hätte z. B. bei dem Offenbacher Unglück ein Gepäck- oder Güterwagen den Schluß des Ö Zuges gebildet, so würde das Unglück aller Vermuthunq nach nur sehr gering gewesen sein. Dieser letzte Wagen hätte den Anprall wohl auS- zuhalten vermocht und sehr wahrscheinlich wäre den unglückliche» Paffagiere« des letzten O ZugS- wagens nichts passtrt. Wer ferner aus Erfahrung weiß, wie sehr der letzte Wagen eines Z >ges

„Rege Dich nicht aus, Kathmka,« fiel Berneck spöttisch ein, „es könnte Dir schaden."

Damit wandte er sich zum Gehen.

Lori stand noch immer auf demselben Fleck. Eine Frage lag ihr auf den Lippen, und sie wagte doch nicht, dieselbe auszusprechen, weil sie fürchtete, den Vater zu erzürnen. Und doch ver­mochte sie kaum, sich noch länger zu bezwingen. Von ihm, deffen Bild unablässig vor ihrer Seele stand, — von Johannes hätte sie gar zu gern etwas gehört. Wo er weilte, ob er noch auf dem Lindemannshof war, oder sonstwo, ob er vielleicht krank geworden, alle diese Fragen quälten sie und raubten ihr jedes freudige Gefühl.

Einmal faßte sich Lori doch ein Herz und be­gann: „Vater, zürne mir nicht, — ich ich möchte gern wiffen, — kannst Du mir nichts sagen — von — von — Johannes Lindemann?"

Da war e» heraus, — athemlos hielt sie inne und heftete die Augen gespannt auf des Vaters Gesicht. Doch wenn sie gefürchtet hatte, er werde zornig auffahren, so hatte fir sich diesmal ge­täuscht. Berneck senkte den Blick zu Boden, er hörte die Erregung aus den Worten seiner Tochter heraus, — und er fühlte plötzlich wieder ein innige« Mitleid, doch wollte er sich nicht» merken lassen.

„Er, — er ist fort, — sagen die Leute," — begann er äußerlich ruhig, und schaute verstohlen nach Lori hin.

Diese wurde noch etwas bleicher, die kleine schmale Hand fuhr nach dem Herzen.

»Fort, — und wohin?"

„Das weiß ich nicht, — man sagt, er sei plötzlich spurlos verschwunden gewesen; Manche i behaupten, ih« an dem Bahnhofe gesehen zu