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Die Wirren in China.

Nachrichten von Bedeutung liegen heute auS Ostasien nur wenige vor. Nach einer Pekinger Drahtung von Laffan« Bureaus werden mit Er­mächtigung des Grafen Waldersee alle britischen Truppe» von Peking zurück­gezogen werden, um die Eisenbahn von Peking nach Schavhaikwan, die unter britischen Betrieb gelangt, zu bewachen.

Die,T'mes' meldet vom 15, Dezember: Li- Hung-Tichang hat aus das Drängen des Fürsten Uchtomsly hin ein Telegramm an den Kaiser von Rußland gerichtet, in welchem er der Dankbar­keit Chinas Ausdruck gibt für die von Rußland ertheilt« Erlaubnis, daß China unter russischem Protektorat die Zivilverwaltung in der Mand­schurei wieder übernehmen dürfe. Wie eine stühere Depesche an den deutschen Kaiser, besagt auch dieses Telegramm, es rühre vom Kaiser von China her, der indessen von beiden Botschaften nichts wissen soll. Fürst Uchtomsky verläßt Peking in wenigen Tagen, seine Aufgabe ist er­ledigt.

ßokales.

Fulda, 18. Dezember.

):( Herr Postsekretär Aöse ist von hier nach Hanau versetzt und wird zu Neujahr dorthin übersiedeln.

• Anläßlich des Weihnacht-- uud Neu­jahrs-Feste« sind auf folgenden Strecken des Eisenbahndirektions-BezirkeS Frankfurt a. M. S»«derzSße zu gewöhnlichen Fahrpreise» für die Zett vom 19. Dezember bis 2. Januar ein­gelegt : Köln-Gießen, Frankfurt-Marburg (Kassel), Frankfurt-Bebra, Gießen-Fulda, Gießen- Gelnhausen, Westerwald.Bahnen, Frankfurt-Ost- bahnhof - Hanau - Aschaffenburg, Wiesbaden - Lim­burg-Niedernhausen, Franksurt-WieSbaden. Nähe­res ist auf besonderen ro hen Plakaten in den Bahnyösen ei sichtlich. Für die Station Fulda kommen folgende Sonderzüge in Betracht: In der Richtung nach Frankfurt: Am 22. De­zember Vorm. 8 Uhr 32 Min., am 21. und

f.üheren Palästinavereins der deutschen Katho­liken beziehungsweise Bizeprästdent des deutschen Vereins vom heiligen Lande, als Vorsitzender des ProvinzialauSschuffeS der Rheinprovinz und als Stadtverordneter zunächst von Burtscheid, dann von Aachen-Burtscheid bezeichnet und ge- werthet. Im „Kulturkämpfe" gehörte Herr Landrath Janssen auch zu den Verfolgten, da seine durchaus loyale und staatstreue Gesinnung damals arg verkannt wurde. War er doch da­mals zeitweise unter dir Aufsicht eines — Gensdarmen gestellt, der ihm auf Schritt und Tritt bei seinen Amtsgängen folgte! . . . Herr Landrath Janffen war dann Jahre lang „zur Disposition" gestellt. Ja diese Zeit fällt seine ersprießliche und vielseitige Thätigkeit in dem preußischen Abgeordnetenhause, zu deffen kennt- nißreichsten und arbeitsfreudigsten Mitgliedern er gehörte, wie für den Palästinaverein der deutschen Katholiken, deffen Seele er war, und den er zu manchen Leistungen im heiligen Lande befähigte. Später, nachdem die StaatSregie- rung ihm wieder gerecht geworden war, kam sein großes Verwaltungstalent in hervorragen­dem Maße seiner Heimathprooinz zu Gute. Die Stadt Aachen verliert mit dem Herrn Landrath a. D. Janffen einen ihrer ersten Bürger und einen jener Männer, die in ver­schiedenen Stellungen sich als eine Kraft ersten Ranges auszeichneten und bewährten.

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Arrslarrd,

h Wie«, 17. Dez. Die österreichische Ge­sellschaft der Friedensfreunde veröffent­licht folgende Mittheilung: Bezugnehmend auf die im deutschen Reichstage vom Grafen Bülow abgegebene Erklärung, Krüger habe eine schieds­gerichtliche Vermittelung zurückgewiesen, sind wir in der Lage ncchstehende authentische Korrespondenz in Erinnerung zu bringen: Am 23, September 1899 also 14 Tage vor Ausbruch des Krieges hat das internationale Friedens-Bureau in Bern, sowohl anKrüger als auch an die britische Regierung eine Depesche geschickt, worin die südafrikanischen Republiken und England beschworen wurden, die Feindseligkeiten zu vermeiden und sich gemäß den Beschlüffen der Haager Konferenz einem Schiedsgericht zu unterwerfen. Wäh­rend die britische Regierung sich auf die ein rache Empfangsbestätigung beschränkte, antworteteK siger durch folgendes Telegramm: Pretoria, 25. Sept. 1899. Ich danke für Ihre Depesche. Wir haben immer auf daS Schiedsgericht derNeutralen gedrungen und wünschen nichts anderes als ein solches Schieds­gericht. gez. Krüger. Das Berner Bureau hat diese Depesche umgehend zur Kenntniß der briti­schen Regierung gebracht. Wie die Erklärung Bülows mit dieser Depesche zu vereinigen ist, scheint räthselhait.

• Antwerpen, 17. Dez. Sämmtliche hiesige Hafenarbeiter haben heute morgen die Arbeit niedergelegt. Tag» zuvor schon begaben sie sich in geordnetem Zuge, 8000 Mann stark, zum Stadthause. Der Bürgermeister van RySwyk empfing 9 Abgesandte derselben, welche ihm ihre Forderungen unterbreiteten. Heute N«ch- mittag fand eine Versammlung statt, in welcher die Rheder die Forderungen der Hafenarbeiter und den Vorschlag des Bürgermeisters, auf drm Wege des Schiedsgerichts zu einer für beide Theile be­friedigenden Lösung zu gelangen, ablehnten.

* Atom, 17. Dez. Heut» wurde das angr- sagte halb öffentliche halb geheime Konsisto­rium abgehalten. In seiner Ansprache sagte der hl. Vater, er freue sich und danke Gott, daß er das hl. Jahr habe erleben könne» und daß so große Schaaren von Pilgern nach Rom ge- kommen seien. Er hoffe, daß dies gute Früchte für die Kirche und die Religion zeitigen werde. Jndeffen betrübten ihn viele schmerzliche Dinge, so namentlich der Konflikt zwischen Italien und der Kirche, aus welchem, wie er fürchte, noch Schlimmeres sich ergeben werde in Folge des Erlasses feindseliger Gesetze. Denn eS fei wahr­haft verhängnißvoll, daß Gewalt den Pontifex seiner gerechten und legitimen weltlichen Herrschaft beraubt habe, welche evg mit der Freiheit seines AmteS verknüpft sei, da« nun der Gewnlt eines Andern unterstellt und der Willkür eines Andern preisgegeben sei. Diese Härte sei noch verschärft worden, als man vor Kurzem die Herrschaft RomS in eine andere Hand übergehen sah, gerade als wenn dies von Rechtswege» ge­schehen und nicht eine Frucht der Ungerech­tigkeit sei. Er verlange, daß daS Recht d-S Papstthnms ungeschmälert und unangetastet bleibe und erkläre, daß dieses Recht weder durch Verjährung noch durch einen Wechsel in der Person deS Regenten unterdrückt oder beein­trächtigt werden könne. — Hieranf beauftragte der Papst folgende Kardinäle mit der Vornahme der Crremonie der Schließung der heiligen Thüren: Parocchi für San Paolo, Sa- tolli für San Giovanni in Late,ano und Vincent Vannutelli für Santa Maria Maggiore. Ferner ernannte der Papst mehrere neue italienische Bischöfe, nämlich die- jrnigen von Modena (Erzbischost, Livorno, Ri­mini, Aquino (vereinigt mit Sora und Ponte- oorvo), Cagliari (Erzbischof) und Cappaccio- Vallo. Die refignirenden Kirchenfürsten ron Rimini und Capaccio-Vallo werden zu Erz­bischöfen in partibus erhoben. > Außerdem er­hält der greise Erzbiichof von Sassan einen Weihbischof in der Person deS Monsignor Cabras. Für auSlännfche Sitze wurden Bi­

schöfe für Salzburg, Lemberg und Weihbischöse für Gran und Krakau. Wenn der Gesundheits­zustand Leos XIII. anhaltend gut bleibt, und die anstrengende Crremonie der Schließung der Porta Santa ohne Nachtheile fit sein körperlicher Wohlbefinden vom hl. Vater vollzogen sein wird, so beabsichtigt derselbe, dem Vernehmen nach, um Mitternacht deS 31. Dezember in die PeterSkirche hinabzusteigen, um daselbst am Altäre der Sakra- mentSkapelle bei Beginn deS neuen Jahr­hunderts eine heil. Meffe zu celebriren. Im Vatikan werden bereits die umfaffenden Vor­bereitungen für diese Funktion getroffen. Be­sondere Schwierigkeiten verursucht bei Nachtzeit die Kontrolle der sich herzudrängenden Schaaren, die bei Einlaß ihre Karten vorzuzeigen haben und denen bessimmte Plötze angewiesen werden. ->I, „>„»>, WW MB Hur

Der Krieg m Südafrika.

Die Panik in London ob den neuesten Niederlagen war, wie schon gemeldet, außer­ordentlich groß. Aber für jede Krankheit gibt es ein Pflaster, und Kitchener hat ein Geschick, die zugkräftigsten auf die Wunde zu legen. Er meldet vom Sonntag: Bei dem Angriff auf Vryheid am 10. ds. MtS. hatten die Buren 100 Todte und Verwundete, die Eng­länder 6 Todte und 19 schwer Verletzte, 30 Mann, darunter 1 Offizier, werden ver­mißt. Am 13. dS. Mts. schlugen die Eng­länder bei Scheepersneck 600 Buren zurück und erbeuteten Waffen. Die Buren er­litten empfindliche Verluste. In einem Eng­paß im Lastron - Distrikt nahmen die Buren kürzlich 120 Mann Kavallerie gefangen. Von den gefangen genommenen Northumberland - Füsiliren sind 315, darunter 5 Offiziere, freigelassen wo rd en und in Rust enburg eingetroffen. Es ist begreiflich, daß die Buren ihre Gefan­genen wieder freigkben, da sie deren Mitsührung bei der Schnelligkeit ihrer Bewegungen als ein Bleigewicht empfinden würden. Zu bedauern bleibt freilich immerhin, daß sie so der Früchte ihrer Siege verlustig gehen.

Eine Depesche Lord Methuens bestätigt den Tod des Burengenerals Lrmmrr. In der Depesche heißt es weiter, Methuen griff am 14. Dezember eine Stellung der Buren an und erbeutete daS Lager mit einer Quantität Mu­nition und Vflh. Ein Engländer wurde ver­wundet, zwei Buren wurden getödtet, fünf ver­wundet.

DaS Reuter'sche Bureau meldet: General Dewet ist mit 2000 bis 3000 Mann wieder in der Umgegend von Thabanchu erschienen und hat Lapberg und Warringhams Store ange­griffen. Er unternahm drei entschloffene An­griffe auf die britischen Linien. Den dritten Sturm leitete General Dewet persönlich und drang mit dem Reste seiner Truppen durch. Die Engländer erbeutete» einen Fünfzehnpfünder und 15 Wagen, welche mit Munition, Dynamit und Lebensmitteln beladen waren. Ein anderes Burenkommando, welches den Thabanchupaß nehmen wollte, wurde geschlagen. Kommandant Haasbrork, welcher mit seinem Kommando durch den Splingkant-paß bei Thabanchu sich freie Bahn erzwingen wollte, und 2 Geschütze mit sich führte, wurde ebenfalls geschlagen und verlor 40 Mann.

22. Dezember um 6 Uhr 27 Min. In der Rich­tung nach Bebra: Am 20, 21., 22. und 24. Dezember Abends 6 Uhr 46 Min., am 21. und 23. Dezember Abends 10 Uhr 16 Min., am 21. und 22. Dezember 3 Uhr Morgens.

** Beim Kasernenbau ist am Samttag ein Zimmermann aut beträchtlicher Höhe Herav,eßSrzt und hat erhebliche Verletzungen insbesondere am Kopfe davongetragen. Der Ver­unglückte wurde ins Landkrankenhau» gebracht.

□ Wera»her««ge« im chrmedtzesttz. Herr Albert Schwarz bat da« Wohnhaus Löherstraße 28 von den Kuips'schen Erben für 31000 Mark und Herr Kaufmann Richard Berta daS Wohn­haus Heinrichstraße 26 von Herrn Ferdinand Wißler für 33 000 Mark gekauft.

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Aus dem Aachbargebiet.

E. Stadler» bei Flieden, 17. Dez. Am Abende deS zweiten WeihnachtStageS veranstalten hiesige Männer und Jünglinge im Saale der Seng'schenWirthschast dahier eine musikalisch- theatralische Abendunterhaltung, deren Reinertrag zur inner» Ausschmückung der hiesigen neuen Pfarrkirche bestimmt ist. Nach dem vorgesehenen Programm gelangen daS drei- aktige religiöse Schauspiel „GalluS" und das humoristische Stück „Schuster bleib bei deinem Leist" zur Ausführung Möge der Besuch von nah und fern im Interesse ves edlen Zweckes recht zahlreich werden!

r <£* fiter, 17. Dez. Gemäß der Aneiferung des hl. Vaters, den göttlichen Erlöser zu ver- herrliche», beabsichtigt der Kirchenchor der hiesigen katholischen Pfankirche zu Anfang deS neuen Jahres die Festkantate zu Ehre» deS Welt- erlöserS von Piel mit lebenden Bildern, Dekla­mationen, für Soli und Chor mit Jnstrumental- begleiturg im Hanuschsaal zur Aufführung zu bringen. Herr Dirigent Lehrer Edel ist vollauf mit den Vorbereitungen beschäftigt.

>s. Wanfried, 17. Dez. Hier stieß man beim Bohren eine« Brunnens auf Braunkohlen- Lager. Es wird angenommen, Flötze von außer­ordentlicher Ausdehnung vor sich zu Haden.

— Aoftzeismar, 17. Dez. Dir Zahl der Einwohner Hofgeismar« betrug am 1. Dez 2510 männliche und 2112 weibliche, zusammen 4622 Personen; eingeschloffen sind dabei 670 aktive Militärpersonen.

[] Warö«r,, 17. Dez. Ein am 2. und 3. Dez. abgehaltener Bazar ergab eine Gesammt- Etmiahme von 10,009 Mk. 97 Pf. und einen Reinertrag von 7779 Mk. 67 Pf.

* Ira«Rf«rt a. W., 17. Dez. Der.Frankfurter Generalanzeiger', der bei Postbezug bisher 2 Mk. kostete, wird vom 1. Januar ab 2,60 Mk. koste». — Die Verwaltung der städtischen Straßenbahn wird am 1. April k. I. für die Strecken bis zu vier Kilometer den Zehnpfennigtarif ein- führen. Der Fahrpreis über Strecken von mehr als vier Kilometer beträgt 15 Pfennig. Auch wird in Bornheim ein großes Depot erbaut werden und von der Schule, dem jetzigen End­punkte au», eine große Schleife durch daS Depot angelegt werden, die durch die neue Saalburg­straße wieder in die Bergerstraße einmündet.

f SekigenfiMbt, 17. Dez. DaS bereits am 23. Oktober vollendete Fernsprech - Netz un­serer Stadt ist nunmehr durch die Fertigstellung der Har auer Strecke vollständig geworden, so daß die Betriebs - Eröffnung unmittelbar bevorsteht. Vorläufig wird sich der Verkehr auf alle Sprech- stellen deS GroßherzogthumS Hessen und die Städte Hanau, Frankfurt a. M., Mannheim und Karls­ruhe erstrecken. Weitere Verbindungen mit Würz- bürg, Aschaffenburg rc sind noch z» erwarten.

# 17. Dez. Sin 19jährigerBursche,

der wegen Körperverletzung zu einer Gefängniß- strafe von 9 Monaten vermtheilt war, wußte heute Morgen von der Treppe deS AmtSgerichtS- Gebäudrs einen unbewachten Augenblick zu be­nutzen, um RrißauS zu nehmen.

- Wie»v»be«, 17. Dez. Nach den Ergeb- niffen der Volkszählung vom' 1. Dezember beträgt die Einwohnerzahl der hiesigen Stadt 86,974 Personen, und zwar 38,583 Männer und 47,591 Frauen. Da« bedeutet gegen da« Resultat der Zählung von 1895 eine Zunahme von 11,941 Personen.

* W«i«z, 17. Dez. Am Freitoz Nach­mittag behandelte in der Versammlung rhein- hessischer Weinhändler Handelskammer­sekretär MeeSmann eingehend die „Zollsätze für Wein uud Spirituosen in dem neuen deutschen Zolltarife". Die De­batten führten zu der Annahme folgender Re- solution, die dem Reichstage unterbreitet werden sollen:,,!. Der Verband spricht sich gegen die im neue» Zolltarisschema vorgesehene Abstufung des Zollts auf Branntwrin (außer Likör) nach Stärkegraden auS und wünscht dringend die Bei- behrltung eine« einheitlichen Zollsätze«. Er legt gleichzeitig Verwahrung gegen eine Erhöhung des gegenwärtigen Zolles ein, verlangt vielmehr eine Herabsetzung desselben auf den früheren Stand. 2. Der Verband erachtet die für die Verzollung von Wei» vorgesehene Einführung einer Zwischenstufe für Wein mit einem Alkohol­gebalt von 12 bis 18 Gewichtstheilen auf 100 für unzweckmäßig und schädlich, wünscht viel­mehr, daß alle Weine mit einem Alkoholgehalt biS zu 18 GewichtStheilen nach einem Satze ver- zollt werden. Bezüglich der Höh« deS Zolle- wünscht der Verband Beibehaltung der be­stehenden Sätze von 24 und 20 Mark. 3. Der Verband ist der Ansicht, daß sich die bestehenden Bestimmungen über dir Ermittelung des zoll­

pflichtigen Gewichtes für Wein und Spiritual derart eingrledt haben, daß es zweckmäßig , scheint, dieselben auch künftig unverändert Geltung zu lasten. 4. Der Verband erklärt, bL der Abschluß langsichtiger Handelsverträge' mit möglichst vielen gebundene» Tarifsätzen im dri», genden Interesse des deutschen Weinbaues n», legen ist" — Nachdem sich die Versammlung einstimmig gegen eme Schaumweinsteuer ausge­sprochen hatte, wurde bischlossrn, die Handels­kammer zu veranlasten, demnächst in einer all­gemeinen Jntereffenten-Versammlung Stellung gegen diese Steuer zu nehmen. Eine Resolution, die sich gegen jede Kunstwriufabrikation und gegen die Keller-Revision autspricht, fand ein­

stimmige Annahme.

HittrgiÄ$ )t5 -ratsch«! Zchalschiffrs „Saeisnu".

Schon wieder ist die deutsche Marine von einem schweren Unglück betroffen worden. Wie wir schon gestern auf Grund mehrerer Depeschen meldeten, ist am Sonntag das Schulschiff „Gneisenau" an der spanischen Küste gestrandet und unterge­gangen, wobei ein großer Theil der Be­satzung umgekommen ist.

Dieses neue Schiffsunglück gehört mit zu den schwersten Unfällen, von denen unsere aufstrebende Marine bisher betroffen wurde. Das erste größere Schiffsunglück betraf die preußische Marine am 3. September 1860 durch den Untergang des Schoners „Frauenlob" in der Nähe von Ieddo, wobei 4 Offiziere, 1 Arzt und 41 Mann ihren Tod fanden. Im Jahre darauf folgte ein noch schwererer Schlag, der mit dem jetzigen Unfall insofern Aehnlichkeit hat, als er ebenfalls ein Schulschiff betraf: Das Kadetten» schulschiff „Amazone" ging am 14. November 1861 in der Nähe der holländischen Küste als Opfer eines Orkans mit der ganzen Besatzung (5 Offizieren, l Arzt, 19 Kadetten und 120 Mann) verloren. Am 31. Mai 1878 sank bei einer Uebung im Kanal das deutsche Panzerthurmschiff „Großer Kurfürst", wobei 5 Offiziere und 264 Mann den Tod fanden. Die deutsche Marine hatte dann 1884 die Strandung der Schiffs­jungenbrigg „Undine" an der jütischen Nordseeküste, allerdings ohne größeren Verlust von Menschenleben, zu beklagen. Weit größere Opfer forderte im folgen­den Jahre, im Juni 1885 der Untergang der Korvette „Auguste", die im Golf von Aden infolge eines Orkans mit 9 Offizieren und 214 Mann Besatzung spurlos untergegangen ist. Weitere Unfälle folgten in den 90er Jahren. Am 16. Februar 1894 platzte auf der Probefahrt des Panzerschiffes „Branden­burg" ein Hauptdampfrohr und 41 Mann kamen dabei ums Leben. Am August desselben Jahres wur­den auf dem Panzerschiff „Baden" durch Explosion eines Geschützrohrs 9 Personen getödtet und 16 ver­wundet. Durch Kentern des Torpedoboots „8. 41" in der Jammerbucht bei Skagen kamen im August 1895 13 Mann ums Leben. In aller Erinnerung ist noch der Untergang des Kanonenboots „Iltis" an der chinesischen Küste im Juli 1896, bei dem die ganze Mannschaft bis auf 11 Mann umkam, und das Kentern des Kanonenboots „8. 26" in der Elbmün- dung, das 6 Opfer forderte, darunter den Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg.

Das Schulschiff „Gneisenau" wurde im Jahre 1877 in Bau genommen und lief 1879 vom Stapel. Es hat eine Länge von 75 Meter, eine Breite von 14 Meter und einen Tiefgang von 5.8 Meter. Seine Wasserverdrängung ist 2856 Tonnen, seine Maschinen­leistung 2500 P. St., seine Geschwindigkeit 14 Knoten in der Stunde. Armirt war es mit 14 Stück 15 Centimeter- Geschützen, 2 Stück 8.8 Centimeter- Schnellladekarwnen, 6 Stück 3.7 Centimeter-Revolver- kanonen und 2 Stück 8 Millimeter-Maschinengewehren. Seine Besatzung zählte 460 Mann.

Die offiziöse Madrider .Agenzia Fabra' meldet: Die Strandung der „Gneisenau" erfolgte Sonntag Vormittag. In Folge plötzlichen Sturmes befahl der Kommandant schleunigst Dampf ausmachen. Die Gewalt des Sturmes riß die Ankcrketten los. Die „Gneisenau", welche ohne Anker war, strandete am Ein­gänge des Hafens und sank bis zur Mitte des Mast­werks. Die Mannschaft sprang in die Fluthen. Trotz des heldenmüthigen Rettungswerkes sind etwa hundert Mann, unter ihnen der Kapitän Kretsch­mann ertrunken. Die Behörden brachten die Ge­retteten tm Rathhause und dem Hospital unter.

Der deutsche Konsul in Malaga Herr Pries, telegraphirte am Sonntag Mittag: „Erfülle traurige Pflicht mitzutheilen, daß Schulschiff „Gneisenau", welches wegen Schießübungen außerhalb de» Hafens weilte, heute Vormittag 11 Uhr in Folge heftigen Sturmes gegen Ostmole des Außenhafens zerschmettert worden ist. Ich befürchte zahlreiche Unfälle, darunter Kommandant Kretschmann."

DerKapitänleutnant Werner, anscheinend der älteste überlebende Osfizier, meldet: „Gneisenau" Bucht von Malaga gestrandet. Schiff total verloren, Besatzung zum größten Theil gerettet. Rettungs- arbeiten werden fortgesetzt."

Der Kapitänleutnant Werner ist sofort aufge­fordert, die Namen der Verunglückten telegraphisch zu melden.

Nähere Einzelheiten über die Katastrophe berichtet die ,Ageuzia Fabra', indem sie sich aus Malaga vom Sonntag melden läßt:

Da» deutsche Schulschiff „Gneisenau" war von Magador kommend, wohin es die deutsche Gesandt­schaft aus Tanger gebracht hatte, in der Bucht von Malaga eingetroffen und hier mit Schießübungen be­schäftigt. Heute früh 10 Uhr erhob sich, während der Kommandant eine Parade über die Seekadetten ab­nahm, ein heftiger Sturm. Der Kommandant gab darauf Befehl, so schnell als möglich die Keffel zu heizen. Die wüthende See riß aber die Anker fort, die „Gneisenau" verlor Anker und Ankertaue und strandete gegen de» Hafeneingang. Die Besatzung stürzte sich ins Meer und klammerte sich an die Echiffs- trümmer, wurde aber von den Wagen bedeckt und ver­schwand zum größeren Theile. Das Schiff blieb bis zur Mitte des Mastwerks unter Wasser. Viele See­kadetten und Offiziere, auch der Kommandant der „Gneisenau", Kapitän zur See Kretschmann, kamen um» Leben. Eine mit Seeleuten aus Malaga be­mannte Schaluppe eilte der „Gneisenau" zu Hilfe; aber als es ihr nach heldenmüthigen Anstrengungen gelungen war, 15 Schiffbrüchige an Bord zu nehmen, schlug sie um und 12 Mann ertranken, während viele Andere gerettet wurden. Den von den Marinebehörden