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27. Jahrgang.

JuLöcr, Dienstag, den 18. Dezember 1900.

I i einem andern Anwälte, der sich bisher eines be- f ! deutenden Rufes erfreute, ist nicht mehr zu br-

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zweifeln, daß er die Untreue des Kriminalkom- miffars Thiel kannte und sogar die amtswidrrgen Handlungen desselben sich im Interesse seines Klienten Sternberg dienstbar machte. Noch mehr: der Kriminalschutzmann Slierstädier sollte augen­scheinlich durch ein Netz von Jnrriguen, von drm- selbrn Anwalt gesponnen, gegen das bessere Wisien dieses lrtztern als ein gewohnheitsmäßiger Lügner hingestellt werden, auf dessen Aussagen kein Werth

noch das Ausbleiben von Loris Briefen, Ring, den Helene trug, — dann stieg es siedend heiß zu Kopf, und ein tiefer Seufzer rang sich der gequälten Brust.

Wie er nachher in sein Zimmer und

zu legen sei.

Das Ziel dieser Thätigkeit ging dahin: Sternberg muß freigesprochsn werden, gleich- giltig, ob er schuldig ist oder nicht. Wir, die Anwälte, haben die Pflicht, ihn frei zu b-kommen; ob er die F eisprechung verdient oder nicht, geht uns nichts an. Wir heimsen unsere glänzende» Honorare aus der unerschöpflichen Kaffe des achtzehnfachrn Millionärs ein, und nun lassen wir unsere Minen springen, um unfern reichen Klienten gegen jegliche Berurtheilung zu beschützen. Der Plan, der zur Erreichung dieses Zieles sühren sollte, ist schlau ersonnen und lange Zeit hindurch in sehr pfiffiger Weise durch geführt worden. Und wenn der Apparat in allen feinen Theilen gut gearbeitet hätte, so würden die be- theiligten Anwälte von der Bildfläche abgetreten fein mit dem Gefühle, ihre Schuldigkeit getban zu haben, und außerdem mit so glänzenden Ho­noraren, wie zu erwerben sie sonst selten oder wohl nie in der Lage sind.

Diese Auffassung der Pflichten eines Rechts­anwaltes widerspricht unseren liebt r» lieferungen durchaus. Wir sind es nicht ge­wöhnt anzimehmen, daß ein Anwalt sich grund­sätzlich gar nicht darum kümmert, ob eine Person, die seinen juristischen Beistand in einer Straf­sache gewinnen will, eine Schuld auf sich ge­laden hat oder nicht. Diese Auffassung ist für unsere deutschen Anschauungen gar zu gewerbs­mäßig und zu geschäftsmäßig, und sicherlich werden sich die allermeisten deutschen Rechts­anwälte verwahren dagegen, daß diese Auf- faffung auch bei ihnen bestehe und leitend sei in ihrem Geschäftsbetriebe. Sie sollten aber ihrem Widerspruche auch offenen und deutlichen Ausdruck geben, damtt im Volke nicht die An­nahme Nahrung erhalte, ein Rechtsanwalt be­treibe sein Gewerbe wieeinRechtSoerdreher.

Bett gekommen, wußte er selbst nicht. Schlaflos wälzte er sich in den heißen Kiffen. Ach, so lange dünkte ihm die Nacht, so unendlich lange!

Mit dem ersten Tagesgrauen stand er auf, dann stellte er sich an das Fenster und sah zu, wie die goldene Sonne hinter den grünen Hügeln

Mer Betrieb derRechtsanwaltschast.

Der in Berlin verhandelte Prozeß gegen den -Aankier Sternberg ist außerordentlich frucht- bar an Gelegenheiten zu unliebsamen Be­trachtungen. Die Verhandlungen dieses Pro- ‘ zessts eröffnen nicht nur einen entsetzlichen Aus­blick auf das Sittenverderbniß in der großen Stadt, lassen nicht nur überrasctend un­angenehme Schlüsse ziehen über die Bestech­lichkeit in gewissen Beamte»kreisen, in denen die Bestechlichkeit gerade ein vollkommen unbe­kanntes und unmögliches Ding sein sollte; sie | haben nun auch zuguterletzt noch recht eigenthüm- i -siche Schlaglichter geworfen auf den Geschästs- betrieb in Rechtsanwaltsstuben.

Die freie Advokatur ist in Deutschland eine der vielen zweifelhaften Gaben, mit denen uns die Aera der liberalen Gesetzgebung in den siebziger Jahren beglückt hat. Seitdem ist die - Advokatur ein Gewerbe geworden; ein sehr lohnendes Gewerbe für den, der es schwunghaft zu betreiben versteht. Mit dieser Brnderung in den Verhältnissen vermehrte sich die Zahl der Advokaten in erstaunlicher Weise; und nament­lich die Erscheinung des jüdischen Rechtsanwaltes ist seitdcm so häufig geworden, wie wir sie jetzt zu schm gewöhnt sind. Mit der Vermehrung der Zahl der Rechtsanwälte steigerte sich dann r auch die Nothwendigkeit für sie, sich mehr als bisher um ihren Erwerb zu kümmern; und je mehr diese Nothwendigkeit sich geltend machte, desto häufiger kam es vor, daß Anwälte Sachen zur Führung annahmen, die sie besser nicht an- [ nehmen sollten. Und so hat man den» auch schon mehrfach die Wahrnehmung machen müssen, daß Anwälte in der Wahl der Mittel zur Ver- theidigung ihrer Klienten nicht allzu wenig wählerisch vorgingen.

Zur Ehre unseres Anwaltstandes, dessen übergroße Mehrheit die Anwendung solcher nicht vollkommen einwandsfreier Mittel ver­schmäht, muß festgestellt werden, daß solche Fälle, wie jetzt beim Sternberg'scheu Prozesse, recht selten find. Im allgemeinen gehen unsere An­wälte doch nicht von der Auffassung aus, daß es ihre Aufgabe sei, einen Schuldigen durch ihre Vertheidigung der Strafe zu entziehen, daß für sie die Anwendung aller Mrttrl recht sei, um, fei es wie e« wolle, eine Freisprechung ihres Klienten zu erzielen. Die Erfahrungen dieses Prozesses lehren, daß man im Au walts stände von dieser alten und guten Richtschnur abzuweichen beginnt. So ist bis jetzt klar erwiesen, daß Anwälte sich aufs lebhafteste bemüht haben, Briefe aus der Welt verschwinden zu lassen, die den Bankier Sternberg belasten; daß fir sich Mühe gaben, auf Zeugen einzuwirken, um dieselben zu Gunsten Sternberg'» umzustimmen. Von einem der Stern- berg'schen Anwälte steht es bereits jetzt schon ziemlich fest, daß er eine Zeugin gegen Sternberg aufs lebhafteste bearbeitete unter der Aeußerung: „Trtrn Eie doch auf unsere Seite"; und von

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Die kleine Lori.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

85 ------ (Nachdruck verboten.)

„Na sage 'mal im Ernst, Theo, wirst Du Dich wirklich bald verloben?" hieß eS wieder.

„Ich hoffe, ja/ erwiderte der Gefragte, „feit ich meine kleine Kousine auS dem Waffer ge­zogen, ist sie sehr zutraulich, sie liebt mich offen­bar, ist nur ein wenig spröde. Das sind jedoch alle Mädchen, ich wette, bald wird sie anders sein. Ich habe einstweilen, um später mit der Veröffentlichung nicht warten zu müssen, die Karten drucken lassen, und gedenke, die Kleine da­mit zu überraschen. WaS denkt Ihr, was die für Augen machen wird, ist das nicht eine außerordent­liche Idee, Kinder?"

Der Sprecher zog bei diesen Worten ein Päckchen goldumrandeter Karten aus der Brust­tasche seines RockeS und zeigte sie mit trium- phirender Miene im Kreise herum.

Man lachte, scherzte und lärmte weiter, end­lich wurde beschlossen, im Kasino noch ein Spiel­chen zu machen, so zog die ganze Gesellschaft ab.

Im Gastzimmer war eS wieder still. Johannes stützte den Kopf in die Hand, und schaute einer großen Brummfliege zu, die um das Licht herum­schwirrte. Unter dem Tische lag ein weißes, goldumrandetes Kärtchen, es blendete förmlich aus der Dunkelheit hervor. Mechanisch kam Johannes herzu und hob es auf. Er starrte auf

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Deutsches Reich.

Berlin, den 17. Dezember.

4~ Die erweiterte Ksuktvortage sollte nun wirklich fertig fein Aber sie ist augenschein­lich doch noch nicht fertig. Schon vor einiger Zeit wurde berichtet, er sollte nun auch noch die Kanalisirung der Mosel in die Vorlage hineinkommen, und die» wird jetzt in einem rheinischen Blatte bestätigt, da» bisher über diese Dinge sich stet» gut unterrichtet gezeigt hat. Damit entsteht von Neuem die Frage, ob die Vorlage unter den wiederum veränderten Umständen in ab­sehbarer Zeit im preußischen Landtage eingebracht werden kann. 6» würde aber nur wenige Leute geben, die große Vetrübniß über eine erneute solche

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Wiederholt fuhr die zitternde Hand durch das wellige blonde Haar, der ganze Körper des jungen Mannes bebte in qualvoller, maßloser Erregung; er fühlte einen brennenden Schmerz in Kops und Herzen. Noch hoffte er, eS möge eine Täuschung, ein Jrrthum sein, — die Wahr- heit wäre zu grausam, zu schrecklich. Konnte es in der Stadt nicht sehr leicht mehrere junge Damen deS gleichen Namens geben? Wieder nahm er das Kärtchen und betrachtete die ver­schnörkelte Schrift.

„Lorchen Berneck, — Theodor Krämer," Verlobte.

las er halblaut; unmöglich konnte das Lori, seine heißgeliebte Lori fein. Und doch, und doch so viel er aus den Reden der jungen Leute zu entnehmen vermochte, war die betreffende Dame auch klein und zierlich, befand sich noch nicht lange in der Stadt, lebte bei einer Tante, — alles, alles stimmte genau. Bedachte Johannes

Verzögerung empfinden würden. Die ungeheuer angeschwollene Vorlage flößt Feinden und Freunden ein unheimliches Gefühl ein.

X Isr ärztliche Aernf soll in Zukunft von anderen Bedingungen als bisher abhängig gemacht werden. Dem BundeSrathe ist eine Vorlage darüber zugegangrn, die an die Stelle des zweiten Paragraphen der Bekanntmachung über die ärztliche Prüfung vom 2. Juni 1883 treten soll. Dieser Paragraph lautet kurz und einfach: „Die Approbation wird demjenigen ertheilt, welcher die ärztliche Prüfung voll­ständig bestanden hat." In Zukunft soll an die Stells dieser alten Bestimmung folgende neue treten; „Die Approbation wird demjenigen ertheilt, welcher die ärztliche Prüfung voll­ständig bestanden und den Bestimmungen über das praktische Jahr entsprochen hat. Der ärztlichen Prüfung hat die Ablegung der ärztlichen Vorprüfung vorauszugehen. Die Zu­lassung zur Prüfung und zum praktischen Jahre, sowie die Ertheilung der Approbation find zu versagen, wenn schwere strafrechtliche und sittliche Verfehlungen vorliegen." Es handelt sich bei der geplanten Aenderung deS medi­zinischen Studiums um eine Verlängerung der Studienzeit, die nunmehr pflichtgemäß mindestens fünf Jahre betragen soll, und außerdem um die Einführung eines praktische'n Jahres. Nach Ablegung der ärztlichen Prüfung sollen die Kandidaten unter den Augen erfahrener und bewährter Aerzte noch einen praktischen Vorbereitungsdienst durch - machen und von dessen ordnungsmäßiger und vorurtheilsfreier Zurücklegung wird die Ec- theiluug der Approbation abhängig gemacht.

* Der deutsche Derer« für de« Schutz des gewerSkiche« Vrgenttznms wird am 19. Dez. Vormittags 11 Uhr, im Künstlerhaufe zu Berlin eine Konferenz für die Reform des Geschmack- musterrechtS veranstalten, bei der als einziger Gegenstand der Tagesordnung die Frage be­handelt werden wird, ob die Musterschutzanmel­dungen bei dem Patentamte zentralifirt werden sollen oder wie bisher bei den Amtsgerichten er­folge« sollen. Diese für die Praxis weiter Industriezweige äußerst wichtige Frage wird sonderbarerweffe von den Interessenten in ver­schiedenster Weise beantwortet. Der Verein hat eine Erhebung veranstaltet, deren Ergeb­nisse den Verhandlungen zu Grunde gelegt werden sollen.

tt Ai« Anarchist-ttLvttgr-tz sollte bekannt­lich in Berlin am 27. Dezember abgehalten werden. „Von genau unterichteter Seite" wird dazu den »Berliner Neuesten Nachrichten' mit- getheilt, daß „von einer solchen Absicht der Anarchisten an den zuständigen amtlichen Stellen nichts bekannt ist, daß aber jeher Versuch zur Verwirklichung dieser angeblichen Absicht rückhaltslos unterdrückt werden würde."

* Mit der Kittschätz««- zur Ai«Lommru Pewer, die auch für das nächste Steuerjahr von den Crnfiten mit einem Einkommen von über 3000 Mark in der Z-it vom 4. bis 21. Januar 1901 abzugeben ist, ist diesmal eine Vermögens­augabe behufs Veranlagung zur Ergänzungs-

Später erkundigte sich Johannes nach der Villa von Fräulein Kathinka Berneck und legte den ziemlich weiten Weg zu Fuß zurück. Die Sonne brannte jetzt so sengend hernieder vom wolkenlosen Himmel, der Schweiß perlte in großen Tropfen von der Stirn des jungen Mannes, — er beachtete es nicht. Mit pochendem Herzen und hämmernden Schläfen stieg er die steinernen Stufen hinan bis zur Hausthür. Dort blieb er stehen und sah sich um Vom Garten her trug der Sommerwind den Resedenduft zu ihm, Falter und Bienen flogen geschäftig von Blume zu Blume. War denn Lori nirgends zu sehen? Jetzt, da Johanne- ihr so nahe war, fühlte er doppelt brennend die Sehnsucht nach der Heißgeliebten. Im Flur begegnete ihm ein Dienstmädchen und wies auf sein Befragen auf eine Thür zu ebener Erde.

„Habe ich vielleicht die Ehre von Fräulein Kathinka Berneck?" fragte er eintretend, nachdem er leise an die Thür geklopft und von drinnen ein „Herein!" gerufen worden war.

Die Dame deS Hauses war bereits in voller Toilette, sie kramte wüthend in einem Schubfach, als suche sie etwas, dann wandte sie sich um und kam einen Schritt näher. — „Jawohl, die bin ich, mein Herr, — und was wünschen Sie von mir?"

„Ich — ich — möchte, — könnte ich viel­leicht Ihre Nichte, Fräulein Lori Berneck spre­chen?" stotterte der sonst so gewandte junge Mann verlegen, er war kaum im Stande, feiner Auf-

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die Buchstaben, die sich vor feinen Augen drehten, bmucu muyiuiu tm^vuwuim u«u «« er las und laS, und faßte es nicht, was da stand. | mit ihren goldenen Strahlen erfüllte.

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ft euer nicht verbunden, weil eine solche Ver­anlagung für das nächste Jahr noch nicht statt- guftaben" hat. Die nächste Ergänzungssteuer- veranlagung wird für das Steuerjahr 1902 vorzunehmen und mit der Einkommensteuer­deklaration für jrneS Jahr wird auch wieder eine Vermögensangabe zu verbinden fein.

V ILertt«, 17. Dezember. Der Kaiser blieb in Berlin über Nacht und fuhr heute Morgen mtt dem ahrplanmäßigen Zuge um 8 Uhr 5 Minuten nach dem Neuen Palais. Während der Fahrt hörte er den Vortrag deS Chefs deS Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. von Lueanus und später im Neuen Valais die Vorträge des Staatssekretärs des Reichs-Marineamts, Staatsministers, Vizeadmirals von Tirpitz und des Chefs des Marinc-Kabinets, Vize­admirals Freiherrn von Senden-Bibran. — Prinz Heinrich kehrte gestern Abend mit dem Nacht schnellzuge nach Kiel zurück. - Reichskanzler Gras Bülow ist heute früh in Begleitung des Geheimraths von Wil- mowski in München eingetroffen und im Bayerischen Hof abgestiegen. Er wurde am Bahnhof von dem königlich" preußischen Gesandten Grasen von Mont? und den Mitgliedern der Gesandtschaft empfangen. Bei seiner Vorstellung als Reichskanzler erh ell er vom Prinz-Regenten Luitpold den Hubertus - Orden. — Der .Reichsanzeiger" publizirt die Ernennung des­bisherigen außerordentlichen Professors in der katholisch- theologischen Fakultät der Universität zu Breslau, Dr. Johannes Nike!, zum ordentlichen Professor in der­selben Fakultät. — Der Umbau des Plenarfitzungs- saales im Abgeordnetenbause soll so rechtzeitig beendet werden, daß die Plenarsitzungendes Abgeordneten­hauses vom 15. Januar ab in diesem Saale abgehalten werden können. — Im .Reichsanzeiger' wird beute ein Nachtrag zu der Urkunde vom 1. Oktober 1898, bett, die Stiftung der Rothen Kreuz-Medaille ver­öffentlicht. Danach sind die Mitglieder der freiwilligen Krankenpflege, welche aus Anlaß eines Feldzuges die Rothe Krmz-Medaille erhalten, berechtigt, auf dem Baude derselben eine Spange mit der Bezeichnung des Feldzuges zu tragen. — Die Morgenausgabe der .Staatsbürger-Zeitung' vom Samstag früh ist be­schlagnahmt worden. Die darin wiedergegebenen Auslassungen des Grafen Pückler in einer anti­semitischen Volksversammlung sollen gegen § 130 deS Strafgesetzbuches (Aufreizung zum Klassenhaß) verstoßen.

* N<ttsdam, 17. Dez. Der jüngste Sohn des Kaisers, Prinz Joachim von Preußen, vollendete heute das 10. Lebensjahr. Mittags um 12 Uhr hatte eine kombinirte Kompagnie des ersten Garde-Regimentes zu Fuß in Grenadier- Mützen mit der Fahne im Muschel - Saale deS Neuen $aTai8 Ausstellung genommen. Zugegen waren die direkten Vorgesetzten derselben, sowie die hier anwesenden Prinzen. Der Kaiser, die Kaiserin, die hier anwesenden Prinzen,welche sämmt- lich die Uniform deS 1. Garde-Regimentes trugen, betraten den Saal, worauf die Einstellung deS Prinzen Joachim als Leutnant in das 1. Garde- Regiment und die Meldung desselben als solcher bei Sr. Majestät erfolgte. Darauf nahm der Kaiser einen Vorbeimarsch der Kompagnie in Sektionen ab. Der Kaiser erteilte dem Prinzen Joachim den Schwarzen Adlerorden.

t Aachen, 17. Dez. Landrath a. D. Janssen, der Vizeprästdent des deutschen Vereins vom heiligen Lande, ist in der ver­gangenen Nacht in Folge eines Herzschlages gestorben. Herr Landrath a. D. Janssen hat ein Alter von 70 Jahren erreicht. Sein an Bestrebungen von Bedeutung, an Arbeiten und Erfolgen reiches Lrben wird wesentlich durch seine Thätigkeit als Landrath von Heinsberg, als Landtagsabgeordneter, als Präsident deS scharf die Züge des vor ihr Stehenden und sagte in kaltem Ton: „Und Ihr Name?"

„Ach so, — ich vergaß, — Johannes Linde­mann."

Fräulein Kathinka zuckte bedauernd die Achseln.

„ES thut mir leid, — aber meine Nichte empfängt keine fremden Herren."

„O, ich bin Ihrer Nichte kein Fremder, bitte, wollen Sie ihr meinen Namen nennen, fie wird mich gewiß empfangen,"

„Nein, — ihr zukünftiger — Bräutigam würde das nicht gestatten." Kathinka legte auf die letzten Worte einen scharfen Nachdruck.

Johannes zuckte sichtlich zusammen.

„Ihr — Bräutigam?" wiederholte er bebend. „Gestatten Sie mir, daß ich ob dieser Mit­theilung einige Zweffel hege. Ich muß Ihnen bekennen, daß ich an Fräulein Lori filtere Rechte zu besitzen glaube. Es scheint mir fast unglaub­lich, daß Ihre Nichte einen „Bräutigam" haben sollte."

„Doch, doch, mein Herr. Sobald Loris Vater, den wir täglich erwarten, hier eintrifft, hält mein Neffe Theodor bei ihm um die Hand seiner Tochter an. Ich bin gewiß, daß er mit Freuden seine Einwilligung zu dem Bunde gibt. Dann wird sogleich die Verlobung veröffentlicht."

„Das ist ja aber gar nicht möglich, — das glaube ich nicht!" Jeder Blutstropfen war au8 dem Gesicht des jungen Mannes gewichen, mit seltsam gepreßter Stimme bat er: „Bitte, lassen Sie mich dennoch einige Worte mit Ihrer Nichte sprechen, ich will fie gewiß nicht lange belästigen."

Abermals zuckte Tante Kathinka die Achseln, (Fortsetzung folgt.)