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27. Jahrgang.
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Alpenroschrn.
Ein» Erzählung aus dem Leben.
Schmerze und Wehe.
Ich mußte mich gewaltsam ausraffen; denn es erklang da« Zeichen zum Beginne de« Gotte«- dienstes. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß ich in heißem Gebete des armen Opfer« gedachte. Warum konnte ich sie nicht schützen? — Warum hast du sie nicht geschützt, o gnadenvolle Mutter? — Verzeih' meine Kühnheit! Ich vergaß, daß der Mensch Herr seiner Willen« ist. Du hättest sie gewiß nicht verlaffen, wenn sie nicht zuerst dich, die Demuth und dar Gebet verlaffen hätte; wenn sie nicht aufgehört, zu wachen und zu beten. —
Nach dem Gottesdienst suchte ich nochmal« den Grabhügel auf und fand da in Thränen gebadet die alten Eltern des Mädchen«, da« eines so traurigen Tode« gestorben war. Wir beteten lange zusammen, dann bat ich die Mutter um ein Zweiglein aus dem Kranze, der auf dem Grabe lag. Sie brach eine Blüthe Alpenröschen und ein paar Braunellen heraus und gab sie mir. Ich mußte ihr ein paar tröstende Worte sagen; sie entgegnete: „Für meine Tochter war die irdische Bußzeit nicht lang, sie hat sich mit ganzem Herzen wieder Gott zugewendet und ist gerne gestorben. Er wird ihr verziehen haben, was sie gefehlt; meine Buße aber, die dauert, so lange ich lebe; Tag und Nacht martert mich der Gedanke, daß ich mein Kind selbst in's Unglück stürzen half, weil ich höher hinaus wollte und auf ihre Schönheit eitel war."
Traurig schied ich, und auf dem Heimwege hielt ich eine lange Zwiesprache mit dem Zweiglein Alpenröschen. Ich habe es so sorgsam gepreßt und getrocknet wie das erste, aber es half nichts, die rosige Farbe ist gelb geworden; war daran die Grabesnähe schuld oder meine Thränen? Doch bewahrte ich ste zusammen auf, und so oft ich sie ansehe, trauert mein Herz noch immer um die frische Mädchenblüthe. Glücklich die junge Seele, welche in diesen gefahrvollen Jahren von einem frommen Vater- oder Mutterauge behütet wird!
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Mädchen gekannt hat."
„Ja, da« Herz weh!" Mir war, al« muffe ich die Hände zum Himmel strecken in bitterstem
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I Als ich jüngst eines meiner Bücher öffnete, l fielen mir aus demselben zwei Blümchen entgegen, welche schon mehrere Jahre darin gelegen. E« t waren reichblühende Zweige von Alpenröschen ge- I wesen, als ich sie zum Preffen eingelegt, aber i sonderbarer Weise hatte die Blüthe des einen I Zweiges ihre ganz; Farbensrische bewahrt, indeß die andere gelb und verwelkt aursah. Ein paar Braunellen, welche dem Zweige angefügt waren, starrten mich an wie zwei traurige Kinderaugen, welche nichts von Frohsinn wissen. Auch mir wurde es wehmüthig um's Herz, als ich die Blumen so ansah und dabei der Veranlassung gedachte, welche mir dieselben in die Hand gespielt. —
Er war vor einigen Jahren, als ich einer Tage» am frühesten Morgen dem eine gute Stunde entfernten Wallfahrtsorte B. zupilzerte. Ich war in der heitersten, glücklichsten Stimmung. Die Aussicht, einmal wieder die hl. Sakramente empfangen und einige Stunden ganz ungestört meiner Andacht pflegen zu können, machte mich ganz selig. Dazu wurde der heutige Tag in der Wallfahrtskirche als Hauptfest gefeiert, und eine solche Feier hat im Gebirge unstreitig mehr Reiz als im Flach-
zu beten, worauf sie mit Freuden einging. Sie sprach die Worte mit einer eigenen Innigkeit und Andacht aus, sodaß ich mich ganz gehoben fühlte. Al« wir mit dem Gebete zu Ende waren, sahen wir schon die Spitze de» Kirchthurmes durch da« Grüne ragen und das Glöcklein rief zur heil. Messe. Ehe wir uns trennten, bat ich das freundliche Mädchen noch um ein Zweiglein Alpen- rötchen; sie trug davon im Mieder ein ganzes Büschelchen, so rosig und thaufrisch wie ihre Wangen. „Ich hab' sie gepflückt für Unsere Liebe Frau", sagte sie lächelnd, „aber cs wird ihr schon recht sein, wenn ich Ihnen ein bischen davon gebe; e« sind die allerschönsten, die ich finden konnte." Und mit diesen Worten überreichte sie mir einige der lieblichen Blumen. Ich aber dachte mir : das allrrschönste Alpenrörchen bist du selbst! möge die hl. Jungfrau dein Blühen behüten! Das Zweiglein legte ich in mein Gebetbuch, um e» dann nach meiner Heimkunft kunstgerecht zu pressen: es ist die Blüthe, welche heute noch wie die ganze Erinnerung schön und rosig vor meinem Geiste steht. —
zu wessen, wie es ihr gehe — ich kam jedoch nie dazu, Jemand nach ihr zu fragen. Da besuchte ich einmal den Pfarrgottesdienst in F. Ich sah im Gottesacker einen frischen Grabhügel und auf demselben einen Kranz von Alpenröschen. Obgleich ich Niemand persönlich kannte, drängte e« mich doch, zu fragen, wer denn da begraben sei.
„Ja so, Ihr seid ja fremd hier", sagte die Frau, mich vom Kopf bis zum Fuß musternd, „sonst müßtet Ihr er ja gehört haben, daß gestern das Turmer Lieserl da seine letzte Heimath gefunden hat." — „Da« Turmer Lieserl?" rief ich tief erschrocken, „das schöne Alpenrörchen? Nein, das kann ja nicht sein!"
„Und es ist doch fo!" entgegnete die Frau, — „verdorben und gestorben! Es ist kein Mensch in der ganzen Pfarrei, dem es nicht leid um sie ist; denn sie war wirklich ein braver Mädchen, und wenn man sie sah, mußte man sich freuen, weil sie gar fo lieb und schön war. Ihre Mutter, ja die mag sich jetzt die Augen ausweinen, es hilft nichts mehr! sie hätte da» Mädchen nicht jo herausputzen und besser hüten sollen. Ein junger Windbeutel au» der Stadt, der hat das Unglück zuwege gebracht. Er hat der Mutter und Tochter goldene Schlösser vorgespielt, und die zwei hätten Leib und Seele für ihn hingegeben, während alle anderen Leute ihn für einen Schwindler hielten. Die Mutter sprach schon von der Hochzeit und da» Lieserl trug recht augenfällig einen goldenen Verlobungsring zur Schau. Auf einmal hieß er, der unge Herr sei abgereist. Das Lieserl aber ist ;anz menschenscheu geworden. Sie hoffte von Tag u Tag auf eine Wiederkehr, daß er sein Wort einlösen und sie heirathen werde. Al» er aber gar kein Leben«zeichen gab, reiste der Vater in >ie Stadt. Es gelang ihm, den Verführer auf- zufinden; aber wie? als Gatte einer hungernden Frau und Vater von zwei kranken Kindern. — Lieserl mußte die Wahrheit erfahren und da» hat ihr da» Herz gebrochen. Und da liegt sie nun drunten und Jedem thut da» Herz weh, der da«
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Eingetreten in da« liebliche Kirchlein, verlor ich das Mägdlein bald aus den Augen.
Mein ganzer Sinn war auf die hl. Handlung am Ware und auf den würdigen Empfang der hl. Sakramente gerichtet. Ich hatte nach der hl. Kommunion noch nicht meine Dankgebete vollends verrichtet, als schon der Gottesdienst im Freien begann. Schon al» Kind hatte, wenn ich einer Primizfeier anwohnen durfte, der dann unter freiem Himmel abgehaltene Gottesdienst einen überwältigenden Eindruck auf mich gemacht. Seit langer Zeit wohnte ich wieder zum ersten Mal heute einer solchen Feier an — nun erschien sie noch großartige» durch die herrliche Umgebung. Ring»um standen die Berge wie Wände eine« ungeheuren Dome«; darüber wölbte sich das tiefblaue Firmament mit dem mächtigen Sonnensterne al« dem ewigen Lichte. Und der an der Vorderseite de« Kirchleins errichtete Altar erschien wie ein kunstvoller Bau aus Alpenröschen und Immergrün: ein ehrwürdiger Thron der Gotter- 'sohne«. Und welch' ein farbenreiches Bild bot die Umgebung; so weit das Auge sah, erblickte e« Kopf an Kopf in den verschiedensten Trachten und Gestalten. Nie werde ich den Augenblick vergessen, da, als der Priester bei der hl. Wandlung die hl. Hostie erhob, Alle« ring« auf den Knieen lag und die Böller krachten, al« müßten die Berge ein« stürzen, — wahrhaftig groß und ergreifend. — Nach Beendigung der Feier sah ich auch meine Gefährtin wieder; sie stand im Kreise mehrerer jungen Mädchen, von allen weitaus die lieblichste. Ich konnte mich nicht enthalten, eine mir bekannte Bäuerin auf sie aufmerksam zu machen. „Ei ja", sagte diese, „dar ist das Turmer Liefert. Das ist das einzige Töchterl, darum ist sie so aufgeputzt, wie eine richtige Bauerntochter. Ihre Eltern habe« gerade kein schlechte« Anwesen; aber mit dem Mädel machen sie doch zu viel Wind." — „Allein, ich müßte mich doch sehr irren", sagte ich, „wenn da« Mädchen nicht so brav und unschuldig als schön wäre." — „Brav und unschuldig? Ja, da« ist sie auch", entgegnete die Bäuerin, „und ihre Eltern find auch recht gute Leute; man kann'« nicht anders sagen. Aber sie putzen da« Lieserl zu stark heraus, als wenn ihm nicht schon genug zuliebe gingen!" Wie ein Mißton klangen diese Worte in meinem Geiste fort, auf dem Heimweg und daheim, bi» ich endlich die Geschichte vergaß.
Zwei Jahre darauf kam ich wieder auf längere Zeit in diese Gegend. Auf dem Wege zur Wallfahrtskirche fiel mir jenes Mädchen wieder ein und ich hatte ein große» Verlangen, sie zu sehen und
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Iutöa, Montag, den 17. Dezember 1900.
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• ILrüffer, 16. Dez. Auf Schloß Bel Oeil in der Nähe von Mons, bas bem Fürsten von Signe gehört, ist gestern ein heftiger B r a n b ausgebrochen. Nach den letzten Nachrichten ist die kostbare Bibliothek vom Feuer nicht verschont geblieben. Die seltensten Bücher sind zum großen Theil vernichtet. Die Gemäldesammlung hat stark gelitten. Mehrere Bilder sind gänzlich zerstört, andere stark beschädigt.
Meine Nachrichten. Essen. Der Bergmann Volker wurde in seiner Wohnuvg ermordet aufgefunden. Die Halsschlagader war durchstochen und der Tod durch Verblutung eingetreten. Seine Frau wurde wegen Mordverdachts verhaftet. — Bochum. Aus der Zeche„Earolmer.glück" verunglückten in einem Bremsschacht fünf Mann, die theils schwer Verletzten wurden dem Krankenhause Bergmannsheil zugefuhrt. Die Ursache des Unglücks ist wahrscheinlich das Versagen der Bremse. — Bremerhaven. Ein Schiffsarzt des Norddeutschen Lloyd wurde verhaftet, weil er angeblich eine Prostituirte vergiftet hat. — Trier. Beim Ueberschreiten der Geleise wurden dem Telegraphisten Daus auf dem Bahnhof Karthaus beide Berne abgefahren. — Mainz. Das Schwurgericht ver- urtheilte den 43 Jahre alten Schuhmacher Jakob Aettig aus Hattenheim (Rheingau) wegen Münz- verbrechens zu acht Jahren Zuchthaus. Der Angeklagte Hal nicht weniger als 18 Jahre Zuchthausstrafen hinter stch. Zuletzt wurde er rn Wiesbaden wegen Münzverbrechen zu drei Jahren Zuchthaus verurthrilt. Er bat falsche Zweimarkstücke angefertigt und in vielen Orten der Provinz Rheinheffen abgesetzt. — Karlsruhe. In Heidelberg hat stch der Zigarrenfabrikant Ritz Haupt, der lange Jahre dem Stadtverordnrtenkollegium angebörte, erschossen. In einem Leiden soll die Ursache zu finden sein. - AuS der Pfalz. Im Btenwald hat man seit einiger Zeit Tiefbohrungen nach Petroleum vorgencmmen, die Erfolg versprachen. Mm Dirns-ag früh wurde eine mächtige Gasquelle er- bohrt. aber gleich daraus hüllte sich der 20 Meter hohe Bohrthnrm in Gase, die, wie wir schon kurz gemeldet haben, in Brand gerielhen. Seitdem braust eine sechs Meter hohe Flamme in unverminderter Stärke au» dem Bohrloch. Man darf wohl annehmen, daß hier eine reiche Petroleumquelle erschlossen worden ist. — Augsburg. Am 14. Oktober wurde von einer Anzahl Burschen im Alter von 17 biS 25 Jahren eine Safiwirthschaft, in der man eine Hochzeit feierte, erstürmt und zu» Theil demolirt. Sechzehn Personen wurden dabei verletzt. DaS Schwurgericht verurtheilte zwanzig Angeklagte zu Strafen, die von vier Jahren Zuchthaus bis zu sieben Monaten Ge- fängniß herabgehen. — Brüssel. Angesichts deS zu erwartenden allgemeinen Streik» rm Hafen von Antwerpen wurde die Garde civique einberufen, um den Hafen und die Wersten besetzt zu ballen. Das Militär wird m den Kasernen konsignirt. — Pari». EmeAnza^ Ausländer, die bei den Kämpfen m China sich ausgezeichnet haben, wurden mit dem Orden der Ehrenlegion dekorirt. Bon Deutschen befinden sich darunter der GesandtschaftSarzt in Peking Dr. Selbe und Oberleutnant von Soden, der Führer der deutschen Detachements in Peking. Beide wurden zu Rittern der Ehrenlegion ernannt. — Buenos ArreS. In Radiablanca entstand durch Funken einer Lokomotive ein furchtbarer Brand. Der Schaden ist sehr beutend, da die Ernte auf eine Strecke von 600 Meilen vernichtet ist. Auch zahlreiche Biehhrerden find in den Flammen umgekommen.
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lande.
Obgleich der Weg zu so früher Morgenstunde noch sehr einsam war, verschmähte ich es doch, auf der staubigen Landstraße zu bleiben, und schlug den Weg längst der „Wand" ein. Derselbe führt durch Viehweiden und saftige Wiesen und endlich durch einen Wald zur Wallfahrtskirche empor. Zur Rechten ist die senkrechte Felsenwand, links aber ist der Blick frei, und e« bietet sich dem Auge ein große», wahrhaft schöne» Landschaftsbild dar. Auf der halben Höhe angelangt, blieb ich einen Augenblick stehen, um die Großartigkeit de» Anblicks recht zu genießen. Da tönte von den umliegenden Kirchen da» Avegeläute und gleich darauf knallten vom Wallfahrtsorte her die Böllerschüsse, des Tages hohe Festlichkeit anzukündigen. Jeder Schuß wurde von den Bergen in mehrfachem Echo zurückgeworfen, gleichsam als Tribut und Huldigung zum Feste. Als ich mein Gebet beendet hatte und mich zum Weitergehen anschickte, kam auf einem der Seitenwege eine junge Wanderin daher. Sie war in festliche Tracht der Ober- länderin gekleidet, und dieselbe verrieth, daß da« Mädchen nicht zur ärmeren Klasse gehöre; doch nicht die reiche Kleidung allein war e«, wa« mir die Gestalt interessant erscheinen ließ, sondern hauptsächlich der Liebreiz ihre« ganzen Wesen«. Sie mochte kaum zwanzig Jahre zählen, war von mittelmäßiger Größe und für ein Bauernmädchen fast zu fein gebaut. Au« ihrem blühenden Angesichte und den tiefblauen Augen sprach eine solche Sanstmuth und Unschuld, daß man den Blick nicht abwenden konnte.
Ich hatte sie vorher nie gesehen — sie aber mußte mich kennen, denn in der Art ihre« Gruße« lag eine rührende Vertraulichkeit. Sie sagte mit, daß sie auch zum Frauenfeste gehe und hoffe noch früh genug zu kommen, um vor Predigt und Amt die heiligen Sakramente empfangen zu können. Diese Erwähnung und der Rosenkranz in ihrer linken Hand sollten mir wohl sagen, daß sie allein zu gehen wünsche. Da ich aber da« gleiche Vorhaben und meinen Rosenkranz auch zu Ende gebetet hatte, so machte ich den Vorschlag, wechselweise
PALMIN
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