27. Jahrgang.
Jutta, Montag, den 17. Dezember 1900.
JIS 289
Paragraphen ist bestimmt, was überhaupt nur ein Blatt aus dem andern abdrucken darf. Und ne Paraphen 44 und 45 bestimmen, daß die Unterlaffung der Quellenangabe mit G e l d st r a f e >is ju 150 Mark bestraft wird, und daß die Strafverfolgung auf Antrag eintritt. Was ist denn übrigens ein „Schriftwerk"? Wer das in unzweifelhaft klarer oder auch nur einigermaßen genauer Weise bestimmen kann, verdient eine -ohe Belohnung. Es ist aber zu vermuthen, daß das Niemand fertig bringt, und daß tausend Rechtsgelehrte den Begriff tausendfach verschieden erklären. Die ganze Geschichte ist einfach Unsinn.
Damit hat der Gesetzentwurf das Richtige getroffen, daß er den Abdruck von wissenschaft- ichen, technischen und dergleichen Abhandlungen verbietet. Aber solche Sachen druckt rin Blatt, das auf Preßanstand hält, auch heute nicht ohne weiteres ab. Immerhin schadet es nichts, wenn ;egen solchen Diebstahl am geistigen Eigenthum -er Tagespreffe ausdrückliche Strafbestimmungen aufgestellt werden. Es gibt überall gewissenlose und unanständige Leute, so auch in der Preffe, sie planmäßig solchen Diebstahl betreiben; und wenn solche Leute deswegen einmal vor den Richter kommen, so haben sie das von Rechtswegen und reichlich verdient. Aber wenn die vorher erwähnten Bestimmungen Gesetz werden sollten, dann würde damit der gesammten Preffe ein Mühlstein um den Hals gehängt werden, wie er entsetzlicher gar nicht ausgedacht werden kann. Daß diese Bestimmungen nicht in dem Gesetzentwürfe bleiben, liegt aber nicht allein im Interesse der Zeitungen selbst, sondern auch im Interesse des allgemeinen Publikums. Denn diesem würden auf solche Weise sehr viele interessante kleine Mittheilungen vorenthalten bleiben, weil die Zeitungen sich unmöglich dazu verstehen könnten, bei jeder einzelnen Notiz großartig und umständlich die Quelle anzugeben.
Man sollte die Entscheidung darüber, was die Zeitungen ohne Quellenangabe abdrrcken dürfen und was nicht, nach wie vor getrost dem AnftandSgefühle der Redakteure überlaste'. Der gegenwärtige Zustand in diesem Sinne g-bt ja auch gar kein« Veranlassung zu Klagen; m wenn die Sachverständigen, die bei der Ausarb stung dieser Gesetzentwurfes von der Regierung als Berathrr hinzugezogen worden find, die Sache anders darstellten, so haben fie eben eine ganz falsche Darstellung gegeben, auf Jrrthum beruhend oder auf Unkenntniß der Thatsachen!
Die gencnnten Paragraphen 18, 44 und 45 des Gesetzentwurfes dürfen nicht Gesetz werden. Die gesammte Presse sollte sich zusammenthun, um sich dagegen zu wehren, in ihrem eignen Interesse und im Interesse der Gesammtheit ihrer Leser!
Die Meine Lori.
Original-Roman von Irene ».Hellmuth.
24 ------ (Nachdruck verboten.)
Mit der Frage: „Ist Herr Berneck zu Hause?- versuchte er, an Helene vorbeizukommen, und die Thür zu gewinnen, doch fie stellte sich ihm in den Weg.
„Mein Onkel ist augenblicklich nicht da, und wenn ich Ihnen einen guten Rath gebe« darf, so suchen Sie ihn nicht auf. Sie sparen sich dadurch viele Unannehmlichkeiten. Der alte Herr ist sehr schlecht auf Sie zu sprechen, und Sie werden ihn nicht umstimmev."
Helene mochte recht haben, der junge Mann sah das em. Er wandte sich mit kurzem Gruße und schritt dem Walde zu. DaS schöne Mädchen blickte ihm grimmig nach.
„Wieder nichts gewesen,* murmelte» di» vollen Lippen „doch ich gebe die Hosfftung noch nicht auf!"
Johanne- hatte bald den Wald erreicht. Sinnend verfolgte er seinen Weg zwischen den hohen Bäumen, doch je mehr er sich das Bild Loris vergegenwärtigte, desto mehr schwand sein Groll dahin.
„Es kann nicht sein, was Helene sagte; Lori, die mich so herzlich lieb hatte, sie sollte meinen Ring derartig mißachtet haben? das if unmöglich." Im Seifte sah er sich wieder ihr gegen überstehe», wie an jenem Maimorgen, er sah ihre lachenden, ftöhlichen Augen, daS herzige Gesichtchen, die zierliche Gestalt. Eine heiße Sehnsucht nach der fernen Geliebten erfaßte ihn;
SDasgeistigeEigenthumder Preffe.
Am erste» Verhandlungstage des Reichstages nach den Weihnachtsferien soll in erster Lesung der Gesetzentwurf über daS Urheberrecht an Werken der Literatur und Tonkunst berathen werden. In diesem Gesetzentwürfe find neue Bestimmungen enthalten über den Nachdruck, die die Jntereffen der Zeitungen sehr nahe an- gehen.
Heutzutage gibt man in den Zeitungen nicht immer die Quelle an, auS der man schöpft. Wenn beispielsweise in einer Zeitung der Provinzhauptstadt die ungeheuer wichtige Meldung verzeichnet ist, das Haupt der Provinzregierung werde am nächsten Donnerstag »ach Jxhausen reisen, um sich dort daS neue Gymnasium «nzu- setzen, so drucken das andere Blätter der Provinz gelaffen nach, ohne den Namen der Zeitung zu nennen, aus der fie die Meldung entnommen haben. Das Versahren beruht auf Gegenseittg- keit. Kein Mensch von einigermaßen umgänglichen Preffemanieren findet dies Verfahren anstößig; und wenn man unter allen deutschen Redakteuren und Verlegern eine Umfrage veranstalten wollte darüber, ob sie diese Gewohnheit geändert haben wollen oder nicht, so ist tausend gegen eins zu wetten, daß die erdrückende Mehrheit antworten würde: «S soll alles so bleiben, wie eS ist. Unter Umständen würde eine geradezu lächerliche Wirkung erzielt werden durch die fortwährende Angabe der Quelle, auS der Nachrichten geschöpft sind; der ganze Pro- vinztbeil einer Zeitung z. B. würde in den meisten Fällen eine außerordentlich schwerfällige Form dadurch bekommen.
Und was dann, wenn mehrere Zeitungen gleichzeitig dieselbe Nachricht bringen? Welche davon soll dann von anderen Blättern, die die Nachricht abdruckrn, als Quelle angegeben werden? Sollen fie vielleicht alle miteinander als solche genannt werden? — zum Beispiel so: Im Berliner Thiergarten hat sich i» der Nacht von Donnerstag zu Freitag ein biSber unbekannter Mann unter ganz eigenartigen Umständen daS Leben genommen. So melden .... und nun müßten die Namen vo« vielleicht zehn Berliner Zeitungen folgen, die die kleine Nottz alle miteinander gleichzeitig und gleichmäßig aus den Aufzeichnungen eines Lokalberichterstatters entnommen habe»! Daß das nicht angeht, merkt sofort jedermann, auch ohne das innere Wesen des RedaktioaSbetriebes tixtr Zeitung zu kennen.
Und doch will der neue Gesetzentwurf allen Nachdruck in den Zeitungen, der ohne Angabe der Quelle erfolgt, unter Strafe stellen! Der achtzehnte Paragraph des Ges,tz- entwurses besagt nämlich: „Wer auf Grund der Absätze 1 und 2 den Abdruck von Schriftwerken bewirkt, hat die Quelle deutlich anzu- geben". In den ersten beiden Absätzen dieses
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Deutsches Hlrich.
Berlin, den 16. Dezember.
4- Anläßlich der heute (Sonntag) Nachmittag 1/a2 Uhr auf dem Lehrter Bahnbofe er- morgen oder übermorgen wollte er zu ihr eile», und sie an sein Herz ziehen. O wie würde sie sich freuen, wie würden die lieben Augen aufleuchten, wenn er kam! Doch halt, es mußte ihr gemeldet werden, aber wie? Wenn er selds schrieb, so war anzunehmen, daß Lori seinen Brief gar nicht erhielt. Aber Helene, ja, so ging es. Ec hatte vorhin, als er er in wildem Grimm fortgegangen, überhaupt vergessen, Erkundigungen über Loris Befinden einzvziehen, und wollte nun das Versäumte «achholen.
Er eilte den kurzen Weg zurück, doch au dem schmalen Wiesenpfad begegnet» ihm Helene, fie mußte gefolgt sein. Er nahm sich nicht die Zeit, darüber nachzudenken, sondern ganz von dem Wunsche erfüll!, Lori bald sehen zu können, begann er hastig, doch in freundlichem Ton: „Fräulein Helene, möchten Sie mir einen Ge- fallen thun?"
Sie erröthete freudig: „O wie gern, Herr Lindemann, sprechen Sie, was ist'S?"
„Sie müssen »och heut» an Lori schreiben, daß ich in einigen Tagen dort eintreffe, um mit ihr zu sprechen."
Eine finstere Falte erschien sekundenlang au der weißen Stirn, doch Helene bezwang fich rasch.
„ES ist gut, ich werde es besorgen."
„Ich danke Ihnen. Doch sagen Sie, haben Sie gute Nachrichten von Lori?"
„O, sehr gute."
„Und — und ist fie gesund?"
„Gesund wie ein Fffch."
Johannes war sehr einsilbig, nah einigen weiteren Frageu schlng er den Heimweg an. Gr verständigte seinen Vater, daß er einige Tage
salzten Ankunft der abgelösten Khi«a»S«pf-r -alte sich eine zahlreiche Menschenmenge in der Nähe des Bah«hoses eingrfunden. Desgleichen waren die Straßen, welche die Hrimgekehrten bis um Zeughause passiven mußten, von einem ungemein zahlreichen Publikum besetzt. Die militärischen Gebäude und eine Anzahl öffentliche und Prioatgebäude hatten geflaggt. Das Wetter ließ viel zu wünschen übrig. Von dichten Regen- wölken war der Himmel bedeckt und es schien, als ob jeden Augenblick ein heftiger Regenschauer niedergehen wollte. Pünktlich */»2 Uhr lief der Zug vo» Wilhelmshaven auf dem Bahnhofe ein, erwartet vom Gouverneur von Berlin, einer I kompngnie deS 2. Garde-Regiments zu Fuß mit Spielleuten, RegimentSmufik und Fahne. Nach tattgefundener Vorstellung und Begrüßung sor« mitten sich die tapferen Ehinakrieger, um zum Brandenburger Thor zu marschiren. Den Zug eröffnete die Marinekapelle, welcher vier Kom- ragnien Marinesoldaten, in deren Reihen die auf den Taku-Forts erbeutete chinesische Fahne und die beim Sturm auf diese Forts geführte Reichs-KriegSflagge getragen wurden, folgten. Dann kamen die von den deutschen Mannschaften auf den Taku-Forts erbeuteten Geschütze, deren Bespannung dos 1. Garde-Feld-Artillerie-Regi- ment gestellt hatte. Hinter diesen folgte die Be- gleitkompagnie mit Musik. Als der Zug am Brandenburger Thor angelangt war, machte das Ganze Halt. Oberbürgermeister Kürschner, umgebe« von Vertretern des Magistrats und den Stadtverordneten, ermattete am Brandenburger Thor den Zug, um im Namen der Stadt die Heimgekehrten willkommen zu heißen. Da dieser Punkt des Festprogramms sich bereits um 2 Uhr abspielte und die Begrüßung vor dem Zeughause erst auf 3 Uhr festgesetzt war, zudem dar Kaiserpaar, der Kronprinz und die anderen Prinzen von Potsdam noch nicht in Berlin eingetroffen waren, ( lieb der Zug bis nach Auffahrt der hohen Herrsch ften vor dem Brandenburger Thore aufgestellt. U n s/t3 Uhr setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Am Opernplatze bildeten die hiesigen Marine- und Krieger-Vereine Spalier. Auf dem ganzen Wege, den die Zurückgekehrten passirten, tönten ihnen laute Hochrufe entgegen. Manchen stehen noch die ausgestandenen Strapazen auf dem Gesichte geschrieben, Mancher hat beim Sturm auf die Talu-Forts ein Glied feines Körpers verloren. Der Kaiser, umgeben von den in Berlin anwesenden Prinzen de» königlichen Hauses, der Generalität von Berlin, sämmtlichen hiesigen Marine-Osfizieren, den militärischen Bevollmächtigten der deutschen auswärtigen Staaten, sowie Abordnungen aller Offizier-Korps der Garnison Berlin, erwarteten vor dem Zeughause die heim- gekehrten Krieger. Unter dem Spiele der beiden Musik-Korps schritt bet Kaiser die Front «b und befahl dann den Einzug der Marine-Abtheilnng in den Lichthof des Zeughauses, wo sich dieselbe aufstellte. Der Kaiser ließ sämmtliche verwundeten und dekorirten Mannschaften vortreten und »nter- hielt sich mit jedem Einzelnen über die Art der Verwundung und der Gelegenheit, aus der die Dekorirung erfolgte. Jedem Einzelnen schüttelte der Kaiser kräftig die Hand. Alsdann hielt er ungefähr folgende Ansprache:
abwesend sein würde, bekam aber kaum eine Antwort. ES mußte doch noch ein Tag vergehen, ehe er seinen Plan zur Ausführung bringen konnte. Erst am übernächsten Taz machte et sich au die Reise.
Viel zu langsam für seine Ungeduld ging der Zug dahin. Endlich war das Ziel erreicht, aber es dunkelte schon, als er den Bahnhof von A. verließ, und er mußte sich sagen, daß er heute keinen Besuch mehr machen konnte. Bis er fich ein wenig den Reisestaub von den Kleidern bürstete, und sich etwas restautitte, mußte es völlig Nacht fein. t
Er suchte daher ein Hotel auf, und nachdem ihm der Kellner ein hübsches Zimmer angewiesen, machte er sich's bequem. Doch zum Schafen war es noch zu stütz, er setzte sich an das Fenster und machte fich allerlei Gedanken. Vielleicht war ihm der Zufall günstig, — wenn Loti gerade vorbeiginge, das wäre doch zu schön! Was würde fie sür Augen machen!
Doch dunkel und still lag die Straße, nur wenige Menschen war zu sehen. Auf die Dauer wurde eS Johannes zu langweilig in dem schwülen Z,mmet; er begab sich in die RestaurationSräume und bestellte eine kleine Erfrischung. Mit einem Male wurde es lebendig, ein Schwarm junger Leute kam lachend und plaudernd herein, anscheinend in heiterster Saune und nahm lärmend Platz.
„Bier her, Bier her, oder ich fall' um," brüllten mehrere der Angekommenen.
„Run Theo," rief einer, eine lange, hagere Erscheinung, „ich dachte, Du wolltest eine kleine
„Als ich Euch mit banger Spannung ziehen ließ konnte man noch nicht überblicken, wie sich die Verhältnisse gestalten würden, aber ich wußte, daß ich mich auf Euch verlassen konnte. Im Namen des deutschen Volkes sage ich Euch hiermit Dank. Ihr habt Suren Fahneneid gehalten und jeder von Euch wird in schwerer «Stunde an den Fahneneid gedacht haben und es wird Euch die Bedeutung desselben klar geworden sein. Eure Hand hat nicht gezittert und das Auge hat fich nicht getrübt und so habt Ihr in schwerem Kampf den Sieg errungen. Der Herr der Heerschaaren hat Euch geführt und hat Euch geschützt und Euch wieder glück- lich und sicher in die Heimath zurückkehren lassen. Da- ttr seid Ihr und müssen wir ihm dankbar sein. DaS Auge des hochseligen Kaiser Wilhelm des Großen und etueä edlen Sohnes ruhte auf Euch. Ich habe Euch in die Reichshauptstadt einziehen lassen, damit auch das deutsche Volk Gelegenheit habe. Such seinen enthusiastischen Willkommengruß zu bieten. Von heute an ist kein Zweifel mehr barüter, daß Heer und Marine eins ind, eine kann fich auf die andere verlassen, einer zollt der andern die gleiche Achtung und darüber soll Niemand mehr int Zweifel sein, (hier sprach der Kaiser mit erhobener Stimme und schwenkte mit der Rechten den Marschallstab) daß, wo ich meine blauen Jungen hinsetze, fich Niemand darüber setzt. Nun seid Gott befohlen und empfangt nochmals meinen kaiserlichen Dank.»
Der Feierlichkeit im Zeuqhause wohnte die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Louise bei. Nach Schluß der Feier nahm der Kaiser vor dem Zeughause über die Marine-Abtheilung und sie Ehrenkompagnie den Parademarsch ab. Vorher hatte der Kaiser die eroberten Geschütze in Augenschein genommen.
G A-ichskauzker Hraf ASkow will sich noch vor Weihnachten den Regenten der größeren Bundesstaaten vorstellen. Heute (Montag) trifft der Kanzler in München ein, von dort wird er fich nach Stuttgart und Karlsruhe begeben. Ein Ojfiziosus bemerkt dazu in der ,Nordd Allg. Ztg': „Diese Besuche werden dem Reichs!«! zier die erwünschte Gelegenheit bieten, mit den Ministern der auf der Reise berührten Bundesstaaten per- sönlich in Fühlung zu treten.“
-4-Die Zkmdreist des U-Sstd-nle« Krüger bildet für die britische Jingo • Preffe natürlich fortgesetzt einen Gegenstand des Aergermsses. Namentlich die wuchtigen Volks,Kundgebungen in Paris und Köln gehen den Engländern sehr gegen den Strich, und gar zu gern möchte man den Eindruck dieser Kundgebungen abschwachen oder in ein verdächtiges Licht rücken. In diesem Sinne hatte man die Lüge aufgebracht, es sei „ein ungeheurer Betrag für Bestechung und Korruption aufgewandt worden durch den Leiter von Krüger's Rundreise, um die Volksbegeisterung zu Gunsten der Buren zu erregen." Die Agenten, die das bewerkstelligen sollten, seien bis Köln gekommen; ihr Betragen sei schamlos gewesen rc. An der ganzen Geschichte ist auch nicht ein wahres Wort. Aber eS bewahrheitet fich wieder einmal das alte Sprüchlein, daß man Andere nicht hinter Sträuchern sucht, hinter denen man nicht schon selbst gesteckt hat. Die ,Leipz. Neuesten Nachr/ überraschen die Welt mit der folgenden erbaulichen Enthüllung:
„Die be Beers - Kompagnie, zu deren Häuptern Herr Cecil Rhodes gehört "unb die ein« Schwester- Gesellschaft der berüchtigten Chartered Company bildet, hat „für das Jahr 1899, zweites Halbjahr, „einen Geschäfts • Bericht verfaßt, der nur „einigen wenigen Personen zugänglich ge»
„Ja, wahrscheinlich morgen."
„Unb Deine Tante begleitet Euch?" „Selbstverständlich."
„Brrr."-- _
„Freundchen," neckte ein Anderer, „Du bist ja heute so ungewöhnlich blaß, wie kommt denn das?"
„Das macht die Liebe, nur ganz allein, Sie drängt fich tief in's Herz hinein!
Dem einen machts Kummer, dem andern Freud, Verliebte Leut' find nie gescheidt!"
So brüllte der Chorus, und Theo war einer der Lautesten und Uebermüthigsten. Man spön- tg, man lachte und schrie. Johannes Hörle gar n cht hin. Nur einmal, als der Name „Lori" genar« wurde, da zuckte er zusammen; er fühlte erren schmerzlichen Stich im Herzen und faßte die Gesellschaft schärfer ins Auge. ,
„Wirklich ein reizender Käfer, Dem- kleine Koustne," schnarrte einer, anscheinend ein Künstler, mit langen dünnen Haaren, „ich möchte Dich beneiden um die Eroberung, die Du unzwetsel» haft gemacht hast!"
„Kinder, spottet nicht, Theo ist ernstlich ver- liebt in die Kleine," lachte der erste wieder. „Wie weit bist Du denn eigentlich scheu mit ihr, mußt noch lange schmachten?“
„Hoffentlich feierst Du bald eine fröhliche Verlobung."
„Und ladest uns dazu ein!"
„Deine alte Tante ist ja nicht knauserig."
So ging es weiter. Johannes saß mit pochen- i dem Herzen und lauschte auf die fast überlaut geführte Unterhaltung. (F- f-)