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mit AuterHaltungs -Beilage „Ilklstrirte ^omckags-Zeiümg"
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27. Jahrgang.
IuLöcr, Samstag, den 15. Dezember 1900.
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Wochen-Wunöschau.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 15. Dezember.
Nun ist der Reichstag wieder in die Weih- nachtsferien gegangen. Die China-Vorlage aber r,ht noch im Schooße der Budgetkommission. An der Bewilligung der geforderten Geldmittel hat Niemand gezweifelt, und so ist auch der erste Paragraph der Vorlage, der die Geldforderung der Regierung enthält, von der Kommission mit großer Mehrheit angenommen worden. Aber die Deckung der Kosten wird in den Beschlüssen der Kommission ,anz anders aussehen, als in der Regierungsvorlage. Diese letztere spricht nur von der Beschaffung des Geldes „auf dem Wege des Kredits" im Allgemeinen; aber damit gibt sich die Mehrheit der Kommission nicht zufrieden und ebenso wenig die Mehrheit des Reichstagsplenums. Mit der Borgwirth- schaft des Reicher muß es ein Ende haben. Sparsamkeit empfehlen die Redner, aller Parteien, das klang auch sehr lebhast und deutlich aus der ersten Lesung des Etats heraus, die in den ersten Tagen der soeben abgelaufenen Woche im Reichstage vorgenommen wurde. Die fetten Jahre mit dem wirthschaftlichen Aufschwung sind vorüber, so leitete Reichsschatzsekretär Freiherr von Thiel mann die erste Etatsberathung ein. An die Stelle deS Aufschwunges sind der Umschwung und der Niedergang gekommen, und zum ersten Mal seit lunger Zeit die Erträge der Zölle hinter dem Voranschläge des Etats zurückgeblieben. Die amerikanische Anleihe würde auch ohne die China-Expedition nöthig gewesen sein
Abgeordneter Müller-Fulda vom Centrum wies darauf hin, wie recht diejenigen hatten, die entgegen den Anschauungen der Regierung in der voraufgegangenen Tagung des Reichstages es durchsetzten, daß die Kosten der Flottenvorlage durch neue Steuern gedeckt wurden. Ohne solche neue Steuern würde ein riesengroßer Fehlbetrag das Schlußergebniß gewesen sein! Die Finanzen der Einzelstaaten sind aber sammt und sonders glänzend beschaffen; es ist also nicht anders als recht und billig, daß im Noth- salle die Einzelstaaten in die Finanzbreschen des Reichshaushaltes einspringen. In der Budgetkommission des Reichstages hat außerdem der nationalliberale Abgeordnete Dr. Paasche den Antrag gestellt, es solle gesetzlich bestimmt werden, daß alljährlich eine Summe von 50 Millionen Mark von der Reichsschuld getilgt werde. Wie die Kosten der China-Vorlage gedeckt werden sollen, darüber wird die Budgetkommiffion des Reichstages erst nach Neujahr berathen.
Das Interessanteste an der ersten Etatslesung war eine Erklärung, die Reichskanzler Graf Bülow, herausgesordert von den Abgeordneten Dr. Sattler (natl.) und Graf von Limburg- Stirum (kons.), über die deutsche Politik in Burensachen abgab. Der allgemeine Beifall, den Graf Bülow erntete, bewies schon, daß es ihm gelungen ist, sich und die südafrikanische Politik der deutschen Regierung vortrefflich zu rechtfertigen. Und s» ist es in der That. Namentlich ist durch die Darlegung des Reichskanzlers vollkommen der Vorwurf entkräftet, daß Deutschland sich gar nicht um das Schicksal der von England vergewaltigten Buren gekümmert habe. Deutschland hat in Gemeinschaft mit der holländischen Regierung wiederholt in Transvaal fteundschaftliche Vermittelung zwischen den Buren und den Engländern angeboten; aber Präsident Krüger hat im Anfänge dieses Angebot abgclehnt, und nachher ist es zu spät dazu gewesen. Auch dagegen erhob Graf Bülow nachdrücklichen Widerspruch, daß Deutschland mit seiner Südafrikapolitik in irgendwelcher Abhängigkeit von England handele; und die Begründung des Widerspruches war so gut, daß man ihm allgemein glaubte. Warum Präsident Krüger in Berlin nicht empfangen worden sei? Es würde ihm nichts genützt haben, antwortete Graf Bülow auf diese Frage — wohl die schwächste der Antworten, die er auf die verschiedenen Fragen gegeben hat! Denn man hätte Herrn Krüger, da er es nun einmal wollte, ganz gut empfangen können, ohne sich ihm gegenüber zu irgend etwas zu verpflichten.
Präsident Krüger ist inzwischen nach den glänzenden, begeisterung-vollen Tagen von Köln nach der holländischen Residenzstadt abgereist, und dort ist ihm von der Königin-Mutter Emma, beim Empfange folgender Bescheid geworden: „Vertrauen Sie auf Gott, welcher Sie und die Ihrigen in seinen Schutz nehmen wird. Ich werde Ihnen den Beweis meiner Freundschaft geben, wenn der Augenblick dazu gekommen fein wird; aber jetzt nicht." In ähnlicher Tonart soll der Kaiser von Rußland Herrn Krüger geschrieben haben; kurz und gut, die Mächte sind in dem Punkte einig, daß mit Gewalt in der Burensache sich nichts thun läßt. Wollte Deutschland gewaltsam vorgehen, nur dem Zuge seines Volksherzens folgend, dann würde es ihm gehen, wie dem Jüngling in dem Schillerschen Gedichte, der seinen Ideale folgen und alles Andere darüber vernachlässigen will:
Doch ach, schon auf de- Weges Mitte Verließen die Begleiter mich, Sie wandten seitwärts ihre Schritte Und einer nach dem Andern wich!
Die Buren selbst halten fest in ihrem Widerstande gegen die englische Uebermacht. Präsi
dent Stejn steht noch immer thätig an der Spitze der Staatsgewalt im Oranje-Staate, und die Engländer machen einen vergeblichen Versuch nach dem andern, den tapferen Burenfeldherrn de Wet zu fangen. Sie bekommen ihn nicht trotz aller heißen Mühen.
In England aber flaut die Kriegsstimmung sichtlich ab. So hatten sich die Engländer die Sache nicht vorgestellt. Man glaubte, die Buren würden klein beigeben, wenn sie einige Schlappen erlitten haben würden; das aber wollte man nicht, daß die Burenländer durch einen langwierigen Krieg allmählich zu Wüsten umgewandelt würden. Was hat man davon, schließlich Wüsten sein Eigen zu nennen? Auch der leitende englische Minister, Lord Salisbury, behandelte die Sache in dem zu einer kurzen außerordentlichen Tagung einberufenen britischen Parlamente sehr kühl. „Der Zustand von jetzt kann noch Generationen hindurch dauern" — so sagte Lord Salisbury. Solche Betrachtungen sind auch gar nicht geeignet, das englische Kriegsfeuer in Heller Flamme zu erhalten.
Das deutsche Schutzgebiet in Ostafrika hat einen neuen Gouverneur. erhalten, nämlich den Grafen Götzen, Hauptmann im großen Generalstabe. Dieser ist noch jung, erst 35 Jahre alt; aber der eine Vorzug kommt ihm zu, daß er bereits mehrere Reisen in Afrika gemacht hat und er auch staatsmännisch gebildet ist. Ehe er ganz zum Heeresdienste überging, war er einige Zeit als junger Mann im Diplomatendienste thätig. Graf von Götzen wird in Ostafrika zu zeigen haben, was er kann. Der bisherige Gouverneur, Generalmajor von Liebert, tritt in den aktiven Heeresdienst zurück und übernimmt das Kommando einer Division.
Von großem Interesse ist der Ausfall der Landtagswahlen in Württemberg. Die Volkspartei, vordem die stärkste Partei im Landtage, ist aus dieser ihrer Stellung vollkommen verdrängt. Was sie verloren hat, hat augenscheinlich die Sozialdemokratie gewonnen, denn diese letztere hat leider einen starken Zuwachs zu verzeichnen — eS ist derselbe Vorgang, den man auch so vielfach anderwärts beobachten kann, daß nämlich die Links- liberalen immer mehr von der Sozialdemokratie aufgezehrt werden. Das Cent rum hat einen ganz entschiedenen Ruck vorwärts gemacht. Es hat im ersten Anlaufe 16 Sitze gewonnen, darunter manche mit glänzender Stimmenmehrheit; außerdem ist es in echs Bezirken an der Stichwahl betheiltgt. Im Ganzen genommen find recht viele Stick: vahlen nöthig, so daß man vorläufig eine« genauen Ü berblick über das Ergebniß der Landtag-Wahlen noch nicht gewinnen kann.
In B a de n hat der neue Leiter des Ministeriums, Herr Dr. Schenkel, ein Festmahl des Handelsrages dazu benützt, seine Stellung und die Stellung der Regierung zur Wahlrechtsfrage darzulegen. Danach wird die badische Regierung auch unter dem neuen leitenden Minister niemals auf die direkte Abstimmung bei den Landtagswahlen eingehen, ohne gleichzeitig „Garantien gegen die Gefahren des Radikalismus zu erlangen". Als die beste solche „Garantie" scheint Minister Dr. Schenkel die Zuwahl von Vertretern der Jnteressenverbände anzusehen. Also Herr Dr. Schenkel will eine Korrektur des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes haben zum Ausgleiche, womit er schwerlich viele Freunde für seinen Gedanken gewonnen haben wird, der übrigens nichts weniger als neu ist.
Die Erfatzwahl zum Reichstage im Wahlkreise Paderborn-Büren hat zur Wahldes Landraths von Savigny geführt, der den Wahlkreis bereits im preußischen Abgeordnetenhause vertritt.
Der französische Senat hat einstimmig die von der Regierung verlangte Vermehrung der Kriegsflotte gutgeheißen. Die Dcputirtenkammer hatte vorher, wie bekannt, die ursprüngliche Vorlage der Regierung ganz erheblich erweitert, so daß die Regierung nun weit mehr bekommt, als sie verlangt hat. Aber auch ein Senator hatte damit noch nicht ganz genug und beantragte, den Flottenbauplan um weitere zwanzig Kreuzer zu erweitern. Herr Combes, so heißt der flottenfreudige Mann, zog indessen seinen Antrag zurück, als Marineminister La n ess an erklärte, die geforderte Zahl von Kreuzern genüge.
Aus Italien kommen Skandalgeschichten über Skandalgeschichten. Jetzt erfährt man wieder ein nettes, saubere- Stücklein: Der Ministerpräsident S a r a c c o hat der römischen Zeitung.Opinione' eine monatliche Unterstützung von je 2000 Lire versprochen gegen die Verpflichtung, den früher» Ministerpräsidenten Marchese di Rudini und den früher» Finanzminister Luzzatti nicht mehr anzugreifen, da diese ihm behilflich waren zur Erreichung der Regierungsgewalt. Versprochen hat der Herr Saracco, gehalten aber hat er es nicht; und nun hat die ,Opinione' — den Ministerpräsidenten verklagt! Im Parlament wird man wohl mehr über diese neueste italienische Schmutzerei zu hören bekommen.
Dem Zaren Nikolaus geht es wieder bedeutend besser. Man rechnet sicher damit, daß das Zarenpaar das russische Weihnachtsfest in Petersburg werde zubringen können.
In Bulgarien ist das Parlament, die Sobranje, aufgelöst worden. Erst dankte das Ministerium ab, und Herr Jwantschoff, der das neue Kabinet bilden soll, verlangte die Auflösung der Sobranje, da nach seiner Ansicht mit der gegenwärtigen Sobranje nicht zu regieren ist. Die Neuwahlen sind für den Monat Februar ausgeschrieben. Der als Mörder des frühem Ministers Stambu- loff bekannte Mann geht frech und frei in Sofia umher, ohne daß irgend jemand ihn belästigt — ein herrliches Kennzeichen für die wüsten Zustände in diesem Lande unter Ferdinand dem Koburger!
«X Landwirtschaft und Eisenbahn- Politik.
Bei der Berstaatlichung der Eisenbahnen hat einer Zeit die Regierung die Verpflichtung ibernommen und auch ausdrücklich oer- prochen, daß der Staat nicht nur auf die Rentabilität seiner Linien bedacht sein, sondern vor Allem auch die wirthschaftlichen Bedürfnisse im Auge behalten und den ärmeren Landstrichen entsprechende Schienenwege schüfen würde.
Diese Aufgabe hat der Staat namentlich mit Rücksicht auf die Landwirthschaft bisher nicht hinreichend erfüllt. Ein Aufsatz in Rr. 6 der,Soz. Praxis': „Die Kleinbahnfrage in Preußen", erörtert ausführlich, wie wenig die Kleinbahn-Politik oes preußischen Staates im letzten Jahrzehnt im Einklang steht mit der oben genannten Verpflich- tung und wie in dem preußischen Kleinbahn-Ge- etze vom 22. Juli 1892 statt des gemeinnützigen »er fiskalische Standpunkt so recht deutlich zum Vorschein gekommen sei. Man stellte den Grund« atz auf, daß die Fürsorge des Staates sich auf >ie Herstellung von Kleinbahnen nicht erstrecken !önne; außer den Hauptbahnen werde der Staat nur noch Nebenbahnen bauen. Die Anlage von Kleinbahnen müsse der freien Konkurrenz Übermassen bleiben. Staatsmittel sollten nur zur Ausführung bauwürdiger Bahnen verwendet werden dürfen, das heißt solcher Bahnen, welche von vornherein mindestens die Kosten deS Betriebes nebst den nöthigen Rücklagen bestimmt aufbringen und eine, wenn auch mäßige Verzinsung des Anlage-Kapitals in sichere Aussicht stellen. Bei anderen Bahnen habe der Staat nur aushilfsweise und soweit einzuspringen, als die Kräfte der zunächst Betheiligten nicht ausreichten. Bahnen letzterer Art erklärte der Staat kurzweg als Kleinbahnen. Statt nun auch den Bau solcher Bahnen im Interesse der nicht an die großen Verkehrs- wege angeschlossen-n Gegenden zu übernehmen und letztere gemäß der Meiner Zeit übernommenen Ver- pflichtung an der Verkehrs-Entwickelung theil- nehmen zu lasse«, überläßt er denselben, soweit eS sich um finanziell weniger aussichtsvolle Linien handelt, lieber den Provinzen und Kommunal- Verbänden, denen cuf diese Weise oft unverhältniß- mäßig hohe Opfer auferlegt werden.
Die Hoffnungen, welche man staatlicherseits für die Förderung des Baues von Kleinbahnen auf die freie Konkurrenz setzte, haben sich aber nicht erfüllt. Da wo die freie Konkurrenz thätig war, so heißt es in dem genannten Artikel, hat sie „die Entwickelung des Klein« bahnwesenS nichts weniger als befriedigend beeinflußt." „Die Unternehmer versichern, daß sie billiger bauen, als der Staat, das ist aber durchaus nicht richtig; die Privat- Unternehmer bauen schlechter als der Staat und lassen sich von den Interessenten, Kreisen und Gemeinden, di- das Geld für die Klein- bahnen aufbringen müffen, aber von der Sache vielfach nichts verstehen und den Bau wie die Rechnungen der Unternehmer nicht kon- trolliren können, so viel bezahlen, daß sie hierdurch allein dir hohen Dividenden aufbringen. In Folge der unzulänglichen Anlage der Bahnen wird der Betrieb natürlich viel kostspieliger, man muß bald zu theueren Reparaturen schreiten, man muß Mehrausgaben machen, die ein Kleinbahuunternehmen schwer erträgt und an irgend eine Verzinsung der von den Kreise« und Jntereffenten aufgebrachten Anlagekosten ist nicht zu denken." Noch fiS- kalischer als der Finanzminister verfahre der Eisenbahnminifter gegenüber den Kleinbahnen, indem er ihnen die gesammten Kosten der Einfühmng in die Staatsbahnanlagen aufbürde und in Betreff des Güterüberganges eine Verkehrsgemeinschaft bei der Bahn ausdrücklich versage, als ob es sich um zwei Konkurrenten handele.
Gerade im Jntereffe der ländlichen Be- völkerung bedarf die gegenwärtige Eisenbahnpolitik, welche zu einer Durchlöcherung des Systems der reinen Staatsbahn sich heraus, gebildet hat, dringend einer Abänderung. Es läßt sich, worauf auch der Abgeordnete Herold letzthin auf dem praktisch-sozialen Kursus des Volksvereins für das katholische Deutschland zu Köln hinwies (der Vortrag ist jetzt als Heft 12/13 der .Sozialen Tagesfragsn' des Volks- Vereins erschienen und für 20 Pfg. von der Centralstelle in M.Gladbach zu beziehen), aus der Bevölkerungsstatistik klar nachweisen, daß Ortschaften, welche Eisenbahnverbindungen er- halten, in ihrem Verkehr gefördert und in ihrem Wachsthum sehr begünstigt werden, während Ortschaften ohne Eisenbahnverbindung zurückbleiben, abnehmen und verkümmern. Wenn es nun auch zutrifft, daß die durch den Verkehr begünstigten Orte die Einnahmen und dadurch auch die Ueberschüffe der Effenbahnen im wesentlichen aufbringen, so ist es gleichwohl eine Pflicht des
Staates als Akt der ausgleichenden Gerechtigkeit, diesen bester gestellten Orten gegenüber auch für die Gemeinden, die gar keine oder nur unge- nügend Anschlüffe an das Staatsbahnnetz be- itzen, auf Grund der Erträgnisse der Hauptlinien ür seine Rechnung ein Kleinbahnnetz herzustellen. Gerade da, wo der Verkehr noch wenig entwickelt ist, hat der Staat mit besonderen Mitteln einzugreifen, um keinem Theile des Landes begründete Ursache zu Klagen über Zurücksetzung ;U geben.
Der bisherige Bau von Eisenbahnen seitens des Staates ist zu seinem größten Theil den großen Städten und damit im wesentlichen der Industrie und dem Handel zu Gute gekommen. Jetzt handelt es sich darum, durch weiteren Aus- rau des Eisenbahnnetzes das Land und die Landorte mit Eisenbahnen zu versehen. Viel wichtiger als Verbilligung der Tarife ist eine Vermehrung der Eisenbahnen, um den Nutzen derselben allgemein zugänglich zu machen. Es dürfte viel- eicht angebracht sein, wenn bei Berathung deS Etats des Eisenbahnministeriums im Landtage m nächsten Jahre die Regierung einmal nach- »rücklich daran erinnert würde, daß die Eisen- »ahnen nicht lediglich finanziellen, sondern namentlich gemeinnützigen Zwecken zu dienen haben zum Wohle aller Erwerbsstände und nicht zum wenigsten auch der Landwirthschaft.
Vermischtes.
♦ Der Grundbesitz in Berlin früher und jetzt. Das Wachsthum der Bodenwerthe in Berlin ist in den letzten 50 Jahren geradezu ungeheuer gewesen. An- angs der 40er Jahre waren in Berlin etwa 5800 Morgen Land mit 8400 Häusern bebaut, die einen Feuerkassenwerth von rund 3000 Millionen Mark hatten, waS einem Bodenwerth von 200 Millionen etwa gleichkam. Im abgelausenen Steuerjahre betrug die Zahl der benutzten Grundstücke in Berlin 24,773 mit einem Nutzertrage von 313,865,153Mark. Der eigentliche Bodenwerth dürfte demnach auf 3^/s—4 Milliarden zu veranschlagen sein; somit hätte sich der Werth deS Grund und Bodens in Berlin in den letzten 50 Jahren um ras Mfache vergrößert.
♦ Aufrichtig. Karl: „Herr Doktor, die Laura hat soeben gesagt, Sie hätten einen wundernetten Schnurrbart." — Mutter: „Dummer Junge, Du mußt nicht alles erzählen, was die Schwester sagt!" — Karl: „Aber Laura hat mir 20 Pfennig gegeben, damit ich's sage!"
♦ Komplizirte Zeitrechnung. Erste Dame: „Ich bin 35 Jahre alt und mache auch keinem Menschen gegenüber Hehl daraus! — Zweite Dame (pi- kirt): „Na, warten Sie's nur ab — Sie werden auch noch jünger!"
Höst- unb Gartenbau; Mumenpffege.
Um ein Baumgut oder eine Baumwiese gründlich zu verbessern, ist folgendes Verfahren als sehr praktisch zu empfehlen. Man läßt 4,50 Meter breite Streifen des Landes zwischen den 10'Meter von einander entfernten Baumrethen 30 bis 40 Ctm. tief umpflügen oder rigolen. Werden einige Wurzeln der Bäume dadurch etwas verletzt, so schadet dies nichts. Diese Streifen werden ordentlich gedüngt und dann 2 bis 8 Jahre lang mit passenden Gewächsen, wie B. Runkelrüben oder Kartoffeln, bepflanzt und nach mehrmaliger Düngung dann wieder zur Wies« niedergelegt und mit Grassamen besäet. Die Wurzeln der Bäume, welche hierdurch neue Nahrung erhalten, wachsen in diese gelockerten Bodenstreifen sehr schnell binetn und in Folge dieser Behandlung zeigen sich schöne starke Triebe, also erneuertes Wachsthum und Fruchtbarkeit.
Es ist für das Anwachsen eines frifchge« pflanzten Baumes vou größter Wichtigkeit, daß ihm Gelegenheit geboten wird, möglichst viele junge Wurzeln zu treiben. Dies erreicht man durch nichts besser als durch eine gehörige Zugabe von Torfmull zu der schon lockeren Erde, die beim Pflanzen zwischen und um die Wurzeln gebracht wird. Das Verfahren ist folgendes: Torfmull wird bis zur Sättigung mit Waffer oder noch bester mit Jauche durchtränkt und eine gehörige Menge hiervon — je mehr, je bester — der oberen Bodenschicht in der Pflanzgrube zugesetzt; oder, wenn nicht genügend Torfmull zur Verfügung steht, nur der Erde beigemischt, die unmittelbar an die Wurzeln gebracht werden soll.
Eine kräftige Düngung älterer Beerenobstpflanzungen um die jetzige Zeit wird vielseitig empfohlen und soll in der Weise auSgeführt werden, daß man die Erde um den Sträuchern oder Bäumchen beseitigt, auf die nicht zu verletzenden Wurzeln etwas verrotteten Rindsmist legt und de» vorher weg- genommenra Boden wieder darüber deckt. Dies erfordert aber im nächsten Sommer starkes Gießen bei anhaltender Trockenheit.
Reklame«- «ud Auzeigerrtheil.
Für de« Weihnachtstisch.
Zu den wNkommensten Beschenken gehören unstreitig die von der allbekannten Chokolade-Fabrik PH. Suchard m Neuschütel alljährlich auf den Markt gebrachten Weihnacht-- artikel. ES läßt sich ja kaum etwa- Reizenderes denken al» diese eleganten Schach-eln, Körbchen, Blumenvasen, Spielzeuge re, die nicht nur mit ihrem süßen Jnhat, feinen Praline- und Fondants den Gaumen erfreuen, sondern auch nachher noch immer bleibende praktische Verwendung finden Sicher werden diese allerliebsten Geschenke auch dieses Jahr wieder tausende Herzen erfreuen, von Armen und Reichen, da sie ja zu allen Preisen, in einfachster, wie in kostbarster Ausstattung zu haben sind.