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IurocL, Freitag, dm 14. Dezember 1900
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hatte, mit raschen Schritten näher.
„Haden Sie mich gesucht, fragte sie.
„O, es ist nicht so eilr, Wally!
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183
Deutsch» Keich.
Berlin, den 13. Dezenter.
X Run ist die erste Lesung de» ^fefs nach einer Redeschlacht von vier Tagen Dauer erledigt: der Reichs Haushalts - Etat ist in feinen einzelnen Thrrlen zur eigentlichen Berathung an die Budgetkommissio« verwiesen, und der Reichstag ist bis zum 8. Januar in die Weihnachtsserie u geganaen. Das äußere Bild, das am letzten Tage (Donnerstag) der Reichstag bot, erinnerte namentlich im Anfänge der Sitzung sehr stark an Frrienstimmung: leere Baske, wohin man blidte; nur wenige Abgeordnete waren im Saale. Erst ganz allmählich fanden sich im Lause der Sitzung noch 50 dis 60 Mitglieder des Hauses ein. Zum Etat allein sprach in dieser letzten Sitzung nur der badische Centrums- abgeordnetr Obrrstiflungs'-akh Hug aus Konstanz. Dieser vermied es geflissentlich, auf allgemein politische Dinge eirzugehen und empfahl für die Aufbesserung der ReichSfikanzen drei Mittel: stärkere Heranziehung der einzelnen Bundesstaaten
Fräulein?"
G Die zwei Heuptpunkte.
Am Mittwoch ist die Burenfrage noch lebhafter im Reichstage umstritten gewesen, als am Montag. Das bewirkte der Abgeordnete Dr. Hasse, der eine Rede großen Stils gan allein über diese Frage hielt. Dr. Haffe gehör zum Hauptvorstande des Alldeutschen Berbandes; und wenn man auch häufig genug Gelegenheit hat, über die Ueberschwänglichkriten dieses Alldeutschen Verbandes zu lächeln, muß man umgekehrt zugestehen, daß Dr. Hasse diesmal Worte sprach, die Hand und Fuß haben, auch wenn man im allgemeinen für den Alldeutschen Verband nicht schwärmen kann. Auf keinen Fall verdiente Dr- Haffe die höhnischen und spöttischen Zurufe, mit denen er von der linken Seite des Hauses her überschüttet wurde, so als ob die Besucher in der obersten Galerie eines Zirkus dem „dummen August" zujohlten. Die Kritik, die Dr. Haffe an der deutschen Südafrikapolitik übte, war in manchen Punkten nicht unberechtigt, und der Redner wie- mit vollem Rechte darauf hin, daß in der Beurtheilung der Burenfrage beinahe die gesammte deutsche Preffe mit dem Alldeutschen Verbände übereinstimmt. Nur daß das Ver- hältniß umgekehrt ist: in dieser Frage entspricht der Alldeutsche Verband einmal ausnahmsweise wirklich den Anschauungen der weitaus überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes, was gerade nicht allzu häufig bei dem Alldeutschen Verbände vorkommt.
Bei der ganzen Frage handelt es fich um zwei Hauptpunkte: um unsere Haltung gegenüber den Buren. Republiken im Allgemeinen und um den Besuch und nicht stattgehabten Empfang deS Transvaal-Präsidenten in Deutschland.
Den ersten Punkt kann man als vollkommen aufgeklärt durch die Reden des Reichskanzlers Grafen Bülow im Reichstag« betrachten. Denn Graf Bülow bat den unumstößlichen Beweis dafür erbracht, daß Deutschland die Buren-Republiken nicht ganz ohne Weiteres ihrem Schicksale über» kaffen hat. Die deutsche Regierung hat ernsthaft „unb bestimmt gemeinsam mit Holland die südafrikanischen Buren auf die Gefahren aufmerksam gemacht, in die sie sich durch erne« offenen Bruch mit England begeben würden, und sie hat rußer- dem wiederum gemeinsam mit Holland ihre freundschaftliche Vermittelung in einer Zeit angeboten, als es dazu »och nicht zu spät war. Aber Präst- bect Krüger hat damals die Vermittelung abgelehnt, und damit hat er selbst die deutsch« Re- gierung aller moralischen Verantwortung für die Dinge enthoben, die nachher geschahen.
Der zweite Punkt ist durch den Reichskanzler Grafe« Bülow nicht in so unzweifelhafter Weise aufgeklärt worden. ES wat sicherlich ungeschickt von Herrn Krüger, daß er die deutsche Regierung gewissermaßen mit seinem Besuche überrumpeln wollte; aber daß Graf Bülow selbst fühlt, daß in diesem Punkte nicht alles so durchaus klar ist, wie in dem andern, zuerst genannten, geht schon daraus hervor, daß er am letzten Mittwoch nicht mit der vollendete« Ruhe der politischen Ueberlrgenheit sprach, wie in seiner erste« Rede am Montag. Graf Bülow war augenscheinlich ein wenig erregt, und er
wurde zum allerersten Mal im Reichstage «in wenig grob, indem er am Schluffe seiner Rede von „Bierbank-Politik" sprach.
Darin wird dem Reichskanzler jeder verständige Mann beipflichten, daß man auswärtige Politik nicht treiben kann nach den Grundsätzen der Moralphilosophie und des reinen Idealismus. Es wäre schön, wenn es so in der Welt bestellt wäre, daß da« geschehen könnte; aber es ist in der Welt leider nicht so bestellt, und wer an der Stelle de« Reichskanzlers Grafen Bülow steht, der muß seine auswärtige Politik einrichten nach den Verhältnissen, wie sie sind, nicht danach, wie sie in einem märchenhaften Jdealzuflande sein könnten. Und dennoch ist die Kritik an der Behandlung, die dem Präsidenten Krüger in Deutschland und von der deutschen Regierung zu Theil geworden ist, nicht unberechtigt. Abg. Dr. Haffe zog dafür den richtigen Vergleich: „Der Reichskanzler — so führte Dr. Haffe aus — hat gesagt, Krüger's Empfang durch den Kaiser würde nichts genützt haben ... Es würde uns jedenfalls sehr genützt haben, wenn wir. dem alten Herrn in seinem Unglück wenigstens die Hand gedrückt hätten, und nicht nur solchen Leuten wie Cecil Rhodes, dessen Hand, wenn auch vergoldet, noch immer beschmutzt ist." Dieser Einwand ist ohne Zweifel richtig. Wenn man einen Cecil Rhodes gut sufnimmt, muß man auch einen Paul Krüger gut aufnehmen. Und wenn man diesen letzteren gerade im gegenwärtigen Augenblicke nicht nach Wunsch empfangen konnte, dann hätte man ihm Hoffnung machen können auf spätere Zeit. Graf Bülow hat zwar nachträglich die Sache so dargestellt, als wäre ein späterer Empfang Krüger'« nicht ausgeschlossen. Aber Herrn Krüger selbst ist davon augenscheinlich nichts gesagt worden, sonst würde Graf Bülow das sicherlich in seiner Rede angeführt haben.
Herr Krüger hätte also auch ein wenig besser behandelt werden können, ohne daß wir unseren Jntereffen geschadet hätten. An dieser Thatsache kann auch Graf Bülow nichts ändern mit seiner glänzenden Beredsamkeit.
Du darfst Dir ihr gegenüber nicht einmal das Geringste merken taffen! Vorläufig brauchen wir das Mädchen noch, weil Wally Loris ganzer Vertrauen besitzt. Dadurch, daß Wally mir zugethan ist, hoffe ich das Spiel zu gewinnen!"
Tante Kathinka sah wohl ein, daß Theo recht hatte.
„Du bist ein kluger Junge " sagte sie, ihm die Hand reichend, „nur Muth, Theo, wir werden Lori schon für Dich gewinnen. Ich werde nächstens mit ihr reden. Du mußt ihr gegenüber nur stets den vorsorglichen Vetter spielen, um ihr Vertrauen zu erringen."
VIII.
Woche um Woche war vergangen, ohne daß Lori irgend «in Lebenszeichen von Johannes erhalten hätte. Den Vater, der sein Kommen immer noch hinaurschob wegen dringender Arbeiten, wie er schrieb, wagte sie nicht brieflich nach dem Geliebten zu fragen, auch durfte sie nicht hoffen, von dieser Seite Auskunft zu erhalten.
Nicht einmal der Gedanke, daß ihre Briefe untcrschlaaen werden könnten, stieg in ihrer Seele auf, da Wally sich so theünahmsvoll lhr gegen- lber benakm und die gutherzige Lori dem Mädchen rhatsächlich ihr volles Vertrauen geschenkt hatte. Auch Vetter Theo trug ein gänzlich verändertes Benehmen zur Schau Seine Zudringlichkeiten hatten vollständig ausgehört; wenn er Lori auch niemals sympathisch war, so vermochte sie sich itzt doch soweit zu überwinden, daß sie seine Grellschaft duldete. Theo merkte den Vortheil, den tr errungen hatte, sehr wohl und nutzte ihn nach Möglichkeit aus. Jetzt, da Lori nicht mehr, wie
auf dem Wege der Matrikularbeiträge, mehr Sparsamkeit und Erschließung neuer Steuern, nur keine Einkommen-, oder Vermögens- oder Erbschaftssteuer von Reichs wegen. Nachher ging die Debatte wieder über auf daS weite Feld der allgemeinen Politik, und alle nachfolgenden Redner beschäftigten sich auch mit der Burenfache und mit dem Präsidenten Krüger. Alle beklagten es, daß Krüger nicht empfangen wurde, ausgenommen die konservativen Redner Graf Roon und Graf Klinckowström, also der Reihe nach die Abgeordneten Freiherr von Hodenberg (deutschhann.), Dr. Hahn (B. d. L.), Werner (Antis ). Stöcker (wildkons.) usw. Freiherr von Hodenberg griff den Reichskanzler in sehr scharfer Tonart an und nannte seine Politik eine Politik ohne Herz, und darum auch ohne Treue! Auf wirthschaftliche Fragen ließen sich genauer ein die Herren Abg. Dr. Hahn und Möller-Duisburg (natL). Herr Dr.Hahn empfahl als neue Steuern, wenn solche gebraucht würden, eine Steuer auf das Agio bei der Ausgabe von Aktien, auf die hohen Einkommen der Direktoren und Aufstchtsräthe der Aktiengesellschaften. Herr Möller trat auch für starke Erhöhung der landwirrhschaftlichen Zölle ein, von der er eine Belastung der Massen nicht befürchtet, da ja unser Volkswohlstand sich außerordentlich in neuerer Zeit gehoben habe. Nur verlangt Herr Möller auch Beachtung der Jn- tcreffe« der Industrie in der Gestalt langfristiger Handelsverträge. — Der erste Berathungsgegen- stand nach den Weihnachtsferien soll der Gesetzentwurf über das Urheber- und Verlagsrecht sein.
tt Kirre Gesellschaft für foginte Ileform ist in der Bildung begriffen. Die Gesellschaft soll die Aufgabe haben: erstens als Glied der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz, im Zusammenwirken mit den Ver- tretem anderer Staaten, die Hindernisse zu be- fettigen, die der ■ örderung des Arbetterschutzes mit Rücksicht auf die Konkurrenzfähigkeit der Industrie ans den: Weltmärkte entgegengestellt werden — zweite;s als nationale Vereinigung der oerfch i -denen Bestrebungen, bte in Deutschland für nie soziale Reform auf dem Gebiete der Arim erfrage thätig find, diese zu stärken, durch Aust ärung in Wort und Schrift Vrrfiändniß für die soziale Reform zu wecken und zu thätiger Mitarbeit anzuregen. Zu den Begründern der Gesellschaft gehören Parlamentarier verschiedener Parteien, so vom Centrum die Abgeordneten Professor H:tze, Letocha, Dr. Lieber, Trimborn; von den Nationalliberalen die Herren Bassermann, Dr. Hieber, Möller, Dr. Paasche, von den Linksliberalen die Abgeordneten Dr. Hirsch, Dr. Pachnickr, Röstcke, Schmidt-Elberfeld u. s. w. Zunächst sollen ins Auge gefaßt werden der Ausbau des Arbeiterfchutzes, die Fortbildung der Kisrich. tungen zur Verhütung und Beilegung von Streitigkeiten aus dem Arbritsvrrhältniß, der Ausbau der Arbeiterversicherung im weitesten Sinne, die Förderung der Bestrebung der Arbeiter, in Berufsvereinen und Genossenschaften ihre Lage zu bessern. Die erste Versammlung soll am 6 Januar in Berlin stattfinben.
in den ersten Wochen, seine Gesellschaft so auffallend mied, nicht mehr bancnlief, wenn sie sich allein mit ihm sah, war es ihm auch möglich geworden, öfters bei ihr zu weilen; man konnte an ihm auch wirklich nichts mehr aussetzen. Daß Lori stiller und blcsser wurde, schien im Hause Niemand zu bemerken. Theo versuchte nur immer, sie aufzuheitern und zu zerstreuen.
Eines Abends wollte Lori unbemerkt das Haus verlassen, um einen Bries, in dem sie flehrntl ch um Nachricht bat, in den Briefkasten zu stecken, und selbst einmal auf der Post nach- zusraaen, — als ihr in dem bereits dunklen Hausflur Theo begegnete, der scheinbar zufällig ebenfalls ausgehen wollte, er hatte jedoch den leichten Schntt die Treppe herabkommen hören und trat Lori in den Weg. S-hr erstaunt klang seine Frage: »Aber liebes Koufinchen, wo wollen Sie denn j tzt noch hin? Es öur.Mt schon, und Sie aehen aus?"
»Ich — ich — möchte — bloß einen Brief besorgen."
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„Verzeihen Sie, ich hatte oben zu thun."
„Wo stecken Sie denn die ganze Zeit?" herrschte Theo das Mä chen barsch an. „Immer, wenn man Ihrer bedarf, find Sie nrcht da. Ecken Sie, bie Briese von Fräulein Lori zu be-
Die Meine Lori.
Orizinal-Roman von Irene v. Hellmuth.
22 (Nachdruck verboten.)
„Daß Lori Briefe bekommt, ist wohl nicht gut möglich; beruhige Dich doch, mein Goldsohn, und bedenke, daß die Kleine, so lange sie sich in meinem Hause befindet, nicht ein einziges Mal allein ausgegangen ist. Sie weiß ja auch nicht Weg noch Steg hier. Alle Briefe, die einlaufen, müssen doch bei mir abgegeben werden, — also, wie sollte Lori wohl dazu kommen, irgend etwas zu erhalten? Ihr Vater schreibt allerdings öfters, — aber'--—
„Und doch ist es so, wie ich Dir sagte," unterbrach Theo den Redestrom. „Du kluge Tante hast eben nicht bedacht, daß verliebte Menschen erfinderisch sind. In Zukunft will ich selbst die Sache in die Hand nehmen, und ich versichere Dir, mir soll nichts entgehen."
„Aber so erkläre mir doch — "
„Sehr einfach Tante, Lori erhielt die Briefe durch ihre Dienerin."
„O, — durch Wally? Diese Heuchlerin, diese Schlange, ich werde sie sofort entlass n, ihren Lohn zahle ich ihr noch heute aus, dieser falschen, hinterlistigen Person, sie soll mir Rede stehen, sie —"
„Gemach, gemach, Tantchen," mahnte Theo, „nur nicht voreilig sein, sonst ist alles verloren. Wir müssen schlau zu Werke gehen, laß mich nur machen; in Zukunft bole ich die Briefe auf der Post ad. Du darfst Wally nicht eher entlassen, is tch den Zeitpunkt für gekommen erachte; ja
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ihr absolut nichts anderes eingefallen, was sie Vorbringen konnte.
„Und deshalb wollen Sie sich bemühm? Watum schicken Sie nicht Wally fort?"
„Ich fand sie nirgend?, und dachte —"
„Nein, nein, das kann ich keinesfalls zugeben," unterbrach sie Theo, „übrigens, wenn Wally ihren Dienst schlecht versieht, — Sie brauchen es rur zu sagen, und die Tante wird Ihnen sofort eiNis der anderen Mädchen zur Verfügung stellen, es gibt deren genug tm Hause."
* Ein Empfang von KhinaKriegern durch den Kaiser wird in Berlin am nächsten Sonntag stattfinden. Der Stationschef Admiral Thomsen gab am Mittwoch bei dem Kommers zu Ehren der mit der „Köln" aus Ostafien zurückgekehrten Mannschaften folgende Ordre des Kaisers bekannt: „Sämmtliche mit der „Köln" aus China zurück- gekehrten Offiziere, Ingenieure, Deckoffiziere und Mannschaften haben am 17. Dezember Nachmittags mit dem Musikkorps der 2. Matrosen-Division auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin einzutreffen zur Uebergabe der mitgebrachten Fahnen an das Zeughaus. Eine Kompagnie eines Garde-Regiments wird dieselben zum Zeughaus geleiten, woselbst der Kaiser den Transport erwartet." — Die mit dem Dampfer „Köln" aus China zurückgekehrten Offiziere und Mannschaften wurden am Mittwoch vom Prinzen und der Prinzessin Heinrich in Kiel empfangen. Nach ihrer Begrüßung durch den Admiral Köster und den Bürgermeister marschirten die Mannschaften durch die illuminirteu Straßen nach der Kaserne. Die Verwundeten und Kranken folgten in mit Blumen geschmückten Wagen. In Wilhelmshaven fand zu Ehren von 660 der Zurückgrkehrten, ein Kommers statt, auf welchem Admiral Thomsen erklärte, die Marine sei durch bie Thaten der Chinakämpfer eine ebenbürtige Schwester der Armee geworden. Es sei dies der Erfolg der Schule des Kaisers.
X DieArimixak Stslistik für das Jahr 1899 ist soeben in dem letzten Vierteljahrehefte 1900 der Statistik des Deutschen Reicher erschienen. Zu besonderen Betrachtungen, die irgendwie neu wären, gibt sie keine Veranlassung. Die Zahl her verurtbeilten Personen hat zwar auch von 1898 zu 1899 zugenommen; aber diese Zunahme beträgt noch nicht ’/io vom Hundert und entspricht der Zunahme der Bevölkerung des Reiches. Zum ersten Male feit längerer Zeit hat die Zahl der Berurtheilungen wegen Verbrechen gegen Staat, Religion und öffentliche Ordnung ein wenig abgenommen, nämlich von 82,296 Personen im Jahre 1897 gegen 82,208 im Jahre 1898 und 82,209 im Jahre 1899; indessen muß man erst adwarten, ob diese erfteuliche Abnahme eine ständige Erscheinung werden wird. Die Rohheits- Verbrechen, und das ist dasselbe traurige Kennzeichen geblieben wie bisher, haben wiederum nicht unerheblich sich vermehrt, wegen Verbrechen gegen die Person wurden verurtheilt 195,762 Personen im Jahre 1897, 203,298 Personen im Jabre 1898 und nunmehr im Jahre 1899 sogar 207,336 Personen. Die Zahl der Verurthrilungen wegen gefährlicher Körperverletzung hat sich von 90,826 im Jahre 1898 auf 94,641 im Jahre 1899 vermehrt, dagegen ist die Zahl der jugendlichen Verbrecher diesmal erfreulicherweise nicht gewachsen. Die Verurthsilungen jugendlicher Personen erfolgten im Jahre 1899 ebenso wie in den Vorjahren wegen Vergehungen gegen das Eigenthum und wegen Körperverletzung.
V Berti», 13. Dez. Der Kaiser reiste heute früh ’/ilO Uhr von der Wildparkstation nach Hannover ab. UntrrwezS nahm der Kaiser den Vortrag des Chefs des MilttärkabinetS Generals von Hahnke entgegen. Um 1 Uhr 50 Minuten traf der Kaiser in Hannover ein und fuhr mit seinem Flügeladjutanten im offenen Zweispänner zum Restvenzschloffe, wo er mit dem Gefolge zu Pferde stieg und zum Waterlooplatz
„Nein, — o nein," wehrte Lori erschrocken, „ich bin Wally sehr zugethan und möchte sie nicht misses; sie wird eben irgend etwas nolh- weudiges zu besorgen haben, das ist doch zu entschuldigen."
»Ja, ja. Sie sind eben immer zu Entschuldigungen bereit, Lori, ich glaube. Sie sehen dem Mädchen zu viel nach, Ihr gütiges Herz läßt tane Anklagen zu. Ü brigens, wenn Wally nicht da war, Sie wissen doch, — Lori, ich bin Ihr Sklave, Sie dürften doch nur mich mit der Besorgung Ihres Briefes betrauen, — mit tausend Freuden würde ich alles für Sie thun, waS Sie verlangen, selbst mein Leben hinzugtben, wäre mir nicht zu viel."
Theo hatte sich gegen feinen Willen wieder hinreißen lassen, leidenschaftlich zu sprechen, ein heißer Blick traf Lori, er faßte nach ihrer Hand, die sie ihm vergebens zu entziehen suchte, und preßte sie heftig an ferne Lippen. Dann ließ er sie plötzlich fahren und sagte gepreßt: „Verzeihen Sie, Lori; ich war wieder einmal nicht mehr Herr meiner selbst, — es soll nicht wieder gr- sch-hrn."
In diesem Augenblick kam Wally, die schon längere Zeit in dem dunklen Hausflur gestanden