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lich und wahrhaftig,, daß es die Liebe sei, was ich für Dich fühlte, — nun, ich — hatte mich eben getäuscht. Ich habe gefehlt, und werde versuchen. Dich zu entschädigen. Du sollst eine hübsche Summe bekommen, und dann gehst Du, und suchst anderswo Dein Glück zu machen. Du bist jung und hübsch, leicht findest Du einen Anderen, ba Dich lieben und heirathen wird."

„Geld, G ld!" schrie Wally auf, „Geld für meine Liebe, t des schändlichen Angebote-! Daß Du es wagen darfst, mir das zu bieten! Aber ich sage Dir, ich werde nicht gehen, und wenn Du mich fortschickst, ich werde doch wiederkommen. — Ich werde Dich auch wiedergewinnen, das weiß ich gewiß, denn Jene, — die Du liebst, wirst Du nimmermehr Dein eigen nennen, weil sie einen Anderen lieb hat, und Du wirst doch das Nachsehen haben!"

„Was sagst Du da, Mädchen?" rief Theo heftig, doch gleich darauf besann er sich, und fuhr ruhiger fort, indem er Wally's Hand in die seinige nahm: „Und was weißt Du denn von jenem Anderen? Sage es mir, hat Dir Lori davon gesprochen?"

„O sehr viel weiß ich," entgegnete Wally schon besänftigt durch den einschmeichelnden Ton, den er plötzlich angeschlagen hatte.

„Sprich doch!" drängte Theo.

„Nun ja, eigentlich hat Lori es mir ver­boten, aber — Dir kann es gar nicht schaden, wenn Du es erfährst. Ich muß doch für Fräu­lein Lori die Briefe besorgen und abholen, sie schreibt sehr fleißig, ich habe auch, wenn ich daz Zimmer aufräumte, schon manchmal so eine Liebesbrief aufzustöbern gewußt, wenn sie ch

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27. Jahrgang.

Jutta, Donnerstag, dm 13. Dezember 1900.

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Wally klammerte sich an seinen Arm, und suchte dem Blick des jungen Mannes zu be­gegnen ; er wich ihr aus, und wollte sich von ihr b-freien, doch nur fester umschlang sie ihn. Endlich machte er eine h-ftige, ungeduldige Be­wegung und schob sie unsanft zur Seite.

W«lly schlug, tu leidenschaftliches WeiULN ausbrschend die HZndr vpr das Ansicht.

neuen Feldzug der Regierungen zu Gunsten der alt^rühmten „Reichsfinanzreform" nach den Rezepten des preußischen Fiananzministers von Miquel. Daß Johannes von Miquel nicht von der politischen Schaubühne abtreten will, ohne diesen seinen Lieblingsplan zur Wirklichkeit gemacht zu haben, weiß alle Welt. Gr bat eS durch feine Offiziösen oft genug verkünven lassen, daß er gar nicht daran denke, von der einmal erlittenen Niederlage sich zurückschrecken zu lassen für alle Zeiten.

Eine Reform der FinanMülitik des Reiches ist ja nun unbedingt nothwendig. Mit dieser Anlechewirthschaft, wie fie bisher getrieben worden ist, kann es unmöglich weiter gehen, darüber bestehen innerhalb des Reichstages keine Meinungsverschiedenheiten mehr. Ebenso hegen die 'Regierungen verschiedener Bundesstaaten die feste Absicht, auf eine Reform in diesem Sinne hinzuarbeiten. Aus Bayern und Sachsen sind dringende Rufe nach Berlin gedrungen, die eine bestere Regelung der Reichsfinanzen verlangen. Es ist ein Unfinn und ein U"ding, daß die .einzelnen BundesstaÄen im Urberfluffe schwimmen sollen, während das Reich Noth leidet und eine Anleihe auf die andere häufen muß, ohne daß man ein Ende dieser Noth absehen könnte. Unser Nachbarstaat Frankreich wirthschastet finanziell bester. Dort ist seit zehn Jahren keine neue Anleihe mehr ausgenommen worden.

Aber der Plan der Reichsfinanzreform nach Herrn von MiqM hat beute so wenig Aussicht auf Annahme im Reichstage wie ehedem, und die Einführung neuer Reichssteuern würde höchst wahrscheinlich ebenso starkem Widerstände be­gegnen. Das Nächste ist und bleibt das Ein­treten der einzelnen Bundesstaaten für das Reich, wenn es diesem an dem nöthigen Gelde gebricht. Das kann gefchehen, ohne daß dieses System zur Regel gemacht wird. Denn wenn das Reich aus Eigenem hinreichende Einnahmen hat, fällt das Eintreten der Bundesstaaten in die Finanz­breschen Ces Reiches von selbst fort. Tie Br- sorgniste deL konservativen Abgeordneten Grafen von Lim bürg-Stimm bei dem Bauchlage des Centrumsabgeordneten Müller-F«üda, die einzelnen Bundesstaaten in Röthfä - 'N zur Unterstützung des Reiches heranzuzieher. sind also unnöthig. Aus dem. was man einmal oder zweimal thut, braucht man noch lange kein festes und dauerndes System zu machen. Die Herren Finanzminister der einzelnen Bundesstaaten aber würden neue Flottenvorlagen und Militärfor- derungen bei weitem kritischer als jetzt betrachten, wenn sie mit der Nothwendigkeit rechnen müßten, aus Staatsmitteln dem Reiche in Finanznöthen zu Hilfe zu kommen. Der Vorschlag, in Noth- sällen dem Reiche in dieser Weise zu helfen, hat also außerordentlich viel für sich und wird hoffentlich so bald nicht wieder von der Bild­fläche verschwinden.

fi< Finanz-Zickzack.

Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt dürfen bekanntlich wohl Herzen sein, die lieben. Aber -inem Finanzminister oder Reichsschatzsekretär steht ,8 gar nicht gut, je nachdem, wie'« trifft, die Finanzlage des Reiches mit den rosigen Farben be2 strahlenden Morgenrothes und bald danach Wieder mit den düsteren Unheilsferben der Wolfs­schlucht zu malen. Sechs Monate nur sind ver­soffen, da kannten die Herren am Regierungs- Me, da konnte die Regierungspresse gar nicht genug thun in begeiflerungsvollen Schilderungen her unglaublich großartigen Finanzlage, in festesten Versicherungen, daß es in absehbarer Zeit nicht anders werden würde, daß es namentlich ganz ausgeschloffen sei, den Ertrag aus den Zöllen herabgemindert zu sehen ; und jetzt, wir schreiben noch immer dasselbe Jahr 1900, ist alles umge­kehrt wahr. Der Herr Reichsschatzsekretär fing gleich mit HiobSposten cm: er sprach von dem bankerotten Reichsinvalidenfonds; er erklärte in der Budgetkommission trocknen Tones, die ameri­kanische Anleihe hätten wir auch ohne China­wirren aufnehmen müssen, weil wir Geld brauchten, und nun bei der ersten Lesung des Etats malte: der Herr Schatzsekretär ein schreckhaftes Bild trauriger Finanzöde an die Wand. Noch vor einem halben Jabre hatte man bei den Finanzreden der Regierungsherren das angenehme Gefühl, als regne es fortgesetzt Zwanzigmarkstücke; jetzt soll uns augenscheinlich bange gemacht werden vor der trostlosen, geldlosen Zeit, in der die letzten Vor- räthe der Reichshauptkaffe auf Nimmerwiedersehen verschwinden 4n die endlose Tiefe der Fehlbeträge.

Man kann es nicht glauben, daß der Herr Schatzsekretär vor sechs Monaten und auch heute jedesmal aus feiner wahren Ueberzeugung heraus die Sachlage schilderte. Denn ein Mcmn, drr sich so außerordentlich über die Finanzlage täuscht, ist keine geeignete Kraft für den führenden Finanz­posten im Reiche; und ein solches Armuthszeug- niß wird sich wohl der Herr Schatzsekcetäc selbst nicht LAZstellen «ollen. Damals, «or sechs Monaten, stand das neue Flottengesetz uns noch bevor. Daß damals alles recht rosig «usgemalt wurde, ist also recht erklärlich. Dce Regierung mußte sich unbedingt hüten davor, die Finanzlage ungünstiger darzustellcn, sonst würde die Flotten­vorlage in Gefahr gebracht worden sein. Nun ist inzwischen eine wtrthschaftliche Krise eingetreten, und sicherlich hat sich das bemerkbar gemacht alL Rückgang der Einnahmen des Reiches. Aber so arg ist es nun auch wieder nicht, wie der Herr Staatssekretär des Reichsschatzamtes die Sache schilderte. Bermuthlich soll sitzt die Schwarz­malerei ebenso einem bestimmten Zwecks dienen, wie damals das vorige und nun so elend zerfetzte Zukunstsgemälde von den von einem Jahre zum andern ohne NufhSren steigenden Reichseinnahmen.

Schlecht ist die Finanzlage immer dann, wenn die Regierung auf neue Steuern hin­arbeiten wsil. ES könnte also fein, die Schwarz­malerei dos Staatssekretärs Freiherrn von Thielmann solle eine Vorbereitung sein auf neue Steuern. Aber diesmal könnte die Sache noch einen ganz besonderen Zweck haben, nämlich eine Eröffnungswusik zu sein für einen

Jntereffr.---

Vor einer Woche war eS gewesen. — Die Dämmerung senkte sich eben leise herab auf den duftenden Garten, das hellgeLünchte Haus leuchtete ordentlich gespmsterhaft auS dem dunklen Grün der Bäume, Leuchtkäfer durch- schwirrten die laue Lust; ruhig, säst lautlos zog unten der breite Strom vorüber, an deffen Ufer Wally ruhelos auf- und abging, immer den Weg entlang spähend, zuweilen schwer und schmerzlich aufseufzend. Eine kleine Weile setzte sie sich Luf die in der Nähe befindlich?, unter einem mit zahllosen Blüthen übersäten Rosen­strauch stehende Bank, und stützte Len hübschen Kopf in die Hand. Sie sah nichts von der Pracht der Blumen, von der Lieblichkett, die sie umgab. Wieder und wicder lauschte Wally mit verhaltenem Athem, endlich knarrte droben die Gartenthür, rmd ein elastischer Schritt kam dem Orte näher. Wally sprang auf, und eilte der Gestalt entgegen, sie wollte ihren Arm zu­traulich in den des Ankommenden schieben, doch eine ungestüme Bewegung desselben hielt sie davon ad.

„Ich danke Dir, daß Du gekommen bist Theo" tagte sie leise und zärtlich, „denn ich muß ungestIr mit Dir spreche» können, ich — ich

— o, sie soll es büßen, wahr und wahrhaftig, so gewiß ich hier stehe!" —

„Um Gottes willen!" flüsterte Theo er­schrocken, und schaute sich ängstlich nach allen Seiten um, ob Niemand diesen Ausbruch gehört; „was fällt Dir ein Wally, so zu schreien? Mein, Gott, bedenke doch, wenn uns Jemand belauscht, ich bitte Dich, nimm doch Vernunft an! Komm', sitze Dich hier auf die Bank und laß uns ruhig miteinander reden. Es muß werden zwischen uns, deshalb kam ich her. Sieh' Wally", sein Ton wurde milder, als er fortfuhr: „ES war

Uebereilung von mir, daß ich Dir __Heirathen versprochen habe, ich that unrecht daran, das sehe ich wohl ein, aber — es ist doch nun nicht mehr zu ändern. Mein Gott, Du mußtest aber auch bedenken, daß wir Beide nicht zusammenpaßtsn, die verschiedene Stellung, — ich, der Herr, — Du die Dienerin. Deshalb durftest Du alles von Anfang an nicht so ernst nehmen, — und dann, — ich wußte nicht, was Lsibe war, bis Lori kam; ich glaubte wirk-

mit Zlnterhaltungs-Aeikage »Zlluflrirte Sonnlags-Zeitung"

Dis Kleins Lori.

Original-Asman vE Irene ».Hellmuth.

31 (Nachdruck verboten.)

Aus dem Reichstage.

18. Sitzung vom 12. Dezember 1900.

Bei der heute (Mittwoch) fortgesetzten ersten Lesung des Etats eröffnet den Reigen der Redner Abg. Zuckert von der freis. Bereinigung. Dieser meint, man müsse fich durch einen ungünstigen Etat nicht gleich zu düsteren Prophezeiungen hinreißen lassen. Man hat — führt Redner aus — zur Sparsamkeit ge­mahnt. Aber wo? Bei der Militärverwaltung wird so sparsam gewirthschaftet wie nur möglich. Soll man bei der Marine sparen? Man kann die soeben erst ge­faßten Beschlüfle nicht wieder umstoßen. Die Kosten sind auch zu ertragen, wenn nur eine richtige Steuer­politik eingeschlagen wird. Ein Ersatz der Matrikular- beiträge durch neue, vollwerthige, konstitutionelle Reichs­steuern, das wäre etwas ganz Anderes, als die Reform- pläne Miquels. Redner verbreitet sich sodann über handelspolitische Fragen, namentlich solche, die in das landwirlhschaftliche Gebiet gehören, und stellt die Be­hauptung auf, nur ein verschwindend kleiner Thetl der Landwirthe habe Interesse an den Getreidrzöllrn. Dieser winzigen Minderheit zu Liebe wolle man nun Millionen von Arbeitern mit einem wucherischen Brotzoll belegen. Der Staat sollte doch lieber die wenigen Agrarier aus­kaufen und ihnen das geben, was fie zum Leben brauchen. Zum Schluffe spricht der Redner von der Transvaalfrage und spendet der Regierung seinen vollen Beifall, daß Präsident Krüger nicht empfangen wurde.

Kriegsminister v. Hotzler: Bezüglich eines neuen Gewehrs mit automatischer Ladung sind unS, wie ich Herrn Bebel zu antworten habe, von dem Erfinder An­erbietungen gemacht worden. Derselbe ist aufgefordert worden, ein Gewehr zur Prüfung einzuschicken; es ist uns aber noch nichts zugegangen. Bon Krupp und Gebr. Ehrhardt ist uns ein Geschütz mit verbesserter

Landtages hat von diesem Parteitage den Auf­trag erhalten, bis zum nächsten Parteitage, der tm Jcchre 1902 in Ludwigshafen stattfinden soll, ein Gemeindewahlprogramm auSzuarbsiten und dem Parteitage vorzulegen. Im Jahre 1902 mflffen nämlich Gemeindewahlen stattfinden. Gleich im voraus meinte jetzt der sozialdemokratische Landtagsobg. Ehrhardt: Das Gemeindewahl. Programm ntflffe dann gehalten werden; wer es nicht halte, werde hinausgefchmisfen.....

Das nennt man „Freiheit"!

* * Berlin, 12. Dez. Der Kaiser hat gestern den Abt von Maria Laach P. Willibrord« en, le r in Audienz empfangen. Bei dieser Gelegenheit erstatt ete der Abt dem Kaiser Bericht über die Feier der Grundstein­legung der Kirche „Mariä Heimgang" in Jerusalem. Der Kaiser gab dabei seiner hohen Befriedigung über den Verlauf der Feier und der regen Betheiligung deut­scher Katholiken an derselben Ausdruck und nahm aus den Händen des Abtes ein von der Beuroner Benediktiner- Kongregation als Zeichen ihrer Dankbarkeit gewidmetes Geschenk in Gestalt einer im Kloster angeferttgten kunst­vollen Handschrift der Ordensregeln des heiligen Benedikt entgegen. — Die K a i s e r i n besuchte gestern dre Kaiserin Augusta-Stiftung in Charlottenburg und besichtigte dar­auf im Kunstgewerbemuseum die dort ausgestellten Arbeiten der Kunstschule und der llnterrrchtsanstalten. - Die Kaiserin Friedrich sollte nach einer durch die Zeitungen gegangenen Notiz für die ProteflatwnS- kirche in Speyer 60,000 Mark gestiftet haben. Gras Seckendorff, Oberhofmeister der Kaiserin Friedrich, schreibt jetzt aber der .Pfälzischen Presse' auf ihre An­frage, „daß an der verbreiteten Nachricht kern wahres Wort ist". — Altreichskanzler Fürst Hohenlohe erhielt gestern in München in seinem Palais an her Briennerstraße den Besuch des Prinzregenten. Am Donnerstag begibt fich Fürst Hohenlohe mit Prinzessin Elisabeth auf längere Zeit nach Meran - Hauptmann Bergmann vom 92. Infanterieregiment ist an Stelle des Grafen York von Wartenburg zum Sta-.e des Grafen Waldersee nach China kommandirt worden. — Nach einer Verfügung des Ministers der öffentlichen Arbeiten find die Versuche der Beleuchtung der Packwagen mit Lichtpatronen einzustellen.

Deutsches Deich

Berlin, den 12. Dezember.

• Die Gtatsv-rathrmg im Ikeichstage nimmt längere Zeit in Anspruch, als man an« SMSSSSSSSMWWWDMWSSSSSS^^SWWSSS kann er nicht länger mchr ertragen. Bitte, sage mir die Wahrheit Theo, feit jenes — jener Mädchen in'S Hau« kam, hast Du Dein Benehmen mir gegenüber geändert, — o, ich bemerkte es wohl, Du liebst mich nicht mehr wie sonst: über der Anderen hast Du mich vergessen, — denkst Du nicht daran, was Du mir hier, an dieser Stelle, als wir auf der Bank dort saßen, ver­sprochen hast? Die Rosen blühten und dufteten .gerade so, wie heute, ich liebte Dich, und Du — arrch Du liebtest mich und versprachst, in einem Jahre sollte ich Deine Frau sein? Wie hältst Du Dein Versprechen? Ich habe geduldig.gewartet, Monat um Monat, und Theo — ich liebe Dich heute heißer und inniger, als damals, während Du um jener Anderen willen mich vernachlässigst. O höre mein Flehen, Geliebter, sprich — sage, — daß ich mich täuschte, daß ich falsch gesehen, daß Du mich noch liebst, mich allein, — und ich will Dir glauben, will geduldig sein, kein Wort mehr soll über meine Lippen, das Dich mahnt an Dein Ver­sprechen, — nur verlaß mich nicht, Theos"

Er hatte sie ruhig aussprechen lassen. Auch jetzt schwieg er, finster vor fich hinblickend, und zerpflückte mit der weißen Hand nervös eine dunkle, eben erblühte Rose, die er vom Strauch

Wally hätte wohl Auskunft darüber zu geben vermocht, wohin die Briese sitzt wan­derten, doch fie mußte schweigen, in ihrem eigenen

fänglich angenommen hatte. Optimisten hatten gehofft, daß die erste Lesung des Etats im Laufe von zwei Tagen beendet sein würde; aber mehr als drei Tage hatte Niemand erwartet. Mit der Beendigung der Etatslesung beginnen die Weih- nachtsferien des Reichstages, die bekanntlich bi« zum 9. Januar dauern sollen.

h Kein neue« Anfanteriegewehr. Die ,Berl. Reuest. Nachr.' schreiben: „Die Nachricht des .Vorwärts' von einem neuen Gewehr, da­von einem Norweger konstruirt und bereits zu Probeversuchen beim Lehr-Jnfanterie-Bataillon in Potsdam ausgegrbm sei, ist, wie uns von mili­tärischer Seite versichert wird, von Anfang biS zu Ende erfunden." Kriegsminister vonGoßler hat in der Reichstagssitzung am heutigen Mitt- woch mitgetheilt, daß der Erfinder des fraglichen Gewehrs Anerbietungen gemacht hat und aufge­fordert worden ist, das Gewehr zur Prüfung einzureichen, daß aber bis jetzt noch nichts der Regierung zugegangen ist. , .

X Da- AohlsnsyndiKat wird w der ihm befreundeten Preffe belobt, weil es der preußischen Staatsbahnverwaltung drei Millionen Tonnen Kohlen zu demselben Preise wie im Vorjahre verkauft hat. „Wenn das Syndikat nicht exrstirte und nicht nach bestem Vermögen für dauernde Regelung des Marktes und mäßige Preffe sorgte, so hätte bei der jetzigen Verwirrung und Thrue- rung der Staat auf Kosten der Steuerzahler seine Kohlen wahrscheinlich erheblich theurer kaufen müffen." Gerade jetzt aber thut das Syndikat natürlich alles Mögliche, um sich bei den preußischen Staatsbahnen und bei der Re­gierung einzuschmeich^n, so daß die vorher ver­zeichnete Thatsache ganz und gar kein Beweis ist gegen die Berechtigung, der verschiedenen Vorwürfe, die man dem Syndikat und seinem Geschäftsbetriebe macht. Rach wie vor bedarf dieser Betrieb der schärfsten Ueberwachung, und hoffentlich hört man recht bald Genaueres über die von dem Sta« ^ssekretär Grafen Posadowsky angekündigten En vungen und Maßregeln der Regierung zum Stadium der Syndikate und ihres Einflusses auf unter wirthschaftliches Leben.

+ Der Sier- Ä-rgSroz-tz i« Aertt» ist reich an Überraschungen. Rechtsanwalt D r. S e 11 o, einer der angesehe? Äen Anwälte von Berlin, hat heute (Mittwoch) tue Vertheidigung Sternberg's niedergelegt, nachdem der Kriminal«Kommissar Thiel trotz aller Einwände Sello's bei der Be­hauptung blieb, Dr. Sello habe, bevor er die Vertheidigung Übernahm, sehr wohl gewußt, daß er, Thiel, ein bestochener Beamter fei. Rechts­anwalt Dr. Sello beantragte seine Vereidigung; da diese aber von dem Gerichtshöfe abgelehnt wurde, legte Dr. Sello die Vertheidigung nieder und verließ den Sitzungssaal. Die Aussage des Kriminal-Kommissars Thiel belasten den Rechts­anwalt Sello nicht wenig, so daß nunmehr wohl daS bereits voraufgegangene Gerücht zur Wahr­heit werden wird, die Berliner Anwaltskammer wolle gegen Sello vorgehen und disziplinarische Uniersuchung gegen ihn beantragen .... Der verfluchte Goldhunger!

ft Di- Lay-rische« Sozialdemokrale« haben ihren Parteitag in München abgehalten. Die sozialdemokratische Fraktion deS bayerischen

„Ich wußte es ja. Du liebst mich nicht mehr. Seit Lori hierberkam, bist Du verändert. Du hast nur noch Augen für sie, o — ich ertrage eS nicht!" —

Dann versiegten urplötzlich ihre Thränen, ein finsterer, trotziger Ausdruck trat in das hübsche Gesicht, und verzerrte es in erschreckender Weise. Die Fäuste ballend, rief Wally laut, ganz ihrer Leidenschaft hingegeben: „Wie ich sie Haffe, diese Lori, — jenes Geschöpf, das mir mein Glück gestohlen, ich kann es nicht sagen; — aber rächen werde ich mich an ihr, rächen,