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Julda, Mittwoch, dm 12. Dezember 1900.

M 285.

Hauptsache!

nicht zum 14. Januar, wie vorher gemeldet, sondern zum 15 Januar einberufen werden. Der 14. Januar fällt nämlich auf einen Montaa, und bisher hat man eS stets vermieden, ein Parla­ment zu einem Montag einzuberufen, seit um Anfänge der siebziger Jahre im preußischen Herrenhause berechtigte Klage darüber geführt werde, daß die Volksvertreter genöthigt wurden, die Reife nach Berlin an einem Sonntage zu machen.

fachen fallen wie der Reif in der Frühlingsnacht 11 auf die feurige Lohe der Kriegsbegeisterung; sie * kühlen stark ab, und alle stimmen darin überein, daß die Stimmung in dem neuen zu einer außer- 1 ordentlichen Sitzung einberufenen Unterhaufe be­denklich matt ist. Man beginnt wohl in England einzusehen, daß es wenig Vortheil bietet, über ein verwüstetes Land zu herrschen, in dem die Kriegsfurie alleNiederlasiungen heruntergebrannt und die fleißigen Menschen vertrieben hat, die f darin hausten und durch ihren Fleiß gerade erst den Werth des Landes bedingten. Was nützt eS den Engländern, wenn sie eine Wüste als neue Besitzung ihren alten Besitzungen in Südafrika hinzusügen? Das englische Volk und die Eng-1 länder, die ein besonderes Interesse an Südafrika haben, sird gewahr geworden, daß die Buren nicht, ivie gehofft, sich einschüchtern lassen, daß sie den Kampf Mren bis zur eigenen V-nnch- tung, und das wollten die großen britischen Unter­nehmer in Südafrika nicht. Die Masse des eng­lischen Volkes aber ist augenscheinlich der unauf­hörlichen Kriegsgreuel herzlich satt.

Der Oranje-Freistaat heißt nach der briti­schen Amtssprache längst Oranj-fluß-Kolonie. Aber nach wie vor spricht alle Welt von dem „Präsidenten" Steijn, und thatsächlich steht dieser auch noch an der Spitz? des Buren-1 landes, so weit es nicht unter der Kriegsherr­schaft der Engländer schmachtet, und das ist be­kanntlich der erheblich größere Theil. An eine Unterwerfung denken die Buren gar nicht. Em Adjutant des Präsidenten Steijn, Mejerbach-1 Caserta, ist soeben mit einer politischen! Sendung für den Präsidenten Krüger in Marseille eiugetroffen und hat in fröhlichem Tone erklärt, die militärische Organifaticn der Burcn sei erst jetzt recht gut geworden, und die Buren seren von einer Unterwerfung entfernter, ! als je zuvor. Der Burenführer de Wet I macht den Engländern mehr als je zu schaffen I und alle Bemühungen, ihn zu fangen, bleiben I vergeblich. Unter solchen Umständen versteht man so recht die Bedeutung der Worte des englischen Ministerpräsidenten Lord Salis­bury, dis dieser jetzt im Parlamente sprach: „ Der Zustand in Südafrika kann nod; | Generationen andauern." j

Di- Buren können es also noch eine Weile aushalten. Und so schmerzlich das deutsche Herz berührt wird von den Leiden, die die tapferen Buren unter der brutalen Gewaltthätigkeit der Briten zu erdulden haben, so.kann man die Politik der deutschen Regierung doch nicht ver- urtheilen. Man könnte höchstens noch sagen, Herr Krüger hätte der äußeren Form wegen in Berlin empfangen werden können, um dem alten Manne, der einst durch Kaisertelegramme i ausgezeichnet wurde, eine Ehre anzuthun. Aber Nutzen hätte ihm dieses auch nicht ge­bracht und dieses letztere ist doch gerade die

schier unheimlich zu nennen war und recht ge­ziert und unnatürlich wirkte.

„Grüß Dich Gott, mein liebes Kind ! Hattest Du "eine angenehme Reise, gute Gesellschaft? Wie geht eS Deinem Vater, immer gesund und | munter, ja? Das freut mich, freut mich von Herzen, bist halt noch immer die kleine Lori, | zierlich und nett. Hoffentlich bleibst Du nun recht lange hier. So schnell kommst Du mir ncht wieder fort. Da sieh', auch ein Ver- | wandter, mein Neffe Theodor Krämer, der Sohn von Tante Marie — Du kennst doch Theo schon? Sticht? — Ach so, ich vergaß,! Du warft ja damals noch ein kleines Mädchen, ! als Ihr Euch hier traft; es ist freilich lange her, Theo lebt jetzt ganz bei mir, ich bin immer so allein gewesen, einen männlichen Schutz haben wir Frauen ja so nöthig."

Lori fühlte sich unangenehm berührt von den vielen Worten, die gleich einem Strom aus dem Munde der Tante quollen. Kathinka schöpfte nach dieser Leistung auch tief Athem und machie Miene, von Neuem zu beginnen, doch Theo, der ein mali- tiöses Lächeln zur Schau trug, mahnte zum Ein­steigen. t

Lori fühlte sich auch von dem jungen Mann mehr abgestoßen als angezogen. Er hatte ihr vorhin bei der Vorstellung durch Tante Kathinka mit einer tiefen Verbeugung die Hand gereicht, sie fühlte dabei einen so innigen festen Druck, daß sie unwillig erröthend die Fingerchen rasch wieder zurückzog und Tbeo einen erstaunten ab­weisenden Blick zuwarf, den dieser zutraulich lächelnd zurückgab. Er versuchte auch jetzt, ! Lori beim Einsteigen in den Wagen behilflich

giltig zu erklären.

x Die Kommifsi«« ssir SeeMarmsord- K««8 ist am heutigen Dienstage unter dem Vor­sitze des konservativen Abgeordneten Rettich

zu sein, allein sie hatte rasch,, ohne seine Hand zu erfaffen, neben der Tante Platz genommen und diese begann sogleich wieder in ihrer leb­haften Art nach allem Möglichen zu fragen.

Lori gab auch freundlich und bereitwillig Auskunft.

Die Villa Tante Kathinkas lag außerhalb der Siadt, mitten in einem großen herrlichen Garten; ein breiter, zu beiden Seiten mit Akazienbäumen bepflanzter Weg führte zu dem reizenden Hause, wo man eine herrliche Äuspchl. auf den unten vorbeifließenden Rhein und die im Hintergründe auftauchenden Berge genoß.

Als die Ankommenden die breite, teppich- belegte Treppe emporstiegen, erschien ein jrnges, hübsches Mädchen am Aufgang. Es wollte Lori bedünken, als hätte dieses mit Theo einen verständnißvollen Blick getauscht, doch konnte dieses ebensogut eine Täuschung sein.

Fräulein Kathinka trug der Dienerin auf, das Handgepäck Lorchens zu besorgen, dann sagte sie, auf dar Mädchen deutend: „Wally ist einzig zu Deiner eigenen Bedienung hier,— Lori, — Du kannst Dich ganz auf sie verlassen, und wenn Du etwas wünschest, so brauchst Du es nur ihr zu sagen."

Wally machte, wie Lori dachte, eine zu I devote unterwürfige Verbeugung, dabei flog ihr Blick wiederum zu Theo hinüber, den dieser aber nicht zu bemerken schien. Da in den Zimmern, die alle mit seltenem Geschmack ein- gerichtet waren, eine säst unerträgliche Hitze herrschte, befahl Tante Kathinka, das Esten au ! der Veranda zu serviren, wo vom Master her I ein frischer Luftzug wehte.

Transvaal nicht empfangen wurde. England habe seine Macht in unerhörter Weife gemiß» braucht.

• De« D-rsitz in der A«dge1Ks«mrssi-< d-s Zreichvtases wird an Stelle des freikonser­vativen Abg.von Kardorff nach Neujahr der konser­vative Abg. Graf zu Stolberg-Wernlge- rode übernehmen. Wenigstens ist gar nicht vor» anSzusetzen, daß ein Widerspruch gegen diesen Präsidenten erhoben werden wird, auf beste« Präsentirung die Konservativen Anspruch er­heben.

* Gin Grkstz des KuNettmirüsters SS-r Slvdeute« der katholischer» Gheokogie be­treffend Nachprüfung in der katholische« Religionslehre bezieht sich, wie der »Germ, von unterrichteter Seite mitgetheilt wird, aus diejenigen katholische Theologie Studirenden, ! die auf einem rein evangelischen Gym­nasium die Reifeprüfung ablegten und auf dieser Anstalt mangels eines zur Ertherlung des katholischen Religions-Unterrichtes befugte« Lehrers oder Ortsgeistlichen bei der AbganqS- prüfung einer Prüfung in der katholischen Ren» aionslehre nicht unterzogen werden konnten und überhaupt auf der Anstalt katholischen ReliglonS- unterricht nicht genoffen haben. Auf Wunsch einer katholisch'theologischen Fakultät ist für solche Schüler durch den oben erwähnten Erlaß eine Nachprüfung ungeordnet worden.

® Ii- WahkprMsss KsmWisstoA de» i Zlsichstages hat am heutigen Dienstag be- schlossen, die Wahlen der Abg. Hrlb ck (natl ) und Graf Dönhosf-Friedrichstein (kons.) für

schon einmal in der Kommission durchberathe« worden. Die ersten drei Paragraphen wurden nach Fastung der Regierungsvorlage angenommen. Paragraph 4 besagt: „Seemannsämter mit den durch dieses Gesetz ihnen zugewresenen Be- fuqnisien und Obliegenheiten sind im Reichsgebiete bie landes-echtlich, in den Schutzgebieten die vom ! Reichskanzler bestellten Behörden, im Auslände I bie Konsulate des Reiches für Hafenplatze, lauf Antrag des Abg. Cahensly (Centr.) wurde beschloffen, die Mitwirkung des Konsulates nicht m gestatten, wenn von einem Betheiligten gegen seine Mitwirkung Widerspruch erhoben wird. Die Paragraphen 5 bis 9 wurden ohne wefenst che Aenderung nach der Vorlage angenommen. Nach­her vertagte sich die Kommission bis nach Neujahr. Den Bericht für das Plenum hat der freisinnige Abg. Lenzmann übernommen.

* 1L Dez. Bei der heutigen Land- tags wohl im 4 Wahlbezirk d-s Regierungs- bezirks Posen (Mrseritz-Bomst) wurde nach amtlicher Mrtkheilnng von Wenzel- Be le nein (konservatw) mit 285 von 3.6 ab» gegebenen Stimmen gewählt. Propst Mojzy» kiewicz (Pole) erhielt 91 Stimmen.

Deutsches Weich»

Berlin, den 11. Dezember.

ft Per preußische Landtag soll nach der

Meldung eines parlamentarischen Berichterstatters

O England, Deutschland und die Buren.

Die Ausführungen des Reichskanzlers Grafen Bülow in der Montagssitzung des Reichstages kamen gerade zu rechter Zeit. DaS deutsche Volk wußte nicht mehr, was es denken sollte von der Rolle, die die deutsche Regierung in der südafrikanischen Angelegenheit spielt; und immer mehr und mehr verbreitete sich die An- «schauung, daß die deutsche Regierung planmäßig die Buren schlecht behandele, nur um den Eng­ländern einen Gefallen zu thun. So mochte denn Graf Bülow selbst da§ dringende BrdüJ- niß fühlen, endlich selbst einmal sich auSzu- sprechen; und die Ausführungen der Abgeord­neten Dr. Sattler und Graf von Lim- burg-Stirum gaben ihm die erwünschte Ge-

Es war ein schönes, lauschiges Plätzchen und Lori hätte sich ganz zufrieden gefühlt, wenn ihr die Blicke, die Theo stets auf st- gerichtet hatte, nicht so sehr unangenehm gewesen wären. Gr saß ihr gegenüb-r art dem kleinen T'.sche, der nur drei Konverts trug und suchte sich lyrrn zudringlich-r Weise zu nähern. Sie tteß'hm ihre Kälte und Gleichgiltigkeit wiederholt führen, doch das half nur sehr wenig. Er setzte ferne Bemühungen unverdrossen fort und m der hereinbrechcnden Dämmerung haschte brr Freche sogar einmal nach ihrer Hand und zog ste an seine Lippen, so daß Lori unwillig aufstand und Müdigkeit vorschützend, sich in das ihr an» gewiesene Zimmer begab. Wenn dieser ufiUtb« liehe Mensch sein Benehmen nicht änderte, so war das kaum auszuhalten und Lori beschloß, vorkommenden Falles sich an Tante Kathinka z« wenden. Diese würde den Zudringlichkeiten btefes sauberen Vetters schon entgegentreten.

Wally tarn jetzt mit der roth verschleierten Lampe herein und sragte auffallend freundlich: „Be­fehlen das gnädige Fräulein noch etwas?"

Lori winkte der Dienerin, näher zu treten und bie Thür zu schließen, dann sagte sie in gedämpftem Tone: „Können Sie mir vielleicht Auskunft geben, wo sich hier bie Hauptpost befindet?"

' Die Angeredete lächelte zutraulich: „Aber, bestes Fräulein, Sie wollten sich doch nicht etwa selvst dahin bemühen?"

Lori nickte etwas verlegen. „Gewiß rotu rch das, warum sollte ich nicht, Wally?"

O bitte, bitte, gnädiges Fräulein, das kann, das" darf ich nicht zugebrn. Meine Hern«

Die kleine Lori, j

Original-Roman von Irene ».Hellmuth.

. 20 (Nachdruck verboten.) I

„Nicht wahr, Tantchen," begann er wieder, j „Du entschuldigst nich einen Augenblick; ich I sehr dort drüben meinen Freund und möchte ihm rasch einige Mittheilungen machen, ich bin sogleich zurück." , , ,

„Ach bitte, bitte, mein SoldMge, verschiebe das auf später, ich komme mir so hilflos und verlassen vor, wenn ich hier so ganz allein stehen soll!" — . ...

Der Neffe machte eine kleine ungeduldige | Bewegung, doch zwang ec seinen Unmuth sofort nieder.

„Wie Du befiehlst, Tante," sagte er mit an- scheinend heiterem Lächeln.

„Nicht befehlen möchte ich Dir, Theo, aber ich bitte Dich darum. Wenn Du es nicht gern thust, nun--" , , „

„Aber Tante, wie kannst Du nur glauben,' unterbrach er sie hastig.

Endlich fuhr zur großen Erleichterung Theo s der Zug in die Halle, es entstand eine Be­wegung, bie Kovprethüren wurden aufgerissen, einem Wagen zweiter Klaffe entschlüpfte em junges Mädchen und eilte leichtfüßig auf die Dame zu, derselben bie Hanb entgegenftreckend.

„Guten Tag, Tante Kathinka!" Das klang so frisch, so herzlich und die Angeredete um­schlang die zierliche reizende Gestalt mit beiden Armen, küß-e das Mädchen auf beide Wangen und begrüßte eS mit einem Wortschwall, der

Icqst beit.

Daß Deutschland eigene Südafrika-Politik! getrieben hat, wird Niemand mehr dem Grasen Bülow abftreiten können; und daß bie deutsche | Regierung um bet schönen Augen der Engländer I willen bie Buren planmäßig im Stiche gelassen habe, wirb auch nicht melt behauptet werben. | Mindestens würden solche Behauptungen keinen! Eindruck mehr machen können, nachdem man er-; fahren hat, daß Deutschland der Transvaal- I Republik seine guten Vermittlerdienste angeboten hat, von dem Präsidenten Krüger aber zmück- gewiesen worden ist. Sehr wichtig ist, daß die deutsche Regierung gemeinsam mit Holland vor- I gegangen ist; denn gerade von Holland erwartet । Lein Mensch in der Welt Mißgunst gegen seine | allernächsten Stammesverwandten in Südafrika. j Auch jetzt findet Herr Krüger in der holländischen I Residenzstadt nicht de.S, was er sich gewünscht hatte; beim Empfangs des Präsidenten hat ihm dir ■. Königin Emma gesagt: „ . . . Ich werde Ihnen s den Bennis meiner Freundschaft geben, wenn der i Augenblick dazu gekommen fein wird, aber jetzt i m^t." Und daß der glänzende Empfang des Transvaal-Präsidenten in Paris eben nur eine glänzende Außenseite, thatsächlich aber nichts für | ihn und für fein Land zu bedeuten hatte, ist am Montag vorn Reichskanzler Grafen Bülow von neuem ‘ in unzweifelhafter Weife dargethan wor­den. Etwas darf man also auf keinen Fall thun, nämlich die deutsche Regierung beschuldigen, daß sie hinter Frankreich und Holland in ihrem Inte- reffe für die schnöde vergewaltigten Buren zurück­stehe. Wo sogar Holland sich zurückzieht, kann man von Deutschland nicht verlangen, daß es sich bie Finger verbrenne an dieser „glühend hePen F'age der äußern Politik" ohne genügen­den Hinterhalt.

Augenscheinlich flaut nun in England die kriegerische Stimmung ganz erheblich ab; 60 Wochen bauert nun ber Krieg. Noch immer stehen 210.000 Mann britischer Truppen im Felde gegen die Buren, und die Kosten, die den Briten aus diesem Kriege bereits erwachsen sind, werden vermuthlich bald 2 Milliarden Mark betragen. Solche Tdat-

R (trott: IMe*

alt Sarmonb» seilt ober bete« Ramn!5Pfa.,R-- tlamen bie P ettb »eile 25 Psg.; bot Wiederholungen wird entsprechend Stebatt gewährt.

X Der zweite Tag der erste« Ktats- kef««g (Dienstag) (stehe Parlamentsbericht. Die Redaktion.) gestaltete sich dadurch sehr intereffant, daß der Abgeordnete Bebel noch einmal von den 12000 Mark anfing, die ein Beamter des I Reichsamtes des Innern von den Zentralver- bande der Industriellen verlangt hatte, um in der Presse für das sogenannte Zuchthausgesetz z» agitiren. He.r Bebel fragte, an welchem Tage Staatssekretär Graf Pofabo'wsky Kemttmß von der Sache erhalten hatte; er wollte damit feststellen, ob Graf Posadowsky die Verantwortung dafür habe oder nicht. Der Staatssekretär nahm aber Herrn Bebel den netten Agitationsstoff aus den Händen, indem er die Erklärung abgab, er habe bie Verant­wortung für bie Sache, ob er nun davon ge- ! mußt habe ober ncht. Das war sehr glücklich operirt vom Grafen Posadowsky. Weniger glücklich war bie schwere Frage zu lösen, wie er wohl den Mißgriff eines Direktors vertheidigen könnte. So etwas kann man eben nicht ver- cheibigen, und beswegen hatte auch Graf Posa­dowsky mit dieser Vertheibigung gar kein Glück. Von der linken Seite her würbe er fortwährend durch Gelächter und Zurufe unterbrochen, brs schließlich ber Prästdent Graf Balle st rem drohte, von seinem Rechte als Präsident Ge- 0CB lU(l|CI.......------

brauch zu machen, wenn diese Unterbrech- 'efQmnienfletreten. Von einer Generaldiskuffio« ungen nicht aufhören sollten. Nur mit etwas abgesehen, denn dieselbe Vorlage ist ja

in der Regierungspolitik ftimrnte Herr Bebel - • - —

überein: mit der Haltung der Regierung in der Transvaalfrage. Jrn Urbrigen tadelte Bebel alles Vorhandene . und schloß wieder einmal mit der berühmten Vorhersage eines großen „Kladderadatsch". Nur verlegte er den Zeitpunkt desselben diesmal an das Ende bc§j zwanzigsten Jahrhunderts. Der sreikonservattve!

: Ma. von Kardorff hatte nicht Unrecht, als i er dem Abg. Bebel Größenwahn vorhiett. Die : Bebelschen Ausführungen hatten in ber Thai einen starken Beigeschmack danach. Nach Herrn von Kardorff hielt Herr Eugen Richter seine Etatsrede, die vielsach Heiterkeit hervorrief, wie man dies bei den befferen Reden Richters gewöhnt ist. Die Transvaalpolitik billigte Herr Richter durchaus. Im Uebrigen tadelte er mit vieler Berechtigung den Gegensatz in den Aus­führungen des Schatzsekretärs jetzt und vor sechs Monaten bei der Berathung des Flotten- gesetzes. Damals alles rosig und glanzend, heute alle- grau und trostlos! Ein Finanz« Minister, so verlangt Herr Richter mit Recht, sollte doch wenigstens auf sechs Monate hinaus die Lage beurteilen können. Der letzte Redner ! des Tages war der antisemitische Redner ! Liebermann von Sonnenberg. Dieser bedauerte lebhaft, daß Präsident Krüger von

mit Anterßaktungs -Anlage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" *"* ,