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27. Jahrgang.

Iutöa, Dienstag, den 11. Dezember 1900.

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* lieber die AorgLuge i« KSk», die sich

Aber wäre Unkenntniß beffer gewesen? Schwerlich: Wenn ein Wanderer in Nacht und Nebel einen ihm unbekannten Weg geht, ist er dankbar für den Blitzstrahl, der plötzlich her­niederfährt, ihn zwar mit Schrecken und Ent­setzen erfüllt, ihm aber eine Gefahr enthüllt, die er vordem nicht kannte, wenigstens nicht in ihrer ganzen Gefährlichkeit. So kann man diesen widerlichen Prozeß auffassen: er ist der Blitz­strahl, der hineinfährt in den Sumpf der Groß­stadt und den Menschen die Gefahren zeigt, die fie umgeben. Man sieht von der FLulniß bereits Kreise und Personen ergriffen, von denen man bisher mit der größten Achtung zu sprechen ge­wöhnt war; und ist es nicht die sittliche Ver- kommniß selbst, von denen sie erfüllt sind, so stellt sich heraus, daß fie um schnöden Gewinnes wegen von dem Laster in Knechtschaft sich nehmen ließen.

Ein Mann erbeutet Reichthümer über Reich- thümer, weil er mit wilder Beutegier und gewissenloser Rücksichtslosigkeit seinen Spekulationen nachjagt, ohne darauf zu achten, daß Hunderte und Tausende von kleinen Existenzen durch ihn schwer geschädigt und zu Grunde gerichtet werden. Immer zu rechter Zeit rettet er aus dem Zusammenbruche schwindelhafter Unternehmungen sich selbst und neue Millionen. Aber sein ganzer Erwerb, sein Reichthum sind | ein Raub an der Menschheit, der leider nicht ge­sühnt werden kann durch die strafende Gerechtig­keit. Mit dem Raube zieht der Mann sich zurück und benützt die erbeuteten Millionen in unbe­schreiblich wüster Weise. Nur durch seine Reich- thümer wurde es ihm möglich, seinen verbreche­rischen Lüsten fröhnen zu können, um dadurch, daß er für sein Gold eine Menge feiler Gehilfinnen fand, die ihm halfen zur Befriedigung seiner wüsten Gier. Und als nun die strafende Ge- rechtigkeit dennoch an seine Sohlen stch heftete, da kaufte der Mann Schaaren von zweifelhaften Leuten, um ihm zu helfen, dem Rechte ein Schnipp­chen zu schlagen; aber auch Männer fielen der durch ihn aufgereizten Goldgier zum Opfer, von denen bisher niemand solchen Verdacht gehegt haben würde. Polizeibeamte in hervorragender Stellung, Rechtsanwälte, deren Name immer obenan stand in der Reihe ihres Gleichen — sie alle erlagen der auri eacra fames, der verfluchten Gier nach dem rothen Golde aus den geraubten Millionen des gewiffenlosen Wüstlings!

Begierden. _

Und wenn es doch so wäre? Dann müßten solche Menschen als gemeingefährlich in Ge- wahrsamgenommen werden, genau sowie derToll- wüthige, wenn dasselbe nicht mit ihnen als mit Ver­brechern geschehen könnte. Ader frei umherlaufen lassen dürfte man st- auch dann auf keinen Fall; denn dann würden fie gefährlicher fein, als die tollen Hunde!

das Ministerium des Innern das Kölner Polizeipräsidium zum Bericht aufgefordert. Es handelt sich um den Vorgang am Central­bahnhofe, w, bekanntlich 24 Personen in einen Bauschacht abstürzten. Ferner soll das Präsidium sich auch über die Vorkommnisie am englischen Konsulate äußern. Daselbst wurde, wie gemeldet, nur durch die Dazwischenkunft der Polizei eine Anzahl Personen daran verhindert, das Konsulat­schild herunterzur'.chen, wobei man Drohungen und englandfeindliche Rufe ausstieß.

+ Aufsicht nü-r Karte«- »md Syadi- Kate. Der Antrag des natronall,beraten Abge­ordneten Freiherrn von Heyl, eine Reichs- anfficht für gewiffe Syndikate und Kartelle ein­zuführen, entspricht ohne Zweifel den Wünschen weiter BolkSkreise; und da nun auch Staats- sekretär Graf Posadowsky im Reichstage erklärt i hat, der Bundesrath befchästige sich mit Er- I wägungen in demselben Sinne, hat sich der Kreise, auS denen die Syndikate und Kartelle heroorgehen, eine starke Aufregung bemächtigt. Man ersieht das auS der Haltung der Preffe, die den Jntereffen dieser Kreise dienstbar ist. Von Jntereffe ist eine Mittheilung des .Zentralblattes der Walzwerke' über die Absichten der Antrag- fteller. Diese beantragen die Aufsicht nur für solche Syndikate und Kartelle, die für ihre Jntereffen ein Monopol oder aber auf andere Art eine wucherische Ausbeutung der Verbraucher anstreben; nur fragt es sich, wo der Begriff des Monopols ober der wuche­rischen Ausbeutung beginnt. Nach der Mit­theilung des genannten Industrie-Organs wollen

die Antragsteller von der Grundlage ausgehen, die durch ein Urtheil deS Reichsgerichtes vom 4. Februar 1897 gegeben ist. In jenem Falle handelte es sich um eine Klage des Sächsischen Holzstoff-Fabrikanten-Verbandes; und in dem entsprechenden Urtheil wird die Berech­nung solcher Syndikate anerkannt, die mit loyalen Mitteln die Aus reckt er Haltung angemessener Preise anstreben. Dagegen können Kartellverträge beanstandet werden, näm­lich vom Standpunkte des durch die Gewerbe- freiheit geschützten allgemeinen Jntereffes aus, wenn „sich im einzelnen, aus besonderen Umständen Bedenken ergeben, namentlich wenn eS ersichtlich auf die Herbeiführung eines ! thatsächlichen Monopols und die wucherische Ausbeutung der Konsumenten abgesehen ist, oder diese Folgen durch die getroffenen Vereinbarungen und Einrichtungen thatsachltch herbeigeführt werden". Den Antrag Heyl nennt das Berliner Blatt des Zentralverbandes der Industriellen, die »Berliner Neuesten Nachrichten', l das „Ergebniß eines kläglichen Kompromisses

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al Auri sacra fames — der verfluchte Goldhunger!

Ganz entsetzlich sind die Enthüllungen deS Prozesses gegen den Bankier Sternberg. Der ganze Prozeß ist ein so wüster Sumpf von Laster, Gemeinheit und feiler Gesinnung, daß man wünschen möchte, niemals etwas davon er­fahren zu haben; denn man kommt aus dem Gefühl tiefen Ekels gar nicht mehr heraus.

Deutsches

Berlin, den 10. Dezember.

* Der AeichoLaazker Graf von Mttrv wird gleich nach Weihnachten eine Rundreise

* Die AnsLührrmgs-Vorschrift-« z«m Ikeischv-sch«Rg-s-tz verzögern sich nach der ,Rhein.-Westf. Ztg.' dadurch, daß gleichzeitig entsprechende Einrichtungen einmal für die Untersuchung des Fleisches im Jnlande und zweitens für die Ueberwachung deS aus dem Auslande eingehenden Fleisches hergestellt werden müssen. Auch ist es erforderlich, daß zuvor überall, namentlich auch auf dem stachen Lande, für ein ausreichendes, genügend vorgebildetes Personal von amtlichen Fleischbefchauern gesorgt wird. Ehe aber diese unumgänglichen Vor­bereitungen beendet sein werden, dürste noch eine geraume Zeit vergehen.

♦ Wie verlautet, beläuft sich das Extraordi- narium im nächstjährigen preußischen Staatshaushalt zur Unterstützung deS Manes von Molksschnren auf 13 Millionen Mark, 10 Millionen Mark mehr als rot laufen­den Jahr. Der bauliche Zustand der Schulen, zumal auf dem Lande, gehört zu den drückendsten Mißständen auf dem Gebiete des Schulwesens, und es ist im hohem Grade erfteulich, daß m dieser Beziehung in so umfaffender Weise Abhilfe geschaffen werden soll.

Hannes heftig aufspringend. „Man wird mich zu Hause ohnehin längst vermiffen, ich muß sehr eilen, — also Lori," fügte er in ermuthigendem Tone hinzu, „Kopf hoch, jetzt wird nicht mehr geweint, Du machst Dich sonst »och krank. Suche Dich zu beherrschen, damit ich Dich mit frischen, rothen Backen finde, wenn ich komme, und noch eins, — vergiß die Chiffren znm Briefe nicht, und schreibe bald, recht bald. Ich hege die feste Zuversicht, daß wir in kurzer Zeit ganz und für immer vereint sein werden. — Bis dahin aber | vertraue mir!" — t _

Noch ein letzter inniger Händedruck, Jo­hannes sprang behend auS dem Wagen, nahm fein Veloziprd in Empfang — und fort rollte der Zug.

Lori winkte, so lange sie die hohe Gestalt , des Geliebten zu sehen vermochte, mit dem Taschentuch, dann setzte sie sich still ans Fenster, doch weinte sie jetzt nicht mehr.

Zuversichtlich und hoffnunxsfreudig war ihr zu Muthe, das trübe Gesichtchen hellte sich nach und nach auf. Mit heiterem Auge betrachtete sie zuletzt die stch immer anmuthiger gestaltenden Landschaftsbilder, die draußen vorbeihuschten.

Am Bahnhofe zu Boppard stand ein elegantes Gefährt mit zwei unruhig scharrenden Pferden bespannt. Die Zügel hielt ein junger, recht hoch­mütig dreinblickender Herr in der fein behand­schuhten Linken, wahrend die Rechte eben den goldenen Zwicker auf der Nase befestigte. Aus dem bleichm, etwas verlebten Gesicht blickten ein Paar wafferblaue Augen, ein hellgrauer Hut saß auf dem braunen, hinten glattgescheitelten Haar,

bandeln? Wirst Du das können, mein geliebtes Mädchen? Wirst Du dazu stark genug sein?"

„Ja, Johannes, ich werde es; meine Liebe zu Dir ist die Kraft, in der ich olles vermag," versicherte Lori fest und ernst. „Versagt mein Vater mir seinen Segen, nun, den Segen meines Mütterchens habe ick schon."

Ich wußte es. Du bist mein tapferes, ge­liebtes, kleines Mädchen, — also das wäre ab- gemacht," jubelte Johannes so laut, daß der Herr in der Wagenecke aus seinem Schlummer leicht erschreckt auffuhr, sich aber sofort wieder zurücklehnte. „Und nun das andere, Lori/'fuhr Johannes fort. „Ich habe, wie ich ohne lieber- Hebung sagen kann, etwas Tüchtiges gelernt. Gott sei's gedankt. Da? setzt mich nun in den Stand, einen eigenen Hrrd zu gründen. Bleibt mein Vater unerbittlich, so sucke ich die Stelle, — die ich anzunehmen im Begriff stand, ehe mein Vater mich zu sich berief, zu erhalten. Ist es die nicht, — nun, bann ist es eine andere, jedenfalls hoffe ich, Dir in nicht allzuferner Zeit gute Nachrichten senden zu können. Habe ich etwas erreicht, so theile ich es Dir sofort mit. Und wenn meine Stellung eine fest gegründete ist, — bann, — folgt hoffentlich auf die trübe Z-it eine besser-, dann komme ich und hole mein süßes Bräutchen, meine kleine Lori, — was

I sagst Du dazu?"

' In den Augen dcs jungen Mädchens schlm- merte es feucht. Mit glücklichem Lächeln nickte es dem Geliebten zu, wortlos hielt Johannes ihre Hand in der seinen, so saßen sie eine Weile, dann hielt der Zug.

„Ich muß jetzt sott, mein Lorchen," rief Jo-

Die kleine Lori.

Orisinal-Roman von Irene ».Hellmuth.

19 (Nachdruck verboten.)

„Und was hast Du für die Zukunft zu Ihun beschloffen?" fragte Lori wieder.

„Ach so, das ist ja eigentlich die Hauptsache, das hätte ich nun doch vergeffen. Nun höre: Mein Plan steht unwiderruflich fest. Ich werde, sobald ich paffende Gelegenheit habe, noch ein­mal ernstlich, und zwar zum letzten Mal, mit meinem Vater sprechen. Bleibt er unerbittlich, so werde ich zu Deinem Vater gehen, und ver­suchen, ihn nmzustimmen. Ist auch das um­sonst, so habe ich das „Menschenmögliche" ae- ihan, und die Folgen ihrer Starrköpfigkeit müssen unsere Väter bann selbst tragen, denn ich bin nicht gesonnen, des dumme» Streites wegen mein ganzes LebenSglück zu opfern. Ich halte es daher für kein Unrecht, gegen den Willen meines Vaters zu handeln, und Dich, mein süßes Lieb, trotz allem und allem zu meinem Weibe zu machen. Wir müssen bann in Gottes Namen versuchen, unseren Ehestand ohne den Segen der Väter zu gründen, und ich denke, es soll uns auch so gelingen. Entweder wir müßten Beide unglücklich werden — ober wir trotzen den eigen­sinnigen, unversöhnlichen Mensche», — etwas anderes gibt es nicht. Ich denk- mir, ein Segen, der doch widerwillig und mit verbittertem Herzen gespendet wird, der wird uns auch nicht vi'l" helfen. Willst Du mir Deine Zukunft an­vertrauen, selbst wenn eS gilt, das Aeußerste zu wagen, dem Willen Deines Vaters entgegen zu

Und es kommen Leute, die sagen, der reiche Mann I sei das Opfer eines krankhaften Triebes, der in ihm wohne; matt dürfe ihn nicht verantwortlich machen für seine Scheuß­lichkeiten! Der Mann selbst steht seit Wochen vor den Schranken des Gerichtes, keck und frech, als wäre das, dessen er angeklagt ist, nichts besonders Schlimmes! Es steht ihm der Gedanke auf dem Gesicht geschrieben: Hunderte! in meinen Kreisen thun dasselbe, wie ich; nur ich habe jetzt das Unglück gehabt, dabei ersaßt zu werden; eine Jntrigue der Rache ist gegen mich angezettelt worden, um gerade mich vor das Tribunal zu bringen wegen Dingen, um die man sich bei Anderen nicht weiter kümmert. Der Mann, der so denkt, hat leider nicht unrecht damit. Er steht vor den Schranken des Strafgerichtes nicht als eine einzelne Aus­nahme, nicht als ein einziges Scheusal unter Engeln; er ist, mit tiefem Bedauern muß man es sagen, ein nur besonders abgefeimter und frecher Vertreter einer ganzen sodornitiscken Horde.

Nun fei einmal zugestanden, es könnte etwas in einem Menschen stecken, das ihn unmittelbar anreizt zu solchen Gemeinheiten, wie der Mann sie ohne Zweifel beginnt, der jetzt seit Wochen mit keck erhobenem Haupte vor dem Strafgerichte in Berlin steht. Ist das ein Grund, einen solchen Menschen straffrei ausgehen zu lassen? Nie und nimmermehr! Der Mensch ist ja nicht geister- .

neftört iü ia also Herr seines Willens und berufen werden. _ feiner Tbaten' der Mensch weiß auch, daß er * Ueber die Morgauge in Kok«, dre sich sich verfünbigt gegen bie Gebote bet Sittlichkeit bei der Ankunft und während des Aufenthalts be§ solcher Mensch straffrei ausgehen, wenn man vor­aussetzt, baß ein krankhafter Trieb ihm innewohnt? Den Trieb, wenn er ihn wirklich hat, muß er beherrschen als geistesgesunder Mann; auch einen Hunb schlägt man, wenn er etwas thut, was er nicht thun soll; unb so viel Verstaub unb Willens­kraft wirb man biefem Manne doch zutrauen, wie man sie in einem Hunbe voraussetzt. Er hatte doch Verstaub genug, um millionenweise durch zweifelhafte Spekulationen Gelb zu erwerben. Es muß gestraft werben in solchen Fällen, ha t ge­straft; sonst werben die Wüstlinge hinter b r em« porschießen so massenhaft wie bie Pilze. A 'er ber Beweis bafür fehlt ja noch vollkommen, da- solche ganz besonbere verbrecherische Triebe in gewissen Menschen ihr Wesen treiben, so baß bie Menschen manchmal nicht widerstehen können, so sehr auch gewisse Leute unserer Zeit auf diese Weise Deck­ung erhalten möchten für bie Befriebigung ihrer

burch Sübbeutschlanb antreten, um sich ben deutschen Bunbesfürsten vorzustellen. Der Empfang beim Prinzregenten finbet am 28. b. M. statt.

h Avg. ZSÜTer-Jutta hat, wie bekannt, das Referat Über die China-Vorlage dres- mal mit dem Bemerken abgelehnt, daß ein Beam­ter des Reichs-Marineamtes im letzten Sommer bei einem Feste im Garten des Reichskanzlers sich Über ihn lustig gemacht und behauptet habe, der sogen. Müller'sche Bericht über die Flotten- Vorlage sei eigentlich von ihm, dem Beamten, verfaßt worden. Staatssekretär v. Tirpitz hat darauf hin Erhebungen auf dem Disziplinarwege veranstaltet und hat nun am Montag in der I Budget-Kommission des Reichstages ausdrücklich anerkannt, daß das Referat über die Flotten- Vorlage auf der alleinigen Urheberschaft des Abg. Müller-Fulda beruhe und die Marine diesem zu großem Danke verpflichtet sei.

4- Bischof De. Schneider von Mader- Sor« ist am letzten Samstag in Berlin ange« I kommen und hat im Hotel Royal Wohnung ge­nommen Zunächst machte ber Hochwürdigste । uu» 7”'T”.ri!L„

Herr dem preußischen Kultusminister einen Besuch; innerhalb dn nattona^ dem

nachher wurde er von den Majestäten empfangen. Zwecke, den Abgeordneten Freiherrn von Heyl 91m heutigen Montag machte der Bischof dem der Fraktion zu erhalten . Vernünftige Leute Reichskanzler Grafen^Bülow und dem Minister können die nationalliberale Relchstags-Fraktion Dr von Miquel Besuche. W diesem Kompromiß nur beglückwünschen.

• Der preußische Landtag wird nach * " '***"' “ """

halbamtlicher Mittheilung zum 14. Januar em-

• • Wertin, 10. Dez. Ueber die Reisedisposi­tionen des Kaisers wird berichtet: Am Donners- taa den 13. d. M., Nachmittags *7’5 Uhr trifft der Kaiser, von Potsdam kommend, in Hannover em und fährt vom Bahnhof sofort ins Refldeuzfchloß, wo um 5 Uhr das Diner stattfinvet. Um 7 Uhr Abends fährt der Kaiser in das königliche Schauspielhaus, w? erber Vorstellung von Shakespeare» „Hemr.ch IV. beiwohnm wird. Am 14. 6. M., 12',- Uhr trifft der Kronprinz in Hannover ein und fährt mit dem Kaiser um 12 Uhr 45 Mm. mittelst Sonderzuges nach Springe weiter. Km Saupark daselbst finden drei Jagen auf Sauen und Damwild statt. Am Samstag, 15. b. M, verläßt der Kaiser die Station Springe Abends und kehrt nach Berlin zurück. Der Monarch beabsichtigt, sich auch in diesem Jahre, und zwar in der zweiten Hälfte deS Dezember, nach Neugattersleben zü begeben, um als Gast des ^KanErherrn^nd i deV Hals stick» in einem steifen Stehkragen von I unglaubliche Höhe. . v

Das geschniegelte Herrchen mU den wetten, auffallend hellen Beinkleir.dern warf dem Kutscher die Zügel z», sprang aus dem Wagen und hals galant seiner Begleiten-, einer sehr zu Korpulenz geneigten Dame mit leicht ergrauten Lockrrbuffru an den Schläfen, beim Aussteigen. ,

„So, mein liebes Tantchen, da waren wir, sagte der junge Mann mit etwas schnarrender Stimme, „Du gestattest doch?"

Mit diesen Worten reichte er der neben ihm schreitenden Dame den Arm, den diese mit einem Lächeln der Befriedigung ergriff; dabei kam eine Reihe elfenbeinweißer Zähne zumVorschei», an deren Echtheit man mit vollem Recht zweifeln konnte.

„Du bist doch die Zuvorkommenheit selbst, mein lieber Theo," sagt die Dame mit ein­schmeichelnder Stimme, „ich wundere mich ost im Stillen darüber, daß Du mit mit alten Frau so viele Umstände machst."

.Aber Tante, ich bitte Dich," rief der An­geredete mit allen Zeichen des Entsetzens auf dem etwas faden geckenhaften Gesicht, „wie magst Du mit Deinem blühenden Aussehen mit „alt reden, Du kannst es getrost mit jeder jungen Dame ausnehmen."

„Schmeichler Du," äußerte die Dame, augen­scheinlich sehr befriedigt, indem fie das leise rauschende Seidenkleid mit der Hand aufraffte, um es vor Staub zu fchützen.

Die kleinen, etwas verschwommenen Augen ließ sie nach allen Seiten umherschweifen, da sie ; I hoffte, irgend einem Bekannten zu begegnen; fie \ liebte es sehr, wenn sie mit dem eleganten Neffen

mit Zluterhaktungs-Aeilage »Zlllistrirk Sonntags-Zeitung" "’äÄ"