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27. Jahrgmg.
Iuköa, Montag, dm 10. Dezember 1900,
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bringen!
VI.
Deutsches R*ich«
Berlin, den 7. Dezember.
4- pie felfen Iinauzjahre scheinen schon etzt ihrem Ende nahe zu sein. Reichschatzsekretär Frhr. v. Thielmann hat in der etzten Sitzung der Budgetkommission des Reichs- ages die wenig erfreuliche Mittheilung gemacht, daß dem Reichstage noch ein weiterer Nachtragsetat zugehen werde, denn — die amerikanische Reichsanlethe sei auch ohne die Ghinaexpedition nothw-ndlg gewesen, da der Stand der Reichshauptk.nse ein schlechter sei. Als Grund dafür hat F eiherr v. Thielmann die Vorschüffe angegeben, dir durch die Verficherungsgesetze nochwendig geworden waren . . . Sollten nicht noch andere Gründe dafür vorhanden sein? Die Versicherungsgesetze sind eine volksthümliche Einrichtung, hinter die die Regierung sich sicherlich gern versteckt. Drr Berathung dieses allerneuesten Nachtragsetats wird zeigen, ob der schlechte Stand der Reichs- kaffe nicht auch noch andere Gründe hat. Als vor kaum mehr als einem halben Jahre die letzte Flottenvorlage berathrn wurde, sollten wir «ach der Behauptung der Regierungsherren förmlich im Golde waten; jetzt regnet es Anleihen nach Hunderten von Millionen, und es ist mindestens sehr zweifelhaft, ob wir von den Chinesen jemels etwas von den Riesensummen wieder bekommen werden, die wir unsere China- Expedition uns kosten laffen.
* Zum Honverueur von Dentfch-M afrika ist nach der ,Nordd. Allg. Ztg/ Graf
der Kanzler dürfe nicht Politik machen nach sentimentalen Stimmungen! Am Montag be- ginnt die erste Lesung des Etats.
* Wieder ein neues Infauteriegewehr soll nach dem ,Vorw/ von einem Norweger konstruirt sein. Das neue Gewehr soll nach seiner Konstruktion wie auch nach der Durchschlagskraft seiner Geschosse alle anderen Systeme übertrumpfen. Mit dem neuen Instrument wurden im Lehrinfan- teriebataillon eingehende Versuche angestellt, die ein dermaßen „glänzendes Resultat" ergaben, daß _ wie von durchaus vertrauenswürdiger Seite versichert wird — der Kaiser befohlen habe, eine der Divisionen des hannoverschen (10.) Armeekorps probeweise damit auszurüsten. — Die Erfindung ging vor Kurzem in den Besitz eine« Konsortiums internationaler Kapitalisten über, unter denen sich u. A. auch die Rothschilds befinden. Einer der Haupttheil- nehmer ist ferner der Geheimrath Ehrhardt in Düsseldorf, in dessen Fabriken die Waffen hergestellt werden sollen.
* Ueber die Kutwickekung des Mnk-r- registers bringt der »Reichs- und Slaatsanz/ folgende Daten: Die Gesammtzahl der im 3. Vierteljahr 1900 angemeldeten Muster beläuft sich auf 34408 (10049 plastische und 24359 Flächenmuster); davon brachte der September die kleinste Zahl und gelangten in ihm 3959 wenig« Muster als im Juli und 2180 als im August zur Anmeldung. Es sind seit der Eröffnung des Musterregisters, am 1. April 1876, im »Reich s- Anzeiger' Bekanntmachungen über 1930173 neu geschützte Muster und Modelle (535442 plastische und 1394731 Flächenmuster) veröffentlicht worden; davon sind 22777 v-m Ausländern niedergelegt mit folgender Bethetligung der ein« zelnen Länder: Oesterreich-Ungarn 10146, Frankreich 1339, Großbritannien 2265, Spanten 21, Nordamerika 262, Belgien 1087, Norwegen 12, Schweden 11, Italien 47, die Schweiz 7522, die Niederlande 1, .Lichtenstein 12 und Au-
Jndeffen saß Lori ttaurig und tief niedergeschlagen in der Ecke des Eisenbahnwagens und
zu halten. Er hatte allerdings vorerst einigen Vorsprung gehabt, allein der hinter ihm hereilende Zug hatte ihn trotz all seiner sichtlichen Bemühungen nach und nach eingeholt.
Bald schien es, als ob alle Anstrengung ver- gebens wäre, dann fing er mit erneuter Kraft an, seine Maschine zu treten, man sah es, wie er ängstliche, kurze Seitenblicke auf den dahinbrausenden Zug warf, — jetzt erlahmte ferne Kraft und Ausdauer, — doch nein, — da war er schon wieder und arbeitete im Schweiße semes Angesichts wie ein Wüthender. Die nächste Station mußte jeden Augenblick erreicht sein und offenbar wollte der kühne Fahrer zugleich mit dem Zuge dort eintrcffen.
Durch die Bemerkungen von Mutter und Kindern wurden zuletzt auch dir schwatzenden Damen, die in drr Mitte des Wagens saßen, aufmerksam gemacht, sie traten herzu und tauschten ihre Bemerkungen aus. Lorr horte nicht darauf. , , ,
„Ich meine, das Radfahren in so rasendem Tempo muß unbedingt schädlich sein," begann die eine der Beiden.
„ga, — sehen Sie doch, wie der arme, junge Mann keucht, wie er den Kopf vorstreckt, al« könnte er so besser arbeiten," fügte die andere bet.
„ES gilt hier jedenfalls um eine Wette, meinte lächelnd die junge Frau.
„Das kann wohl sein, aber es ist sehr leichtsinnig, wenn man solche Wetten macht."
„Und noch dazu sein Leben oder mindesten« seine Gesundheit aufs Spiel setzt."
In dieser Weise ging es weiter, so daß zuletzt I auch Lori, einer Aufforderung der Anderen folgend.
Die junge Dame zog ihre kleine, goldene Uhr | hervor, und nachdem sie einen Blick darauf geworfen, flüsterte sie leise: „Das Unmögliche kann er doch nicht möglich machen, er holt Lori nicht mehr ein, — Gott sei Dank. Aber warte nur, das sollst Du mir schon «büßen, wenn Du erst mein bist!" ,
Sie trat ins Haus und nahm ihren Platz am Fenster wieder ein, in der Hoffnung, Johannes zurückkommen zu sehen. Doch umsonst wartete sie.
Drr Wagen, den Onkel Berneck selbst lenkte, fuhr in den Hof, drr Alte winkte und Knickte Helene eifrig zu, sie aber schien es kaum zu bemerken. Kurz darauf lief sie zur Thüre, schob leise dru Riegel vor, öffnete dann die Kommode und entnahm derselben ein kleines Schächtelchen, das einen zierlichen goldenen Ring enthielt. Es war derselbe, der neulich Loris Hand entfallen war, und den Lori trotz eifrigen, öfteren Suchens nicht auffinden konnte. Lori hatte den Verlust des lieben Geschenkes viele Thränen gekostet.
Drr Ring war zwischen Wand und Täfelwerk in eine Fuge gekollert, wo ihn Helene ent- deckte, aber drr Eigenthümerin nicht mehr zurück- gegeben hatte. Noch oft nachher suchte Lori mit thränenden Augen nach ihrem verlorenen Kleinod, natürlich umsonst.
Jetzt preßte Helene ungestüm und leiben« schaitlich die vollen Lippen darauf und flüsterte: „Du bist von ihm, Du sollst mir Glück
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überlegte, was sie alles an den Geliebten schreiben wollte. Er konnte sie vielleicht einmal besuchen; sie würden sich sehr oft schreiben und immer von einander hören. Von ihm laffen wollte sie niemals, das stand unzweifelhast fest.
Es war ihr klar geworden, daß sie eher ihren Vater und alles, alles laffen konnte, — nur Johannes nicht. Die Liebe zu ihm saß zu tief in ihrem Herzen und nichts war im Stande, diese zu erschüttern. Und Lori wußte und glaubte fest daran, daß drr Geliebte ebenso dachte.
Ihren Mitreisenden schenkte sie wenig Beachtung, da ihre Gedanken immer nur bei dem einen Punkt verweilten. Es befanden sich in dem Koupee noch einige kleine Mädchen, die mit ihrer Mutter, einer hübschen, lebhaften, jungen Frau, eine kleine Vergnügungstour machten, sowie ein paar ältere Damen, die sich eifrig miteinander unterhielten.
Die Kinder saßen auf der anderen Seite des Wagens und drückten die Näschen an die Scheiben. Sie amüsirten sich über die wechselnden Bilder, die draußen oorüberflogen, und freuten sich an der raschen Fahrt.
Längs des Bahndammes lief die breite, mit verstaubten, halb verkümmerten Obstbäumen be« pflanzte Chaussee hin, die rechts von einer Hügelkette begrenzt war. ,
Die junge Frau nahm eines der klernen Mädchen auf den Schooß und sktzte sich mit ihm an daS Fenster. Sie verfolgte aufmerksam einen Radfahrer, der mit vorgebeugtem Oberkörper auf dem Zweirad saß und sich augenscheinlich | verzweifelt bemühte, mit dem Zage gleichen Schritt
c*. Die China-Borlage
macht, wie vorauszusehen war, in der Budget- kommisfion des Reichstages nur langsame Fortschritte. Es wäre aber vollkommen falsch, wollte man deswegen die Mehrheit der Kommisfion tadeln. Die Regierung hat gefehlt in ihrer ganzen Behandlung der China-Dinge und muß nun die Folgen der Fehler, die sie gemacht hat, geduldig tragen. Ungeduld würde ihr nicht helfen. Man muß auch dem Reichskanzler Grafen Bülow zugestehen, daß er nicht zögert, dem Reichstage und der Budgetkommission die Achtung zu erweisen, die ihnen gebühren. Kürzlich wurde von einigen Mitgliedern der Kommission bedauert, daß der Reichskanzler nicht zur Stelle fei, um über gewiffe Dinge Aufschluß geben zu können, daraufhin erschien der Kanzler in der letzten Sitzung der Kommission, um sein voraufgegangenes Ausbleiben durch dringende Amtsgeschäfte zu entschuldigen. Außerdem gab Graf Bülow eine genaue Erklärung darüber ab, wofür er Indemnität beanspruche, also wovon er anerkenne, daß der Reichstag vorher feine Genehmigung hätte ertheilen müssen, ehe es geschah: Indemnität beansprucht der Reichskanzler „sowohl für die Aufstellung der nach Ostasten entsandten, in der Reichsverfaffung und in den Militärgesetzen nicht vorgesehenen T r u p p e n k ö r p e r, als auch für alle A u s g a b e n, die durch die China-Expedition bisher entstanden, ohne vorher im Reichsetat »or- gesehen zu sein". Auch darüber kann nach ver Erklärung des Grafen Bülow kein Zweifel fein, daß „die nach China entsandten Truppenkörper, für die eine gesetzliche Grundlage nicht besteht oder nicht geschaffen ist, aufgelöst werden müffeu, so bald sie ihre Aufgabe in China erfüllt haben werden".
Zwischen den Auffassungen der Regierung und denen der Mehrheit der Budgetkommission besteht aber noch immer eine sehr starke und grundsätzliche Meinungsverschiedenheit, nämlich in der Behandlung der Frage der Kostendeckung. In dem zweiten Paragraphen der Vorlage heißt es in der Fassung des Regierungsentwurfes ganz allgemein: Der Reichskanzler wird ermächtigt, zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben die Summe von 152770000 Mark auf dem Wege des Kredits flüssig zu machen. Abg. Müller-Fulda vom Centrum beantragt im Gegensätze oazu, die Summe dürfe nur gedeckt werden durch Begebung von Schatzanweisungen, deren Umlaufzeit den 31. März 19 0 5 nicht überschreiten darf; und sicherlich in Uebereinstimmnng mit den Ansichten der überwiegenden VolkSmehrheit führte Abg. Müller in der letzten Sitzung der Kommission am 7. d. Mts. aus, eS dürften für die Chinaexpedition nicht dauernde Anleihen aufgenommen werden. Aber auch daran glaubt Abg. Müller nicht, daß die Chinesen im Stande fein würden, die Kosten
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deS Feldzuges selbst zu bestreiten, denn sie haben I a kein Geld. .
Herr Schatzsekretär Freiherr von Threl- ma nn hat Herrn Müller widersprochen, aber ganz augenscheinlich hat der Schatzsekretär die Mehrheit nicht auf seiner Seite. Dies w,rd sich zeigen, wenn die Abstimmung über den Antrag ; stüller vorgenommen werden wird., Diese Ab- immung ist am letzten Freitag ausgesetzt worden. Der Indemnitäts-Antrag des Abgeordneten Müller-Fulda ist dagegen mit großer Mehrheit von der Budgetkommisfion angenommen worden. Danach erhält die China- Vorlage noch einen besondern Indemnitäts-Paragraphen, Paragraph 4: „Für die Aufstellung der nach Ostasten entsandten, m der Reichsverfaffung und den Reichsmilitärge- etzen nicht vorgesehenen Truppenkörper, sowie ür alle Ausgaben, welche . . . bereits geleistet ind, wird dem Reichskanzler Indemnität er- heilt." „ t
Die Budgetkommission wollte den ganzen Montag für sich haben. Es sollte an diesem Tage also die Plenarsitzung des Reichstages ausfallen. Aber Präsident Graf Ballesirem dachte sich die Sache anders und ist mit feiner Ansicht beim Reichstage durchgedrungen: Danach indet an diesem Montag Plenarsitzung des Reichstages statt, und die Budgetkommission wird alle Hände voll zu thun haben, um für ich vor dem Beginne der Weihnachtsferien noch mit der China-Vorlage fertig zu werden.
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Die kleine Lori.
Original-Roman von Irene ».Hellmuth.
18 (Nachdruck verboten.)
Johannes riß die Augen weit aus. „Was, — was sagen Sie da? — — Lori reist ab — ohne Abschiedsgruß, — ohne ein letztes Lieberzeichen? — Das kann ja nicht sein, ich — ich bitte Sie, scherzen Sie nicht! — jetzt nicht!" —
„Es ist so, wie ich Ihnen sagte!" —
„Und wann geht der Zug?" unterbrach er sie hastig von Neuem.
Er schien zu wanken, seine Augen hingen in angstvoller Frage an dem schönen Gesicht Helenens.
„Um 5 Uhr 30 Minuten."
Er zog die Uhr und schien zu überlegen, doch nur eine Sekunde lang.
„Noch 20 Minuten bis dahin," murmelte er für sich, „hm, ja, es ginge vielleicht," und dann, sich wieder an Helene wendend: „Reist Lori allein?"
„Ja, ganz allein."
„Und in welcher Richtung?"
„In der Richtung nach Koblenz."
„Ich danke sehr."
H-lene bereute schon im nächsten Augenblick, als sie dem wie wahnsinnig Daoonstürzenden in zorniger Erregung nachschaute, daß sie ihm die Wahrheit gesagt hatte.
Ohne Gruß, ohne ein weiteres Wort eilte Johannes der Chaussee zu, schwang sich behende auf sein Stahlroß und entschwand in den nächsten Augenblicken aus Helenens Gesichtskreis.
Götzen endgiltig bestimmt. Graf Götzen ist erst I 35 Jahre alt, war ein Jahr lang Anfang dieses Jahrzehnts Botschaftsattaches in Rom. 1893 führte er, nachdem er schon zuvor eine Reise nach dem Kilamandicharo gemacht, eine Durchquerung Afrikas von Deutsch-Ostafrika durch den Kongostaat nach dem Westen aus. Während des spanifch-ameri- kanifchen Krieges war er dem amerikanischen Oberbefehlshaber als Militärattachee beigegeben.
X Ueber die letzte Sitzung des Reichs« tag es (Freitag) wird uns aus« Berlin ge- fchrieben: Der letzte Tag der Kohk-nd-vatt- im Reichstage war bei weitem der intereffanteste. Berufene Sachkenner gaben ihr Urtheil darüber ab, was für Mittel man etwa gegen die Kohlen- theuerung anwenden könne, darunter namentlich Abg. Müller-Iulda vom Centrum, der auf eine vortreffliche Maßregel in Düsseldorf aufmerksam machte. Dort hat das Kohlensynduat eine Verkaufsstelle eingerichtet, in der unmtttel- bar an die Verbraucher Kohle verkauft wird, und solche Filialen sollten nach dem Rathe des Abg. Müller überall eingerichtet werden, mcht nur vom privaten Bergbau, sondern auch von den staatlichen Bergwerken. Von einer Reichs- aufficht über die Syndikate verspricht sich Abg. Müller nicht viel. Ganz andere Ansichten äußerte der wild-antisemitische Abg. Dr.Böckel. Dieser betrachtet die Kohlenvorräthe als National- eigenthum und will allgemeine Verstaatlichung des Kohlenbergbaues, mindestens aber scharfe Aufsicht darüber durch den Staat. Die Regierung ist, wie Staatssekretär Graf Posada wsky ausführte, auf manche drr früher ge- äußerten Wünsche bereits eingegangen: der Bundesrath hat bereits beschlossen, genaue Erhebungen anzustellen über die gesammten Ver- hältniff: auf dem Kohlenmarkte, über bte Einfuhr, die Ausfuhr, die Preise und Met ben Einfluß der Syndikate auf alle diese Verhalt- niffe. Die Vorarbeiten find bereits so weit gediehen, daß man nach der Mittheilung des Staatssekretärs b ild öffentliche Mittheüungen straüen 52 darüber erwarten kann. Auch der national* ! liberale Abg. Freiherr Heys zu Herrnsheim ist der Ansicht, daß man bte Syndikate beaufsichtigen müsse. Er hat in diesem Sinne bereits einen eigenen Antrag tm Reichstage etn= gebracht. Die Angr ffe, die neulich der sozial- I demokratische Abg. Sachse gegen, das Centrum und gegen die katholische Geistlichkeit gerichtet hatte, als sei diese im Kerne gar nicht arbeiterfreundlich, sondern wolle nur die Herrschaft über die Arbeiter haben, wurde glänzend widerlegt durch die Centrumsredner Müller-Fulda und Dr. Stephan-Beuthen. Für starken Einfluß deS Staates sprach auch Herr Dr. Roesicke, Vorsitzender des Bundes der Land- wirthe. Dieser rief einen Zwischenfall unerwarteter Art hervor, indem er der Regierung Abhängigkeit vom Auslande vorwarf und in Verbindung damit einen scharfen Tadel darüber aussprach, daß Präsident Krüger von Transvaal nicht empfangen wurde. Staatssekretär Graf Pofadowsky erwiderte in sehr scharfem Tone» er müsse das Vorgehen des Abg. Roesicke tief bedauern. Der Kanzler hätte davon unterrichtet | fein müssen, um selbst antworten zu können;
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♦ Die Jahresrechnungen der dentschei» tchutzgeöiele schließen sämmtlich mit einem efizit ab, das bei einigen sehr beträchtlich ist. Nach den Rechnungen, die jetzt dem Reichs- tage zugegangen sind, hatte Deutsch*Ostafrika im Jahre 1897/98 einen Retchszuschuß von 41/s Millionen Mark; nachträglich aber stellte sich noch heraus ein Defizit von 882547 Mark, welches natürlich ebenfalls durch Reichs- zufchuß gedeckt werden muß. Das Defizit ist hauptsächlich veranlaßt durch den Versuch von Plantagen und durch Neubauten aller Art. Ueber das Rechnungsjahr 1898 wird mit« geteilt, daß Kamerun mit einem Defizit von 13842 Mark abschließt mit einem Reichszuschuß von 814100 Mark. Das Logogebiet sollte nach dem Etat 1898 ohne Reichszuschuß bestehen, weist nun aber ein Defizit auf von 308392 Mark. Dieses Defizit ist hauptsächlich durch neue Expeditionen und Stationen veranlaßt worden zur Erweiterung des politischen Einflusses im Hinterland. Südwestafrika hatte 1898 etatsmäßig einen Reichszuschuß von 4600000 Mk„ es beansprucht aber zur Deckung I seines Defizits nn* ,1829 868 Mk„ wovon die
mit Ztnterhalümgs-Beilage „Muflrirte Somilags-Zeiümgl'
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