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27. Jahrgang
Iulba, Samstag, dm 8. Dezember 1900.
M 282.
Gesetzgebung.
Blätter Kempten).
beizutragen. „
Das, meine verehrten Festgenofsen, sind die Grundsätze des Bincenzvereins; sie sind nicht neu durch ihn eingeführt, sondern es sind die alten Grundsätze der Kirche; diese hat sie von Anfang an und zu allen Zeiten als maßgebend hingestellt. Sie wurden auch praktisch verwirklicht in der großartigen, musterhaft geleiteten kirchlichen Armenpflege der ersten christlichen Jahrhunderte, i« den Zeiten der Diakone. Und wenn heute noch nicht selten der katholischen CharitaS vorgeworfen wird, daß durch die Art ihrer Handhabung die Arbeitsscheu und die Un- genügsamkeit befördert würde, so ist ein solcher Borwurf jedenfalls grundsätzlich nach den klaren Lehren der hl. Schrift und der Väter unbegründet und längst siegreich widerlegt worden. (Bravo!)
Was heute bei der öffentlichen Armenpflege als eine besondere Errungenschaft gepriesen wird, das sogenannte Elberfelder System mit seinen Grundsätzen der Jndioidualifirung, der Prüfung des Einzelfalls, de- persönlichen Besuches und der fortlaufenden Kontrolle der Einzelpfleger; daS, meine Herren sind ganz gewiß recht anerkennenswerthe und verständige I Grundsätze, die aber darum nicht minder an- erkennenswerth und bedeutungsvoll sind, weil sie vor diesem Elberfelder System bereits im Vircrnzverein anerkannt und geübt wurden. (Bravo I)
Nach diesen erleuchteten Grundsätzen, die geadelt sind durch die Liebe zu Sott und zum Nächsten, und durch die persönliche Hingabe an diesen ging man im kleinen Kreise in bescheidenen Anfängen anS Werk. Und wie großartig hat sich das junge RriS entwickelt! Bald theilte sich wegen der Zunahme der Mitglieder die Kon- | ferenz in Paris. Der Verein begann beflügelten
2. Seine Anfgave» Sezügkich der sozialpolitische« Gesetzgebung. Wenn wir uns das Thätigkeitsfeld des Bincenzvereins in der Gegenwart und für die Zukunft kurz ins Auge saffen wollen, so müffen wir die Verhältnisse der heutigen Gesellschaft, wie sie im allgemeinen liegen und die Entwicklung der Gesetzgebung auf diesem und verwandten Gebieten berücksichtigen.
kann. Der Vircenzbruder wird auch hier der geborene Führer und Berather sein, oder wenigstens die Leute an die richtige Stelle weisen, wo sie Auskunft finden. Also, meine Herren, dre soziale Gesetzgebung ist voll zu benutzen und der soziale Geist dieser Gesetzgebung sorgsam zu pflegen. (Fortsetzung folgt.)
1. Der Dincenz Derei«.
Sei«- Gründung «nd Grundsätze.
Es war im Jahre 1833, als 8 Studirendr der Pariser Hochschule sich zur Gründung dieses Vereins zusammenfanden, den sie unter den Schutz des großen Apostels der christlichen Liebe, des hl. Vincenz, stellten. Gegenüber den Anfeindun- gen, welche das Christenthum gerade in den gebildeten Kreisen zu erdulden hatte gegenüber den Vorwürfen, die man ihm mindestens für die gegenwärtige Zeit machte, daß es abgestorben und der modernen Entwickelung nicht mehr gewachsen und auch nicht mehr im Stande sei, die Schäden der Zeit zu heilen, wenn man vielleicht auch so gnädig war, ihm für gewiss« vergangene Zeiten und überwundene Kulturstufen größere oder geringere Verdienste nicht abzusprecheu, gegenüber all' solchen Vor- und Ein würfen thaten diese jungen Leute das, was auch für uns in jetziger Zeit, wo der Ruf katholischer Rückständigkeit und mangelnder Leistungsfähigkeit so laut durch die Lande geht, gewiß das beste und überzeugendste Gegenmittel ist: sie nahmen sich vor und gingen daran, durch die That zu beweisen, daß diese Borwürfe unbegründet sind, daß die Lebenskraft drS ChristenthumS unverwüstlich ist, und daß dieses auch jetzt noch die richtigen und wirksamsten Mittel für die Nöthen und Leiden der menschlichen Gesellschaft in sich trägt. Und dabei fingen sie ganz richtig bei sich selbst an. Sie wollten, wie sie so schön sagten, die eigene Helligung durch
In gesetzlicher Hinsicht ist insbesondere zu rechnen mit der öffentlichen Armenpflege und mit der neueren sozialpolitischen
Die neuen Aufgaben der Vineenz- Bereine.
Meine Vorsätze bei meiner erste» heiligen Kommunion. Verlag von Joh. Falk III. Sohne in Mainz. Preis per Hundert 70 Pfg., unter Kreuzband ftanko 80 Pfg.
Sehr empfehlenswerth zum Vertherlen an dre Erstkommunikanten. Für die Vorbereitung auf dte erste Kommunion geschieht merkwürdig viel; um dte Erhaltung der Früchte derselben thut man ebenso merkwürdig wenig. Da mögen die „Vorsätze am Platze sein; fleißig gelesen werden sie still und nachhaltig wirken. So könnten die zwei Duodezblättchen, d« nutzt einen ganzen Pfennig kosten, unvergletchltch mehr nützen als die größten, brillantester und kostspieligsten Bilder.— Wir bemerken noch, daß ein Theil des Reinertrags zum Besten armer
hervorheben die bedeutsame Fürsorge für die Krankheitsverhürung, die Fürsorge für Genesende. Welcher Aufschwung ist auf diesem Gebiete z« verzeichnen! Sind doch hier bereits viele Millionen Mark für vorbeugende Heilbehandlung in schnellsteigendem Maße von den Versicherungsanstalten verwendet worden. Aus allem diesem ergibt sich eine Hebung der Gesundheitsverhältniffe dieser Volksklaffen überhaupt. Dazu nehme man noch die aemeinnützige Anlage großer Kapitalien dieser Versicherungsanstalten für Arbeiter-Wohnungs- zwecke und andere Wohlfahrtszweige. Auch wirkt diese soziale Fürsorge der Gesetzgebung überhaupt anregend und befruchtend auf daS ganze Volk, auf die Auffaffung der besitzenden Klaffen von I den Pflichten gegen die wirth schastlich Schwachen und von deren berechtigten Ansprüchen.
Wahrlich, wenn auch noch Manche- in unserer sozialen Gesetzgebung dec Vervollkommnung und Weiterentwickelung bedarf, wirdürfenuns mit Fug und Recht ihrer erfreuen, und zwar gerade wir als deutsche Katholiken. Als Katholiken, weil die Fürsorge für die Schwachen und Hilfsbedürftigen stets eine- der edelsten Ziele der Kirche gewesen ist und auch heute vom heil. Vater in seinen grundlegenden Rundschreiben mit der ganzen Macht der Autorität, die seine erhabene Stellung und seine erleuchtete Weisheit ihm verleihen, den christlichen Völkern so warm an'sHerz gelegt wird. (Bravo!)
Als Deutsche, weil unser deutsches Vaterland auf diesem Gebiete bahnbrechend vorange- gangen ist und mit seiner sozialen Verstcherungs- Gesetzgebung an der Spitze der Kulturvölker schreitet. Und als deutsche Katholiken, wett unser katholischer Volksiheil diesen Bestrebungen der sozialen Fürsorge in langjähriger Vor- und Mitarbeit den Boden bereitet und in den gesetzgebenden Körperschaften wesentlich zum Siege deS sozialen Gedankens beigetragen hat (Bravo!) und weil er fortgesetzt bemüht ist, auf eine gesunde Fortentwickelung dieserFürsorgeBedachtzu nehmen.
Die Aufgabe, welche insbesondere den Mitgliedern der Vincenz-Vereine in ihrer freien Liebes- Gütigkeit in Bezug auf die Handhabung dieser Gesetzgebung zufällt, geht im Wesentlichen dahm, die Betheiligteu über den Segen und die für sie sich ergebenden Vortheile dieserGesetze aufzuklaren und ihnen dazu zu verhelfen, daß ihnen diese Vortheile auch wirklich zu Gute kommen. Eme : solche große Gesetzgebung ist nicht so einfach und Jedem so leicht verständlich, wie es wohl erwünscht ' wäre. Da sind rechtzeitig Marken zu verwenden, ' Bescheinigungen beizubringen; da sind säumige Arbeitgeber heranzuziehen, eS sind Fristen zu beobachten, geeigneten Falles ist die freiwillige Versicherung zu empfehlen und zu unterstützen. In der Proxs dieser Gesetzgebung sieht man häufig, daß die Leute durch ihre eigene Unwiffen- heit und Nachlässigkeit zu Schaden kommen, viel-
1,50 M. , ~ Ä .
Das Buch ist in entern handlichen Formate und hübscher Ausstattung, wie der Titel sagt, em mhalt- reiches Lehrbuch über daS Kirchenjahr und zugleich ein vortreffliches Gebetbuch für die hetltgen Zetten und Feste desselben. Der fleißige Gebrauch desselben wird ohne Zweifel den Leser in dnS Be^tandniß deS Kirchenjahres einführen und ihm behilflich sem, dasselbe im Geiste der Kirche mit großem Nutzen für das christliche Leben zu feiern. Deshalb set daS Buch hiermit bestens empfohlen.
Literarisch-».
Das Kirchenjahr. Ein Lehr- und Gebetbuch für kath Christen. Von Pfarrer B. Stormann. Durchgesehen und mit einigen Zusätzen vermehrt von Pfarrer Beining zu Eggerode. 2. Auflage. A. Laumann'sche Buchhandlung, Dülmen i. W. 16°. 480 Seiten. Preis geb.
Die sozialpolitische Gesetzgebung, um diese heit und Nachlässigkeit zu Schien kommen, m« zuerst zu berühren, bedeutet einen großen und fach, ohne daß ihnen dann noch geholfen werde naturgemäß auf das Gebiet der charitattven Für- '— «*——**«»-* ™rh auck brer der ae-
sorge überwirkenden Fortschritt der neueren Entwicklung. Sie geht in zwei Richtungen: einmal vorbeugend und schirmend im Arbeiterschutz und andererseits helfend bei Krankheit und Verlust und Beschränkung der Erwerbsfähigkeit in der Arbeiterversicherung, und zwar in der Krankenversicherung für vorübergehende Krankheiten, bei Betriebsunfällen für den Arbeiter und dessen Hinterbliebenen in der Unfallversicherung, und in anderen Fällen tritt für den Arbeiter die Jnvaliditäts- und Altersversicherung ein. ES sind damit große und bedeutsame Schritte auf dem Wege gethan,einArbeiterrechtzuschaffen, das heißt gegenüber den Arbeiterklaffen die Forderung der Gerechtigkeit zu erfüllen, den als einzeln wirthschaftlich Schwachen von Rechtswegen den Schutz und den Beistand zu Theil werden zu laffen, auf den sie, wie es in der denkwürdigen kaiserlichen Botschaft vom November 1881 heißt, einen Anspruch haben. Das ist ganz gewiß eine herrliche Aufgabe eines christlichen Staatswesens, die Arbeiter und ihre Verhältnisse damit auf den Boden des für sie noth- wendigen Rechts und Rechtsschutzes zu stellen, und sie insbesondere bei Krankheit und Erwerbsunfähigkeit nicht auf bloße Almosen zu verweisen, sondern ihnen gesicherte Ansprüche zu gewähren. Wie groß der Segen dieser neueren Verficherungs- gesetzgebung insbesondere ist, mag man ermessen, wenn man bedenkt, daß die am weitesten spannende Invalidenversicherung über 12 Millionen Versicherte umfaßt, und daß bei allen drei Arten jener Versicherung in dem verhältnißmäßig kurzen Zeiträume seit ihrem Bestehen bis zum Ablauf deS Jahres 1889 bereits über 2400 Millionen Mark an Entschädigungen ausgezahlt find, die zum größeren Theile von den Unternehmern und dem Reich geleistet worden sind. Wird doch zur uup tlH ----------0-----. .
Zeit in Deutschland schon täglich rund eine Million Erstkommunikanten verwendet wird. (Katechet- Mark für die Arbeiterverficherung aufgewendet! | Blätter Kempten).
Die allgemeinen Verhältnisse sind ge- rugsam bekannt und ich brauche sie nur kurz anzudeuten. Gewiß bietet die moderne Zeit mit allen ihren Fortschritten auf geistigem, technischem und wirthschastlichem Gebiete viel Großartiges, und würde es verfehlt sein, als einseitiger Lobredner vergangener Zeiten aufzutreten. Aber es ist nicht zu verkennen, daß neben vielem Licht auch Schatten U1>i„ „„ , ist, daß neben bedeutenden Vorzügen auch un-1
»nh h»n ' Nächsten leugbare Nachtheile stehen. Die Entwicklung der Gott, und den Nächsten „rtd Großbetriebe, dte Zusammen
ballung der Arbeitermassen in den Großstädten und Industriegebieten mit den sich daraus ergebenden sittlichen Gefahren und materiellen Mißständen, der verschärfte Wettbewerb im ganzen wirthschaftlichen Leben, die schwierige Lage, in der sich wichtige und weit umfassende ErwerbS- stände unseres Vaterlandes befinden, die Lockerung der alten, dem Einzelnen Halt bietenden Beziehungen zur angestammten Heimath und zur Familie, die Landflucht, die Entfremdung weiter Kreise des Volkes von den sür Kirche und Staat gleich wichtigen religiös-sittlichen Anschauungen, alles das sind Verhältnisse, in welche die Charitas heute hineingestellt wird und denen sie ihre Wirksamkeit anpaffen muß.
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Aus Anlaß der General - Versammlung deS • Vincenz-VereinS, die am Sonntag Nachmittag in der Harmonie abgehalten wird, geben wir nachstehend den Wortlaut der Rede, die der König!. Regierungsrath Dr.Würmeling von Charlot- tenburg am 4. September d. I. auf der General-Versammlung der Katholiken Deutschlands zu Bonn gehalten hat:
Sehr geehrte Festversammlung! Die diesjährige Katholiken»Versammlung steht unter dem Zeichen der Wende des Jahrhunderts. Von dieser Warte schaut unser Blick rückwärts auf daS verflossene und vorwärts in das neue Jahrhundert. Und wenn die Kirche von Anbeginn in der Pflege der Charitas, der christlichen Nächstenliebe, eine ihrer heiligsten Aufgaben erblickte, wenn sie mit Recht die Mutter der CharitaS genannt werden kann, so fällt bei diesem Rück- und Ausblick uns ganz gewiß das weite Feld der CharitaS ganz besonders in’8 Auge.
Trübe waren, menschlich und im Allgemeinen gesprochen, die Aussichten, unter denen die Kirche in’8 19. Jahrhundert trat. Die gewalttge Umwälzung der politischen Verhältnisse, die Aufhebung zahlreicher Ordens-Genossenschaften, die Einziehung reicher Kirchengüter, deren Früchte zum großen Theile der Noth der Armen und anderen chari- tativen Zwecken gedient hatten, eine falsche Ausklärung und der Geist der Revolution hatten die Kirche äußerlich erschüttert und innerlich geschwächt. Doch aus all' diesen Ruinen hat sie sich und mit ihr ihre treue Begleiterin, die christliche CharitaS, wieder erhoben. Der alte, so vieler Zweige beraubte Baum hat neue Sprossen getrieben und frische Biüthen hervorgebracht, an deren Flüchten wir uns heute erfreuen und hoffentlich auch im 20. Jahrhundert noch erfreuen werden. Bewundernd dürfen wir hier die neue großartige Ent- Wickelung, die umfassende herrliche Wirksamkeit unserer charitattven Ordens-Genossenschaften, die zum sehr großen Thelle in daS letzte Jahrhundert fällt, feststellen. Und wenn wir oiese herrliche Entwickelung der geistlichen Ordens - Genossenschaften mit freudiger Genugthuung verzeichnen, so ist uns ferner so recht auS den Verhältnissen der Gegenwart und den Bedürfnissen der Zeit heraus im letzten Jahrhundert der Vincenz- Verein erwachsen, um auch die katholische männliche Laienwelt unter der Fahne der christlichen
die Werke der Nächstenliebe fördern; sie stellten i ihren Glauben und ihre Tugend unter den Schutz der christlichen CharitaS. Und dann wollten sie auch bei Anderen den Glauben durch das Mittel der christlichen Liebe fortpflanzen. Es ist gewiß tu jetziger Zeit von besonderem Interesse, wenn wir heute, fast 75 Jahre später, lesen, wie diese jungen Leute schon damals die heute klar zu Tage liegende Entwickelung der sozialen Verhältnisse mit ihren großen Gefahren erkannten, wie z. B. Ozan am, ihr geistiger Führer, im Jahre 1836, als er ein Jüngling von 23 Jahren war, au einen Freund in Rom schreibt: „Die Frage, welche die Menschen unserer Tage trennt, ist keine Frage politischer Form, es ist eine soziale Hrage; es handelt sich darum, zu wissen, wer den Sieg d^rontragen wird, der Geist der Selbstsucht oder der Geist der Aufopferung, ob die Gesellschaft nur eine große Ausbeute zum Vortheil I des Stärkeren fein wird, oder die Dahingabe deS Einzelnen für daS Wohl Aller, besonders für den Schutz der Schwachen.«
An einer andern Stelle schreibt er: „Zwischen diesen beiden Klassen bereitet sich ein Kampf vor, und er droht schrecklich zu werden: von der einen Seite die Macht deS Geldes, von der andern die der Verzweiflung. Zwischen diese feindlichen Armeen sollen wir treten. Unser jugendliches Alter, unser geringes Besitzthum erleichtern uns diese Vermittlerrolle, zu der wir als Christen verpflichtet sind."
Sie sehen, meine verehrten Damen und Herren, der Vincenzverein istvon vornherein mit einem Tropfen sozialen Oeles gesalbt worden; der christlich-soziale Gedanke hat beim Vincenzverein Pathe gestanden und hat ihm weite Ziele auf dem ganzen großen sozialen Gebiete gestellt.
In diesem Geiste gingen diese, jedes lieber- flusses an weltlichen Mitteln baten, ober an
I feuriger Hingabe zu (7 t
reichen jungen Leuten an Werk. Kein chrrst liches Liebeswerk sollte als dem Ver-j ein fremd betrachtet werden. Jnsonder- j heil nahm man sich zunächst der Hausarmen- pflege an, also der Fürsorge für die Armen in ihren eigenen Wohnungen, und hierbei ging man von vornherein nach jenen verständigen und weisen Grundsätzen zu Werke, auf denen jede erleuchtete und heilsame Armenfürsorge ausgebaut sein soll. Man ließ sich nicht von bloßen mehr oder weniger unklaren Gefühlen leiten; man trieb keinen Wohlthätigkütssport; man nahm die Sache ernst, man wolle wohlthun; man wolle Gutes thun. In jenem Ver- ständniß und in jener Unterscheidungsgabe, die der hl. Paulus so treffend das Ingenium chari- tatis, die Gabe des CharitaS nennt; über- zeuge man sick durch Besuch und Prüfung von den Verhältnissen der Einzelnen, man schied die Spreu von dem Weizen, man half nach er- kanntet Hilfsbedürfttgkeit in der Art und in den Grenzen, die für den Einzelnen paßten, man suchte besonders auch sittlich und selbststärkend auf die Armen zu wirken und zu deren Hebung
Schrittes seinen demüthigen Siegeszug der I Dazu kommen die mittelbaren heilsamen L ebe über ganz Frankreich und über dessen Wirkungen dieser Gesetzgebung. Ich will nur Grenzen hinaus. Im Jahre 1845 faßte er in L • ß'"t* ’*
Deutschland, zuerst in München, Fuß, und wir sind jetzt bereits seit einigen Jahren, auch bei uns in Deutschland, in die Periode der sünfzig- jährigen Jubelfeste der Vir cenzvereine gekommen. Er hat sich inzwischen über alle fünf Welttheile verbreitet, und überall, wo er seine Wirksamkeit entfaltet, geht der Vincrnzbruder der geistigen und materiellen Noth nach und bemüht sich in einen wie im anderen Falle, in christlicher Liebe zu Helsen. Man lieft jetzt von 10 bis 12 Millionen, die vom Verein im ganzen jährlich aufgebracht und ausgegeben werden für seine edlen Zwecke. Viel größer aber als diese gewiß anerkennenS- werthen materiellen Leistungen sind die geistigen Wohlthaten, die den Armen durch die persönlichen Beziehungen zu ihnen und durch die sittliche Einwirkung erwiesen wurden und werden.
• Charitas zu sammeln.
Hiermit erreiche ich, meine verehrten Damen und Herren, den mir gestellten Gegenstand, und da dieses Thema sich im Wesentlichen auf die christliche Männerwelt bezieht, so muß ich zu meinem großen Leidwesen mir versagen, zu sprechen über die reiche LiebeSthätigkeit der katholischen Frauen und Jungfrauen, die mir gestern schon, alS ich auf dem Bahnhof in Köln den ersten Schritt auf den Boden der Erzdiözese setzte, ent- gegentrat, und von der wir gerade hier so viel Anerkennendes und Rühmendes zu sagen hätten. Ich gehe jetzt also zu denVincenz-Vereinen Über,