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27. Jahrgang.
Iutöcr, Samstag« den 8. Dezember 1900.
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ichen Weise bethätigen könnten und thatsächlich »ethätigen.
Die Presse ist oft, halb im Scherze, als iebente Großmacht bezeichnet worden; lr sollte diese Bezeichnung völlig emst nehmen mit allen Rechten und Pflichten, die sich daraus ergeben. Gerade die deutsche Pceffe ist stets die eldstlose Vorkämpferin für alle möglichen, allgemeinen und besonderen Jntereffen gewesen, und sie soll es bleiben. Aber es ist ihre Pflicht ;egen sich selbst wie gegen die Oeffentlichkeit, der sie dient, daß sie die Hindernisse, die ihr bei Durchführung ihrer Aufgabe entgegentreten, mit all den großen Machtmitteln bekämpft, die sie d« sitzt. Das einzelne Preßorgan vermag da nur iia v "einzellen, beschränkten Fällen etwas. Aber in f stein Zusammenschluß wird die Presir überall üi der Lage fein, ihre Stellung zu wahren und sich die gebührende Geltung zu verschaffen. Es handelt sich hier ebenso um ein praktisches Interesse. Die formellste Anerkennung völliger sozialer Gleichberechtigung der Preffe und ihrer Vertreter mit den anderen Berufen und deren Angehörigen ist in bestimmtester Weise zu fordern und durchzusetzen. Wir glauben, dem einigen und ernsten Willen würde hier wunderbar schneller Erfolg blühen. Als beim letzten Kaiserbesuch in HildeshUm die Vertreter der Preffe nicht zugelaffen wurden, schlug ein Hannoversches Blatt vor, die Presse solle „alle solche Vorgänge, von denen sie infolge mangelnden Verständnisses ihrer Bedeutung ausgeschlossen ist, ebenfalls von der Berichterstattung ausschließen," und ein sozialdemokratisches Blatt spottete: „Die Behandlung, die der bürgerlichen Preffe in Hildesheim zu Theil geworden, halten wir sür wohlverdient. Was thun ihre Vertreter dort? Sie hätten sollen hübsch zu Hause bleiben. Ungebetene Gäste verdienen keine beffere Behandlung." In beiden Auslassungen liegt ein recht beachtenswerther Fingerzeig. Selbstachtung ist die unerläßliche Grundlage der Achtung, die wir von anderen heischen, und wo die Preffe Anerkennung und Rücksichtnahme, auf die sie Anspruch hat, nicht auf normalem Wege findet, da hat sie das Recht und die Pflicht, zu den Mitteln der Selbsthlife zu greifen, die ihr wahrlich in reichem Maße zu Gebote stehen. •
er yantz>r' noch in den Ohren, als sie schon längst auf dem "Heimweg war und noch einmal alles überdachte.
Ungeduldig wartete Lori auf die Rückkehr Helenens. Sie fehnte sich, von dem Geliebten zu hören; vielleicht hatte er auch schon einen Plan ersonnen, was sie thun sollte. Eine Ewigkeit dünkte es ihr, seit Hrlene fortgegangen; wo blieb diese nur?
Endlich tauchte die Erwartete auf, Lor winkte ihr, sich zu beeilen, weil sie fürchtete, daß t,er Vater die Sache entdecken könnte. Sie lie Helene die Treppe hinab entgegen und flüsterte „Nun, wie ist's, trafst Du Johannes? Hast Du chm meinen Brief gegeben? Hat er ihn gelesen? WaS sagte er, — sprich doch, — sprich I"
„Ich bitte Dich, Lori, nicht so ungestüm! Du fragst zu viel auf einmal; es ist unmög- lich, alle diese Fragen zugleich zu beantworten."
Helene entledigte sich erst gemächlich des Regenmantels, während Lori's Augen in den Zügen der Koufine zu lesen suchten. Forschend blickten sie auf das schöne Mädchen, deffen
es auch nur wenige Zrilen find".
„Ich glaube nicht, daß es Lori möglich wird".
„Stehen Sie der armen Klemen doch wenig bei," bat er, „wollen Sie mir daS sprechen, Fräulein Helene?"
„Gewiß, sehr gern."
Es durchschauerte sie jedes Mal so wenn sie i*"M°Mamen von seinen Lippen hörte.
mit Ilnkerkattungs-Meikaffe „Mustrirte Ssimtags-Zeiümg:' - J)<te»*aaS« Hf. * (»arawate).
Die Preffe im Ansehen des Publikums.
liebet diese Frage bringt die Zeitschrift.Der ZeitungSverlag' einen längeren Artikel, dem wir folgendes entnehmen:
Es gibt in unserem deutschen Vaterlande noch immer Kreise, welche die Preffe und die, die ihre geistige Arbeit der Preffe widmen, als minder- werthig betrachten und sich der Preffe nur nähern, wenn sie einmal das Bedürfniß haben, ihr Licht mit besonderem Nachdruck auf den Scheffel zu stellen, oder für Vorgänge, deren Bekanntwerden ihnen weniger erwünscht erscheint. — Diskretion zu erbitten. Diese herabsetzende Einschätzung der Preffe ist — was für jeden einigermaßen Sachkundigen keines Wortes bedarf und für jeden einigermaßen Gebildeten keines Wortes bedürfen sollte — heute völlig unbegründet, sachlich sowohl wie persönlich. Es gibt ja auch in der Preffe räudige Schafe, deren Berührung man mit Recht scheut; doch in welchem Beruf, und sei ihm auch offiziell auf der sozialen Stufenleiter eine noch so hohe Stelle eingeräumt, fehlt es denn an solchen minder- werthigen Elementen? Im allgemeinen aber ist heutzutage gerade in der deutschen Presse eine solche Fülle von geistiger Bildung, persönlicher Ehrenhaftigkeit, rastloser und selbstloser Arbeit vorhanden, daß die Angehörigen des journalistischen Berufs hinter niemand zurückzustehen oder sich begründeterweise zurücksetzen zu lassen brauchen. Und welche Bedeutung die Preffe in unserer Zeit hat für unser gesummtes öffentliches Leben, sür das politische und wirthschafrliche Leben im weitesten Sinne, für die geistigen Jntereffen auf allen Gebieten, davon dürfte die Kunde doch nachgerade überall hingedrungen sein. Man könnte recht viele von den Jnflarzw, die sich der Presse gegenüber ablehnend verhalten zu sollen glauben, ohne jede Schäsigung unserer Entwickelung, ja ohne daß es sonderlich bemerkt würde, „ausschalten", während jede Beeinträchtigung der Thätigkeit der Presse sich auf allen Gebieten in einschneidendster Weise geltend machen würde. In dieser Thatsache liegt wohl der beste Anhalt zur richtigen Einschätzung der Preffe und ihrer Verächter. Psychologisch erklären läßt sich ja die seltsame Haltung dieser letzteren ohne Schwierigkeit. Sie sehen, daß ihre veraltete Ausschließlichkeit, in deren Bannkreis so manches dürftige Pflänzchen ein künstliches Dasein fristet, vor dem vollen Licht der Öffentlichkeit, das von der Preffe ausgeht, auf die Dauer nicht bestehen kann. Aus dieser erklärlichen persönlichen Abneigung ziehen sie, wo und soweit sie können, die entsprechenden Konsequenzen. Und darin liegt das Bedenkliche dieser ganzen Erscheinung. Denn man könnte jenen Leuten getrost volle Nichtbeachtung widmen, wenn sie ihre Anschauungen nicht in einer der Bedeutung und dem Ansehen der Presse abträg-
Die kleine Lori.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
17 ------ (Nachdruck verboten.)
Allein so rasch wollte sich Hrlene ven gebotenen Bortheil nicht entgehen lassen, glaubte sie doch aus seinen Worten nur die Besorgniß sür ihre Person herauShören zu dürfen. Deshalb lachte sie fröhlich, ihr Herz jubelte — bald — bald würde sie am Ziele sein!
„O mir schadet so ein biSchen Regen nicht, Herr Lindemann; im Gegentheil, ich liebe es sogar, bei solchem Wetter im Walde zu sein
„Ich finde das Tropfen und Rauschen so poetisch; so geheimnißvoll raunt es und flüstert es in den Bäumen, als wollten, sie uns etwas erzählen von Glück und Leid — von Sieben und Haffen."
Johannes fühlte eine nagende Ungeduld in feinem Herzen, doch wollte er sich nicht ver- rächen. Helene durfte um keinen Preis erzürnt werden, denn als Botin zwischen ihm und Lon konnte sie wahrscheinlich sehr gute Dienste thun, deshalb mußte man schon ein Auge zudrücken.
Sie schwiegen Beide eine Weile und schritten durch den regennassen Wald. Wie himmelweit verschieden waren doch ihre Gedanken. Helene warf zuweilen einen forschenden Blick auf ihren finster vor sich hinstarrenden Begleiter, der endlich wieder das Wort an sie richtete.
„Bitte, sagen Sie Lori, daß sie auf keinen Fall abreisen soll, bevor ich mit ihr gesprochen habe. Am Ende ist es doch nöthig, daß sie ^ortgeht; ich werde mich in einigen Tagen wieder
ist. Die Lebensversicherung ist aber auch ein vorzügliches Mittel, um den Besitz im Laufe der Zeit ganz oder theilweise schuldenfrei zu machen oder doch der Ueberschuldung bedeutsam ent» ;egenzuwirken; sie ermöglicht es, das Gut lauernd in der Familie zu erhalten, sie erleichtert sie Erbauseinandersetzung, die Gutsübrrgabe zu Lebzeiten des Eigenthümers. Die Höhe der Ber- rcherungssumme muß sich natürlich nach der Leistungsfähigkeit des einzelnen Besitzers tickten. Am verbreitetsten ist in landwirthschaftlichen Kreisen wohl die Feuerversicherung, weniger aber wieder die Hagel- und Vieh-Ver- icherung, welche aber doch vornehmlich dem !audwirthe zu Gute kommt und ein Mittel dar- stellt, diesen vor Armuth oder wenigstens vor chweren wirthschaftlichen Schädigungen zu
rchern. Die Hageloerficherung nimmt die
Bodenprodukte durch alle Stadien ihrer Entwickelung bis zur Reife und Einerntung in ihren Schutz, worauf dann bis zu ihrem Verbrauche oder Verkaufe die Feuerversicherung an ihre Stelle tritt. Gerade für den weniger kapitalkräftigen Landwirth, der auf den Jahresertrag seiner Wirthschaft angewiesen ist, ist die Ver- sicherung gegen Hagel von höchstet Wichtigkeit. Der gegen Hagelschlag nicht versicherte Land- mann muß eventuell einen Theil seiner Besitzung oder einen Theil seines Viehes verkaufen, weil er mangels genügender eigener Wirthschaftsoer- träge letzteres nicht ernähren kann, oder weil er sichln Folge des,Hagels eines erheblichenTheiles seiner sonstigen Einnahmen beraubt sieht. Nicht anders liegen die Verhältnisse bei der Vieh- versicherung. Das Vieh repräsentirt, zumal für den kleinen Landwirth, einen sehr werth- vollen, vielleicht den werthvollsten. und unter den gegenwärtigen, wenig günstigen Argrar- Verhältniffen, den einträglichsten Theil seines Vermögens. Geht ein Theil des Viehes unter, so kann der nicht versicherte Landmann es sich sehr oft mangels ausreichender Mittel erst nach und nach wieder anschaffen. Man braucht hier nicht einmal an den Fall zu denken, daß einem Tagearbeiter, der einen kleinen Streifen Land hat, seine vielleicht einzige Kuh ober Ziege, die für ihn einen werthvollen Besitz darstellt, zu Grunde geht. Untere diesen Umständen sollte sich kein Landwirth bedenken, je nach seinen finanziellen Kräften nicht nur sein Hab und Gut, sondern auch seine und seiner Hinterbliebenen Zukunft durch dieLebenSverficherung sicherzu- stellen.
(Weitere Mitheilungen befinden sich im fünften Blatte.)
Airs vem Reichstage.
15. Sitzung vvm 7. Dezember 1900. I1/« Uhr. Am BunderrathStisch: Graf Posadows ky. Tagesordnung: Gesetz betr. die Kontrolle des ReichShauShalts, deS LandeShaushaltS von Elsaß- Lothringen und deS HauShaltS für die Schutzgebiete pro 1900, Bericht der Re ich» f chuldenkommiffion, rndgtltige Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der afrikanischen Schutzgebiete in 1897 bezw. 1898, freiwillige Gerichtsbarkeit betmHeere, Kohlen- noth-Interpellation, Wahlprüfungen.
Die Kontrolle der oben erwähnten Etats wir in dritter Berathung debatteloS genehmigt.
Der Bericht der ReichSfchuldenkommiffion wird auf Vorschlag des Präsidenten an die Rechnungs- kommisfion verwiesen.
Wangen leicht gkrölhet waren, und um dessen Mund ein eigenthümliches Lächeln schwebte.
„Ich habe Johannes gesprochen," begann Helene endlich langsam, und er hat mich beauftragt, Dir zu sagen, daß er ganz damit einverstanden ist, wenn Du einige Zeit fortgehst, — weil — nun, weil er das vorläufig für das Beste hält."
„0" — machte Lori, die bei diesen Worten tief erblaßt war.
Vor dem schmerzlichen Blick der blauen Augen schlug Helene die ihrigen nieder, sie vermochte nicht trotz all ihrer Keckheit, diesem Blick standzuhalten. —
„Ist das wirklich wahr, Helene, ich — ich kann es kaum glauben, — das habe ich nicht erwartet," stieß Lori gequält hervor.
Helene zeigte eine sehr gekränkte Miene, schnippisch warf sie die Lippen auf, und wandte sich, das Zimmer zu verlassen.
„Nun, wenn Du mir nicht glauben willst, kann ich Dich nicht zwingen. Das ist nun der Dank dafür, daß ich in dem Regen und bei diesem abscheulichen Wetter Dir zulieb in den Wald hinausgelaufen bin, wobei ich mit mindestens dien gehörigen Schnupfen, wenn nicht Schlimmeres geholt habe; Du verdienst es wahr- lich nicht, daß man Dir hilft!" rief Helene, scheinbar sehr erzürnt.
Lori kam ihr nachgelaufen: „Vergib mir, Helene, ich wollte Dich nicht kränken, gewiß nicht, — das lag mir ganz fern. Mein Gott, ich bin sehr erregt, das ist doch leicht begreiflich, — aber nun fetze Dich zu mit und erzähle mit alles, was et — was Johannes sagte!"
Deutsches Weich»
Berlin, den 7. Dezember.
X Oege« di- Leverrsver sicherem gunö auch die sonstigen Zweige des Ier- stchernngswesens ist leidet die Abneigung vieler Landwirthe stellenweise noch seht groß. Gerade in den Kreisen der Landwirthe wird eS immer noch nicht genug anerkannt und gewürdigt, daß die Lebensversicherung die beste Sparkasse für die alten Tage — wenn sie erlebt werden — und wenn sie nicht erlebt werden, die beste Fürsorge für die Hinterbliebenen ist. Sie steht höhet als die Sparkasse, weil die versicherte Summe im Falle des Todes oder für einen vorher in Aussicht genommenen früheren Zeitpunkt zur Auszahlung kommt, und weil durch die Prämienzahlung Sparzwang mit ihr verbunden hier umsehen, vielleicht, daß st; entweder selbst kommen, ober mir Nachricht senden kann, wenn
Die Uebersicht über Einnahme und Ausgabe der Schutzgebiete wird debattelos erledigt.
Bei der ersten Berathung deS Gesetzes betreffend die freiwillige Gerichtsbarkeit bemerkt
Abg. Hrötzer (Centrum): Die Fragen, welche der Gesetzentwurf behandelt, find technisch-juristischer Art und dürften für daS Haus ein besonderes Interesse nicht bieten. Es wird sich aber empfehlen, den Gesetzentwurf immerhin zur näheren Prüfung an ei« Kommission zu verweisen; ich beantrage daher, ihn an eine Kommission von 11 Mitgliedern zu verweisen.
Abg. Koffmann-Dillenburg (natl.) schließt fich diesem Anträge an, ebenso der Abgeordnete Kenzma«» (freis. Bp.). , .
Damit schließt die Diskussion. Der Gesetzentwurf wird an eine Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen.
Hierauf wird die Besprechung der Interpellation des Abg. Dr. Heim (Ctr.) betr. die Kohlennoth fortgesetzt. ,
Abg. Dr. zSäckek (wild) verlangte ein- staatliche Kontrolle der gesammten Kohlenproduklion und zunächst die Veranstaltung einer Enquete über die Verhältnisse des Kohlenmarktes.
Abg. Müller-Fulda wies darauf hin, daß die letztere Forderung des Vorredners schon in einem be« andern Anträge des Centrums verlangt werde. Redner wandte sich dann gegen den sozialdemokratischen Abg. Sachse, der gestern die katholischen Geistlichen angegriffen hat, indem er sagte, die katholischen Geistlichen wären bestrebt, durch ihre Hetzereien die Arbeiter zu veruneinigen, damit sie nicht .für eine Verbesserung ihrer Lage wirken könnten. Darauf erwiderte der Abg. Muller- Fulda; Ich glaube, ein so ungerechtfertigter Borwurf ist kaum jemals in diesem Hause erhoben worden. (Sehr richtig! im Centrum.) Unsere katholischen Geistlichen dürfen das Verdienst in Anspruch nehmen, daß sie die Arbeiter sammeln und organifiren »um Zwecke der Besserung ihrer Lage. Ich habe als Mitglied einer christlichen Gewerkschaft selbst schon häufig Gelegenheit gehabt, Versammlungen dieser Gewerkschaften beizuwohnen, ich habe mich daher überzeugen können, daß diese Gewerkschaften nur dazu dienen, eine Bereinigung aller christlich gesinnten Arbeiter herbei,uführen. Ich kann die Herren (zu den Sozialdemokraten) nur einladen, treten eie unseren Gewerkschaften bet! — Bule ihrer Genossen find schon betgetreten — und wir werden Sie noch alle auf unserer Seite finden in den Gewei» chaften, die aus christlicher Grundlage bemüht find, eine Besserung der Lage der Bergarbeiter herbeizu- ühren. Sie werden uns willkommen sein.
Dann legte Redner den Sta»dpunkt der Interpellanten zur Kohlenfrage ausführlich dar und faßte chließlich seine positiven Vorschläge kurz dahin zu- ammen: 1. Die Filialen, wie sie das Syndikat in Düsseldorf eingeführt, müßten allgemein vom Staate eingeführt werden. 2. Die Begünstigung des Auslände» durch Tarifermäßigung muß in Fortfall kommen. Drittens muß der § 65 zur Anwendung gebracht werden. Staats- und Reichsaufsicht überdasSyndikat, Ausfuhrverbote, Ausfuhrzölle und sonstige Maßregeln sind extreme Mittel, die nur im äußersten Rolhfall an= gewendet werden dürfen. Bon solchen Mitteln bin .ch kein Freund. _ .
Staatssekretär Hraf '^»sabow-üy erklärt sich dem Abg. Richter gegenüber bereit, künftig allmonatlich in den „Nachrichten für Handel und Industrie" eine möglichst genaue Etadstik übet tue Bewegung auf dem in- und ausländischen Kohlenmarkt, die Preise, die Produktion, die Gin- und Ausfuhr zu veröffentlichen.
Minister Krefeld wendet sich gegen die letzlen Angriffe der Deutschen agrarischen Korrespondenz dieselben mit einem großen statistischen Material wider- legend.^g - Kaiserslautern legt den
Standpunkt der Agrarier in der Kohlenfrage dar. Er wirft den Ministern vor, daß sie stch^ nicht früh genug um die Kohlennoth bekümmert hätten. Die Kohlenausfuhr fei sehr stark gestiegen. Minister von Berlepsch habe bereits frühzeitig darauf htngewirsen, daß die Zustände in Schlesien zu einem Monopol schlimmster Art auSzuarten drohten. Wie daS Korn daS Brod der Lindwirthschaft sei, so sei die Kohle daS Brod der gewerblichen Arbeiter. Abg. Roesicke
Das paßte jedoch Helene durchaus nicht. Sie suchte Lori kurz adzufertigen, aber diese hielt sie fest.
„Kann ich Johannes morgen treffen?" fragte Loti, und richtete wieder den Blick fest auf ihre Kousine. „ , .
„Vielleicht, — doch er — muß ebenfalls seht auf bet Hut fein vor seinem Vater!"
„Und er meinte, ich solle reifen?"
„Ja, es ist am besten fo, Du sollst nur recht bald fort, damit Du Zerstreuung findest, und nicht am Ende noch krank wirst."
„So wat er sehr besorgt um mich, Helene t „Ja, — ja, — gewiß."
Ach, der Gute, also das ist es, was er fürchtet."
„Er fragte, ob Du sehr aufgeregt seiest.
Lori lächelte trotz ihres Kummets.
„Er ist so gut, so herzensgut!"
Am folgenden Tage hielt sich Lorr nicht länget. . _
Mochte kommen, was da wollte, — sie eilte in aller Morgenfrühe aus dem Hause, den Wiesenpfad entlang, dem Walde zu. Sie hatte fich nicht einmal umzesehen, ob man sie beob- achte, nur die Sehnsucht nach dem Geliebten beherrschte in dieser Stunde alle ihre Gedanken, etwas anderes existirte nicht für fie.
Helene hatte ihr Fortgehen wohl bemertt und mit höhnischem Lächeln geflüstert: „Laus nur, — lauf Du Närrin. Du wirst ihn doch nicht treffen!"
Lori malte sich im Stillen dre glücklichen Augen deS Geliebten auS, wenn sie wieder an feinet Brust lag, und er sie umfaßte mit starkem Arm.