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spalt. Sarmond- teile oder bete* RMlmIKPfa.,«» Hamen die Petit» »eile W Pfg.; W Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

mit Zlulerhaltungs-Anlage .Lilkistrirte Somtags-Ieitung" ,

jfä 281. Jutöcr, Freitag, den 7. Dezember 1900. 27. Jahrgang.

G Erfolge des Toleranz-Antrages.

Aus den kurz gehaltenen Reichstagsberichten kann man gar kein Urtheil sich bilden über die Fülle von Material, das der Centrumsa'vgeord- nete Dr. Pichler gesammelt und in der Mitt- wochssttzung des Reichstages vorgetragen hat, um darzuthun, wie in verschiedenen Bundes­staaten die katholische Kirche mit ihren Einrich­tungen und die Katholiken in der Befriedigung ihrer kirchlichen Bedürfnisse behandelt, oder viel­mehr mißhandelt werden. Ganz augenscheinlich war für viele der Zuhörer ebenso wie für die Allgemeinheit ein großer Theil dieses gesammelten Materials ganz neu. Man wußte nicht, wie eigentlich vielfach auf diesem Gebiete verfahren worden ist, mit welcher außerordentlichen Rück­sichtslosigkeit; und nun erst wird so manchem ein Licht darüber ausgegangen sein, warum die Katholiken so sehr als Staatsbürger zweiter Klasse sich fühlen, und welche ungemein hohe Be­deutung dieser Antrag deS Centrums hat.

Die Sage, in der sich die Bundesrathbevoll­mächtigten von Sachsen, Mecklenburg und Braunschweig unter der Wirkung des erdrücken­den Pichler'schen Materials befanden, war bei­nahe bedauernswerth zu nennen. In welcher ungemeinen Verlegenheit sie sich dabei befanden, und wie allgemein die Anschauung vorherrscht, daß sie so "vollkommen in die Enge getrieben waren, geht recht deutlich daraus hervor, daß auch kirchenfeindliche Blätter, die den Katholiken und ihren berechtigten Ansprüchen nichts weniger als hold sind, ihren Spott über die geschlagenen Bundesrathsgrößen nicht unterdrücken können. „Bevor die Verweisung des Antrages an eine Kommission beschlossen ward — so schreibt in diesem Sinne die Berliner nationalliberale ,National-Zeitung' — hatten die Bundesraths- beoollmächtigten von Sachsen, Mecklenburg und Braunschweig in recht unglücklicher Art die Beschwerden über die in diesen Bundes­staaten bestehenden veralteten Vorschriften zu entkräften versucht. Wir sind Überzeugt, daß auch in diesen Staaten die Meinung des Grafen Bülow überwiegt, diese Disparitäten müßten verschwinden/ Graf Bülow, „wird hoffentlich seinen Einfluß dafür einsetzen", daß derartige landesgesetzliche Disparitäten verschwinden werden".

So die .National - Zeitung'. Andere Zei- tungen derselben Richtung äußern sich jetzt, nach der Berathung des Trntrumsantrages im Reichs­tage, in demselben und in ähnlichem Sinne. Vorher hatten sie nur spöttische und zweifelnde Bemerkungen dafür. Die Berathung des CentrumsantrageS, also die Ausführungen der CentrumSredner Dr. Lieber und Dr. Pichler haben einen vollkommenen Umschwung in der Beurtheilung dieser Angelegenheit herbeigesührt, und nun ziehen sich die spöttischen Kritiker zurück mit einigen Verlegenheitsphrasen, die in ihrer Schwäche recht sehr an die Haltung der geschla­genen Bundesrathsbevollmächtitzte» von Sachsen, Braunschweig und Mecklenburg erinnern. Auf einmal besinnt sich alle Welt darauf, daß es eine unabweisbare Forderung in unserer Zeit

Die Meine Lori.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

16 ------ (Nachdruck verboten.)

V.

Der nächste Morgen brachte kühles, unfreund­liches Wetter. Lori stand am Fenster und blickte in den rieselnden Regen hinaus, mit sehnsüchtigen Augen verfolgte sie Helene, die unter dem auf« gespannt en Schirm graziös dahin ging. Der elegante graue Regenmantel kleidete die schlanke und doch kräftige Gestalt so vortheilhaft, sie schritt so gemächlich dahin, als wäre es draußen der schönste Sonnenschein.

Lori seufzte tief auf. Wie 'gerne, ach wie gerne wäre sie jetzt hinauszeeilt zur Bischoss- eiche, um mit dem Geliebten, wie sie es so oft gethan, ein halbes Stündchen zu plaudern, doch durfte sie es des Vaters wegen heute nicht wagen. Wenn sie es nur gewußt hätte, wie sie es an­stellen sollte, um unbemerkt fortzukommen. Nun, vielleicht wußte Johannes Rath; er würde gewiß alle Hebel in Bewegung setzen, um zu ihr zu gelangen. Vorläufig hieß es, sich in Geduld fügen.

Herr Berneck hatte eine unruhige Nacht ge­habt. Er war früh aufgestanden und kam jetzt die Treppe herauf, um nachzusehen, ob Lori auch wirklich zu Hause sei, und nicht etwa, wie es ihre Gewohnheit war, eine Morgenpromenade unternommen hatte. Er sah wohl ein, daß er das Mädchen doch nicht immer wie eine Ge­fangene bewachen konnte, deshalb mußte eS fort von hier, und zwar so bald als nur möglich.

ist, Gleichheit der freien Religionsübung im ganzen Reiche zu verbürgen und die Ueberrefte des Staatskirchenthums zu beseitigen, die noch in einigen Bundesstaaten bestehen; und das alles hat das Centrum mit feinem Toleranzantrage bewirkt. Die Leute mit Sinn und Gefühl für Recht und Gerechtigkeit fühlen sich beschämt, daß im deutschen Reiche so lange Zustände be­gehen konnten, die unserer Zeit nicht würdig sind; und so ist denn für den ersten Theil des Centrumsantrages eine erdrückende Mehrheit im Reichstage schon jetzt sicher, noch ehe die Kom­mission, die über den Antrag berathen soll, auch nur zusammengestellt ist. Wie die einzelnen Parteien zu dem zweiten Theil des Antrages sich stellen werden, bleibt abzuwarten.

Noch ein Punkt verdient besonders hervorge­hoben zu werden. Manche Leute und Zeitungen werden nicht müde, zu versichern, der Antrag des Centrums bedeute eine völlige Schwenkung in der Haltung desselben zu den Rechten und zu der Stellung der Einzelstaaten im Reiche; er bedeute eine Schwenkung vom Föderalismus zum Unita- rismus. Aba. Dr. Lieber hat aber in feiner Mittwochs - Rede nachgewiesen, daß der Antrag vollkommen in dem Sinne des verewigten Dr. Windthorst gehalten ist. Diesen hat sicher­lich niemals Jemand in dem Verdachte gehabt, daß er die Macht des Reiches vergrößern wolle zum Schaden der versaffungsmäßigen Rechte der einzelnen Bundesstaaten. Es ist also auch recht schwächlich, aus diesem Anträge heraus durchaus folgern zu wollen, daß das Centrum in der Beurtheilung und Behandlung dieser Dinge ein anderes geworden sei. Wo die Einzelstaaten ihre Staatskirchenhoheit mißbrauchen und sich gegen den Grundsatz von der staatsbürgerlichen Gleich­berechtigung der Konfessionen versündigen, dann muß eben der Reichstag auch ein Wort dazu sagen nach den zu Recht bestehenden Reichsgesetzen. Wäre kein Grund zur Klage da, würde Niemand an den Antrag gedacht haben. Jetzt mußte so­gar der Reichskanzler zugeben, daß der Antrag berechtigt ist.

Deutsches

Berlin, den 6. Dezember.

X Arinz M«x vo« Sachse« ist lange Zeit hindurch der Gegenstand von heftigen Angriffen gewesen, sowohl von Angriffen in fanatisch- protestantischen Blättern, als auch in Predigten von protestantischen Predigern nach dem Geschmacke des sogenannten Evangelischen Bundes. In einer Predigt, die der Prinz in Plauen i. V. für italienische Arbeiter und in einem Vortrage, den er hinterher in einer katholischen Vereinsversamm­lung gehalten hatte, sollte er angeblich den ton« fejsionellen Frieden gestört und unmittelbar gegen sächsische Staatseinrichtungen gesprochen haben. Man sagte ihm sogar nach, er habe die Prote­stanten als „Ungläubige" bezeichnet. Sehr lange Zeit bat man Schweigen beobachtet gegen diese Angriffe. Sowohl der Prinz war still, al« auch die sächsische Regierung; und man kann es wohl verstehen, daß dieses würdiae Schweigen lange

„So, Töchterchen, sagte er freundlich, „der Brief an Tante Kathinka ist schon abgefchicki, morgen, höchstens übermorgen können wir Ant- wort haben, und bann reisest Du, nicht wahr, Lori?"

Die Angeredete zeigte ein erschrockenes Gesicht.

„So bald sct on, Vater? Willst Du mich absolut los fein?" sagte sie traurig. Der Ge­danke an eine längere Trennung von der Stätte, die ihr so lieb war, erfüllte sie mit tiefer Weh- muth.

„Ich folge Dir ja bald nach, ich bedarf wirklich der Zerstreuung beinahe so nöthig wie Du."---

Währenddessen hatte Helene den Waldsaum erreicht. Alle ihre Pulse flogen, ihr Herz pochte laut und stürmisch, bald würde sie ihm gegen­überflehen, dem alle ihre Gedanken gehörten.

Ja, sie mußte ihn erringen um jeden Preis.

Vorsichtig schaute sie sich nach allen Seiten um, ob Niemand in der Nähe sei. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, in tiefem Frieden tag der Wald. Helene zog langsam Lon's Bries aus der Tasche. Noch zögerte fie einen Augen­blick, sie wußte, es war ein gefährliches Spiel, das sie spielte, doch nicht lange schwankte sie.

„Ah bah, — Jeder ist sich selbst der Nächste," murmelte sie, „ich werde schon Sorge tragen, daß die Zwei sich vor der Abreise Loris nicht mehr sehen, und dann, wenn Lori erst fort ist, dann habe ich schon halb gewonnen. Und komm die Sache heraus, — nun, der Beifall des Onkels ist mir sicher; ich handle ja eigentlich in feinem Sinn, wenn ich den Wisch hier nicht an die richtige Adresse besorge."

Damit riß fie de» Umschlag aus, mit höhni-

Zeit innegehalten wurde. Jetzt theilt aber das amtliche .Dresdener Journal' mit, daß nach den Erkundigungen, die das sächsische Kultusministerium eingezogen hat, der Prinz weder sächsische Staats­maßnahmen noch auch die Protestanten angegriffen hat. Mit den „Ungläubigen" hat der Prinz die Gottesleugner, die ungläubigen Sozialdemokraten gemeint. So weit ist alles gut und in Ordnung. Hernach aber wird in dem amtlichen Dresdener Blatte weiter mitgetheilt, daß der Prinz „in ab­sehbarer Zeit nicht mehr auf den Wunsch zurück­kommen wird, öffentliche kirchenamtliche Funktiöven in Sachsen auszuüben. Sollte dies doch geschehen, so wird die Staatsregierung ... der ihr gesetz­lich obliegenden Verpflichtung, den öffentlichen Frieden zu schützen, ganz gewiß eingedenk bleiben". In Sachsen darf also ein katholischer Priester nicht mehr öffentlich gegen Gottesleugner als gegen Ungläubige ankämpfen, er darf nicht mehr sagen, daß die katholische Kirche in Sachsen Leiden aus­zustehen habe, sonst wird das Staatsministerium einschreiten — so droht das amtliche Dresdener Organ an demselben Tage, an dem im Reichstage der Toleranz-Antrag des Centrums berathen und der sächsische Bundesrathsbevollmächtigte durch das Riesenmaterial des Centrumsabg. Dr. Pichler er­drückt wird! Und das nennt man im Königreiche Sachsen an der Schwelle des zwanzigsten Jahr­hunderts Religionsfreiheit!

X Die KohkendeSatte im Reichstage hat nachträglich auch die ministerielle .Berliner Korrespondenz' zu einigen Steuerungen veran­laßt. Dieselben sind insofern interessant, als sie darthun, daß die Interpellation des Centrums über die Kohlenthruerung und über die Maß­regeln, die etwa dagegen ergriffen werden könnten, durchaus am Platze ist und auch den gewünschten Eindruck nicht verfehlen wird. Die .Berliner Korrespondenz' gibt nämlich ohne weiteres zu, daß die Syndikate gesährliche Einrichtungen sind. „Es ist nicht zu leugnen — so schreibt ft? — daß die Kohlensyndikate unter Umständen chre Macht zu übertriebenen Preis-Steigerungen mißbrauchen können. Die Möglichkeit solcher Folgen der Wirksamkeit der Kartelle und Sy dikate wird daher im Auge zu behalten sein." Rar meint die,Berl. Storr.', es fehlen die Handhasn und der Anlaß zu einem unmittelbaren Vorgehen gegen das rheinische Kohlenfyndikat. DaS Zugeständniß von dieser Seite, daß solche Syndikate sehr gefährlich werden können und deswegen sehr genau im Auge behalten werden müssen, ist werthvoll. Wie böse Wirkungen solche Syndikate ausüben können, wissen wir aus den zahlreichen Bei­spielen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Regierung wird also hoffentlich nicht ab­geneigt sein, im gegebenen Zeitpunkte, zum Beispiel bei der Berathung des Centrums­antrages gegen allerhand Mißbräuche im gewerb­lichen Leben, als da sind Waarenhäuser, un­lauterer Wettbewerb, Offiziervereine, Syndikate und dergleichen mehr, gemeinsam mit dem Reichstage über Maßregeln zum Schutze gegen die Gefahr zu berathen, die dem allgemeinen Volke der Verbraucher von solchen Vereinigungen

schem Lächeln durchflog sie die mit zierlichen Buch­staben beschriebenen Seiten, die nichts als Ver­sicherungen ewiger Liebe und Treue enthielten und zuletzt die Bitte um Nachricht, was vorläufig zu geschehen habe.

„Eigentlich eine recht langweilige Epistel," spottete Helene, die, noch immer lächelnd, den Brief in kleine Stückchen zerpflückte; dann streute sie dieselben, die bald nach allen Richtungen aus­einander flogen, in den Wind.

Als die junge Dame dem Ziele ihrer Wan­derung näher kam, gewahrte fie schon von Weitem eine unruhig auf und ab wandelnde Gestalt; es war Johannes.

Als er Helene kommen sah,, bemühte er sich vergebens, die furchtbare Enttäuschung zu ver­bergen, die er empfand. Bestürzung und Schrecken sprachen zu deutlich au8 seinen traurigen, schönen Augen, als daß sich Helene darüber täuschen konnte. Erregt fuhr er sich mehrmals durch das wellige, blonde Haar, ehe er Helenens freund- lichen zutraulichen Gruß erwiderte und dann hastig fragte: „Lori ist doch nicht etwa ernstlich krank, weil sie nicht kommt?"

„Seien Sie ganz unbesorgt, Herr Lindemann," entgegnete Helene munter und blitzte ihn mit den leuchtenden Augen kokett an. „Lori ist frisch und gesund wie immer, sie läßt Ihnen durch mich sagen, daß es ihr unmöglich ist, jetzt heranszu- lommen, der Vater ist furchtbar böse und bewacht jeden ihrer Schritte."

Tief aufseufzend mit finster zusammengezogenen Brauen hörte der junge Mann diesen Bericht an, dann blickte er fragend auf Helene: „Lori hat Sie wohl in die Verhältnisse eingewecht, Sie wissen, wie sehr wir uns lieben?“

h, Denkmünze«. Dem Bundesralhe ist die Vorlage über die Ausprägung von Denkmünzen zur Zweihundertjahrfeier des Königreiches Preußen nunmehr zugegangen. Es sollen Fünf- und Zwei­markstücke in der Form ausgeprägt werden, daß die AoerSseite, die „Kopfseite" mit dem Doppel- bildniß des Königs Friedrichs I. und des Kaisers Wilhelm II. ausgestattet wird. ES sollen zunächst 500,000 Mark in FünsmarkstÜcken und zwei Millionen Mark in Zweimarkstücken ausgeprägt werden. Die Reversseite soll keine Veränderung erleiden, so daß diese Münzen als Reichsmünzen in zweifelloser Weise Geltung behalten. Die Münzen werden in Berlin geprägt. Die Aus­prägung beruht auf den Bestimmungen der Münz- nooelle vom 1. Juni 1900, in der durch die Bemühungen des Centrums und der Konservativen die Bestimmungen ausgenommen wurde, es sollten Reichsmünzen bei besonderen Veranlassungen als Denkmünzen ausgeprägt werden. Schatzsekretär Freiherr von Thielmann hatte sich damals in der Kommission des Reichstages sehr scharf gegen die Ausprägung von Denkmünzen aus­gesprochen, warum, weiß man nicht. Jetzt ist es sehr erfreulich, daß es nicht nach dem Willen des Herrn Schatzsekretärs geht.

+ Die sogenannte« Kuvnenöeiese haben auch in der Abendsitzung der Budgetkommisston des Reichstages am letzten Dienstag ihre Rolle gespielt. Es war wiederum Herr Bebel, der die Hunnenbriefe und die Plünderungen und Grausamkeiten an unbewaffneten Chinesen, Frauen und Kindern zur Sprache brachte, die angeblich von deutschen Soldaten begangen fein sollen. Der freisinnige Abg. Eickhoff kam Herrn Bebel zu Hilfe, indem er darauf hinwies, daß es im öffentlichen Interesse liege, die Meldungen übet angebliche Grausamkeiten deutscher Soldaten klar zu stellen. Herr Eickhoff führte einen Fall an, der in der Thai bemerkt zu werden verdient: ein Kreisblatt, also ein amtliches Organ, habe einen Soldatenbrief abgedruckt, in dem ebenfalls erzählt wird von der Niedermetzeluug chinesischer Frauen und Kinder. Aber das ist wohl zu be­merken, daß in diesem Falle nicht die Rede ist davon, daß gerade deutsche Soldaten solche Aus­schreitungen sich hätten zu Schulden kommen lassen. Staatssekretär von Tirpitz und Kriegs­minister von Goßler haben in ihren Aus­führungen in der Budgetkommission sich auch nur auf die bestimmte Behauptung befchränkt, daß deutsche Soldaten solche Greuelthaten nicht be­gangen haben. Daß sie Überhaupt nicht be­gangen worden seien, hat niemand behauptet. Aber gerade deswegen, das kann nicht geleugnet werden, liegt es int allgemeinen Interesse und im Interesse der Ehre uno des guten Namens der deutschen Soldaten, daß diese Dinge einmal in zweifelloser Weise und womöglich in amtlicher Form klar gestellt würden. Im allgemeinen glaubt man in Deutschland nicht, daß die Schilderungen der sogenannten Hunnenbriefe in allen Stücken der Wahrheit entsprechen. Durch das Ausbleiben amtlicher Klarstellungen erhält die planmäßige Agitation derjenigen eine Stütze, die fortgesetzt im Stile der Hunnenbriefe bemüht sind, die Ehre des deutschen Heeres zu besudeln.

„Gewiß, ich weiß!"

„Und warum schrieb Lori nicht wenigstens ein paar Zeilen an mich?"

„Ich sage Ihnen ja, der Alte läßt sie Nicht auS den Augen."

Helene erröthete nicht einmal, als sie dies sagte.

„Und wie trägt das arme Kind das Alles? — Weint Lori viel?"

„O nicht mal sehr! D r Alte hat ihr vor- geschlagen, die nächste Zeit bei ihrer Tante am Rhein zuzubringen, und Lori hat den Kopf voll Reise-Vorbereitungen. Die Toilette, die Wäsche, Alles will erledigt sein, daS bietet ihr die beste Zerstreuung."

Helene hatte möglichst gleichgiltig und harm­los gesprochen, aber dabei den erblassenden jungen Mann scharf beobachtet.

„O mein Sott, mein Gott!" rief er untröst­lich, „und so leicht wird es Lori, Alles zu ver- lassen — das ist ja nicht möglich!"

„Sie müssen das nicht so auffassen, Herr Lindemann. Lori ist noch sehr jung und niemals herausgekommen aus dem kleinen Neste — nun — da hat fo eine Reise immerhin etwas Ver­lockender für fie."

„Aber dennoch überrascht es mich furchtbar, daß Lori sich so — so - schnell in all' das finden kann, ich dächte, fie würde in meine Arme eilen, wenn es sein müßte — gegen den Willen ihres Vaters."

„Sie dürfen auch nicht zu viel verlangen; Lori ist noch ein halbes Kind und dann hat sie auch den Muth nicht zu einem solchen Schritte. Wäre mir fo etwas paffirt," — hier sprühten Helenens Augen förmlich auf — „mich hätten nicht Schloß und Riegel zurückgehalten, ich wäre