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mit Anterhaltungs-Meikage „Illnsiririe Sonntags-Ieitung"

27. Jahrgang.

Iuk-a, Donnerstag, den 6. Dezember 1900.

M 280.

„Laßt mir wenigstens Zeit,- es zu überlegen/ bat Lori. m

„Ueberlege nicht lange, Kind," fiel Berneck eifrig wieder ein. „Ich schreibe heute noch an meine Schwester, die ja in A. eine prächtige Villa besitzt, daß sie Dich bei sich aufnimmt, ich bin überzeugt, sie thut es gern, und dort, am lustigen, grünen Rhein, wo das Leben ganz anders ist, als hier, wo das Blut frischer und freier durch die Adern rinnt, wo man fröhliche Lieder singt und reizende Bootfahrten macht, da wirst Du Dein kleines Leid bald vergeffen haben. Wenn Du erst das Leben dort kennen gelernt haben wirst, wer weiß, ob Du dann wieder hierher zurückkrhren willst, bist ja ohnehin noch gar zu wenig hinausgekommen. Du reisest emst» weilen allein, und wenn ich hier alles geordnet haben werde, in ein oder zwei Wochen folge ich Dir nach. Auf den Inspektor Schwarze kann ich mich unbedingt verlaffen, er besorgt alles sehr gut, und Helene ist auch da, nach dem Rechten zu sehen. Dann machen wir unS ganz vergnügte Tage, paß' mal auf, mein Töchterchen, wie reizend das wird."

Er reichte Lori über den Tisch hinüber die Hand, zögernd legte sie die ihrige hinein. - Es fiel ihr doch gar zu schwer, auf den Plan ein» zugehen, so verlockend er ihr auch geschildert wurde.

Lori drängte eS jetzt, allein zu sein, da sie noch einen langen Brief an Johannes schreiben wollte. Bald lag die Laube still und verlaffen im Scheine deS Vollmondes.

In Loris Zimmer brannte noch lange die Lampe. Sie schrieb an den Geliebten und bat ihn um Rath; in den zärtlichsten, liebevollsten

Deutsches Weich»

Berlin, den 5. Dezember.

* Die Herrn Miquel nahestehenden ,Berl. Pol. Nachr.' versichern, daß die jüngst veröffent­lichte Antwort des Grafen Bülow an.die Vertreter der Centralstelle der preußischen Land- wirthschaftskammern erkennen laffe, „daß nicht nur vöMge Nevereinstimmuug iuuerHakV -er Alegier««g, sondern auch zwischen der Re­gierung und der großen Mehrheit des Reichstags in Bezug auf grundsätzliche Stellungnahme der Berücksichtigung der landwirthscqaftlichen Inte» reffen bei den bevorstehenden zoll- und Handels» politischen Entschließungen herrscht, und daß die deutschen Landwirthe vertrauen dürfen, eS werde ihren von allen Seiten als berechtigt anerkannten Jntereffen die weitgehendste Berücksichtigung zu Theil werden." Zum Schluß wird nochmals versichert, es werde „volles Vertrauen und volle Zuversicht in den Kreisen unserer Land­wirthe Platz greifen können."

* Zur tekegrapHischerr ILerichterllaltuug vom Mastattscher» Kxpedttioirs-Korps wird dem ,StaatSanzeiger' mit Bezug auf die Rede des Reichstags-Abgeordneten Singer in der Reichstagssitzung vom 22. November mitgetheilt: „Hebet Tod oder Verwundung von Offizieren und Mannschaften der in Ost-Asien befindlichen Truppentheile des Landheeres erfolgt in gleicher Weise wie über Angehörige von Marinetruppen- theilen telegraphische Nachricht. Das Kommando des Ostasiatischen Expeditions-Korps ist ange­wiesen, jeden Todesfall und jede Ver­wundung telegraphisch dem Kriegs-Ministerium mitzutheilen. Es wird dabei kein Unterschied gemacht, ob der Betreffende Offizier ist oder einen niederen Dienstgrad bekleidet, und es ist weiter auf das eingehendste Fürsorge getroffen, daß die Angehörigen sofort, sobald die Identität des als tobt oder verwundet Gemeldeten feststeht, benach­richtigt werden. Die Bekanntgabe der Namen der Gefallenen, Gestorbenen und Verwundeten durch die Preffe erfolgt erst dann, wenn die An­gehörigen bereits in den Besitz der sie betreffenden Nachricht gelangt sind, und es ist demnach aus­geschloffen, daß der Tod oder feie Verwundung einer zum Ostasiatischen Expeditions-Korps ge­hörigen Person zuerst durch die Tagespreffe zur Kenntniß der Angehörigen kommt."

* Heber die „polnische Gefahr" veröffent­licht die,Berl. Korresp/ einen fünften Artikel, der die Beziehungen der Polen zum Auslande behandelt, um daraus das „Vorhandensein enger Wechselbeziehungen zwischen ven durch staatliche Grenzen getrennten Bewohnern, der einst das ehemalige Polenreich bildenden Länder" nachzu­weisen. In einem Schlußwort kündigt die Kor­respondenz Maßregeln an, „um die Position deS Drutschthums, wo dieses gegen polnische Hebermacht um seine Existenz zu kämpfen hat, nach Möglichkeit zu stärken." — Hieraus erhellt der Zweck der Artikel der Korrespondenz, auf neue Polengesetze Miquels vorzubereiten.

X Kirre zehnjährige soziale Wirksam­keit vollendet der Volksverein für das katholis che Deutschland mit Abschluß dieses

Die Kleine Lori.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

15 ------ (Nachdruck verboten.)

Der Abend war angebrochen. Draußen im Garten wanderte Berneck mit Helene auf und ab, die plaudernden Stimmen drangen bis zu dem einsamen Mädchen herüber, sie unterhielten sich lebhaft miteinander und Helene schien es schon gelungen zu sein, den Onkel in etwas aufzuheitern; sie lachte so hell und lustig, daß es Lori ordentlich weh that, und der alte Herr ließ sich gern von dem schönen Mädchen die Grillen vertreiben, Helene verstand dies ganz ausgezeichnet.

Plötzlich traten die Beiden zu Lori in die Laube und nahmen ihr gegenüber Platz. Sie schaute auf mit müden Augen und Helene rief lachend: „Mach' kein so trauriges Gesicht, Kleine, sieh' nur, wie schön hier alles ist und wie die Linden duften, ah, es ist köstlich."

Lori antwortete nicht. Das Herz war ihr so schwer, alle Freude schien erstorben in ihr und um sie her. Ty ras legte schmeichelnd den Kopf in den Schooß der jungen Herrin. Lori be­achtete eS kaum.

Ein paar Mal räusperte sich der alte Herr und wechselte einen bedeutungsvollen Blick mt Helene, die ihn ihrerseits aufmunternd ansah, dann begann er zögernd:

„Helene hat mir diesen Abend einen Plan entwickelt, der mir sehr beachtenswerth erscheint, ,r betrifft Dich, Lori."

Berneck hielt einen Augenblick inne, als er­warte er eine Antwort. Lori schaute nur mit

Zwei, Johannes und ich, einst ein Paar werden sollten. Ach, wenn liebe Verstorbene in unser Schicksal eingreifen könnten, das gute Mütterchen würde gewiß etwas für ihr unglückliches Kind thun und es vor dem Jammer der Entsagung schützen."

„Deine Mutter war viel vernünftiger, als Du," polterte der Alte rauh, „und wenn fie jetzt noch lebte, würde fie diese Verbindung ebenso­wenig wünschen, wie ich. So wie die Sachen jetzt liegen, ist an eine Einigung oder Aussöhnung Überhaupt nicht zu denken, das merke Dir!"

„Ich dächte. Du würdest Dir das selbst sagen können," ergriff Helene das Wort, „fange doch nicht immer wieder damit an, Lori. Siehst Du denn nicht, wie es Deinen Vater aufregt, eS könnte ihm schaden."

Dabei streichelte sie die Hand des Onkels so zärtlich, daß dieser dankbar zu ihr aufblickte und sagte: „Ja, wenn Lori so rücksichtsvoll wäre und mich so lieb hätte wie Du, dann — ja bann würde sie sich auch aus Liebe zu mir entschließen, meinem Rache zu folgen und alsbald von hier fortzukommen trachten, aber so---*

„Vater," schrie Lori in herzzerreißendem Ton, „Du sollst nicht sagen, daß ich Dich nicht lieb habe, jetzt, wo Du ein so unermeßlich großes Opfer von mir forderst, daß eS fast meine Kräfte übersteigt. Ich will ja alles thun, was Du willst, — nur sage nicht mehr, daß ich Dich nicht lieb habe, es ist zu viel — zu Diel."

„So willigst Du also ein, von hier fortzu- gehen?" fragte Helene. Ihre Augen funkelten rote die einer Schlange, die sich auf ihr Opfer zu stürzen im Begriffe ist.

Jahres. Auch die in 180,000 Exemplaren in ganz Deutschland verbreitete (an die Vereinsmit- ,lieber unentgeltlich vertheilte) Zeitschrift „Der Volksverein, Stimmen aus dem Volksverein für das katholische Deutschland" schließt mit dem jetzt erschienenen 8. Heft, Jahrgang 1900, bereits hren zehnten Jahrgang ab. Das vorliegende Heft zeigt ebenfalls wieder, wie der „Volksverein" n anregender und belehrender Weise, insbeson- jere hinsichtlich der sozialen und wirthschaftlichen Selbsthilfe, die Jntereffen aller Stände praktisch zu fördern sucht. In größeren Artikeln behandelt Heft 8 u. a. folgende Fragen: Landwirth- schast und Erhöhung der Getreidezölle; — die wirthschaftlichen Vortheile der Gewerkoereine; — die Bedeutung der Kreditgenossenschaften für das Handwerk, speziell als Grundlage weiterer ge« noffenschaftlicher Bestrebungen; — Kaufmann- stand und wirtschaftliche Selbsthilfe — rc. Mit Recht kann der Volksverein in einem mit vor­liegendem Vereinsheft verbundenen Aufruf von neuem an die Katholiken Deutschlands appelliren und zur eifrigen Betheiligung an seinen Be­strebungen auffordern. Die Mehrzahl der katho­lischen Arbeiter, Handwerker, Kaufleute, Land­wirthe, heißt es in diesem Aufruf, steht leider allen ihr eigenes Wohl und Wehe be­treffenden sozialen Fragen noch gleichgiltig und unthätig gegenüber. Darum so wenig Fort­schritte auf allen diesen Gebieten. Worin liegt der Grund dieser bedauerlichen Thatsache? Nicht Böswilligkeit, sondern Mangel an sozialem Verständniß ist der Grund dieser Jntereffe- losigkeit. Die sozialen Ausgaben sind neu, und waren bislang unbekannt. Das soziale Verständ- niß für dieselben muß daher erst geweckt werden. Hnd gerade diese soziale Schulung hat sich der Volksoerein in Stadt und Land zum Zwecke ge­stellt. Er erstrebt dies in einem Umfange und mit einer Mannigfaltigkeit von Mitteln, wie kein anderer sozialer Verein. Eben deßhalb ist er aber für alle seine Mitglieder auch ein so über» aus nützlicher und überall nothwendiger Verein. Eben darum auch nannte Herr Reichs-und L ino- tagsabgeordneter Dr. Lieber auf der diesjäd igen Katholikenversammlung zu Bonn „neben dem Centrum den Volksverein die den deutschen 'Katho­liken unumgänglich nothwendige Organist, ion". Leider stehen dem Volksverein noch sehr viele katholische Männer fern, weil sie seine Wicytig- kett und Nützlichkeit nicht kennen. Der Volks- verein bittet deßhalb angelegentlichst alle seine Vertrauensmänner und Mitglieder am Jahres­schluffe eifrig neue Mitglieder für den Verein unter ihren Bekannten zu werben, vor allem aber der Zentralstelle (in M.-Gladbach) zur Einführung des Vereins in solchen Orten, wo er bisher noch nicht Eingang fand, behilflich zu sein, damit deffen segensreiche Wirksamkeit zum Besten aller Stande zu immer weiterer Entfaltung kommt.

* Köt«, 5. Dez. Zu der morgen Vormit­tag 10 Uhr 6 Min. stattfindenden Abreise Krügers stad behördlicherseits die größten Ab- sperrungsmaßregeln getroffen worden. Alle zum Bahnhofsvorplätze führenden Straßen bleiben abgesperrt. Der Straßenbahnverkehr in diesen Straßen wird eingestellt. Die Eisenbahndirektion trüben Blicken zu ihrem Vater herüber. Da fie nichts sagte, fuhr er fort: „Helene hat recht, wenn sie meint, daß Du hier für die nächste Zeit nicht bleiben solltest. Du mußt Dich zer­streuen, andere Menschen sehen, mit einem Wort, Du mußt fort von hier, damit Du vergeffen lernst, was Du doch ver­gessen mußt."

Er hatte sich auf heftigen Widerspruch gefaßt gemacht, daß dieser ausblieb, ermuthigte ihn. Er hielt e« für ein gutes Zeichen und fügte deshalb rasch hinzu: „Es ist nur zu Deinem eigenen Besten, mein liebes Kind." Sieh', so kann es nicht weiter gehen, und wenn Du meinem Rathe folgst, so packst Du bald Deine sieben Sachen, damit Du von hier fortkommst."

„Vater," entgegnete Lori mit bebender Stim­me, „so hältst Du eine Versöhnung wirklich für ausgeschlossen?"

„Aber Lori," mischte sich Helene ein, während der Alte eine hestige Bewegung machte, „an so etwas solltest Du vorläufig nach allem, was vor­gefallen, nicht denken. Das ist ja kaum möglich, Dein Vater kann doch die unerhörte Beleidigung nicht so schnell vergeffen."

„Helene," pflichtete Berneck bei, „Du bist ein verständiges Mädchen, Du mußt mir helfen, der Lori den Kopf zurechtzusetzen. Du bist so klug, mit Dir kann man über alles reden."

„Siehst Du, Vater," begann Lori von Neuem, „den ganzen Tag schwebt mir das Bild meiner lieben Mutter vor Augen und es ist mir, als sollte ihr liebster Wunsch, den ich als theuerster Vermächtniß betrachte, doch noch in Erfüllung gehen. Mein Mütterchen sprach ja nach Deinem eigenen Berichte oft und gern davon, daß wir

Erleichterung sah man nach dieser Erklärung über die Züge so manches Abgeordneten gleiten, der vor dem „Toleranzantrage" schon gebangt und der für die Fugen des Retchshauscs gezittert hatte.

Abg. Dr. Lieder begründete in einer meisterhaften Rede sachlich und schlagend den Antrag, zuweilen mit köstlicher Ironie die gegen denselben geltend gemachten Einwürfe glosstrend. In der Erklärung der verbündeten Regierungen erblickt der Centrumsredner einen groben Fortschritt: der Bundesrath hat nicht einmal die Be­gründung abwarten wollen! Wir sind aber dem Bundes­rath dafür dankbar, daß er wenigstens etwas gesagt hat, früher wurde häufig völlige Nichtachtung den Reichstagsbeschlüssen zu Theil. Das Centrum hoffe, daß auch nach der Erklärung der verbündeten Regierungen ihm der Reichstag die Gelegenheit geben werde, über die Religionsbeschwerden vor einer Kommission von 28 Mitgliedern zu verhandeln. Nicht gegen bestimmte Personen, nein gegen von Alters überkommene Gesetze und Zustände richte sich der Antrag. Redner verweist auf die durch die Presse bekannt gewordenen Beschwerden über derartige veraltete Verwaltungsgrundsätze aus Mecklenburg, Braunschweig und dem Königreich Sachsen. Aber auch ohne diese Beschwerden würde das Centrum den Antrag gebracht haben. Die ganze Entwickelung der deutschen Reichsgesetzgebung habe zu dem Antrag hingedrängt. Abg. Dr. Lieber erinnert an das Reichs- Gesetz betreffend die Rechtsverhältniffe der Schutzgebiete vom 25. Juli 1900 § 10a betr. die Gewissens- und Religionsfreiheit. Auch der Bundesrath solle ein Ge- ühl für das Beschämende eines Zustandes haben, daß n den Schutzgebieten erlaubt sei, was in den einzelnen Staaten verboten ist. Der Toleranzantrag des Centrums ei nichts Anderes als die gebotene und ausgewählte Konsequenz aus den oben erwähnten Paragraphen.

Graf Stokverg-Wernigerode (kons.) sprach seine Zustimmung zurKommisstonsüberweisung aus. Allerdings liegen schwere sachliche und staatsrechtliche Bedenken vor.

Auch der Abg. von Sottmar (Soc.) stimmt einer Berathung in der Kommission zu. Redner polemisirte gegen die Toleranz der kathol Kirche. „Wir sind christ­licher als das Centrum!" _

Abg. Aicher! (fr. Vgg.) ist ebenfalls für Komrmsfions- berathung.

Abg. Ballermann (natl.) legt in längerer Aus­führung die Anschauungen seiner Parte, dar. Dir Behauptung, als würde durch die Annahme des Antrags ganz Deutschland katholifirt, heißt doch d,e Kraft des evangelischen Glaubens arg unterschätzen! In unserer Zeit wird Niemand das Bedürfniß nach neuen religiösen Kämpfen haben. Auch wir wollen den religiösen Frieden. Redner hebt dann die haupt­sächlichsten Bedenken seiner Partei gegen den Antrag vor, stimmt aber wegen der Wichtigkeit der Materie dem Anträge auf Kommisstonsberathung zu.

Abg. Sichter (freis. Vp.) hält den Antrag für be­rechtigt und steht ganz auf dem Standpunkte des Centrums. Unter großer Heiterkeit gibt et fernem Erstaunen Ausdruck über die Erklärungi des Reichs­kanzlers, der, noch ohne den Antragsteller und deffen Gründe gehört zu haben, die Nichtzustimmung der verbündeten Regierungen erklärt habe. Man sei so überrascht gewesen, alS der Reichskanzler sich erhob, daß man sich sagte: „Aha, der spricht über das Ver­halten gegen den Präsidenten Krüger!" (Erneute all­gemeine Heiterkeit.)

Fürst Sadzimilt stimmt namens der Polen dem Anträge zu und bringt einschlägige Beschwerden über ungerechte Behandlung der Polen vor.

Staatsminister Hraf Sosadowsky bemerkt hier­zu, die königliche Staatsregierung könne nicht für un­gerechtfertigte Angriffe gegen die Polen in der Preffe verantwortlich gemacht werden.

Abg. Sichert (freis. Vgg.) begrüßt es, daß eine so hochwichtige Angelegenheit hier im Reichstage er­örtert werden könne, und hält es für wünschenswerth, daß die vorliegenden Beschwerden in der Kommission zur Sprache gebracht werden. ,

Abgeordneter Stockmann (Reichsparter) hält den Antrag im nationalen Jnterefle für bedenklich. Es sei ein alter Bekannter aus dem Jahre 1871. Redner be­streitet die Zuständigkeit der Reichsgesetzaebung, will jedoch trotz seiner Bedenken gegen eine Kommisfions- berathung nichts erinnern. ___________________

hat verfügt, daß Bahnsteigkarten sowohl als Fahrkarten nach nahegelegenen Orten bis nach der Abfahrt Krügers nicht zur Ausgabe gelangen. Schärfer können die Absperrungsmaßregeln wohl nicht gehandhabt werden. — Krüger äußerte mehrfach zu seiner Umgebung, daß ihm, obgleich er das Innere der Stadt nicht in Augenschein nehmen und nicht in engere Berührung mit Kölns Bürgerschaft treten konnte, die Hierselbst verlebten Stunden unvergeßlich bleiben und die ihm dar­gebrachten Ovationen ungemein roohlgethan haben. Krüger hofft alsbald vom Haag nach Petersburg abreifen zu können. Auf den Zaren setzt er jegenroäriig seine ganze Hoffnung. Heute Nach­mittag hat Krüger den Dom besichtigt.

* Aaderövr«, 5. Dez. Bei der heutigen Reichstagswahl wurde Savigny (Centrum) ge­wählt. Die Wahlbetheiligung war gering. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt. — Am künftigen Sonntag, Mittags 12 Uhr, wird unser Hochw. Herr Bischof Dr. Schneider vom Kaiser und darauf von der Kaiserin im Neuen Palais zu Potsdam in Audienz empfangen und zur Tafel gezogen werden.

* Stuttgart, 5. Dezember. Gestern fanden in ganz Württemberg die Landtagswahlen statt. Soweit sich bis jetzt ein Wahlbild ergibt — aus einer beträchtlichen Anzahl von Bezirken liegen gar keine oder nur lückenhafte Nachrichten vor — zeigt sich, daß die deutsche Volksprrtei einige Verluste zu verzeichnen hat. Charakteristisch ist das riesige Anwachsen der Stimmenzahl der Sozialisten, das auf Kosten aller Parteien erfolgt sein dürste. Das Cent rum scheint durchweg seinen Besitz gewahrt zu haben. Es sind gewählt: 8 Volkspartei und in bisher 14 Wahlkreisen kommt die Volkspartei in größten- theils aussichtsvolle Stichwahl. Deutschparieiler sind 5 gewählt (12 Stichwahlen), Konservative 2 (2 Stichwahlen), Bündler 1 (2 Stichwahlen), Sozialisten 2 (9 Stichwahlen) und endlich 15 Centrum. Einm ff kommen zwei Centrums- kandidaten in Stiür vahl.

Airs dem Reichstage.

qp 13. Sitzuvs vom 5. Dezember 1900.

Der Reichstag war heute ziemlich gut besucht, ins­besondere wiesen die Bänke des Centrums nur wenige leere Plätze auf.

Am Bundesrathstische hatten sich Graf Bülow, Graf v. Posadowsky, Dr. v. Nieberding nieder­gelassen.

Bor Eintritt 'in die Tagesordnung — erste 'Be­rathung des von den Abgg. Dr. Lieber und Genossen eingebrachten Entwurfs eines Reichsgesetzes betreffend die Freiheit der Religionsübung — verlas

Reichskanzler Graf Aükow im Namen der ver­bündeten Regierungen eme Erklärung, wonach der Bundesrath dem in Frage stehenden Anträge nicht zustimmen könne. Zwar hoffe er — der Reichs­kanzler — für seine Person, daß derartige landeSgesetz- liche Disparitäten, wie sie da und dort noch als von Alters überkommene Gesetze beständen, bald verschwinden möchten, allein als Reichskanzler könne und dürfe er nicht zulassen, daß auf dem Wege der Reichsgesetz­gebung in die Rechte der Einzelstaaten eingegriffen wird. Der Reichskanzler bezeichnete das Vorgehen selbst als ungewöhnlich, bevor der Reichstag über einen Antrag schlüssig geworden, denselben als unan­nehmbar zu bezeichnen. Behagliches Schmunzeln der