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’Tääm.’SStjäI"* mit Zbckr-allrmse-Mttka-e »Lffustrirte Sonntags-Zeitung"

jfä 278. JuLöa, Dienstag, den 4. Dezember 1900. . 27. Jahrgang.

Für diese Durchsicht der Preffe würde täg- \ ich eine halbe Stunde genügen. Wen« ! trse halbe Stunde nicht zu erübrigen wäre, । würde der Herrscher ja alle Preßäußerungen I nur durch die Brille seiner nächsten höfischen ; Umgebung sehen, dazu hier und da beeinflußt 1 von Persönlichkeiten, die diesen Kreisen näher 1 tehen und bei offiziellen Gelegenheiten mit ! 5t. Majestät zusammenkommen. Der „Puls- chlag der Volksseele" läßt sich für eine» Fürsten, >er nicht unter dem Volke leben kann, so wie hente die Dinge liegen, zunächst nur aus de» verschiede»«» Stimmen der Preffe kennen lernen, weil seine nächste Umgebung naturgemäß ganz anderen Kreisen angehört, als der weitaus größte Teil der Volke-, dar er regiert.

Ich glaube die Empfindung weiterer Rreife wiederzugeben, wenn ich sage, daß das Gefühl allgemein herrscht, daß Se. Majestät nicht ge- nügend unterrichtet ist über das, war im »rutschen Reiche die Gemüther bewegt. Ich will nicht behaupten, daß der Kaiser im all­gemeinen „falsch unterrichtet" werde, aber daß »irS bei der jetzigen Art und Weise vielfach nicht ausbleiben kann, liegt auf der Hand,

Der Kaiser wird, wenn er täglich die Haupt­zeitungen der verschiedenen Parteien selbst durch- ieht, bald auch das Bedürfniß fühlen, über das eine oder andere mit hervorragenden Männern der einzelnen Parteien zu reden; nach wichtigen Verhandlungen im Reichstage oder Landtage wird er die eine oder andere Rede im Wort­laut« zu kennen wünschen und fich das Steno­gramm vorlegen taffen; er wird vielleicht das Bedürfniß nach persönlicher Fühlung empfinden, er wird einzelne hervorragende Männer auffordern lassen, fich i» persönlichen Unterredungen rückhaltlos ihm gegenüber auS- zusprechen. Und daS gerade ist es, was nach der Auffaffung weiter Kreise unseres Volkes in höchstem Maße erwünscht sein muß, damit der Herrscher in ruhiger Aussprache auch einmal andere Leute hört, als Mitglieder des Hofes und der dem Hofe nahestehenden Kreise.

Diesen Wu»sch haben die Angehörigen aller Parteien, welche die staatliche Autorität uvd die verfassungsrechtlich« Stellung des Kaisers und König- achten und stützen. Insoweit trifft der Wunsch nach einer Aenderung der belegten Zu­stände allgemein zu.

Die deutschen Katholiken haben aber noch besonder« Veranlassung, die« zu wünschen. In der näheren Umgebung Sr. Majestät befinden sich gegenwärtig meine« Wissen« keine Angehörigen unsere« Bekenntnisse«, ich meine in solchen Stellungen, daß st« täglich da« Ohr de« Kaiser» haben könnten. Dieser Umstand bringt e« be­sonder« mit sich, daß der Kaiser mit katholischen Verhältnissen und Einrichtungen nur insoweit be­kannt wird, al« er diese Bekanntschaft au« den verhältnißmäßig seltenen Unterredungen schöpfen kann, wenn bei besonderen Anlässen hier und da hervorragende Katholiken, Bischöfe usw. mit ihm in persönliche Berührung kommen. Wa« bleibt da zunächst übrig, al« die Information durch die Presse? Ich möchte sehr bezweifeln, daß der Kaiser z. B. über den Fall Andelfinger in Bochum, die

Die Meine Lori.

Original-Roman von Irene «.Hellmuth.

rr ------ (Nachdruck verboten.)

„Da« ist einzig und allein meine Sache und kümmert Sie durchaus nicht," sagte Lindemann zu Berneck.

„Ich sage Dir nochmals, Egon, e« ist alle«, alles Lüge und Verleumdung!"

„So ist e« Lüge, daß Sie vorige Woche er Ihre beiden Pferde verkauften, wie mir ert gestern der Pferdehändler selbst sagte?"

„Da« that ich aber doch nicht au« Noch, wie Du anzunehmen scheinst, sondern weil e« bösartige Thiere waren, die zuletzt so störrisch wurden, daß sie nicht mehr ziehen wollten."

„Sie find «»«gezeichnet vorbereitet, wie ich sehe," höhnte Egon, — .und die zwei Kühe, die ebenfall« verkauft wurden? Sie sehen, ich bin gut unterrichtet!"

„Die Kühe gaben keine Milch mehr und find bereits durch andere ersetzt!"

„Ha, ha, ba, die aber noch nicht bezahlt find. Denke» Sie doch, wie stehen Sie da? Wo in aller Welt geht denn der Vater aus, um für die Tochter den Mann zu werbe»? Wo ist das Sitte ? Wenn man eine Tochter hat, so bleibt man hübsch zu Hause und wartet, bis sich der Freier einstelt und sie zur Frau begehrt. Sie hingegen konnten nicht so lange warten, weil Ihnen daS Messer bereits am Halft fitzt!"

Berneck stöhnte leise auf. An das hatte er freilich nicht gedacht. Er war einzig und allein dem Zuge seine- guten, nachgiebigen Herzens ge­

lauschten fie nach dem, waS drinnen vorging. Sie wichen erschrocken zurück und wate» bald nach allen Richtungen verschwunden.

In diesem Augenblick betret JahanneS den Hausflur und sah, wie der Alte wankte und sich mühsam aufrecht hielt; jedoch erkannte er ihn nicht sogleich, 8a er eben nie mehr mit de» Be­wohnern deS Berneck'schen Gutes zusammenge­kommen war. Erschrocken wollte er dem an­scheinend Kranken zu Hilfe eilen, doch dieser richtete fich schon wieder in die Höhe und schrie dem jungen Manne zu: „Rühr' mich nicht an, ich erkenne Dich an deinem Gesicht, Du gehört zu Jenem da drinnen. Du bist auch nicht besser als er, aber daS sage ich Dir: Wenn du eß noch einmal wagen solltest, mit meinem Mädel zusammenzukommen, — dann, — dann hüte Dich, daß Du mir nicht in den Weg läufst, — sonst gibt es ein Unglück!"

Johannes wußte nicht gleich, waS er von dem Manne hallen sollte, erst nach und nach dämmerte eine Ahnung in ihm auf und mit tief­bekümmertem Gesicht schaute er dem fich lang­sam Entfernenden nach. Dann trat er hastig bei seinem Vater ein, der mit großen Schritten das Zimmer durchmaß.

„Wer war das, der soeben fortging?" fragte er angstvoll.

„Was kümmert'- Dich?"

„Ich will es wissen, Vater!"

„Es war einer, der Dich gern für feine Tochter eingefangen hätte, weil er mit unserem (Selbe seinen zerrütteten Verhältnissen wieder auf« helfen möchte. Ich habe ihm erst den Stand­punkt klar gemacht."

„Vater!" schrie Johannes auf, „täusche ich

Deutsches Deich.

Berlin, den 3. Dezemberr.

* Von einer Steife des Kronprinzen a« de« e«ßttfche« Kof weiß ein Londoner Blatt zu berichten. Der Mittheilung zufolge werde »er Kronprinz wahrscheinlich in der zweiten Dezemberwoche der Königin Viktoria und dem Prtnzenpaar von Wales einen streng privaten, ftirzen Familienbesuch abstatten. Alsdann dürfte hn die Königin mit dem Hofendand-Orden dekoriren. Dazu bemerkt die ,Rh.-Westf. Ztg/: ES ist nicht einzufehe», waS die Reife für einen Zweck hat. Von einem Besuche englischer Prinzen in Potsdam hört man nichts.

* Wie die »Nordd. Allg. Ztg/ hört, ist zum Nachfolger deS Fürsten Radoli» auf den Bot- chafterposten in Petersburg der kaifer- iche Gesandte in Brüssel, chraf «. Ak»e«s- Mttt, anSersehen. — Friedrich Johann Graf v. AlvenSlebeu, ei» Sproß deS altmärkifche» Adel-gefchlechteS, das dem preußischen Staate chon so viele hervorragende Militärs und Be- imte gegeben hat, ist 1836 geboren und gehört eit 1861 ununterbrochen dem diplomatischen Dienst an. Sr ist im Lause der Zeit an fast allen europäischen Höfen thätig gewesen. In Petersburg »ar er bereits 1872—1876 als Bot- schaftsrath, wurde dann Generalkonsul in Bu- karrst, nach drei Jahren Gesandter in Darm- stabt, 1882 im Haag, 1884 in Washington und im April 1888 in Brüssel. Diese letztere Stel- lung hat ber Gesanbte also über zwölf Jahre inne gehabt. 1890 erbte v. AlvenSleben von seinem Vater, den Srafentitel. Vermählt ist der nunmehrige Botschafter seit 1897 mit der »er« wittweten Frau Pauline von Winterfeld, geb. v. Rüder; die Ehe blieb kinderlos.

ft 5«i6mft«3e*-yr6e**e. Anläßlich be« zweihunbertjährigen Jubiläum« ber preußischen Königsmonarchie werben für vier Millionen Zwei­markstücke in besonders schöner An«stattung unb für eine halbe Million Fünfmarkstücke geprägt werden. Dieselben sollen al« Denkmünzen gelten und werden im Januar be« nächsten Jahres an ben preußischen Staatskassen zur Ausgabe ge­langen. _______________________

sächsischen Toleranzstückche», ben Bensberger Lazaristenzwischenfall unb ähnliche Vorkommnisse genügen!» unterrichtet ist; ob er ferner vom Inhalt der Paritätsbenkschrift ber preußischen Katholiken Kenntniß hat »sw. ES geht eine Sage i» Berliner wissenben Kreisen, baß bergleichen Dinge an ben Monarchen überhaupt nicht herankommen. Da« klingt nicht unwahrscheinlich.

Also ich wieberhole: Da« öffentliche Wohl verlangt e«, daß ber beutsche Kaiser mehr al« bisher über ba», was im Lanbe vorgeht, über ble Meinungen unb Wünsche ber verschiedenen Kreise seine» Volker unterrichtet wirb. Dabei barf bem Monarchen ba» Durchsehe» der Hauptblätter ber verschiebenen Parteien nicht erspart »erbe». Möge in günstige» Geschick es fügen, baß biefe Zeilen >em Kaiser unmittelbar ober durch Mittel«- »ersonen zu Gesicht kommen, bann wird ihr Zweck M H sicher — bald erreicht fein.

X Aus bem Ansgaöe-Ktat für de«Neich»- ag gewinnt man einen interessanten Einblick tu bas Getriebe deS beutschen Reichs-Parlamentes. S )ie Ausgaben sind für baS Jahr 1901 auf 756,420^6. estgefetzt, d. h. 57,170 A mehr als im Vorjahre. Während der letzten 5 Jahre ist der Reichstag durchschnittlich 207 Tage versammelt gewesen. DaS stenographische Bureau deS Reichstages be- teht aus einem Vorsteher und 8 Stenographen, dieser Bureau besteht seit dem Jahre 1871 zur öälfte au« Stenographen berStolze'schen und zur < ludern Hälfte au« Stenographen der Gabelsberger- chen Schule.

X Nräfident Krüger Kommt nicht «ach Aerki« — daß ist, wie schon gestern urz telegraphisch gemeldet wurde, da- Ender- gebniß der Verhandlungen, die zwischen Herrn krüger und den amtlichen Stellen in Berlin darüber eingeleitet worden waren. Möglicher­weise war Freiherr von Mirbach, der Oberfihofmeister der Kaiserin, zu dem Zwecke nach Köln gereift, um Herrn Krüger nahe zu ege», den Besuch in Berlin doch lieber zu unter­lassen. Nun athmet die amtliche Berliner Welt wieder freier. Daß ber Kaiser Herrn Krüger nicht empfangen wolle, ist bem Letztem persön­lich rnitgetheilt worben durch ben Deutschen Ge- anbten in Luxemburg, Herrn von Tschirschky und Bögenborff, der zu diesem Zwecke nach Köln gefahren war. Die Form, in der bem Präsidenten Krüger diese amtliche MU- theilung gemacht wurde, ist also wenigstens so höflich und schonend wie möglich. Herr von Tschirschky gehört zu dem enger vertraute» Kreise der Kaiser-. Die Thatsache, daß Herr Krüger der Residenzstadt Berlin keinen Besuch abstattet, bleibt nichts bestoweniger sehr bebauerlich. — Präsident Krüger bleibt in Köln bis zum nächsten Donnerstag und wird von dort nach Haag Weiterreisen. In Köln wird er gefeiert, wie das nur immer ohne die Theilnahme der amtlichen Welt möglich ist. I» der Erwiderung auf die Ansprache einer Bonner Studenten­abordnung hat Herr Krüger gesagt, er bleibe einige Tage in Köln, um fich von ben noraufgegangenen Anstrengungen zu erholen und neue Kräfte zu sammeln sür die Reise nach der holländischen Residenzstadt. Diese Frage wie Herr Krüger seinen Aufenthalt i» Köln kenn­zeichnete, vermeidet in sehr verständiger Weise jegliche Anzüglichkeit gegen Berlin. E« wirb versichert, Herr Krüger sehe sehr müde und ab­gespannt aus — wahrhaftig lein Wunder nach allem Boraufgegangenen!

X KSk«, 3. Dez. Krüger- Abreise ist auf MÜtwoch oder Donnerstag festgesetzt. Er begibt fich von hier aus nach dem Haag und von dort, wie |er zu seiner Umgebung äußerte, nach Petersburg. Krüger gab mehrfach der Hoff- »ung Ausdruck, daß di« Parlamente aller Staaten Sympathie-Kundgebungen für die Buren erlassen möchten. Damit würde daS Ziel seiner Wünsche : bezüglich Einsetzung eines Schiedsgerichts sicher erreicht werden. Ei» bewaffnetes Einschreiten , der Mächte möchte er keineswegs herbeiführen. . In der Umgebung Krüger« hat es sehr ver­stimmt, daß Kaiser Wilhelm den Präsidentm

mich nicht, so war eS Bemeck, ja, ja, er war eS, den ich seit meiner «inderzeit nicht mehr ge- sehen habe. O Vater — unb Du hast ihn fort- geschickt?"

„Ich habe ihn hinausgeworfen, daS gebührte ihm. Ober sollte ich einem, der mich in meinem eigenen Hause beschimpft, ber mich einen elende» Verleumder nennt, etwa nicht die Thür weisen?"

„Du wirst ihn gereizt haben, Vater!"

„Jetzt ist es genug unb übergenug, laß mich in Ruhe!" _ m

Tief auffenfzenb verließ Johannes das Ge­mach unb setzte fich brauße» auf bie Bank unter bem Nußbaum, trübe vor fich hinstarrenb.

Indessen verfolgte Berneck wankenben Schrittes seinen Weg, ber ihn abwechselnd zwischen wogen- ben Getreibefelbern unb saftiggrünen Wiesen hin- burchführte. Die Sonne schien heiß unb glühenb hernieber »om wolkenlos blauen Himmel, so bqß Berneck fich wieberholt ben in großen Tropfen von seiner Stirn perlenben Schweiß abtrocknete.

Helene stanb am Fenster ihres Zimmers unb als fie des Alten, ber heute so seltsam gebückt daherkam, ansichtig würbe, ba kräuselten sich die vollen, rochen Lippen zu einem spöttischen Lächeln. Sie nickte zufrieden vor fich hin und murmelte: „Aha, das wirkte; der ist sicher abgefahren; nun warte, stolze Kleine, wir wollen sehen, wer von uns zuletzt triumphirt."

Lori, die voll Ungeduld ben Vater erwartet hatte, lief ihm einige Schritte entgegen. Doch wie sestgebannt wurzelte ihr Fuß am Boden beim Anblick des Alten, ber gänzlich oeränbert aus­sah. Sein volles, rothes Gesicht, bas sonst immer ein freundliches Lächeln zeigte, trug einen finsteren, feindseligen Ausdruck, um ben Munb lag .ein

Bom „mangelhaft unterrichteten" Kaiser.

Die »Köln. Volksztg/ erhält aus ihrem Leserkreise von „einem aufmerksamen Beobachter der TageSereigniffe" folgenbe Zuschrift:

Durch die Aeußerung deS Abgeordneten Frhr». ». Wangenheim vom „falsch .unterrichteten Kaiser" in der ReichStagssitzung vom 22. Nov. 1900 ist vor- der breiten Oeffentlichkeit eine Frage aufgerollt worden, die in engeren Kreisen viel besprochen worden ist und besprochen wirb, nämlich bie Frage: Auf welche Art er­fährt der deutsche Kaiser die öffentliche Meinung unb zwar nicht nur im Allgemeine», sondern die Ansichten der verschiedene» politischen Richtunge» der Bevölkerung?

Ich habe mir einen Ausschnitt aus der .Franks. Ztg/ vorn 8. Mai 1890 aufgehoben, in welchem es heißt: „Von der ,Köln. Volksztg/ ist uns bekannt, daß sie öfter- dem Kaiser in Ausschnitten vorgelegt wirb." Diese Mittheilung ist bamalS in den Zeitungen unwidersprochen geblieben. „Oesters in Ausschnitten vor­gelegt!" — soll daS etwa beißen: Die Vor­lage erfolgt nur dann, wenn die Umgebung deS Monarchen ein Jntereffe daran hat, eine be­stimmte Aeußerung zur Kenntniß deS Kaisers zu bringen? Dann dürfte es so auch mit allen anderen Zeitungen gehen, welche dem Kaiser „öfter- in Ausschnitten" vorgelegt werden, ueber die genaue Art uns Weise, wie dies ge­schieht, ist nie etwas bekannt geworden. Soviel aber kann ich ans de» im Laufe der Zeit über- einstimmend erfolgten Mitthellungen der Preß­organe verschiedener Richtung als sicher annehme», daß im Civilkabinett des Kaiser durch besondere Angestellte ei» Auszug a»S den verschiedenen Preßstimme» für de» Kaiser besonder- ange« fertigt wird. In Berlin wurde mir feiner Zeit von einer Seite, die eS wissen konnte, mitge« theilt, daß diese Ausschnitte dem Monarchen auf große Kartonblätter aufgeklebt, täglich unter­breitet werden. Also eine Auswahl, welche die Umgebung des Kaiser« zurecht macht!

Falls in der That Se. Majestät nur in dieser Form, ohne direkte Einsicht der großen Blätter, von der TageSpreffe Kenntniß nimmt, so ist da« gewiß kein wünschenSwerther Zustand. Besonder- nicht für einen Monarchen von solcher Selbständigkeitu. ausgeprägte»Eigen­art, wie Kaiser Wilhelm fi. Der Kaiser wirb auf diese Art Über die öffentliche Meinung durchaus ungenügend, vielleicht immer einseitig — wer weiß eS? — unterrichtet. Ei« Monarch, der sei« „eigener Kanzler" sein will, dürste nicht in dieser Weise durch Beamte seiner Umgebung beeinflußt werden. Man lege Er. Majestät nicht zurechtgemachte AuSschnttte, sondern die be­treffenden Zeitungen selbst vor, und zwar min­destens ei», wenn nicht zwei Organe jeder Partei. Gewiß können einzelne Stellen in ben Blätter» besonder- bezeichnet werden, damU Se. Majestät nichts Wichtige- übersieht; im übrigen muß dem Monarchen überlasse» bleiben,; zu lesen, wa- er für gut hält.

folgt; um fein Kind glücklich zu machen, war er hierher gegangen, unb nun — nun schob man feinem Thun eine solche Absicht unter.

„Meinetwegen glaube, waS Du willst; aber nenne mir de» Namen dessen, her eine so ab­scheuliche Handlung ersinnen koMte."

„Ich habe einen Brief erhaltW worin Alle- ganz genau beschrieben ist, und ich habe keinen Grund, an der Wahrheit dieser Mittheilungen zu zweifeln."

„So laß ihn mir lesen!"

„Ich muß daS entschiede» Verweigern."

„Gib mir be« Brief — ober---"

„Ober!" wiederholte Lindemann mit blitzen- ben Augen, sich stramm aufrichtenb, während seine Hand sich zur Faust ballte.

„Ober ich muß annehmen, baß Du — Du selbst — ein elenber, erbärmlicher Lügner unb Schuft bist, ein ganz gemeiner Wicht, ber bas Alles nur ersonnen hat, um mich zu demüthigen," schrie Berneck, nicht mehr Herr seiner Sinne. Er rang nach Lust, bie Stimme versagte ihm, seine Augen waren roth unterlaufe».

„Hinaus, Schurke!" donnerte jetzt Lindemann in höchster Wuth, „wenn Sie nicht augenblicklich mein Hau- verlassen, bann — bann — werfe ich Sie hinaus, daß Sie das Wieberkommen ver­gessen!"

Berneck wollte noch ewaS erwibern, doch ber andere zeigte gebieterisch nach ber Thür unb machte wirklich Miene, hanbgreiflich zu werben.

„Diesen Schimpf sollst Du mir büßen!" schrie Bemeck außer sich. Er öffnete bie Thür, vor ber eine Schaar Knechte unb Mägbe, die der Lärm angelockt haben mochte, mit neugierigen Gesichtem stauben; halb belustigt, halb bestürzt.