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ja 277.Iuröa, Montag, de» 3. Dezember 1S00. 27. JahrgM^
Die Reform der höheren Schulen.
Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht folgende Nabinetsordre des Kaisers: Auf den Bericht vom 20. November dieses Jahres erkläre ich mich damit einverstanden, daß die von mir im Jahre 1892 eingeleitete Reform der höheren Schulen nach folgenden Gesichtspunkte» weiter« geführt wird:
1) Bezüglich der Berechtigungen ist davon auSzugehen, daß das Gymnasium, daS Realgymnasium und die Ober-Realschule in der Erziehung zur allgemeinen SeisteSbildung als gteichwertHig anzusehen sind und nur insofern eine Ergänzung erforderlich bleibt, als es für manche Studien und Berufszweige noch besonderer Vorkenntniffe bedarf, deren Vermittelung nicht oder doch nicht in demselben Umfange zu den Aufgaben jener Anstalt gehört. Dement- Iprechend ist auf die Ausdehnung der Berechtigungen der realistischen Anstalten Bedacht zu nehmen. Damit ist zugleich der beste Weg gewiesen, das Ansehen und den Besuch dieser Anstalten zu fördern und so auf die größere Verallgemeinerung des realistische» Wiffens hinzuwirken.
2) Durch die grundsätzliche Anerkennung der Gleichwerthigkeit der drei höheren Lehranstalten wird die Möglichkeit geboten, die Eigenart einer jeden kräftiger zu betonen. Mit Rücksicht hierauf will ich nichts dagegen erinnern, daß im Lehr- Plan der Gymnasien und Realaymnasieu das Lateinische eine entsprechende Verstärkung erfährt. Besonderen Werth aber lege ich darauf, daß bei der großen Bedeutung, welche die Kennt- niß des Englischen gewonnen hat, diese Sprache auf den Gymmasien eingehender berücksichtigt wird. Deshalb ist überall neben dem Griechischen englischer Grsatzunterricht bis Unter- Sekunda zu gestatten und außerdem in den drei oberen Klaffe» der Gymnafie», wo die örtlichen Verhältniffe dafür sprechen, daS Englische an Stelle des Französischen unter Beibehaltung des letzteren obligatorisch zu machen. Auch erscheint es mir angezeigt, daß im Lehrplan der Ober- Realschulen, welcher nach der Stundenzahl noch Raum dazu bietet, die Erdkunde eine aus- giebigere Fürsorge findet.
3) In dem Unterrichtsbetriebe find seit 1892 auf verschiedenen Gebieten unverkennbare Fort- schritte gemacht. Es muß aber noch mehr ge- schehen, namentlich werden die Direktoren eingedenk der Mahnung: »Muitum, non multa* in verstärktem Maße darauf zu achten haben, daß nicht für alle Unterrichtsfächer gleich hoheArbeitSforderungen gestellt, sondern die wichtigsten unter ihnen nach der Eigenart der verschiedenen Anstalten in den Vordergrund gerückt und vertieft werden.
Für den griechischen Unterricht ist ent- scheidendes Gewicht auf die Beseitigung unnützer Formalien zu legetT und vornehmlich im Auge zu behalten, daß neben der ästhetischen Auffaffung auch die den Zusammenhang zwischen der antiken Welt und der modernen Kultur aufweisende Betrachtung zu ihrem Rechte kommt.
Die Meine Lori.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
K2 ------ (Nachdruck verboten.)
Einen Augenblick wollte es ihn wie Rührung übermannen beim Anblick der wohlbekannten, alten, braune» Möbel. Auf der glänzend polirten, dickbäuchigen Kommode mit den Mesfingbeschlägen lag nicht daS kleinste Stäub- chen, das steiflehnige Eopha, der große Kachelofen, die alte Schwarzwälderuhr, die Geranienstöcke vor den runden bleigefaßten Scheiben, alles, aller wie damals, in jener schönen, fernen Zeit -
Be» BerneckS Eintritt erhob sich eine hagere Männergestalt vom Sopha, und blieb i» strammer Haltung, die Hand leicht auf den Tisch gestützt, stehen, ohne dem Ankömmling einen Schritt entgegenzugehen. Mit leisem Neigen des Kopfes erwiderte er den Gruß des Eintretenden, auf dem bleichen Gesicht in den grauen, kaltblickenden Augen war auch nicht eine Spur von Urber- raschung oder Befremdung zu sehen über den Besuch deS ehemaligen Freundes, es sah fast aus, als wäre er schon davon unterrichtet gewesen.
Lindemann wartete offenbar auf die Anrede Bernecks, die diesem ungemein schwer zu werden schien. Die beiden Männer standen sich eine Weile wortlos gegenüber. Jeder hoffte, der Andere werde zuerst das Wort ergreifen; die Situation begann recht peinlich zu werden. Berneck fühlte sich etwas verwirn unter den durchdringenden Blicken des ihm gegenüberstehen-
Bei den neueren Sprachen ist mit besonderem Nachdruck Gewandtheit im Sprechen und sicheres Verständniß der gangbaren Schriftsteller anzustreben.
Im Geschichtsunterricht machen sich noch immer zwei Lücken fühlbar: die Vernachlässigung wichtiger Abschnitte der alten Geschichte und die zu wenig eingehende Behandung der deutschen Geschichte deS 19. Jahrhunderts mit ihren erhebenden Erinnerungen und großen Errungenschaften für das Vaterland.
Für die Erdkunde bleibt sowohl auf den Gymnasien wie auf den Realgymnasien zu wünschen, daß der Unterricht in die Hand von Fachlehrern gelegt wird.
Im naturwissenschaftlichen Unterricht haben die Anschauung und düs Experiment einen größeren Raum einzunehmen und häufigere Exkursionen den Unterricht zu beleben; bei Physik und Chemie ist die angewandte und technische Seite nicht zu vernachlässigen.
Für den Zeichenunterricht, bei dem übrigens auch die Befähigung, das Angeschaute in rascher Skizze darzustellen, Berücksichtigung verdient, ist bei den Gymnasien dahin zu wirken, namentlich diejenigen Schüler, welche sich der Technik, den Naturwissenschaften, der Mathematik oder der Medizin zu widmen gedenken, vom fakultativen Zeichenunterricht fleißig Gebrauch machen.
Außer den körperlichen Uebungen, die in ausgiebigerer Weise zu betreiben find, hat auch die Anordnung des Stundenplans mehr der Gesundheit Rechnung zu tragen, insbesondere durch angemessene Lage und wesentliche Verstärkung der bisher zu kurz bemessenen Pausen.
4) Da die Abschlußprüfung den bei ihrer Einführung gehegten Erwartungen nicht entsprochen und namentlich dem übermäßigen Andrange zum Unioersttätsstudium eher Vorschub geleistet, als Einhalt gethan hat, so ist dieselbe baldigst zu beseitigen.
5) Die Einrichtung von Schulen nach den Altenaer und Frankfurter Lehrplänen hat stch für die Orte, wo sie besteht, nach den bisherigen Erfahrungen im Ganzen bewährt. Durch den die Realschulen mitumfäffenden gemeinsamen Unterbau bietet sie zugleich einen nicht zu unterschätzenden sozialen Vortheil. Ich wünsche daher, daß der Versuch nicht nur in zweckentsprechender Weise fortgeführt, sondern auch, wo die Voraussetzungen zutreffen, auf breiterer Grundlage erprobt wird.
Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß die hiernach zu treffenden Maßnahmen, für deren Durchführung ich auf die allezeit bewährte Pflicht- treue und verständnißvolle Hingebung der Lehrerschaft rechne, unseren höheren Schulen zum Segen gereichen und an ihrem Theile dazu beitragen werden, die Gegensätze zwischen den Vertretern der humanistischen und realistischen Richtung zu mildern und einem versöhnenden Ausgleiche entgegen zu führen.
Gegeben Kiel, den 26. November 1900. An Bord M. S. „Kaiser Wilhelm II."
Mtthekm B.
Studt.
An den Minister der geistlichen rc Angelegenheiten.
den einstigen Freundes, der sich mit der schlanken Hand durch daS leicht ergraute Haar strich. Berneck hatte das Gefühl, als würge ihm etwas an der Kehle; endlich begann er:
„Wir haben uns lange nicht gesehen, Egon, und ich hätte mir nicht träumen loffen, daß ich jemals wieder den Fuß über Deine Schwelle setzen würde."
Da er keine Antwort erhielt, fuhr er fort: „Es überrascht Dich, nicht wahr, daß ich hier stehe?"
Der Andere schüttelte mit spöttischem Lächeln den Kopf.
„Keineswegs."
„Nicht? So wußtest Du wohl von Deinem Sohne, — daß ich kommen würde?"
„Nein"--
„Aber ich verstehe nicht"---
„Sie werden verstehen lernen, wen« ich Ihnen sage, daß ich über Ihre Verhältniffe" — er legte einen scharfen Nachdruck auf das letzte Wort, — ganz genau unterrichtet bin, und Sie sich deshalb jede weitere Mühe sparen können!"
Berneck begriff nicht, was der Andere meinte, er trat einen Schritt näher heran und sagte in bittendem Ton: „Laß das ftembe „Sie", Egon. Ich komme in versöhnlicher Absicht" —
„Die ich aber ganz genau durchschaue," unterbrach ihn Lindemann höhnisch.
Doch Brrneck beachtete den Einwurf gar nicht.
„Laß da« Vergangene vergesien sein, Egon. Die Herzen unserer Kinder haben sich ohne unser Zuthun gefunden, wir wollen ihrem Glück nicht im Wege stehen, und ich bin gekommen, die alte Freundschaft zwischen uns wieder herzustellen; ich
Derrtsches Keich.
Berlin, den 1. Dezemberr.
+ Die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' schreibt in ihrerSamStagnummer: Der Reichskanzler Graf von Bülow empfing heute die Herren von Arnim, Graf Schwerin-Löwitz und Freiherr von Soden, welche als Vertreter des Kuratoriums der Zentralstelle der preußischen Land- wirthsch aftskammern und des Vorstandes deS deutschen Landwirthschaftsrathes eine Denkschrift in Bezug auf das Börsengesetz und auf die künftige Gestaltung deS Z o l l t a r i f e s überreichte. In seiner Erwiderung auf die mündliche Erläuterung der Herren Vertreter bemerkte der Reichskanzler, daß zu erwägen fein werde, ob nicht zunächst die Wirkungen des Börsengesetzes »och länger zu beobachten seien, ehe über eine etwaige Abänderung solche Entschließungen gefaßt werden, liebet die künftige Gestaltung des Zolltarifes sei er zur Zeit noch außer Stande, bindende Erklärungen abzugeben, da der Entwurf der Beschlußfaffung der verbündeten Regierungen noch nicht Vorgelegen habe und er einer solchen nicht präjudiziren könne. Wohl aber könne er die Zusicherung geben, daß den berechtigten Wünschen der Landwirthschaft werde Rechnung getragen werden, soweit dies irgend mitdewwirthschaftlichen Gesammt- Interessen vereinbar sei. Auch werde die Fertigstellung des Entwurfes zum neuen Zolltarif und seine Vorlegung an die gesetzgebenden Körperschaften thun- lichst beschleunigt werden.
* Der in Ostasien an Rauchvergiftung verstorbene Oberst Graf Hork von War1e«S«rg war der rangälteste Offizier im Generalstab des Grafen Waldersee, hinter ihm folgte der Major Freiherr von Marschall. — Wie die .Kreuzztg.' meldet, hat sich Graf York von Wartenburg durch seine bedeutenden Werke: „Napoleon als Ferd- herr", besonders aber durch seine „Weltgeschichte in Umrissen", als Historiker erste» Ranges erwiesen. Das letzte Werk hat der Graf anonym herausgegeben und wollte erst bei Gelegenheit einer neuen Auflage sich als Verfasser dieser hervorragenden Arbeit bekannt geben. Die schmerzliche Kunde von dem Tode ihres Gatten hat Gräfin York durch den Großen Generalstab erhalten. Im Auftrage des Chef des Großen Generalstabes übersandte ihr Major von der Goltz in einem herzlichen Beileidsschreiben die Abschrift der Depesche des Generalfeldmarschalls Grafen Waldersee.
h Kerr ASg. Dr. Schönkauk, der Verleger der sozialdemokratischen .Leipziger Volkszeitung', hat für sein Verhalten gegenüber seinen Setzern einen Parteirüffel erhalten, aber einen recht sanften nach der altbekannten Melodie: wasch' mir den Pelz, aber wach' ihn mir nicht naß. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion bat nämlich in dem Berliner Centralorgan eine Erklärung veröffentlicht, in der der von Herrn Schönlank aufgestellte Grundsatz gemißbilligt wird, daß „bei Entlassung von Arbeitern die Frage maßgebend sein solle, ob die Betreffenden an der agitatorischen Thätigkeit für die sozialdemokratische
liebe mein einziges Kind zu sehr, als daß ich um unseres Streites willen es leiden sehen möchte, und darum, schlag' ein, Egon, ich bin eine gerade, schlichte Natur und verstehe nicht, viele Worte zu machen, Du weißt es."
Er streckte dem Freunde die dicken Hände entgegen, aus seinen Augen leuchtete es wie Rührung, ein feuchter Schimmer lag darin. Das hätte wohl jeden Anderen erweicht, nur Lindemann stand stumm und trotzig auf derselben Stelle; keine Miene seines Gesichtes verzog sich, er blieb kalt und gleichgiltig.
„Das ist sehr gut ausgedacht," begann Lindemann endlich.
Mehr al» die Worte selbst verletzte der Ton, der offenbar seine Wirkung auch nicht verfehlte; denn die Zornadern auf Berneck's Stirn schwollen bedenklich an, aber noch wahrte er seine Ruhe.
„Stehe nicht so finster und unnahbar hier," bat Berneck wieder. „Wir find Beide nicht mehr jung und wollen uns die paar Jahre, die wir noch zu leben haben, nicht durch Feindschaft verbittern und obendrein die Kinder unglücklich machen.
„Ha, ha, ha," spottete der Andere, „wie schön Sie die Worte zu wählen roiffen; sie steht Ihnen vorzüglich, diese heuchlerische Miene, die Sie sich da einstudirt haben. Aber ich sage Ihnen, mich fangen Sie nicht damit; ich kenne den Grund nur zu gut, der Ihr Handeln veranlaßt."
„Egon, Du willst mich offenbar mit Absicht beleidigen; ich bin gekommen, Dich zu bitten, die Kinder glücklich zu machen, einen anderen Grund hatte ich nicht."
„So," fuhr Lindemann wild und leidenschaftlich auf, „Sie sind nicht gekommen, weil es um
Partei sich beteiligen oder nicht". Aber damt wird die Erklärung sehr sanft; sie spricht in der höflichsten Form „die Hoffnung aus, daß die Leipziger Parteigenossen alles ausbieten werden um den gemachten Mißgriff auszugleichen und die daraus entsprungenen Differenzen zu beseitigen . . ." Und wenn nun diese „Hoffnung* zu denen gehören sollte, die trügen? Dem Buchdrucker-Verband, obwohl dieser doch also nach der Anschauung deS Parteivorstandes recht hat, wird dagegen ganz derb gesagt, er solle „eine KampfeSweise einstellen, welche die herrschende Verbitterung nur verschärfen muß". DaS ist eine ganz und gar undemokratische Liebedienerei gegen den Herrn Obergenoffen Schönlank und eine unmittelbare Ungerechtigkeit gegen den Buchdruckerverband, im Ganzen genommen, wieder einmal ein prächtiger Hinweis darauf, wie ganz merkwürdig „gerecht" es im sozialdemokratischen Zukunftsstaate zugehen würde.
X Kervesltzak, 2. Dezbr. Beim Eintreffen der Zuges mit dem Präsidenten Krüger wurde dieser von einer ungeheuren Menschenmenge am Bahnhofe mit nicht enden wollende« Hurrahrufen empfangen. Eine Herr hielt eine kurze Ansprache, in der er sagte- Wir begrüße» Dich, Du edler Held, der so viel gelitten hat, auf deutschem Boden. Krüger zeigte sich während seines mehrstündigen Aufenthalts fortwährend am Fenster seines Salonwagens und dankte gerührt durch Schwenken des HuteS. Kurz vor der Abfahrt des Zuges dantte Dr. Leyds für be» herzlichen Empfang, welchen der Präsident bei« Betreten deutschen Bodens gefunden habe. Sodann setzte sich der Zug unter brausenden Hurrahrufen in Bewegung. — Präsident Krüger sandte sofort nach Eintreffen des Zuges auf deutschem Gebiete ein längeres Telegramma» Kaiser Wilhelm,in dem er ihm seine Ankunft auf deutschem Boden mitthellte und ihm feine ehrfurchtoollsten Grüße sandte. Dr. LeydS hat eine große Anzahl von Depeschen an den Reichskanzler und die Fürsten der deutschen Bundesstaate» gesandt.
X Kot«, 2. Dez. Unter dem Andrange einer nach viele» Tausenden von Persone» zählenden Menschenmenge traf gestern Abend 10 Uhr 40 Mi». Präsident Krüger hier ein. Der Nord-Sxpreßzug hatte mehr als eine halbe Stunde Verspätung. Das Publikum hatte sich so zahlreich auf dem Bahnhofe eingefunden, daß es dem Präsidenten Krüger zunächst unmöglich war, den Zug zu verlasse». Als dieser endlich erreicht wurde, brach ein unbeschreiblicher Jubel los und das Hochrufe» wollte kein Ende nehmen. Der Sturm der Begeisterung pflanzte stch auf dem Wege nach dem Dom-Hotel fort, wo der Präsident Wohnung nahm. DaS Aufgebot von Polizeibeamten war so gering, daß dieses gegen die Menschenmenge nichts aus- zurichten vermochte. Die vor dem Hotel sich befindlichen, mit einem starken Gitter umgebenen Anlagen wurden zertreten und daS Gitter umge« warfen. Als die Menschenmenge nicht nachließ und das Lied „Deutschland, Deutschland über Alles" anstimmte, erschien Krüger auf dem Balkon und zeigte sich der Menge, die erneut in Hochrufe
Haus und Hof bei Ihnen gar schlimm steht? Weil alle» mit Hypotheken und Schulden überlastet ist? Weil Sie sich vor Ihren Gläubigem nicht mehr zu retten wußten und nun begehrlich nach einer reichen Heirath für Ihre Tochter au«» blicken, in der Sie die einzige Rettung sehen? Da ist Ihnen mein Gimpel von Sohn gerade recht ins Netz geflogen. Ha, das glaube ich wohl, daß Ihnen das paffen möchte, mit meinem (Selbe Ihre Schulden zu bezahlen, aber ich sage Ihnen, Sie haben sich verrechnet, mein Herr, ich halte die Augen offen und werde meinem dummen Junge» den Kopf schon zurechtsetzen, und Sie, — gehen Sie und suchen Sie sich einen anderen Schwiegersohn. Sie scheinen zu dieser Arbeit wie geschaffen zu fein, wahrlich, besser wie Sie kann man feine Sache nicht machen."
Berneck stand da wie vom Donner gerührt; er versuchte mehrmals, den Eifernden zu unterbrechen, doch die Stimme versagte ihm den Dienst, ihm schwindelte, — er tastete nach einer Stütze und ergriff die nächste Stuhllehne, um sich daran festzuhalten. Seine sonst so rothen Wangen waren fahl geworden, er begriff nicht, wie solches Gerücht entstehen konnte, und erst, als Lindemann tiefaufathmend schwieg, da wurde es ihm klar, daß er reden mußte, um den unseligen Jrrthum — etwas anderes konnte es doch gar nicht sein, — aufzuklären. Er suchte vergebens, seiner Erregung Herr zu werden, der Stimme Festigkeit zu geben.
„Wer Dir das alles auch gesagt haben mag, er hat gelogen, schändlich gelogen: ich versichere Dir, es ist kein wahres Wort an der ganze» Sache, und ich verlange von Dir, daß Du mir den Namen jener Elenden nennst!"
(Fortsetzung folgt)