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Jtt 276,

JuLöcr, Samstag, den 1. Dezember 1900.

27. Jahrgang.

[] Die Lage in Südafrika wird in eigenthümlich bedrohlicher Weise durch eine Meldung des Londoner Reuter'schen Tele­graphen - Bureaus geschildert. Danach soll eine lebhafte, gegen die Engländer gerichtete Propa­ganda überall Unruhe bervorrufen.....In

wichtigen holländischen Centren in der Kap-Kolonie herrscht bereits offener Aufruhr, und unter den vereinzelte« Loy allsten wächst die Beunruhi­gung ....." So zu lesen in der Reuter-

Meldung. Das Reuter-Bureau arbeitet im Dienste der englischen Regierung etwa ebenso, wie das Berliner Wolff-Bureau im Dienste der Berliner Regierung; deswegen ist diese Reuter - Meldung sehr auffällig und gleichzeitig auch verdächtig. Man kommt nämlich auf den Verdacht, daß in Eng­land darauf hingearbeitet werde, die Zustände im Kaplande als bedrohlich hinzustellen, um daraus dann das scheinbare Recht zu rohen Maßnahmen gegen das holländische Element im Kaplande her­zuleiten ; denn es ist ganz und gar nicht anzu­nehmen, daß das genannte Londoner Telegraphen- Bureau solche Meldungen versende, die der briti­schen Regierung unangenehm sein könnten.

In der Presse erscheint eine Meldung über den Inhalt der Unterredung zwischen dem Prä­sidenten Krüger und Herrn Delcassö, dem französischen Minister des Auswärtigen. Es ist nicht anzunehmen, daß einer der beiden Herren den Inhalt dieser vertraulich gehaltenen Unter­redung so ohne weiteres der Öffentlichkeit preis­gibt. Aber wenn berichtet wird, Delcafsö habe dabei den Standpunkt vertreten, daß Frankreich in der Burensache nicht mit einem diplomatische« Angriffe vorangehen, wohl aber sich gern anschließen werde, wenn eine andere Macht daS thun wolle, so kann das schon richtig sein. Genau dasselbe hat nämlich derselbe Herr Delcassö bereits vor -irrem halben Jahre in öffentlicher Parlamentsfitzung zu Paris aus­gesprochen.

Wichtiger ist die Nachricht, daß Herr Del- cass« demnächst der französischenDeputirten- kammer neue Aufklärungen über die Lage der Dinge in Südafrika geben wolle. Die Berechtigung dazu soll auf die Weise hergestellt werden, daß Herr Delcaffö von der Wahrung französischer Interessen in Südafrika ausgehen wird. Solche Interessen sind in großem Umfange unleugbar vorhanden, und wenn darüber im französischen Parlament gesprochen wird, kann England nichts dagegen einwenden und kann daS nicht als eine Einmischung in englische An- aelegenheiten betrachten. Nach wie vor erhält sich',die Meldung, Holland werde nochmals an England mit dem Anerbieten herantreten, zwischen England und den Buren zu vermitteln. Wenn überhaupt ein solcher diplomatischer Vorstoß nochmals versucht werden soll, dann ist jedenfalls die Regierung der Niederlande am allermeisten berufen dazu.

willig die Unabhängkeit der Burenländer anerkennen sollten. Der Tag wird leider nicht mehr fern sein, an dem die letzten Hoffnungen der Buren in» Grab sinken!

Centrumsabgeordneten Groeber, Dr. Lieber und Dr. Pichler eingebrachter Antrag,der sich gegen die unreellen Geschästskmffe wendet, die bei Ausverkäufen, Abzahlungsgeschäften und bei dem sogenannten Gut­schein- oder Hydra-System so häufig ihre Anwendung ftttbe«. Außerdem richtet sich dieser Antrag auch gegen die Waarenhäuser der Beamten und Offizier­vereine, die dem kleineren Geschäftsmanne bekanntlich vielen Abbruch thun.

Ein trefflicher Gnadenakt ist nicht zu ver­gessen, den der Kaiser gegen den Berliner Pwsessor Dr. Hans Delbrück ausgeübt hat. Dieser war auf dem Disziplinarwege vor Jahresfrist zu einem Verweise und zu einer namhaften Geld­strafe verurtheilt worden, weil er in seinen „Preußi­schen Jahrbüchern" eine scharfe „Verurtheilung des sogenannten Zuchthausgesetzes und der Dänenaus­weisungen aus Schleswig brachte. Ohne daß Delbrück sich darum beworben hätte, ist die Strafe au: dem Gnadenwege vom Kaiser aufgehoben worden.

Der König von Schweden ist von seiner Krankheit noch nicht genesen. Es heißt, er habe einen Anfall von Gehirnschlag gehabt. Vorläufig kann er noch gar nicht geistig thätig fein, so daß die für ihn eingesetzte Regentschaft voraussichtlich noch längere Zeit wird amtiren muffen.

Ueber das Befinden des Zaren, der, am Unterleibstyphus schwer erkrankt in seinem Schlosse in der Krim darniederliegt, sind während der letzten Tage ziemlich günstige Berichte eingelaufen. Leider kann man sich auf Berichte aus Rußland immer recht wenig verlassen.

Den Deutschen geht es in Rußland nicht gut. In Südrußland gibt es seit den Tagen der Kaiserin Katharina der Großen eine Reihe deutscher Bauernniederlassungen. Die Deutschen waren von Katharina in das Land gerufen worden, daß sie bei ihrer deutschen Sprache und ihren deutschen Sitten bleiben könnten. Jetzt wird es mit dem Deutschthum dieser Leute bald zu Ende sein: ihre Schulen sollen russisch gemacht werden ohne Rücksicht auf die ihnen gegebenen Ver­sprechen.

In Sibirien möchte man gern Schwur­gerichte einführen; aber man findet nicht ge- nug Personen, die Geschworene sein könnten, da man nicht gern nur „Herren" in die Gerichte berufen möchte und auch nicht kann, ohne beim kleinen Manne das stärkste Mißtrauen zu erwecken. Somit ist es sehr fraglich, ob diese gut gemeinte Absicht in abseh­barer Zeit sich durchführen lassen wird.

DieWahlbewegung in Oesterreich läßt je länger, desto mehr Gegensätze innerhalb der slawischen Parteien selbst erkennen. Namentlich sind es wieder die Jungtschechen, bei denen die Geister stets von neuem auseinanderplatzen: agrarische und entgegengesetzte Interessen bekämpfen einander heftig; und nicht viel anders ist es bei den Slowenen, wo auch die verschiedenen Richtungen in Stadt und Land gegensätzlich einander gegenüberstehen. Der Deutsche kann im eigenen Interesse nur wünschen, daß die Herren nicht so bald wieder Frieden miteinander schließen.

Römische Briefe. LI.

□ Rom, 25. November 1900.

Dar italienische Parlament hat feine Ar­beiten wieder aufgenommen. Bis heute geht es ziemlich ruhig zu. Das wird aber bald anders werden; die südlichen parlamentarischen Gemüther werden sich nord früh genug erhitzen. Die ein« sige politische Neuigkeit lieferte uns die Rede des Deputirten und ehemaligen Unterrichts­ministers Guido Baccelli, welche er auf einem ihm von seinen Freunden und angesehensten Wählern veranstalteten Bankett hielt. Der In- halt dieser Rede ist eigentlich nur dadurch inte­ressant, daß sie durch Baccelli gehalten wurde, welcher bekanntlich und anerkanntermaßen unser hervorragendster Arzt und Kliniker ist. Seinen Ausführungen nach zu urtheilen wird aber seine Heilkunst am kranken italienischen StaatSkörper diesmal versagen. Besonders eingehend besprach er „seine" Schulreformen, die selbstverständlich denen seines gegenwärtigen Amtsnachfolgers ge­rade entgegengesetzt sind.

König Viktor Emanuel fährt in seinen Mocgen-Jnspizirungen der öffentlichen Institute ort. Jeden Morgen um 8 Uhr sieht man ihn, umgeben von seiner berittenen Kürassiereskorte, den Quirinal verlassen, um irgend eine Kaserne, ein Hospital oder eine Bibliothek zu besuchen. Auch dem Forum Romanum und de« neuesten Ausgrabungen auf demselben galt vor einige« Tagen eine solche königliche Visite, welche übrigens immer unangemeldet vorgenommen wird. Nur eine halbe Stunde vorher wird der be- reffende Ressortminister davon telephonisch in Keuntniß gesetzt.

deutschen Industriellen auf Veranlassung des Geheim­raths von Woedtke, Direktor im Reichsamte des Innern, zur Presse-Agitation für das verflossene Zucht­hausgesetz hergegeben hatte. Der Mißgriff war da und nicht zu leugnen und auf jeden Fall durchaus zu tadeln. Das erkannte Reichskanzler Gra Bülow auch vollkommen an, indem er sagte: „Ich erachte das für die Verbreitung amtlicher Drucksachen gewählet Mittel als einen Mißgriff, und ich habe die beteiligten Ressorts über meine Willensmeinung nicht im Zweifel gelassen", aber und darin stimmte die weitaus größte Mehrheit des Reichstages mit dem Kanzler überein: "Die Art, wie der ganze Vorfall in die Oeffentlichkeit gekommen ist, zeigt mir, daß nicht etwa löblicher Eifer für das allgemeine Wohl die Triebfeder war; es spielten vielmehr Gehässigkeiten gegen bestimmte Personen und bestimmte wirthschaftliche Richtungen die Hauptrolle dabei. Solche Treibereien aber prallen bei mir ab, und deshalb werde ich weitere Maßregeln nicht treffen." Der Redner des Centrums, Abg. Dr. Lieber, setzte nachher mit scharfer Betonung hinzu, der Kanzler dürfe sich nicht zum Henkersknechte von Jntriguanten machen. Der ganze Verlauf der In- lerpellation und ihrer Besprechung war eine Nieder­lage der Sozialdemokratie.

Einen vollen Sieg erfocht dagegen Abg. Gra; Oriola mit seiner Interpellation, wann denn nun endlich die Revision der Militärpensionsge- setze vorgenommen werden würde. Alle Redner,von der äußersten Rechten bis zur Sozialdemokratie, waren einstimmig der Ansicht, daß diese Ehrenschuld des Reiches sofort eingelöst werden müßte, und müßten auch besondere neue Geldquellen dafür er­schlossen werden.

Nach den Interpellationen wurde die erste Lesung aus der voraufgegangenen Tagung herüber­genommenen S e emanns-Ordnung erledigt und diese Vorlage einer besonderen Kommission zur Vor- berathung überwiesen.

Falsche Berichte werden dem Kaiser vor­gelegt, so klagte der konservative Abg. von Wangen- Heim im Reichstage. Wer das thut ober thun soll, hat der Redner verschwiegen. Augenscheinlich sind höfische Einflüsse gemeint, man soll den Kaiser ge­flissentlich täuschen über den Ursprung gewisser Zeitungskundgebungen, die ihm vorgelegt worden sind. Hoffentlich thut die Warnung auch so ihre SBitfung — eine kurze Zeit. Ueber die „Hof- carnanlla" klagte ehedem Fürst Bismarck schon als Reichskanzler.

Das Cent rum hat im Reichstage zwei An­träge «„gebracht, die im Vordergründe allen politischen Interesses stehen. Der eine Antrag will gleichmäßig im ganzen Reiche Religionsfreiheit und religiöse Duldung eingeführt haben durch ein Reichsgesetz, das vom Centrum in vollständig fertiger Form ausgear­beitet worden ist. Diese Religionsfreiheit ist durch­aus noch nicht überall vorhanden; das beweisen die Vorgänge der jüngsten Zeit in Sachsen, Braunschweig und Mecklenburg. Es ist auch keine Hoffnung darauf vorhanden, daß diese Einzelstaaten Abhilfe schaffen unb ber katholischen Kirche ihr Recht zu Theil werden lassen; deswegen muß die Regelung von Reichswegen erfolgen. Auch liberale, sonst nichts weniger als kirchenfreundliche Blätter müssen zu­gestehen, daß der Centrumsuntrag seine Berechtigung hat; es ist keine Ehre für die Zustände in unserem $eutf4en Reiche, daß es überhaupt möglich ist, die to»He Religionsfreiheit erst noch besonders verlangen iu muffen. Sie sollte längst in allen deutschen Bundesstaaten m vollem Umfange gewährleistet sein.

Der andere Centrumsantrag, von dem wir hier sprechen, hat die Einsetzung eines Staatsgerichts. h°fes im Auge, der entscheiden soll über Streitig« feiten zwischen dem Reiche und Bundesstaaten und Bundesstaaten untereinander, bei strittigen Erbfolge» fragen unb in Fällen, wo bie Rechtsprechung in einem ®unDe8ftaate etwa einem Reichsgesetze widerspricht. Die Einsetzung eines solchen Gerichtshofes ist ebenfalls unleugbares Bedürfniß. Aber hierfür hat das Zentrum leinen fertigen Gesetzentwurf vorgeschlagen. Die ver­bündeten Regierungen werden nur aufgeforbert, einen solche« Entwurf vorzulegen.

Des Mittelstandes und des kleinen Mannes und ihrer Bedürfnisse gedenkt ein von dem

GottrsdirrrAordrrung in FuUm.

Sonntag, 2. Dezember. Da«. B‘/i, 6 und 7 Uh« hl. Messen, Während der 6 Uhr-Messe Kommunion der christenlehrpflichtigen Jünglinge, 8 Uhr Pfarramt und Predigt, */« 10 Uhr Kaihedralamt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, 1*/» Uhr Andacht und Christenlehre, 4 Ubr Predigt und Andacht, 7 Uhr Andacht in der Marieukapelle. — Ktadtpfarrkirche. 6'/« Uhr hl. Messe und Predigt, 6 Uhr hl. Messe, 7 Uhr hl. Messe und Kom­munion der christenlehrpflichtigen Jünglinge, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 9*/» Uhr Amt und Predigt, 11 und l1/* Uhr Christenlehre, 3 Uhr Rosenkranzandacht. Während der hl. Adventszeit wird Montag, Mittwoch und Freitag um 7'/. Uhr ein Rorate-Amt gehalten. — Wichael,Kirche. An jedem Werttage deS Advents um 7 Uhr Rorate-Messe, die Montage ausgenommen. — Pftrrrtktnyr pmr hl. «eiste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 4 Ubr Andacht mit Segen. — Frauenberg 5, */«7 und */• 8 Uhr hl. Messen, »/»9 Uhr Predigt und hl. Messe, für daS kath. Militär, 2 Uhr Predigt und Andacht mit Umgang für die Marianische Bruderschaft.

Koaugeklschee Gottesdienst. Sonntag den.2. Dezember. Bonn. 91/» Uhr: Herr Pfarrer Krane- p»hl. (Heiliges Abendmahl, Kollekte). AbeudS 6 Uhr: Herr Pfarrer ShringhauS.

Wochen-Wunö schau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 1. Dezember.

Der Reichstag hat nach derUeberweisungder China-Vorlage an die Budgetkommission mit zwei Interpellationen sich beschäftigt: mit der sozial­demokratischen Interpellation wegen der 12000 Mark-Angelegenheit des Reichsamtes des Innern und des Centralverbander der deutschen Industriellen und mit der Interpellation des nationalliberalen Abg. Graf Oriola wegen der Militärpensiongesetze — man könnte sagen: mit einer unedlen und einer edlen In­terpellation.

Denn unebeten Beweggründen ist die sozial­demokratische Interpellation entsprungen, das steht fest. Ihr kam es nicht so sehr darauf an, Mißbräuche in unserem Beamtenthum zu rügen und zu bessern, sondern vielmehr darauf, Lärm zu schlagen unb noch einen letzten Versuch zu machen, ob die eingefädelte Jutrigue nicht vielleicht doch noch in Scene gesetzt und ein Staatssekretär in bie Luft gesprengt werden könnte. Es handelt sich dabei, wie sattsam bekannt, um bie 12000 Mark, die der Centralverband der

Im italienischen Parlamente ist wieder einmal ein Mißtrauensvotum gegen das Ministerium beantragt worden, und man hat nicht gewagt, sofort über den Antrag abzustimmen, um nicht etwa plötzlich die allerwichtigsten Abschnitte der Etatsberathung zu durchbrechen. Erst soll der Haupttheil des Etats durchberalhen, nachher erst abgestimmt werden über den Mißtrauensantrag gegen das Ministerium Saracco. In der Beantwortung der Interpellation wegen ber Ermordung des Königs Humbert hat der Minister- Präsident Saracco zugestehen müssen, daß an dem Tage der Ermordung alle Beamten, die für die Per­son des Königs zx sorgen hatten, ihre Pflicht nicht gethan haben! Berrnnthlich wird bald auch von diesem Ministerium Neuitaliens keine Spur mehr zu sehen fein.

Eine eigenartige Bewegung, der man die Sym­pathie nicht versagen kann, macht sich in Bulgarien bemerkbar. Dort arbeitet man an der Gründung einer großen Bauernpartei,, von der man hofft, daß sie stark genug werden könne, um die anderen Parteien unter ihren Einfluß zu beugen. Wenn es ich dabei um eine wirklich gesunde Volksbewegung handelt, so kann man die Bulgare« zu dieser Be­wegung nur beglückwünschen. Es würde dem Lande on größtem Nutzen sein, wenn einmal eine solche Partei mit ehrlicher Ueberzeugungstreue auftreten wollte und Kehraus machen mit1 den unsauberen Ele­menten, die jetzt den Haupteinfluß im Lande Haden. xBenn bei ber Gelegenheit auch ber Herr Fürst mit hinausgefegt würde, würden sich schwerlich viele Leute deswegen betrüben.

daul", nämlich der Transvaalpräsident liaul Krüger, war dieser Tage die volksthümlichste fserfon m Frankreich. Einem Triumphzuge glich die bte Neye des Besiegten von Marseille nach Paris; unb bte französische Regierung erweist ihm die Ehren, 1 !ie„ 'ie /wem StaatSoberhaupte zukommen. Herr ■ :ru8/r scheint sich mit der Hoffnung zu tragen, Frankreich werde für die Buren die Vermittelung bei England übernehmen und womöglich den Burenrepu- bltfen ihre Unabhängigkeit retten: aber diese Hoff­nung wird sich wohl als ebenso trügerisch erweisen, wie alle ähnlichen Hoffnungen vorher. Auf dem Schlachtfelde in Südafrika geht es den Briten neuer« bingS freilich gar nicht gut. Die Engländer haben im ganzen nicht weniger als 100000 Mann einge­büßt, die wegen Verwundung und Krankheit heim­kehren mußten nach England, unb es fehlt ungemein am nothwendigsten Heeresersatz. Der Verlust der Buren beziffern diese auf 16 000 Mann. Aber es ist ja ganz ausgeschloffen, daß die Engländer gut«

Die hier versammelten Benediktineräbte begaben sich neulich in die PauluSkirche (welche bekanntlich eine ihrer Abteien bildet), sowie in» hiesige griechische Seminar, das von Leo XTTT, der Leitung der Benediktiner anvertraut wurde. Hier sand ein feierliches Pontifikalamt nach orientalischem Ritus statt, und die Alumne» führten später de« ersten Akt von Sophokles „OedipuZ auf Colonus" auf.

Die Königin - Wittwe Margarethe hatte ein Gelübde gethan für den Fall der glück­lichen Heimkehr ihre- Neffen, beS Herzogs der Abruzzen, von seiner Nordpolreise. Dieses Ge­lübde hat die Königin nun gestern in feierlicher Weise eingelöst. In Begleitung der Prinzessinnen Helene, Herzogin von Aosta und Laetizia, der Wittwe des Prinzen Amadeus, begab sich die Königin mit großem Gefolge in das Turiner Heiligthum der „Consolata", wo sie d m mit feiner Geistlichkeit anwesenden Kardinal Richelmy, Erzbischof von Turin, ihr Ex voto, ein silberner Schiff, übergab.

Anfangs dieser Woche kam es zu einem Zu­sammenstoß zwischen den liberalen und de« katholischen Gemeinderäthen auf unserem Kapitol. Gelegentlich der letzten patriotische« Feier an der sogenannten Bresche der Porta Pia batte bekanntlich unser Bürgermeister Fürst Co­lonna, welcher auch durch die Stimmen der ka­tholischen Partei mitgewählt worden ist, eine von den hier so beliebten „patriotischen" Festrede« gehalten, in der er die Grenzen seines Ämter weit überschritt und — um dafür das Lob einiger anwesender Garibaldiner-Rothblousen ein« zuheimsen — die große Masse seiner katholische« Wähler tief verletzte. Dem sonst so stolzen alte« Patrizierabkömmling, diesem aristokratischen Sprossen aus der berühmten Familie Martins V., wurde zwar gleich an Ort und Stelle der größte Lohn zu theil, den die „königliche Revolution" zu geben im Stande ist: Hunderte von Hände­drücken Seitens angeheiterter Garibaldiner und demonstrirender junger Burschen, sowie: «ES lebe der liberalste aller römischen Bürgermeister!" erhielt der Fürst als Antwort auf feine uner­hörten Provokationen. Als nun der Gemeinde­rath nach den langen Ferien zum ersten Male auf dem Kapitol tagte, ergriff der Führer der katholischen Partei, Graf Santucci, die Ge­legenheit, den Bürgermeister daran zu erinnern, das er nicht das erwählte Haupt einer ein­zigen Partei, sondern der von allen Parteien erwählte „oberste Verwaltungsbeamte" der gesammten Bürgerschaft sei. Colonna war sichtlich um eine Antwort verlegen und wird sich hoffentlich bessern. Und dabei ist sein ältester Bruder erblicher Fürstenthronassistent deS Papstes und bekleidet somit das höchste weltliche Hofamt int Vatikan. Wieder em Beweis, wie die unglückselige Zweitheilung in Rom in die Familien und fast in alle Verhältnisse ein­schneidet.

Dieser Tage hatten wir den englischen Ko­lonial-Minister Chamberlain zu Gaste. Er hatte sich in Neapel des stürmischen Wetters wegen auSgeschifft und wollte auf dem Land­wege in seine Heimath zurückkehren. Die italienischen Politiker frohlockten Sie glaubten, Chamberlain käme wegen allerlei Verträge in ihre Hauptstadt, wodurch sie sich wieder etwas mehr als europäische Großmacht fühlen könnten. Anstatt dessen ließ Chamberlain sich die Beef­steaks feines Hotels gut schmecken und besuchte — das Forum und die Via Appia! Die Poli­tiker sahen sich getäuscht, machten lange Gesichter und — schimpfen jetzt hinterher.

Bor einigen Tagen hatte Bischof Döb- bing von Nepi und Sutri, welcher mit einer 2000köpfigen Pilgerschaft hier ist, die Ehre, seine Seminaristen dem hl. Vater vorzustellen, der die­selben in einem seiner Privatzimmer empfing.