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M 275.
Jutöa- Freitag, den 30. November 1900.
O Das polnische Gespenst.
In Berlin erscheint al- offiziösestes unter allen offiziösen Organen die »Berliner Kor- responbenz', die wie vielen anderen Zeitungen so auch der »Fuldaer Ztg/ direkt au- dem Ministerium des Innern zugesandt wird. WaS in der »Berl. Rotr.' steht, das gilt unbedingt als echte und unverfälschte Regierungs- Weisheit und Regierungsauffassung; und da nun dieselbe Korrespondenz eine Artikel- reihe beginnt unter der Ueberschrift „Die pol- nische Gefahr", so muß man annehmen, daß der Berliner Regierung das Polenthum wirklich als eine ernsthafte Gefahr erscheine, gegen die man Vorkehrungen in größerem Stile treffen müffe.
Zunächst werden wir darüber belehrt, wie viele Polen es in dem preußischen Staate gibt. Die Volkszählung von 1890 ergab rund drei Millionen Menschen unter der preußischen Tr- sammtbevölkerung von 30 Millionen, die die polnische Sprache als ihr« Muttersprache bezeichneten; und allein im Jahre 1898 soll sich die polnische Bevölkerung innerhalb der preußischen Monarchie um mehr als 192000 Köpfe vermehrt haben, abgesehen von 48500 Polen, die als fogenam.te Saisonarbeiter in dem genannten Jahre vorübergehend in Preußen anwesend waren. Die Regierung scheint im Stillen fortgesetzt genaue Zahlungen der Polen vorzu- nehmen, denn die »Berl. Rotr/ kann ganz bestimmt mittheilen, wie viele Polen es in den einzelnen Provinzen im Jahre 1898 gab: 1023 000 in Schl sien gegen 994000 int Jahre 1890, in Hanrooer 7000 gegen 5000, in Hessen-Nassau 2300 argen 950. m der Rheinprovinz 23000 gegen 6000, in Westfalen 150000 gegen 27 000. Von Posen und Wrstpreußen schweigt;ber Osfi- ziosus in auffallender Weise. Die Regierung, die überall anderswo so genau gezählt hat, muß doch wohl auch Bescheid wissen über die entsprechenden Zahlen in den eigentlich polnischen Proo mzen. Warum erfahren wir darüber nichts? Sollte etwa gar die Zcchl der Polen durch Abwanderung nach dem Westen gerade in diesen Provinzen abgenommen haben?
Wenn man Darstellungen veröffentlicht unter der Ueberschrift „Die polnische Gefahr", so muß man unbedingt von der Ansicht ausgehen, daß solche Ziffern, wie die vorher angeführten, die Annahme von dem Vorhandensein einer angeblich polnischen Gefahr stützen. Soll wirklich jemand glauben, daß die Anwesenheit von 2300 polnischen Arbeitern in Heffen-Naffau und 23000 in der Rheinprovinz eine Gefahr bedeute? Die Zumukhung ist stark und bedeutet eigentlich eine beleidigende Spekulation auf die Gutmüthigkeit der Leser. Jeder Rheia- länder wird in ein heiteres Gelächter aus- brechen, wenn man ihm klar machen will, daß das schöne deutsche Rheinland eine fürchterliche polnische Gefahr in seinem Innern berge und auch die Zahl von 150-000 Polen in Westfalen hat doch wahrhaftig nichts Schreckhaftes an sich. Sie bedeutet, daß die Industrie in überraschend erfteulicher und ungeahnt starker Weise sich ent-
Die kleine Lori.
Original-Roman von Irene «.Hellmuth.
10 ------ (Nachdruck verboten.)
Am Boden lag die Pfeife, klirrend war der schöne Kopf, aus dem der alte Herr nun schon so lange rauchte und der noch ein Geschenk seiner seligen Frau war, auf den Dielen zersprungen. Wehmülhtg starrte Berneck die Scherben an, eine Weile sprach keines ein Wort, r-ur das hastige Athmen der Beiden und das Rauschen deS niederflrömenden Regens war noch vernehmbar.
Endlich sagte Berneck lesie in vorwurfsvollem Tone: „Kind, Kind, wie konntest Du Deinem alten Vater so etwas anthun?!"
Lori hing sich an seinen HalS und schluchzte.
„Wir haben uns doch so lieb, Väterchen, verzeihe mir, ich — ich kann wirklich nichts dafür, daß cS so gekommen iit. Glaube mir, Johannes ist ein guter, edler Mensch, o, ich bin so-Mückltch m seiner Liebe, ich würde sterben, müßte ich von ihm lassen!"
„Also deshalb, — deshalb wolltest Du erfahren, waS uns entzweite, das ahnte ich aller- dingS nicht!"
„Erinnerst Du Dich noch," begann Lori zögernd, „als mein Diütterchen noch lebte und ihr täglich nach vollbrachter Arbeit auf den Lindemannshof hinüberkamt? Wie oft die Mutter sagte, ich und Johannes würden einmal ein Paar werden? Wie lebhaft sie das wünschte? O Vater, ich betrachte j tzt diese Worte meiner Mutter als ihr theuersteS Vrrmächtniß. Gewiß,
wickelt hat und deswegen weit mehr Menschen- trfifte braucht, als die Heimachprovinz selbst ihr stellen kann. Aber niemals wird man einem Kenner der Verhältnisse und der Leute glauben machen, diese in Westfalen angefiedelten Polen „saugen zu nicht unerheblichem Theile das rein deutsche Volksthum auf," wie die .Berliner Korrespondenz sich auSdrückt. DaS westsälische Deutschthum aufgesaugt durch zugewanderte polnische Industriearbeiter — der Gedanke ist so wunderlich, daß er auch kaum etwas anderes alS Heiterkeit erwecken kann.
Die Wahrheit liegt gerade im Gegen- t hei le: wenn die preußischen Polen fortgesetzt durch die ganze preußische Monarchie so weiter verzettelt werden, wie das während der letzten zehn Jahre geschehen ist, dann treten ja gerade die Dinge, die man als Beweise für die Annahme einer angeblich vorhandenen polnischen Gefahr anführen könnte, in den Hintergrund; denn je mehr das Polenthum über die einzelnen Provinzen verstreut wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß das Deutschthum allgemach ein großes Stück des Polenthums aufsauge, nich umgekehrt. Von einer Wucherung des Polen- thums könnte man nur dann reden, wenn der Nachweis geführt würde, daß in den eigentlich polnischen LandeStheilen, also in den Provinzen Westpreußen und Posen und in Oberschlesien, die polnische Bevölkerung während der letzten Jahre sehr stark zugenommen habe int Verhältnisse zu der deutschen. Aber gerade darüber schweigt sich der Osfiziosus in der ,Berl. Korresp/ auffallender Weise vollkommen aus, so daß man unwillkürlich auf den Gedanken kommt, der Wechsel in der Bevölkerungsziffer dieser LandeStheile während der letzten zehn Jahre liefere keine Stütze für die Annahme des Wachsthums dessen, was man „polnische Gefahr" zu nennen beliebt, sondern bedeute gerade das Gegenthell davon.
Und dann denken doch gar nicht alle diejenigen Leute, die das Polnisch als ihre Muttersprache angeben, daran, Nationalpolen in in des Wortes eigentlicher Bedeutung zu sein. Schwärmer freilich, die von der Wied rauf- stehung eine» polnischen Reiches träumen, gibt es uno wird es »och lange geben; und d ß es so ist, gereicht dem Polencharakter rur zur ^hre. Wenn Deutschland zerrissen würde vom Wc.len und vom Osten her, würde jeder brave Deutsche nicht stets und immerdar mit dem Gedanken der Wiederherstellung der deutschnationalen Einheit sich beschäftigen? Aber eine Verwirklichung solcher Holnischrr Zukunftsschwärmereien ist so vollkommen ausgeschloffen, daß man einen Ein- druck bekommt, der zum Gegentheil deffen gehört, was man muchig und stolz zu nennen pflegt, wenn man ein wtldeS schreckhaftes Polengespenst auSmalen sieht, weil die Industrie in Westfalen viele polnische Arbeiter an sich gezogen hat. Ein solches Beginnen ist einfach l Scher- lich und kann nur dazu beitragen, das Natioral- bewußtsein der Polen ganz ungemein zu schwellen, anstatt ihm den Boden zu entziehen. Auf diese Weise bewirkt man nur da« Gegentheil von dem, waS man gern bewerkstelligen möchte I
wenn sie noch lebte, sie würde mit Freuden unseren HerzenSbund segnen, deffen bin ich sicher, und wenn es der theuren Verstorbenen möglich wäre, etwas von den Vorgängen auf der Erde wahrzunehmen, sie würde sich gewiß freuen, daß ihr Herzenswunsch nun in Erfüllung gehen soll und daß wir uns doch gefunden, trotz allem. — Ist es nicht wie eine Fügung des Himmels zu betrachten, daß alles so kam?"
Lori blickte gespannt ihren Vater an, doch feine Augen hafteten noch immer auf den Scherbe» am Boden und so bemerkte keines von den Beiden, wie der Vorhang, der das Zimmer von dem anstoßenden Schlafzimmer trennte, sich leise bewegte. Für einen kurzen Augenblick tauchte ein weißes, schönes Gesicht auf, bann verschwanb es wieber hinter den Falten ber Portiere.
„Nun, Väterchen, Du sprichst ja gar nichts mehr," schmeichelte Lori.
„Mein liebes Rinb," begann dieser endlich in weichem, bittenden Ton, „gib den Gedanken an eine Verbindung mit — jenem Manne aus. Daraus kann nichts werden, glaube mir, Lori."
„aber meine Mutter wünschte eS doch so sehnlich."
„Damals lag alles ganz anders; Deine Mutter hatte ihre besonderen Gründe,--
ch kann Dir das nicht alles so auSeinandet- etzen."--
„Meine Mutter wollte nie etwas, was unrecht war, das weiß ich gewiß; und daS, waS damals ihr höchster Wunsch war, sollte heute unmöglich sein? O Vater, — Vater, mache Dein einziges Rinb nicht unglücklich! Wenn es nur an einem Entgegenkommen von Deiner
Deutsches Deich.
Berlin, ben 29. November.
* Zu bent CentrumSantrage Aber bie Freiheit der Nekißi»«*ü-»«s hat nun auch ber »Reichbote' das Wort genommen. Wir hatten von ihm selbstverständlich nicht erwartet, baß er auch nur die Zustande in Sachsen, Mecklenburg unb Braunschweig als unhaltbar anerkenne» und bent Antrag wenigstens insoweit freunbl ch gegenüberstehen würbe, als er biefe Zustände beseitigen will. Richtig hat er denn auch kein Wort des Tadels für die protestantische Unduldsamkeit in diesen Ländern; er stellt vielmehr dreist die Behauptung auf, der Antrag wolle für die katholische Propaganda in Norddeutschland freie Bahn machen. Wir sind es von diesem verbissenen und unehrlichen Blatte ja gewohnt, daß es den Katholiken die einfachste Gerechtigkeit verweigert unter dem Vorwande, sie wollten nur Propaganda treibe». Neben der „Propaganda" sind dir Jesuiten für ihn ein Schreckgespenst und so wird denn als weiterer Zweck des Antrages die Schaffung freier Bahn für die Jesuiten hingestellt und von diesen daS übliche Schreckbild entworfen. So thut dieses Blatt einen Antrag ab, in dem selbst kultur- kämpferische Blätter einen berechtigten Kern an» erkannt haben. Gegenüber den Katholiken ist das Predigerblatt eben noch weit kulturkämpferischer als alle Vertreter des von ihm so arg gehaßten Liberalismus und Naturalisinus. Vielleicht gereicht es ihm unb anberen Blättern, bie bie Rückkehr ber Jesuiten als Folge ober Zweck des Antrags hinstellen, zu einiger „Beruhigung", wenn wir barauf aufmerksam machen, baß bie Annahme des Antrages noch nicht bie Aufhebung des Jesuitengesetzes einschließt. Nach einem allgemein anerkannten RechtSgrundsatze wirb ein älteres Spezialgesetz durch ein späteres allgemeines Gesetz rächt ohne weiteres aufgeboten, fonoern nur bann, wenn dies in bent späteren Gesetze ausdrücklich gesagt ist. Der Antrag sagt aber nichts über duS Jesuitengesetz.
♦ Zu ben Aostra einer Meltpokilik schreibt bie .Franks. Ztg/: Wer steht überhaupt Umfang unb Eube einer Weltpolitik? AlS England den Transvaal-Krieg begann, glaubte es, mit zehn Millionen auSkommen zu können, eS hat aber schon über hundert Millionen Pfund für dieses Abenteuer ausgegeben. Als Frankreich die Expe- bition nach Tongking unternahm, würben 11 Millionen vom Parlament gefordert, während sich bie Rechnung hinterher auf 1280 Millionen Francs unb 16,000 Menschenleben stellte. Aehn- lich erging eS Italien mit Maffauah. Zuerst verlangte bie Regierung lediglich 11/» Millionen. Schlußabrechnung: 590 Millionen unb 12,000 Menschenleben. Solche Erfahrungen müffe für jede Art Weltpolitik mißtrauisch machen, benn an guten Vorsätzen, nüchtern unb besonnen zu bleiben, hat es gewiß auch ben ausländischen Staatsmännern nicht gefehlt.
* In südamerikanischen Kreisen und in Washington verlautet, Deutschland suche die Insel Kxraxro, bie zu Hollänbisch-Gvyana gehört, zu erwerben. Curayao ist eine zu ben Inseln unter
Seite liegen sollte, laß Dich erbitten, sprech Tu zuerst bas Wort ber Versöhnung zu Deinem einstigen Freunde, — er wirb, er kann bann nicht „Nein" sagen. Denkst Du nicht mehr ber schönen Stunden, bie Du mit ihm verlebtest? Sie werben wieberkommen, wenn Ihr Euch auS» söhnt. Du wirst nicht mehr so einsam hier fitzen, es wirb alles, alles anders unb besser fein. Johannes unb ich, — wir werbens Euch banken, baß Ihr es gewesen, bie unser Glück begründeten, ein schöner Lebensabend erwartet Euch dann Beide, wir bilden eine einzige Familie und Mütterchen im Himmel wird sich freuen!"
Der Alte schüttelte trübe ben Kopf. „Es wirb nicht gehen, Rinb, — ich habe kein Vertrauen zu dem ehemaligen Freunbe mehr, — unb baS läßt sich nicht erzwingen."
„Mit gutem Willen läßt sich viel, läßt sich alles ausrichren, Vater."
„Hier reicht ber gute Wille allein nicht aus." „Väterchen," schmeichelte Lori, bie Arme wiederum um den Hals des Alten schlingend, „hast Du kein Vertrauen zu mir, Deinem Kinde, willst Du mir nicht endlich sagen, wa» zwischen Euch trat nach dem Tode meiner Mutter? Habe ich nicht ein Recht darauf, dies zu erfahren? Vielleicht, daß sich doch ein Weg finden läßt, Euch auszusöhnen."
„Du warst bisher wie ein sorgloses Kind, Lori; jetzt bist Du auf einmal ein ernstes, denken- )es Mädchen, aber ich fürchte trotzdem, Du wirst mich nicht verstehen. Du bist so jung, hast noch nicht» erfahren im Leben, da kann man doch auch kein Verständlich für so ernste Angelegenheiten erwarten."
„Probir's nur erst einmal mit mir, Väterchen,
27. Jahrgang.
bent Winde gehörige Felseninsel im Antillenmeere WestindienS, ungefähr 70 Km. von ber Küste Venezuelas entfernt, zählt auf 550 Qkm. (1894) 27,769 E., darunter 5—6000 ehemalige Sklaven. Im St. Christoffelberg im SW. erreicht die Insel 376 Mtr. Höhe. Die Küste wird von mehreren Lagunen umzogen, welche durch schmale Ausgänge mit dem Meere in Verbindung stehen. Das Klima ist warm und sehr trocken; in manchen Jahren bleibt ber Regen ganz aus. Der kahle Felsen trägt Zucker, Tabak, Mais, Feigen, Kakao, Kokosnüsse, Zitronen, Pomeranzen (aus benen bet C. genannte Liqurur bereitet wirb) unb bie meisten europäischen Küchengewächse. Haupt- probukte finb Seesalz unb Phosphate; letztere werden aber jetzt nur noch von Aruba auS exportirt. Die wichtigsten Einfuhrartikel find Mehl und Cigarren. Brunnenanlagen würden geeignet sein, die Insel wirthschaftlich zu heben, find aber fast ^sämmtlich mißglückt. An der Südseite liegt die einzige Stadt der Insel Willemstad. Diese, gut gebaut unb mit großen Waarenspeichern versehen, ist Sitz eines deutschen Konsuls unb deS Gouverneurs. Außerdem gibt es nur wenige Dörfer unb Pflanzungen auf ber Insel. Etwa 600 Soldaten finb auf einige Forts vertheilt. Finanziell ist C. vom Mutterlanbe abhängig. Die Bevölkerung spricht bas Popiamento, ein Gemisch von holländisch, spanisch unb indianisch. — C. wurde 1527 von den Spaniern besetzt, 1634 von den Holländern erobert unb ihnen im Westfälischen Frieden abgetreten. 1807 von ben Englänbern erorbert, würbe sie infolge beS nach bem Pariser Frieden zwischen England und dem Königreich der Niederlande geschloffenen Vertrags zurückgegeben.
+ Deutscher Notschalter i« ^«tis wird nach offiziöser Mittheiluna an Stelle de» Fürsten zu Münster-Derneburg der bisherige Botschafter in Petersburg, Fürst Radolin. Fürst Radolin steht im sechrzigsten Lebensjahre. Er ist in Posen geboren und widmete sich alsbald nach der Vollendung seiner Studien dem preußischen diplomatischen Dienste. Während de» russisch-türkischen Krieges war er Geschäftsträger in Konstantinopel. Im Jahre 1883 wurde er »um Oberhof- und Hausmarschall des Kaiser» Friedrich ernannt und gleichzeitig in den Fürstenstand erhoben. Vorher war die Familie gräflich. Von 1892 bi« 1895 war Fürst Radolin Botschafter in Konstantinopel, seit 1895 Botschafter in Petersburg.
h Die Ikeichstagswahk im Mahlkreise Aamm Soest, aus der Schulze-Steinen (nationalliberal) als gewählt hervorgrgangen war, war in der vorigen Tagung vom Reichstage beanstandet worden. Die Wahlprüfungskommission hat am heutigen Donnerstag auf Grmd nachträglich vorgenommener Erhebungen beschloffen, dem Plenum die Giltigkeitserklärung der Wahl vorzuschlagen.
* Die Schiffs - Lieferanten können nicht gerug Aufträge bekommen. Das Organ dieser Interessenten, die ,Berl. Neuesten Nachr/, suchen jetzt „aufGrund guter Informationen" darzulegen, daß der Bau von Fluß Kanonenbooten nicht bloS für Ostafien, sondern auch für alle übrigen auS-
und Du wirst finden, daß ich gar nicht so unvrr- ständig bin, wie Du denkst."
Der Alte antwortete nichts. Er schritt zu seinem Schreibtisch, einem altmodischen, vielbenutzten Möbel, das in der Ecke des Zimmer« stand, und entnahm dem untersten Fache ein kleines Päckchen Briefe, sowie eine Photographie und legte beides vor Lori hin.
D ese griff mit einem Ausrufe der lieber« raschung nach dem Bilde.
„Das ist ja — Johanne«, — wie kommst Du dazu?"
„Nicht Johanne«, sondern fein Vater," entgegnete Berneck mit zitternder Stimme.
Auf der Rückseite de« Bildes stand mit blauer Tinte geschrieben: „Meinem geliebten Klärchen zur fielen Erinnerung."
Und darunter in zierlichen Buchstaben: Dies ist mein TaliSmann."
Schweigend löste der Alte das Band, daS um die Briefe geschlungen war, Lori begriff noch immer nicht, waS das bedeuten sollte.
„Aber so erkläre mir doch, Vater--"
Dies alles fand ich, nachdem Deine Mutier gestorben war," begann Berneck, seine Tochter fixirend.
„Aus dem Inhalt der Briefe geht deutlich hervor, daß meine Frau, bevor sie mich hei- rathete, ein Liebesverhältniß mit Lindemann hatte, daß die Beiden sich aber trennen mußten, weil Deine Mutter kein Vermögen besaß und Lindk- mann, der alS der Aelteste das Gut übernehmen, feinen jüngeren Geschwistern große Summen hinauszahlen mußte, also ein Mädchen ohne Geld nicht heirathen konnte. Sie entsagten einander, weil sie einsahen, baß es bie Berhältm