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mit Zlnterhaltungs-Aeikage „Illußrirte Sonntags-Zeitung"
JuL-tt, Donnerstag, dm 29. November 1900.
M 274.
Deutsches Kelch.
Berlin, den 28. November.
X In Sachen der HsWerksschattsSe»veg««g und ihrer Behandlung in der Presse bet die am 26. November in Düsseldorf tagende Gen er al- Versammlung des Augustinus-Vereins nach eingehender Berathung mit großer Majorität die nachstehende Resolution gefaßt:
Nach erneuter eingehender Erörterung der Fragen: a) Kann den katholischen Arbeitern verwehrt werden, mit nichtkalholtschen Arbeitern, soweit und so lange dieselben 'auf positiv christlichem Boden stehen, zur Vertretung wirthschaftlicher Interessen in Verbänden sich zu vereinen ?
b) Können solche Verbände auf den Boden irgend einer politischen Partei sich stellen?
spricht sich die heutige Genersl-Bersamwlung deS Augustinus-Vereines in Uebereinstimmung nut den General- Versammlungen der Katholiken Deutschlands, der sozialpolitischen Haltung der Centrumsfraktion bei Reichstages und der Stellungnahme der General-Versammlung des Augustinus-Vereines zu Köln vom S. August 1899 dahin aus:
Die General-Versammlung erkennt an, daß die christlichen Gewerkschaften unter Wahrung der auch für das wirthschaftliche Leben überall maßgebenden christlichen Grundsätze auf interkonfessionelle und politisch unparteiische Grundlage zu stellen, bezw. da:auf zu erhalten find.
Sie empfiehlt der Centrumepresfe, die Förderung der auf dieser Grundlage stehenden Gewerkschaften auch ferner sich angelegen sein zu lassen, zugleich aber die etwa dabei hervortretenden Gefahren zu beobachten und denselben in umsichtiger Weise entgegen zu treten.
* Heber die Audienz des Aeichstsgs- prastdiums keim Kaiser meldet die .Germania": Nachdem am 15. November die Kon- stitu-ru g dis Reichstages erfolgt war, wurde dem Kaiser die vorgefchriebene Meldung gemacht. Der Kaiser kehrte nach längerer Abwesenheit am Montag Abend juefid und Dienstag Vormittag bereits gelangte lurch das Hofmarschallamt eit das Burecu des Reichstages die Mit- theilu g, daß Te. Majestät die nachgesuchte Audienz gewährt und das Präsidium heute Vormittag um 11 Uhr im Neuen Palais bei Potsdam eupsangen wolle. Der Präsident drs Reichst iqr.s, Graf Ballestrem und die beiden Vizepresidenten, Dr. v. Frege-Wel?ien und Bü sin c> fuhren dann mit demsahrplanmäßigenZ ige um 10 Uhr bis zur Station Wildpark, von wo sie durch bereit gestellte königlich« Hofwagen ab- geholt und nach dem Neuen Palais befördert wurden Der Kaiser — in Generalsuniform — begrüßte die Herren aufs Freundlichste, wies darauf hin, daß auch der gegenwärtigen Tagung des Reichstags wieder bedeutungsvolle Aufgaben gestellt seien, und gab der Zuversicht Ausdruck, daß deren Erledigung zum Segen Deutschlands erfelgen werde. Besonders erwähnte der Monarch die Forderungen für die China-Expedition. Gern hätte er den Reichstag beim Ausbruch der Wirren um sich versammelt. Das sei aber nicht angängig gewesen, weil sich die zu lösenden Aufgaben und die finanziellen Konst quenzen zunächst nicht übersehen ließen. Er vertraue, daß die patriotische Gesinnung des deutschen Reichstags sich auch diesmal bewähren würde. — Unmittelbar darauf wurden die Herren von der Kaiserin empfangen, welche ebenfalls in liebenswürdiger Weise besonders mit Graf Ballestrem sich längere Zeit
Die Meine Lori.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
9 ------ (Nachdruck verboten.)
„Bor Deincm Vater hatte ich auch immer «ine gewiße Scheu, ich ging ihm gern aus dem Wege," pfl.chtete Lori bei. „Ich erinnere mich mancher Szene, wenn wir in ausgelassener Freude im Garten herumtollten und er gerade dazu kam, wie er uns finstere Blicke zuwarf, dabei mir der Hand durchs Haar fuhr und tief: „Ja, lacht nur und seid lustig, später wird das alles anders".
„Hie und da kam es vor, daß er mich an sich p kßte und küß:?, ein andermal wieder schüttelte tr mich derb an den Schullern, als haßte er mich, und sagte: „Sieh' mich nicht so an, ich ertrag es nicht!"
„I', ja, so ist er auch heute noch," fiel Johannes em. „Zuweilen soll ich ihm ein Lied vorstngen, dann wieder, wenn ich mich ans Klavier sitze und spiele, hält er sich die Ohren zu und schreit mich an: „Hör' auf, ich bitte D:cb, ich kann's nicht hören."
Immer mehr hatte sich während dieses Gespräches der Himmel umdüstert, schon fielen die ersten Regentropfen auf die lechzende Flur und mahnten die Liebenden, das schützende Dach aufzusuchen.
Von dem verlorenen Ring zu sprechen, wagte Lori nicht, aus Furcht, den Geliebten zu erzürnen.
Noch ein innig« r Händedruck wurde gewechselt, dann eilte Lori leichtfüßig den schmalen
unterhielt und bei Herrn von Frege sich theil- nahmsvoll nach dem Befinden der sächsischen Königsfamilie erkundigte. — Durch Hofequipagen wurden die Herren wieder zur Bahnstation zurückgeführt.
* Ministerial - Direktor v. Moedtke wird, wie der ,Franks. Ztg/ aus Berlin geschrieben wird, amBundesrathstischs überhaupt nicht mehr oder nur noch kurze Zeit zu sehen sein, und man wird wohl bald hören, daß in seiner amtlichen Stellung eine Veränderung vorgegangen ist, und daß er jedenfalls der Tätigkeit, durch die er bekannt geworden ist und in der er Verdienste hat, der Mitarbeit an der sozialpolitischen Gesetzgebung entzogen ist. Seine Verwendung in einem andern Amte mag Schwierigkeiten haben, denn er steht jetzt schon im Range über einem Regierur gs- Präsidenten. — Nach einer der ,D. Versicherung?ztg? zugehenden Meldung soll Herr v. Woedtke zum Präsidenten des nach dem Reichsoersicherungs- Gesitzentwurf neu zu gründenden Aufsichts- Amtes für Privat-Versicherung in Ausficht genommen sein.
* Der «eue Zolltarif ist, wie die Zeitschrift sür die gesammte Textilindustrie mittheilt, nunmehr festgestellt und liegt bereits im Druck mit dem bekannten grünen Umschlag vor, und zwar mitMaximal- und Minimalrubrik. Gegenwärtig finden nur roch im Reichsichützamt die letzten zolltechnischen Berathungen über die Höhe und die Abgrenzung der einzelnen Zollsätze statt.
X Ale fuddeulfcheu Kttirdesregiermrge« sollen nach verschiedenen Behauptungen in der Presse nicht aus freien Stücken zu den Berathungen des Wirthschastlichen Ausschusses hin- zug« zogen worden sein. Düsen Behauptungen wird durch eine halbamtliche Darstellung in der »Norddeutschen Allg. Ztg.' widersprochen: am 4. November 1897 erfolgte die Berufung der Mitglieder des Wirthschaftlichen Ausschusses, und schon am 7. November wurden dir Regierungen von Vay'rn, Württemberg, Baden and Elsaß-Lothringeri ohne voraufgegangrne An' ;ung zur Entsendung je eines Vertreters zu der konstituirenden Sitzung eingeladen. Die gen inten Regierungen haben darauf sofort Vertret, r ernannt, und diese Vertreter haben mit einer Ausnahme auch an der ersten Sitzung am 15. November 1897 theilgenommen. Seitdem find diese Vertreter sämmtlich zu jeder Sitzung, euch der Kommissionen, kittgeladen worden.
• „Au dös deutsche Aolk" — mit dieser Ueberschrift ist unter der Verantwortlichkeit von Wilh. Opificrus zu Pforzheim und August Dreesbach zu Mannheim eine Flugschrift erschienen, die nach der Auffassung der Staats- anwaltschoft zu Mannheim eine Beleidigung des Reichstages enthält. Die Staatsanwaltschaft beantragt deswegen Genehmigung der strafrechtlichen Verfolgung. Die Geschäftsordnung's- kommission des Reichstages beschloß aber, an dem alten Brauche festzuhalten - und die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung dem Plenum des Reichstages nicht zu empfehlen.
Wiesenpsad en lang, dem Gutshause zu. Im Hausflur traf sie mit Helene zusammen, die, als sie Lons ar sichtig wurde, in ein spöttisches Gelächter ausbrach, das dem jungen Mädchen alles Blut in die Wangen trieb.
„Jetzt weiß man doch wenigstens, warum Du immer so früh aufstehst," zischte Helene, einen giftigen Bl ck auf Lori werfend, „warst wohl schon wieder bd Deinem Liebhaber?"
„Helene." — schrie Lori erbleichend auf, doch sogleich faßte sie sich unb fuhr in heiterem Tone fort: „Di möchtest ji doch selbst gern einen solchen „Liebhaber", wenn er Dich nur wollte; aber — da liegt der Hase im Psiffer, — er will nicht, — nein, — gewiß nicht. Du mußt Dir schon einen Ander«n suchen, Helene!"
Dis Angeredete sah noch blässer aus, als gewöhnlich, ihre Augen funkelten, wie die einer Katz», man sah es, daß sie nur mit Mühe ihre Faffuna bewahrte.
„Warle nur," stieß sie endlich h'rvor, „noch ist der Sieg nicht Dein, ich hoffe doch noch über Dich tu triumphiren!" —
„Du?" lachte Lori, „da wäre ich wirklich neugierig — möchtest Du mir nicht Deinen Krieg? plan entwickeln? "
„Dos erste, was ich thue, ist, daß ich Deinem Vater alles sagen werde, Du Heuchlerin mit der Unschuld-mie e, — dann werden wir ja sehen, ob er Dir Deine Morgenpromenaden noch länger gestaltet."
„Ich danke Dir auch bestens, Helene; aber diese Mühe wäre gerade so vergeblich, wie die gestrige, — Du weißt schon, bas Angeln betreffend. — Ich bin eben im Begriff, meinen Vater aufzusuchen, und bitte Dich, mich nicht
ft Die Koste» der SHiss-artilkerie steigern sich von einem Jahre zum andern in ganz erheblichem Maße. Man ersieht dies aus dem neuen RrichshaushaMetat. Im vorigen Jahre wurden die Ausgaben für die Artillerie-Ausrüstung eines Linienschiffes auf fünf Millionen oerat * schlagt; in dem neuen Etat werden sie um 50. v. H. höher angesetzt, nämlich mit 7j/2 Millionen. Man darf wohl annehmen, daß es damit sein Bewenden r och nicht haben, daß vielmehr die Höhe dieser Summe noch wachsen werde — von Neuem ein lehrreichrs Beispiel dafür, daß die Kosten für Flottenoergrößerungen unmöglich auf eine längere Reihe von Jahren im Voraus auch nur annähernd sich berechnen laffen.
4- Hegen die Gkhöhrmg der Hetreide- zolke machen die Gemeindevertretungen großer Städte mobil. Das Münchener Gemeindekollegium hat angefangen damit, die Berliner Stadtverordnetenversammlung wird vermuthlrch Nachfolgen. In dieser letztem hat be*1 Stadtverordnete Kalüch einen Antrag eingebracht, durch den der Magistrat ersucht werden soll, beim Reichstage gegen jede Erhöhung der Siben§mittelf.ööe einzutreten und den Preußischen Städtetag, der nächstens in Berlin zusammentreten wird, zu dem gleichen Vorgehen zu ve. anlassen, außerdem die in diesem Stäbte- tage nicht vertretenen größeren deutschen Städte zu" bestimmen, sich diesen Maßnahmen anzn- schließen. Die Berliner Stadtverordneten sind gar nicht berufen, in dieser Weise oorzugehen. Aber angenommen, sie wären es, dann bliebe noch immer die Frage übrig, ob sie mit diesem Vorgehen wirklich denjenigen, die sie vertreten, Nutzen bringen würden. Die Städte haben sehr starkes Jntereffe an dem Wohlergehen des garzrn Lindrs. Gebricht eS an letzterem, so wird das den Städten nur zum Nachtheil gereiche' ; und es würde daran grbrechen, wollte man her Lundwi tuschaft den Schutz Versager., den sie zu ihrem ’sh stehen ganz unbedingt nöthig braucht. Würden ie Städte auf den Ruin der Landwilthschaft h' arbeiten und damit Erfolg haben, so würden üe den Ast, auf dem sie sitzen, selbst absägen, gar-z abgesehen davon, daß der einsichtige und billig denkende Mann niemals den alten Spruch vergkssen darf: leben und leben laffen!
+ Die Dostkredite, Wühkeukovte« ««d gemischte» Grausttkager stellen eine besondere Vergünstigung des Handels gegenüber der h e t m i- schen Landwirthschast dar, indem sie die ausländische Konkurrenz des Getreides nur verstärken ; ihre Aushebung ist seitens der Land- wirthe schon des öfteren verlangt worden. Da nun die Getreidezölle schon seit einigen Jahren als zu niedrig anerkannt werden, um eine Erhöhung derselben erst mit dem Jahre 1903 eintreten kann, sollte man wenigstens bei den be« d äugten Verhältnissen der heimischen Landwirthschast glauben, daß dieselben auch in vollem Maße zur Geltung gebracht würden. Eine Erleichterung derselben tritt dagegen ein durch die Zollkredite, Mühlenkonten und gemischten Transitlager. Die reinen Transitlager dienen nur zum Verkehr nach dem Auslands, während aus den gemischten
länger aufzuhalten. Wenn ich meine Verlobung feiere, sollst Du die Erste sein, die mir gratu liren darf."
Damit knixte Lori spöttisch vor der in wahnsinnigem Grimm die Hände ballenden Koustne, und wollte an ihr vorbeieilen: doch Helene vertrat ihr den Weg, uib raunte dicht an des Mädchens Ohr: „Hitte Dich, Da Scheinheilige, —"
Doch Lori unterbrach sie: „Was könntest Du mir wohl anhaben?" Dann schlüpfte sie eilends vorbei und hat gleich darauf bei ihrem Vater ein, der in seinem lederbezogenen Lehnstuhle saß, die geliebte Pfeife im Munde, wie gewöhnlich die Daumen umeinander drehend, ein Bild der Ge- müthlichkeit. Auf dem kugelrunden Kopfe saß, weit nach hinten geschoben, ein kleines Hauskäppchen. Die Füße steckten in großen, gestickten Pantoffeln. Auf seinem vollen, rothen Gesicht erschien ein vergnügtes Lächeln, als Lori etwas hastig zu ihm eintrat.
Draußen fiel jetzt der Regen in Strömen hernieder; der alte Herr stand auf und trat ans Fenster. Indem er schmunzelnd das junge Mädchen an der Hand faßte, sagte er gutgelaunt: „Siehst Du, mein Töchterchen, dieser Regen bedeutet wieder Hunderte für Deine Mitgift; der kam gerade zur rechten Zeit; dadurch werden die Ernteaussichten sehr günstig."
Lori nickte zerstreut; sie war offenbar gar nicht bei der Sache und fragte plötzlich, ohne jede Einleitung, so mitten aus ihren Gedanken heraus, die sie jetzt einzig und allein beschäftigten: „Väterchen, möchtest Du mir nicht sagen, was es gewesen ist, das Dich damals mit Lindemanns entzweit hat?"
Der alte Herr nahm voll Erstaunen die Pfeife
27. Jahrgang.
Transitlagern das Getreide nach Belieben in das In- und Ausland versandt werden kann. Die unter zollamtlichem Verschluß stehenden Transitlager gelten als Zollausland, sodaß die Verzollung erst beim Austritt aus dem Lagerhaus in den inländischen Verkehr zur Bezahlung gelangt. Dadurch wird der Zins für den Zoll und dadurch erheblich an Kapital beim Einkauf von ausländischem Getreide gespart: bei dem im Inland direkt abgesetzten Getreide muß der Zoll gleich mitbezahlt werden. Der Zollkredit beträgt zur Zeit für die Konto-Mühlen 4, für die Privat - Transitlager 3 Monate. Verlängert wird dieser Kredit dadurch, daß alle 3 Monate abgerechnet wird. Verschiedentlich sind nun vom Centrum und den Konservativen Anträge auf Aufhebung der Transitlager und Zollkredite gestellt; bis jetzt ist aber nur eine Einschränkung erfolgt, fo daß noch ca. 30 große Mühlen ein Zollkonto haben, während ca. 28000 Mühlen in Deutschland vorhanden sind. Am Schluffe des Jahres 1898 bestanden in Deutschland in 22 Orten 140 gemischte Transitlager, 1894 in 37 Orten 202. Je mehr die Zahl obnimmt, um so größer ist die Bevorzugung weniger Geschäfte, und desto mehr tritt die Einseitigkeit dieser Einrichtungen hervor. Hoffentlich schreitet man von allen Seiten der Regierung bald zu gänzlicher Aufhebung der Transitlager, und sorgt dafür, daß die Wirkung des Schutzzolles durch solche Maßregel nicht mehr theil- roeife verringert werden.
Ausland.
• Krüssel. 28. Nov. Die Brüsseler Blätter vrröffer tlichen Einzelheiten über ein rnarchisti- sches Komplott in Bastogne in der Provinz Luxemburg. 20 Soldaten der Regimentsschule des 9. und 12. Linien-Regiments halten seit Juli einen anarchistischen Klub gebildet. Die Versammlungen fanden im Hinter- zimmer einer Kneipe statt. Waffen aller Gattungen und anarchistische Schriftstücke wurden daselbst gefunden. Ein Unteroffizier sollte mit Arsenik vergift et, ein Pfarrer erschossen und der Bürgermeister erdolcht werden. Als der für die Ermordung des Pfarrers bezeichnete Soldat im letzten Augenblick zögerte, beschlossen die Genossen, ihn zu tödten. Der Bedrohte erstattete Anzeige. Sofort wurden acht Hauptschuldige in der Kaserne eingekerkert. Mehrere Revolutionäre versuchten Nachts die Ge- fängnißthüre mittels Hebel zu sprengen. Die Wache feuerte und vertrieb dieselben. Die Verhafteten legten dem Hauptmann ein Geständniß ab. Der Skandal ist um so größer, als Söhne von Staatsbeamten beteiligt find. Die Ziviljustiz hat ebenfalls die Untersuchung eingeleitet. Als Symptom der fortschreitenden Verseuchung der belgischen Gesellschaft durch die sozialistische Piopaganda verdient dieses Vorkommniß ernstliche Beachtung.
X Kaag, 28. Nov. Der Gemeinderath beschloß, Krüger bei seiner Ankunft in corpore zu begrüßen. Bei der holländischen Regierung wi.d er die ersten offiziellen diplo-
aus dem Munde, das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht. Er antwortete nicht sogleich, erst als Lori mahnte: „Nun, Vater?" da erwiderte er in etwas unwilligem Ton: „Aber Kind, w’e kommst Du denn urplötzlich auf eine solche Frage? wir sprachen doch eben vom Wetter." —
„Das sollst Du schon erfahren, Väterchen, erst sage mir aber, was ich wissen möchte, ich —“
„Ach Gott," unterbrach der Vater unwirsch das Mädchen, „laß die alten Geschichten ruhen, die gehen Dich wirklich gar nichts an."
„Doch, doch, Vater, sie gehen mich sehr viel an," beharrte Lori.
„So, so, — ei, inwiefern denn, kleiner Naseweis?"
„Das werde ich Dir erklären, aber erst sollst Du meine Frage beantworten!"
„Wenn ich nun aber nicht will?"
Lori schlang die Arme um den Hals des Alten und lehnte ihre weiche Wange an sein G>ficht, das er tief zu ihr nieberbeugte. Die kleine Schmeichelkatze hatte auf diese Weife stets alles erreicht, was fie durchsetzen wollte. Doch diesmal versagte das Mittel, der Alte war nicht zu bewegen, und Lori sah ein, daß fu ihre Sache anders anfangen mußte.
„Mein lieber Vater," begann sie nach kurzer Pause von Neuem, „ich möchte Dir etwas an- vertrauen."
Ihre Stimme zitterte leicht, sie war erregt, und ihre frühere Zuversicht wollte nicht recht standhaften
Der Alte blickte ge'pannt und neugierig auf die vor ihm stehende zierliche Mädchengestalt herab und Lori erröihete vor diesem Blick, der ihre innersten Gedanken ergründen zu wällen schien.--