FuldaerMZeitung
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ft* 3. Piijelltf te Säte.
M 273.
JuLöa, Mittwoch, den 28. November 1900.
27. Jahrgang.
Deutsches Weich»
Berlin, den 27. November.
* Das ^räfidium des Asichstages wird morgen (Mittwoch) vom Kaiser in Audienz empfangen. AuS diesem Grunde fällt die Plenarsitzung aus.
I Bad und erkälteten sich. Sie bekommen dann eine Abneigung gegen die weitere Benutzung deffelben. Der Inspektor empfiehlt deßhalb be Neueinrichtungen stets darauf zu sehen, daß jeder Badende die Temperatur selbst regeln kann. Sehr beklagens- und verurtheilenswerth ist es, wenn, wie z. B. der Beamte für Arnsberg erwähnt, die Arbeiter gut eingerichtete Wasch- und Badeeinrichtungen manchmal besudeln und sogar zer- stören. In solchen Fällen ist die Abneigung der Unternehmer zur Anlage solcher Einrichtungen nur zu begreiflich und berechtigt. Andererseits muß aber auch lobend erwähnt werden, daß viele Arbeitgeber der Verbefferung der gesundheitlichen Verhältniffe in ihren Betrieben eine ganz besondere Sorgfalt widmen, und es ist erfreulich, daß das Verständniß für derartige Bestrebungen im Wachsen begriffen ist.
Auf all' die einzelnen gesundheitsschädlichen Einflüffe und ihre Verhütung einzugehen, ist an dieser Stelle nicht möglich; erwähnt sei z. B., daß in Buchdruckereien, nach einer Mittheilung des Beamten für Potsdam die unzureichende Befolgung der in der Bundesrathsbekanntmachung vom 31. Juli 1897 enthaltenen Bestimmungen gerügt werden mußte. Vorwiegend handelte es sich um mangelhafte Beschaffenheit der Setzerpulte, oder es fehlte, wie im Bezirk Arnsberg, an ordentlichen Waschvorrichtungen und Kleiderablagen ; oft entsprachen auch die Fußböden, Wände und Decken sowie die Reinhaltung der Räume den Bestimmungen nicht. Zahlreich sind wieder die Klagen über die schlechten Gesundheitsverhältnisse der Steinmetzen und Steinbrucharbeiter. In den Kreisen Kreuznach und Meisenheim des Bezirkes Koblenz starben z. B. von etwa 150 Steinbrucharbeitern und Steinmetzen in den letzten 5 Jahren 26 Arbeiter in einem Durchschnittsalter von 45 Jahren, davon 22 an Schwindsucht bezw. Erkrankung der Athmungs- organe. Bei 17 von diesen an Schwindsucht Gestorbenen, die ununterbrochen in Sandsteinbrüchen gearbeitet hatten, stellte sich das Durchschnittsalter auf nur 43 Jahre. Verstärkt wird die schädliche Einwirkung des Gewerbes nock durch den frühen Eintritt der Lehrlinge mit 14 I ihren „und durch die wenig zweckmäßige und beso iders in jüngeren Jahren unsolide Lebensweise der Arbeiter". Zum Theil wohnen die Leute in dürftigen und engen Wohnungen, so daß bei dem mangelnden Verständniß sür Hygiene noch lieber» tragung der Schwindsucht auf die Familie vorkommt. Derartige Klagen sind allgemein. Eine besondere Verordnung des Bundesrathes auf Grund des § 120e der Gewerbe-Ordnung wäre hier unseres Erachtens woyl angebracht.
Besondere Beachtung erfordern auch die Vrr- hältniffe in der Textil - Industrie, in der besonders ebenfalls die Tuberkulose ihre Opfer zu fordern scheint. So sogt z. B. der Gewerbe - Inspektor zu M.-Gladbach in seinem Berichte, daß in M. - Gladbach unter 1000 Todesfällen von Leuten in erwerbsfähigem Alter von 15—60 Jahren 453 durch Tuberkulose veranlaßt seien, während diese Zahl für ganz Deutschland nur 342 betrage. Ferner habe er durch Anfrage beim Bezirks-Kom- : mando ermittelt, daß im Jahre 1899 von 100 । zum Militär Ausgehobenen, über die endgittiq
* Ileichstrinkgetder scheinen nicht mehr angenommen werden zu sollen. Dies scheint die erste greifbare Wirkung der 12000 Mark-Affaire zu sein. Der neue Kolonialdirektor Dr. Stübel hat das Anerbieten der Kolonialgesellschaft, aus ihrem Vermögen der deutschen Reichsregierung den Betrag von 100000 Mark behufs Beendigung der Vorarbeiten zum Bau der Eisenbahn Dar-es-Salaam—Ulami zur Verfügung zu stellen, mit Dank abgelehnt. Die Gründe für diese Entschließung liegen, wie Dr. Stübel betont, in der Rücksicht, die die Kolonialverwaltung auf die Stellung des Reichstages zur vorliegenden Frage zu nehmen hat, obgleich sie selbst den Eisenbahnbau in Ostafrika lebhaft wünscht. — Wenn deutsche Kapitalisten eine Bahn zwischen Dar-es-Salaam wünschen, weil sie sie für erfolgreich halten, wird sie kein Mensch hindern, sie aus eigenen Mitteln zu bauen, und, bei gehöriger Abgabe von^ Reingewinn an das Reich, zu unterhalten.
* Die zSudgelkommisfio« des Aeichs- tages hatte den Wunsch geäußert, daß der Vorsitzende v. Kardorff den Präsidenten Grafen Ballestrem ersuchen solle, mit der Plenarberathung des Etats nicht vor dem 10. Dezember zu beginnen. In Folge dieser Anregung hat der Präsident Graf Balle st rem den Seniorenkonvent zum 28. November einberufen und wird diesem die Entscheidung über diese Frage unterbreiten. — Der Abg. v. Kardorff, der langjährige Vorsitzende der Budgetkommission, theilte in der gestrigen kurzen Sitzung derselben mit, daß er den Vorsitz der Kommission niederlegen wolle.
* Aerhülimg der Kiseuvahnnnfälre. Auf Veranlaffung des Reichskanzlers, so schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg/, hat das Reichseisenbahnamt die am Eisenbahnwesen hauptsächlich be» theiligten Bundesregierungen eingeladen, über die Maßregeln, die wegen der jüngsten schweren Unfälle etwa zu treffen sein werden, gemeinsam kommiffarische Berathungen zu veranstalten.
* Der neue Kokouiaketat verlangt an Zuschüssen für die Kolonialverwaltung und oie Schutzgebiete 37332151 Mark gegen 30888934 Mark im Vorjahre, also mehr 61/» Millionen Mark. Die Reichszuschüffe für die einzelnen Schutzgebiete, also nach Abzug der Kosten der Lentralverwaltung und der auf dem Etat er» cheinenden Fehlbeträge in den Schutzgebieten für 1897 und 1898 belaufen sich auf 33677000 Mark gegen 27 530860 Mark im Vorjahre. Also gleichfalls ein Plus von 6 Millionen Mark. — Die eigenen Einnahmen der Schutzgebiete, also ohne die Reichszuschüffe, belaufen sich auf nur 7 073 000 Mark. Das Reich muß also nahezu vier Fünftel der Ausgaben für die Schutzge- )iete aus Zuschüssen deutscher Steuerzahler decken. Die eigenen Einnahmen der Schutzgebiete haben ich gegen das Vorjahr nur um 2174 600 Mk. erhöht, die Reichszuschüffe bei einer Erhöhung um 6 Millionen Mark, also um das Dreifache der eigenen Einnahmen. Dabei sind nur die Etatsansätzs in Betracht gezogen. Schon jetzt aber wird mitgetheilt, daß nach vorläufigen Rechnungsabschlüffen die Schutzgebiete für 1899 1900000 Mark Fehlbeträge aufweisen, welche durch die
E Gesundheitsschädliche Einflüsse in gewerblichen Betrieben.
Leben und Gesundheit der Industriearbeiter in ihrer gewerblichen Thätigkeit sind im wesentlichen durch zwei Umstänöe bedroht, durch Unfälle, welche mehr oder minder gefährliche Verletzungen und gegebenen Falls den Tod herbeiführen, und durch solche Einflüsse, welche mehr die inneren Organe des menschlichen Körpers treffen und deren Folgen sich als sogenannte Gewerbe- oder Berufskrankheiten bemerkbar machen.
Solche Einflüsse machen sich besonders bemerkbar in Betrieben der chemischen Industrie, Bleihütten und Walzwerken, Glashütten, Buchdruckereien, in der Tabak- und Cigarrenindustrie, der Textilindustrie, Schleifereien, Steinbrüchen rc. Namentlich zeigen sie sich in alten Anlagen, in denen die Anbringung von Einrichtungen zur Beseitigung schädlicher Gase und Dämpfe, des Staubes rc. mit Schwierigkeiten verbunden ist, und bauliche Veränderungen wegen der Beschränktheit des Raumes sich nur schwer durchführen lassen. Dagegen kann eine den gesundheitlichen Anforderungen entsprechende Einrichtung der Arbeitsräume leicht herbeigeführt werden durch die den Fabrikinspektoren zustehende Genehmigung der Pläne zu neuen gewerblichen Baulichkeiten. Mittelst dieser Befugniß ist auch seitens dieser Beamten für den Gesundheitsschutz der Arbeiter schon manches erreicht worden.
Ewige Gewerbeinspektoren weisen auf bett Widerstand hin, den noch immer manche Unternehmer den Einrichtungen zur Verhütung gesundheitsschädlicher Einflüffe entgegensetzen, weil sie gewöhnt find, „die Gefährlichkeiten eines Betriebes nur nach ihren unmittelbar fühlbaren Folgen zu beurteilen". Aehnlich schreibt der Gewerbeinspektor zu Koblenz: „Die auf die Beseitigung und Verminderung gesundheitlicher Gefahren und Schädigungen gerichteten Bemühungen finden bei den Arbeitgebern verhältnißmäßig weniger Ent- gegenkommen, als die zur Verminderung der Betriebsunfälle, weil Nothwendigkeit und Erfolg weniger in die Augen springen, weil sie durchweg kostspieliger find, und weil die Gleichgiltigkeit der Arbeiter gegen die zur Schonung und Erhaltung ihrer Gesundheit und Erwerbsunfähigkeit getroffenen Einrichtungen und Maßnahmen lähmend einwirkt." Letzteres ist z. B. auch bei den Badeeinrichtungen der Fall; diese werden oft so wenig benutzt, daß sich die Fabrikleiter darauf berufen können, dergleichen werde von den Arbeitern nicht gewürdigt. Bisweilen erklärt sich aber öie geringe Benutzung, wie z. B. der Beamte für Magdeburg heroorhebt, durch die Unzweckmäßigkeit der Anlage. In einigen Fabriken des dortigen Bezirkes war diese so getroffen, daß das Wasser in einer Centrale temperirt und von dort zu dm einzelnen Zellen geleitet wurde. Jnsolgedeffen badeten die Leute häufig zu warm, verließen dann ohne vorherige Abkühlung das
Worten: „Halte mich nicht auf, Wadi, ich habe meinen Ring verloren."
„Deinen Ring?" rniederholte fragend die Alte. „O Kind, das bedeutet Unglück, wenn man einen Ring verliert!"
„Ach was, Wabi, freilich ist es ein Unglück, aber ich werde ihn wiederfinden."
Damit eilte sie weiter. „Ist mein Vater auSgegangen?" fragte sie, schon unter der Thür stehend, Über die Schulter zurück.
„Ja Lori, er wollte noch einen Rundgang durch die Felder machen," antwortete die Alte und humpelte die Treppe hinab.
Als Lori ins Zimmer trat, lag Helene noch auf dem Sopha lang ausgestreckt und schien zu schlafen, wenigstens rührte ffe sich auch dann nicht, als Lsri eifrigft nach ihrem verschwundenen Kleinod suchte und schließlich leise weinend das Suchen für diesen Tag aufgab.
„Du, — Du bist an allem schuld," schluchzte Lori.--
Helene richtete sich halb aus ihrer bequemen Stellung auf, indem sie bemerkte: „Laß den Ring nur, wo er ist; ob Du ihn hast oder nicht, ist ja egal. Johannes bekommst Du deswegen doch nicht. Oder glaubst Du, daß Dein Vater jemals in eine Verbindung mit dem Sohne seines grimmigsten Feindes willigen würde? Darauf mache Dir nur gar keine Hoffnung, meine Kleine, sie wäre ja doch umsonst!"
„Mein Vater liebt mich, er wird mich nicht unglücklich machen. Ich bin entschloffen, ihm morgen alles zu sagen, und bau? fest auf feine HerzenSgüte."
„Du thust mir leib," bemerkte Helene spöttisch.
„Du mir auch, denn es ist doch hart, zusehen zu müssen, wie eine andere den Geliebten vorder Rase wegnimmt. Du bist diesmal zu spät auf« gestanden, Helene. Nun gute Nacht, geh' und leg' Dich schlafen, sonst paffirt es Dir noch einmal, daß Du die rechte Zeit versäumst, um einen Mann zu angeln!"
Damit warf Lori die Thür ins Schloß. Aufathrnend stand sie einen Augenblick auf dem dunklen Flur.
„So, das war ich meiner Gesundheit schulvig," murmelte sie lächelnd.
Helene aber schüttelte der sich Entfernenden mit zornrothem Gesicht beide Fäuste nach. Die jungen Mädchen hatten sich schon von jeher nicht besonders gut leiden mögen. Von diesem Tage an aber waren sie erbitterte Feindinnen geworden. —
Raum 15Psg.,R»» tarnen die Petit- »eile 26 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
entschieden wurde, aus den Kreisen M.-Gladbach Stadt und Land nur 50 eingestellt wurden, während sich z. B. für Westfalen das Verhältniß au 57 und für Ostpreußen auf 72 stellt. Es müßten daher in seinem Bezirke gesundheitsschädliche Einflüsse vorliegen, welche höchst wahrscheinlich in der hier vorherrschenden, mit großer Staubent- wickelung verbundenen Textil-Jndustrie zu suchen seien. Inwiefern aber die einzelnen Industrien ober deren Unterabteilungen die Entwickelung von Krankheiten förderten, würde nur dann zahlenmäßig festgestellt werden können, wenn dieAerzte der Krankenkassen angehalten würden, dahin gehende Aufzeichnungen zu machen. Solche Gutachten könnten dann, für größere Bezirke nach gleichartigen Industrien zusammengestellt, ein klares Bild über die Gefahrziffer der einzelnen Berufs- arten geben. Man würde bann auch in der Lage fein, festzustellen, welche Vorbeugungsmittel sich empfehlen. Auf Grund besonderer Beobachtungen kommt der dortige Gewerbe-Inspektor auch zu dem Schluffe, daß der Spinnerei-Betrieb gesundheitsschädlicher ist als der Weberei-Betrieb. Die Gründe für letztere Erscheinung dürften nach seiner Ansicht wohl in der größeren Staubbildung zu suchen sein. Der Gewerbetnspektor bedauert, daß noch keine Einrichtung bekannt sei, den Staub, der besonders an den Kratzen und bei den Ausstößen derselben entsteht, in wirklich zweckmäßiger Weise zu beseitigen. Günstiger liegen die Verhältnisse sür >ie Rauhereien. Hier wurde auf Anordnung des Gewerbeinspeklors hin eine größere Anzahl von Rauhmaschinen mit Staubabsaugeoorrich- tungen versehen, welche den Staub vermittelst unterirdischer Kanäle direkt entfernen. Wo dies nicht möglich war, wurde Sorge getragen, >en Staub aus dem Arbeitsraume durch künst- iche, dicht über dem Fußboden angebrachte Ventilationsoorricht-rngen abzusaugen.
Die Gewerbehv -jene oder die Lehre von der Verhütung der G verbekrankheiten bildet einen wichtigen Gegenstand der Unterrichtskurse der Arbeitervereine und Gewerkoereine; hier müssen bei der schon erwähnten vielfachen Unkenntniß der Arbeiter dies-Iben über die schleichenden, daher aber um so gefährlicheren, gesundheitsschädlichen Einflüsse der einzelnen Betriebe aufgeklärt, die Mittel z, deren Abstellung erörtert und die Erfahrungen über die beste Art der Verhütung ausgetauscht werden. Vor allem ist auch die Unterweisung in einer zweckentsprechen- Lebens- und Ernährungsweise, welche den Körper den gesundheitsschädlichen Einflüssen gegenüber widerstandsfähig macht, zu fördern. Da gerade die Gesundheit und die Erhaltung der Arbeitskraft als der einzigen Erwerbsquelle für den Arbeiter so wichtig ist, bedarf die Nothwendigkeit der Belehrung über die Gewerbehygiene wohl keines weiteren Nachweises.
111.
Am anderen Morgen erwachte Lori sehr früh, schwere Träume hatten sie die Nacht über gequält, und ihr keinen erquickenden Schlummer stnden lassen. Durch die Unterredung mit Helene war sie stark aus dem Gleichgewicht ge- kommen, und fühlte eine bleierne Müdigkeit in allen Gliedern. Sie kühlte das Gesicht mit frischem Wasser und kleidete sich rasch an. Der Himmel hing voll schwerer, grauer Wolken, die die Sonne nicht zu durchdringen vermochte; trotzdem herrschte eine drückende Schwüle draußen, wie vor einem schweren Gewitter.
Lori durfte wohl kaum hoffen, Johannes jetzt schon zu treffen, doch wollte fie einstweilen hinausgehen, und auf ihn warten; fie mußte
hn heute sehen, um von ihm die oft gehörte Versicherung seiner wandellosen Liebe und Treue aufs Neue zu erhalten, und aus seinen Augen u lesen, daß er sie, nur sie allein liebe, und mmer lieben werde.
Nicht lange brauchte Lori zu warten, — da wurde auch schon die hohe Gestalt des Geliebten zwischen den Bäumen sichtbar, und als das junge Mädchen dann an seiner Brust das Köpfchen »arg, da legten sich allmählich die Wogen der Erregung, sie wurde wieder die neckische. Über» müthige Lori, b e sie immer gewesen. Johannes »esiegte lächelnd ihre letzten Zweifel, er strich iebkosend über das seidenweiche, blonde Haar, >a8 in unzähligen Löckchen sich über der weißen Stirn krauste,
„In Bezug auf Helen? brauchst Du Dir niemals eine Sorge zu machen, mein Liebling," sagte er, zärtlich Loris Hanv drückend; „wenn fie mir jemals sympathisch gewesen wäre, so hätte fie durch ihr gestriges Benehmen den letzten Rest davon ausgelöscht; fie stößt mich direkt ab."
„Ich wäre gestern beinahe ein wenig eifersüchtig geworden; wenn ich bedenke, wie schön und geistreich Helene ist, diese Figur, — wahrhaft königlich."
„Bah, diese Schönheit täuscht nicht Über die Leere und Hohlheit ihres Herzens hinweg; sie ist wie ein schöner Apfel, dem man es von außen nicht anfieht, daß er inwendig zu faulen beginnt. Du hast Da denn etwas anders in die Waagschale zu werfen mein Lieb; etwas, das nie vergeht, wie Jugend und Schönheit, sondern das 6 leibt fürs ganze Leben: Deine
mit AnterHaltungs -Anlage „Zlluflrirte Sonntags-Zeitung"
Die kleine Lori.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
8 ------ (Nachdruck verboten.)
Lori hatte allmählich ihre Fassung wieder- gewonnen und eilte, da sie eben zu Hause anlangten, auf ihr Zimmer, um gleich daraus mit einem kleinen Etui zurückzukehren, das sie Helene entgegenhielt. Die Letztere hatte sich's inzwischen auf dem Sopha bequem gemacht und betrachtete nachlässig einen an ihrer Hand befindlichen zierlichen Ring, dem in der Mitte ein blitzender Diamant eingefügt war.
„Willst Du nicht das Geschenk ansehen, das Johannes mir gemacht hat?" fragte Lori, — „vielleicht glaubst Du mir dann."
„Nein," rief Helene zornig, „vermuthlich irgend ein Schmuckgegenstand, das beweist noch gar nichts!"
Lori öffnete vorsichtig das Etui und entnahm demselben einen Ring, den sie mit glücklich strahlenden Augen ihrer Kousine entgegenreichte. Diese stieß mit der Hand danach, daß der Ring auf den Boden fiel, wo er fortrollte und nicht mehr aufzufinden war, so viel Lori auch suchen mochte; er schien wie von der Erde verschwunden.
Da es inzwischen dunkel geworden war, ging Loxi sich ein Licht zu holen, um besser suchen zu können. Draußen begegnete ihr die alte Wabi, die schon feit mehr als zwanzig Jahren im Brrneck'scheu Hause biente; sie wollte nach chrer Art mit Lori ein Gespräch an- fangen. Doch diese eilte an ihr vorbei mit den |