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27. Jahrgang.

Iirt'öcr. Dienstag, dm 27. November 1900.

M 272.

0 Das Centrum.

Die letzten Sitzungen der CentrumSfraktion des Reichstages haben reiche Frucht getragen: Eine ganze Reihe hochwichtiger Anträge für den Reichstag hat durch sie feste Form und Gestalt erhalten.

Der wichtigste unter ihnen ist der Toleranz- Antrag, der Antrag auf gleichmäßige Durch­führung der Religionsfreiheit für das ganze Reich. Was er enthält, was er bezweckt, ist bereits besprochen. Es bleibt noch übrig einige Worte zu sagen über die Aufnahme, die er bis­her in der Presse anderer Parteien gefunden hat. Auch solche Blätter, die sich bisher stets ausgezeichnet haben durch feindselige Haltung gegen alles, was katholisch ist und katholisch sein will, haben bisher kein Wort der offenen Gegner- schäft gegen den Antrag gebracht: daS ist an sich schon ein Beweis dafür, daß der Antrag auf sehr festen, sehr schwer unanfechtbaren Grund­lagen aufgebaut ist. Von größtem Interesse find einige Sätze, die die nationalliberale Ber­liner »National-Zeitung' dem Toleranz-Antrage widmet; doppelt interessant, weil gerade diese Zeitung zu den ausgesprochen kirchenfeindlichen Blättern zu rechnen ist: „Dieser Antrag des -Eentrums bedeutet, kurz gesagt, die Aufnahme der während des kirchenpolitischen Kampfes auf» gehobenen preußischen Verfassungs­artikel über die Freiheit der Kirche in die Reichsgesetzgebung. . . . Gegen manche der vorgeschlagenen Einzelbestimmungen ist nicht das Mindeste einzuwenden; sie würden nur veraltete und ungerechte Beschränk­ungen der katholischen Kirche, welche in Sachsen, Mecklenburg, Braunschweig bestehen, abschaffen."

Damit werden mehrere wichtige ZugestLnd- niffe in einem Zuge gemacht. Erstens wird zu­gestanden, daß die katholische Kirche auch in Preußen noch nicht wieder die Freiheit erlangt hat, die sie vor dem Kulturkämpfe hatte; daß also thatsächlich noch Reste des Kulturkampfes in Preußen bestehen und die Freiheit der Kirche einschränken. Dann aber wird aber auch hier unumwunden zugegeben, daß in manchen deutschen Bundesstaaten die katholische Kirche bedrückt wird durch „veraltete und ungerechte Beschränkungen", daß also thatsächlich von einer Durchführung der Religionsfreiheit bei uns im Deutschen Reiche nicht die Rede sein kann. Mehr an Zugeständniß von dieser Seite kann man kaum verlange a; man kann daraus die günstigsten Schlußfolgerungen herleiten für die Aufnahme des Centrumsantrages im Reichstage.

Und ein besonderer, grundsätzlich wichtiger Punkt darf nicht übersehen werden. Kirchliche Angelegenheiten haben bisher in die Zaständig- keit der ei>-z:lnen Bundesstaaten gehört. Der Cen­trumsantrag geht von dem Gesichtspunkte aus, daß in Zukunft alles Kirchliche Reichsangelegenheit sein oder doch wenigstens in allen Bundesstaaten unter der Zuständigkeit der einzelnen Bundesregierungen gleichmäßig geregelt sein soll. Freiheit der Religion und der Religionsgemeinschaften im ganzen Reiche — der einzig wahre Grundsatz sür das zwanzigste

Die Meine Lori.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

"7 ------- (Nachdruck verboten.)

Helene machte eine unwillige Gebärde. Mußte dieser Mensch denn immer recht haben?

„Indessen," fuhr Johannes unbeirrt fort, „das alles muß eben vor der Heirath überlegt und geprüft werden, und wenn die Beiden sich nicht einigen können, dann mögen sie in Gottes Namen wiederauseinander gehen, sie haben dann Beide nichts aneinander verloren."

„Ja, aber di« rechte, glühende, heiße Leiden­schaft fragt nicht und wägt nicht lange, sie trachtet einzig nach dem Besitze dessen, den sie begehrt, mögen die Ansichten auch noch so verschieden sein."

„Diese Leidenschaften gleichen einem Stroh­feuer, mein Fräulein, und ein solches verlischt eben so schnell, wie es entbrannt ist."

Helene blß die Zähne in die Unterlippe. Diesem Menschen, der da so ruhig an ihrer Seite dahivschritt, war kaum beizukommen; aber er sollte die Macht der Leidenschaft kennen lernen. Wozu war sie denn schön und jung, wenn es ihr nicht einmal gelingen sollte, einen solchen Mann zu besiegen?

Lori fühlte sich mehr und mehr bedrückt; ihr war so beklommen zu Muthe, so ängstlich; sie war herzlich froh, als man sich endlich trennte. Der Kopf schmerzte sie und eine bange Ahnung wollte in ihr aufsteigen. Das Helle Lachen Hele­nens klang noch immer in den Ohren des Mäd­chens nach, das sich immer wieder die Frage vorlegte: Wird Johannes auch stark genug sein,

Jahrhundert, ein wahrer Fortschritt in dem edel­sten Sinne des modernen Rechtes!

Staatsrechtliche Klarheit bildet den Leitsatz eines anderen hochwichtigen Centrums­antrages, des Antrages nämlich auf Einsetzung eines StaatSaerichtShofeS. Zweifelnde Stimmen in der Presse warfen die Frage auf, ob dieser Antrag i einem Wesen nach zusammen­gehöre mit dem sozialdemokratischen Anträge auf neue Verfassungsbestimmungen über die Verant­wortlichkeit des Reichskanzlers. Kein Gedanke daran. Der Antrag der Sozialdemokraten hat nur agitatorische Zwecke, er soll Rcklame machen sür die Antragsteller, und wieder einmal sorgen für das Aufregungsbedücfniß der „Genossen" im Lande. Der CentrumSantrag ist ernst gemeint und fußt auf unliebsamen Ereignissen der letzten Jahre. Man braucht nur an den Lippe' scher» Erbfolgestreit zu denken und an die Verlegenheiten und unzähligen Unklarheiten, die derselbe zu Tage förderte, um von der Nothwendigkeit eines solchen StaatsgrrichtShofes überzeugt zu sein. Nach dem C-ntrumsantrage sollen vor denselben gehören Streitigkeiten zwischen dem Reiche und einem Bundesstaate, oder zwischen verschiedenen Bundesstaaten über öffentlich-rechtliche Befugniffe; Streitigkeiten über die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers und seiner Stellvertreter; Ser« faffungsstreitigkeiten über Thronfolge, Regent­schaft, Regierungsfähigkeit und bergt mehr; Be­schwerden über Hemmung der Rechtspflege in einem Bundesstaate, und endlich Entscheidungen darüber, ob eine landesrechtliche Bestimmung im Widerspruche steht mit dem Reichsrechte. Daß wir eine solche Instanz noch nicht haben, ist eine arge Lücke in unserem Reichsgebäude; die Ausfüllung derselben ein offenbares Bedürsniß.

Dem Mittelstände und den minder be­mittelten Volksschichten gehört ein Antrag der Centrumsabgeordnkten Groeber, Dr. Lieber und Dr.Pichler: danach sollen das Gesetz über den unlauter« Wettbewerb erweitert, das Aus­verkaufswesen geregelt und die Härten deS Ge­setzes über die Abzahlungsgeschäfte beseitigt, das Gutschein-System verboten UNd die Errichtung von Beamten- und Osfizierswaarenhäusern ver­boten werden. Gleichzeitig wird beantragt, Er­hebungen anzustellen über die Wirkungen der Kartelle, Syndikate und industriellen Ringe.

Den Arbeitern insbesondere sind die An­träge gewidmet auf sozialpolitischem Gebiete: Einsetzung von organisirten Arbeiterver­tretungen und die pflichtmäßige Errichtung von Gewerbegerichten in allen Gemeinden mit mehr als 20,000 Einwohnern (Antrag Trimborn). Diese letzten beiden Anträge sind herübergekommen aus der voraufgegangenen Tagung des Reichs­tages.

Und nicht zu veraessen ist die Interpellation des Cmtrumsabg. Müller-Fulda wegen der Kohlennoth. Fürwahr, durch die Zusammen­stellung dieser Anträge und Anregungen wird die Centrumspartei so recht gekennzeichnet als eine Volkspartei im wahrsten und besten Sinne des Wortes. Freiheit der Religion im ganzen Reiche; Klarheit in seiner staatrgesetz- lichen und staatsrechtlichen Organisation; Hebung

den Lockungen zu widerstehen? Wird Helene nicht am Ende doch noch siegen? O, eS wäre grausam, furchtbar arausam! Wie kindisch und unbeholfen mußte sie heute dem Geliebten er­schienen sein neben der formgewandten, schönen, eleganten Konstne, die so gelehrt zu plaudern verstand, während sie — Lori — nichts zu sagen wußte, ach, sie hätte am liebsten geweint.

Diese Stimmung wurde noch verschlimmert, als Helene ar sing, sie in ihrer spöttischen Weise zu hänseln.

„Bist ja heute recht unterhaltend gewesen. Kleine," sagte sie leichthin, ohne zu ahnen, daß sie damit einen Sturm heraufbeschwor. „Wußtest Du denn rein gar nichts zu sagen? Bist ja nebenher gelaufen, wie eine richtige Land­pomeranze."

In Lori's Augen traten Thränen. Um den kleinen Mund zuck'e eS wie verhaltenes Weh.

„Du hast ja allein schon genug geplaudert, ich habe zugehört."

„Mein Gott, ja, aber man muß sich doch bemühen, seinen Theil zur Unterhaltung beizu­tragen, sonst gilt man für dumm und wird aus- gelacht."

„O, Johann--Herr Lindemann wird

mich sicher nicht auSlachen, das weiß ich ganz gewiß."

„So," spottete Helene, — „nun ja, — es kann — sein, er hat Dich eben überhaupt nicht beachtet, er sah nur mich. O, dieser echte, deutsche Bär, — ich liebe ihn trotz aller seiner spießbürgerlichen Ansichten, die ich ihm schon ab­gewöhnen will! Zu meinen Füßen soll erliegen und um Gnade betteln, der süße, barbarische

des materiellen Wohlstandes der kleinen Leute und Schutz derselben gegen den überwuchernden Einfluß des Großkapitals; staatlich anerkannte und dauernd fest eingerichtete Vertretungen der Arbeiterschaft zur Wahrung ihrer Rechte und Förderung ihrer berechttgten Ansprüche — das ist ein politisches Programm, wie es in ähnlicher Vorzüglichkeit keine andere politische Partei des Reiches aufweifen kann. Das ist ein Programm des wahren Forschrittes, und damit hat das Crntrum daS Recht erworben, die einzig wahre Fortschrittspartei des Deutschen Reiches zu sein.

Deutsches Reich.

Berlin, den 26. November.

• Der Kaiser ist heute Abend 5 Uhr aus Kiel nach dem neuen Palais in Potsdam zurück- gekehrt. — Der Kaiser hat dem Reichstage sieben neue Zeichnungen verehrt, welche den Stand der Mar ine Verhältnisse veranschau­lichen sollen. Es befindet sich darunter eine Tafel über den Stand der Flotte in den ost- asiatischen Gewässern.

+ Professor MiMSakd Aey schlag in Halle ist am letzten Sonntag im Alter von 70 Jahren gestorben. Professor Beyschlag ist während seines Lebens einer der eifrigsten Wortführer im „Kampfe gegen Rom" gewesen. Der sogenannte „Evangelische Bund" hat in ihm eine seiner größten Leuchten verloren und hat allen Grund, in dem Verstorbenen einen seiner Hauptförderer zu betrauern. Professor Beyschlag war in dem Evangelischen Bunde einer der noch am besten unterrichteten Männer; und dennoch bat er es sich häufig genug gefallen lassen müssen, von katholischen Gelehrten und Theologen der ärgsten Trugschlüsse überführt zu werden. Jetzt ist her alte Kämpfer, welchem Kampf Bedürsniß und Lebenselement war, aus diesem Leben geschieden und vor den höchsten Richter geladen. Möge derselbe ihm gnädig sein!

Q Dar Diegelaag der gewerökiche» Kia- derardeil außerhalb der Fabriken sind, wie be­kannt, im Reichsamte des Innern Vorschläge aus­gearbeitet worden. Diese Vorschläge sind nun­mehr, wie die offiziöse ,Nordd. Allg. Zig/ mittheilt, den Bundesregierungen zur Prüfung zuge­gangen. Nach den voraufgegangenen Mittheilungen hätte man glauben sollen, daß das bereits seit längerer Zeit geschehen sei.

ft Die letzten Merrvahtruujälle beschäf­tigen gegenwärtig das Reichseisenbahnamt. Offi­ziös wird berichtet: Auf Veranlaflung des Reichs­kanzlers hat das Reichseisenbahnamt die am Eisenbahnwesen hauptsächlich betheiligten Bundes­regierungen eingeladen, über die Maßregeln, die wegen der jüngsten schweren Unfälle etwa zu treffen sein werden, gemeinsam kommissarische Berathurgen zu veranstalten.

h Dav Ansverkaufsweseu war Gegen- stand von Erhebungen, die in Preußen auf Veranlassung des Reichsamtes des Innern vor­genommen wurden. Diese Erhebungen find nunmehr abgeschlossen. Ihre Ergebnisse unter­liegen, wie halbamtlich berichtet wird, der

Bearbeitung. Es ist aber noch kein Beschluß darüber gefaßt, in welcher Weise diese Ergeb­nisse verwerthet werden sollen.

+ Die AadgetKommisKon des Aeichs- tages ist heute (Montag) zu der ersten Sitzung in dieser Tagung des Reichstages zusammenge­treten; aber nicht, um zu berathen, sondern um sich wieder zu vertagen. Auf der Tagesordnung stand die China-Vorlage. Der Vorsitzende, Abg. non Rarborff, (heilte bei Eröffnung ber Sitzung mit, baß er die Kommission erst für nächste Woche berufen wollte, baß eS aber ber Reichstagspräsi» bent Graf Ballestrem im Seniorenkonvent burchgesetzt habe, bie Kommission schon für heute zu berufen. Abg. Dr. Lieber meinte, die Kom­mission habe sich vom Seniorenkonvent keine Tagesorbnung vorschreiben zu lassen, das fei bis­her nicht üblich gewesen. Diese wichtige Vorlage ober müsse grünblich unb ohne Unterbrechung bnrchberathen werden, unb bas sei gar nicht mög­lich, ba nur die Hälfte der Mitglieder anwesend fei (16 von 28). Dr. Lieber stellte den Antrag, die Verhandlungen der Kommission bis zum 4. Dezember zu vertagen. Die Abgg. Bebel und Singer erklärten sich gegen, die Abgg. Graf Kliuckowström (kons.), Graf Oriola (natl.) unb Graf Stolberg (kons.) für ben Antrag Lieber, für ben auch Abg. Eugen Richter eintrat. Dieser letztere schlug gleichzeitig vor, ben Präsidenten des Reichstages zu ersuchen, den Beginn ber ersten Etatslesung im Plenum bis zum 10. Dezember zu ver­schieben. Dieser Vorschlag würbe von bem Vor­sitzenden der Kommission, bem Abg. von Kar» borff, unterstützt unb danach von der Kommis­sion angenommen.

* Der Serrioreukouveut hat in Gemein­schaft mit dem Präsidenten über die Geschäfts­lage des Reichstages berathen und folgende Dispositionen verabredet. Zunächst sollen bie Interpellation ber Nationalliberalen betr. bie Militärinvaliden, bie Seemannsordnung unb baS Gesetz über bie privaten Versicherungs-Unter­nehmungen zur ersten Berathung gelangen. AIS- bann gelangt — frühestens am 2. Dezember — bet Etat pro 1901 zur ersten Berathung. Hieran soll sich bie Berathung eines Antrags betr. bie Einführung ber Berufung in Straf­sachen (Antrag Rintelen) schließen. Bis zu biesem Zeitpunkte hofft bie Budgetkommisston — welche am 4. Dez. mit ihrer Thätigkeit beginnt — mit der Berathung deS China-Nachtragetats fertig zu fein. Es wird dann die zweite und dritte Be­rathung der Chinavorlage im Plenum des Reichs­tags erledigt werden. Wenn dir Geschäftslage eS zuläßt, sollen die Weihnachtsferien am 14. Dezember beginnen und bis zum 8. Januar dauern.

Ans Vern Reichsta-e.

8. Sitzung vom 26. November 1900.

Auf der Tagesordnung ter heutigen Sitzung steht zunächst die Inlerpettatton der Abgg. Graf Hriok« und Gen. (natl.); , ,

„Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft „darüber zu geben, os die Vorarbeiten für die „von dem Herrn KrtegSminifter in Aussicht ge-

Helene trat näher und betastete mit höhnischem Grinsen die Stirn des jungen Mädchens.

„Mir scheint, Du bist nicht ganz bei Sinnen, Kleine!" ,

Fütchte nichts, Helene, ich wiederhole Dir, es t'i't so wie ich sagte, Johannes hat mir ewige Liebe und Tr-ue geschworen."

Bei dem festen, sicheren Ton Loris erblaßte Helene doch ein wenig.

„Dir,--Dir,--Liebe und Treue

geschworen," rief sie und verfiel dann abermals in ein gezwungenes Gelächter, — „Dir — aber nein, — das ist doch nicht möglich, — das kann ja gar nicht sein."

„Und warum erscheint Dir denn das so un­möglich?" fragte Lori mit bebenden Lippen. „Hältst Du es für so unbegreiflich, daß ein Mann mich liebt?"

Helene zerrte nervös an ben schleifen des Kleides und schaute bie Sprecherin durchbohrend an.

„Kleine Schlange!" höhnte fie bann, „aber noch ist es nicht entfliehen. Denkst Du Dir bas so leicht, gegen eine solche Rivalin, wie ich eS bin, anzukämpfen?" .

„Ich denke, Johannes wird fern Wort halten, das er mir verpfändet hat, denn et ist ein Ehrenmann," sagte Lori einfach.

„Wir werden ja sehen. Vorläufig gebe ich bas Spiel keineswegs verloren; auch hast Du nicht ben geringsten Beweis dafür geliefert, bafe Du bie Wahrheit gesprochen, jedenfalls hoffst Du Johannes erst für Dich zu gewinnen unb willst mich nur abschrecken. Sein heutiges Be­nehmen gegen Dich war wirklich nicht dazu an» gethan, Deine Worte zu bestätigen; er that p, als kenne er Dich gar nicht!" (F- f )

Mann, den ich bald besiegt haben werde. Jetzt habe ich ja leichtes Spiel, nachdem ich erst mit ihm bekannt bin, soll es mir durchaus nicht schwer werden, ihn zu gewinnen."

Das war zu viel für Lori. Mit blitzenden Augen, die zierliche Gestalt reckend und streckend, das leichenblasse Gesicht der stolzen, hochmüthigen Sprecherin voll zugewendet, rief sie dieser zu: „Gib Dir doch nicht so viel Mühe, diesen Mann für Dich zu kapern, denn das wird Dir doch nicht gelingen!"

ES klang schneidend von den Lippen des jungen Mädchens, doch Helene lächelte gering­schätzig.

„Und wesha'b nicht, wenn ich fragen darf, Kleine?"

„Weil er sich mir bereits versprochen hat, weil er mir gehört, mir ganz allein!“--rief

Lori, alle Vorsicht vergessend.

Helene faßte offenbar im ersten Augenblick den Sinn ber mit schwerer Betonung gesprochenen Worte nicht. Eine kleine Pause entstaub, bann aber brach das schöne Mädchen in ein so lautes, überwüthigeS Gelächter au8, daß ihm die Thränen aus den Augen liefen und daß eS sich die Seiten halten mußte.

„Das ist ein köstlicher Spaß, kleine Lori, ich hätte Dir gar nicht zugetraut, daß Du so witzig sein kannst!"

„Kein Spaß, Helene, sondern wirklich und gewiß die Wahrheit!"

Lori bedachte nicht, daß fie ihr ganzes Ge- heimniß preisgab, fie war nur bemüht, bie Cou­sine zu überzeugen, um biefe von ihrem Vorhaben abzubringen.