1 FuldnerOZeitung
Mmut-. Die ein» spalt. Garmond- seile ober deren RaumlSPfg^Ae» Namen die Petitzeile ‘25 Pfg.; Bei Wiederholungen nnrdentsprechend. Rabatt gewährt.
--ssää:-** mit Anterhatümgs-Beilage .Mustrirte Sonntags-Zeitung"
M 270.
JuLöa, Samstag, den 24. November 1900.
27. Jahrgang.
0 Neue Anträge zum Börsengesetz.
Dem Reichstage liegen zwei neue An» träge zum Börsengesetze vor. Der eine Antrag rührt von der Freisinnigen BolkSpartei her und schlägt vor: die Verpflichtung zur Tin» tragung in daS Börsenregister solle beschränkt werden ans diejenigen Personen, die nicht in daS Handelsregister eingetragen find; die Unwirksamkeit des Termingeschäftes solle sich nicht erstrecken auf die bestellten Sicherheiten und auf die abgegebenen Schuldanerkenntniffe.
Der andere Antrag ist von konservativer Seite gestellt. Er trägt den Namen des Abg. Freiherrn v. Wangenheim und strebt an, die verbotenen Termingeschäfte unter Strafe zu stellen.
Eigentlich ist es wunderlich, daß im Reichstage Anträge eingebracht werden, die darauf abzielen, gesetzlich oerbotene Handlungen auch zu bestrafen. Etwas, das gesetzlich untersagt ist, ssollte doch eben von Niemand begangen werden. Tatsächlich aber werden Termingeschäfte, die durch das Börsengesetz verboten find, in reichlicher Anzahl gemacht und an den Börsen abgeschloffen; und wenn das erwiesen wird, dann dürfte man nicht zögern, dem Gesetze diejenige Achtung zu verschaffen, die Gesetze verdienen und unbedingt finden müffen, wenn nicht unsere ganzrGesetzgebung einen Anklang ans Possenhafte erhalten soll. Der konservative Antrag steht also auf ganz gesundem Boden und verlangt etwas, das man eigentlich kaum anders als selbstverständlich nennen kann. Der freisinnige Antrag aber strebt eine Förderung solcher Dinge und Handlungen an, die gesetzlich verboten sind. Allerdings stehen, wie bekannt, die Börsenspekulanten selbst auf dem Standpunkte, daß das Börsengesetz in seiner gegenwärtigen Faffung auch das reelle Börsengeschäft schädlich beeinflusse; und in diesem Sinne haben sich auch einige kaufmännische Körperschaften mit einer Eingabe an den Reichskanzler gewandt.
Reichskanzler Graf Bülow steht bei den Börsengrößen in dem Gerüche, ihr besonderer Freund zu sein, der das offen nur nicht zuge- stehen wolle. Die fteihändlerische Börsenpreffe scheint kein Gefühl dafür zu haben, daß sie damit den Börsenkreisen nichts weniger als eine Schmeichelei sagt, wenn sie selbst die Annahme unterstützt, der Kanzler schäme sich eines offenen Bekeuntniffes seiner angeblichen Börsenfreundschaft. Und außerdem fehlen ihr alle wirklichen Beweismittel dafür, daß sie recht habe mit dieser Annahme. Eine soeben erschienene halbamtliche Kundgebung widerspricht derselben sogar geradezu. Diese offiziöse Stimme er- thellt nämlich den Freunden einer erneuten Erleichterung und Förderung der Börsenspekulation den erheiternden Rath, fie möchten sich zunächst mit ihren Vorschlägen an diejenigen Leute
Aus den letzten Tagen eines Berurtheilten.
Vor den Asfisen zu A. wurde in den 50er Jahren ein Raubmörder zum Tode verurtheilt. Die Einzelheiten feiner Frevelthat waren so grausiger Natur, daß die Geschworenen weder mildernde Umstände annahmen, noch ihn der Gnade des König« empfehlen konnten. Mit dumpfer, kalter Ruhe hörte er sein Urtheil und ließ sich mit trotziger Geberde aus dem Gerichtssaal nach seiner Zelle int Kriminalgefängniffe führen. Alles Zureden de« Gefängnißgeistlichen schien an dieser in Verbrechen verwilderten Natur wirkungslos abzugleiten, ebensowenig schienen die hin und wieder angebrachten Bitten der dienstthuenden „Schwester" (int Kriminalgefängnisse zu A. versahen OrdenS- fchwestern zur größten Zufriedenheit der Behörden den Pflegedienst) den geringsten Eindruck auf ihn zu machen. Eines Morgens erschien Schwester Veronika wieder in der Zelle des Berurtheilten, fetzte den Wasserkrug an feinen Ort und heftete dann ein kleines Bild des hl. Joseph, des Namenspatrons des Berurtheilten, an die Wand der Zelle. „Das ist das Bild des hl. Joseph, des Patrons aller Sterbenden", sagte die Schwester und entfernte sich wieder. Der Verbrecher hatte anfangs ihrer Arbeit zugesehen, sank aber bald in sein dumpfes Brüten zurück; ihn schien nichts zu kümmern, nichts zu rühren und aufzuregen. „Hier Hilst nicht« als beten", sagte die Schwester zu ihren Mitschwestern, „menschliche Kräfte richten an dieser Natur nichts aus!' — Der Gefängniß- geistliche ermahnte und beschwor den Unglücklichen wiederholt, sich mit Gott auszusöhnen, erhielt aber
int Reichstage wenden, die dem geltenden Börsengesetze seine gegenwärtige Form gegeben haben. Diese Mehrheit besteht aus dem Centrum und aus den Konservativen; fie würde den Versuch börsenliberaler Streife und anderer Schutztruppen der Börse, sie umzustimmen und die Grundsätze, auf denen ihre ganze Anschauungsweise beruht, zu verändern, nur mit einer Heiterkeit aufnehmen können, die ftlr die Antragsteller außerordentlich peinlich sein müßte. Denn daS würde nichts anderes sein, als wenn Gchutzzöllner zu Freihändlern kommen und sie schön bitten wollten, doch von nun an auch Schutzzöllner zu sein und chre fteihändlerischen Grundsätze an den Nagel zu hängen.
Nun kommt ferner hinzu, daß das Börsen- gesetz soeben erst seine neue Gestalt erhalten hat. Der vorher erwähnte OsfiziosnS sagt deswegen mit vollkommenem Rechte, es sei „an sich immer mißlich, nach so kurzer Zeit, wie seit dem Inkrafttreten deS Börsengesetzes verflossen ist, mit gesetzgeberischen Amderungen heroorzntreten". Natürlich, denn man macht nicht in dem einen Jahre Gesetze, um sie im Jahre danach wieder umzustoßen. Und außerdem weiß die Regierung ganz genau, daß sie im Reichstage gar keine Aussicht auf Erfolg haben würde, wenn sie den Börsenliberalen wirklich den Gefallen thun und in deren Sinne von Neuem eine neue Aenderung deS Börsengesetzes vorschlagen wollten. Einem Monarchen zu Liebe opfert sich wohl ein Staatssekretär auf, um hoffnungslose Gesetzentwürfe auszuarbeiten, einzubringen und vor der Volks- Vertretung zu vertheidigen. Aber ist eS mehr als naiv von der Börfenaristokratte, sich der Hoffnung hinzugeben, daß die Regierung auch um ihrer schönen Augen willen sich einen ähnlichen Korb vom Reichstage holen möchte, wie beim sogenannten Zuchthausgesetze. Die gekennzeichnete halbamtliche Kundgebung läßt darüber auch keinen Zweifel bestehen. Es heißt darin: „Vorschläge, welche keine Aussicht auf Annahme im Reichstage hätten, zu machen, kann der Regierung weder zugemuthet we ben, noch hätte ein solches Vorgehen praktischen 2Verth für die Beiheiligten."
Durch die eingebrachten Anträge wird bewirkt, daß der Reichstag auch in diesem Winter feine altgewohnte Börsendebatte wieder haben wird. Wenn die Freunde der zügellosen Börsenspekulation neue Gründe und Gesichtspunkte vorzubringen haben sollten, so ist ihnen dadurch also die Gelegenheit dazu in reichlichem Maße gegeben. Mehr zu verlangen haben sie vorläufig gar kein Recht.
Deutsches Deich.
Berlin, den 23. November.
+ Der Ileichs-Ktat ist dem Reichstage, wie bereit« berichtet, am Donnerstag zuqegangen. An diesem Samstag wird er an die Mitglieder des Reichstages vertheilt werden, und am nächsten Mittwoch soll die erste Lesung de« Etat« beginnen. Da» prompte Arbeiten der Regierungsmaschine macht einen angenehmen Eindruck. Die gesammte parlamentarische Welt wird dem neuen
keine Antwort. Auch das Gebet der Schwestern war scheinbar ohne Erfolg. Die Bestätigung des Todesurtheils, welches sich diesmal ungewöhnlich lange verzögert hatte, war endlich eingetroffen. Am zweitfolgenden Tage nach der Ankunft sollte der Verurtheilte durch das Fallbeil hingerichtet werden. Der Gerichtsbeamte verfügte sich sofort in die Zelle des Verbrechers, um ihm die Bestätigung de« Urtheil» vorzulesen und ihn auf den furchtbaren Ernst bet nahenden Stunde aufmerksam zu machen. Das Erscheinen des Gerichtsbeamten schien, obgleich er aus der ungewohnten Begleitung schließen mußte, was der Besuch zu bedeuten habe, keinen besonderen Eindruck auf den Verurtheilten zu machen: nur der düstere Trotz war aus seinem Gesichte gewichen und sein Blick mild und ruhiger geworden. Während der Verlesung der Bestätigung seines Todesurtheils hörte er aufmerksam und ruhig zu, und zuckte nicht einmal mit den Wimpern, als man ihm die Stunde feiner Hinrichtung mittheilte. „Also am Freitag Morgen um 7 Uhr. Ich hab's gewußt, daß es in dieser Woche kommen müsse", bemerkte der Verurtheilte fast trocken. Als der Gerichtsbeamte ihm zureden wollte, daß er sich christlich auf den Tod vorbereiten solle, unterbrach ihn der Angeredete: „Ich habe Ihnen schon gesagt, daß ich es wußte und habe mich bereit« darauf gerichtet. Es bedarf keiner weiteren Ermahnung von Ihnen, Herr StaatS- Prokurator. Sie haben Ihre Pflicht gethan. Damit ist'« genug." — „Was haben Sie gewußt ?" fragte verwundert und neugierig Der Gerichtsbeamte. — „Daß ich in dieser Woche sterben müsse", lautete die Antwort. — „Seit wann wissen Sie denn das?" fragte der ^Beamte weiter. — „Seit Montag weiß ich es", erwiderte der
Reichskanzler dankbar fein, wenn dieser dafür sorgt, daß stet« durch rechtzeitige Herstellung der Regierungsvorlagen die parlamentarische Arbeit gefördert werde. Die ParlamentSmüdigkeit, die in neuerer Zeit häufig so unangenehm sich fühlbar machte, hat ihren Grund nicht zum kleinsten Theil In der endlos langen Hinausziehung der parlamentarischen Tagungen, die erheblich kürzer hätten ausfallen können, wenn das gesetzgeberische Material der Regierung immer zur rechten Zeit zur Stelle gewesen wäre. — Die Budget-Kommission wird am 4. Dezember zusammentreten.
+ Die verfassungsmäßige Verantwortlichkeit de« Aanzker« bildet den Inhalt eines sozialdemokratischen Sensations-AntrageS, der bereits vor mehreren Tagen angekündigt wurde und nunmehr im Reichstage eingebracht worden ist. Nach diesem Anträge soll ein Staatsgerichtshof eingesetzt werden, der auS 24 vom Reichstage gewählten Mitgliedern bestehen soll. Dieser Gerichtshof soll nicht nur erkennen dürfen auf Absetzung des Reichskanzlers, sondern auch auf Verlust deS Rechtes, nach der Absetzung noch irgend ein anderes Amt zu bekleiden. Die Zahl der eingebrachten Anträge ist bekanntlich schon jetzt außerordentlich groß. Ganz allgemein besteht aber der auch von der Regierung getheilte Wunsch, daß diese Tagung deS Reichstages nur kurz sein solle. Man darf wohl also schon im Voraus annehmen, daß ein Theil dieser Anträge gar nicht zur Berathung gelangen werde. Wenn zu diesem Theil auch der sozialdemokratische Spektakelantrag gehören wird, wird sich vorausfichtlich niemand deswegen grämen. Es ist nur zu bedauern, daß unter solchem Unsinn auch die guten und ernsthaft gemeinten Anträge zu leiden haben werden.
X Der Kriminalkommissar Wiek, der im Sternberg-Prozesse die bekannte Rolle spielt, ist in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag auf die Anordnung des Ministers des Innern verhaftet worden. Die offiziöse ,Nordd. Allgem. Ztg/ berichtet darüber: „Die Vernehmungen auf dem Polizeipräsidium haben ergeben, daß der Kriminal- kornrniffar Thiel im Laufe des Monats August öfter» mit dem im Sternberg - Prozesse mit angeklagten Luppa zusammengetroffen ist und daß der Verdacht der Begünstigung vorliegt. Der Minister des Innern hat persönlich mit den zuständigen Beamten die weiteren Maßnahmen besprochen und Thiel ist, nachdem die Akten der Staatsanwaltschaft zur zuständigen Entschließung vorgelegt worden, heute Nacht verhaftet worden.—Der Kriminalkommiffar Thiel soll bekanntlich nach der Behauptung des Kriminalschutzmanns Stierstädter den Versuch gemacht haben, diesen letztern durch das Angebot einer Summe von 200,000 Mark zu verleiten, daß er vor feiner Behörde und vor Gericht die Aussagen zu Gunsten des Bankiers Sternberg gestalte. Unter seinem Zeugeneide hat Kriminalkommiffar Thiel diese Behauptung Stierstädters als unwahr erklärt. Auf gewiffe Aeußerungen des Staatsanwaltschaftsrathes Dr. R o m e n hin wurde nun Thiel Donnerstag Nachmittag mehrere Stunden lang im Polizeipräsidium eingehend vernommen und bald nachher im Einvernehmen
Verurtheilte. — Der Beamte hatte erst am vorigen Abend zu später Stunde die Bestätigung des Urtheils erhalten und bis zum Gange nach dem Gefängnisse Niemand Mittheilung davon gemacht. Ganz erregt sagte er deshalb: „Das ist gar nicht möglich. Seine Majestät der König haben erst am Montag das Urtheil unterzeichnet. Wie konnten Sie das also am Montag wissen?" Der Verurtheilte erzählte nun mit einem Blick nach dem Bilde seines Namenspatrons, daß er durch das Bild, das die Schwester in feiner Zelle angebracht hätte, an feine Jugend erinnert worden wäre. Damals fei er als Kind angeleitet worden, feinen Namenspatron fleißig zu verehren. Als die Schwester sich entfernt hätte, habe er es ange- fchaut und allmählich Zutrauen zum hl. Joseph gefaßt und still für sich zu beten angefangen. Doch die Angst vor dem ungewissen, so plötzlich hereinbrechenden Tode habe er nicht zu überwinden vermocht; deshalb habe er durch die Fürbitte de« hl. Joseph von Gott ein Zeichen erbeten, an welchem er erkennen könne, in welcher Woche er sterben müsse Den Tod halte er jetzt für eine verdiente Strafe. Auf die Frage des Beamten, welches Zeichen er denn erhalten habe, antwortete er: „Das war sehr einfach. Bisher hatte immer dieselbe Schwester mir das Essen gebracht. Wenn sie einmal nicht käme, sondern an dessen Stelle eine andere, dann solle mir das, so dachte ich, ein Zeichen fein, daß in derselben Woche die Be- stätigung des Todesurtheils ankomme. Das ist am vergangenen Montag geschehen. Da habe ich gewußt, woran ich sei und mich vorbereitet. Sie sehen, Gott erhört auch die größten Sünder. Auch ich habe an dem heil. Joseph einen Fürsprecher gefunden, den ich nicht umsonst angerufen habe."
mit der Staatsanwaltschaft verhaftet. In den ersten Morgenstunden des heuttgen Freitag ist dann Herr Thiel in das UntersuchungSge- fängniß abgeliefert worden.
+ Gegen die Gewährung von Diäten im Reichstage wird in einem Theile der Presse schon wieder mobil gemacht, namentlich in solchm Blättern, die an dem Niedergange des Parlamentarismus große Freude haben. So leisten stch die,Berl. Neuesten Nachr.' beispielsweise folgende Sätze: „Hoffentlich lehnen die Verbündeten Regierungen ' jede Aenderung der ReichSverfaffung glatt ab. Freie Fahrt zwischen dem Wohnsitze und Berlin und umgekehrt besteht unseres WiffenS ohnehin. Die Ansichten über den Einfluß der freien Fahrt auf die Frequenz der Plenar-Sitzungen sind recht verfchieden." Die Reichsregierung sollte dasür sorgen, daß Blätter, die auch zu offiziösen Mittheilungen benutzt werden, nicht mit solchen Gehässigkeiten sich vorwagen. Man kann nicht immer unterscheiden, welche Mittheilungen solcher Blätter auf den Regierungs-Einfluß und welche auf die eigene Erfindungsgabe der Redaktion zurückznführen find, so daß es leicht Vorkommen kann, daß die öffentliche Meinung zum Schaden der Regierung zu Ungunsten derselben Über deren Anschauungen und Absichten irre geführt werde.
tl Zur Wohnungsfrage haben nun auch die Nationalliberalen im Reichstage einen Antrag eingebracht. Als Antragsteaer sind die Abgeordneten Bassermann, Dr. Hieber und Möller unterschrieben. In dem Anträge wird um die Einsetzung einer Kommission ersucht, die aus Vertretern des Reiches und einzelner Bundesstaaten bestehen soll. Nach dem Anträge soll diese Kommission mit folgenden Aufgaben betraut werden: Durch eine Enquete sollen die Wohnungsverhältnisse im Reiche untersucht und festgestellt werden; die austauchenden Vorschläge für eine Wohnungsreform sollen geprüft und eS sollen über ausführbare Maßregeln Gutachten abgegeben werden; es sollen Vorschläge gemacht werden über die zweckmäßigste Organisation der öffentlichen Woh- nungSsürsorge und über Vermittelung deS erforderlichen Kredits für gemeinnützige Baugesellschaften und Baugenossenschaften durch den Staat und durch die Gemeinden.
• Die Kinwaudernug ausländischer Jude« bildet den Gegenstand eines Antrages, den der antisemitische Abg. Liebermann von Sonnenberg im Reichstage eingebracht hat. Der Antrag will diese Einwanderung vollständig verboten wissen. Schon früher einmal wurde dieser Antrag gestellt, und zwar von konservativen Mitgliedern des Reichstages.
X Oege« die geplante Drhöhuug der Oetreidezötke veranstaltet die sozialdemokratische Preffe einer wahren Sturmlauf. Selbst die Flugblätter der sonst bestgehaßten, hoch kapitalistischen freisinnigen Vereinigung müffen Stoff liefern zu diesem Kampf gegen den „Brotwucher" deS „maßlosen, ausbeuterischen Agrarier- lhurns". Auf die Nothlage der Landwirthschaft in Folge der von Jahr zu Jahr zunehmenden, statistisch nachweisbaren Verschuldung in Folge Er verlangte nun, daß man ihm den Gesängniß- Geistlichen schicken solle, um, wie er sagte, „nun seine schwere Rechnung" enbgittig abzuschließen.
Der Gerichtsbeamte entfernte sich, nicht wenig verwundert Über die Worte und daS Benehmen des früher so verstockten Mörders. Bevor er daS Gefängniß verließ, suchte er Schwester Veronika auf, um von ihr nähere Auskunft Über die Veränderung des Berurtheilten und deffen Aussagen zu erbitten; u. A. sagte ihm die Schwester, am Montag, während der Schließer herbeikam, um die Zelle zu öffnen, damit fie dem Berurtheilten die Speisen Überreiche, fei Schwester Klara eilig herzugetreten, um fie zur Oberin zu rufen, welche fie augenblicklich zu sprechen wünsche. So fei es also gekommen, daß an diesem Tage Schwester Klara dem Gesangenen das Mittageffen überreicht habe.
Der Gesängniß-Geistliche fand den Verurtheilten auf den Knieen vor dem Bilde bis hl. Joseph. Nachdem der Sünder eine vollständige und reu* müthige Beichte abgelegt hatte, durfte der Geistliche kaum noch von seiner Seite gehen. Er beharrte fest und unerschütterlich bei der Behauptung, daß Gott ihm wirklich daS erbetene Zeichen geschickt und er also noch Gnade zu hoffen habe.
Früh am andern Morgen wohnte er in erbaulicher Weise dem Gottesdienste bei, empfing unter vielen Thränen daS heil. Sakrament und betete bann um Muth unb Stärke für den be» vorstehenben letzten Gang. Diesen trat er bald nachher mit einer solchen Ruhe unb Festigkeit an, erlitt den Tob unter dem Fallbeile mit solch' reu» müthiqer Ergebenheit, daß die Anwesenden mehr durch diesen christlichen Muth erbaut wurden, at8 das schreckliche Schauspiel sie ergriff.