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ilwferet*: Die tin« patt. Garmond« teilt ober beten Raum 1b Pfa.,Re­klamen bie ißetit- zeile 26 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

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JS 270.

JuLöcr, Samstag, den 24. November 1900.

27. Jahrgang.

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unentgeltlich verliehen an solche Mitglieder, die sich und Andere zu belehren wünschen. Nicht zu vergessen find die Volks-Bureaus und die soziale Auskunfts - Stelle in M. - Gladbach, welche auch von Landwirthen in Fragen der Arbeiter - Ver­sicherung rc. sehr viel benutzt werden. In Württem­berg, wo kein christlicher Bauern-Vrrein existirt, ist ein Bauern-Anwalt des Volksvereins angestellt, der sehr in Anspruch genommen war durch schrist. liche Äuskunfts-Erthellung, Abhaltung von Ver­sammlungen, Veröffentlichung von belehrenden Artikeln in den Zeitungen, Gründung von länd­lichen Genoffenschaften. Im Jahre 1899 hatte er mehr als 300 Anfragen zu erledigen; er gründete den Verband ländlicher Genossenschaf­ten, welcher Ende 1899 schon 25 Genossenschaf­ten zählte. Endlich ist sehr wichtig, daß gerade durch den Volksverein das katholische Deutschland, und zwar durch seine Zeitschrift, wie durch seine Versammlungen in Städten und Jndustriebezirken auch die nicht landwirthschaft- liche Bevölkerung mit den Jntereffen und rechtigten Forderungen der Landwirthschaft kannt gemacht wird. Wie bedeutsam gerade gegenwärtig wieder ist, wo Frage der Getreidezollerhöhung auf Tagesordnung steht, bedarf für die Land- wirthe wohl keiner näheren Darlegung. Bei alledem ist die allgemeine Thätigkeit des Volksvereins zur Förderung der Sozialreform, welche allen Ständen, also auch der Landwirth- schast, zu gute kömmt, noch nicht berührt. Aus

„Wenn Sie erst verlobt sind, werden Sie kaum noch Zeit für etwas andere« haben."

„Warum nicht?" Er weidete sich an dem Anblick der holden Geschöpfes, das kaum im Stande war, sich zu beherrschen.

„Und darf man fragen, wer die Erkorene ist?" fragte Lori, um deren Mund es seltsam zuckte.

„Ja, erräthst Du es denn noch immer nicht?" jubelte der Glückliche, unfähig, das Wort noch länger zurückzudrävgen. „Was fragst Du denn?" — Wer anders könnte es wohl sein, als — Du, — Du, die ich liebe, so heiß und innig, daß ich an nichts anders zu denken vermag, als an Dich, die Du das Licht meines Lebens ge­worden bist!"

Er hielt das bebende Mädch. n im Arm und Lori schmiegte sich au den Geliebten und wußte nicht, wie ihr geschah.

Zu jäh war der Wechsel gewesen. Unfähig, ein Wort zu sprechen, lehnte sie das blonde, lockenumwallte Köpfchen an seine Brust.

„'S ist ja Maienzeit!" jubelten die Vögel und lugten mit neugierigen Aeuglein aus ihrem grünen Versteck nach dem jungen Paare da unten und hüpften von Ast zu Ast, als wollten sie eS den Kameraden verkünden, daß zwei Menschen sich soeben den Bund fürs Leben versprochen hatten.

„'S ist ja Maienzeit!" dufteten die Blumen und^ nickten im lauen Wind mit den zierlichen Kelchen, als verständen auch sie etwas von dem zärtlichen Geflüster der Liebenden.

Wie lange die Beiden dort zusammen gestan­den, sie wußten es nicht, und als sie sich endlich trennten, geschah es mit dem Versprechen, so oft als möglich hier zusammenzukommen.

den gebebenen Mittheilungen ist aber die Nütz­lichkeit des Volksvereins für die Landwirthschaft hinreichend ersichtlich.

* Mettere InttiattvaittrSse. Die Cen­trumsfraktion hat heute Abend beschlossen, den Jesuitenantrag wiederum einzubringen und einen Antrag auf Errichtung eines St aats- gerichtshofeS für daS Deutsche Reich zu stellen. Der Antrag auf Aufhebung des Jesuiten- gesetzeS wird, wie die ,K. Volksztg.' meldet, vor­aussichtlich in ForÄi einer Interpellation eir ge­bracht werden. Die von der Centrumsfrattion beabsichtigte Interpellation über die .Kohlen- noth wird Ende nächster Woche eing-bracht werden. — Der Abg. Trimborn (Centrur,\) hat mit Unterstützung deS CentrumS einen Gesetz- entwurf, betreffend Abänderung des Gesetzes vom 29. Juli 1890 über die Gewerbegerichte, eingebracht. — Ein Antrag, unterzeichnet von Mitgliedern des Centrums (Prof. Hitze, Trim­born, Wattendorf), der konservativen Partei und den Nationalliberalen, verlangt eine Aenderung der Gewerbeordnung dahin, daß der BundeSrath für bestimmte Gewerke, in denen Arbeiterin­nen oder jugendliche Arbeiter neben der Fabrik auch zu Hause beschäftigt werden, diese Beschäftigung außerhalb der Fabrik ein schränken kann. — Abg. v. Salisch (kons.) hat wir in den Vorjahren wieder seinen Antrag betreffend die Eidesleistung und die Bestrafung fal­scher uneidlicher Aussagen eingereicht. — Die Freisinnigen (Abg. Dr. Müller-Meiningen und Genoffen) beantragen eine Abänderung der auf die Beleidigung des Landesherrn bezüglichen Bestimmungen des Reichsstrafgesetz­buches.

Die kleine Lori.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

5 ------ (Nachdruck verboten.)

Heiß und leidenschaftlich stieg der Wunsch in Johannes auf, daS Mädchen zu erringen um jeden Preis. Wohl durfte er sich nicht verhehlen, daß es einen schweren Kampf kosten würde, bis er das ersehnte Ziel eneicht hatte, da er den unbeugsamen Sinn seines Vaters gut genug kannte, um zu wiffen, daß an ein Entgegen­kommen seinerseits nicht zu denken war. Doch mochte das nun gehen wie es wollte.

Unwillkürlich entfloh ein schwerer Seufzer seiner Brust. Lori blickte fragend zu ihm auf.

„Was ist Ihnen, Herr Lindemann? Warum sind Sie mit einem Mal so still geworden? Haben Sie etwa geheime Sorgen?"

»Ja, — ich, — ich bin — verliebt, — rasend verliebt, und das bringt immer Sorgen mit sich."

„Verliebt?" stammelte Lori mit bleichen Lippen. Sie dachte an Helene, ihre Hand fuhr nach dem Herzen, das sich im Schmerz zusammenzog.

Er bemerkte mit heimlichem Entzücken den Zug bitterer Enttäuschung, der, ihr selbst wohl am wenigsten bewußt, um den kleinen Mund lagerte, und wußte nun, daß Lori ihn ebenso liebte, wie er sie.

„So werden Sie wohl von nun an nicht mehr hierherkommen?" fragte das Mädchen mit beben­den Lippen.

„O, noch oft, vorausgesetzt, daß mein Bräut- chen es mir gestattet, lachte Johannes.

Derrtfchrs Reich.

Berlin, den 23. November.

+ Landwttlhfchatt rmd Mokksverei« für das katholische Deutschland. Ein häufiger Einwand gegenüber dem Volksverein ist der, daß er für die einzelnen Stände zu wenig praktische Bedeutung habe. Insbesondere kann man aus ländlichen Kreisen manchmal hören, der Volks­verein für das katholische Deutschland „thue zu wenig für die Landwirthschaft". Wie wenig be­gründet dieser Einwand ist, wie dienlich im Gegen- theil der Volksverein auch für die Förderung der landwirthschaftlichen Interessen sich erweist, das ergibt schon ein kurzer Ueberblick über seine be­zügliche Thätigkeit. Jedes Heft der Vereinszeit- schrift bringt für die Landwirthe sozial belehrende Artikel über die Aufgaben, sei es der Gesetz­gebung, sei es der berufsgenoffenschaftlichen Selbst­hilfe. Alle wichtigen Fragen kommen hier zur Sprache. Das Flugblatt des Volksvereins: „Was hat das Centrum für die Landwirth­schaft im Reichs- und Landtags gsthan?" ist in fünf verschiedenen Ausgaben für je dir einzelnen zrößkr?« AandeStbeile nach dem letzten Geschäfts­berichte im Jahre 1899 in 47,000 Exemplaren, das ebenfalls für die landwirthschaftliche Be­völkerung bestimmte Flugblatt Nr. 2 in 38,000 Exemplaren gratis verbreitet worden. In den Versammlungen des Volksoereins auf dem Lande werden regelmäßig die Lage der Land­wirthschaft und die Mittel ihrer Hebung be­handelt. Mehrere vom Volksverein herausge- gebene größere Schriften, welche geeigneten Stoff such zur Erörterung der landwirthschaftlichen Fragen in den Volksoereinsversammlungen bieten, wurden bereits in 4000 Exemplaren verbreitet. An die katholische Geistlichkett Deutschlands ist Heft 4 der Sozialen Tagesfragen: „Soziale Konferenzen unter dem Klerus" in 8000 Exem­plaren vom Volksverein gratis verschickt worden, in welchem Anweisung gegeben wird, wie die Geistlichen auch für die Jntereffen der Landwirthschaft wirken können. Die Sozial - Korrespondenz des Vereins bringt fortgesetzt in jeder Woche landwirthschaft­liche Artikel, welche dann durch die katholischen Blätter zur Kenntniß der weitesten Volkskreise ge­langen. Tie soziale Auskunftsstelle des Volks­vereins in M. Gladbach hat allwöchentlich Anfragen von Landwirthen oder Freunden der Landwirth­schaft zu beantworten über Material zu Vorträgen auf landwirthschaftlichen Versammlungen, Statuten und Anleitung für Gründung von Bauern- und Reiffeisenvereinen, landwirthschaftlichen Einkaufs­und Verkaufsgenoffenschaften ober ähnliche Ange­legenheiten. Alle werthoollen wissenschaftlichen und praktischen sozialen Schriften über die Land­wirthschaft sind in der sozialwiflenschaftlichen B k>- liothek an der Centralstelle des Volksvereins in M. Gladbach, viele in mehreren Exemplaren, vor« rälhig und allwöchentlich werden mehrere davon

* KarksrrrHe, 22. Nov. Der Großherzog von Baden hat dem Abg. Geistl. Rath Dekan Lender von Sasbach, der am 20. d. M. seinen 70. Geburtstag feierte, das Kommandeurkreuz zweiter Klaffe vom Zährtnger Löwen-Orden ver­liehen. -i

(Weitere politische Nrchrichten bestndeMich im ersten Blatte.)

A«s dem Reichstage.

•QP 6. Sitzung vom 23. November 1900.

Auf der Tagesordnung steht noch immer bie China-Borlage. Die Tribünen find aber auch heute wieder stark gefüllt, jedenfalls in Ermattung der sozialdemokratischen Interpellation über die 12 000 Mark-Affäre. Am Tische des Bundesrathes steht man den Reichskanzler Graf Bülow, die Staatssekretäre Graf Posadowsky,' Frhr. von Thielmann, Frhr. von Richthosen, Kttegsminister von Goßler.

Der natl. Abg. Kaff« bezeichnet die Annäherung Deutschlands an Rußland, die stch seit dem Rücktritte des Grafen Caprivi vollzogen hat, als sehr erfreulich. Nichts würde der Redner bedauerlicher finden, als wenn Deutschland sich jetzt von England in das po­litische Schlepptau nehmen lassen wollte; von einem selbständigen Auftreten würde dann keine Rede mehr sein. Von der Weltpolitik meint der Redner, daß ihre einzelnen Akte bisher sammt und sonders vom Rei<W- tage gut geheißen worden find: Die Dampfersubventionen, die Samoa-Borlage, die Flotten-Vorlage — jetzt hoffentlich auch die China-Borlage. Man sollte darum nicht immer sagen, die Weltpolttik beginne erst jetzt, und noch weniger sollte man vor dem Ausdrucke zurück- schrecken, voräusgetttzl, daß die Weltpolitik ihre Grund­lage findet in einer gesunden Heimathpolttik. Dem Kaiser aber müsse man dankbar sein für sein kräftiges Borgehen in der Weltpolitik Zum Schlüsse befürwortet der Redner die baldige Einbringung einer Borlage über die Schaffung eines Kolonialheeres.

Staatssekretär Irhr. von Aichthofen erwidert auf eine Anregung des Vorredners, die von den Eng­ländern aus Transvaal ausgewiesenen Deutschen seien vom Auswärtigen Amte durchaus nicht schutzlos ge­lassen worden; es sei für sie gethan worden, was ge- than werden konnte. Aber alle Ausweisungen hätte man gar nicht anfecht-n können; in einer Reihe von Fällen war bie britis te Regierung nach der Darstellung des Staatssekretärs z t oer Ausweisung befugt. In ben geeigneten Fällen ist ore englische Regierung zur Zah­lung von Entschädigungen veranlaßt worden; über die Bemessung dieser Entschädigungen schweben noch Berhandlungen.

Abg. Schrader von der freif. Verein, tadelt eS, daß die Missionen si h zu tief in das Innere von China hineinwagen; alsdann ergreift daS Wort bei sozialbemokratische

Abg. MeSek, Dieser wiederholt noch einmal alle Bedenken gegen daS Ausbleiben der Berufung des Reichstages im Sommer, wirft dem Centrum vor, daß es eine Regierungspartei geworden sei und schwächliche Politik treibe und vertheidigt sich gegen die Angriffe, die gegen ihn gerichtet worden find, namentlich gegen bie Angriffe des Kriegsministers von Goßler. Aus dessen Ausführungen folgert Abg. Bebel, daß ein Theil der neuen Truppenkörper bestehen bleiben werde als Anfang des vom Abg. Haffe herbeigewünschten Kolonial- heeres. In langer Ausführung bespricht der Redner nochmals die Kaiserreden, auf deren Wirkung bei den Soldaten er die Grausamkeiten in China zurückführt, die in China begangen fein sollen. Missionen haben nach Bebel's Ansicht keinen Anspruch auf Schutz; fie sollen sich selbst Helsen. Vaterlandsfeindlich, wie Stöcker sagte, will Bebel nicht sein, seine Bertheidigung der Boxer soll nur eine „Bertheidigung der Wahrheit" fein, feine Stellungnahme eine „nach allen Seiten gerechte". Dann spricht er eine Viertelstunde lang von der Pariser Kommune, bis er vom Präsidenten Ballestrem daran erinnert wird, daß es wohl Zeit sei, die Kommune zu verlaffen. Daß Bebel auch die scheußliche Ermordung des Erzbischofs von Paris durch die Kommunards zu entschuldigen sucht, ist leider ebenfalls Thatsache. Bebel

Als Lori nach Hause kam und der Vater sie fragte: „Run, mein Töchterchen, Du bist ja heute ungewihnlich lange auegeblieben! Du wolltest doch Maiglöckchen pflücken, hast Du keine gefun­den?" — da hätte nicht viel gefehlt und sie wäre dem gütigen Vater um den Hals gefallen und hätte ihm ihr ganzes, großes Glück gebeichtet. Aber das wollte genau und sorgfältig überlegt werden, wie es am besten anzustellen war, und sie beschloß, erst mit Johannes darüber zu be- rathen. Versöhnt mußten die beiden Alten wer­den, das stand fest. Aber wie sollte man das zu Stande bringen?

Das war die einzige Sorge, die das Glück der Liebenden störte. Pläne wurden gemacht und wieder verworfen, doch Lori hoffte zuversichtlich, daß es ihr gelingen würde, eine befriedigende Lösung herbeizuführen.

Lange ließ sich das süße Geheimniß allerdings nicht bewahren, Lori sah es ein, daß man bald davon munkeln würde, nnd überdies entsprach es dem offenen, ehrlichen Sinn Johannes' sehr wenig, nicht frei mit seiner Werbung hervortreten zu dürfen. Hoffte er doch, mit der Geliebten öfter und länger beisammen sein zu können, wenn diese erst vor aller Welt seine Braut war.

Außerdem ärgerte Lori sich unbeschreiblich über ihre Kousine, die offenbar in Johannes verliebt war und ihm zu begegnen suchte, wo es anging. Helene hatte herausgekundschaftet, daß der junge Mann täglich um dieselbe Zeit einen Spaziergang machte, und danach richtete sie nun ihre Aus­gänge ein. O, der Hochmüth'gen, die stets so verächtlich auf Lori herabsah, einmal sagen zu dürfen, daß sie sich getäuscht, daß Johannes nie

schließt unter allgemeiner Heiterkeit des Hauses mit der Großsprecherei, auch über die nationalliberale Partei werde die Sozialdemokratie zur Tagesordnung übergehen.

Reichskanzler Hraf Kükow - Ich glaube nicht, daß es den Wünschen des Hauses entsprechen würde, wenn ich mich mit den Ausführungen Bebel's eingehend be­schäftigen wollte. Nur drei Punkte will ich herausgreifen. Es ist durchaus falsch zu behaupten, daß wir gegen China hart und grausam verfahren seien. Der hiesige chinestsche Gesandte hat mir noch vor einigen Tagen feine volle Anerkennung unseres Verhaltens gegenüber China ausgedrückt; und der Gesandte wird diese Frage wohl besser beurtheilen können, «ls der Abg. Bebel, denn schließlich ist er doch ein geborner Chinese. (Große Heiterkelt). Als ich von den Kaiserreden sprach, für die ich die Verantwortung übernehme, meinte ich nur die Reden in Bremerhafen und in Wilhelmshafen. 3118 die letztere gehalten wurde, war soeben die Nachricht von der Ermordung unseres Gesandten in Peking bei uns eingegangen. Unter solchen Umständen ist es durchaus erklärlich, daß der Kaiser sich so ausgedrückt hat, wie er es that. Bon den augenblicklich in China begangenen Grausamkeiten ist bisher noch nicht ein einziger Fall nachgewiesen. Sollte aber der Nachweis dafür erbracht werden, dann liegt bereits die Anordnung des KriegS- ministers vor, solche Grausamkeiten aufs strengste zu bestrafen. (Beifall).

Kriegsminister von Hoßker weist darauf hin, daß die Boxer gar keine Truppen, sondern Aufrührer find. Mit Aufrührern aber wird überall streng verfahren.

Abg. Dr. Machen» (Centr.): Abg. Bebel scheint meine Rede gar nicht gehört, sondern nur int „Vor­wärts" nachgelesen zu haben, wo nur ein ganz kurzer Auszug meiner Rede stand, während die sozialdemo« kratischen Reden stch dattn in voller Breite wieder- finden. Daß ein Sozialdemokrat Berstäudniß für daS christliche MisstonSwefen habe, habe ich allerdings nie­mals angenommen. Die Missionen müssen eben der Sozialdemokratie als Feinde erscheinen, weil fie Träger der christlichen Kultur find. Kritik muß sich Herr Bebel schon gefallen lassen, wir beschränken ihm fein Recht zur Kritik ja auch nicht. (Beifall.)

Abg. M«S«t (Soz.) will die Armee nicht herab­gesetzt, vielmehr nur immer von einem Thelle derselben und von einzelnen Personen gesprochen haben.

Somit schließt die Diskussion.

Der Nachtragsetat wird au die Budget- Kommission verwiesen.

Nächste Sitzung Samstag 1 Uhr: Sozial« demokratische Interpellation über die 12000 Mark-Affäre. — Interpellation deS Abg. Graf Oriola (nail.) über die Reform deS Mllitär- pensionsgesetzeS.

Schluß 5 Uhr.

Ausland.

* Krüssel, 23. Nov. Am 18. d. Mts. hielten die belgischen Sozialdemokraten einen außerordentlichen Kongreß ab, um über die politische Lage zu berathen. Nach stürmischen Debatten, welche die Uneinigkeit im rothen Lager in neuem Lichte erscheinen ließ, wurde eine Resolution zu Gunsten derverhält- nißmäßigen Wahl bei großer Stimmen­mehrheit angenommen. — In politisch-konser­vativen Kreisen ist man über die Behandlung der Militärorganisation seitensdeSKriegs« Ministers sehr ungehalten und es wäre nicht un­wahrscheinlich, daß demnächst eine Minister­krisis sich einstellen wird. In Regierungs- kretfen wird allerdings diese Nachricht dementtrt. Wie dem auch sei, sicher ist, daß der Kriegss- minister und womöglich auch der Minister diS Aeußern, bald aus dem Kabinet ausscheiden würde.

+ Saris, 23. Nov. Präsident Krüger soll in Paris von der französischen Regierung mit allen den Ehren empfangen werden, die

daran gedacht, die stolze Helene zu beachten oder gar, wie fie sich einbildete, zu lieben, — das mußte eine wahre Wonne sein.

„Morgen ist Jahrmarkt drunten im Städt­chen," sagte Johannes eine? Tages zu Lori, „könnten wir denselben nicht besuchen, mein Liebling, um wenigstens für längere Zeit bei­sammen bleiben zu können?"

Lori Überlegte eine Weile. „Ich will sehen, ob Helene mitgeht; wenn sie mitkommt, schließest Du Dich uns wie zufällig auf dem Wege an; denn allein mit Dir darf ich nicht gesehen werden, sonst pfeifen eS am nächsten Tage die Spatzen von allen Dächern und die Kunde davon würde rasch genug unseren Vätern zuge­tragen."

„Ja, ja, eS ist am besten, Du nimmst Helene mit; Du bist eben mein kleines, kluges Mädchen und hast immer die besten Einfälle. Ist die Gegenwart einer dritten Person auch störend, so kann ich Dir doch in die schönen Augen schauen, in Deiner Nähe weilen und Dir heimlich die Hand drücken; das ist schon Glück genug. Aber die verwünschte Heimlich­thuerei muß bald ein Ende haben, das ertrage ich nicht mehr lange!"

„Geduld, mein Liebster, — Geduld, — laß mich nur machen, ich sage Dir, alles wird gut werden."

„Na, ich hoffe eS."

„Also, auf Wiedersehen morgen um ein Uhr beim alten Steg. Du, aber das sage ich Dir, vorsichtig mußt Du sein, Johannes, daß Hk lene nichts merkt, lieber mache ihr einmal tüchtig die Cour; nachher, wenn fie erfährt, daß