Einzelbild herunterladen
 

Ur scheint täglich.

«horBringrrloLl, imd Bestellgeld m Selb« und «es wert» l»5O$f.

"ILä A, ■ AÄJ J^jSgSEk ZU H<Xv^ A. n

irteTI iinpl*!!» -<■■■■■■ rtf

&M.K/ JL/ aLJm Jk/ mA JL hJL

lefrtairt Die ein» (patt. Garmond« teile ober bereu Raum1SPfg.,Re- Hamen die Petit­zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

H» 34mbJ.J«i 3«U**"ie Ü*’* mtt Zlnterhaliungs -ZZeikage .Mustrirte Komiiags-Zeitung"

ES

M 269.

Jutöa, Freitag, den 23. November 1900.

27 JahrgMg.

[] Weitere Beiträge zur Beurtheilung der Zollpolitik.

Je mehr man nationalliberale Stimmen sich äußern hört über denjenigen Punkt in unserer zu­künftigen Handelspolitik, der das allgemeine Volks- intereffe am stärksten in Anspruch nimmt, nämlich über die Einfuhrzölle für landwirthschaftliche Er­zeugnisse, vor allem für Brotgetreide, desto klarer tritt die Thatsache zu Tage, daß auch in der nationalliberalen Partei die Leute, die den Ton angeben, ganz ausgesprochene Anhänger einer Er­höhung der Getreidezölle find. Der Abg. Frhr. von Heyl hat sich kürzlich in diesem Sinne in einer süddeutschen Versammlung ausgesprochen, dabei gleichzeitig eine Lanze gebrochen für den all­gemein durchzuführenden Grundsatz eines Doppel­tarifs ; und ganz neuerdings ist auch ein national­liberaler Vertreter des rheinisch-westfälischen Jn- dustriereviers für eine Erhöhung der Getreidezölle eingetrcten, Herr Abg. Möller-Brackwede.

Derselbe hat dabei von Neuem einen Punkt berührt, der sonst bei der Besprechung dieser Frage häufig übersehen wird. Es handelt sich bei der Frage, ob der deutsche Körnerbau gepflegt werden solle oder nicht, nicht allein um das Sein oder Nichtsein der deutschen Landwirthschaft in ihrem gegenwärtigen Zustande, und in den Grundzügen ihrer jetzigen BÄriebSverhältnisse, sondern noch um etwas Anderes, das alle Deutschen gleichmäßig an­geht : um unsere ganze wirthschaftliche Selbständig­keit und damit auch um unsere nationale Ver- theidigung dem Auslande gegenüber. Von England spricht man als von dem Koloß mit thönernen Füßen. England kann sich selbst schon lange nicht mehr ernähren; es muß nicht weniger als fünf Sechstheile seine« Getreidebedarfes von außerhalb beziehen. Ein unglücklicher Krieg könnte darum für England ganz schreckliche Folgen haben, wenn es dem erfolgreichen Feinde gelänge, den groß­britannischen Inseln auch nur zu einem Theile die Zufuhren abzuschneiden. England müßte dann buchstäblich verhungern, oder aber sich auf Gnade oder Ungnade ergeben.

Die großbritannischen Inseln können Wegen Lage und wegen der starken Ent­wickelung ihrer Küsten sehr schwer auf diese Weise eingeschloffen werden. Leichter würde sich das bei Deutschland bewerkstelligen kaffen. Namentlich die Zufuhren von der See her könnten dem deutschen Reiche von sieg­reichen Feinden verhältnißmäßig leicht abge- fchnitten werden. Deutschland hat also Grund, sich noch ganz besonders vor dieser Abhängigkeit vom Auslande zu hüten, und auch deswegen muß Deutschland unbedingt und für alle Zeiten dafür sorgen, daß seine Landwirthschaft den Körnerbau nicht nur in seinem gegenwärtigen Umfange beibehalte, sondern ihn noch erweitere, um möglichst dahin zu gelangen, daß das deutsche Reich aus sich selbst heraus seinen Bedarf an Brotgetreide decken könne. Dies kann geschehen auf dem Wege der intensiven Kultur. Aber diese letztere ist nur möglich bei lohnenden Er­trägen, und lohnende Erträge wiederum können nur erzielt werden durch angemessene Getreide- preise. Diese aber hängen zum allergrößten Theile von einer richtigen Zollpolitik ab. Es

Die Meine Lori.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

4 ------ (Nachdruck verboten.)

„Hier trennen sich unsere Wege," sagte Jo­hannes mit leisem Seufzer, und dem geheimen Wunsche, daß der Zufall noch öfter so günstig sein möchte wie heute. Dann verabschiedeten sie sich mit herzlichem Händedruck. Jedes ging seinen Weg.

Lori schritt zwischen den frischen, grünen Wiesen hindurch; in tiefes Sinnen verloren, be­merkte sie gar nicht, wie Johannes stehen blieb und ihr nachschaute.

Als sie, zu Hause angelangt, eben ins Zimmer treten wollte, kam ihr eine junge Dame entgegen, die sie spöttisch anrief: „Nun, Lori, war es schön in Deinem heißgeliebten Wald? Bist ja heute ungewöhnlich lange ausgeblteben. Konntest Dich wohl gar nicht mehr trennen? Und wie Du wie­der fortgelaufen bist, — brr, ohne Handschuhe, mit diesem unmodernen Hut!"

„Als ob man im Walde da draußen, wo es nur Bäume, Vögel und Blumen gibt, Handschuhe nöthig hätte," lachte Lori, und ließ den Blick an der schlanken, ebenmäßigen Gestalt ihrer Kousine hinabgleiten, die in dem duftigen, eleganten Morgen­kleid allerdings ungemein vornehm aussah. Lori kam sich mit ihrer kleinen Figur daneben recht unscheinbar vor.

Die junge Dame besah angelegentlich ihre schönen, weißen Hände mit den glänzenden, wohl­gepflegten Nägeln, und erwiderte in scheinbar leichtem Ton: „O, er gibt auch noch etwas an­

ist kein Wölkenkuckucksheim, nach dem diejenigen ausschauen, die die Versorgung Deutschlands mit Brotgetreide aus sich selbst heraus ins Auge fasten. Die Körnererzeugniste können an Menge noch sehr erheblich vermehrt, an Güte noch sehr er­heblich verbessert werden, und deswegen ist eS durchaus falsch, die Frage der Erhöhung der Getreidezölle nur unter dem einseitigen Gesichts­winkel der Vortheile zu brurtheilen, die die Landwirthe im besondern davon haben können. Das ganze deutsche Volk hat ein hervorragendes Lebensintereste daran, daß die Getreideerzeugung im Reiche gepflegt, vermehrt und verbessert werde; es handelt sich dabei um eine wirth­schaftliche Frage von ganz wuchtiger und allgemeiner Bedeutung für das ganze deutsche Volk.

Die herrschenden Verhältniffe sind indesten gar nicht danach angethan, die intensive l^nd- wirthschaftlichr Kultur zu fördern; nicht etwa nur in „Ostelbien". Die Mißltchkeit der Ver­hältniffe lastet auf der Landwirthschaft im ganzen deutschen Reiche gleichmäßig. Kürzlich wurden die Tagungen der bayerischen Landräthe eröffnet. — Provinztallandtag würde man in Altpreußen sagen. Bei der Eröffnung des schwäbischen Land­raths wies in seiner Eröffnungsrede Regierungs- Präsident von Hermann wieder einmal auf diese mißliche Lage der Landwirthschaft und auf die Übelen Folgen hin, die aus derselben ent­stehen. „Unter solchen Umständen — so führte Herr von Hermann wörtlich aus — haben sich viele unserer Landwirthe entschloffen, Kultur­land, das bisher unter dem Pfluge gewesen, aufzuforsten und sich mehr und mehr auf die Milchwirthschaft einzurichten. . . . " Das bedeutet also nicht Urbergang zu intensiverem Betriebe, sondern Abschwenken von diesem zu extensivem Betriebe; das bedeutet das gerade Gegentheil von dem, was unserer Landwirthschaft im Interesse der allgemeinen BolkSernährung und was unserem ganzen Volke im Interesse seiner wirthschaftlichen Selbständigkeit unter den Völkern der Erde ersprießlich und nothwendig ist. Die Einsicht dessen, daß es so ist, wird hoffentlich recht bald dazu führen, daß wir kräftig die Arme rühren, um aus diesen allgemein be- klagenswerthen Mißständen wieder herauszu­kommen.

Deutsches Deich.

Berlin, den 22. November.

X Die erste Lesung der Ktzinavorlage ist auch heute (Donnerstag) im Reichstage noch nicht beendet worden. Es sind noch mehrere Redner für Freitag vorgemerkt, so daß es sehr wohl vorkommen kann, daß noch die ganze Freitag- Sitzung von der Chinadebatte ausgefüllt wird. Diese letztere gewinnt dadurch freilich nickt. Sie wird von großen Gesichtspunkten zu einer Zänkerei herabgedrückt, die theilweise recht kleinlich ist und immer mehr an Schärfe zunimmt, je länger sie dauert. Unter den Mitgliedern des Reichstages selbst hat diese Debatte auch bereits erheblich an Jntereffe verloren. Die Reihen zeigten sich am dritten Tage stark gelichtet, und die Unterhaltung war stellenweise so lebhaft, daß manche Redner

deres als Bäume und Vögel da draußen." Sie dämpfte ihre Stimme zum Flüstertöne und fuhr fort: „Ich habe schon einige Mal einen sehr hübschen, jungen Mann gesehen, ha, ha! — An dem habe ich sogleich eine Eroberung gemacht; denn neulich verfolgte er mich bis ans Haus. — Ich wette, der ist verliebt bis über die Ohren. Er wollte mich ansprechen, ich sah es wohl. Nun, der junge Mann gefällt mir, — gefällt mir so­gar sehr — und wenn er Geld hat, — dann werde ich ihn nehmen."

„Vorausgesetzt, — daß er Dich will", lachte Lori, — die bei der Erzählung ihrer Cousine feuerroth geworden war, — etwas gezwungen auf, sie ärgerte sich unbeschreiblich über die Worte und mehr noch über den herablassenden Ton, in dem diese gesprochen wurden. Deshalb fuhr sie etwas gereizt fort: „Wenn Dich ein Mann nur ansieht, dann meinst Du gleich, er ist in Dich verliebt; da täuschest Du Dich aber wirklich stark, Helene!"

Die Augen der Angeredeten blitzten Lori zornig an.

„Jawohl, er ist in mich verliebt, ich fühle das ganz genau, und die Zukunft wird es ja lehren! — Was streite ich mich mit Dir! Natürlich, ich verstehe wohl, daß Dir so etwas unbegreiflich er­scheint, denn Dir dürfte das wohl kaum pas- siren!"

Lori war dem Weinen nahe. Sie zog wieder einmal, wie schon so oft, vor der spöttischen, über­legenen Art Helenens den Kürzeren, und eilte rasch die Treppe empor. Gleich darauf stand sie in ihrem Stübchen vor dem Ankleidespiegel, und studirte aufmerksam ihre eigenen Züge.

Mühe hatten, sich mit ihren Ausführungen ver­ständlich zu machen. Namentlich erlitt dieses Schicksal der erste Redner des Tages, der Abg. Payer von der süddeutschen Volkspartei. Dieser sagte, seine Partei wolle zuvor prüfen, ehe sie bestimmte Stellung zu der Vorlage nehme. Mehr Aufmerksamkeit wurde dem bayerischen Gesandten Grafen Lerchenseld-Kösering gewidmet, der feststellte, daß alle Bundesregierungen im Einvernehmen mit einander gehandelt hätten, daß außerdem der Auswärtige Ausschuß des Bundesrathes sein Gutachten dahin abgegeben habe, eine Berufung des Reichstages sei nicht nöthig. Auch der Vertreter Bayerns hat nichts dagegen, daß in der Vorlage ausdrücklich der Regierung Indem­nität ertheilt werde. Am lebhaftesten gestaltete sich diese Sitzung, als der Hofprediger a. D. Stoecker das Wort zu einer sehr! wirkungs­vollen Rede ergriff, die eine Erwiderung auf Bebel's Rede am ersten Tage ist und unbarm­herzig mit dieser und mit der Sozialdemokratie ins Gericht geht. Die Hiebe saßen. Das konnte man sehen an der Aufregung im sozial­demokratischen Lager und an den groben und wüthenden Zwischenrufen, die von der äußersten Linken her erschallten. Stoecker wies nach, wie vaterlandsfeindlich die Rede Bebels war und wie wenig gerade die Sozialdemokratie zu Be­schwerden über Grausamkeiten berechtigt tst, da gerade die französischen Sozialdemokraten es waren, die in den Tagen der Pariser Kommune die scheußlichsten Grausamkeiten begingen. Herr Singer von der Sozialdemokratie sprach nach Stoecker und wurde zweimal hinter einander zur Ordnung gerufen. VonStoecker sagte er, er liebe die Wahrheit nicht; die Politik der Regierung aber nannte er eine Raubpolitik. Sehr wirksam war die Rede des Centtums- abgeordneten Dr. Bachem über die Thätigkeit der Missionen in China, die dort in großer Aufopferung und Selbstlosigkeit das Ehristenthum und gleichzeitig deutsche Kultur verbreiten. Unter lebhaftem Beifalle des Centrums und der Konservativen ersuchte Redner die Regierung um die tatkräftigste Unterstützung der Missionen.

* Der bisherige Reichstags - Abgeordnete Dr. AMe, dem die Professur für Moral-Theologie und Sozralwiffenschaft an der Fakultät Paderborn übertragen wurde, ist in Folge dessen nicht mehr in der Lage, an den Arbeiten des Reichstages theilzunehmen und hat deshalb sein Mandat für den Wahlkreis Aacken-Stadt niedergelegt.

® Der Neichs-Klst ist heute (Donnerstag) dem Reichstage zugegangen. Am nächsten Samstag wird er an die Mitglieder des Reichstages ver- theilt werden.

h. Die Kandidatur des Propstes von KrzefiasKi im posenschen Wahlkreise M e s e r i tz- Bo mst erfährt nachträglich noch eine Beleuchtung besonderer Art durch eine Mittheilung der anti­semitischen .Staatsburger-Ztg.'. Danach hätte Propst von Krzesinski seine Kandidatur bereits zurückgezogen, wurde nachher aber durch Ein­fluß aus dem Lager der konservativen Partei dazu bewogen, die Kandidatur wieder aufzunehmen. Man ging dabei angeblich von der Absicht aus, durch diese Kandidatur einen Zulauf deutscher Katholiken, die von der Kandidatur des Polen

War sie denn wirklich so unansehnlich, wie Helene immer behauptete? Sie streckte die zier­liche Figur, um etwas größer zu erscheinen. Aller­dings mußte sich Lori mit leisem Seufzer gestehen, daß sie den Vergleich mit Helene nicht aushalten konnte, aber häßlich, — nein, — häßlich war sie gewiß nicht. Freilich, klein war sie, aber hatte „Er" nicht gesagt, daß ihre Augen schön wären? Lori wurde bet diesem Gedanken roth bis an die Stirnhaare.

Warum legte sie mit einem Mal so großen Werth darauf, schön zu sein? Bisher hatte sie ihrem Aeußeren kaum die kleinste Beachtung ge­schenkt, und nun?

Die junge Dame wollte sich auf diese Frage keine Antwort geben, aber von diesem Tage an war sie eitel geworden, wirklich — eitel.--

II.

„Es ist unglaublich, Onkel, eiferte Helene einige Tage später, indem sie Lori's Vater heftige Vorwürfe machte, „wie kannst Du es nur ge­stalten, daß Deine Tochter Tag für Tag in den Wald läuft, und jedes Mal länger auSbleibt, und zumal in so früher Morgenstunde. Ich finde das höchst unpassend."

Herr Berneck faltete die Hände auf seinem runden Bäuchlein und drehte die Daumen um­einander. Er liebte die Ruhe und den Frieden im Hause über alles, und meinte begütigend in seiner ruhigen Weise: „Laß Du das Mädel nur unbesorgt gehen; wenn es Lori Freude macht, ich habe nichts dagegen."

Lori ballte die kleinen Hände. Helene sollte es nur versuchen, ihr das Vergnügen zu rauben,

Chrzanowski nichts wissen wollten, in das Sage/ der Antisemiten zu verhindern. Mit dieser Dar­stellung stehen einige Äeußerungen des Herrn Propstes selbst in Einklang; die Darstellung hat auch an sich viel Wahrscheinlichkeit. Sie ist sehr wesentlich zur Kennzeichnung dieser Kandidatur.

Ans -em Reichstage.

■O 5. Sitzung vom 22. November 1900.

Die Tribünen weifen wieberum außerorbentlich starken Besuch auf. Der Sitzungssaal ist müßig besetzt. Auf der Tribüne des Bundesrathes sieht es nicht mehr so ungemein stark besetzt aus, wie an den Tagen vorher; dre Verfügung des Reichskanzlers, daß nur diejenigen Beamten erscheinen sollen, die amtlich dazu veranlaßt sind, hat ihre nützliche Wirkung nicht verfehlt. Am Tische des Bundesrathes sieht man den Reichskanzler Grafen v Bülow, die Staatssekretäre Graf Po- sadowsky, Freiherr v. Thielmann, Frei­herr v. Richthofen, v. Tirpitz und der preußische Kriegsminister v. Go hier.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Lesung der China-Borlage.

Abg. H>ayer (südd. Bp.) weist darauf hin, daß die Regierung unbedingt Indemnität in aller Form nach­suchen muß für das, was sie gethan hat, vor alle« Dingen also für die Nichtberufung des Reichstages. Als­dann führt der Redner verschiedene Kaiserrrdrn als eine weitere Ursache für die Erregung der öffentlichen Meinung an. Er meint, gewisse Reden müßte« namentlich von den Soldaten sehr gut verstanden worden sein, und er bringt damit in ursächlichem Zusammen­hang die Ausschreitungen, von denen beruhtet wird, namentlich in den sogenannten Hunnenbriefen. Die Partei des Redners behält sich die eingehende Prüfung des Nachtragsetats vor. Erst nach einer solchen ganz genauen Prüfung wird sie sich darüber entscheiden.

Bayerischer Gesandter Graf Kerchensiekd bemerkt im Gegensätze zu einer Bemerkung des BorrednerS, daß der Bundesrath vollkommen im Klaren gewesen sei über das, was im Sommer geschah. Der Bunde-« rathsausschuß für auswärtige Angelegenheiten war bei­sammen, und danach wurde ein Rundschreiben an alle Bundesregierungen gesandt, um diese zu unterrichten. Ueber die Berufung des Reichstages hat der BundeS- rath gar nicht zu entscheiden. Denn diese Entscheidung steht dem Kaiser zu. Der Bundesrathsausschuß aber hat sein Gutachten dahin abgegeben, daß die Berufung des Reichstages nicht erforderlich sei. Der Redner hat gleich dem Reichskanzler nichts dagegen, daß das Wort Indemnität in die Vorlage ausgenommen werde, ob­wohl er die staatsrechtliche Bedeutung dieser Maßnahme nicht einsehen kann.

Der polnische Abg. v. Dziemvowskt bezeichnet die Ertheilung der Indemnität als unbedingt er­forderlich.

Abg SloeÄer (wild-kons) betrachtet die Ausgaben für die Expedition nach China nicht als eine Sache, für die die Ertheilung der Indemnität nothwendig fei: aber die Bildung einer Anzahl neuer Truppenkörper ist eine Maßregel, die unbedingt die Berufung des Reichs­tages gefordert hätte. Deswegen sei Indemnität noth­wendig. Sodann beschäftigt sich Redner mit den Aus­führungen Bebels, die er vaterlandsftindlich und vaterlandswidrig nennt. „Abgeordneter Bebel — so ruft der Redner aus — muß geradezu eine Schafheerde hinter sich haben, wenn er mit dieser Rede draußen irgendwelchen Eindruck machen zu können glaubt." Alle Mitlheilungen der Hunnenbriefe kann Abg. Stöcker nicht für wahr halten. Er bittet aber den KriegS- minifter, recht schleunig eine Untersuchung einzuleiteu. Im Uebrigen wundert sich der Redner darüber, daß gerade die Sozialdemokraten so sehr über angeblich be­gangene Giausamkeiten sich aufregen, da ihre fran­zösischen Genossen es doch waren, die in der Zeit der Pariser Kommune die scheußlichsten Grausamkeiten be­gingen. „Over verdiente etwa der Erzbischof von Paris, der von den Kommunards einfach an die Wand gestellt und erschossen wurde, weniger Mitleid als die chinesischen Boxer?" (Sehr gut! rechts — Unruhe bei den Sozialdemokraten) Herr Bebel werde es schwer-

das wahrlich harmlos genug war. Sie wollte sich schon tapfer wehren, denn mit unwidersteh­licher, übermächtiger Gewalt zog es sie hinaus zu dem stillen Plätzchen, wo thr allmählich ein süßes, wonniges Glück aufzublühen begann, daS ihr ganzes Sein und Wesen beherrschte, und alle ihre Gedanken in Anspruch nahm. — Nach und nach hatte es begonnen, doch Niemand ahnte etwas davon.

Ohne alle Verabredung hatten sich nämlich die beiden Jugendgespielen täglich an dem Orte getroffen, wo fie einander zum ersten Mal nach langen Jahren begegnet waren. Tyras hatte sich niemals wieder einfallen lassen, nach dem jungen Manne zu schnappen, im Gegentheil, die anfäng­liche Feindschaft hatte sich bald genug in innige Freundschaft verwandelt; der Hund zeigte jetzt eine offenkundige Zuneigung zu dem täglichen Begleiter seiner jungen Gebieterin.

Eines Tages fand fich Lori wieder an dem Lieblingsplätzche« ein, aber sie hatte sich gegen ihre Gewohnheit etwas verspätet. Zu ihrem Er­staunen jedoch war der Platz, wo Johannes ge­wöhnlich schon ihrer wartete, noch leer, nichts zu sehen weit und breit.

Der Morgenwind fuhr kosend durch die Kronen der Bäume, ein geheimnißoolles Flüstern zog durch den Wald.

Lori fühlte ein schmerzliches Beben in ihrem Innern. Sollte Johannes nun nicht mehr kommen? War es doch einzig und allein Zufall gewesen, der sie hier zusammengeführt?

„Ob „et" mich liebt?" fragte fie sich wohl hundertmal. Sie meinte die Antwort in feinen Augen bereits gelesen zu haben, und doch erfaßten