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mit Anterhaktungs-Aeikage .Lllnflrirte Sonntags-Zeitung" . wiä«*?^2Sww

JK 268.

JuLöa, Donnerstag, den 22. November 1900.

27. Jahrgang.

iÄMÄÄäSSÄÄSÄÄBHi

0 Arbeiterpolitik in Frankreich und Deutschland.

Daß etwas geschehen möge, um unn öthige Ausstände von Arbettern nach Möglich­keit zu verhindern, wünscht man allge­mein in allen Ländern mit nur einigermaßen entwickelter Industrie. Solche Arbeiterausstände wirken stets in irgend einem Sinne schädlich; und wenn sie noch dazu in übermüthiger Weise unnöthig hervorgerufen werden, bedingen sie leider so häufig dauernde Schädigungen der Ar­beiterschaft und bedeuten oft genug schwere Ein­bußen am gesammlen Volksvermögen.

DaS deutsche Cent rum arbeitet schon lange daran, bei uns in Deutschland eine Ein­richtung zu Stande zu bringen, die auf dem Wege der freundlichen Vereinbarung die Jnte- reffenunterschiede zwischen Unternehmer und Ar­beiter ausgleichen möchte, wenn darüber heftige Meinungsverschiedenheiten ent­stehen, und diesen letzteren nach Möglichkeit vor­zubeugen durch ständiges Zusammenarbeiten von Vertretern beider Erwerbsstände. In diesem Sinne hatte das Zentrum in der voraufge­gangenen Tagung des Reichstages einen Antrag auf Errichtung von Ar^beitskammern einge- brackt, in denen Vertreter der Unternehmer und der Arbeiter in gleicher Zahl fitzen und mitein­ander die gemeinsamen Angelegenheiten berathen sollten; und jetzt ist derselbe Antrag, da er in der vorigen Tagung unerledigt blieb, wiederholt worden.

Von ganz anderem Geiste ist der in der .Fuldaer Zeitung' schon kurz skizzirte Gesetzent­wurf beseelt, der aus der Arbeiterstube des französischen Ministers sür Handel und Ge­werbe hervorgegangen ist, des sozialistischen Herrn M i l l e r a n d. Herr Millerand hat augen­scheinlich das Bedürfniß gefühlt, seinen Partei- qenoffen zu zeigen, daß er als Minister sich noch immer als Sozialdemokrat fühlt, nachdem er so viele Dinge gethan hatte, die seinen Genoffen nicht gefielen; und so hat er dem Parlament einen Gesetzentwurf vorgelegt, den man kurzweg ein Gesetz zur staatlichen Einrichtung von Streiks nennen könnte, und der in seinem zweiten Theile ganz und gar von einseitig sozialistischem Geiste durchtränkt ist.

Den ersten Theil des Gesetzentwurfes kann man sich gefallen lasten; in manchen seiner Be­stimmungen muß man ihn sogar ganz entschieden loben. Dieser Theil enthält Vorschriften über die Organisation der Arbeiter und Angestellten der einzelnen Fabriken und Handelsunternehmungen zu dem Zwecke, im Falle von Streitigkeiten mit den Unternehmern zu verhandeln und auf dem Wege der Vermittelung zu einer befriedigenden Einigung zu gelangen.

Der zweite Theil des Entwurfes aber ist ein schneidendes Mester in der Hand von Arbettern, die auf dem Wege der Gewalt Forderungen durch­setzen wollen gegen den Willen der Unternehmer.

Herr Millerand hat dem Wolf ein Schafs- pelzchen umgrhängt. Der erste Artikel seines Ent­wurfes bestimmt, daß in allen Betrieben mit mehr als 50 Arbeitern und Angestellten diesen vor ihrer Einstellung eine gedruckte Bekanntmachung einge-

Dis Kleins Lori.

Original-Roman von Irene v. Hellmuth.

3 ------ (Nachdruck verboten.)

„So viel erinnere ich mich," meinte Jo­hannes, „daß der Zwist kurz nach dem Tode Ihrer Mutter ausbrach; o, ich weiß noch genau, wie mein Vater, zornroth im Gesicht, mich da­mals ernstlich ins Gebet nahm und mir streng­stens verbot, jemals wieder meine kleine Freundin zu besuchen, noch mit ihr zu ver­kehren, sonst würde ich bei Waffer und Brod in den Keller gesperrt, drohte er. Ach, daS war ein harter Tag, als er mir das sagte, und ich kannte den Gestrengen zu genau, um nicht zu wiffen, daß er unbedingt Wort halten würde, wenn ich ihm trotzen sollte. Wie viele heiße Thränen habe ich deswegen geweint, wenn die Sehnsucht nach meinem verlorenen Paradiese gar zu stark wurde. Manchmal ver­legte ich mich auch aufs Bitten, aber mein Vater blieb hart wie Stein."

„Mir erscheint es doch merkwürdig, daß wir uns niemals mehr begegneten," sagte Lori nach­denklich, indem sie sich daran machte, den Rock, so gut es ging, zu repariren.

„O, unsere Väter wußten das wohl zu ver­hindern," antwortete Johannes, „ich durste z. B. ins Städtchen hinab und zur Schule nicht mehr den gewohnten Weg gehen, der am Guts­hofe vorbei führt, sondern mußte auf strengen Befehl den Umweg über die Waltersmühle machen, und außerdem kam ich bald darauf fort vom Ellernhause, um etwas Tüchtiges zu

händigt werden muß, die eine Erklärung darüber enthält, ob die Streitigkeiten, die infolge des Arbeitsvertrages entstehen, dem gesetzlichen Einigungsverfahren unterstehen sollen oder nicht. Das steht so aus, als könnte jeder Unternehmer machen, was er wolle; dem Gesetze sich unter­werfen oder auch nicht. Aber der hinkende Bote kommt nach: nach einer anderen Bestimmung des­selben Gesetzes soll der Staat Lieferungen nur von solchen Unternehmern entgegen­nehmen, die das gesetzliche Einigungsverfahren als bindend für sie anerkennen. Die Freiheit besteht also nur auf dem Papier; zum Gebrauche ist sie zu stachelig.

Sonst kann man es nur billigen, daß Herr Millerand weiter in seinem ersten Theile die Einrichtung von Arbeiterausschüssen ge­setzlich vorschreibt und ausdrücklich bestimmt, daß bei Streitigkeiten die streitenden Theile die Einigungsämter anrufen müffen. Man kann nur wünschen, daß diese Art von Zwang nicht nur in Frankreich, sondern auch bei uns in Deutschland eingeführt werde! Aber nun kommt der schlimme zweite Theil des Ge­setzentwurfes, in dem eS sich um die Veran­staltung von Arbeiterausständen handelt: da soll die Mehrheit einer Arbeiterschaft die un­bedingte Gewalt über die Minderheit haben. Beschließt die Mehrheit einer Arbeiterschaft, daß sie die Arbeit niederlegen will, so muß sich die Minderheit unbedingt fügen und auch die Arbeit niederlegen, ob sie nun wollen mag oder nicht. Dieser Minderheit könnte dann also das Recht, zu arbeiten, ohne weiteres zwangsweise genommen werden. Jeder Streik, der auf dem Wege der Abstimmung unter den Arbeitern eines Unternehmens zu Stande kommen würde, würde dann nach Staatsgesetz für alle Arbeiter deffelben Unternehmens eine Zwangeinrichtung sein, der sie sich unbedingt unterwerfen müffen! Alle sieben Tage müßte die Abstimmung darüber, ob der Ausstand aufhören soll oder nicht, von neuem vorgenommen werden, immer mit voll­kommenem Zwange für die Abstimmenden, die der Minderheit angehören.

Sehr richtig nennt das Berliner sozialdemo- kratische Centralorgan das Prinzip des Millerand- scheu Gesetzentwurfes ein entschieoen revolutio­näres Prinzip; der BetriebSinhaber hört ja auf, Herr in seinem eigenen Betriebe zu sein. Die sozialdemokratische Presse jubelt Herrn Mille­rand zu. Aber es ist mehr als die Frage, ob Herr Millerand siegen werde; denn die republi­kanischen Blätter in Frankreich wehren sich ganz entschieden gegen den sozialdemokratischen Zwangs- kurs, den Herr Millerand mit seinem Slreikge- setzr steuern möchte. Wenn die republikanischen Abgeordneten ebenso denken, wird der Entwurf erheblich geändert werden!

Dentfches Keich.

Berlin, den 20. November.

+ Kokoniak-Schwindel. Der Name der Kolonial-Gesellschaft „Süd-Kamerun" ist noch in allgemeiner und frischer, aber nichts weniger als liebsamer Erinnerung, namentlich keine angenehme Erinnerung für das Kolonial-Amt und den Amts­

lernen, — und später, wenn ich in den Ferien heimkam, — da mögen wir uns wohl begegnet sein, ohne uns zu kennen. Ohne den heutigen Zwischenfall wäre ich stumm an Ihnen vorübergegangen, — ich kannte Sie wirklich nicht mehr."

Die schwierige Näharbeit war vollbracht, die Beiden schwiegen eine Weile, langsam schritten Sie am Waldesrande dahin auf dem weichen Boden. Die Sonne sandte hier und da einen goldenen Strahl durch das dichte Gezweig. In zauberischem Frühlingsglanze lag die Welt, in Duft und Blüthen eingehüllt, jubilirend hob sich die Lerche in das Aetherblau und schien nicht genug singen zu können von all der Pracht und Herrlichkeit, die eS da zu schauen gab auf Gottes schöner Erde.

Der Maienzauder wob goldene Fäden um die Beiden, daß es ihnen dünkte, sie hätten den Frühling noch nie in solcher Schönheit geschaut wie heute.

Johannes unterbrach zuerst das Schweigen: „Erklären Sie mir nur dies, Fräulein Lorchen. Ich durchstreifte seit meinem Hiersein an ver­schiedenen Tagen das Revier, und dabei begeg­nete mir regelmäßig eine junge Dame, hoch und schlank gewachsen, brünett, von bleicher Gesichts­farbe, eine schöne Erscheinung, aber sehr ernst sah sie aus. Diese junge Dame blickte mich immer so eigentümlich an mit ihren großen Augen, — ich weiß nicht recht, wie ich es nennen soll, war es Koketterie, — oder etwas anderes, kurz, — ich dachte bei mir, das wären Sie. — Fräulein Lorchen, und ärgerte mich im Stillen, daß meine kleine, lustige Spielkameradin von

Vorgänger des gegenwärtigen Herrn Kolonial- Direktors. Jetzt erhält man erst genauen Auf­schluß darüber, was die beweglichen Macher der Sache, die Herren Scharlach und Sholto Douglas, dadurch verdient haben. Das An­lage-Kapital ist beziffert auf 2 Millionen Mark. Davon sind bis jetzt eingefordert 1,250,000 Mk. Außer den Antheil-Scheinen sind 15,000 Genuß- Scheine ohne Werthbezeichnung ausgegeben wor- den, von denen die genannten Macher 10,000 Stück, jeder 5000 Stück, bekommen haben für bie lieber« tragung der von ihnen erworbenen Rechte an die Gesellschaft. Diese Genuß-Scheine haben die Herren Macher an der Brüffeler Börse für min­destens 400 Mark das Stück verkauft, macht zu- I ammen die angenehme Summe von 4 Mill. Mk., für bett Mann 2 Millionen — ja, bas ist ein Geschäft, bas bringt noch was ein! Jebe neue Erfahrung mit ben bestehenden Kolonial - Gesell­schaften mahnt dringend an die Notwendigkeit, dafür so viel wie möglich Sorge zu tragen, daß diese Unternehmungen in deutschem Besitze bleiben.

h Die Kotzkeuuolh soll, wie bereits bekannt, den Gegenstand einer Inter­pellation bilden, die das Centrum im Reichs­tage einblingen will. Im Reichstage soll diese Interpellation von dem Centrumsabgeordneten Müller-Fulda vertreten werden, der gegen­wärtig mit der Sammlung von Material für die Begründung der Interpellation beschäftigt ist. Aus diesem letzteren Grunde kann die In­terpellation nicht sofort eingebracht werden. Uebrigens werden auch Mitglieder anderer Par­teien die Interpellation unterschreiben.

X Keine ZLierversäkschrmg mehr! Die Abgeordneten Speck vom Centrum, Dr. Paasche von den Nationalliberalen und der wildliberale Abg. Roesicke-Desiau haben im Reichstage vün Neuem den Antrag eingebracht, die Verwen­dung von Surrogaten bet der Bierbereitung allgemein durch Reichsgesetz zu verbieten. Der Antrag knüpft da an, wo der Reichstag in der letzten Tagung aufgehört hat. Der Antrag hat nämlich ben Beschluß der Kommission sich zu eigen gemacht, die in der voraufgegangenen Tagung über den entsprechenden Antrag berieth, und er­sucht demgemäß um die Vorlage eines Gesetzent­wurfes, durch den „unter gleichzeitiger Herab­setzung der Steuer für die kleineren und mittleren und entsprechender Erhöhung für die größeren Brauereien bestimmt wird, daß zur Bereitung von Bier . . . andere Stoffe als Malz, Hopfen, Hefe und Waffer nicht verwendet werden dürfen." Eine ausnahmsweise Erleichterung ist nur für eine Uebergangszeit von drei Jahren für die Herstellung von obergärigen und sogenannten einfachen Bieren vorgesehen. Für diese soll nach dem Anträge während der genannten Uebergangszeit ein Zusatz von Stärkezucker, Stärkesirup und Zuckerkouleur gestattet fein. Im allgemeinen Interesse ist dringend zu wünschen, daß endlich einmal der Reichstag auch mit diesem Gegenstände zu einem gedeihlichen Ende gelangen möge.

Parlamentarische Nachrichten.

X Der Antrag des Kentrnms auf Hewährnng von Aleichstagsdiäte« trägt bie

ehemals nun so stolz geworden war. Und doch schien es mir immer, als erwarte Jene einen Gruß von mir, so daß ich jedesmal ben Hut zog, wenn ich ihr begegnete unb sie dankte mir mit freundlichem Lächeln. Hier und da zweifelte ich an der Richtigkeit meiner Vermuthungen, denn ich wußte ja, daß Sie blondes Haar hatten, während Jene doch ganz dunkles besaß. Deshalb beschloß ich, mir Gewißheit zu ver­schaffen unb ging ihr einmal nach; nun sah ich sie, bie sich mehrmals nach mir umwandte unb wohl merkte, baß ich ihr folge, btflben in bem Gutshause verschwinden, unb ba ich wußte, daß Sie keine Schwester haben, so glaubte ich be­stimmt, in der jungen Dame Fräulein Lori Berneck vor mir zu haben; bei der nächsten Be­gegnung wollte ich sie ansprechen, doch erschien mir das unpaffenb, — wer aber ist jenes Mädchen?"

„Nach Ihrer Beschreibung kann es Niemand anders sein, als meine Koufine Helene, bie einzige Tochter meines Onkels, — bie mein Vater nach bem Tode ihrer Eltern in unser Haus nahm unb ihr bamit eine neue Heimath bot." — —

„Nun, das wird Ihnen doch wohl sehr an­genehm gewesen sein. Da sie beide in dem gleichen Alter zu stehen scheinen, bekamen Sie so eine Freundin."

Lori warf die Lippen etwas auf. „Helene ist einige Jahre älter als ich," versetzte sie dann, „und außerdem — sympathifiren wir nicht zu­sammen. Helene kehrt bei jeder Gelegenheit die Großstädterin heraus, — ihre Eltern lebten in der Residenz, — sie betrachtet mich stets als

Namen der Abgeordneten Gröber und Lerno. Der wesentliche Satz des Antrages hat folgende« Wortlaut: „Die Mitglieder des Reichstages eer halten aus Reichsmitteln für die Dauer ihrer Anwesenheit bei den Sitzungen des Reichstage» Anwesenheitsgelder unb freie Fahrt." Im Reichstage selbst ist mit guter Sicherheit auf eine Mehrheit für ben Antrag zu rechnen. Ma« hat eben im Laufe ber Jahre je länger desto mehr einaesehen, baß es auf bie Dauer ohne bie Gewährung solcher Gelder nicht geht. Auch bie Regierung ist früher bereits ber Ge­währung von Diäten geneigt gewesen. Aber ba» mals tarnen bie Konservativen dazwischen unb vereitelten bie Sache durch ihre Forderung, eS müsse das Wahlrecht zum Reichstage rückwärts reoidirt werden, wenn Diäten an die Mitglieder des Reichstages gewährt werden sollten ; und durch das Andrängen der Konservativen ließ sich damals auch die Reichsregierung zum Rückzüge treiben. Ein Theil der Konservativen hat in» zwischen sich zu ber Ansicht bekehrt, daß An­wesenheitsgelber gewährt werben müffen; es fragt sich nur, ob biefer Theil stark genug ist bazu, eine allgemeine Schwenkung ber konser­vativen Politik in ber Diätenfrage zu ver- anlassen.

* Gras Oriola (nationalliberal) hat im Reichstag solgenbeInterpellation eingebracht: Ist ber Herr Reichskanzler bereit, Auskunft barflber zu geben, ob bie Vorarbeiten für bie von bem Herrn Kriegsmiuister in Aussicht ge­stellte Vorlage betreffenb bie Aevifiorr der Mitttärpeufiorrsgesetze beendet sind, unb ob auzunehrnen ist, daß diese Vorlage im Lause der Session an den Reichstag gelangen wird?

* Die freisinnigen Abgeordneten Dr.Müller- Meiningen, Munkel und Lenzmann haben Anträge auf Abänderung der Majestäts- öereidigungsparagraphe« des Strafgesetz­buches eingebracht.

* Der Abg. Oettel hat, von Agrariern und Konservativen unterstützt, im Reichstage den An­trag eingebracht: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage möglichst noch in der laufenden Session einen Gesetzentwurf über das Ausverkaufswese« vorzulegen, durch den 1. die Anmeldepflicht für alle Ausverkäufe fest­gesetzt, 2. die Veranstaltung von Scheinausoer- käufen und 3. jeder Nachschub von Maaren zu einem Ausverkauf unter Strafe gestellt wird; ferner einen Antrag, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, anordnen zu wollen, daß in die bem Reichstage regelmäßig alljährlich zugehenben „Ueberficht über bas Keeresergäuzuugs- gefchäft" befonbere statistische Nachweise über bie Herkunft unb über bie frühere Beschäftigung ber tauglich Befundenen aufgenommen werben.

* Die Centrumsabgeordneten Hitze und Gen. haben im Reichstage ben Antrag eingebracht, bie oerbflnbeten Regierungen zu ersuchen, für bie PflegebeS Iriedeus zwischen ArSeitgeSer« und Arveiluehmer« gesetzliche Bestimmungen über bie Formen herbeizuführen, in denen die Arbeiter durch ihr Vertrauen besitzende Vertreter an der Regelung gemeinsamer Angelegenheiten beteiligt werden sollen. Der Antrag regte eine entsprechende Ausgestaltung der Gewerbegerichte

„Einfalt vom Lande", mit der man über Theater, Konzerte, Bälle unb Sonstiges nicht sprechen kann unb bie höchstens vom Wetter ober Strickstrumpf etwas versteht. Daß ich bie Blumen, bie Vögel, bie Bäume, Überhaupt bie natur so herrlich finde, erscheint ihr einfach lächerlich. Sie zeichnet, malt, möchte am liebsten ein Reitpferd haben, kleidet sich so elegant als möglich, schläft bis Mittag unb bat alle Gewohnheiten einer großen Dame. Dabei frnbet sie meine rothen Wangen entsetzlich un­fein, meine Manieren bäuerisch. Ich kann ihr nichts recht machen. Trotzdem hat mein Vater eine ganz besondere Vorliebe für seine schöne Nichte; er thut in allem, was sie will. Nichts­destoweniger macht sie sich heimlich auch über ihn lustig, ich weiß bas ganz genau. — Neuer­dings habe ich sogar die Bemerkung gemacht, daß Helene etwas viel leichter bei ihm durch­setzt, als ich. Und denken Sie, Gesicht unb Hänbe wäscht sie sich täglich mit frischer Milch, weil man baoon eine zarte, feine Haut be­kommen soll; ist es nicht schabe um die eble Gottesgabe?"

Lächelnd hatte Johannes biefem Erguß zu­gehört, ber wie ein Quell von ben frischen Lippen sprubelte. Seine Augen hingen unver- wandt an bem zarten Gesicht, bas sich mehr unb mehr geröthet hatte.

„Eutzückenbes Geschöpf" murmelte er für sich hin, dann fügte er, hell auflachend hinzu: „Nach alledem zu schließen, muß ja Ihre Koustne eine recht liebenswürdige Dome fein."

Lori gerieth in einige Verlegenheit darüber, daß sie dem jungen Mann gegenüber so un»