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Erscheint »glich, w. Ausnahme bet 6omt= mtb Feier« tage. 8ierteljäh rl.

»hneBringeriohn und Bestellgeld in Fulda und an»« wärtSIM.bOPf.

KuIdaerWZeitung

Rfneb: Die ei» xt ®armonb< teile ober beten RaumIbPfg.,«». Kanten bie Petit» teile 26 Sfg.; bet Wtederholungem I wird entsprechend. Rabatt gewährt.

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M 267.

JuLöa, Dienstag, den 20. November 1900,

27. Jahrgang.

Dentsches Keich.

Wege« des Feiertags wird die nächste Nummer unseres Blattes erst amDonners- tag ausgegeben.

ja hort, die Erinnerungen an eine köstlich? Zeit, wo tch dort wie zu Hause war. Ich sehe alles rod) o deutlich vor mir, das Haus mit der knarrenden Wetterfahne, mit den alten herrlichen Nußbäumen davor, und unter diesen Bäumen eine roh gezimmerte Bank, wo es sich im Sommer fo gut avsruhen ließ; der Garten mit der Fiieoerlaud, die alte Mauer, wo es im Früh, ling so v^l t-ustknde Veilchen gab, — das alle§ fe’je icd deutlich vor mir, als ob ich es gestern erst verlass n batte, — und doch durfte ich seit zehn Jahren k.,»en Fuß mehr in diese Hrrrlich- krit setzen."

Eine mehr? Kalamität für Fulda und die umliegenden Ortschaften bilden die vier köni-ilichen Domänen, welche die Bläht Fulda im Westen und Osten so etaengei!., daß hier praktisches Bau- terra n absolut nicht zu erschlstijen ist und den Erwerb von Grund und Hoven der Bevölkerung ;n den großen räd>ft-telegenen Ortschaften fast urmöglich machen. Gelmgt eS der Stadl Fulda nicht, m absehbarer Zeit die Domäne Ziehers zu erwerbe, wozu vom Maarstr at bereits ver­schiedentlich vergebliche Schritte gcthan worden etnsollen, so werden bei gleichmäßig soctschrettender Entwickelung der Stadt die Preise des Grund und Bod-ns eine Höhe erreichen, wie sie für mittlere Städte kaum dagewesen sein dürsten; werden doch heute in Fulda schon Bauplätze mit Preisen b zahlt, bie in der größeren Stadt Hanau nicht zu erzielen sind.

Sollten diese Zeilen dazu beitragen, die Auf­merksamkeit der städtischen Körperschaften wieder mehr dem Grunderwerb uns einer gefunden tädti'chen Bodenpttitk zuzuwenden, so ist der Zvcck derselben erreicht.

+ Die Einfuhr deutscher Wurst «ach Autzkaud sollte augebltch verboten worden sein, so wurde in mehreren Zeitungen behauptet. Nach halbamtlicher Mittheilung in der,Nordd. Allgem. Ztg/ ist in Rußland die Einfuhr von allen Zu­bereitungen aus Schweinefleisch außer geschmolzenem Schweinetalg schon seit dem Jahre 1873 unter­sagt, und dieses Verbot findet nicht nur auf deutsche, sondern auf sämmtstche ausländische Her- künfte Anwendung. Es kann also von einem neu erlasienen Einfuhrverbote gegen deutsche Erzeug­nisse nicht die Rede sein.

**’ Merlin, 20. Roo. Der Kaiser hat sich am Samstag in Groß-Strehlitz nach der Jagd zum Schlosse begeben, wohin er verschiedene Herren aus der Um­gegend zum Diener geladen hatte. Am gestrigen Sonn­tage wohnte der Kaiser in Groß-Strehlitz Bormittags dem Gottesdienste bei, hörte hieraus den Vortrag des Chefs des Civilkabinets Wirklichen Geheimraths Dr. v. Lucanus, und arbeitete mit dem Vertreter des Aus-

3733, von Ehrzanowski (Pole) 7920, von Krze' sinski 576, Mx (sozd.) 40 Stimmen. Wenn die Antisemiten bei der Stichwahl der Stimmen- abgabe sich sammt und sonders enthalten, muß Herr von Cyrzanowski den Sieg davon- tragen. Diesen voraussichllichen Sieg verdanken die Polen der Unterstützung durch das Zentrum, ohne diese letztere würde ihr Kandidat gar nicht in die Stichwahl gekommen sein.

„Derselbe Johannes, der einst keinen Apfel, fast keinen Bissen Brod essen konnte, ohne feiner kleinen Spielkameradin davon abzugeben, dem kein Baum zu hoch war, wenn ee galt, für sie einen rothwangigen Apfel, eine Birne ooer sonst etwas herunterzuholen, — wenn er nur ein Lächeln seiner kleinen Freund.n dafür erntete."

Berlin, den 19. November.

X Die Wahl im Wahlkreise Weseritz Kamst zeitigt noch allerhand neue Ueberrasch- vngen: Die Antisemiten wollen bei der Slrchwaht nicht den konservativen Kandidaten von Gersdorf unterstützen! Der antisemitische Wahlausschuß erläßt in einem Meseritzer Lokal- blatte einen Ausruf, in dem ein „Wahlschwindel gemeinster Art" dem Bunde der Landwirthe vorgeworfen wird. Es wird in dem Flugblatt behauptet, daß am Tage vor der Wahl durch den Band der Landwirthe ein Flugblatt ver­breitet worden sei mit der Behauptung, der antisemitische Kandidat Bruhn sei von der Slaribibcrur z irückgetreten. Nunmehr soll es für olle Antisemiten „Pflicht sein, am Tage der Stichwahl dem konservativen Kandidaten von Gosdorf ihren Unwillen zum Ausdrucke zu brinaen und ihm ihre Stimmen nicht zu geben.“ l^a-z so, wie eö das artt'.fimitische Flugblatt behauptet, liegt die Sache nicht; aber das zu u» lersuchen ;st hier nicht unsere Aufgabe. Nun baden nach der amtlichen Feflstellu-iq an Stimmen

chen blickend, das ihn so treuherzig ansah, wie einst in den Kinderjahren.

□ Städtische Bodenpolitik.

Zu diesem Kapitel wird uns von hier ge- schrieben: Sicherem Vernehmen nach schweben seit längerer Zeit zwischen dem Magistrat der Stadt Fulda und Herrn ReichstazSabgeordneten Richard Müller Verhandlungen zwecks Ueber- nahme der dem letzter» Herrn zugehörigen und in der Gemarkung Fulda gelegenen Grundstücke als städtisches Eigenthum. Der Genannte soll seine Bereitwilligkeit zum Verkauf erfrört und einen durchaus annehmbaren Preis dem Magistrat gesetzt haben.

Leider scheinen die Verhandlungen, wenn nicht abgebrochen, so doch vollständlg zu ruhen. Jedenfalls ist bei der von der Stadt auszu­nehmenden Anleihe für Bodenerwerb nur zur Durchführung des Fluchtlienienplanes und für Erwerb von Häusern und Grundstücken innerhalb der Stadt eine Betrag von 200000 M. eingesetzt, wenn ich richtig unterrichtet bin. Dagegen hat man sich nicht entschließen können, für Erwerb von Grund und Boden in größerem Umfange eine entsprechende Summe vorzusehen. Ich fürchte, daß man es später sehr bereuen wird, nicht besser und zeilia für die Zukunft gesorgt zu haben.

Die Stadt Kassel scheint, durch sehr schlimme Ersah? ungeu gewitzigt, für Grunderwerbungen mehr übttg zu haben, indem sogar, wie die ,Fuld. Zrg/ gestern mit feilte, die Stadwerord- netenrnriammlung die für Grunderwerbungen, also für städtische Bauplätze, angesetzte Rate der letzten Millionenanleihe um eine Million er­höhte. So lange Herr Richard Müller in der seitherigen Weise, ohne großen Nutzen zu z ehen, Bauterrain erschließ^ mag vielleicht die Stadt­verwaltung nach dieser Richtung wrriizer zu sorgen hchrn. Die Verhältnisse könnten sich jedoch im Lause der Zeit auch anders gestalten.

Recht beherzigenswerth sind zum Theil die Ausführungen, welches ein angesehenes national- soziales Berliner Blatt gelegentlich der Berliner Wodnungsnoth der Berliner Stadtverwaltung widmet. Dieselben dürften auch hier nicht ohne Nutzen gelesen werden. — Dieselben lauten u. A. wie folgt:

„Ehe der Berliner Magistrat „praktische“ Vorschläge zur Abhilfe bet Wohnungsnoth macht, sollte er erst einmal bie Anfangsarün^e städtischer Bodenpolitik zu erfassen versuchen. Daß er davon keine Ahnung hat, geht aus der Veröffentlichung hervor, mit bet er bie famose „Stiftung" kundgab. Er spricht nämlich darin von der Absicht, die städtischen Grundstücke vor dem Stralauer Thor zu veräußern! Der oberste Grundsaß des Kommunalsozialismus, der in jeder verständig gelei­teten deutschen Kommune längst durchgeführt ist, nämlich daß man keinen Quadi atmetet städtischen Grund und , Bodens aus der Hand geben dürfe, ist für die Reich?- , Hauptstadt noch etwas völlig Fremdes. Statt seinen 1 Grundbesitz zu vermehren, will Berlin das Wenige, ' was es hat, Spekulanten überliefern. Mit der einen i

Daß bei der fortschreitenden Entwickelung un­serer Vaterstadt eine wettausschauende Bodenpolitik auch fettens der Stadt Fulda betrieben werden sollte, liegt auf der Hand. Die Erhöhung der Grundsteuer und die ja jetzt wieder die Stadt­verordneten-Versammlung beschäftigende Umsatz- steuer thun es allein nicht. Leider liegen hier die Verhältnisse so, daß selbst die Annahme der letzt­genannten Steuer, welche in den größeren beffeu» nassauischen Staaten mit bestem Erfolge längst eingeführt ist, noch lange nicht sicher ist.

Es wird uns versichert, daß zur Zeit in ge­wissen städtischen Kreisen eine Strömung bestehe, welche erstrebe, möglichst bald den zum Scklosse gehörigen Irrgarten zum öffentlichen Ver­kauf zu bringen, um den Kaufpreis des Schlosses mit dem Erlöse zurückzahlen zu können.

Es dürfte wohl richtiger sein, diese Schuld, welcher ein we.thvoller Besitz mit wachsenden Ein­nahmen gegenüber steht, zu consolidiren und wie die unifizitten Schulden der Stadt zu verzinsen uns zu amortifüen. Der Stadt gehörige Bau­plätze sollten nur mit Bauzwang und nach Bevurfniß, nicht aber an Grundstück- fpetulanten abgegeben werden. Die Er­fahrungen, welche man bet dem Verkam des Hof- küchengartens gemacht hat, sollten beherzigt werden. Der Werth dieser Grundstücke ist in kurzer Zeit um mehr als das Doppelte geftiegen.

Parlamentarische Nachrichten.

* Die Kentrnms Iraktio« entsendet in die ständigen Kommissionen: I. Geschäf tsord- nungs - Kommission: Kirch, Dr. Pichler, Rembold, Roeren. II. Budget- Kommis­sion: Prinz Arenberg, Bachem, Gröber, Frhr. v. Hertlmg, Graf Hompesch, Dr. Sieber, Mü l- ler-Fulda, Dr. Schäöler. III. Petitions- Kommission: Krebs, Graf v. Magm?, Dr. Mar- cour, Langer, Wallenborn, Wattendorf, Dr. Weißen- hagen, Dr. iimZ h.ahof. IV. Wahlprüfungs- Kommission : Brandenburg, Br. Spahn, Schwarz-(üippffad!) Wellstein. V. Rechnungs- Kommission: Basdach, Hug, Lurz, SMula.

h Die cherväyrnng von Tagegelder« a« die Mitglieder des Meichotages wird noch

Rö h-, und das Etui mit dem Nahzeug emstel ihrer Hand. Der junge Mann reichte eS ihr zmück, doch sie bemerkte es nicht. Ein tiefer S- u z:r hab ihre Brust, und um Den schönge- formten Mans lag ein dczruderndes Lächeln; dann wiederholte Sie wie iräumerisch: „Also der Ltndimannshos? — Ob ich den k.m-e, fragen Sie? O, — ob ich den Lindemannshof kenne? — So gut bin ich dort bekannt, — Io

„Ader Sie können sich koch unmöglich so w.e Sie da sind, vor Jemanden sehen leffen," meinte sir, wieder ängstlich werdend. „Waa sollen die Leute davon denken? Ich könnte Ihnen, wenn Ste mit mir gehen wollten, den Rock wenigstens nothdürfiig fl den."

„Das könnten Sie gleich hier besorgen, mein Fiämein, sofern Sir sich mi-tlich diese Mühe machen wollten. Ich trage schon feit meinen Ttudenterj ihren, wo ich mir im Ucherrnuth öfter? bie Hosen zerr-.ß, ein Laschem ähzeug bei mir, ich bin das so gesöhnt — wollen Sie wirklich so liebe.s würdig fein, mir zu helfen, bin ich Ihnen sehr dankbar “

„O gern, — recht gern!"

Er zog ein kleines Etui hervor, und reichte eS Lori hm, „Bitte suchen Sie etraS, waö Sie brauchen können.

war ihm ersichtlich vi l weniger um die I Reparatur seines Rockes, als darum zu thu • mÖ3hd)ft lange die Gegenwart des lieblichen Mädchens zu genießen. Er warf den runden Strohhltt, den er bisher in der Hand gehalten | auf den Boden, und ließ si-h tH das weiche MooS nieder, um Lori, die ihm mit ihrer zi.r. lichen Gestalt kaum bis an die Schulter reichte das Nähen möglichst bequem z-i machen.

»Haben Sie einen weiten Weg nach Hause?" fragte Lon zö,eind und schüchtern.

„O nein, ich glaube kaum, daß mir auf der kurzen Strecke Jemand begegnen wird. Meine Heimath ist dir Lindemannshof, wenn Sie den kennen, Fräulein."

Lori starrte auf den rot ihr Sitzenden; auf l 'httm anziehenden Gesicht erschien eine Helle i

»«fern ÄMWÄ'£I•»&**(«»? mancher Seite widerstrebte! Während die Stadt Kassel für einen RathhauSbau 21/* Millionen aufnehmen muß, besitzt die Stadt Fulda die herrlichsten Räume für ein Rathhaus, dessen Um. und Neubau ebenfalls eine halbe Million er­fordert hätte. Während die Stadt Kassel zwei Millionen für Schulbauten ausgeben muß, richtet die Stadt Fulda mit verhältnißmäßig geringen Kosten eine Klosse nach der anderen im früheren Kasernenbau ein. Ebenso nothwendig eine An­leihe für die neue Artilleriekaserne, für die Ka­nalisation und den Schlachthausbau erscheint, dürfte meines Erachtens eine Anleihe für Boden­erwerb fein. Die städtischen Finanzen würden dabei nicht verschlechtert, sondern verbessert werden!

I Hmd spendet es eine Million für die Miether und mi der anderen wirft es viele Millionen den Hausaarariern m °en Schooß. Denn daß die Grundstücke, die die Stadt Berlin letzt zu verkaufen beabsichtigt, in einigen Jahren einen gewaltigen Werthzusatz ausweisen und so ihren Elgenthümern unverdienten Gewinn verschaffen werden, »st fast mathematisch sicher. Wenn die Stadt Berlin wirklich nicht bloß den paar tausend Obdachlosen eine f?e Wogung verschaffen, sondern die Krebsschäden der Wohnungsnoth beseitigen will, so muß ^nächst einmal das Problem in seiner ganzen Größe sich vorstellen. Sie wird etwa folgende Wege einschlagen müssen: Einmal muß ste, so lange wir Inder weder ein Barkaufs- noch ein umfassendes Ent- ttgnungsrecht für die Gemeinden haben, den städtischen Gruichbesitz unter der Hand zu vermehren suchen. Na­türlich ist mit einer oder auch 10 Millionen da nichts gemacht. Ob man die Domäne Dahlem oder sonst ge- ?!8,n,cte Gelände kauft, ist gleichgiltig. Die Hauptsache ukeibt, daß große Gelände erworben und im Wege des Erbbaurechtes weiter gegeben werden. Damit ist die Spekulation beseitigt. Der Privatmann verfügt frei über das Gebäude. Aber der Nutzen der steigenden Grund­rente fließt der Stadt, b. h der Gesammthert der Steuerzahler zu. Weiter sollte die Grundsteuer nach dem Verkaufs- und nicht wie bisher nach dem Nutzung?- werth erhoben werden. Es ist ein Unfug ersten d'-e 1500 Bauplätze, die wir noch inner- halb des städtischen Weichbildes haben, lediglich als Kartoffellatt» mit ein paar Pfennigen versteuert werden. Werden sie nach ihrem wirklichen Werthe zur Steuer herangezozen, so wird der Antrieb, st- zu be­bauen, rasch wachsen, denn niemand zahlt gern Steuer sur etwas, was nichts einbringt. Jährlich steigt der Grund und Boden Berlins um viele Zehner von Millionen im Werthe. Dieser Werthzuwachs ist nicht rar Arbeit des Hauseigenthümers, sondern auf re» Gesammtarbeit der Bevö.kerung zw ückzuführen. Es ist em schreiendes Unrecht, von dem, was alle erobert haben» nur ein paar beafi possidentes pro« fitwen zu lassen. Eine hohe Steuer auf die Zuwachs- rente, die bei jeöem Besitzübergang erhoben wird, könnte der Bllgememhert wenigstens einen Theil dessen zufuhren, was ihr eigentlich ganz gebührt. So etwa ra9|fe eine Grund- und Bodenpolitik aussehen, die wirklich etwas nutzen soll. Damit hätte man Mittel, uw städtische Kulturaufgaben zu erfüllen, ohne die Massen der Steuerzahler zu belasten."

so üb rrafcht. ich — — Sie find abo meine kleine Lott, ja wahrhastig, Sie sind's, o, daß ich nicht gleich darauf kam, aber Sie haben sich sehr verändert, nur Ihre Augen find geblieben, fo blau und schön, wie sie früher waren!" —

„Und Sie," rief Lori, ebenfalls lebhaft und freudig bewegt, „Sie sind Johannes —--

Herr Lindemann," — verbesserte sie sich erröthend. gut__»reine schönsten ff-I „Jawohl, derselbe," bestätigte er, noch immer

i- dort, die (Sri«™ ,« ln ungläubigem Staunen auf das zierliche Mäd-

wärtigen Amts, Gesandten Wolff-Metternich. — Der Kaiser erhielt in Groß-Strehl tz aus Anlaß des Bres­lauer Vorfalls zahlreiche Glückwunschtelegramme, auch der Schah von P-rfien und der Khedioe von Egypten gratulnten. — Der Kaiser trifft Mittwoch früh zum Geburtstage seiner Mutter, der Kaiserin Friedrich, in H o m b u r g v d. H. ein und reist Donnerstag Abend von dort ab. Für die zweite Woche des Monats Dezember ist eine Hofjagd in Springe angesagt. Bei dieser Ge­legenheit soll dann auch Hannover besucht werden. — Der Kaiser trifft diese Woche zum Besuch in Hamburg ein und wird einer Vorstellung im Deutschen Schauspiel­hause beiwohnen, mit dessen Direktor, Frhrn. v. Berger, der Kaiser kürzlich beim ReichSkanzlerBülow zusammentraf. — Anläßlich des Breslauer Zwischenfalles erschienen am Sonnabend, wie aus Wien gemeldet wird, im PalaiS der dortigen deutschen Botschaft im Auftrage mehrerer Mitglieder des Kaiserhauses deren Oberhof- meister, um sich in den aufliegenden Bogen einzuzetchnen. Es erschienen ferner der Krievsminister, General von Krieghammer, zahlreiche Hofwürdenträger, Mitglieder des hohen Adels, Mitglieder des diplomatischen Korps, der Nuntius Erzbischof Taliani, sowie viele hohe Be­amte. — Prinz und Prinzessin Heinrich find gestern Abend nach Cronberg abgereist und gedenken am 22. b. M. wieder in Kiel einzulreffen.

Die kleine Lori.

Original-Roman von Irene o. Hellmuth.

2 ------- (Nachdruck verboten.)

-Tyras kann freilich das Necken nicht Der tragen, allein so hat er sich noch nie gezeigt," unterbrach Lori den jungen Mann, der sie wiederum so eigen anftante, als sähe er eine überirdische Erscheinung; dabei senkte das Mädchen erröthend die Augen zu Boden, und fügte schüchtern hinzu: „Tyras wird in Zukunft einen Beißkorb tragen müssen. Wenn ich nur müßt', wie ich den Schaden einigermaßen wieder gut machen könnte."

„Besorgen Sie nichts, mein Fräulein," lachte der junge Mann, „es ist zwar schade um menen neuen Sonntags-ock, aber ich habe Gott sei Dank noch mehrere Röcke, Sie sehen also, das Unglück ist nicht so groß."

lieber oas männlich siön? Gesicht des Sprechers zuckte es wie Schrlmere-, aas den dunklen, klugen Augen biitzte der Muth-villen. Während er sich mit der Hand durch das leicht gewellte, röthlich blonde Haar strich, fügte er in scherzhaftem Ton hinzu: „Was nur mein Vater sagen wird, wenn ich in diesem Aufzuge nach Hause komme! Nr, j tzt setzt es wenigstens keine Hiebe mehr, aber wenn ich als kleiner Junge auf die Baume kletterte, und mit zer. riffelten Kleidern heimkam, da blühte mir schon so etwas."

Er machte die unzweideutige Bewegung des Durchbläuens, und Lori mußte wider Willen lachen.

Lort hatte mehr zu sich selbst gesprochen, und benvrfre es gar nicht, wie erstaunt der junge Mann ihr zugehört hatte; jetzt unterbrach er bie Sprich-rin: „So sagen Sie mir doch, wie heißen Sie, und wie kommt tS, daß Sie alles das so genau wissen?"

„Ich heiße Lori Berneck und —"

■3« Nu ft an 3 der Fraaer auf feinen Ffißm, unb rief voll freudiger Ueberrafchung: „Lor, ~ T~ Berneck, — — ist denn das mög­lich » — ia wie konnte ich mich nur täuschen? | 'st cs denn wirklich wahr? — — ich — bin!

Lori stand stumm vor dem lebhaft plaudernden Jugendfreunde. An ihrem geistigen Auge zog Bild um Bild ihrer glücklichen Kinderzeit vor­über. Sie sah den blondlockigen schönen Knaben vor sich, wie er mit glühenden Wangen und blitzenden Äugen ihr zurief: „Hasch mich, Lori, wenn Du kannst!" und dann wie ein Pfeil da­bin flog auf dem weichen Rasen, ein Bild von Jugendlust und keckem Uebermuth und die Eltern saßen auf der Bank unterm Nußbaum, und nickten sich gegenseitig zu, uns meinten bedeutsam: „Das gibt wohl einmal ein schönes Pärchen, die Zwei!" Lon verstand damals noch nicht, waS damit gemeint sei, aber fi; erinnerte sich gleichwohl , gut, daß ihr geliebtes Mütterchen j-des — bin । Mal, wenn die Rede darauf tarn, lebhaft zum