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mit Ilnterhattnngs-Aeikage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" -* Peters«-» Hf. 1 (»ernie*it).
27. Jahrgang.
SMÖa, Montag, den 19. November 1900.
M 266.
G Noch einmal die Wohnungsnoth.
Ein Reichs.Wohnungs-Gesetz in Vorbereitung! So ertönte es jüngst in den Spalten der Blätter. Der hinkende OffiziosuS kam bald nach: kein Reichs-WohnunstS-Gesetz! So wurde abgewinkt. Die Wohnungsfrage gehört in den Wirkungskreis der einzelnen Bundesstaate«; aber die preußische Staatsregierung ist mit der Ausarbeitung eines entsprechenden Gesetzentwurfes für den preußischen Landtag beschäftigt. Aber auch das wurde widerrufen, und zuletzt kam die traurige Vertröstung auf die Wirkung einzelner Polizei-Verordnungen gegen die Mißstände auf dem Gebiete der Wohnungsfrage. Der *9^ogi« strat der großmächtigrn Stadt Berlin aberlegte sich mächtig ix's Zeug und kündigte an, er habe Großes vor zur Abhilfe der Wohnungsnoth — das einzige Ergebniß war der Beschluß, eine ganze Million Mark für diese Zwecke zu stiften.
Welches leidige Unverstäxdniß und welcher Mangel an Interesse in den leiten- den amtlichen Kreisen noch vielfach ihre btfcaum üchen Wirkungen «uSüben, konnte man erst wieder in den allerletzten Tagen an einer Verfügung der Eisenbabxdirektion Berlin beobachten. In den Vororten der Anhalter Bahn verstreut wohnen viele Arbeiter, die in der Zentralwerk, stätte der Staatsbahn selbst arbeiten. Diese Arbeiter haben zum Theil eigne kleine Anwesen erworben, zu einem anderen Thrils sind sie Pförtner oder Verwalter von Villenstrundfiückerl, jedenfalls also so angesikdelr, wie man gerade wünsch', daß recht viele Arbeiter untergebracht sein nächten. Nun wird Kegruwättig an dieser Vorortstrecke Verschiedenes verändert. WaS thut tu Verwaltung? Sie kaffirt ganz einfach für langer als eia halbe« Jahr die kleine Haltestelle bei Tempelhof. die bisher hauptsächlich von ihren Leuten brnutzl wurde und zwingt diese Leute dadurch, entweder ihre Arbeit in den B-chnwerkstätten aufzuzeben, oder aber nach Berlin hiaeinzuziehen und bann so zu wohnen, wie man gerade nicht will, daß sie wohnen sollen: In einer ungesunden MiethSquetsche in einem loftarmen und lichtlosen Hinterhöfe. Und doch weiß jeder, der d e Verhältnisse nur einiger' maßen frnnt, daß es gar keine Schwierigkeiten machen würde, auch während des Umbaues der Bahnstrecke die fraglichen Vorortzüge an einer entsprechenden Stelle eine halbe Minnte halten zu lass«.
Solche Einzelbeispiele belehren bester als die allerglarzendsten akademischen Abhandlu»gen über die fast brutale Unkrnntniß vieler Armier und Behörden alles besten, was hier bitter «oth thut. Unb wo noch immer solche Unkenntniß herrscht, da ist so eS nothwrnlig, daß stets von neuem in den Parlamenten über das verhandelt werde, worauf es hier ankammt. Denn so oft das auch schon geschehen ist, so erreicht man aus vielen Beispielen, die den angeführten aufS Haar gleichen, daß das bisher noch lange nicht ost genug war. Dem Reichstage ist zur Besprechung der Wohnungsfrage und Wohnungsnoth von neuem Gelegenheit gegeben durch einen von den Abg. Sch'oder und Genossen eingebrachten Antrag, den Reichskanzler um die Einsetzung einet Kom
mission zu ersuchen, die die bestehenden Wohnungs- verhältnisse und diejenigen gesetzlichen Bestimmungen prüfen soll, die mit jenen im Zusammenhangs stehen, die nachher über ihre Erhebungen berichten und Vorschläge machen soll, in welcher Weise das Reich zur Besichtigung der Wohnungsnoth eingreifeu könnte.
ES kann auf den Antrag nicht einfach geantwortet werden: das geht das Reich nichts an. Oder sollte das doch geschehen, dann würde das nichts Anderes als eine Umschreibung dafür sein, daß die zuständigen Stellen der Reichsverwaltung die bessernde Hand nicht anlegen wollen. Erstens hat das Reich die unabweis- liche Pflicht, den einzelnen Bundesstaaten mit gutem Beispiel voranzugehen. Zweitens sind die Versicherungsanstalten Reichsanstalten, und gerade durch die Herleihung von Kapitalien dieser Anstalten könnte ein großer Schritt vorwärts gethan werden aus dem Wege der Abhilfe gegen die Wohnungsnoth. Drittens hat das Reich in seinem unmittelbaren Dienste zahlreiche Angestellte, dir Anspruch haben auf die soziale Fürsorge des Reiches für sie; und endlich viertens kann von Reichswegen recht gut ein allgemeines Schema ausgestellt werden für das allermindeste Maß von gesundheitlichen Anforderungen, die an menschliche Wohnungen gestellt werden müssen.
Nach einem einzigen Schema kann nicht überall im Reiche vorgegangen werden, das ist gewiß. Dazu sind die Verhältnisse, die dabei berücksichtigt werden müssen, zu unendlich verschieden. Aber bahnbrechend sollte das Reich wirken und den Anstoß geben dazu, daß nun endlich einmal Einzelstaaten, Gemeinden, Arbeitgeber, Genossenschaften, und war dergleichen mehr ist, mit Ernst sich daran machen, ihre Pflicht auf diesem Gebiete zu thun. Diesen Anstoß zu geben und dafür zu sorgen, daß die gute Anregung nicht allmählich wieder versinke in dem unergründlichen Aktenftaube der Burraukratie, das ist die Pflicht des Reicher, und daß e# sich auf die Dauer dieser Pflicht nicht entziehe, dafür müssen stets wiederholte Besprechungen im Reichstage Sorge tragen.
Die geeignete Behausung bedeutet für dar Gedeihen der Menschen so viel, wie die geeignete Ernährung. Das Reich, die Einzelstaaten, die Gemeinden müssen endlich dafür sorgen, daß ihren Steuer zahlenden Bürgern nicht durch die Beutegier der Häuserspekulanten das Maß an Licht und Luft und Sonne entzogen werde, da» sie zu ihrem Gedeihe« xothwendig gebrauchen.
Deutsches Keich»
Berlin, den 17. November.
4- Krzvifchaf va« S>t«Skew»Ki von Po'en- Gneses ist während der jüngsten Zeit der Gegenstand heftiger Angriffe in liberalen und kultur- kämpferischen Blätter» gewesen. Die V.mnlaffung dazu, genauer ausgedrückt den Vorwand, mußte die Wahl im Wahlkreise Meseritz-Bomst hergeben. Der Herr Erzbischof hatte bekanntlich dem Propste do« KrzrsräSki in Allkloster, der von deutschen Katholik-» als besonderer Kandidat aufgestellt war, eine Rüge r-tieift; und alle die ha-
Die kleine Lori.
Original-Roman von Irene v. Hellmuth.
------- (Nachdruck oet boten.)
I.
Gar hell und freundlich beschien die Maien- sonne das spitze, rothe Ziegeldach des Berneck'schen Gutshauses, da» in sonntäglicher Ruhe dalag. Nichts war ringsum vernehmbar, al» da« Rucksen der Tauben, das Gackern der zahlreichen Hühner unb das Piepsen der jungen Spatzen, die nach Futter ausschauten. Vom nahen Walde herüber tönte hie und da der Kuckucksruf, al» wollte er Schläfer mahnen, daß es Zeit fei, aufzustehen.
Die Knechte uns Mägde schienen ebenfalls noch der Ruhe zu pflegen, und da» kam daher, daß es heute Sonntag war, wo der Hausherr, da der Gottesdienst ziemlich spät begann, der Dienerschaft gern ein Stündchen länger zu schlafen gestattete, al« an Wochentagen, wo er streng auf pünktliche Pflichterfüllung und gewissenhafte, genaue Einhaltung der Arbeitszeit sah. E« gab auch außerordentlich viel zu schaffen, da zu dem ausgedehnten Gut ein großer Viehstand gehörte, auf den der Besitzer sehr stolz war, und die Bauern behaupteten, daß man jeder einzelne Stück au« dem Berneck'schen Stalle schon auf fünfzig Schritt erkenne, so blank und rund sahen alle ans.
Im ersten Stock wurde eben ein Fenster geöffnet, und ein reizender Mädchenkopf, umwallt von blonden, natürlichen Löckchen bog sich heraus. Die junge Dame schien nach dem Wetter auszu- schauen, denn ihr erster Blick flog hinauf zum
wolkenlosen, blauen Himmel, an dem die strah - lende Sonne majestätisch in ihrer ganzen Pracht stand. Das Ergebuiß dieser Beobachtung befriedigte anscheinend das junge Mädchen sehr, denn ein zufriedenes Lächeln schwebte um den hübschen Mund.
lieber den geräumigen Hof kam eben langsam, wie schlaftrunken eine Magd daher, die Melkkübel in der Hand uefc verschwand in den Ställen.
„Eire köstliche Luft heute," murmelte die junge Dame, „schade, daß ich nicht noch früher aufgestanden bin; nun will ich mich aber beeilen unb mich rasch fertig machen."
Eine Viertelstunde später trat sie aus dem Hause, ix der einen Hand erä Buch in rothem Prachtband, i* der anderen eine Hängematte tragend. Das leichte, helle Sommerkleid stand ihr ganz tetjenb; es ließ HM und Arme ein wenig frei, der große Florentiner Strohut beschattete das ftische Gesicht und schützte es vor den heißen Sonnenstrahlen.
Als das Mädchen eben die Hand auf den eisernen Thürdrücker legte, um ins Freie zu ge- langex, ließ sich vom Hof« her ein klägliches Winseln vernehmen, das sich im nächsten Moment is ein richtiges Geheul verwandelte, so daß die sich Entfernende rasch den Äopf wandte.
„Ja so, fast hätte ich Dich vergessen, Tyras," tief sie lachend einem mächtigen Hunde zu, „sei nur ganz ruhig. Du sollst nicht zurückbleiben, Du mußt mich doch beschützen!"
Damit löste sie die Kette, an welcher der Hund angehängt war und gab ihm so die Freiheit. Das schöne Thier sprang mit freudigem
katistisch unb kultmkämpferisch angelegten Blätter hatten die Sache so zu deuten ge- ücht, daß der Herr Erzbischof gegen den Propst wegen beffen deutscher Gesinnung vorging. Eine dieser Zeitungen verstiea sich sogar zu dem tollen Gedankensprirnge, der Herr Erzbischof müsse deswegen abgesetzt werden. Thatsache aber ist, daß Propst von Krzesinski die Kandidatur zum Reichstage angenommen hatte, ohne die ihm vorgesetzte kirchliche Behörde davon in Kenntniß zu setzen, a noch mehr: Propst von Krzesinski hatte zum Zwecke der wirksamen Agitation die Autorität »ieser kirchlichen Oberbehörde vorgeschoben, diese letztere also geradezu gemißbraucht. Erzbischof von StablewSki würde Tadel verdienen, wenn er diese Verstößt gegen die kirchliche Disziplin un- gerügt gelass.n hätte; er verdient aber keinen Tadel dafür, daß er feiner Pflicht als kirchlicher Oberhirte gerecht wird.
* Aus der Denkfchrift über die er» offenen Anleihegefetze, welche soeben dem Re-chstage mitgetheilt ist, ergibt sich, daß an verzinslichen Reichsschuldobligarionen bisher begeben worden stab 2878 5 WiKioxeZ Mark. An Krediten verfügt die Regierung gegenwärtig zunächst noch übet 32 Millionen Mark Restkredite aus dem Iahte 1899. Dazu kommt her Anleihebedarf aus dem Ekatsgesrtz; von 1900 int Betrage von 80'/, Millionen Mark. Die C'iiinavotlage verlangt dazu 153 Millionen Mark; da« ergibt im Ganzen für den Bedarf des am 1. April 1901 ablaufenden Etatsjahres noch ein Anleihebedürfniß von 263 Millionen Mark. Dazu kommt das Anleihebedürfniß nach dem Entwurf des Etatsgesetzes für 1901 mit 97 Millionen Mark. Zu den hieraus sich er- gebesbex 360 Millionen Mark kommt dann noch der Anleihebedarf für China, der nach dem 1. April 1901 erwächst.
X Die Aar-Ie zum WeirrgeseHe ist theilweise durch hie votaufgegaxgenen Kennzeichnungen in der Presse falsch dargestellt worden. Namentlich werdet; die Herstellung unb der Vertrieb von Kunst wein eben doch durch die Novelle verboten. Sehr richtig wird in der Begründung gesagt, baß dieses Verbot nicht nur hn Jntereff« der Verbraucher liegt, sondern auch dem Wunsche fast aller Weinintereffenten entspricht. Der Kunstwein wird im vierten Paragraphen drS Gesetzes behandelt. Der erste Paragraph enthält die schon lange ersehnte juristische Bestimmung des Begriffes „Wein". Es »erben in diesem Paragraphen die Stoffe aufgezählt, die dem Weine nicht zugesetzt werden dürfen; gleichzeitig wird dem Bundesrathe die Ermächtigung ertheilt, noch andere Stoffe zu bezeichnen, auf die dieses Verbot Anwendung finden soll. Dann heißt es weiter: „Wein ist das durch alkoholische Gärung aus dem Safte der Weintraube mittels solcher Verfahren oder Zusätze, welche als eine Verfälschung oder Nachahmung nicht anzusehen sind, hergestellte Getränk." Gerade schwungvoll ist diese Begriffserklärung nicht. Aber es ist zu hoffen, daß sie für den praktischen Gebrauch genügen werde. Eins strenge Ueberwachung des Verkehrs mit Wein ist in der Novelle vorgesehen, die soeben dem Bundesrathe zur Berathang zugegangen ist.
Gebell an der Gebieterin empor, so daß diese Mühe halte, sich von ihm zu befreien.
„Nun, Tyras, nur nicht so ungestüm, Du wirfst mich ja um," wehrte sie dem Hund, „jetz fei aber hübsch artig, sonst mußt Du dableibrn."
Dabei streichelte sie zärtlich den Kopf ihres Lieblings, der mit den klugen Augen zu der Herrin aufschaute.
Indessen ließ sich von einem Fenster des Erdgeschosses eine Stimme vernehmen.
„Nun, Du kleine Frühaufsteherin, willst Du schon wieder xusfliegen?"
Die Anaerufene kam eilig herbei.
„Guten Morgen, Väterchen!" rief sie fröhlich, „Du weißt ja, wenn der Kuckuck ruft, und die Sonne so warm und herrlich scheint, wenn die ganze Natur wie neubelebt dasteht, bann leidets mich nimmer im Hause, dann zieht es mich ml unwiderstehlicher Gewalt hinaus ins Freie. Sieh' nur, wie herrlich ei heute ist; ich begreife die Menschen kickt die die schönste Zeit verschlafen. Während draußen alles blüht unb buftet, und das kleinste Geschöpfchen, jeder Käser schon munter ist, schließt der Mensch sich noch in das dumpfe, schwüle Zimmer ein, und schläft, und bringt sich selbst um den schönsten Genuß."
„Nun, nun, Plappermäulchen," neckte der Vater, „ich weiß schon, Du bist eine kleine Schwärmerin. Einer ist nicht wie der Andere, während Dir dies gefällt, behagt dem Andern das. Du wirst es nicht ändern."
Die junge Dame warf schmollend die Lippen auf. „Das will ich auch gar nicht, meinetwegen mögen Andere bis Mittag schlafen."
Damtt nickte sie dem ihr lächelnd nach-
Das Nahrungsmittelgefetz hat sich darin als unzulänglich erwiesen. Von einer ständigen polizei- ichen Ueberwachung wollte man aber absehen. Man hat einen Mittelweg eingeschlagen; es sollen erweiterte Kontrollbefugniffe eingeführt, und es ollen zur Ausübung derselben Vertrauensmänner als Hilfsorgane der Polizei hrrangezogen werden. Wie bas gemeint ist, muß sich zeigen. Jeden- älls ist bas Verbot der Herstellung und des Verkaufs von Kunstwein ein sehr erfreulicher Fortschritt unb als solcher zu begrüßen.
* Di- Daß! der Streiks im Jahre 1899 betrug nach der amtlichen Streitstatrstik m Deutschland 1336, von denen bereits 14 vor dem 1. Januar 1899 begonnen hatten, unb von denen 48 am 31, Dezember bes genannten Jahres noch nicht beendet waren. Von 1288 innerhalb bes Jahres 1899 zur Beendigung gelangten Streiks wurden überhaupt 7121 Betriebe betroffen, in denen bei Ausbruch der Bewegung 256 858 Arbeiter, darunter 40 062 im Alter von unter 21 Jahren beschäftigt waren; 1090 Betriebe wurden zum völligen Stillstand gebracht. Die Höchstzahl der gleichzeitig Streikenden belief sich auf 99 338 Personen (15 600 unter 21 Jahren), von denen 71968 (8343 unter 21 Jahren) bei Ausbruch beS Streiks zur sofortigen Arbeitsniederlegung berechtigt waren, währenb die übrigen als kontraktbrüchig nachgewiesen werden. Angriffsstreiks werden im Ganzen 1019, Abwehrstreiks 269 gezählt. Vollen Erfolg hatten bie Streikenden in 331, theilweisen in 429, überhaupt keinen Effolg in 528 Fällen. Uster den Fällen des theilweisen Erfolges wurden biejenigen besonders berücksichtigt, in welchen den Streikenden voller unb theilweiser Erfolg in Bezug auf die Erhöhung des Arbeitslohnes (238 Fälle) oder rä Bezug auf Verkürzung »er Arbeitszeit (22 FLlle), ober endlich in Bezug auf beide Forderungen gleichzeitig (84 Fälle) zu Theil wurde.—Aussperrungen werbeninsgesammt 28 gezählt, von benen 23 innerhalb des Berichtsjahres aufgehoben wurden. Von den letzteren wurden 427 Betriebe mit 8290 beschäftigten (darunter 408 unter 21 Jahre alten) Arbeitern betroffen, von denen überhaupt 5298 Personen (219 unter 21 Jahren) ausgesperrt unb außerdem 1728 in Folge der Aussperrung zum Feiern gezwungen wurden.
♦ Maräz, 17. Nov. Die Landtagsabge- orbneten v. Brentano, Dr. Irena r, Hahn, Molt- Han, Pennrich, Schlenger, Dr. Schmidt haben in der Zweiten Kammer der Stände folgende Interpellation erägebracht: Das furchtbare Eisenbahnunglück bei Offenbach hat in den weitesten Kreisen der Bevölkerung tiefgehende Erregung hervorgerufen. Es besteht die Ansicht, daß eine schuldhafte menschliche Handlung nicht vorliegt, daß aber auch der am fraglichen Abend herrschende Nebel ober andere Zufälle den Unfall wenigstens in feiner entsetzlichen Ausdehnung nicht erklären. Es werden gewichtigste Stimmen laut, nach denen Fehler in der Verwaltung, veraltete Konstruktionen der sogenannten V-Wagen, insbesondere fehlerhafte Anlagen von Licht- unb Schutzvorrichtungen, die andererseits unangebrachte Sparsamkeit in Bezug auf Anlage von weiteren Bahngeleisen, Anstellung von geeignetem
fchauevden Alten einen Gruß zu und wandte sich zum Gehen. , „
ist doch ein eigentümlichGeschöpf, bte Lori," murmelte der Vater. „Während andere Mädchen in ihrem Alter sich freuen, wenn sie ein Stündchen länger schlafen können, steht sie mit den frühesten auf unb läuft im Walde herum."
Er mochte etwas über fünfzig Jahre zählen; sein volles, rothes Gesicht strahlte förmlich, wenn er an fein geliebtes Töchterchen dachte, an dem er mit der zärtlichsten Liebe hing.
„Du, Lori!" rief er dem Mädchen noch nach, „vergiß nur das Heimgehen nicht!"
Lori, bie ben Ruf kaum gehört hatte, schritt auf sonnigem Wiesenpfade dahin, sorgsam jedem Blümchen ausweichend, damit es nicht zertreten werde; hie und da bückte sie sich, um einige Vergißmeinnicht zu pflücken. Tyras umkreiste in großen Sprüngen die Herrin, als freue auch er sich des herrlichen Morgens.
D-r Huub war ein selten schönes Thier, doch hatte er die eigenthümliche Gewohnheit, baß er sich von Niemand als von Lori streicheln oder auch nur anfaffen ließ. Jedem, der sich ihm näherte, zeigte er die Zähne und knurrte, wenn man ihm in der besten Absicht schmeicheln wollte. Das Thier war erst feit etwa einem Jahre in dem Besitz des Mädchens.
Vorher hatte Tyras einer herurnziehenden Gauklerbande gehört, die ihn vor einen schweren Karren gespannt hatte. Lorie fühlte damals solches Mitleid mit dem gequälten Hund, daß ihr die Thränen in die Augen kamen. Sie wußte ihren Vater auch richttz so weit zu