27. Jahrgang.
Iutöcr, Donnerstag, den 15. November 1900.
Jfä 263.
Wie soll das enden?
freUb£)drt, was der gute Jangs schreibt: — Lieber Vater! Da wirst Dich wundern, wenn Du meinen Bries erhältst. Ich beabsichtige nämlich «nt Ablauf des Monats August heimzukehren. Erstens glaube ich nicht, daß ich die Studienmitte! erhalte, außerdem ist zweitens mein deutsches Gewissen erwacht. Ich habe den Ausruf des Königs von Preußen gelesen, den mir ein Freund heimlich zugestecki hat, und ich mag nicht mehr mäßig sein,' während die deutschen Brüder m s Feld ziehen. Ich komme, um zu gehen; mein Weg führt nach Breslau. Zwar habe ich meine Hande der Kunst geweiht und ich würde trostlos sem, wenn ich in ihnen die Anwartschaft auf daS Künstlerthum verlöre! Aber darf daS Vaterland
fragte Lawes.
„Bewahre, Herr Inspektor. Das waat selbst die Polizei Jerome's nicht. Ich bitte Sie, ein General des Kaisers, und so etwas."
,Und was schreibt tr, Lenore? Spricht er von Siegfried? — Mein Gott, wie bin ich selbstsüchtig; verzeihe!" warf der Magister hin.
Die glücklich? Braut schien es nicht zu hören, war es doch natürlich, daß bet alte Mann nach dem Sohne verlangte.
„Was Adrien schreibt," sagte sie, «ist geradezu schrecklich, Vater. Der Uebergang über die Beresina ist mehr, als drei verlorene Schlachten. Bei dieser Schilderung kommt auch zuerst Siegfrieds Name vor. Dort haben sie sich getroffen. Glücklich sind beide der hereinbrechenden Katastrophe entkommen, bis sie nahe der russischen Grenze von Kosaken angegriffen wurden, in deren — faffe Dich, Vater — in deren Gefangenschaft Siegfried, total ermattet, fiel, während Lebrun entkam."
Der Magister sank auf einen Stuhl: „L, guter Gott!" , . r
.Tröste Dich, Vater; Adrien schreibt, daß dieses für Siegfried das günstigste Loos gewesen, da er sonst den Strapazen erlegen sein würde, die Russen behandelten die Gefangenen, besonders Deutsche, durchaus menschlich."
„O, ich schöpfe neuen Muth! Siegfried, Siegfried !" Jetzt fragte er auch nach Lebrun.
Hier trat Lenore, welche siÄ eben entfernt, wieder ein, einen Brief in der Hand haltend:
„Gmen Brief von Adrien, Vater!" ruf sie
3tt He XeMtUa 3«f. Bees, fiv Jufaett 3. pirzeUe» tw Seite.
während nur das Eine ficher war, daß ohne Zögern gehandelt weiden mußte, war die Grundlage für die zu fassenden Beschlüfie, zumal bei der Unsicherheit des Nachrichtendienstes, schwankend, standen demgemäß dre uns erwachsenden Aufgaben noch keineswegs fest, und entzog sich damit das Maß der nothwendigen Aust Wendungen einer finanziellen Schätzung. Wenn hiernach davon abgesehen worden ist, den Reichstag zu einer außerordentlichen Sitzung behufs verfassungsmäßigen Beschlusses über den Kostenaufwand zu berufen, so hegen doch die verbündeten Regierungen das Vertrauen, daß die Volksvertretung den unvermeidlich gewordenen Ausgaben ihre nachträgliche Zustimmung nicht versagen werde. Galt cs doch, nicht nur schwer bedrohte deutsche Interessen zu schützen, sondern auch die Ehre des deutschen Namens ohne Verzug zu wahren.
Gegenwärtig läßt sich der durch das ostasiatische Unternehmen verursachte Aufwand für das laufende Rechnungsjahr übersehen. E; bildet den Gegenstand einer besonderen Kreditvorlage, die Ihnen sofort zugehen wird.
In dem Entwürfe zum Reichshaushalts - Etat haben, dank dem natürlichen Steigen der Einnahmen und den vom Reichstage in der vorigen Tagung beschlossenen Steuereihöhungen, für fast alle Zweige der Reichsthätigkeit reichere Mittel angesetzt werden können, insbesondere zu Zwecken der Fürsorge für die Arbeiter und der Landesvertheidigung.
Ein Zolltarifgesetz ist soweit vorbereitet, daß die Vorlage des Entwurfs an den Bundesrath im Laufe
des Winters zu erwarten ist.
Nächst den in der vorigen Tagung nicht verabschiedeten Entwürfen einer Seemannsordnung und der damit in Zusammenhang stehenden Gesetze, werden neue Vorlagen Sie beschäftigen, durch welche einerseits eine einheitliche Gestaltung der öffentlich-rechtlichen Seite des Privatversicherungswesens herbeigeführt, andererseits die Reichsgesetzgebung überdas Urheberrecht mit der fortgeschrittenen Rechtsentwickelung in Einklang gebracht werden soll.
Vorbereitet wird eine durch die Neugestaltung der Unfalloersicherungs-Gesetze bedingte Abänderung der Vorschriften über die Unfallfürsorge für Beamte und Personen des Soldatenstandes, sowie eine Vorlage, welche die Vorschristen über den Verkehr mit Wein zu verbrffern bezweckt.
Die Beziehungen des Reichs zu allen auswärtige« Mächten sind fortdauernd gut und freundlich. Mit Wehmuth gedenke Ich Meines Verbündeten und theuren Freundes, des Königs Humbert, welcher in seinem Königlichen Beruf als Opfer eines fluchwürdigen Anschlags fiel.
Auf der Weltausstellung zu Paris, wo das Nachbarland dem friedlichen Wettstreite der Völker eine gastliche Stätte bereitet hatte, ist deutschem Fleiß und deutscher Kunstfertigkeit reiche Anerkennung zu theil geworden. Dieser Erfolg, den Sie gewiß mit Mir freudig begrüßen, wird der nationalen Arbeit auf allen Gebieten ein Sporn zu neuen Anstrengungen und immer größeren Leistungen sein.
Möchten die Berathungen, denen Sie Sich, geehrte Herren, im Einvernehmen mit den verbündeten Regierungen widmen wollen, unter dem Beistände der göttlichen Gnade dem theuren Vaterlande zum Segen gereichen!
Nach der Verlesung der Thronrede trat der Reichskanzler vor den Thron und erklärte den Reichstag für eröffnet.
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Der Kaiser verließ hierauf unter erneutem, von dem Königlich bayerischen Bevollmächtigten zum BundeSrath, Grafen v. Lerchenfeld-Köfermg ausgebrachten Hoch in Begleitung der Prinzen, nach allen Seiten huldvoll grüßend, den Saal.
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„Hat ihn die Geheimpolizei nicht geöffnet?"
ilittettfe: Di« ehe» palt. Garmond» Coder bereit ml5Pfg..R-' Hamen die Petn zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
„Er ist und denkt echt deutsch! lobte ihn «dkle. »Ja, "ja!" lachte der Alte stolz.
Lames aber murmelte! „Als Freiwilliger also!
In der Aufzählung der Gesetzentwürfe, die dem Reichstage zugehen sollen, ist gar nichts Ueberraschendes enthalten. Das wußten wir aller chon: Seemannsordnung, Weingesetz und noch manches Andere mehr. Auffällig tst nur der Satz, der mit dem neuen Zollgesetze sich beschäftigt. Darin ist nur gesagt, daß „ein neues Zolllarif- qesetz so weit vorbereitet ist, daß die Vorlage der Entwurfes an den Bundesrath im Laufe der Winters zu erwarten sei". Davon, daß dieser Entwurf auch dem Reichstage während dieses Winters zugehen werde, ist kein Wort gesagt. Er könnte also sein, daß diejenigen recht behalten, die schon während der letzten Tage prophezeiten, dar Zollgesetz werde den Reichstag in dieser Session gar nicht mehr beschäftigen.
Unsere Beziehungen „zu allen auswärtigen Mächten" werden von der Thronrede als „gut und freundlich" bezeichnet, zu allen auswärtigen Mächten ohne Unterschied. Auch das hat Niemand anders erwartet. Dennoch freut man sich, es in der Thronrede nochmals bestätigt zu lesen.
Möge nun des Reichstages Arbeit fruchtbar und von Gott gefegnet sein „unter dem Beistände der göttlichen Gnade dem theueren Vaterlande zum Segen gereichen", — diese schonen Schlußworte der Thronrede werden gewiß m den Herzen aller Deutschen lebhaften Anklang finden.
Das sieht ihm ähnlich." Ä _
„Wir sind auch deutsch!" fiel nun stolz Le- nore ein. „Lebrun stammt aus dem Elsaß. Hat er erst den Abschied, so ziehen wir nach Straßburg und da ifi's noch gut deutsch! Und den Oswald, den rüstet Tante zum Freiwilligen aus. Nicht wahr Tante?" , , . .
Diese nickte ernsthaft und lächelte dann, der Vater aber reichte Lenore dir Hand: „Gott segne Dich, mein Kind." .
So kam der Skptember heran und mit ihm Oswald. Mit Thränen entlasten ging er wieder bei Nacht und Nebel davon, um Breslau zu er»
es war am 15. September, oetbreikte sich das Gerücht, Jerome sei entflohen, die Ko» faken wären in Kastel. , , .
Die Wogen der Aufregung gingen hoch, zu» mal Geheimpolizisten und Zollwächter schon die Flucht ebenfalls ergriffen.
In großer Aufregung kam heute der Zn spektor in's Schulhaus: -
„Wißt Jhr's schon, alter Seund? Es ist wirklich so: Jerome ist fort. Tschermrschcw mit seinen Kosaken hat ihn verjaet; angesehene Manner find zu einer provisorischen Regierung zu» sammrngetreten. Die Zeitungszensur ist aufge- doben und nun zeigt es sich erst, was sirt ist, von dem wir bisher keine Ahnung hatten.
Deutsches Keich.
Berlin, den 14. November.
v Sozialdemoürale« als Arbeitgeber. Jetzt versprechen sie ihnen ein „Paradies auf grben" — nämlich die sozialdemokratischen Wühl» buber den Arbeitern. Aber wenn einmal die Reihe an sie kommt, zu zeigen, daß es ihnen ernst ist mit ihren angeblich so edeln und uneigennützigen Absichten für die Arbeiterschaft, da fallen sie aus der Rolle und zeigen ihren wahren Charakter. Schon vielfach ist Mage geführt worden über di- ganz übermäßig langen Arbeitszeiten der Ange» stellten in den sozialdemokratischen Konsum-Vereinen und ihren Lagerräumen, namentlich rot Königreich Sachsen; aber noch Niemand hat daran gedacht, das schlechte Loos dieser Angestellten zu verbestern. Jetzt ist nach vielen anderen, welche voraufgingen, ein neues und besonders lehrreiches Beispiel aufgetaucht dafür, daß die Sozialdemokraten als Arbeitgeber gar nicht daran denken, ihre herrlichen Versprechungen von dem angeb» lichen „Paradiese auf Erden" auch nur «Niger» maßen wahr zu machen. Die Arbeiter dersozial» demokratischen Genossenschaftsbackerel in Berlin haben vor einiger Zeit lnsgesarrmlt ihre Arbeitsstelle verlassen, um «ne neue Gr» nostenschaft zu gründen. Jetzt haben dieselben ein Flugblatt erscheinen lassen, tn dem sie sich über die Gründe verbreiten, die sie zum Austritte veranlaßt haben. Danach wuchs der Reingewinn der Bäckerei von Jahr zu Jahr! aber nichts geschah zu Guvsten der in ihr beschäftigten Arbeiter. Diese hatten sich zu beklagen über mangelhafte maschinelle Einrichtungen, allzulange Arbeitszeit und sogar über gesundheitsschädliche Arbeitsraume. Aus je fünf Matt ehedem eingezahltes Stammkapital erzielten die Eigenthümer weit über tausend Mark Reingewinn im letzten Geschäftsjahre, ohne
© Eröffnung des Reichstages.
In hergebrachter Form ist die neue Tagung < 'des Reichstages im Prunksale des Königlichen Schlaffes in Berlin durch den Kaiser selbst eröffnet worden. Zahlreich hatten sich die Mitglieder des Reichstages dazu eingefunden. Mit brausendem, dreifachem Hoch, ausgebracht vom Präsidenten der letzten Tagung, dem Abgeord- neten Grafen Ballestrem, empfingen sie den Kaiser, als dieser gefolgt von den Prinzen seines Hauses den Saal betrat. Etwas Neues 1 war diesmal doch in dem sonst gewohnten Bilde i zu sehen: zum ersten Mal zeigte sich der Kron- f.«rinz. Als der Kaiser g-mkssenen Schrittes zum Throne hinauf stieg, ft.Ute sich auf dessen -»unterster Stufe der Kronprinz auf. Im übrigen y roar es auch diesmal dasselbe glänzende Bud ? der voraufgegangenen Jahre: das Korps der ‘ Pagen in bunter Kleidung, die aus Riesen- männern zusammengesetzte Schloßgar : e mrt ihren Gala Un.focmen, eine glänz nde Schaar von Generälen und hohen O'siz'errn und viele färben» prächtige Uniformgewänder bei den Mitgliedern des Reichstages, namentlich hervorleuchtend die rochen Röcke der Johanniter und Malteser.
Unter tiefer Hofverbeugung überreichte Reichskanzler Graf Bülow dem Kaiser die Thronrede, die dieser mit kräftiger Stimme verlas. Liefe lautet:
Geehrte Herren!
Nachdem Ich Sie zu erneutem Wirken im Dienste des Gemeinwohls berufen habe, entbiete ich Ihnen namens der verbündeten Regierungen Gruß und Willkommen.
Die Ereignisse im fernen Osten haben unter allen gesitteten Völker« der Erde tiefe Erregung hervorgerufen. Fanatischer Haß und finsterer Aberglaube, angestachelt von gewissenlosen Rathgebern des Pekinger Hose» hatten mißleitete Massen des chinesischen Volkes zu Greuelthaten getrieben gegen die friedlich unter ihnen weilenden Vorposten abendländischer Zivilisation und christlicher Kultur. Bei dem muthig unternommenen Bersucke, die aufziehende Gefahr zu beschwören, stmb M-in Gesandter von meuchlerischer Hand. Die Fremden in der Hauptstadt sahen sich an Leib und Leben bedroht. Aber die Schreckensbotschaft einte, waS sonst getrennt. Alle Nationen, gegen die sich der unerhörte Angriff ..Ächtete, schloffen sich eng zusammen, und einmüthig kämpften Schulter an Schulter ihre Söhne. Und wie Idie Feldzeichen draußen gemeinsam wehen, so zeigen sich die Regierungen in ihren Berathungen von dem einstimmigen Wunsche beseelt, möglichst bald wieder geordnete Zustände herbeizuführen und nach Bestrafung der Hauptschuldigen der Wiederkehr solcher Störung des Weltfriedens für die Zukunft vorzubeugen.
Gern hätte Ich aus die Kunde von dem Ausbruche der Wirren in China alsbald die Volksvertretung um Mich versammelt. Wie das deutsche Volk mit seinen Fürsten die Ausfahrt der freiwillig zu den Fahnen geeilten wehrhaften Jugend und ihrer Führer mit Kundgebungen freudigen Stolzes und muthiger Zuversicht begleitete, einer Zuversicht, die seither durch das Verhalten unserer Krieger vor dem Baterlande wie vor dem Auslände voll gerechtfertigt ist, so würde gewiß auch die Volksvertretung mit patriotischer Entschlossenheit für die zu ergreifenden Maßregeln eingetreten sein und hierdurch deren Wucht gesteigert haben. Aber
nehme ich'meinen Abschied; ich habe triftige Gründe dazu." . . .
Hm, hm," meinte Lawes, „er wird den Kaiser endlich durchschaut haben, liebe Lenore; „er ist ein Kouliffenprinz wie Jerome auch, nur etwa« klüger! Seine Lügen-Bulletins glaubt ihm aber Niemand. Schon fchl.ppt er neue Schlachtopfer gegen die vereinigten Preußen, Ruffen und Oesterreicher, dieRheinbund-Truppen müffen ihm zur Schlachtbank folgen." ..... .
Ihr habt nicht unrecht. Lawes," bestätigte der Magister. „Der König von Preußen spricht aber deutsch mit ihm."
Gerade j tzt kam der Postbote mit einem Briefe Oswalos. Der Magister las ihn und rief
jetzt ^icht^and^nd Fuß von mir fordern? — IL ’S» •“ em9VÄdv
Das HchchWS $1 Mmhsh.
Original-Erzählung von Carl Cassau.
16 ------ (Nachdruck verboten.)
VIT.
In Deutschland entflammte das klägliche Ende des russischen Feldzuges den patriotischen Geist, lleberaß regte sich das Volksbewußtsein; auch in Meerholz gingen die Wogen hoch.
Wir finden Inspektor Lawes heute wieder im Schulhause. Der Magister geht sorgenvoll auf und ab, denn noch ist von Lebrun und Siegfried keine Nachricht da aus Rußland, das für so viele ein Grab geworden. Die Frauen arbeiten eifrig an Weißzeug und Sttickstrumpf. Plötzlich unterbricht der Inspektor dis eingetretene Stille und sagt sehr ernsthaft: ,
„In Preußen sollen sich unendlich viele Freiwillige melden, viel spricht man von der Opfer» willi-keit des Volkes. Selbst Jungfrauen sollen sich als Männer verkleidet zum Entritt in die Armee gemeldet haben. Andere haben ihr schönes Haar dem Vaterlands geopfert."
„Schade," entgegnete dec Magister, „daß hier die Zeitungen alle derartigen Nachrichten unterdrücken. Sprich weiter, Freund."
Dieser hatte die Thüre fest geschloffen.
„Ja, hier suchen die Schergen Jerome's jede freie Regung zu unterdrücken. Aber von dem Aufruf des Königs von Preußen hat man doch einige Exemplare verbreitet."
~ Trotz angedrohter Todesstrafe? Freund, das gibt" zu denken. Ich selbst habe ihn gelesen."
Die Thronrede beschäftigt sich, wie zu erwarten war, an allererster Selle und m hervorragender Weise mit den Chinawirren, und zwar in Redewendungen, die durch die Lebhaftigkeit der Tonart von dem Stile erheblich ab- weichen, den Thronreden fönst zu haben pflegen und den auch diese neueste Thronrede tn ihrem anderen Theile hat. Ob mit diesem Feuer der Rede der allgemeinen Volksstimmung entsprochen wird? Das ist schwer zu entscheiden; fast möchte man die Frage mit Nein beantworten. Denn von einem sehr großen Tbeile des deutschen Volkes wird die ganze Chinafrags mit großer Kühle beurtheift unb bk'p'-ochen. Neue Mit- heilungen über den S'and der Chinawirren ent» hält die Thronrede nicht. ~
Nachher kommt die etwas heikle Frage an die Reihe, weswegen der Reichstag im Sommer nicht zu einer außerordentlichen Tagung einberufen worden ist. Nach der Thronrede hat der Kaiser den Wunsch empfunden, auf die Kunde hin von dem Ausbruche der Wirren in China alsbald die Volksvertretung um sich zu versammeln. Aber auch die Thronrede weiß keine andere Entschuldigung dafür, daß dies nicht geschah, al5 den nichts weniger mehr als unbekannten Hinweis darauf, daß die vorhandenen Grundlagen für die zu fassenden Beschlüsse zu schwankend, die Aufgaben, die unser harrten, noch nicht klar genug uns vorgezeichnet gewesen seien. Diese Begründung ist schon mehrfach vorher als unzulänglich erklärt worden, und daran hat sich inzwischen natürlich nichts geändert. Diese Begründung ist heute noch ebenso mangelhaft, wie vor vier Monaten. Annähernde Angaben über den Kostenaufwand während dieses Rechnungsjahres hätte man damals sicherlich bereits machen können; genau kann man ja die Kosten heute auch noch nicht berechnen, und nun muß doch eine China Vorlage eingebracht werden. Man kann deswegen nur von neuem den Wumch aussprechen, daß bei den bevorstehenden Verhandlungen im Reichstage recht deutlich die Beschwerde über die Außerachtlassung des Reichstages zum Ausdruck gelangen möge, obwohl,a an der Bewilligung der erhobenen Geld- forderungen gar nicht gezweifelt werden kann.
Da der Reichstag viel Geld bewilligen soll, wird die Finanzlage auch diesmal als sehr aünstig geschildert. Das hatte man zu erwarten ; und thatsächlich ist ja der Stand der Einnahmen gut. Desto riesenhafter wachsen aber auch die Ausgaben an. Nach dem Entwürfe des neuen Etats resetzes, das dem Bundesrathe zur Berathung vorliegt, tollen zur Bestreitung einmaliger außerordentlicher Ausgaben wiederum im Wege des Kredits fast hundert Millionen Mark flüssig gemacht werden, außerdem soll der Schatzsekcetär er- ■ mächtigt werden, bis zu einer Höhe von 175 : Millionen Mark Schatzanweisungen auszugeben.
„Bei seiner Ankunft in Warschau mußte er, obwohl mit Widerstreben Kommando über-, pe lernen. Was ich nicht verstehe, ist diese Stelle ; bin I höre Papa: Sobald es mtt Ehren geschehen kann, 1 sffMrfiieh• ich habe triftige