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PrUfegag« Bf. * (Ixremeeit).

4S 258.

Jul^öcr, Freitag, den 9. November 1900.

27. Jahrgang.

i

ziehungen beider Länder zu fördern bereit fein wirb."

Für uns hat aber die Wahl deS Herrn Mac Kinley weniger der imperialistischen Politk wegen Interesse, als vielmehr deswegen, weil Herr Mac Kinley gleichzeitig ein ganz entschiedener Ver­treter einer ganz ausgesprochenen Politik deS Hochschutzzolles ist. Im Anfänge, als diese neue amerikanische Schutzzollpolitik ihre Wirkungen entfaltete, blickten wir mitunter mit einiger Be- sorgniß hinüber nach der großen Republik jen­seits deS atlantischen Meeres. Aber der Lauf der Dinge hat klar und deutlich bewiesen, daß solche Besorgniß unbegründet, mindestens sehr übertrieben war, hat gezeigt, daß wir gewappnet find gegen die anfänglich gefürchteten schädlichen Einwirkungen, und hat unS auch die Mittel und Wege gewiesen, die wir zu wählen haben, um unS dauernd stark zu machen gegen diese heraus« sordernde Polittk beS Hochschutzzolls. Die Ver­einigten Staaten können sich auch gar nicht ein« lasten auf etwas, das wie ein Zollkrieg mit Deutschland aussehen würde; denn sie sind noch in weit höherem Maße auf die Ausfuhr nach Deutschland angewiesen als wir auf die Ausfuhr nach den Unionsstaaten, so daß der Theil, der den größten Schaden von einem Zoll­kriege haben würde, unbedingt die große Uni­onsrepublik sein müßte. Und da daS nun un­zweifelhaft der Fall ist, kann eS uns ganz an« genehm fein, daß Herr Mac Kinley von neuem Präsident wird und somit alles in unseren Be­ziehungen zu den Vereinigten Staaten beim Alten bleibt. Manche der handelspolitischen Beschwerden Deutschlands find beigelegt worden durch die Handelsvereinbarung, die wir im letzten Sommer mit den Vereinigten Staaten abge« schloffen haben; die bevorstehenden neuen Zoll­gesetze und Handelsverträge mfiffen nun dazu beitragen, die noch bestehen gebliebenen Unzu- träglichkeiten zu beseittgen. Wir dürfen hoffen, daß auch die weiteren vier Jahre der Präsident- schäft Mac Kinley'S die Beziehungen zwischen hüben und drüben nicht unerquicklich sich ent­wickeln lassen werden.

Die eigentliche Wahl beS Präsidenten hat noch gar nicht stattgefunden. Diese wird erst von den Wahlmännern vorgenommen, die von den einzelnen Staaten in der Urwahl dazu bestimmt werden, den Präsidenten zu wählen. Aber die Wahlmänner werden ja auf einen bestimmten Präsidentschaftskandidaten gewählt; und von den vorhandenen 447 Wahlmännerstimmen mfiffen allermindestens 300 als Mac Kinley-Stimmen angesehen werden. Die Mehrheit für Herrn Mac Kinley ist damit noch erheblich stärker, als bei seiner ersten Wahl zum Oberhaupte der nordamerikanischen Union.

* * *

Die offiziöse »Nordd. Allgem. Ztg/ schreibt: „Die Wiederwahl Mac Kinley'S . . . wird in der deutschen Prrfle von Blättern aller Partei­richtungen freundlich ausgenommen. Auch wir chließen unS gern der Zuversicht an, daß Prä« ident Mac Kinley auch während seiner neuen Administration, zu deren Antritt wir ihn auf« richtig beglückwünschen, ein gutes und frennd- chastlicheS Verhältntß zwischen dem Deutschen lteiche und dem großen transatlantischen Frei- staatzum Segen der vielfach verflochtenen Be«

„Allegorisch?"

„Das meinte ich! Da ist er."

„Daß ihn die Geheimpolizei nicht geöffnet?" „Hat sie ja, aber den Inhalt nicht verstan­den. Lest selbst!" 1

Der Magister hatte schon die Hornbrille her­vorgeholt und las:

„London, den 3. Februar 1811. Lieber Inspektor!

Für die prompte Besorgung meiner Ge- schäfte danke ich Ihnen. Ich lebe nur meinen Studien, in Gedanken aber bin ich immer da­heim. Pflegen Sie meine Lieblingsrose, die »4 au« dem Nachbargarten erhalten habe, da- ^it sie einst wenn ich zurückkehre, im alten Blüthenschmuck mich erfreue. Ich hoffe, daß Stamm und Zweige nichts an Lebenskraft und Fniche eingebüßt haben. Statten Sie mir doch darüber baldigst Bericht ab. Also grüßen Sie meine Rose von

Ihrem wohlgewogenen Hanntbal de Nymhemt."

Adele war flammend roth geworden.

„O Papa, ich verstehe den Brief. Der Stamm, das bist Du, Mutter und Oswald find die Zweige und —"

„Die Rose Du! Gott sei gelobt' Er ist ehrlich und denkt an Dich, Kind."

Dabei wischte sich der alte Herr eine Thräne aus dem Auge.

Die Dtutter streichette dabei Adele:

„Tröste Dich, Kind, es kommen bald andere Zetten."

„DaS glaube ich auch," trat hier der alte Neuröder ein und ließ sich im Lehnstuhle nieder.

über, der wiederholt wegen Sittlichkeitsvergehen angeklagt war. Das sind die bereits klar vor­liegenden Thatsachen. Ueber den schlimmsten Dingen liegt noch Unklarheit, namentlich darüber, ob Stierstädter wirklich, wie Sternberg behauptet, die kleine Frieda Woyda beeinflußt hat in dem Sinne, falsch gegen Sternberg zum Schaden der­selben auszusagen.

+ Der Zfestfalk in Mremerhave« wird hoffentlich vereinzelt bleiben. DaS kaiserliche Gesundheitsamt hatte zur Untersuchung eines seiner Mitglieder, den RegierungSrath Dr. Kassel, dorthin entsandt. Dieser ist am heutigen Donnerstag wieder nach Berlin zurück- gekehrt und nach seiner Darstellung ist voll­kommen begründete Aussicht darauf vorhanden, daß der Fall vereinzelt bleibt. Mit der Mög­lichkeit, daß solche einzelne Fälle eingeschleppt werden, muß man natürlich jetzt immer rechnen.

* Die Answanderimg Deutscher nach den Vereinigten Staaten, welche im Jahre 1898 den niedrigsten Stand erreicht hatte, ist seitdem wieder in der Zunahme begriffen. Sie war von 206,189 im Jahre 1881 auf 108,611 im Jahre 1891 und auf 17,272 im Jahre 1898 zurückgegangen. Dagegen stieg sie im Jahre 1899 wieder auf ,19,271 (davon 10,286 männliche) Auswanderer. Allerdings ist die Zahl der über deutsche Häfen auSgewauberten Ausländer viel größer; sie betrug im Jahre 1899 105,151, gegen 60,100 im Jahre 1898, Den Hauptantheil an den Auswanderungen von Ausländern hatten Rußland und an zweiter Stelle Oesterreich-Ungarn.

_ *•* Merkt«, 8. Nov. Der Kaiser nahm heute Vormittag im Neuen Palais die Vorträge deS KriegS- MinisterS, Generals von Gotzler und des Chefs des MilitärkabinetS, Generals v.Hahnke entgegen. Um 11 Uhr begab sich der Kaiser nach Potsdam und wohnte im Langen Stall daselbst der Vereidigung der Rekruten der dortigen Garnison bei. — Der Bundesrath versammelte sich heute zu einer Plenarsitzung. Vorher beriethen die ver­einigten Ausschüsse für Rechnungswesen, für Handel und ^rkehr und für daS Seewesen, die v reinigten Aus- schüffe für Rechnungswesen und für daS Seewesen sowie die vereinigten Ausschüsse für Handel und Verkehr und für Justizwesen. — Dem BundeSrathe ist der Etat für das Schutzgebiet vonSamoa zugegangen, der mit 266,000 Ml. balancirt. Der Retchszuschuß beträgt 146,000 Mk. Der an der Spitze dec Selbstverwaltung stehende Häuptling erhält ein JahreSgehalt von 3000 Mark. Der Etat für die Verwaltung der Karolinen und PalaoSinsel und Marianen balancirt mit 811,500 Mark bei einem Reichszuschuß von 286,500 Mk. Auch der Etat für die Verwaltung der Eis en bahnen ging dem Bundesrath zu. Die Einnahmen betragen 93,675,000 Mark, dir dauernden Ausgaben 65,675,400 Mark, die einmaligen Ausgaben 22,496,000 Mk. — Dem Gift- esser Vetrio, der, wie wir letzthin mitthellten, vor Angestellten des königlichen Polizeipräsidiums, Aerzten, Apothekern u. s. w. eine Vorstellung gegeben hatte, ist das öffentliche Äuslreien üä» und Sicher-

heitsgründen vom Polizeipräsidenten verboten worden.

* Aom, 8. Nov. Der Abg. Dr. Lieber, >er E'holunq an der Riviera gesucht hat, ist hier eingetroffen, um bem Papst zu bauten für bte ihm bewiesene Antheiknhme währenb feiner chweren Krankheit. Am Dienstag besuchte Abg. Lieber ben Kardinalstaatssekretär Rampolla. Heute wurde Dr. Lieber mit seiner Tochter vom Papste 'in Prioataudienz empfangen.

Deutsches Deich.

Berlin, den 8. November.

h. Die Aestenerrmg der inländischen Schaumweine ist der Gegenstand einer Er­örterung gewesen, die im ReichSschatzamte statt­gefunden hat. Es ist dabei vorgeschlagen worden, allgemein einen Flaschensteuersatz von je 50 Pfennigen für alle Sorten Weinbeerensekt einzuführen. Von dieser Steuer würden die­jenigen Flaschen befreit bleiben, die nach dem AuSlande ausgeführt werden. Die Steuer­kontrolle soll in den Fabriken ausgeübt werden. Obstsekte sollen nur mit je 10 Pfennigen für die Flasche besteuert werden. — Wie ein anderes Berliner Blatt wissen will, ist eine Steuer in Aussicht genommen in der Höhe von 40 Pfennige für jede Flasche deutschen Schaumweines. Da­neben wird dem Reichstage noch eine Novelle zum Weingesitze zugehen, wodurch das Verbot der Kunstwein-Fabrikation ausgesprochen wer­den soll.

X Die Kriminalpolizei im Skernöerg- ^r-z-ss-« An amtlicher Stelle in Berlin ist eS unliebsam vermerkt worden, daß ein Theil der Presse in mehr oder minder ausführlichen Erörterungen mit der Kriminalpolizei anläßlich der überraschen Erscheinungen sich beschäftigt, die der Sternberg-Prozeß zu Tage gefördert hat. Richtig ist, daß man noch kein abschließendes Urtheil darüber fällen kann und deswegen mit allem zurückhalten muß, das einem solchen ähnlich sehen könnte. Auf der andern Seite sind die Erscheinungen, die dort beobachtet wurden, so außerordentlich auffallend, daß eS wahrhaftig nichts Wunderbares ist, wenn die gesummte Presse ihnen ihre ganze Aufmerksamkeit zuwendet; auch bleiben die Eröterungen in der Preffe an Leb­haftigkeit noch weit zurück hinter dem mündlichen Meinungsaustausch« im Publikum. Daß die Oberbehörden ihre Pflicht erfüllen, ist ja gewiß anzuerkennen und auch bereits in der Preffe an- kannt worden: nicht nur der Polizeidirektor von M e er fch ei d t - H 2 U e f fe m, auch Kriminalschutz- mann Stierstädter find sofort von der weitern Ausübung ihrer dienstlichen Obliegenheiten enthoben worden. Aber das muß der Preffe unbenommen bleiben, daß die den bedauerlichen Thatbestand feststellt, und das ist der folgende: der Schutz­mann Stierstädter hat unerlaubten Verkehr mit Frauenspersonen angefangen, die er tm amtlichen Auftrage aufzusuchen hatte, außerdem hat er einen anonymen Brief geschrieben und einen anderen solchen eigenmächtig vernichtet, und ferner hat er sich in Gegenwart seines Vorgesetzten in schauder­hafter Weise betrunken und demgemäß benommen. Kommissar Thiel hat merkwürdig vertraulich mit seinem Untergebenen Stierstädter verkehrt und diesen, wie wohl kaum zu leugnen ist, in seinem amtlichen Verhalten zu beeinflussen gesucht. Polizei­direktor von Meerscheidt-Hüllessem hat mit Stern­berg freundschaftlich verkehrt, von diesem Geldge­fälligkeiten und Möbelstücke zum Geschenke ange­nommen, obwohl er das in seiner Eigenschaft sicherlich nicht tbun durste einem Manne gegen«

0 Präsident Mae Kinley.

Man hatte nicht mehr daran gezweifelt, bofi Herr Mac Kinley roieberum Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden würde. Aber im Allgemeinen hatte man wohl nicht er­wartet, daß die Mehrheit, mit der er gewählt wird, so stark werden würde, wie sie allem An­scheine noch ist. Herr Mac Kinley hat nach den amerikanischen Drahtmeldungen mehr als doppelt so viel Wahlmännerstimmen erhalten, als sein demokratischer Gegner Bryan. Ja, wäre Herr Bryan ein rein demokratischer PräsidensschastS- kandidat gewesen, dann würde vielleicht manches anders geworden sein. Aber Herr Bryan ist gleichzettig der leidenschaftliche Vertreter einer vereinzetten Jntereffengruppe, bekanntlich bet Silbermänner, unb es ist ganz unvermeidlich, daß eine solche Einseitigkeit schädlich auf feine Aus- sichten einwirken mußte. Sicherlich sind nament- lich sehr viele Deutschamerikaner, die für einen rein demokrattschen PräfidentschastSkandidaten un­zweifelhaft eingetteten wären, durch die „Silber­planke" Bryon's abgestoßen worden; und höchst wahrscheinlich ist dasselbe der Fall gewesen be sehr vielen amerikanischen Wählern, die sonst ebenso treu der demokratischen Fahne zu folgen pflegen.

Unter solchen Umständen wurde die Wahl­parole: „Imperialismus" — EroberungS- Politik oder nicht, bedeutend abgeschwächt; um so mehr, als Herr Mac Kinley feinem Ehrgeize baS Gedankenopfer brachte, während der letzten Monate den Gegnern der imperialistischen Polttik so weit wie möglich entgegen zu kommen unb von Imperialismus so wenig zu teben wie nur irgend möglich. Man weiß ja, wie zaghaft Herr Mac Kinley in der Behandlung der chine­sischen Angelegenheiten sich benahm, so zaghaft, daß Herr Hay, der Staatssekretär für die Auswärtige Polttik, mit einem Streik drohte für den Fall, daß das nicht anders werden sollte. Außerdem ist eS ja ganz und gar nicht auSgeschloffen, daß eS Herrn Mac Kinley selbst auf dem wild gewordenen imperialistischen Steckenpferde ein wenig unheimlich zu Muthe geworden ist. ES ist keine Kleinigkeit, der vornehmste Vertteter einer Politik zu fein, die ben Bereinigten Staaten allein ffir bie Philippinen-Inseln bereits 800 Millionen Mark gekostet hat unb sie zwingt, fortgesetzt gegen 70,000 Mann Truppen auf biefen Inseln zu unterhalten; einer Politik ferner, bie auch auf ben ebenfalls neu eroberten Inseln in West- inbien, in Kuba unb Puerto Rico, riesenhaften Schwierigkeiten begegnet. Denn in Kuba finb bie zum ersten Mal unter bet Herrschaft der Vereinigten Staaten vorgenommenen Wahlen feindlich gegen diese Herrschaft ausgefallen, und in Puerto Rico ist eS schon mehrfach zu bluti­gen Zusammenstößen zwischen den Eingeborenen und den Amerikanern gekommen.

fir den Lehrerberuf abgeht, willst Du denn Dein Kind zwingen?"

„Zwingen? — Nein. Gott bewahre mich! — Aber fahrt nur fort, Gevatter, ich ahne, daß noch etwas folgt."

„Allerdings, Gevatter. In Anbettacht besten habe ich mich um j Unterstützung für Oswald an den Minister, Herrn Simeon, zu Kastel gewandt l"

Nun aber wurde der Magister kttschroth vor Zorn.

„Mit französischem Gelde mein Sohn? Nie und nimmer!"

Hier winkte LaweS bem Organisten, nichts zu antworten, vielmehr nahm er selbst baS Wort:

„Sieber Freunb, baS ist nun närrisch von Euch! Weggeworfen wirb baS Geld zu Kastel doch; wär'S da nicht bester, eS käme einem Deut- scheu zu gut? klebrigen« ist eS auch deutsches Geld."

„DaS ist ObrigenS auch wahr," meinte der Magister zögernd.

„Gut, so sträubt Euch nicht, wenn Jerome Euch etwas davon absteht."

„Nun, wtt haben eS ja auch noch nicht," meinte der Magister.

»Aber einen Dries vom Hofe," fuhr der Organist fort, „doch er ist französisch, bester, Ihr leset selbst, Gevatter."

Der Magister schob bie Brille von Neuem über bie Augen unb laS bebachtsam, bann be- richtete er:

»Ihr Neuröder, bet OSwald unb ich, wir sollen uns am nächsten Mittwoch tm Schlosse zu Kassel melben, da will man ben Oswald erproben und so er besteht, soll er auf bie Musikschule zu Park- — Da haben wn's. Ich bin wie 3atob,

Dee Schulhaus je Ncnhoh.

Original-Erzählung von Carl Cassau.

11 ~ (Nachdruck verboten.)

» -Die Familie Treustein saß gernüthlich am Kaffeetische beisammen. Es war wieder einmal Frühling geworden und Feld und Wald prangten im Blüthenschmuck. Man schrieb schon das Jahr de» Herrn 1811. Auf dem Haupte des Magisters fand sich allgemach der Schnee des Alters ein. Der Thorschreiber hatte vor Kurzem das Zeit­liche gesegnet und das schöne Kollegium war nun, wie der Magister oft wehmüthig meinte, zerrissen. Lawes dagegen war noch in alter Rüstigkeit in Funktion auf Alt-Isenburg und kam wie sonst zu Treusteins, zu plaudern und sein Pfeifchen zu rauchen. So saß er auch heute dort. Aber er schien etwa» Besonderes auf dem Herzen zu haben, denn er zwinkerte mit den Augen und machte allerlei Grimassen, bi» der Magister sagte:

„Schießt nur lo», Lawe», denn Ihr habt doch abdrückt""f bem was Euch dasselbe sonst

Lawe« lächelte und gab zu, daß e» so sei. „Aber ich wollte keine unnütze Aufregung verur­sachen. Der junge Herr hat geschrieben."

Adele, die bleich wie Leinwand dagesessen hatte, ward roth wie eine Mohnblüthe.

„Unb woher schreibt der Baron?" fragte der Magister ruhig.

„Aus London, Gevatter, jedenfalls um Nie­manden Ungelegenheiten zu machen, ist der Brief allegothisch abgefaßt."

„Ich komme ja zur gelegenen Stunde," meinte er bann. „Unb eigentlich ists auch eine fröhliche Veranlassung, bie mich hersührt."

»Was gibt’S beim, Gevatter Neuröder?" fragte ber Magister.

„Ja, wie soll ich anfangen? — Ihr wißt, Gevatter, baß Euer Oswald ein großes musika­lisches Talent hat."

Der Alte nickte befriedigt, ward aber doch unruhig.

„Jyr freilich wißt davon baS Wenigste, beim ber Blitzjunge bläst auch Flöte unb Trompete, ja fast jedes Instrument unb komponirt beinahe wie Haydn unb Mozart."

Der Magister ward aufmerksam.

„Weiter, Gevatter, weiter."

„Ja, er hat so viel Mufik im Leibe, baß eS schade um ihn wäre, wenn ber — Schullehrer würde "

„Wie?"

„Mtt einem Worte, er muß Musiker werden."

Der Magister stand wortlos da, bann sagte er: „KeinLehrer berJugend, OSwalb? — Mein Sohn, rebe."

OSwalb ftanb bei Sette, purpurroth.

„3a, Vater," antwortete er dann, „eS ist doch wohl besser, ich sag'» ehrlich und deutsih heraus: ich will ein Musiker werden."

Da sank ber Magister mit einem lauten Seufoer in ben Sessel unb murmelte:

’Ä? ™in Letztes. Ich sah Dich schon als Nachfolger beS Vaters in diesem Hause."

warf sich Frau Karoline in's Mittel unb meinte:

„a&er Vater, wenn ihm nun bie Begeisterung