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mit Anterhaktungs -Meikage „Zlluffrirte Sonntags-Zeitung:' "’üSkTfzsr*
27. Jahrgang.
Jutöa, Mittwoch, den 7. November 1900.
M 256.
Reklame«- und Anzeigeutheil.
ihn schließlich auf, die Sache inS Beschwerdebuch Schalterbeamten nicht allzusehr in Anspruch ge- einzuschrnben. Das leuchtete dem Bauersmann nommen, so sollte er jedem Fragenden — nöthigen-
fallr unter Benutzung des Fahrplanmaterials —
Von ärztlichen Autoritäten glänzende Erfolge erzielt mit „SanatO^Cn“. Zu haben in Apotheken und Drogerien.
Bauer & Cie., Berlin SO. 16. -
ein. Ins Beschwerdebuch einzuschreiben, meinte er, ja, daS ist das Richtige! Der Spaß erreichte seinen Höhepunkt, als der Bauer nun noch bekannte, daß er aber die Sache sofort nach seiner Rückkunft seinem Bürgermeister mitthetlen werde, und der müßte den Eintrag dann besorgen!
hilfreich zur Seite stehen. Sind doch unter den Fragenden Viele, denen es an Zeit oder Ver- ständniß zur richtigen Information mangelt. Wenn dann der Beamte noch berücksichtigt, daß — wie Eingangs erwähnt — die meisten Reisenden sich
in dem Zustande einer mehr oder weniger großen Erregung befinden, wenn er ferner noch berück- ichtigt, daß nicht das Publikum für ihn, sondern r für das Publikum am Platz ist, dann wird er da« richtige Maß an Geduld und Zuvorkommen- jeit jederzeit zu treffen wissen. Der Humor wird hm dabei ein allzeit getreuer Begleiter sein und hm über manche Mißhelligkeit hinaushelfen.
Ze»«»isih-chiutsili-k»
Lriessdild.
Ebenso wie während des japanischchinesischen Krieges so haben auch in dem gegenwärtigen Feldzuge die Chinesen sowohl wie die Japaner eine Anzahl Krieg S-B t l d e r b o g e n herausgegeben. Die Bilder sind in außerordentlich grellen Farben gehalten und in grotesker Weise ausgeführt. Natürlich siegen auf dem vorliegenden, von Japan herausgegebenen Bilde, welche« den Kampf zwischen einer japanischen und einer chinesischen Abtheilung darstellt, die Japaner, welche die Chinesen in einer befestigten Stellung mit Bravour angreifen, so glänzend, daß da« Bild zur Verherrlichung der japanischen Krieg«- ! thaten beiträgt.
sagt haben."
„Zwei einfache Retourbillete Berlin", verlangt, die nun folgende Frau Bäckermeister X. Daß sie solcher „dritter Güte" meint, ist nach ihrer Ansicht ganz natürlich.
Nach ihr kommt Herr Y. und wünscht den Umtausch von 21/* Karten dritter Wagenklasse, indem er mit heißem Bemühen den Beamten da» von zu überzeugen suchte, daß er ganz ausdrücklich „zweiter" verlangt habe.
Den Reigen schließt Frau Justizrath Z., die eiligen Schritt« auf den Schalter zustürzt:
„Herr Kasfirer, erreiche ich noch den Kasseler Zug?"
„In einer Minute wird er abgehen!"
„Dann bitte rasch eine Fahrkarte, rasch!"
„Wohin denn, wenn ich fragen darf?
„(pilirt) Nun, nach Kassel!"
„Zweiter oder dritter Klasse, einfach oder retour ?"
„Retour, zweiter Klasse." (Sie bezahlt, wirft dem begriffsstutzigen Kassirer rasch noch einen Blick zu, welcher etwa besagen soll, daß sie es nicht nöthig hätte, dritter Klasse zu fahren, läßt Schirm und Handschuhe liegen und eilt nach dem Bahnsteig zu)
Glücklicherweise hilft der Humor dem Beamten über manche Mißhelligkeiten hinweg, wie nirgends sonst bei einer Einrichtung unsere« modernen Lebens hat er am Fahrkartenschalter seine Lieblingsstätte.
Aus meiner eigenen Praxis will ich hier zwei Fälle, welche jedoch nur Blumen find zu einem artigen Strauß, den man aus der Fülle der Vorkommnisse bilden könnte, erzählen.
Er klopfte am Schalter. Draußen stand eine alte Frau, die mich frug, was die einfache Fahrt nach X. kostet. Ich nannte ihr den Preis: „Dreißig
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* Ktue beerbe *o* 200 HSntfische« wurde am 30. September nahe an Whiteneß bei Shetland Islands gefangen. Die Walfische kamen Morgens auf die Küste u und sofort wurden alle verfügbaren Boote ausge- andt. Nach harter Arbeit gelang es den Leuten gegen Abend endlich, die Walfisch-Heerde in seichtes Wasser m die Bucht zu jagen. Die Szenen, die fich bei der Abschlachtung der Kolosse abspielten, find geradezu unbe- chreiblich. Männer und Knaben wateten ins Wasser und schlugen mit Messern, Sensen oder irgend einer Waffe auf die Thiere ein und bald war die ganze Bai vom Blut der Walfische geröthet. Ganz Whiteneß war natürlich an dem Fang beteiligt. Der Gewinn beträgt ungefähr eine Million.
* Beim Wort genommen. Mama (zum kleinen HanS, der seine Suppe nicht essen will: „Wie mancher armer Junge wäre froh, wenn er nur die Hälfte von dieser Suppe hätte!" — Hans: „ich auch!"
Literarische».
Kürschners Iahrvuch, Kalender, Merk- und Nach- schlagebuch für Jedermann. 1900. Berlin und Eisenach. Verlag von Hermann Hilger, Preis 1 Mark.
Der vierte Jahrgang dieses unentbehrlich gewordenen Jahrbuches bringt neben den stehenden, dem Nachschlagen» den alljährlich unentbehrlichen Rubriken (Kalendarium, Notizbuch, Adressen, Behörden, Fürsten, Geographie, Statistik, Armee, Marine, Post, Telegraphie rc. rc.), die wieder auf den neuesten Stand gebracht, zugleich aber auch vielfach erweitert worden find, eine Fülle neuer Artikel, die alle den Zweck verfolgen, dem Besitzer des Jahrbuchs unmittelbar praktisch zu nützen. ®8 werden darin nicht schöne Worte gemacht, sondern Fakten gebracht; das Buch vertritt unter den Kalendern und Jahrbüchern sozusagen die P ropagand a der That, natürlich im friedlichsten Sinne des Worts! Das Buch gibt Ausschluß über die Geheimnisse des n-nreichS und der Thierwelt, über Heizen, Lüften eleuchten; es lehrt Kälte anwenden, Reisen und Wettervorhersagen, Photographiren und Moduliren am Klavier, mit den Fingern rechnen und sich m Chronologie und Chronometrie zurechtfinden, den Umgang mit Taschenuhren, ebenso wie mit wilden Fasanen, Obst bauen und Hühner ziehen, ja sogar dichten und vieles andere. Den Strömungen bet Zeit trägt der neue Jahrgang besondere Rechnung. Neben einem Artikel über die Entwicklung der Flotten, zu dem die Vorlagen zu den Abbildungen dem Reichsmarlneamt zu verdanken find, behandeln andere Beiträge, Zeitereignisse (China, Transvaal, Flottengesetz, Pariser Ausstellung rc. rc.), wieder andere find besonders den Frauen gewidmet (Hausschneidern, Frauenfrage, Weibliche Berufsarten, Hauswirthschaft u. a.), auch die Kunst (Theater, Musik, Oberammergau, Termini technici rc.) der Sport (Bergsteigen, Radeln, Automobilsahren, Turnen rc.) u. v. andere kommen zu ihrem Recht. Und das alles kostet in schöner Ausstattung nur eine Mark.
Pfennige." — „Was? Dreißig Pfennige", er-1 Auf der Kopfstation einer hessischen Reben- i widerte sie, „so viel gebe ich nicht." Spruchs und bahn ist es vorgekommen, daß beim Frühzug der trabte von dannen. Fünf Minuten später klopft einzige Paffagier — em Drehorgelmann — ferne e« wieder: abermals stand das alte Mütterchen kurz zuvor gelöste Fahrkarte dem Schalterbeamten . draußen und sagte: „Ich will ihm zwanzig zurückbrachte und das Fahrgeld zurückverlangte. ! Pfennige geben für die Karte, mehr gebe ich nicht, „Es ist sonst kein Mensch da, der nutfährt," sonst lauf ich I" Mein Einwand, daß die Karte sagte der Drehkünstler, „wegen mir allein braucht mich selbst dreißig Pfennige koste und unter dem auch nicht gefahren zu werden!" Sprachs und Selbstkostenpreis bei un« nicht verkauft werden I ging seiner Wege.
dürfe, hatte auf sie keine Wirkung, sie blieb dabei, Zu Wiesbaden führen in die Vorhalle des daß ich da« „Ding" ganz gut für 20 Pfennige Bahnhofs zwei Thüren, eine links, eine rechts, geben könnte, ich hätte „so Dinger" noch genug Kam da jüngst zu einem vielbenutzten Zuge ein da sitzen, und auf eines mehr oder weniger würde Westerwälder Bäuerlein, bepackt mit Sense und e« doch nicht ankommen! Sackbündel und versuchte es eine Zeit lang
Was blieb mir übrig, um die Alte los zu vergeblich an der mit „Ausgang" bezeichneten werden? — Ich bot ihr die Karte für 25 Pfg. Stelle des Schalterzugangs — gegen die und nach einigem Hin- und Herreden war der Weggehenden schiebend — daS Schalterfenster Handel abgeschloffen. Die Differenz mußte ich zu erreichen. „Gehen Sie hinten herum," rief natürlich tragen. Eines aber ist sicher, sollte die ihm der dortige Kassirer zu. Statt nun, dem Alte jemals wieder die Eisenbahn benutzen, mehr I Winke folgend, sich links den Zugehenden an» als die Hälfte des Fahrpreises wird sie nicht zuschließen, verschwand unser Westerwälder durch bieten und Niemand mchr wird sie zu überzeugen I die Seitenthüre links, kam nach zwei Minuten vermögen, daß Fahrkarten nicht „unter dem durch die Seitenthüre rechts wieder herein, Selbstkostenpreis" verkauft werden können. stellte sich naturgemäß auf seinen alten Platz I Bor einem halben Jahre erlebte ich einen und schob von neuem gegen di- Weggehenden, nicht weniger heileren Fall. Ein etwa siebzehn-1 „Laffen Sie doch die Leute durch und gehen jähriges Mädchen forderte: I Sie hinten herum," rief ihm zum zweiten Male
Ein Billet." | der Beamte zu. Wieder verschwand das Bäuer-
Mohin denn, mein Kind?" lein. Dieses Mal durch die Thüre rechts!
„Rach Höchst." I Alle waren abgefertigt; draußen hatte der
"Höchst, Emfach?" I Zug schon gepfiffen und der Beamte wischte sich
„Nein, Retour." I ob der gehabten Anstrengung den Schweiß von
"Eine'Mark fiebenzig Pfennige." I der Stirne, da kam zur Thüre links das be-
"Was? Eine Mark siebenzig? Ich habe doch I packte Bäuerlein herein, rannte an den Schalter immer nur Eine Mark Zehn bezahlt? und erzählte dem Beamten, daß er jetzt schon
„Ja, eine Mark Zehn", entgegnete ich, „daS I zweimal um den Bahnhof herumgelaufen sei, ist der Preis für die einfache Fahrt, Sie wollen I ohne den „richtigen Billetladen" zu finden. — doch Retour? I Tableau!
„Ja, nur Retour", erwiderte fie, hierher bin I Zu Darmstadt forderte unlängst ein Soldat ich zu Fuß gegangen!"--- I für sich und seine Braut ein Militärbillet und
Einem Kassirer zu M. — einer bekannten I „ein weibliches". Ebendaselbst betrat ein be- Persönlichkeit — passtrte Folgendes: kannten Seschäftsmann den Schalter, als er
Er liebt es, während der kalten Jahreszeit I neben sich plötzlich einen gefürchteten Konkurren» zu seiner Stärkung ab und zu ein Gläschen guten ten bemerkte. Um diesem das Ziel der Reise Kognac zu sich zu nehmen. War er auch kein nicht zu verrathen, verlangte er: „Ein Billet, Gewohnheitstrinker, so gehörten doch Kognacflasche I irgend wohin." — „Nun, Sie werden doch an» und Gläschen sozusagen zum Schalter-Jnventar. geben müffen, wohin Sie fahren wollen, Herr Einige gute Bekannte wußten dies und beim 91.", entgegnete der Beamte. „Ach was," er« Lösen der Fahrkarten mußte der gemüthliche Be» widerte jener, „geben Sie mir eine Karte nach amte gar oft mit einem Gläschen des edlen irgend einer Station, ein richtiger Geschäftsmann Stoffes herauSrücken. An feinem Geburtstage hat überall zu thun".
entschädigen sie ihn wieder reichlich für das Ent- Trotzdem in den Bahnhöfen die Fahrpläne gangene in Gestalt einiger Flaschen guten Weines, säst aller Bahnen ausgehängt find, nimmt das So war es denn einmal an einen kaltem Winter- Fragen nach Zuganschlüssen und Aufenthaltszeiten morgen. Als zwei seiner guten Freunde beschneit I kein Ende. Kaum ist die Auskunft gegeben, wird und frierend den Schalter betraten, holte der I eine andere verlangt. „Wann komme ich zu Beamte unaufgefordert die Flasche hervor, über-1 Schweinfurt an und wie lange habe ich dort Zeit reichte die Fahrkarten und stellte auf jede ein I zum Anschluß nach Heustreu? Wie lange ist der Gläschen Kognac, welche- die Beiden mit Wohl- Aufenthalt zu Fulda, um mit dem nächsten Zuge behagen schlürften. hierher zurückzufahren?" usw.
' Ein Bauersmann folgte als Dritter am Ein Bekannter von mir gibt auf alle der- t Schalter. Als ihm der Beamte die Fahrkarte gleichen Fragen die gleiche Antwort; sie lautet: . nach der gleichen Station, aber ohne Gläschen „Zehn Minuten!" Er sagte, diese» Verfahren ; hinausschob und denselben Preis verlangte, wie würde sich vorzüglich bewähren. Die Fragenden . ihn die beiden Vorgänger bezahlten, erklärte er, I seien durch die schlagfertige Antwort sofort zu» daß er ebenfalls ein „Schnäpschen" haben wollte; frieden gestellt, würden sich mit einer einzigen er habe dasselbe Recht wie die Anderen und fein Auskunft ja doch nicht bescheiden und unterwegs, Geld sei gerade so viel werth wie das anderer I spätestens aber am Platze selbst, würden sie das Leute. Die beiden Freunde gingen direkt auf Richtige dann noch rechtzeitig genug erfahren.
den Scherz ein, unterstützten den Bauersmann I So wirksam diese« Mittel auch erscheinen mag, in seinem vermeintlichen Rechte und forderten zu billigen ist es nicht. Ist die Thätigkeit eines
Xm FchrkartkiOcktt. I
Betrachtungen eine« Eisenbahnbeamten.
„Wenn Einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen." Ein Sprüchlein aus der guten alten Zeit I" Heute können auch Jene er» »Ahlen, die Andere reifen laffen und Gelegenheit Haden, das Leben und Treiben auf einem größeren Bahnhofe zu beobachten.
WaS erlebt nicht Alles der Schalterbeamte, der von seinem unscheinbaren „Behälter" au- täglich das zweifelhafte Vergnügen genießt, sich mit reisenden Menschen aller GernüthSstimmungen und Arten befaffen zu müffen; mit solchen, die zum ersten Male eine Reise mit der Eisenbahn riskiren und das Fahrgeld in Papier eingewickelt überreichen, nachdem sie eine Stunde lang daS geschloffene Schalterfenster belagert und durch einige Hustanfälle ihre Anwesenheit bekundet hatten, aber auch mit solchen, die voraussetzen, der Beamte müßte es ihnen an der Nasenspitze ansehen, wohin und in welche Wagenklaffe fie befördert zu werden wünschen.
Grobheiten wechseln da mit Artigkeiten. Dem Choleriker folgt der Phlegmatiker, dem Sanguiniker der Melancholiker; jeder wünscht, seiner Anschauung entsprechend, „richtig" bedient zu werden. Trifft es darin der Beamte, so ist daS nichts Auffälliges; — ist er doch dafür da, hat er doch nur seine Pflicht gethan —; trifft er es aber nicht, bann ist es Herrn Müller unbegreiflich, wie man einen so ungewandten Menschen in diese Funktion einweisen konnte, und Herr Schulze hat e« sicherlich schon längst herauSge- sunden, daß die Beamten . . . Bahn nicht nur die unfähigsten, sondern auch die unhöflichsten Leute sind.
Aber — auf welche Geduldsprobe wird oft die Langmuth der Beamten gestellt, die bei dem! größten Theil der Reisenden eine mehr oder weniger große Portion Aufregung mit in den Kauf nehmen müffen! Greifen wir einmal aus der Praxis einige Beispiele heraus, welche uns daS Gesagte bestätigen sollen:
„Leipzig Dritter", fordert Frau Dr. A. „Einfach oder Retour", fragte der Beamte. „Retour, gewiß Retour, ich will doch nicht in Leipzig bleiben," entgegnete die Gefragte, und int Fortgehen hört man sie nochmals die Worte wiederholen: „Retour, daS ist doch selbstverständlich; wenn ich Einfach gewünscht hätte, würde ich eS schon gesagt haben."
„Leipzig Zweiterfordert Frau Kommerzien- rath B. Wiederum ruftS auS dem Schalter: „Einfach oder Retour?" „Einfach, freilich Ein- fach, ich habe nichts von Retour gesagt," replizirt gereizt die Gnädige. Sie bezahlt und geht, aber etwas vernehmbarer als ihre Vorgängerin wiederholt sie: „Einfach, selbstverständlich; wenn ich Retour gewünscht hätte, würde ich ei schon ge-
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