KuldaerMZeitung
_ _ - - * Wä • / «< — « k.. M
mit Anterhattungs-Aeikag« „Mustrirle Sonnlags-Zeitung
<4
27. Jahrgang.
Iuröa, Mittwoch, den 7. November 1900.
256
Stavenhagen
er
H
Wenn er da ist, sag's dem Vater nicht.
VOTKtv.rtlU*: Ji» Mt Xttahtoe 3#f. »«■*. fi» 3nftrate 3. P«»5<lUv ta »alba.
Freude sein, wenn die Verhältnisse so liegen, I l daß das in dieser Weise geschehen kann. Aber I es würde dem Geiste der Versaffung, eS würde i allem konstitutionellen Wesen widersprechen, wenn damit alles abgethan sein und über den Kurs der Weltpolitik nur die einzige Aufklärung gegeben «erden sollte, daß der Kaiser befiehlt und damit dieser Kurs bestimmt ist.
Ein einziges Beispiel genügt, um das darzu- thun. Die großen Handelsherren in unseren Se^ städten find sehr geneigt dazu, die Weltpolitik sich so vorzustellen, daß sie auf eigenes Wagniß hm und zum Besten ihres Geldbeutels überseeische Unternehmungen in großem Stile anfangen und dann I von dem deutschen Reiche verlangen, daß eS so viele Kriegsschiffe aufbringe und über die Meere hinaussende, wie nöthig sind, um die Handelsherren und ihre Unternehmungen durch das Drohen der Geschützrohre zu glänzenden Erfolgen zu führen; oder daß sie in irgend einem Lande gewagte Eisenbahnen bauen und, wenn eS schief geht, nachher verlangen, daS Reich solle mit ungezähl- ten Millionen in die Bresche springen und die Unternehmer aus dem unvermeidlichen Ruin er- retten; oder aber daß sie im Innern eines fremden Landes großartige AnfiedelungS-Anlagen be-1 ginnen und hinterher fordern, das Reich müsse riesige Eisenbahnen anlegen, um daS wankende Unternehmen zu stützen. Solche überseeische Polittk könnte das Reich und dürfte der Reichstag nicht mitmachen. Denn das würde nichts Anderes bedeuten, als ungebührliche Ausbeutung deS Volkes zu Gunsten einer verschwindenden Minderzahl von Leuten, die wegen ihres eigenen Reichthums einer Unterstützung durch die Allgemeinheit am aller- wenigsten bedürftig find.
Und wenn Jemand unter Weltpolitik eine nervöse Großmannssucht sich vorstellt, Deutschland - müsse, nur um sich vorzudrängen, seine Finger m : alle Welthandel stecken, ob diese nun Deutschlands i wahre Interessen beeinflussen oder nicht, so wird ■ er damit ebenso wenig Beifall finden beim deut
schen Volke.
Deutschland soll stark und mächtig sein, da« will jeder gute Deutsche. Und dafür will da« deutsche Volk auch Opfer bringen, so weit da« in seinen Kräften steht. Aber über seine Kräfte^ darf das Volk in seinen Opfern nicht in Anspruch genommen werden; und wenn es solche Opferzbringen soll und bringen will, so muß vorher erst dafür gesorgt werden, daß es in seinem inneren Wohlstände gefestigt werde. Dieses letztere ist und bleibt somit die Hauptsache, die Grundbedingung, ine i wichtiger und bedeutungsvoller ist als alle weltpolitischen Pläne.
hat ist an die von chm übernommene Pflicht gebunden und sein Entschluß kann nicht mehr rückgängig gemacht werden
+ Heute (7. November) kehrt zum 90. Male der Tag wieder, an welchem der größte platt-
daoon." —
Der Magister besaß vor dem Thore einen Garten, der zum Schulhause gehörte. Am anderen Morgen finden wir Oswald und Adele Treustem auf dem Wege dahin.
Es war ein köstlicher Sommertag. Unterwegs meinte Adele: „Oswald, ich möchte Dich
Deutsches Keich.
Berlin, den 6. November.
+ Aennzeiche» der Zeit? Die Der- Handlungen im Sternberg-Prozeffe vor der Berliner Strafkammer eröffnen den Ausblick auf einen Sumpf, so riestg und so übelriechend, wie ihn wohl nur wenige Leute bei uns in Deutschland vermuthet haben. Ein unmündiges Kind, grundverdorben, das wenigstens einmal mit großer Abgeseimtheit systematisch eine gefährliche Lüge
mt 1*6 »nta« 6t» L»l6at» Xdltebfi«*»« prtt»»a«at n». 1 (»a»m«lt).
© Weltpolitik und Wirthschafts- Politik.
Selbe inb au»- w<irt»1M.bvA.
böse, Oswald?"
„Keine Noth! Ade!"
Er ging, an der Gartenhecke aber wartete schon
Baron Hannibal. , o„
Adele, meine Seele, mein Stern, bist Du da?
"3a, Hannibal! Ich habe Oswald soeben
•rtodnt täglich, ». Ausnahme der Sann- und Feier« legt. Biertetjihrl. »t,
Tie gingen ins Haus. Einen Augenblick später trat aus dem BoSquet drüben ein Mensch h-rvor und rannte eiligst Meerbolz zu.
Sobald der Fremde ins Zimmer getreten war, erschloß Baron Rymhemt den Sekretär und zeigte dem Fremden eine Ordre des Grafen von Isenburg, nach welcher er dem hessischen Obristen Dörnberg oder dessen Bevollmächtigten 50,000 Fics. in Gold auszahlen solle.
Nachdem der Obrist dieses gelesen, vrr-1 brannte der Baran das Papier über der Lampe.
„Sie find vorsichtig, Herr Baron!"
„Seien Sie es nicht minder! Hier ist das Geld, fünf Röllchen. Und nun reisen Sie nicht per Post, es könnte auffallen, wählen Sie eins meiner Reitpferde, ein Diener mag es zurückbringen." , ,
„Der Rath ist gut, Sie find ein braver junger Mann und wenns losgeht gegen die Korsen —"
„Verdiene ich mir unter Ihnen die Epaulitten, Hand darauf!"
„Gut so! Und nun zum Stall-!"
Fünf Minuten später jagte Obrist Dörnberg auf der Landstraße nach Langenselbold
Kenntniß genommen und es find Erwägungen im Gange, auf welchem Wege da, wo es nöchig ist, Abhilfe zu schaffen ist."
* Die bevorstehenden Aerstst ■ Ktmtroll- Versammlnvgen werden dadurch eine besondere Bedeutung erlangen, daß fich dir Reservisten darüber zu erklären haben werden, ob sie eventuell bereit sind an der Chinaexpedition theil- zunehmen. Die Militärverwaltung nimmt, wie die .Berliner Volksz-itung' mittheilt an daß noch eine Reihe von Eisatztruppen nach Ostasim gesandt werden müffen, und es werden daher die Reservisten, einschließlich der Unteroffiziere befragt werden, ob sie fich für etwa erforderlich werdende neue Truppentransporte vormerken laffen wollen. Die Leiter der Bezirkskommandos find angewiesen worden, dafür zu sorgen, daß diese Frage an sämmtliche Mannschaften der Reserve ! gerichtet wird. Die Betheiligten werden gut
deutsche Dichter, Iritz Reuter, zu in Mecklenburg geboren wurde. Wir geben unfeien Lesern au« diesem Anlaß beistehend em Portrat des Genannten. Reuter hatte ursprünglich bw Rechte studirt, aerieth bann aber wegen seiner Betheitt- gung an den burschenschaftlichen Umtrieben in Jena in preußische Gefangenschaft, wurde wegen Hoch- verraths angeklagt, zum Tode verurtheilt, zu 60- jähriaer Festungshaft begnadigt und nach fahriger Gefangenschaft in verschiedenen preußischen Festungen an Mecklenburg ausgeliefert. Dort wurde er in
aller gestanden!"
„Ich sollte Dir b’rum zürnen!
„Er ist mein Br über!"
>n gut, ich scherze ja auch nur, magesbir ganze Well wiflen. Soll ich vor Deinen Beter treten M 1
„Ö nein! Es ist zu früh! BegründeH
(F- 0
iwfneti; Die ein» spalt. Garmondzeile ober deren Raum1SPfa.,Rr- klamen die Petitzeile 26 Pfg.; bei Wiederholungen wirb entsprechend. Rabatt gewähtt.
„War'- mir doch, als hätte es sich dort im 1 „ Gebüsch geregt. Kommen Sie schnell ins HauS. I um ems bitten. Ich reife noch in dieser Nacht mit der Post ab." »Nun . ‘
„Gut, kommen S-.e herein!" > »■—
Die Reden, die bei Festessen zwischen Braten und Champagner gehalten werden, pflegen fürs erste nicht immer vollkommen ernst genommen zu werden. So ist eS auch Herrn von Miquel mit der Rede ergangen, die er bei dem Festessen nach der Abreise des kaiserlichen PaareS in Hildesheim über die Weltpolitik und die „Wirthschaftspolitik deS Kaisers" gehalten hat. Herr von Miquel mag im Süllen gehofft haben, die Rede werde wie Blitz und Donnerschlag in Deutschland wirken; und nun mußte er es erleben, daß eigentlich nur ein „allgemeines Schütteln des Kopfes" entstand und eines von den Blättern, die ihn sonst immer in Schutz nehmen, spöttisch bemertte, die Rede sei gut als Trinkspruch, brauche wohl aber nicht mit dem vollen Ernste ausgenommen werden, den man sonst politischen Ministerreben entgegenbringe. Und so muß denn Herr von Miquel nachträglich durch seinen Leib- offiziosus versichern laffen, daß es ihm wirklich ernst mit seinen Ausführungen in Hildesheim gewesen sei. „Polittsche Mahnungen" hat danach Herr Minister 1 von M-quel in Hildesheim an das deutsche Volk gerichtet, nicht aber nur Trinkspruch-Rebensarten vorgebracht. Die „Wirthschaftspolitik des Kaisers", wie Herr v. Miquel fich ausbrückte, ist aber leiber nicht hinreichend von dem Redner gekennzeichnet worden; denn daß man im eigenen und im allgemeinen Interesse gut thut, wenn man auf wirthschaftlichem Gebiete Extreme vermeidet, darüber brauchen wir doch erst nicht durch den Vizepräsidenten des preußischen Ministeriums belehrt zu werden. Es kommt vielmehr darauf an, festzustellen, wo bas, was man Extreme nennen muß, anfangt, und wer fich zu Extremen hinreißen läßt; und darüber hat fich Herr v. Miquel in Hildesheim vollkommen ausgeschwiegen. Hat er gemeint, sowohl die Freihändler, als auch die Schutzzöllner müßten sich, um geeignete neue Zollgesetze und HandelSver- . träge zu Stande kommen zu laffen, vor Extremen hüten, so hat er ohne Zweifel das Rechte getroffen. Aber das ist ja eben wiederum eine selbstverständliche Sacke.
Der Weltpolitik deS Kaisers müffen wir folgen, wenn es mit Deutschland vorwärts gehen ] soll, so hat zweitens Herr v. Miquel in Hildesheim ausgesührt. Ja, welchen Kurs soll diese Weltpolitik steuern? Auch darüber hat uns Minister v. Miquel nicht belehrt, denn er wird nicht verlangen, daß man, wie er es gethan hat, fich allgemein damit begnügen soll, den Begriff Weltpolitik damit zu erklären, daß man sagt, man wolle in die Meere hinausgehen. Es wird vielmehr darauf ankommen, was man jenseits der Meere thun und erreichen will. Nicht aber kann man die Sache mit dem diktatorischen Satze abthun: der Kaiser befiehlt, und alle, alle folgen. Jedem guten Deutschen wird es eine
Dir LlhrihmrMetthch.
Original-Erzählung von Carl Cafsau.
9 ------- (Nachdruck verboten.)
Ganz um dieselbe Z-it schlich ein vermummter Mensch auf Schloß Alt-Isenburg zu. Vor einem erleuchteten Fenster blieb er stehen und klopfte eigenthürnlich.
Gleich daraus trat ein junger Mann auS dem Portale heraus: „Mein Gott, Sie selbst, Obrist?"
„Ja wohl, Herr Baron! Haben Se. Erlaucht die Gelder gesandt?"
„Ja wohl. Sie können alles nehmen; mein Oheim ist begierig, wenn der erste Schritt geschehe, der ihm den Besitz seines Landes wieder verschaffe, denn diese Romöbie zu Kassel ist nicht zum Aushalten!"
„Und dazu wimmelts überall ron Geheimpolizisten, jedes Wort wird ausgefangen, viele Unschuldige schmachten im Kerker um nichts. Hörten Sie nichts?"
Und er zog die Pistole.
„Sie haben sich doch oerfichert, Obrist?"
»Nach allen Seiten. Die Erhebung ist so weit vorgeschritten, daß beim ersten Zeichen 5000 Mann guter Truppen zur Hand find! Erhebt sich dann das Landvolk — Sülle, hörten Eie wieder nichts?"
„ES ist der Abendwind in den Baumwipfeln."
durchgeführt hat; ein Millionär, angeklagt scheußlicher Unthaten und solcher schon früher dringend verdächttg; ein Kriminalschutzmann, der sich unter den Augen seines Vorgesetzten ttt sinnloser Weise betrinkt und dann von diesem noch weiter mit Bier und seinem Esten frei gehalten wird, der in einer Untersuchung unsittlichen Verkehr mit Frauen anfängt, bei denen er polizeiliche Erhebungen an- stellen soll, und der schließlich vor den Schranken des Gerichtes wechselseitig mit seinem Vorgesetzten diesen letztem deS Meineides, der Bestechlichkeit, des Betruges beschuldigt; ein hoher Polizeibeamter, der von dem Angeklagten fortgesetzt ! Darlehen empfängt und als sein Freund m dessen HauS verkehrt — das sind die handelnden Personen in dem wüsten Drama, das da sich abspielt. Man scheut sich davor, diesen entsetzlichen Erscheinungen als Kennzeichen dec Zeit aufzu-
bestürzt, wie e« denn möglich sein kann, daß 11 innerhalb der Polizei derartig fürchterliche Miß- 1 bräuche einreißen. Hier muß nun endlich mit aller Eile und mit aller Kraft eingegriffen werden, denn die herrschenden Mißstände sind nicht nur eine Schmach, sondern auch eine Gefahr, die man ja nicht zu geringfügig anschlagen darf. Daß die Regierung sich lebhaft dafür interesfirt, konnte man daraus entnehmen, daß Ministerpräsident Graf Bulow sofort den Minister des Innern zu einer Berathung entbot; und dem Berliner Polizei- . Präsidenten muß die Oeffentlichkeit Dank zollen ; dafür, daß er den als Zeugen geladenen Polizei- beamten anbefohlen hat, in ihren Aussagen mit rücksichtsloser Offenheit vorzugehen. Aber wo einer von zwei Beamten Meineide schwört, unbedingt nach der Lage der Dinge geschworen haben muß, was kann bei solchen Menschen die Ermahnung nützen, rückhaltlos offen in der Aussage ju fein? Die Kriminalpolizei bedarf dringend der Reform,, sowohl in der Zusammensetzung ihres Personals, al« auch in der Stellung der einzelnen Beamttm. Das ist bereits früher oft genug in der Presse ausgesprochen worden. Jetzt muß die Regierung erst durch solche wüste Dinge darüber belehrt werben, baß sie mit ber Verzögerung dieser langst nothwenbigen Reform einer schweren Unterlassungssünde sich schuldig gemacht hat.
h Der Aleichstagsavgeordnete Jitz wnd sich demnächst vor dem Landgerichte m Franken- thal i. d. Pfalz wegen Vergehens wider die Religion zu verantworten Haden. Herr Fitz soll einen beschimpfenden Ausdruck auf eine Prozession angewandt haben — Herr Mtz lst aber nicht etwa Sozialdemokrat, sondern gehört der nationalliberalen Fraktion an. Das »".“»ÄdrÄ“'aWt Iticwsai -5 2Ä
eine Z..i lang b-wkch!ch-M- -- d°. mtohte
Ä-u lEhB"“"“"5'“
:5"Ä E- N» mich im Santen. L
teR MZW-" 04 cYahre alt wird, ist er sein eigener Herr und »Wie aber soll baä geftq g . „
Ä«. - dahm hab- ich *»2«? Ä* ba.
"'m* «m er Dich sttzen 1551? 8e ist -i« da« Schilmm-eDeine Geschichie er«»?" 'L .in echter, bet auch den Met »eS hm^n Lasten. Ich -ehre um, nrnftSiben mi« ich nicht- sehen l h-l-Mr
„Und Du schweigst?"
Sc liebte die Schwester schwärmerisch und bejahte natürlich. Eine Weile schwieg er noch, bann begann er wieder:
„Adele, Vertrauen gegen Vertrauen. Ich
möchte Dir auch etwas sagen."
„Aber Dir fehlt der Muth?"
„Das weniger! Aber Frauenzimmer können
meistens nicht schweigen."
„Ich verspreche es Dir!"
„Nun, so höre! — Ich kann kein — Schul-
lehrer wie der Vater werden!"
I ^Abn Oswald, da zerstörst Du ja deS VaterS ! zuerst Deine Stellung.