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Ja 255

Iuröa, Dienstag, den 6. November 1900.

27. Jahrgang.

rX Religionsfreiheit

dem Schlöffe wohnt?"

unedel und nach der Äuffaffung unserer Zeit un­erträglich. Aber er wird doch eben nicht nur in Sachsen, Braunschweig und Mecklenburg ausge- führr. In geringerem Maße ist er gleichmäßig noch im ganzen Deutschen Reiche vorhanden und

besonders in einzelnen deutschen Bundesstaaten, die sich noch immer vollkommen ablehnend ver­halten gegen die Zulaffung geistlicher Orden.

Eine nette große Keichsa«reihe kündigt die ,Südd. Reichskorresp/ an. Das badisch­offiziöse Organ hebt hervor, daß sowohl die aus den laufenden Einnahmen wie auch die durch Anleihen zu deckenden Ausgaben erheblich ge­wachsen sind und das Reich zweifelsohne vor einer großen Finanzoperation steht. Die Kosten der Expedition nach China werden ja im wesentlichen durch eine Anleihe zu decken sein, welche jedenfalls den Betrag der in den letzten Jahren begebenen Anleihen erheblich über- steigen dürfte. — Bei Präsentirung der Rechnung über die Kosten der China-Expedition werden noch manchem die Augen geöffnet werden, der bisher an den Umschwung der Volksstimmung über die Betheiligung Deutschlands an den chine­sischen Wirren nicht glauben wollte.

ft Immer langsam voran--r Vor!

einiger Zeit hieß es, ein Reichs-Wohnungs- gesetz sei in Vorbereitung. Daß das leider un­zutreffend berichtet war, konnte man sich denken, denn nach den früher im Reichstage erfolgten Er­klärungen von Regierungsvertretern soll der Stoff von den Einzelstaaten behandelt werden. Nachher wurde berichtet, es handele sich um den Entwurf eines preußischen Wohnungsgesetzes, der bereits fertig gestellt fei und den Landtag in seiner bevor-1

besonderer ministerieller Genehmigung, und im Uebrigen hängen sie ebenso vollkommen unbeschränkt von der Gnade der Staatspolizei ab. Ts gibt keinen Richter, den sie anrufen könnten, wenn ihnen Unrecht geschieht; sie haben Niemand auf der weiten Welt, an den sie appelliren können, ™ Mvraaaae im »rottue « wenn der allmächtige Staatsbefehl über sie und | den Mankier Slernöerg beschäftigen

Em der Kirche aufgefaßt werden müffen. Zur Reli- gionsfreiheit gehört also auch unfehlbar die Frei­heit der religiösen Orden, und wer Ausnahme­maßregeln gegen diese letzteren walten läßt, bedrückt damit gleichzeitig auch die Kirche selbst.

Zu welchem Zwecke wollen und brauchen die Katholiken ihre Orden? Nicht, wie so Viele fälschlich meinen, zu Eroberungszügen in fremdes, also protestantisches Gebiet, sondern um der Katho­liken selbst willen, für die innere Mission unter den Katholiken selbst, um dem immer verheeren­der um sich greifenden Abfalle vom Christenthume

Bedrückung von Katholiken der Ruf nach Freiheit der Religion und der Gewißen erhoben wird. Aber so lange wird volle Religionsfreiheit in Deutschland nicht gewährt sein, bis nicht auch alle die Schranken und Ausnahmegesetze gegen die katholischen Ordensgenoffenschaften gefallen sein werden, die ein Lebenstheil der katholischen Kirche sind. Das Ziel liegt noch fern. Aber die deutschen Katholiken werben nicht erlahmen, für Freiheit und Recht zu kämpfen, bis dieses Ziel erreicht sein wird.

* Stuttgart, 5. Nov. Die Neuwahlen zum Landtag finden au, Mittwoch 5. Dezember

dülow hat heute (Montag) den preußischen Minister des Innern, Freiherr von Rhein­baben, zu einer Besprechung wegen dieser Vor­gänge bei sich empfangen. Wie vieles Schlechte auch seine guten Seiten hat, so wird hoffentlich die gute Folge dieser bösen Enthüllungen die sein, daß einmal mit eisernen Besen ausgefegt wird in dem Bereiche der Kriminal-Polizei. Es ist höchste Zeit dazu.

fr Die neuen ZoHgesetz-Kukwürfe werden dem Rerchstage in diesem Jahre bestimmt nicht mehr zugehen. Nach halbamtlicher Mittheilung hat sich aus den Verhandlungen im Wirthschaft- lichen Ausschuffe die Notwendigkeit der Ueber- prüfung verschiedener Punkte und erneuter Er­forschung einiger Verhältnisse bei einzelnen Interessengruppen ergeben, sodaß man annimmt, auch der Bundesrath werde sich in diesem Jahre mcht mehr mit den Entwürfen beschäftigen können. Unter solchen Umständen kann der Februar herankommen, ehe die Gesetzentwürfe an )en Reichstag gelangen werden — ein weiterer Grund dafür, sich nicht vorzeitig darüber in Hitze zu reden!

+ gin neuer MestfaK in Deutschland. Auf bett vereinzelten Pestfall im Hamburg ist letzt ein weiterer solcher Fall in Bremerh aven ermittelt worden. Ein Seemann, der am 27. Oktober von Buenos Aires mit dem Dampfer „Marienburg", in Bremerhaven eintraf, ist an der Beulenpest erkrankt. Am 30. Oktober ist derselbe in die Isolierbaracke eines Krankenhauses gebracht worden, wo er heute g e« storben ist.Alle Maßregeln gegen die Weiterver­breitung der Seuche find getroffen.

_ l zuständigen Regierungsstellen. Enthüllungen dieser Es ist lobenswerth, wenn tm liberalen Lager Art find bisher bei uns in Deutschland unerhört

Deutsches Deich.

Berlin, den 5. November.

nach den senst allgemein anerkannten Begriffen außerordentlich am Platze waren. Aber das hat von Recht und Gerechtigkeit bestellt sein sollte, man sich bisher noch nicht träumen lassen, daß Gern erkennen bte Katholiken es als einen Fort- biese Reform so brennend nothwendig war schritt an, daß von irner Sette gegen die religiöse Reichskanzler und Ministerpräsident Graf

„Der er auch ist," bemerkte Treustem.

„Ibb märe Minister Simon nicht, bet im Auftrage Napoleons dem Theaterprinzen den Daumen aufs Auge drückt und die Staatsein­nahmen zusammenhält, der Jerome würde alles bis auf den letzten Pfennig mit seinen Günst. lingen verjubeln," fuhr der Thorschreiber fort.

„Im Schlöffe mouffirt das Gerücht, —"

Treustein lachte laut auf. „Koursict da- Gerücht, lieber Lawes, wollt Ihr sagen."

„Natürlich, caro amici."

Treu stein schüttelte den Kopf. „Ihr seid un- verbefferlich. Welches Gerücht also?"

„Daß Jerome, um seinen entnervten Körper wieder zu stät krn, jeden Morgen in einer Wanne voll Rothwein bade, welcher Wein nach dem Bade von den geldgierigen, srarzösischen Hosbeamten an dir deutsche Kanaille verkauft werde."

„Unglaublich," meinte Treustein, „mit der edlen Gottesgabe solch schamloses Geschäft zu tteiben."

Der Inspektor zuckte die Achseln.

zeichnet: „Der zu beschreitende Weg" — so meldet die ,Rat.-Ztg.' — „kann mit Sicherheit noch nicht festgelegt werden, weil die Arbeiten noch nicht so weit gediehen sind." Das heißt, in klareres Deutsch übersetzt, wir werden noch sehr lange auf gesetzgeberische Schritte in dieser Richtung zu warten haben, und aller Wahrscheinlichkeit wird die Sache auch in der bevorstehenden parlamen­tarischen Tagung die gesetzgebenden Körperschaften noch nicht beschäftigen. Es handelt sich ja nicht um eine Militär- oder Marineftage, sondern „nur" um eine Sache der öffentlichen Wohlfahrt!

+ Die Dorgäuge int Prozesse gegen IftAMSinte dkfxiM’MAaWA -

m , ** Nertt«, 5. Nov. Der Kaiser hat gestern Nachmittag im Neuen Palais aus den Händen deS italienischen Botschafters Lanza deffen Bestätigungsur- mnde nach dem Thronwechsel entgegengenommen. — Später rerste der Karser nach Liebenberg ab, um bei dem Fürsten Eulenburg an der Jagd thetlzunehmen. - Der Kaffer trifft am 16. November Abends als Gast ,____________ des Grasen v. Tschirschky - Renard in Großstrelitz

stehenden Tagung beschäftigen solle ’ Aber auck I t darauffolgenden Tage wird große Fasanen- dl-f- Ritth-tlm, wird jstzs «(« u»,ulr-ff-nd 6* Ä

... m ' “ • depeschirt wird, ist das Befinden des Königs von

Sachsen recht gut; er begibt sich heute nach Sibyllen- ort. — Wre verlautet, werden sämmtliche altenGrena- dierregimenter zur 200jährigen Feier des Bestehens des Königreichs Preußen am 18. Januar nächsten Jahres als Auszeichnung Gardelitzen, wie sie bereits die Regimenter 2 und 7 tragen, erhalten. — Wie der -Schwäb. Merkur' erfahren haben will, sei Prinz Aren berg vom Kriegsgericht zum Tode verurtheilt, vom Kaiser,edoch zu 15 Jahren Zuchthaus und Ent­fernung aus dem Heere begnadigt worden. Die Zucht­hausstrafe sei dann durch einen weiteren kaiserlichen Gnadenatt in Gefängniß verwandelt worden.

„Was Ihr sagt," meinte der Magister. „Sollte ihn dazumalen, als Erlaucht abreiste, in Pension und Erziehung nehmen, lehnte aber ab, da ber junge Mann damals schon 16 Jahre zählte und ich erwachsene Töchter im Hause hatte."

„Und doch kann Niemand seinem Schicksal entgehen," setzte Ollendorf hinzu.

„Leider, leider. Was ists mit dem jungen Herrn, Lawes?"

„Er ist bisher auf der Hochschule zu Rinteln gewesen und soll viel gelernt und etwas Recht­schaffenes geieistet haben. Hat sich wohl über- studirt und sucht hier Erholung. Die Erlaucht haben ihm das Schloß angewiesen, seine Kaffe auch wohl bestellt. Ihr wißt doch, daß die Hochschule zu Rinteln durch ein Dekret Napoleons aufgehoben ist?"

„Leider," nickte Ollendorf.

„Dann ist's nur gut", fuhr dec Magister fort, „daß e» so mit dem jungen Herrn steht; daß Ihr ihn lobt Lawes, ist mir ein gutes Zeichen."j

Der Alte schmunzelte. „Ja, er ist so ver­nünftig, als ob er schon 24 Jahre alt wäre, und doch ist er erst zwanzig."

„Aber allerlei Leute verkehren mit ihm", meinte Ollendorf. „Hab's wohl gemerkt."

„Was treibt denn jetzt der Oswald?" fragte Lawes, um das Gespräch in andere Bahnen zu lenken. „Ist ein stattlicher Junge geworden."

Treustein lächelte im Vaterstolz. „Ja, ein fixer !

Anslarrd.

0 Krüssel, 5. November. Präsident Krüger ist ernstlich erkrankt. Der Brüsseler Berichterstatter der .Times' meldet, Herr Fischer, das Haupt der außerordentlichen Burengesandtschaft, bestätige di- Meldung über eine ernste Erkrankung KrügerS, der an zu­nehmender Erschöpfung leide. Der Zustand Junge. Jetzt, da der Siegfried unter die Fran­zosen gegangen, meine einzige Hoffnung."

„Sprach neulich mit dem alten Organisten Neuröder, der ihn bis in den siebenten Himmel hob. Orgel spiele der besser, als er selbst, und auf dem Klavier, da sei er ein zweiter Bach", be­stätigte Lawes gegen Ollendorf.

,,S' ist wahr," nickte Treustein. Eine Sonate hat er neulich komponirt, nun, wer Bach nicht ganz genau kennt, würde sie für sein Werk halten. In der Schule vertritt er mich schon fix, wenn er die nöthigen 19 Jahre zählt, läßt er sich examiniren —"

„Und wird des Vaters Gehilfe, cum spes i uccenti!" fügte Lawes bei.

„Cum spe succedendi — mit Hoffnung der Nachfolge," verbefferte der Magister.

„Meinetwegen auch so."

„Und Jungfer Adele gleicht ganz der Schwester Lenore," meinte Ollendorf. „Schickt die nur bei Zeiten zu Tante Sybille."

„Es sind doch keine Offiziere hier."

„Aber Zollaufseher und anderes Gesindel, das im Dienste Jerome's steht."

„Aber Gevatter, Adele ist nicht Lenore, die ist anders, sage ich Euch, die dächte nicht daran, heimlich fortzuwollen."

Ollendorf lachte. „Wer kann ein Mädchen- herz hüten vor dem kleinen, blonden Amor mit dem sicheren Bogen und Pfeile?"

Da dröhnte es 10 Uhr Abends vom Thurm und die drei Freunde trennten sich nach einem herzlichen „Gute Nacht".

(Fortsetzung folgt.)

Die^Staatsgewalt ist überhauptnicht dazu ... ^IUCK.

bfl, die Propaganda der einzelnen Konfessionen Diese religiösen Genossenschaften gehören durch- unter und gegen einander zu regeln und zu aus zu den Einrichtungen der Kirche selbst. Das SH?« ?al lfle,n schwer und ein sehr ist nicht nur die Äuffaffung einzelner Katholiken, Nationalliberalen ,Kölm- wie klar hervorgeht aus den Darlegungen eines scheu Zeitung', die ihn schreibt, sehr zur Ehre Berliner Staatsanwaltes, der seines Amtes zu gereicht. Ob das Weltblatt am Rhein" voll walten hatte gegen den Verfasser der vielbe- . ganz der Kritik sich bewußt ist, die es sprochenen wüsten Reimerei in dem sogenannten damit an unseren deutschen Zuständen übt? Berliner Witzblatte ,Ulk', betitelt „Die feige That Man muß anerkennen, daß die .Kölnische von Rennes". Jene Reimerei befaßte sich, wie Zeitung nicht zurückhalt mit ihrem Tadel erinnerlich, mit dem Urtheilsspruche der Ge- °ßEer, daß .m Königreiche Sachsen im Groß- schworenen zu Rennes gegen den ehemaligen ■ Mecklenburg und tm Herzogthum Hauptmann Dreyfus; und der Staatsanwalt Braunschweig „die staatliche Kirchengewalt auf Romen, der in besagtem Prozesse die Anklage Grund veralteter Landesgesetze noch immer in vertrat, legte dabei in klar überzeugender Weise Ed'Ke geradezu mittel- dar, daß die Jesuiten ebenso wie alle anderen alterlichen Zuständen entspricht und den neueren von der Kirche anerkannten religiösen Ordensae- und edleren Grundsätzen von Religions- un) nossenschaften als ein untrennbarer Bestandtheil Gewissensfreiheit ms Gesicht schlägt". Ein' ' - - — 1 ™

solcher Ausspruch in einem solchen Blatte be­deutet nichts mehr und nichts weniger als den Beginn eines Umschwunges der Meinungen in bisher kulturkämpferischen Kreisen, der aufs freudigste zu begrüßen ist. Man kann nichts dringender wünschen, als daß recht bald recht weite Kreise unter den Gesinnungsverwandten des Kölner Blattes deffen Anschauungen über Religionsfreiheit sich zu Ligen machen, denn vieles tsücoe bei uns in Deutschland besser werden wenn diese Anschauungen allgemein -------.......—

maßgebend werden und namentlich auch den entgegenzuarbeiten; nicht, wie der übliche Aus- Ausschlag geben wollten für die Haltung der druck lautet, um „den konfessionellen Frieden zu Regttruvgen in religiösen und kirchlichen Dingen, stören". Oder hat man, um ein uns nahes Bei- ist rum Verwundern, daß das nicht längst spiel anzuführen, jemals etwas davon gehört, daß schon der Fall ist. Man hat erfahren, daß in Holland durch die katholischen Ordens-Nieder- Zwangsmaßregeln gegen tue Katholiken und gegen laffungen der konfessionelle Frieden untergraben die katholische Kirche diesen gerade eine Macht- werde? Niemals — und doch hat Holland sehr entfalttmg verlrehm, wie sie bis dahin in dem viele derjenigen Ordens-Genossenschaften, auch die Deutschen Reiche, fett dieses überwiegend prote- Jesuiten, ausgenommen, die durch die Bedrückung stanttsch geworden ist, noch nicht dagewesen war. in den Zeiten des Kulturkampfes von der deut- und erst m der allerjüngsten Zeit haben sich scheu Heimathserde vertrieben wurden. Um prote- protestantische Stimmen erhoben gegen die Be- stantische Niederlassungen entsprechender Art, z.B. Handlung^oder vielmehr Mißhandlung der Katho- Schwesternhäuser und Missions- Anstalten küm- ltken tm Herzogthum Braunschweig in dem Sinne, mert die Staatspolizei sich nicht: diese sink, frei bag men sagte, durch den ausgeübten Druck in ihrem Schalten und Walten, diese haben Re- würden die Katholiken künstlich zusammengeschweißt, ligions - Freiheit. Mit den katholischen Nieder- so daß sie alles Andere, was sie im einzelnen laffungen, wo sie überhaupt gestattet sind, wird an politischen und anderen Meinungsverschieden- völlig anders verfahren; diese bedürfen wie bei- herten trennen könnte, vergeffen und nur noch an spielsweise in Preußen, für ihr Dasein überhaupt das eine und gemeinsame Ziel denken, wie mit | besonderer ministerieller Genehmigung, und im Erfolg der Gewissenszwang zu beseitigen sei, der sie bedrückt. Ist es doch in Braunschweig noch in allerneuester Zeit oorgekommen, daß nach einem vollkommen veralteten Landesgesetze ein katholischer Geistlicher bestraft wurde, weil er einen Stann nacl) dessen dringendem Wunsch in. ~...... ... uun i« u«u । »tu gnauaier »ternncra veichätliaen wie

die kathol. Kirche aufgenommen hatte, ohne vorher gegen ihre überlieferten Rechte ergangen ist. Sie । man sich ohne wetteres denken kann lebhaft die

nach )ener veralteten und ihm deswegen unbe- sind rechtlos und zum Theil heimathlos. zuständigen Regierungsstellen. Enthüllunaen dieser kannten gesetzlichen Vorschrift Anzeige bei dem Es ist lobenswerth, wenn im liberalen Lager Art sind bisher bei uns in Deutlcüla"^ unerhört

zuständigen protchantochen Geistlichen zu machen, endlich die Einsicht aufdämmert dafür, daß im gewesen, und erst jetzt erkennt man "wie lewer

Em solcher Gewiffenszwang ist unzeitgemäß, Deutschen Reiche mit der katholischen Kirche und die Mahnungen in der Presse zur Vornahme ae- unedel und nach der Äuffaffung unserer Zeit un- mit den Katholiken nickt nlba fn fMt ift «J-iLS-9»zur ^ornayme ge-

Des Llhlllhms!» Meerhoh.

Original-Erzählung von Carl Caffau.

8 (Nachdruck verboten.)

IV.

Im Schulhause zu Meerholz ging gebeugten Hauptes Herr Magister Treustein umher, denn Oesterreich war bei Wagram von dem allge­waltigen Napoleon abermals besiegt; es mußte Frieden schließen und gab sogar ferne Kaiser- tochter an Napoleon als zweite Gemahlin an Stelle der verstoßenen Josephine hin. Napoleon stand auf dem Gipfel feiner Macht.

Als damals — ach, es war schon f» lange her, — Siegfrieds Brief angekommen war, wo­rin er bett Vater auf das flehentlichste bat, ihm feinen jetzigen Schritt zu verzeihen, hatte ber alte Mann das Bewußtsein verloren.

Drei Tage hatte dieser schreckliche Zustand gedauert, bis ein heftiger Thränenstrom dem ge­ängstigten Vaterherzen Erleichterung verschafft hatte. Nur zuweilen hatte der alte Herr ge- jammert: „Mein Sohn, mein Sohn!"

Dem Napoleon allein legte er alle Schuld bei. Erst nach Wochen kam das Gemüth des Greises zur Ruhe und fromm faltete er aber­mals die Hände: „So wolle Gott alles wohl machen. Ich aber bin wie der Erzvater, der aller feiner Kinder beraubt war."

Ach, und schon zog sich am Horizonte für das Schulhaus ein neues Unwetter zusammen.

Inspektor LaweS litt noch immer an der Fremd­wörtersucht, hatte aber seine Zuneigung und Freund­schaft der Familie Treustem redlich bewahrt. Auch

der Tborschreiber kam noch fleißig mit der Pfeife „Wißt Ihr auch schon, Treustein, daß der zum Nachbar. Im Sommer saßen alle drei oft Enkel der alten Erlaucht, Komteffe Louisens unter der Linde und erzählten sich Histörchen. So Sohn, Herr Hannibal von Nymhemt wieder aus auch heute Abend. Zuerst begann der Thorschreiber: *>••« «*(»«» ^^9«

„Schöne Geschichten erzählen sie aus Kassel!"

„Was denn?" fragte Treustein.

„Es ist ein ewiger Jubel und Karneval am Hose," bestätigte Lawes. „Man führt Feste auf, in denen j-de Scham bei Seite gesetzt ist."

„Napoleon nennt ja selbst seinen liebens­

würdigen Bruder nur einen Theaterprinzen," versicherte Ollendorf.