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JU 253.
IuLöcr, Samstag, den 3. November 1900.
27. Jahrgang.
G Blicke hinter die Kuliffen der Polizei.
Ohne Zweifel ist die Polizei aller Länder stellenweise genöthigt, mit zweifelhaften und auch schon ganz unzweifelhaft schlechten Elementen sich einzulassen. Daß das so selten wie nur irgend möglich geschehe, ist eine selbstverständliche Forderung. In neuerer Zeit hat aber die Polizei, wie erwiesen wurde, dies viel häufiger gethan als nothwendig war; und mitunter find recht seltsame Dinge ans Tsges- licht gekommen. Die unliebsamen Vorgänge, die mit Namen wie Normann-Schumann, Leckert, von Lützow und von Tausch verknüpft sind, haften noch frisch in der Erinnerung aller. Umgekehrt fehlt es nicht an Beweisen dafür, daß die Kriminalpolizei in der Aufspürung von Verbrechern an Leistungsfähigkeit recht viel zu wünschen übrig läßt.
Eines der unliebsamsten Beispiele dafür ist der Mord in Könitz und die mit diesem verknüpfte Untersuchung. Die Zeugen in dem gegenwärtig in Könitz verhandelten Prozeffe gegen Masloff und Genossen, der mit der Ermordung des Gymnasiasten Winter in engstem Zusammenhänge steht, sagen zum großen Thrile übereinstimmend aus, daß in der ersten Zeit der Untersuchungen, bald nach der Ermordung des jungen Winter, alle diejenigen sehr ungnädig von den untersuchenden Polizeibeamten ausgenommen wurden, die Verdachtsmomente gegen einzelne Juden Vorbringen wollten. Und der eine Berliner Kriminalkommissar. der in dem gegenwärtigen Prozesse ebenfalls als Zeuge vorgeladen ist, hat einige so ausweichende Antworten gegeben auf die Frage des einen Vertheidigers, ob die Sache sich wieklich so verhalte und ob nicht der eine der Berliner Kriminalkommissare grundsätzlich auf den Standpunkt sich gestellt hab«, Juden könnten es nicht sein, bie den Mord begangen haben, daß man durchaus den Eindruck gewinnt, die Sache verhalte sich wirklich so.
Es ist nicht zu leugnen, daß die Thätigkeit, die einige antisemitische Agitatoren in Könitz entfaltet haben, unheilvoll dort gewirkt hat. Man gab sich alle mögliche Mühe, den Glauben an einen jüdischen Ritualmord zu erwecken und zu verbreiten. Weil die einzelnen Theile der Winter- scheu Leiche in blutleerem Zustande gefunden wurden, wollte man durchaus glauben machen, Juden hätten den jungen Winter abgeschlachtet, um für ihre rituellen Zwecke Blut zu gewinnen; und es ist menschlich erklärlich, daß solche Leute, «ach deren Ueberzeugung es einen solchen Ritualmord nicht gibt, einigermaßen nervös wurden durch diese übereifrigen Umtriebe. Aber einem Kriminalbeamten darf das erstens überhaupt nicht zustoßen, daß er bei der Erfüllung feiner Pflichten nervös und unleidlich wird; und zweitens ist durch die angenommene Thatsache, daß es einen
Hw Mellums je Nenhch.
Original-Erzählung von Carl Cassau.
6 ------ (Nachdruck verboten.)
Nach der Abendmahlzeit hatte der Magister mit Frau Karolina und Siegfried eine lange Unterredung, in Folge deren man beschloß, Lenore wirklich zur Tante Sybille Schwab in Langenselbold zu schicken, wenn diese einverstanden sei. Der Magister schrieb an seine Schwester auch gleich einen Brief und vertraute diesen der von Thurm und TaxiS'schen Post an.
Siegfried erhielt eine ernste Strafpredigt. „Du bist ein Deutscher," sagte der Alte strenge, „kannst Du Dir Deine Freundschaft nicht unter Deinesgleichen suchen?"
„Aber, Vater, ich thu's ja nur um der Sprache willen, die ich so gut möchte reden können als Du selbst.«
Der Alte fühlte sich geschmeichelt und schwieg einen Augenblick, fügte dann aber hinzu: „Kannst Du von Anderen auch lernen! Freundschaft mit Bösen macht böse, und böser Umgang verdirbt gute Sitten!"
Damit gingen Alle schlafen.
Als alles im Schulhause still war, schlüpfte Leonore in's Zimmer Siegftied's, welcher dasselbe wieder bezogen hatte.
„Um Gotteswillen, Siegfried, was hats gegeben?"
„Dem Vater ist was zu Ohren gekommen von Deinem Adrien und dem leichtfüßigen Gecken, der Dir die Briefe an Steinen ins Fenster wirft.
solchen jüdischen Ritualmord nicht gebe, doch noch lange nicht nachgewiesen, daß nicht dennoch Juden an dem Morde schuldig oder betheiligt sein können. Es gibt schlechte und verbrecherische Juden genau ebenso, wie schlechte und verbrecherische Leute christlichen Bekenntnisses; und wenn man auch die Möglichkeit eines Ritualmordes leugnet, kann man noch viele andere Beweggründe als vorhanden annehmen, aus denen heraus Juden den Mord begangen haben könnten, zum Beispiel Rache. Die antisemitische Agitation in Könitz in der Zeit nach dem Morde hat ohne Zweifel mehr geschadet, als genützt; aber die Thätigkeit eines Kriminalkommissars durfte dadurch niemals in irgendwelcher Weise beeinflußt werden. Der Argwohn, daß dies doch bis zu pewiffem Grade geschehen sei, ist leider durch die Thatsachen und durch die Prozeßverhandlungen nicht vollkommen beseitigt worden.
Nun wird hinter verschlossenen Thürcn jetzt auch ein unsauberer Prozeß verhandelt, in dem der Bankier Sternberg ist. Ein Kriminal» schutzmann ist dabei als Zeuge thätig und beschuldigt seinen Vorgesetzten, einen Kriminalkommissar, der Bestechlichkeit und des Versuches, auch ihn, den Zeugen, durch Bestechung dahin zu bringen, daß er in der Untersuchung gegen besagten Millionär Sternberg nicht weiter auf Thatsachen gegen diesen fahnden, sondern die Sache so drehen solle, daß dieser von dem Verdachte gegen ihn befreit werde. Die Aussagen des Kriminalschutzmanns find so auffallend, daß man ihnen nur mit dem allerstärksten Zweifel begegnen kann und weiteres, namentlich die Aussagen des beschuldigten Kriminalkommissars abwarten muß, ehe man ein eignes Urtheil darüber sich zu bilden versucht. Gleichzeitig aber hat der als Zeuge vernommene Kriminalschutzmann von sich selbst so außerordentlich unschöne und unsittliche Dinge erzählt, daß man sich mit Widerwillen abwendet von diesem neuen Blicke hinter die Polizeikuliffen, den der besagte Kriminalschutzmann uns durch seine Aussagen eröffnet hat. Mußte dieser doch sogar bekennen, sträflichen Umgang mit zwei Frauen gehabt zu haben, durch die in demselben Prozeffe zwei weitere Anklagefälle bezeugt werden sollen; und der Zeuge selbst ist verheirathet I
Solche Elemente sollte die Kriminalpolizei niemals als feste Beamten in ihren Verband aufnehmen. Sie sollte allermindestens vorsichtiger sein in der Auswahl ihres Beamtenpersonalr; oder aber sie wird eines Tage« entdecken, daß sie für den Staatsbürger, zu dessen Schutz sie eingesetzt wurde, ein Gegenstand der Verachtung geworden ist. Und das sollte doch auf jeden Fall verhütet werden!
Deutsches Deich.
Berlin, den 2. November.
h Das derrtsch-engkische Abkommen hat keine geheimen Nebenabmachungen, so wurde am letzten Donnerstag in der oberosfiziöfrn ,Nordd. Allg. Ztg.' sestgestellt. Die Berliner ,Tägl. Rundschau' machte dazu eine zweifelnde Bemerkung, erfährt darauf aber eine erfreulich kräftige Berichtigung: „Die ,Tägl. Rundschau' erlaubt sich, das . . . Dementi gegen die Be»
Es soll Clemens de Ramafferie, des Königs Jerome Lustigrath sein, ein arger Wüstling."
„Mein Gott, er kann mir ja nichts anhaben, Adrien hat mich ja gewarnt."
„Nun gut! Beiden sollst Du au? den Augen; eine Kutsche soll Dich auf unbestimmte Zeit zu Tante Sybille Schwab nach Langenselbold bringen. Der Vater hat schon darum geschrieben."
„Mein Gott, ich muß es Adrien gleich mit» theilen; nicht wahr, Siegfried, Du besorgst morgen früh das Briefchen?"
„Ich werde wirklich zweifelhaft, Lenore! Der Vater sagt —"
„Nur noch dieses eine Mal."
„Nun gut! Es ist aber das letzte Mal, Schwester, so lieb ich Dich habe. Denke an des Vaters Fluch!"
„O bester Siegfried, also nur noch dieses eine Mal."
„Wie ich gesagt, aber jetzt laß mich schlafen."
Er legte sich bequemer, um von zukünftigem Ruhme zu träumen, Lenore ging auf ihr Stübchen, um an Lebrun alles zu berichten. —
Am anderen Morgen herrschte auf Schloß Isenburg ein reges Leben. — Lebrun gab seinen Kameraden ein solennes Frühstück, bei dem der Rothwein in Strömen floß. Man jubelte, man lachte, als plötzlich Siegfried erschien.
„Ah, Sie hier, mein Schwager!" murmelte Adrien.
„Ein zukünftiger Tapferer unseres Regiments," stellte er ihn den Kameraden vor. „Nicht wahr, Siegfried?" fragte er dann treuherzig.
„Wenn der Vater nicht —" stammelte Siegfried. „Dr. Bornheim. —"
haupiung, es beständen irgend welche geheime Klauseln zu dem deutsch-englischen Notenaustausch, mit der Vermuthung anzuzweifeln, daß die amtliche Berichtigung von diplomatischen Rücksichten eingegeben sei. Da auch diese Angabe völlig unbegründet ist, können wir dem dunkeln Gewährs- manne des Blattes den Vorwurf leichtfertiger Flunkerei nicht ersparen." — Die Offiziösen unter dem Grafen Bülow führen eine kräftigere Sprache, als unter dem Fürsten Hohenlohe. Aber in diesem Falle berührt die Energie in der Tonart angenehm. Die deutsche Kaufmannschaft in Tientsin hat an den Reichskanzler Graf Bülow ein Telegramm gesandt, in dem sie das deutsch- engliiche Abkommen als „von größter Wichtigkeit" bezeichnet. Daß nunmehr auch Frankreich zugestimmt hat, also keine einzige Zustimmung mehr fehlt, ist ja bereits bekannt.
+ Der Wahlkreis Weseritz-Komst ist gegenwärtig der Schauplatz eigenthümlicher Vorgänge. Unter den deutschen Katholiken des Wahlkreises ist die Meinung getheilt, ob man bei der bevorstehenden Ersatzwahl zum Reichstage von Anfang an dem von den Polen aufgesiellten Kandidaten, dem Rechtsanwalt von Chrzanowski die Stimme geben, oder an der besonderen Centrumrkandidatur des Propstes v. Krze sinsk, festhalten soll. ES besteht, wie berichtet, eine sehr starke Strömung zu Gunsten der einheitlichen Kandidatur des Herrn von Chrzanowski für alle Katholiken des Wahlkreises, deutsche und polnische; und wenn man bedenkt, daß die Bevölkerung des Wahlkreises zu mehr als 53 v. H. katholisch; zu weniger als 47 v. H. protestantisch und dennoch der Wahlkreis seit 1867 regelmäßig durch einen protestantischen Freikonservativen im Reichstage vertreten gewesen ist, dann begreift man vollkommen den Wunsch derjenigen, die auf Kosten einer eigenen Centrumrkandidatur als erste Hauptsache die Rothwendigkeit ins Auge soffen, daß überhaupt einmal ein Katholik gewählt werde, ob dieser nun von bett Polen oder vom Centrum aufgestellt ist. Die Hakatistenpreffe speit Feuer und Flammen gegen alle diejenigen, die so denken, nennt sie Ver- räther am Deutschthum und am deutschen Vaterland . .... ja, warum denn? Die Katholiken können nichts dafür, dsß bei ihnen vor allen anderen Dingen katholisch Trumpf bleibt, daß ihnen nach wie vor die Konfession über alles geht. Wenn die Regierungen mehr Verständniß für die Forderungen der Katholiken und ihre konfessionellen Bedürfnisse zeigen, wenn die Katholiken selbst sich nicht mehr als Staatsbürger zweiter Klaffe fühlen würden, dann würden sie sich ver« nmthlich auch bei Wahlen und bei anderen Gelegenheiten auf andere Gesichtspunkte stellen. Aber wenn man nicht das Ausnahmegesetz gegen die Jesuiten aufheben, nicht einmal abschwächen will, wie kann man sich wundern darüber, daß die Katholiken nach wie vor als obersten und leitenden Gesichtspunkt in ihrer Wahlpolitik den aufstellen, daß unbedingt vor allen Dingen für die Wahl eines Mannes zu sorgen sei, der Verständniß für die konfessionellen Bedürfnisse der Katholiken besitzt und ernstlich den Willen hat, für bie Befriedigung derselben einzutreten? Im Wahlkreise Meseritz-Bomst erlangt man bie meiste Aussicht auf bie Wahl eines Katholiken, wenn
„Ah, so wissen Sie noch nicht?" fragte hier ein Leutnant. Dr. Bornheim ist biefe Nacht geflohen — er hat mit ber gräflichen Kaffe einen großen Betrug gemacht."
„W-a—s?"
„Ja, wie ich sage! Seine Majestät König Jerome haben befohlen, bie Kasse mit Beschlag zu belegen und Nachschau zu halten. Da hat sich eine große Unterschlagung herausgestellt."
„Mein Gott, wo soll ich nun bleiben?
„Kommen Sie mit mir, Schwager," flüsterte Adrien zu. „Solche brave Leute wie sie können wir gebrauchen."
Siegfried brach ganz zusammen, mechanisch reichte er Adrien den Brief Benotens. Adrien nickte, reichte dem Adjutanten ein Papier und sagte:
„Gebieten Sie, bitte Ruhe!"
Und der Adjutant rief in den Lärm hinein: „Ich bitte für einen Augenblick um Ruhe, meine Herren!"
Alles schwieg und jener las:
„Zufolge Befehl Sr. Majestät des Kaisers Napoleon ist das 172. Regiment zu dem Feld- zuge nach Spanien abkornmanbirt und die Kompagnie des Kapitäns de Lebrun hat am kommenden Donnerstag nach Hanau zu mar« schiren.
Der Kommandant DuvernoiS."
Ein Jubelschrei folgte: „Krieg! Krieg!" Und die Gläser klangen zusammen, während Siegfried wie betäubt dafaß.
„Kommt mit uns!" rief ihm jetzt ein Anderer zu, „in Spanien da wachsen die Lorbeeren für tapfere Soldaten."
von Anfang an alle polnischen und deutschen Katholiken auf eine und dieselbe Kandidatur sich einigen; und deswegen darf sich niemand darüber wundern, daß das Zentrum selbst auf einen eignen Kandidaten verzichten und von Anfang an für den Kandidaten der Polen eintreten will. Für den Centrumsmann ist ein Nationalpole, der auf gut katholischem Boden steht, eine angenehmere Erscheinung als ein kulturkämpferischer Freikonservativer, und man kann sich eigentlich nur darüber wundern, daß es Leute gibt, die das nicht begreifen, oder doch, sich so anstelle«, als begriffen sie es nicht.
△ Neue Ikngvkätter des Iokksver- ei«s fftr das katholische Deutschland find vor Kurzem erschienen. Dieselben behandeln die Frage: „Warum ist der Volksverein überall nützlich und nothwendig?" und „Die Thätigkeit des Volksvereins für das katholische Deutschland nach dem Jahresbericht für 1899." Es bietet sich hier neues dankenswerthes Agitationsmaterial für den so ungemein wichtigen Verein, der, wie es in den Flugblättern mit Recht heißt, ein dem katholischen Volke und allen Ständen auch wirthschastlich sehr nützlicher Verein ist. Wer ihm als Mitglied beitritt, hat selbst vielfachen Nutzen davon, wer ihm außerdem neue Mitglieder zuführt, macht sich um die Sache deS katholischen deutschen Volkes verdient. Den Volksverein immer weiter auszubreiten, und seine Thätigkeit immer mehr auszugestalten, ist eine Ehrenpflicht der deutschen Katholiken! Im Volksverein arbeiten bie Katholiken aller Stände mit vereinten Kräften und großen Mitteln an der Beseitigung der sozialen Mißstände, an der Hebung der notbleibenben Klaffen, an her Förderung des Wohlstandes unseres Volkes, kurz, an ber Durchführung der christlichen Sozialreform. Dadurch auch erst betätigen wir in vollem Maße wahre christliche Nächstenliebe, dies zweitgrößte Gebot des Christenthums, an unseren hilfsbedürftigen Brüdern. Wir arbeiten aber im Volksverein zugleich auch zur VertheidigMg des Christenthums, zur Förderung feines EinfluffeS auf das öffentliche, insbesondere das wirthschaftliche Leben. Wir sind gewohnt, es zu beklagen, daß die wirthschaftliche Entwickelung und die sozialen Strömungen unserer Zeit dem Einflüsse des Christenthums sich entziehen und so weite Volks - kreise dem Christenthum auf diese Weise abwendig gemacht und verfeindet werden. Besonders gefährlich für die Kirche und den Glauben unseres Volkes ist da die Sozialdemokratie. Der erfolgreiche Weg, diese gott- entfrembete Entwickelung zu verhindern, vielmehr unsere Zeit roieber christlich zu machen, ist nicht, bloße kräftige Reben zu halten über die sozialen Aufgaben des Christenthums, sondern eifrige Arbeit in christlichem Geiste auf allen Punkten des Wirthschaftslebens. Dazu aber hilft den deutschen Katholiken und ihren vielen örtlichen Vereinen in ganzem Umfange und mit dem Reichthume vielfältigster Mittel der Bolks- verein. — Anmeldungen zum Volksoerein nehmen bekanntlich überall die Geschäftsführer und Vertrauensmänner, auch in den Volksvereins- verfammlungen, entgegen. Wo der Verein
Während dieser Zeit hatte Lebrun LenorenS Brief gelesen, sein Gesicht verrieth Entschlossenheit.
„Es lebe der Krieg!" tief auch er nun. „Unser Fest ist zu Ende! Auf Wiedersehen am Donnerstag!"
Nochmals klangen die Gläser zusammen, dann trennte man sich, Siegfried ging mit auf Lebruns Zimmer.
„Sie haben gehört, Schwager," sagte er, „gehen Sie mit, jeder Soldat trägt den Marschallstab in dem Tornister."
„Ich möchte schon," sagte Siegfried und stand unentschlossen da. Des Vaters Segen baut den Kindern Häuser und der Mutter Fluch reißet sie danieder."
„So gehen Sie heimlich mit und lassen Sie einen Brief an den Vater zurück, dann wird er Ihnen nicht fluchen."
„Ich will mirS Überlegen. — Was soll ich Lenore sagen?"
„Lallemond wird bie Antwort bringen."
Der junge Mann stürmte fort zu Born- heim's Bureau. Es war richtig, bie Regierung hatte alles versiegelt. Dr. Bornheim war mit Hunderttausend auf und davon, wohin, das war ein Räthfel. Auch wußte Niemand, ob er im eigenen Interesse, ob im Auftrage des Fürsten das Geld mitgenommen. Dr. Bornheim war selbst sehr reich und hatte zuletzt die Rentamtsgeschäfte für den Grafen Isenburg verwaltet.
Siegfried roantte heim, dem Vater die Trauer- botschast zu überbringen.
Der Magister war starr vor Staunen. Bornheim, auf den er Häuser gebaut hätte» flüchtig und davongegangen in Nacht und Nebel?