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Jfö 250.

[] Die österreichische Wahlbewegung.

Bei Neuwahlen zu einem Parlament wird die ganze Lage sonst immer vollkommen von der Frage beherrscht: wer wird gewählt? welche Parteien werden gewinnen, welche verlieren? In Oesterreich ist das jetzt kaum der Fall, ob­wohl gerade jetzt in Oesterreich die gemäßigten Parteien ganz besondere Anstrengungen machen müßten, um ein erneutes Anwachsen der radikalen Gruppen im Abgeordnetenhause zu verhindern. Es sieht gerade so aus, als hätte sich die Parlamentsmüdigkeit des ganzen Volkes bemächtigt. Die große Lebhaftigkeit, mit der die Wahlbewegung einsetzte, flaut immer mehr ab, ausgenommen immer wieder bei den radikalen Gruppen der verschiedenen Richtungen, also bei den Deutschnationalen vom äußersten Flügel, bei den radikalen Tschechen und bei den Sozialdemo­kraten; und die Frage, was denn das neue Ab­geordnetenhaus nach der Beendigung der Neu­wahlen thun und ob es überhaupt etwas thun werde, beschäftigt die öffentliche Meinung beinahe mehr als die viel näher liegenden Erforderniffe der Wahlbewegung selbst. Es wird ja doch nichts an der Parteizusammensetzung im Abge­ordnetenhaus« geändert werden — von diesem Grundsätze scheint man vielfach auszugehen und danach zu handeln, oder vielmehr nicht zu handeln.

Und dennoch sind verschiedene Ereigniffe bei dieser Wahlbewegung in Oesterreich sehr intereffant, namentlich sür uns Katholiken im Reiche. Denn bei einem großen Theile der Katholiken deutscher Abstammung in Oesterreich bedeutet die gegenwärtige Zeit einen bedeutungsvollen poli­tischen Wendepunkt.

Sehr viele Katholiken bei uns im deutschen Reiche haben ehedem stets mit Bedauern zu­gesehen, wie manche Führer der deutschen Katho­liken in Oesterreich in allen Nationalitätenfragen mehr aks zurückhaltend sich benahmen, aus Besorgntß, bet irgendwelchen Bundrsgenoffen innerhalv der parlamentarischen Rechten anzu­stoßen. Eine gewiffe Zurückhaltung war mit­unter nöchig, und der „eiserne Ring der Rechten" hatte sehr viel Gutes an sich. AVer die Rück­sichtnahme auf diese Bundesgenoffenschaft über­stieg mitunter das Maß des Nothwendigen, und nicht einen Augenblick kann es zweifelhaft sein, daß viele Wähler von Abgeordneten, die der katholischen Bolkspartei angehören, wenig erbaut waren von der überaus zarten Rücksicht­nahme, die mitunter von denselben Abgeord­neten gegen die tschechischen Aussprüche und Ansichten geübt wurde. Der beste Beweis dafür ist die Thatsache, daß in Tirol eine sehr starke Volksströmung zwei der früheren Abgeordneten von der katholischen Volkspartei Hinwegschwemmen wird, die sich namentlich stets durch übergroße Vorsicht ausgezeichnet haben, nicht in den Geruch zu kommen, als könnten sie im Stande sein, deutschnaiionale Regungen zu unterstützen. Besonders trifft daö den Baron Dipauli, der früher einmal Handelsminister war. Dieser muß einem Christlich sozialen Platz machen, und gerade den Christlichsozialen kommt hauptsächlich das Verdienst daran zu, den Anstoß gegeben zu haben zum offenen uns plan-

Jas Schulhms in Wmhch.

Original-Erzählung von Carl Cafsau.

3 ------- (Nachdruck verboten.)

n.

Es war vier Tage später und am Vormittage. Die Schule war beendet und der Magister leistete den Kranken in der Kammer Gesellschaft.

Leonore, die älteste, 17 Jahre zählende Toch­ter des Treustein'schen Ehepaares, saß im Lehn­stuhle am Fenster und schaute auf die Straße hinab, indem sie bemerkte, sie fühle sich ganz wohl und könne bald das Zimmer wieder verlassen. Adele und Oswald fieberten noch stark. Wie Siegfried, so waren auch diese drei Kinder des Magisters von großer Schönheit. Besonders war Lenore eine prächtige Erscheinung, ein Frauen­bild, wie man deren nur zuweilen auf uralten Gemälden entdeckt. Die dunkeln üppigen Haare und braunen Augen, das edle Ooal des Gesichtes, die feine griechische Nase stempelten das Mädchen zu einer auffallenden Schönheit. Oswald sah seinem 15 Jahre alten Bruder Siegfried ganz ähnlich, hatte krauses Blondhaar und lebhafte blaue Augen, Adele aber versprach Leroren ähn­lich zu werden.

Während nun der Magister tröstete, beruhigte und anregte, erhob sich auf der Straße ein großes Geschrei, verbunden mit Rufen, Schic ßm und Trommeln. Volkshaufen stürzten vor dem Hause vorbei und schrieen wie unsinnig:

„Die Franzosen, die Franzosen!"

Schnell war der Magister die Treppe hinab und da hatte man die Bescheerung: Die Fran-

IrrLöa, Dienstag, den 30. Oktober 1900.

mäßigen Bekenntniß der deutschen Herzen der katholischen Volkspartei.

„Die Abgeordneten sollen gute Deutsche sein" — so sagt klipp und klar ein Satz in dem vereinbarten politischen Programm der deutschen Volkspartei — „für die ererbte Stellung der Deutschen in Oesterreich eintreten und ebenso an der Einheit des Reiches festhalten . . .", das heißt sich widersetzen gegen alle tschechischen Gelüste, ein Stück vom österreichischen Staats- verbande loszureißen als böhmisches Königreich, das nach dem Sinne oer Tschechen mit den übrigen österreichischen Ländern nur noch ebenso verbunden sein würde, wie jetzt das Königreich Ungarn. „Jede aggrrffive Haltung gegen die deutsche Gemeinbürgschast" soll ausgeschloffen sein nach dem neuen Programm, das vereinbart worden ist gegen die Einsprache des Barons Dipauli und einiger anderen; ohne Eindruck ist der unberechtigte Einwand dieser Herren geblieben, das neue Programm bedeute eine Auflehnung gegen die Autorität der Bischöfe, ein Einwand, der natürlich von denjenigen, die ihn erhoben, nicht durch Thatsachen begründet werden konnte. Kurz und gut, die katholische Bolkspartei hat sich mit ihrem neuen politischen Programm in sehr er­freulicher Weise den Gesichtspunkten genähert, die in dem bekannten „Pfingstprogramm" der Deutschen von 1899 ausgestellt worden sind, und sicherlich werden die zukünftigen Dinge beweisen, daß die katholische Volkspartei, indem sie in dieser Weise offen zu den Anschauungen sich bekannte, die aus politischen Rücksichten bisher in den Hintergrund gedrückt waren, recht usb klug daran gethan hat. Dem österreichischen Staatswesen ist damit ein großer Dienst geleistet, wenn auch vielleicht noch gegen den Willen mancher Männer, die jetzt an der Spitze dieses Staatswesens stehen; denn das neue politische Programm der katholischen Volks­partei steht auf dem Boden aufrichtiger Volks­meinung und wird wesentlich dazu beitragen, einige Klärung in den Wirrniffen der österreichischen Dcnge anzubahnen.

Die Tschechen aber mögen es der Maßlosig­keit ihrer Ansprüche zuschreiben, daß das so ge­kommen ist. Sie haben durch ihre unvernünftige Politik den Stein angestoßen, der jetzt ins Nollen gekommen ist und hoffentlich so bald nicht wieder zu rollen aufhören wird. Daß die katholische Volkspartei nicht gegen den Willen der Bischöfe handelte, beweist die Thatsache, daß der Herr Erz­bischof von Brixen in ganz unzweideutiger und klarer Weise sein Einverständniß mit dem Vor­gehen der katholischen Volkspartei kundgethan hat.

Deutsches Keich.

Berlin, den 29. Oktober.

tt Staatssekretär Graf MofadsrvsKy ist fortgesetzt der Gegenstand von Angriffen in der sreihändlerischen, links liberalen und sozialdemo­kratischen Presse. Das Leipziger sozialdemokra­tische Blatt, in dem zuerst der Abdruck des Bueck'schen Schreibens erfolgt war, stellt, an­geblich auf Grund wetterer ihm zugegangener Mittheilungen, neuerdings die Vermuthung auf, dieser eine Fall mit den 12,000 Mark sei nicht der einzige gewesen. Di« Regierung habe ver-

zosen zogen als Feinde ein. Einige Frauen und Männer, die nicht schncll genug geflüchtet waren, lagen erschossen aus der Straße, die nach dem Isenburger Thoee führte.

Der Magister, welcher in der offenen Haus- thür stand, schlug dieselbe zu, riegette ab und flüchtete in's Zimmer, indem er murmelte: „Das fehlte auch noch! Die SanSkuloiten!"

Frau Karolina ließ vor Bestürzung säst den Kochtopf fallen, der Magister aber meinte: „Also deshalb die schnelle Abreise der Erlaucht, deshalb die Zahlung des Gehaltes für ein halbes Jahr."

In diesem Augenblicke wurde heftig an die Thür gepocht und französische Stimmen forderten Einlaß.

Der Magister wollte öffnen, aber Frau Karo­lina hielt ihn zurück.

„Wenn sie Dich tödten!"

„Ich stehe in Gottes Hand."

Er nahm allen Muth, alle Besonnenheit zu­sammen und öffnete, indem er murmelte: „Fürch­tet Euch nicht vor denen, die den Leib tödten."

In Meerholz lebte ein eingewanderter Hol­länder, ein Bierfiedler und verbummelter Instru­mentenmacher mit Namen Zolle. Er stand vor der Thür nebst einem Haufen französischer Linie unter Führung eines Kapitäns, der den Magister auf französisch anredete.

Der Sinn seiner Rede war: „Herr Profrffor! Haben Sie die Güte, uns zu folgen; wir haben gehört, daß Sie die französische Sprache beherr­schen. Sie sollen uns als Dolmetscher bienen. Ich habe die Ehre: Mein Name ist Adrien von Lebrun, Kapitän!"

muthlich „den leichteren Fall gebeichtet, um über schwerere Hinwegzukommen". Ob das Reichsamt des Innern nun auch auf diese weitere Behauptung etwas erwidern wird, bleibt abzuwarten. Nach dem Voraufgegangenen muß man allen solchen Treibereien jetzt mit dem allergrößten Mißtrauen begegnen. Von Interesse ist die Uebernahme einer Berliner Zuschrift der Münchener Allgem. Ztg/ durch die oberoffiziöse ,Nordd. Allgem. Ztg/. Es wird darin ausgesprochen, daß Reichskanzler Graf Bülow alsbald nach seiner Ernennung dem Grafen Posadowsky die Hoffnung ausgedrückt hat, daß ihm „dessen hervorragende Erfahrung und Sachkenntniß bei Führung seines verantwortlichen Postens zur Seite stehen werde."

• Zn Ghren des Iürfien Aoheukohe fand heute bei dem Reichskanzler Grasen Bülow ein Festmahl statt, an dem die ge- sammte Familie des scheidenden Kanzlers und außer­dem eine Reihe von Diplomaten im Staatsdienst und Verwandte des Fürsten Hohenlohe theilnahmen.

• Duterfiaatssekretär im Auswärtigen Amt soll an Stelle des zum Staatssekretär desselben Amtes vorgerückten Freiherrn von Richthöfen der Wirkl. Geh. Legationsrath Dr. von Mühlberg werden. Die Ernennung steht unmittelbar bevor. Dr. von Mühlberg ge­hört als Zweitältester Vortragender Rath der Abtbeilung la des Auswärtigen Amtes an, nämlich der politischen Abtheilung. Herr von Mühlberg ist ungefähr 55 Jahre alt.

+ Der Besprechung von AoKtarif- Iragen war eine Berathung gewidmet, die am letzten Samstag unter dem Vorsitze des Reichs­kanzlers Grafen Bülow im Berliner Reichs­amte des Innern stattgefunden hat. Außer dem Reichskanzler und dem Staatssekretär Grafe ’ PosadowLky nahmen an der Besprechung theil Staatssekretär Freiherr von Richthofen und die preußischen Minister von Miquel, Frhc. von Hammerstein und Brefeld.

4- Die Mörse hat während der abgelau­fenen Woche vo» den Schrecken der jüngsten Zeit sich ein wenig erholt. Die Bergwerksaktien haben während der letzten acht Tage einige er- freuliche Kursaufbefferungen erfahren, ebenso mehrere andere Jndustriepapiere; und die Haltung auf dem Markte der Bankaktien war ebenfalls wieder fest. Die Ausführungsauf­träge bei den Jndustriewerken gehen wieder reichlicher ein — kurz und gut, die Schrecken der voraufgegangenen Wochen scheinen so ziemlich überwunden zu sein, und es erscheint beim Pub­likum statt der albernen Panik wieder Ruhe und Besonnenheit und damit auch wieder einige Kauflust einzukehren. Auch die inländischen Reichs- und Staatsanleihen hatten einige Kurs­steigerungen zu verzeichnen, so daß man hoffen darf, die Macht der gewissenlosen Tiefstand- Treiber werde nunmehr nicht mehr ihren ver- hängnißvollen Einfluß spielen lassen können. Mit der Verbesserung der Börsenstimmung hier in Deutschland hängt eine ebensolche Verbesserung auf dem nordamerikanischen Ma kce zusammen, und einhellig führen die Börsenberichte das darauf zurück, daß man die Wiederwahl des Herrn Mec Kinky zum Präsidenten der Vereinigten Staaten sür gesichert hält. Man kalkulirt so: wird ^WW^WWWAWWzW^WWWWWWWWWWWWWW^WMMMW

Der Magister verbeugte sich und lief: „Ka­rolina, meinen Hut; ich soll den Herren als Dol­metsch bienen. Sorgt Euch nicht!" — Und zum Kapitän gewandt: „Mein Herr, ich bin bereit!"

In diesem Augenblick warf Lebrun einen Blick nach oben und gewahrte Leonore am Fenster.

„Quelle beaute! Welche Schönheit! " mur­melte er und warf noch einen Blick nach oben, dann setzte er sich an die Spitze des Trupps und foit ging's, dem Rathhause zu.

Ein ganzes Regiment mit d:r Nr. 172 war eingerückt und besetzte die Octschaften rings herum. Obrist Duoernois wartete auf dem Rathhause schon des Magisters, der sogleich stark in Anspruch genommen ward und überall Auskunft geben sollte. Der Obrist legte sich mit dem Stab ins Schloß, der Kapitän begehrte Quartier im Schulhause, war aber so rücksichtsvoll, Burschen und Pferd dem Nachbar, einem Wagenmacher, zuzutheilen.

Der Magister ward sich des Gefährlichen feiner Lage wohl bewußt, brachte auch das Schar­lachfieber als Abschreckungsmittel vor, aber der Kapitän sagte auf französi ch: „Das macht nichts!" und damit war die Sache erledigt.

Erst am späten Nachmittag kam der Schul­lehrer in Begleitung des Kapitäns zu den ©einigen zurück, die über die Einquartirung nicht wenig erstaunt waren. Lebrun erklärte sich aber mit einem Stübchen zufriedengestellt, speiste im Schlosse beim Obristen ober an ber Tadle d'hore im ersten Wirthshause bes StäbtchenS. Auf biese Weise hatten es bie Treustem- ja besser, als wenn eine niedrige Charge bei rhnen einquaitirt gewesen wäre. So wurde denn Siegfrieds Stübchen dem Kapitän eingeräumt, ber sich aber in ber Familie

27. Jahrgang.

Mac Kinley wiedergewählt, ist auf einen er* neuten kräftigen Aufschwung des amerikanischen Wirthschaftslebens zu hoffen, und zwar deswegen, weil man dann mit Sicherheit auf die Fortsetzung der gegenwärtigen Politik des hohen Zollschutzes rechnen kann. Den hohen Schutzzöllen verdanken die Amerikaner den Aufschwung ihres Wirth­schaftslebens während der letzten Jahre; und bleibt Herr Mac Kinley Präsident, bann bleibt auch diese Politik am Ruder. Würde bei unS in Deutschland eher die Ruhe und Besonnenheit beim Publikum wieder eingekehrt sein, dann würde sich derselbe erfreuliche Wechsel, der während der letzten Woche sich vollzog, auch schon früher sich bemerkbar gemacht haben. Man ersieht daraus wiederum, wie recht diejenigen hatten, die vor Jahresfrist vor der künstlichen Hochtreiberei der Jndustriepipiere, dann aber, als ber Krach da war, vor übergroßer Angstmeierei warnten. Hoffentlich kehrt nun wieder Ruhe und Stetig­keit auf dem Geldmärkte ein. Beides können wir sehr gut brauchen, um die entstandenen Schäden wenigstens zum Theil wieder gut zu machen.

V gSerfitt, 29. Oktober. Der Kaiser hörte heute früh die VortrSee deS Kultusministers Dr. Studt, des Chefs des Civilkabinets Wirkl. Geheimen Raths Dr. von Lucanus, des Staatssekretärs des Reichsmartneamts vcn Tirpttz und des Chefs des Marinekabinets Freiherrn von Senden-Bibran. — Bon einer beabsichtigten Seereise des Kaisers wird der ,Post' aus Kiel folgendes gemeldet: Die Kaiseryacht hat telegraphischen Befehl zur sofortigen Instandsetzung erhalten; die Jacht hat bereits die Werft aufgesucht, um dort Bodenreinigungen und andere Arbeiten vor­nehmen zu lassen. Wie verlautet, will der Kaiser im Lause des Monats November eine kurze Seefahrt unternehmen, welche Se. Majestät vermuthlich nach Schweden führt. Nähere Dispositionen bezüglich dieses Ausflugs sind noch nicht bekannt gegeben. — Der Kaiser und die Kaiserin werden am Mittwoch, den 31. d M. in den ersten Nachmittagsstunden in Hildesheim eintreffen, um der feierlichen Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals daselbst beizuwohnen. — Im Besin den der Kaiserin Friedrich schreitet die Besserung wieder in normaler Weise fort, so daß Herr Professor Renvers gestern nicht zur Konsultation nach Schloß Friedrichshof fuhr. Die hohe Patienttn ist guten Mutbes und darf in stetem Berkehr mit ihren auf Friedrichshof weilenden Verwandten stehen. — DaS Be­finden des General-Feldmarschalls GrasenBlumen- thal, über das unlängst bedenkliche Nachrichten in die Oeffentlichkett gedrungen waren, hat sich im Laufe der letzten Woche merklich gebessert Die zeitweise aufge­tretene Athemnoth ist fast vollständig geschwunden. — Der englische Militärbevollmächtigte bei der hiesigen Botschaft, Oberstleutnant Grierson, der im Haupt­quartier des Lords Roberts die fremdländischen Offi­ziere führte, ist dem Stabe des Generalfeldmarschalls Grafen Walderfee beigegeben und hat sich von Süd­afrika nach China begeben. Oberstleutnant WaterS ist während der Abkommandirung des Oberleutnants Grierson der hiefigen englischen Botschaft alS militäri­scher Sachverständiger beigegeben.

* Mreskarr, 29. Okt. Heute fanb hier bie Ersatzwahl zum preußischen Lanbtage statt. Wie bekannt, hat bas Abgeordnetenhaus am 28 März b. I. bie Manbate ber brei hiesigen freisinnigen Abgg. Schmieber, Wetekamp, Gothein für ungiltig erklärt. Heute hat bie Breslauer Bürgerschaft benfelben brei Abgeordneten bie Manbate von Neuem übertragen.

Anstatt-.

G Asag, 29. Okt. Die holländische Be­völkerung Hal sich schon in früheren Jahren ber Treustein so einbürgerte, als ob er bazu gehöre. Er erlernte schnell bas Deutsche, wie es eben ein Franzose lernen kann, unb wenn er es auch ein wenig radebrechte, so erwies er sich boch gegen jedes Mitglied als ein feiner, gebildeter Mann.

Darüber warb es Winter, unb dieser rauhe Gast säumte nicht, alles in sein weißes Leichentuch zu hüllen. Preußen halte inzwischen im blutigen Würfelspiele des Krieges bei Jena unb Auerstäbt seinen Einsatz verspielt und im Frieben von Tilsit seinen halben Bestand verloren; Kurhessen, Hessen- Darmstadt unb Rothenburg, bie Grafschaften Ebers­bach unb Isenburg, wie Kur-Mainz waren burch Napoleons Hand von der europäischen Landkarte gestrichen unb an ihrer Stelle das Königreich Westfalen unter seinem Bruder Jerome gegründet worden.

So trugen denn bie Schlagbäume unb Brücken« gelänber bei Meerholz bie Landesfarben des neu« gebackenen Königreichs Westfalen und bie Harle« finabe mit dem lustigen Jerome als Hauptakteur begann.

Das 172. Regiment des Obristen DuvernoiS, welches bisher in Meerholz in Garnison gelegen, warb nach Hanau versetzt unb nur eine Kom­pagnie unter Kapitän Lebrun blieb dort, ward aber in's Schloß Alt-Jsenburg hineingebracht.

Am Abend des Tages, an welchem ber Kapitän feinen Abzug au8 bem Schulha«se zu Meerholz mittbeilte, wollte Magister Treustein im Dunkeln bie Treppe hinaufsteigen, um aus ber Bücher­kammer droben etwas zu holen, ba hörte er leidenschaftliches, verhaltenes Weinen:

„Adrien," sagte eine weiche Frauenstimme, in welcher ber Schullehrer sogleich zu seinem