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Jtl 248.

Jutöa, Samstag, den 27. Oktober 1900.

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27. Jahrgang.

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2 Noch ein Wort über das deutsch­englische Abkommen.

Manche Zeitungen haben sich Mühe gegeben, das chinesische Abkommen zwischen Deutschland und England als etwas vollkommen selbst, verständliches hinzustellen, als ein Abkommen, das nur vertragsmäßig das zum Ausdrucke bringe, was ohnehin zum erklärten China- programw aller Länder gehöre. Denn schon alle Staaten, silbst Rußland, hätten erklärt, sie wollten in China kein neues Land erwerben; also bade das Abkommen zwischen Deutschland und England eigentlich gar nichts Besonderes zu bedeuten.

Rußland denkt aber erstens doch an Ge­bietsvergrößerungen, nämlich im Gebiete des Amurfluffes, und man kann ihm das deswegen nicht verdenken, weil Rußland an einer Gebiets­vergrößerung dort ganz außerordentliches mili­tärisches und wirthschaftliches Interesse hat, um sein Amurland in unmittelbare Verbindung mit der Küste des Gelben Meeres zu bringen. Thatsächlich sind ja auch dem Zarenreiche von England in einem früheren Vertrage „nordwärts von der großen Mauer" bereits sehr werthvolle Vorrechte zugestanden worden. Zweitens betrachtet unser Kaiser selbst nicht das mit England abgeschloffene Abkommen als etwas so vollkommen Selbstverständliches; sonst würde er in seinen jüngsten Reden in Barmen und Elberfeld nichr mit so auffallender und starker Betonung darauf hingewiesen haben.

Sehr auffällig ist die Art und Weise, wie in b ay erisch en Blättern das deutsch-englische Abkommen besprochen wird. „Der Eindruck, den das deutsch-englische Abkommen auf die diplo­matischen Kreise übte, ist als tief und nachhaltig zu bezeichnen", so läßt sich die Münchener,All- gem. Zeüung' aus Wien schreiben. Es wird danu weiter gesagt in dem Artikel: „Es fällt allgemein auf und wird als ernste Thatsache gedeutet, daß Deutschland sich zuerst und in weitem Umfange gerade mit England verständigt, eine Konstellation, die, wie man weiß, sich seit der Gründung des Deutschen Reiches bisher noch nicht einstellte . . . ." Die russische Politik soll sich nach der Auffaffung, die in Wien herrscht, seit einigen Wochen manche Unfreundlichkeiten gegen Deutschland haben zu Schulden kommen laffen, und nun soll der Abschluß des Abkommens Deutschlands mit England eine Kundgebung da­gegen und gewissermaßen eine Warnung dar­stellen. Aehnlich äußerte sich in diesen Tagen ein Mitarbeiter der Münch. .Reuest. Nachrichtens der Berliner Regierungskreisen nahe steht: „Ruß­land mag dieses Abkommen mit sehr gemischt« n Gefühlen ansehen, da seine weit gesteckten Ziele darauf hinauslaufen, alle Wafferthore Chinas zu schließen und den alleinigen Handelsherrn im Reiche der Mitte zu spielen . . ." So weit sind die russischen Pläne wohl roch nie gegangen. Aber daß das deutsch-englische Abkommen den

Ü86 Schlllhlllls jn Mktthch.

Original-Erzählung von Carl Cassau.

----— (Nachdruck verboten.)

Es war an einem wunderschönen August­morgen des Jahres 1807 ganz früh, und doch war im Schulhause zu Meerholz, einem kleinen fürstlich isenburgischen Städtchen zwischen Hanau und Gelnhausen, schon Leben. Der Schullehrer, Herr Magister Valentin Treustein, eine lange, hagere Gestalt in schwarzen Kniehosen und Strümpfen, Schnallenschuhen, Frack und Sammetkäppchen, stand mit der langen, wohloerkapselten Pfeife — denn das Rauchen aus offenem Kopfe auf der Straße war mit einem Kaffengulden Strafe verpönt — vor der Thür des kleinen, ärmlichen Schulhauses und schaute mit kummervollem Gesicht auf die schöne, grüne Linde vor dem Thorwärterhäuschen, die eben in Blüthe stand, indem er murmelte:

»Die liegen noch Alle in den Federn, während bei uns des sorgenvollen Tages Thätigkeit längst begonnen hat!"

Er wars noch einen zwetten Blick zum wölken- losen, blauen Himmel auf und blickte den dahin- schießenden Schwalben nach. Das schmale, blaffe, nicht unedle Gesicht verklärte sich dabei ordentlich und die bleichen Lippen flüsterten:

„Der die Vögel nährt, wird auch mir Gott und Vater sein! Amen!"

Damit kehrte er ins Hans zurück.

Hier hantirte Frau Karolina, die gewichtige, wohlgenährte Hausfrau des Schullehrers, bereits

Ruffen vollkommen gleichgiltig oder gar eine an­genehme Ueberraschung sei, sollte man doch nicht mehr behaupten.

Die Dreibundmächte haben sich dem Abkommen bereits angeschloffen, und die Erklärung Japans in demselben Sinne steht augenscheinlich unmittel­bar bevor, so daß der zarischen Regierung, um nicht vereinzelt zu werden, schließlich auch nichts Anderes übrig bleiben wird, vielleicht mit der stillschweigenden Reserve, daß ihr im Amurgebiete freie Hand gelassen werde. Und dann hat die deutsche Politik eines doppelten Erfolges sich zu erfreuen. Nur sollte man nie mehr sagen, daß das deutsch-englische Abkommen ohne ernstere Be­deutung sei. Man thut damit sicherlich auch den Leitern der deutschen auswärtigen Politik keinen Gefallen.

G Nochmals das Schreiben des Herrn Bueck.

Durch das halbamtliche Drahtbureau ist die Kundgebung der ministeriellen »Berliner Korre­spondenz' verbreitet worden, durch die Herr Ge­heimrath Dr. v. Woedtke, Direktor im Reichs­amte des Innern, als derjenige Beamte be­zeichnet wird, der mit Herrn Bueck wegen der Hergabe der bewußten 12000 Mark in Ver­bindung getreten ist. Dieses offene Hervortreten des Geheimraths v. Woedtke berührt ohne Zweifel angenehm, obwohl man sein Verfahren nicht billigen kann.

Das Verfahren des Herrn Geheimraths o. Woedtke ist sicherlich nicht zu billigen. Aber nach dem ganzen Charakter und Auftreten des Herrn ist nicht anzunehmen, daß er damit gegen seine Pflichten zu handeln glaubte. Er mag von dem Gedanken ausgegangen fein, daß das Gesetz hauptsächlich dem Unternehmerthum zu gute komme, und daß deswegen auch das Unter» nehmerlhum Geldmittel zum Gelingen der Sache opfern könne. Aber erstens haben es bei der Berathung des Gesetzes die Vertreter der Regie­rungen stets geleugnet, daß das Gesetz das Unternehmerthum begünstige; dasselbe sollte an­geblich unparteiisch verfahren gegen Unter­nehmer und Arbeiter. Zweitens ist es einer Behörde vollkommen unwürdig, solche ZwangS- anleihen zu machen, und Herr Bueck selbst hat in seinem Schreiben dieses Verfahren mit Recht „eigenthümlich" bezeichnet. Warum hat aber Herr Bueck sich nicht geweigert, einen Weg zu be- chreiten, der ihm selbst „eige-ilhümlich", mit mberen Worten bedenklich vorkam? Und warum benützte man denn das verfehlte und tadelns- werthe Verfahren des Geheimraths v. Woedtke mzu, um nun gerade jetzt einen hinterlistigen Überfall gegen den Staatssekretär Grafen Posadowsky zu unternehmen? Daß Graf Posadowsky unbetheiligt an der ganzen Sache st, geht doch aus der Entwickelung derselben jexoor. Aber trotzdem bleibt die .National- Zeitung', die sich zu einer widerlichen Rolle in dieser Jntrigue mißbrauchen läßt, bei der unberechtigten Auffaffung. Graf Posadowsky müsse für den Mißgriff verantwortlich gemacht werden; denn es sei in der Kundgebung der .Berliner Korrespondenz' nicht gesagt, daß der Mißgriff emsig, die Schulstube und die gegenüberliegende Wohnstube zu reinigen und zu putzen.

„Nun, Papa." fragte sie innehattend, schmeckt Dir die Pfeife? — Armer Alter, das Nacht­wachen reibt Dich auf."

„Wer könnte es besser vertragen als ich." gab er zurück. „Hast Du nicht Tages über alle Hände voll mit den drei Kindern zu thun?"

„O, ich thu's gern Papachen; 's ist ja doch ür unfere Kinder!"

„Ja, ja, die leidliche Krankheit! S' ist auch ein rechtes Unglück, daß dieses abscheuliche Schar- achfieber hier so böi artig auftritt !M

„Danke Gott lieber, Alterchen, daß unsere Kinder die Krankheit Überstehen."

„Aber Arzt und Apotheke! O, die Rechnung macht mir Angst!"

Hier trat Frau Karolina ihrem Eheherrn näher:

„Sag mal, Valentin, feit wann bist Du denn so kleingläubig geworden? Glaubst Du nicht mehr an Gottes Treue?"

Herr Valentin lächelte: „Hast recht. Alte; ' jab’ mir eben draußen von den Schwalben auch etne Predigt halten laffen. Trotz des letzten Kaffenguldens im Säcklein will ich an den glauben, der auch die Vögel und Lilien nährt. — Was macht Lenore?"

„Sie scheint fast genesen. Der Schweiß von heute früh scheint ihr wohlgethan zu haben."

„Und Adele?"

„Fiebert noch stark."

„Wie steht es denn mit Oswald?" „Verlangt immer zu trinken."

ohne Wissen und ohne Genehmigung des Staats­sekretärs geschehen fei. Auch wenn dieses geschehen wäre, würde die,Nationalztg.' irgend einen Vor­wand heroorgefucht haben, um die Verantwortung dem Grafen Posadowsky zuzuschieben; denn daß es den Machern dieser Jntrigue nicht darauf an­kam, den Mißgriff einer Behörde an's Licht zu bringen, sondern vielmehr darauf den Staats- fetretär des Reichsamtes deS Innern zu stürzen, steht trotz aller Ableugnungs-Ver­suche fest.

Warum hat man die Sache nicht früher be­kannt gemacht? Man hielt gerade den gegen­wärtigen Zeitpunkt für recht geeignet zur Minister- stürzerei. Und daß man den Umweg über ein sozialdemokratisches Blatt wählte, beweist deutlich, daß man sich der Widerwärtigkeit dieser Umtriebe voll bewußt war. Der gewählte Um­weg ist nicht mehr neu. Ec ist schon häufiger und schon non verschiedenen Leuten beschritten worden; deswegen kennt man ihn schon und er­kennt ihn auch fofort wieder. Und deswegen ist das ganze Verfahren ebenso ungeschickt wie widerlich.

Es ist durchaus zu mißbilligen, daß ein Beamter im Uebereifer sich dazu verleiten laffen konnte, von Prioatkreisen Geld zu verlangen für eine Agitation zu Gunsten des sogenannten Zucht- hausgefetzes. Das ist doppelt zu mißbilligen, daß Geheimrath von Woedtke gerade an eine Körperschaft sich wandte, die in diesem Falle so sehr selbst Partei war, wie der Unternehmeroer­band der Industriellen; denn es wird dadurch die Regierung gewiffermaßen in den Sold be­stimmter Sonderintereffen gestellt gegen einen ganzen andern Erwerbsstand, während gleichzeitig jegliche Parteinahme der Regierung und ihres Gesetz ntwurses für den einen oder andern Theil hartnäckig geleugnet wurde. Aber durch diese bedauerlichen Thatsachen wird das Verfahren derjenigen nicht um ein Haar schöner, die nun so lange Zeit hinterher diese Mißgriffe des einen Beamten dazu mißbrauchen wollen, einen andern, jenem vorgesetzten Beamten aus seinem Posten zu verdrängen, ohne auch nur im geringsten danach zu fragen, ob dieser andere Beamte wirklich an dem begangenen Mißgriffe betheiligt war oder nicht.

Die Preffe hat nicht den Beruf einen Reichs­beamten in Schutz zu nehmen, und sie kann das auch nicht thun, weil dir inneren Vorgänge der Behörde ihr unbekannt sind. Das ist die Auf­gabe der Behörden und ihrer Beamten und Leiter elbft. Aber wenn die Darstellung der .Berliner Korrespondenz' den Sachverhalt genau kennzeich­net, dann kann die Preffe ohne Unterschied der Partei gerechterweise nur den Standpunkt Der» reten, daß Graf Posadowsky nicht mit einer Verantwortung belastet werde, die ihm von Rechtswegen durchaus nicht aufgebürdet werden kann.

Deutsches Keich.

Berlin, den 26. Oktober.

* Das .Armee-Verordnungsblatt' veröffentlicht ölgenden Armee KefeHk: „Heute sind hundert Jahre seit dem Tage verflossen, an dem der General-Feldmarschall Graf v. Moltke das Licht der Welt erblickt hat. Dankerfüllten

„Gib ihm. Alte; laß auch eine Flasche Rolh- roein holen und mische davon nebst Zucker in's Waffer."

„Komm herein, Valentin; das Zimmer ist auber, der Kaffee fertig."

„Ich komme gleich!"

Er reoidirte erst die Schulstube, sah bann nach den Hühnern im kleinen Hofe und gab ihnen )ie Freiheit, indem er das Gitter des Stalles öffnete. Darauf erst trat er in's Wohnzimmer, wo seine Ehehälfte eben den dampfenden Kaffee auftrug.

„Ist Siegfried noch nicht aufgestanden? fragte der Hausherr, indem er die Taffe zum Munde führte.

„Nein, Vater; er hat noch bis Mitternacht geschrieben, um etwas mit zu erschwingen. Dr. Born­leim hat «hm Hausarbeit gegeben."

„Das ist gut. Wir haben heute erst den 10. August und rer Rentmeister zahlt keinen Gulden vor dem 1. September; das sind noch bange 20 Tage!"

„Durch die uns der Herr auch bringen wird."

„Amen."

„Unser Kaffee, den uns Freund Lawes mit besorgte, geht auch der Neige zu. Ich werde wohl zur Mehlsuppe greifen müffen, denn seit »er Kontinentalsperre ist ja dieses Gewächs von dem Napoleon sündhaft vertheuert."

„Ja, ja. die Engländer haßt er wie die Pest."

„Die Preußen nicht minder. — Weiß man nichts Neues über diese Macht?"

„Nichts, als daß die Kriegserklärung erfolgt i t. Was wohl aus uns wird ? Zu dem Jammer auch noch die bedrängten Zeiten."

Herzens preise Ich die Gnade des Allmächtigen, der dem Vaterlande diesen Mann geschenkt hat; voll freudigen Stolzes beglückwünsche Ich Mein Heer, das diesen Feldherrn sein Eigen nennen durfte. Die Thaten des verewigten Feldmarschalls, der in den glorreichen Kriegen von welterschüttern­der Bedeutung Meinem unvergeßlichen Herrn Großvater als treuer Berather zur Seite gestanden hat, sind mit Flammenschrift auf den Tafeln der Geschichte verzeichnet. Unauslöschlich wird in Meiner Armee die Erinnerung an ihn fortleben, dem bis zum letzten Tage seines gottgesegneten Lebens es in strenger Selbstzucht, treuer Pflichterfüllung und unwandelbarer Vaterlandsliebe Niemand zuvor- gethan hat. Möge dieses Muster aller Krieger- tugenden der Armee bis in die fernsten Zeiten ein Vorbild sein, aus dem sie neue Kraft schöpft zur vollkommenen Erfüllung der erhabenen und schweren Ausgaben, die ibr zugewiesen sind. Berlin, den 26. Oktober 1900. Wilhelm."

* Für die Reform der Iideikommitz- gesetzgevttng verlangt die.Deutsche Tagesztg.' eine Herabsetzung des Stempels für die Errich­tung von Fideikommissen von 3pCt. des Wrrthr „etwa auf 1 pCt." und daneben günstigere Be­dingungen wegen der Zahlung des Stempels, als jetzt zugelaffen sind. In einigen Provinzen wie Hannover, Westfalen, Hessen-Nassau und der Rheiuprooinz müßten Güter bis zu einem Reinertrag von 6000 Mark zur Fideikommißbil« düng zugelassen werden. — Die Ansichten Über diese Frage werden in Hessen-Nassau wohl sehr getheilt fein.

• Der Aokouiatraltz ist zum 8. November einberufee behufs Berathung der für den Reichs­tag bestimmten Kolonial-Anträge der Regierung.

X Die Aufhebung des Aesuiteugesetzes soll nach einigen Zeitungsmeldungen angeblich in den Plänen des Reichskanzlers FürstenHohen- lohe gelegen haben, so daß die deutschen Katho­liken in diesem Sinne den Wechsel im Kanzler­amte zu beklagen hätten, wenn nun Graf Bülow der entgegengesetzten Ansicht und nicht gesonnen sein sollte, auch auf diesem Gebiete die Erbschaft des Fürsten Hohenlohe anzutreten. Fürst Hohen­lohe kann leider schwerlich den Anspruch darauf erheben, die Unrechtmäßigkeit des Ausnahmegesetzes voll eingesehen und daraus die entsprechenden Schlußiolgerungen gezogen zu haben. In einer Unterredung mit dem Abg. Dr. Lieber hat er einmal ganz bestimmt und unzweideutig seine An- xcht dahin geäußert, daß an eine Aufhebung de« Jesuitengesetzes vor der Hand nicht zu denken sei. Diese Unterredung liegt in der Zeit nicht so weit zurück, daß man annehmen sollte, Fürst Hohenlohe hätte in der letzten Zeit seiner Kanzlerschaft seine Ansichten darüber geändert. Daß auch jetzt die Aufhebung des schmählichen Ausnahmegesetzes nicht n den Plänen der Reichsregierung liege, ist »ekanntlich bereits vor einigen Tagen von einem Berliner Ojfiziosus mitgeiheilt worden. Nachträg- ich erschien in einem liberalen Münchener Blatte sie bestimmte und unbestritten gebliebene Meldung, daß man auch in den Kreisen der bayerischen Regierung nicht an eine Aufhebung des Gesetze« gedacht habe......Es ist gar kein schönes

Schauspiel, mit ansehen zu müssen, wie alle mög- ichen Regierungsleute mit beinahe ängstlichem Effer sich geaen die Zumuthung zu verwahren

„Tie aber ertragen fein wollen, Valentin. Unser Herrgott legt ja Keinem mehr auf, als er tragen kann."

„Du hast recht."

„S' ist nur ein Glück, daß Siegfried zu jung war, fönst hätte er auch dem Kalbfell folgen müffen."

„Das hätte er! Und ein Unglück wär's ge­wesen, denn ich traue Preußen nicht viel zu. Die Herren Offiziere find auf den Lorbeeren Friedrichs »es Großen eingeschlasen. Werden diese Parade- Soldaten dem Feuer der Franzosen unter dem iegreichen Napoleon Stand halten?"

Er schüttelte den Kopf und zog große Wolken aus der Pfeife.

„Wenn der Napoleon seinen Willen bekommt, Alterchen," meinte die Hausfrau, „wird er auch den Tabak sündhaft thener machen und Da wirst auf Deine Pfeife noch Verzicht leisten müffen."

„Ach, das wollte ich gern, wenn nur unser geliebtes Vaterland Frieden hätte und — meine Ander wieder gesund wären."

Er stand auf und trat abermals vor die Hausthür. Jetzt bemerkte er, daß der Nachbar Thorschreiber aufgestanden war und ebenfalls sein Pfeifchen unter der Linde rauchte. Schnell trat er hinüber und meinte nach einem herzlich „Guten Morgen":

„Was Neues, Gevatter Ollendorf?"

Der Thorschreiber nickte.

„Gestern Nacht ist ein Kourier ans's Schloß gekommen — dicht beim Srädlchen lag Schloß Ält-Jsenburg — „und Hst um Mitternacht Oeff- nung des Thores verlangt. Ich bin aufgestanden und hab'n eingeraffen. Er ist zum Bürgermeister